da stimme ich dir absolut zu. Koiimasis ist ein Traum! Sowohl die Campsites als auch die Chalets - wir haben beides schon genutzt. Und die Dusch - und Toilettenhäuschen suchen wirklich ihres Gleichen. Ist halt deutsche Wertarbeit 😄
Bin gespannt auf eure weitere Reise und Abenteuer.
TopobärThemenstarter5’486 Beiträge · seit 200919. Feb. 2015 ·
8.Tag (Sa. 27.12.2015) Tirasberge – Aus 199km
Der breite Ersatzreifen unter unserem Auto reduziert unsere Bodenfreiheit schon ganz erheblich. In schwerem Gelände hatte der Reifen schon einigen Bodenkontakt. Da ich bei der Tour durch die Namib keinen Sandanker unter dem Wagen haben will, beschließe ich, auch den zweiten Reservereifen auf den Dachgepäckträger zu schnallen. Da die heutige Etappe recht kurz ist, wir Zeit haben und ich vor der Wüstentour wissen will, ob die Verlagerung des zweiten Reifens das Fahrverhalten verändert, mache ich das gleich heute nach dem Frühstück. Um es gleich zu sagen, ich merke keinen Unterschied.
Auf dem Weg zurück zur D707 hat Kathrin dann ein wenig Frühsport, denn es sind etliche Weidegatter zu öffnen.
Auch die restliche Strecke auf dieser Traumstraße gefällt uns sehr gut. Hier müssen wir noch mal vorbei schauen und auch die anderen Farm-Campsites antesten. Da soll es ja noch das Eine oder Andere Kleinod geben. Die Landschaft besticht vor allem durch ihre Weite. Das läst sich nur schwer auf Fotos abbilden.
Rund 30km vor Aus bemerken wir auf der C13 ein Tier, welches sich vor uns schnell in die Büsche am Straßenrand verzieht, als wir uns nähern. Wir halten an der Stelle an und versuchen es wieder zu finden, haben aber keinen Erfolg. Nix zu sehen. Wir wollen schon weiter fahren, da flitzt plötzlich eine African Wildcat unter einem Busch hervor und verschwindet schnell in Richtung Horizont. Hätte die kleine Katze nicht die Nerven verloren, hätten wir sie nie entdeckt. Für ein Foto ging das aber alles viel zu schnell.
Schon mittags erreichen wir unser heutiges Ziel, die zu Klein Aus Vista gehörende Dead Horse Campsite. Diese ist bestens ausgestattet, sehr sauber und liegt in einem schönen Seitental, ca. 3km von der Lodge entfernt. Allerdings sind die einzelnen Stellplätze etwas näher beieinander. Das wichtigste ist in dieser Jahreszeit aber der große Schattenbaum über den fast jeder Stellplatz verfügt. In der Lodge kaufen wir Feuerholz und ordern ein Braai-Paket für den Abend.
Heute ist es relativ kühl. In der Sonne hält man es zwar nach wie vor kaum aus, unter dem Schattenbaum, bei kühlem Wind brauche ich aber selbst tagsüber etwas langärmeliges.
Da unser Wagen hier auf der Campsite direkt neben einem anderen Fortuner steht, bemerke ich, dass die geringe Bodenfreiheit im Heck daher kommt, dass unser Wagen dort wesentlich tiefer liegt. Wenn ich mir jetzt das zum Teil sehr schwammige Fahrverhalte unseres Wagens in Erinnerung rufe, gehe ich davon aus, dass Stoßdämpfer und Federn im Heck ziemlich durch sind. Jetzt mache ich mir ernsthaft Sorgen, ob man uns mit unserem tiefer gelegten Auto überhaupt mit auf die Wüstentour nimmt. Da morgen Sonntag ist, haben wir auch keine Chance, den Wagen noch reparieren zu lassen.
Gegen Abend fahren wir zum Garub Wasserloch. Als leidenschaftliche Reiterin will Kathrin natürlich unbedingt die wilden Artgenossen ihrer Lieblinge treffen. Wir haben großes Glück. Am Wasserloch und in der Umgebung halten sich jede Menge Wildpferde auf. Unter anderem auch ein ganz junges Fohlen mit plüschigem Fell und staksigen Beinen. Man sieht den Pferden das entbehrungsreiche Leben in der Wüste an. Bei allen kann man die Rippen zählen und die Hengste sind gezeichnet von vielen Biss- und Trittspuren, die von den Machtkämpfen innerhalb der Herden zeugen. Das Fell glänzt jedoch und die Tiere machen einen gesunden Eindruck. Wahrscheinlich sind die Reitpferde in Deutschland alle übergewichtig. Kathrin ist happy und als sich eines der Pferde kurz von Ihr streicheln lässt ist Ihr Glück vollkommen.
Auf der Rückfahrt zur Campsite halten wir am Straßenrand an und genießen den ersten richtigen Sundowner dieser Reise; mit weitem Blick über die Wüste und den im letzten Sonnenlicht leuchtenden Bergen im Süden.
Das Braai-Paket ist super. Fleisch, Beilagen, Dessert, Geschirr und Besteck – alles dabei. So hat man außer dem Grillen keinerlei Arbeit und ein perfektes Dinner. Man kann sich übrigens aussuchen, ob man Lamm, Rind oder Wild möchte.
habe ich das jetzt gut verstanden? Ihr seid zuerst über Helmeringhausen nach Koiimasis und von dort wieder südwärts nach Aus? Du willst ja deine Reiseroute noch nicht mitteilen, daher finde ich das bikki ungewöhnlich. Oder war das nördlichster Punkt?
Sehnsucht erweckende Landschaftsfotos hast du eingestellt. (Hast du den blauen Himmel mit Polfilter fotografiert?) Und die Wildpferde in Garub habt ihr auch gut erwischt. Wir waren 2x dort und jedes Mal hat es geregnet, was schon für August außergewöhnlich ist. So lasse ich mir die Wartezeit auf Namibia gerne überbrücken 🙂
TopobärThemenstarter5’486 Beiträge · seit 200919. Feb. 2015 ·
Hallo Guggu,
wir hatten erstaunlich klares Wetter ohne Dunst, so dass wir meist einen tiefbauen Himmel genießen konnten.
Zu unserer Strecke: Den kleinen Nordschlenker haben wir gemacht, weil ich unbedingt mal die Tirasberge kennenlernen wollte. Als kleiner Spoiler sei verraten, dass es jetzt weiter nach Lüderitz und von dort durch die Namib nach Walvis Bay gehen wird. Wir hatten halt ein paar Tage "totzuschlagen" bis die Wüstentour startete und die haben wir genutzt um kreuz und quer durchs südliche Namibia zu fahren und die herrlichen Landschaften zu entdecken.
na da habt Ihr ja bisher eine tolle Landschaftsreise hinter Euch gebracht. Diese Route könnte uns auch gefallen. In den Richtersveld haben wir es bisher noch nicht geschafft. Euer Fortuner hat hinten wirklich ganz schön Tiefgang 😉 Euer Landcruiser stand bei unserem Treffen in Namibia doch deutlich hochbeiniger da 😉
Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht. Auch wenn ich nach der Rückkehr aus unserem morgen beginnenden Urlaub erst weiterlesen kann 😉
Viele Grüße und Danke für den schönen Bericht Carsten
Zu unserer Strecke: Den kleinen Nordschlenker haben wir gemacht, weil ich unbedingt mal die Tirasberge kennenlernen wollte. Als kleiner Spoiler sei verraten, dass es jetzt weiter nach Lüderitz und von dort durch die Namib nach Walvis Bay gehen wird. ....
Cool. Habe gespannt bisher mitgelesen und warte jetztgespannt auf deinen Bericht ab Lüderitz. Ich vermute jetzt einfach mal es geht für 5-6 Tage über Conception Bay durch das Diamantensperrgebiet.
Viele Grüsse, Ralf
TopobärThemenstarter5’486 Beiträge · seit 200923. Feb. 2015 ·
wir sind weiter dabei, jetzt wird's ja langsam spannend, quer durch die Namib. Besonders freud mich das Bild vom Eland, die sind mir bisher immer kurz vor dem Abdrücken ins Dickicht abgehauen..
Hallo Topobär, nun habe auch ich endlich wieder Zeit gefunden, euch zu folgen. Ich bin ganz begeistert von den klaren Aufnahmen. Durch deine Bilder weckst du viel Vorfreude auf unseren Sommerurlaub, denn dann werden wir zum ersten Mal den Südteil mit den Tirasbergen erobern und in Koiimasis übernachten! 🤩 Wüstentouren haben wir immer mal wieder durch den Oman gemacht, nun bin ich ganz gespannt, was Namibia zu bieten hat? Lass uns nicht zu lange warten - ich bin neugierig! 😮
TopobärThemenstarter5’486 Beiträge · seit 200924. Feb. 2015 ·
9.Tag (So. 28.12.2014) Aus – Lüderitz 192km
Heute lassen wir uns Zeit, denn wir wollen erst um 10:00Uhr in Kolmannskuppe sein und bis dorthin ist man auf Asphalt schnell gefahren. Die Nächte sind hier im Südsommer für afrikanische Verhältnisse sehr kurz und so ist es auch mal ganz angenehm etwas länger zu schlafen und nicht jeden Tag mit der Dämmerung um 5:30Uhr aufzustehen.
Über Kolmannskuppe habe ich schon viel gelesen, so dass ich sehr gespannt bin, diesen Ort endlich in Natura zu erleben. Als wir ankommen ist schon ein Riesentrubel. Auf dem Parkplatz stehen jede Menge Autos und es sind mehr Touristen unterwegs, als wir in den vergangenen Tagen insgesamt gesehen haben. Da wir die Geschichte der Stadt schon selbst vorbeten können verzichten wir auf die geführte Tour und stromern selbstständig durch die Ruinen der Stadt. Schön, dass das möglich ist, denn so haben wir die Häuser meist ganz für uns allein und vom Rummel der geführten Tour bekommen wir nichts mit.
Ich liebe es, solch verlassene Orte zu erkunden und hinter jede Ecke zu schauen, was sich da verbirgt. Kolmannskuppe ist in dieser Beziehung ein ganz besonderer Ort. Manche Gebäude sind schon arg in Mitleidenschaft gezogen, aber in anderen hat man den Eindruck, man müsste nur mal durchfegen und könne dann erneut einziehen.
Obwohl ich schon massenhaft Fotos der Geisterstadt gesehen habe, ist es doch etwas ganz anderes, live hier zu sein. Trotzdem macht gerade das Fotografieren unheimlich viel Spaß, denn es gibt hier ungewöhnliche Motive, wie man sie nur ganz selten zu Gesicht bekommt. Kolmannskuppe war für mich ganz klar eines der großen Highlights dieser Reise.
Bei einigen Gebäuden ist das Betreten wegen Einsturzgefahr verboten, aber ansonsten gibt es keinerlei Restriktionen.
Im Verhältnis zur Größe des Ortes war das Krankenhaus riesig. Das lässt auf die harten Lebensbedingungen an diesem unwirtlichen Ort, zu Beginn des letzten Jahrhunderts schließen.
Mittags verlassen wir Kolmannskuppe, da wir noch letzte Einkäufe für unsere Wüstentour machen müssen, bevor die Läden schließen. Der Spar ist dann allerdings schon sehr geplündert. Ist das hier immer so, oder liegt das an der Zeit zwischen Weihnachten und Sylvester? Mit ein wenig Improvisation bekommen wir aber alles, was wir benötigen.
Unseren Plan auf Shark Island zu zelten stampfen wir umgehend ein, als wir dort ankommen. Es stürmt und in den felsigen Boden kann man keinerlei Heringe einschlagen. Hier würde uns unser Zelt mit Sicherheit davon fliegen. So machen wir uns auf die Suche nach einem B&B für diese Nacht. Nach einiger Rumfahrerei, da die Stadt ziemlich ausgebucht zu sein schein, finden wir im „Zur Waterkant“ noch ein freies Zimmer. Ein nettes kleines Haus mit nur 4 Zimmern. Rundherum ein blühender Garten und vom Balkon ein schöner Blick auf das Meer und den Hafen.
Den Nachmittag verbringen wir an der Küste südlich von Lüderitz. Am Diaz-Point kann man auch ohne die zerstörte Brücke problemlos zum Kreuz gelangen; da behindert einen der starke Sturm viel mehr. Auf der vorgelagerten Insel liegen zahlreiche Seelöwen.
In dem kleinen Cafe am Diaz-Point finden wir ein windgeschütztes Plätzchen in der Sonne und lassen uns einen leichten Lunch schmecken.
Bei der Weiterfahrt können wir mit dem Fernglas die Pinguine auf Halifax Island beobachten. Kathrin mag eigentlich keine Ferngläser, aber um Ihre Lieblingsvögel zu sehen nimmt Sie es doch in die Hand.
Wir fahren weiter an der Küste entlang bis zur großen Bucht. Zwischendurch steigen wir immer mal wieder aus, um kleine Spaziergange zu unternehmen, aber der Wind treibt uns immer wieder schnell zurück ins Auto. Einen großen Teil des Nachmittags verbringen wir dann lesend im Auto mit Blick auf das Sturm umtoste Meer.
Zurück in unserem B&B wechsele ich noch die Reifen, so dass wir jetzt die 4 Besten montiert haben. Ich habe keinerlei Verlangen nach einem Platten in den Dünen.
Um 19:00Uhr treffen wir uns mit unserer Gruppe im Obelix Village zum Braai und vor allem zum Briefing und ersten kennenlernen. Wir sind eine sehr große Gruppe. Von URI Adventures sind Len als Guide im Führungsfahrzeug und Luciano & Percy im Besenwagen dabei. Außer uns kommen alle anderen Teilnehmer aus Südafrika und sind mit ihren eigenen Fahrzeugen unterwegs. Insgesamt 12 Teilnehmerfahrzeuge mit insgesamt 30 Personen, davon 7 Kinder. In der Beziehung sind die Südafrikaner echt schmerzfrei. Was für uns eine aufregende Expedition ist, ist für die ein Familienausflug. Da muss ich schon schmunzeln, wenn ich an die Diskussionen hier im Forum zu Afrikareisen mit Kindern denke.
Außer uns sind noch zwei englischsprachige Familien dabei, so dass Englisch zur offiziellen Toursprache erklärt wird. Das ist für uns sehr angenehm. Auf Afrikaans hätten wir ziemlich im Abseits gestanden.
Zwischenzeitlich hatte ich mir auch mal die Fahrzeuge der anderen Teilnehmer angesehen. Abgesehen von einem Landrover überwiegend hochbeinige PS-Monster. Wenn ich die so sehe habe ich schon ordentlich Muffensausen. Beim Briefing dann noch eine kurze Schrecksekunde, als Len verkündet, jedes Dieselfahrzeug müsse min. 200l Sprit an Bord haben (die Benziner sogar 280l). Bei der Anmeldung war nur von 160l die Rede und genau die haben wir auch dabei: 120l im Tank und 2 Kanister auf dem Dach. Len fragt daraufhin gleich, ob wir den weißen Fortuner fahren würden, da bei diesem Wagen tatsächlich 160l ausreichen würden, weil der Motor sehr sparsam ist. Demnach hat auch Len schon die Fahrzeuge inspiziert und keinerlei Einwände gegen unseren tiefergelegten Fortuner. Das beruhigt zwar, aber das Lampenfieber bleibt.
dergnagflow2’573 Beiträge · seit 200724. Feb. 2015 ·
Kolmannskuppe ist definitiv auch eines meiner Ziele, musste ich heuer schmerzlicherweise auslassen. Solche verlassenen Orte üben auf mich auch einen besonderen Reiz aus. Und die Wüstentour sowieso. Bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung. lg Wolfgang
TopobärThemenstarter5’486 Beiträge · seit 200926. Feb. 2015 ·
Für viele von Euch, spielt die Tierwelt Afrikas eine wichtige Rolle. Derzeit spielen die Tiere leider noch eine untergeordnete Rolle, aber sowie wir nach Botswana kommen, wird sich das schlagartig ändern. Freut Euch drauf.
Gleich gibt es aber erst einmal die 1.Etappe unserer Wüstentour. 🤩
Um 8:00Uhr ist Treffpunkt auf der Tankstelle am Ortsausgang von Lüderitz. Hier quetscht jeder noch die letzten Tropfen Sprit in den Tank und alle Fahrzeuge werden mit Funkgeräten ausgestattet. Es handelt sich um leistungsstarke Geräte, die direkt an die Batterie angeschlossen werden und eine Reichweite von rund 100km haben. Sie sind so geschaltet, dass jeder jederzeit sprechen kann und dann von allen gehört wird.
Es geht los. Wir nehmen die letzten Kilometer Asphalt für lange Zeit unter die Räder. Rund 40km fahren zurück in Richtung Aus. Dann biegen wir nach Norden in Gravelroad zur Koichab Depression ab, der wir für weitere 40km folgen bevor für die nächsten 6 Tage nur noch reines Offroad fahren ansteht.
Bevor es weitergeht wird aber zunächst der Luftdruck auf 0,7bar reduziert. Mit so platten Reifen war ich selbst auf den berüchtigten Tiefsandstrecken Botswanas noch nie unterwegs.
Als Eingangsprüfung zur Tour kommt sofort eine größere Düne. Ich komme gut hoch und ohne Probleme über den Dünenkamm. Dann setzt aber mein Vordermann zurück und ich muss direkt am tiefsten Punkt einer Senke anhalten. Der Sand ist hier so weich, dass ich mich sofort eingrabe. Damit bin ich der erste, der auf dieser Tour freigeschleppt werden muss. Im Laufe der nächsten Tage wird es jeden etliche Male erwischen. Das Rausziehen wird zur Routine.
Nachdem die erste größere Düne geschafft ist, kommen wir in sehr kleinteiliges Gelände, mit niedrigen Dünen. Dieses Jahr wächst viel Gras und so ist die Fahrt sehr unruhig und hubbelig, da man permanent Slalom um die Grasbuckel fährt.
Mittags machen wir einen ausgiebigen Lunchbreak. Die Crew bereitet ein leckeres kaltes Buffet. Da kann man sich herrlich frische Sandwiches belegen. Der erste Eindruck von der Tourverpflegung ist ein sehr guter. Damit hatte ich allerdings auch fest gerechnet, denn Len, unser Tourguide und Chefkoch hat die stattliche Figur eines Sumo-Ringers.
An dieser Stelle bietet es sich dann auch an, ein paar Worte zu unserer Crew zu verlieren. Len ist der perfekte Tourguide: Souverän, ruhig, gelassen, motivierend, umsichtig – alles wichtige Attribute, die auf ihn zutreffen. Gute Kenntnisse der Natur und Geschichte der Namib-Desert. Er kann die Dünen lesen, wie ein Buch und findet immer die ideale Linie durch dieses Labyrinth aus Sand. Darüber hinaus ist er natürlich auch ein exzellenter Autofahrer. Luciano & Pearcy, die beiden Helfer, die den Besenwagen steuern sehen noch so jung aus, dass wir uns zu Anfang gefragt haben, ob die überhaupt schon einen Führerschein besitzen. Sie haben Ihren Wagen aber ebenfalls perfekt beherrscht und die meisten Bergungen der Tour gehen auf Ihr Konto. Die beiden versprühten ständig gute Laune und hatten sichtlich Spaß an ihrem Job und wir mit ihnen.
Bald nach der Mittagspause folgt die größte Herausforderung des ersten Tages. Es geht steil und kurvig in ein Loch hinunter, so dass es schwierig ist Schwung zu holen, um auf der anderen Seite wieder hinaus zu kommen. Der Landrover von Okkie hängt dann auch gleich fest und braucht mindestens ein Dutzend Anläufe, um heraus zu kommen. Len gibt dabei über Funk Anweisungen, so dass die Tour auch immer ein Offroad-Fahrkurs ist. Ich frage Len, ob wir das Loch nicht auch links herum umfahren können, denn da führt ein breiter Dünenrücken zu der Stelle, wo er auf uns wartet. Das wäre wesentlich einfacher, aber Len will, dass wir alle diese Prüfung absolvieren. Insgesamt hängen 4 Fahrzeuge in dem Loch für einige Zeit fest und zu meiner Überraschung sind wir nicht dabei.
Weiter geht es durch niedrige Dünenfelder mit jeder Menge Bushmangras. Das Automatikgetriebe ist permanent am schalten und bei Temperaturen von 43°C wundert es mich nicht, als die Kontrolleuchte für die Getriebeöltemperatur aufleuchtet. Zum Glück fährt sich bald darauf wieder jemand fest und das Getriebe kann ein wenig abkühlen.
Wenn die Strecke zwischendurch mal leichter wird, gibt Len über Funk auch immer wieder Informationen zur Umgebung und zur Natur. Darüber hinaus dient der Funk zur Warnung vor gefährlichen Passagen und um mitzuteilen, ob nicht einsehbare Passagen frei oder besetzt sind.
Die Wüste ist nicht so tot, wie man denkt. Immer mal wieder sieht man Vögel und wir entdecken auch Strauße und Oryx.
Rund zwei Stunden vor Sonnenuntergang schlagen wir unser Lager auf. Ein traumhafter Platz. Eine große ebene Sandfläche zwischen den grasbewachsenen Dünen. Hier ist ausreichend Platz, dass jeder ein bisschen Privatsphäre hat. Die Crew errichtet sofort das zentrale Camp, zu dem der Esspavillon mit Windschutz, ein Duschzelt, ein Toilettenzelt und das Lagerfeuer gehören. Das Wasser für’s Duschen muss jeder selbst mitbringen, kann es aber gegen am Lagerfeuer erhitztes Warmwasser eintauschen. Die Toilette ist nur für die Frauen. Wir Männer müssen mit der Schaufel auf Wanderschaft gehen; das Toilettenpapier muss eingesammelt oder verbrannt werden.
Es ist angenehm, dass wir so frühzeitig im Camp sind. So kann man nach der aufregenden Fahrerei ein wenig entspannen. Die Kids nutzen die Gelegenheit zum spielen.
Zum Unterhalt der Küche müssen alle Teilnehmer beitragen. Das heißt, jedes Fahrzeug muss im Laufe der Tour zwei Säcke Feuerholz und 20l Wasser bei der Küche abliefern. Da wir unser Feuerholz auf dem Dach transportieren müssen und ich unseren Schwerpunkt so schnell wie möglich verringern will, gebe ich unser Feuerholz gleich heute ab. Die Idee hatten noch Mehrere, aber ich war glücklicherweise schneller.
Wir haben uns ein schönes Plätzchen am Rande der Sandfläche, am Übergang zu den Dünen gesucht. Zum Sundowner steigen wir auf einen nahe gelegenen Dünenrücken und genießen den ersten richtig schönen Sonnenuntergang in der Natur auf dieser Reise.
Der Fortuner hat sich deutlich besser geschlagen, als ich je vermutet hätte. Ich bin jetzt wesentlich entspannter, was die nächsten Tage angeht.
Das Dinner ist dann genauso lecker wie der Lunch. Gegrillte Hähnchenkeilen und Schaschlik mit griechischem Salat und Gemsquash. Danach genießen wir an diesem lauen Abend noch ein paar GinTonic bzw. Savanna, bevor wir müde ins Zelt krabbeln.
coole Geschichte das 😎 😄 Zur Zeit kann man hier jede Menge Abenteuer erleben, da fällt es mir leicht noch ein bisschen auf das Tierische Theater zu warten - alldiweil wir nicht wissen wo es weitergeht 😉 Und soll mal einer sagen Frau wäre nicht multitaskingfähig. Jetzt bin ich gerade mit Fotomatte auf dem Oranje gepaddelt, fahre mit euch durch die Namib Wüste und erklimme nebenher noch den Killi mit Picco. 😄 🤪 😛 Das sind Geschichten die ich liebe................
TopobärThemenstarter5’486 Beiträge · seit 200926. Feb. 2015 ·
@BMW: High oder Low, die Frage stellt man sich auf der Tour ständig. Grundsätzlich fährt man so viel wie möglich in High, allein schon damit der ohnehin exorbitante Spritverbrauch nicht noch weiter steigt. Low hat zudem den Nachteil, dass spätestens bei 80km/h Schluß ist. Deshalb habe ich Low immer nur benutzt, wenn es steil bergauf ging, ohne dass man vorher die Möglichkeit hatte, groß Schwung zu holen. Schwungerhalt ist sowieso das wichtigste beim Dünenfahren. Je nach Beschaffenheit des Sandes hat man ab einer bestimmten Steigung keine Chance mehr Tempo aufzunehmen ohne sich einzugraben. Man muss immer mit möglichst hohem Tempo in die steilen Hänge hineinfahren. Die Differentialsperre hat man höchstens mal eingelegt, wenn man sich eingegraben hatte, hat aber fast nie geholfen.
@Guggu: Ich will jetzt nicht zu sehr auf die Pauke hauen, aber gegenüber dem was die nächsten Tage noch folgen sollte, war der erste Tag nur ein lockeres Einrollen.
Champagner8’796 Beiträge · seit 201026. Feb. 2015 ·
Hallo Topobär,
da ich mich gedanklich/planerisch momentan auch in der Namib Wüste befinde (wenn auch auf der Weichei-Route) genieße ich deine tollen Fotos ganz besonders! Und da ich wohl nie die Möglichkeit einer solchen Offroad-Reise haben werde quetsche ich mich ganz schnell virtuell neben Guggu und lasse mich durch die Dünen schaukeln 🙂 ! (Auf Botswana und seine Tiere freue ich mich aber auch schon sehr 😎 )