Kapitel 9: Safaris Touristenfalle!Die Falle am "River Crossing vor Sesriem" war gestellt und die Jagd auf Touristen eröffnet!
Unser Plan war eigentlich recht einfach. Mein Privat-Fotograf musste nur so tun, als ob er gerade eine mega-tolle und sensationelle Tiersichtung beobachte. Und ich? Ja ich musste einfach nur ich sein: Eine wilde Löwin! =^.^=


Mein Privat-Fotograf hatte unseren Camper so positioniert, so dass er die vom "Sossusvlei" kommenden Fahrzeuge schon von weitem erspähen konnte. Und die Fahrzeuge welche vom "Sesriem-Camp" durch die Flussbett-Senke mussten, hatte er im Rückspiegel im Blick.

Und wie auf einer richtigen Jagd, war ersteinmal warten angesagt. Und während ich es mir im Schatten des Baumes gemütlich machte, hat mein Privat-Fotograf nebenbei was getrunken und die ersten Foto- und Dashcam-Sicherungen gemacht.
Aber dann, nach nur wenigen Minuten, kam schon das erste Fahrzeug vom Sossusvlei!
Ich habe mich also, bereit zum Sprung, schön flach auf den Boden gelegt und mein Privat-Fotograf seine gut ein halben Meter lange Kamera mit Teleobjektiv aus dem Fahrerfenster gestreckt. Um die Illusion nicht zu zerstören, hat er nicht einmal zum ankommenden Fahrzeug geschaut, sondern seinen Blick voll und ganz auf mich konzentriert. Nur mit seinen Ohren konnte er lauschen, wie die Motorengeräusche des sich nähernde Fahrzeugs immer lauter wurde und dann einfach an uns vorbeifuhr?!
Was?
Warum?
Hey! Kommt zurück!
Ihr verpasst gerade...
...die Sichtung eures Lebens...
Aber durch einen Fehlschlag lässt sich eine Löwin wie ich natürlich nicht entmutigen. Bei meinen Schwestern klappt es mit der Jagd schliesslich auch nicht immer auf anhieb!
Als dann aber auch die nächsten sechs Fahrzeuge ohne überhaupt langsamer zu werden an uns vorbeifuhren, musste ich eine Kriesensitzung mit meinem Privat-Fotograf abhalten.
Safari: "Du muss dich entweder mehr anstrengen oder du brauchst ein grosseres Teil!"
Privat-Fotograf: "Ein noch grösseres und schwereres Objektiv macht meine Bandscheibe nicht mehr mit und ich streng mich doch schon so gut an wie es geht!
Ich denke du darfst dich einfach nicht so gut verstecken, so dass die Leute eine Chance haben dich zu sehen."
Safari: "Okay, mache ich. Aber dafür steigst du bitte ab jetzt aufs Dach und versteckst dich nicht mehr hinter der Windschutzscheibe und dem Rückspiegel!"
Aus Sicherheitsgründen ist er nätürlich nicht aufs Autodach gesteigen, sondern hat sich bei offener Fahrertür nur auf die Einsteigshilfe gestellt. Aber dennoch ragte er nun mit seiner Grösse gut ersichtlich über das Autodach hinaus.
Und ich machte es mir nun auf dem dicken Ast gemütlich. Durch meine Fellfarbe zwar immer noch getarnt, aber alles andere wäre dann auch zu offensichtlich gewesen.

Zum Glück kamen auch die nächsten sechs Fahrzeuge aus Richtung des Airstrips/Sossusvlei, denn so waren sie als weiss leuchtende Punkte schon von Weitem zu erkennen. Zu unserem Pech jedoch hielt auch hier niemand an. Ich fragte mich, ob wir immernoch etwas flasch machten, oder ob es einfach am Ort lag. Im Etosha-Park wären jetzt bestimmt schon zwei Autos neben unserem Camper gestanden. Oder die Leute haben einfach keine Zeit mehr heutzutage, beziehungsweise einen viel zu straffen Zeitplan im Urlaub. Ach, wenn die alle nur wüssten was sie verpassen!

Tschüss Reisebus voller sensationshungriger Touristen. Auch wenn ihr mich nicht gesehen habt, ich habe euch gesehen!
Da nun auch die Bildersicherungen fertig waren, wollten wir schon aufgeben und selber weiter fahren, als das nächste weisse motorisierte Gefährt am Horizont aufblitzte. Also gut, einen letzten Versuch noch.
Ich machte mich also auf meinem Ast breit, während mein Privat-Fotograf zum wiederholten Male halb aufs Dach steig und den völlig begeisterten Wildlife-Fotografen miemte. Ab ungefähr einer halben Löwinnen-Springlänge (ca. 100m) hörten wir das lauter werdende Brummen des Motors wie er sich näherte.
Doch genau auf der Höhe unseres Wagens verwandelten sich die Motorengeräusche plötzlich in Bremsgeräusche!
Sie halten an! Sie halten tatsächlich an!!!

Um diesen Moment in vollen Zügen zu geniessen, müssen wir in der Zeit ca. 30 Sekunden in die Vergangenheit reisen und uns imaginär in das andere Auto des jungen deutschsprechenden Paares begeben.
*Partnerin zu ihrem Partner*
Partnerin: "Schau mal dort vorne! Da steht ein Mann auf der Tür und fotografiert irgendetwas im Busch.
Komisch... Ich sehe da nichts, du etwa?
Partner: *ganz cool* "Ja, einen Löwen."
Partnerin: "Einen WAS?!? WO? HALT AN!!!
*Partner macht eine halbe Vollbremsung und setzt dann noch ein Stück zurück*
Parnter: "Dort auf dem Baum liegt er."
*Partnerin lacht laut und macht erste Fotos von mir*
Partnerin: "Geil! Einfach nur geil!"
Schnell ging mein Privat-Fotograf zum Fahrzeug des jungen deutschen Paares und teilte ihnen freudig mit, dass die Beiden unseren Tag gerettet haben. Und auch wenn die Beiden in unsere Falle getappt waren, waren sie froh angehalten zu haben. Hier erzählten sie uns auch den oben geschriebenen Wortwechsel. Allerdings habe ich im nachhinein den Verdacht, dass zumindest er mich im Dead Vlei schon zuvor gesehen hatte. Sonst wäre er nicht so ruhig beglieben.
Nach ein paar weiteren netten Worten und Reiseerzählungen fuhren die Beiden dann glücklich weiter. Und auch wir wollten eigentlich weiter, als dann das nächste Auto anhielt, die Insassen ihre Fenster runtermachten und mit ihren Handys mich abfotografierten wie ein Weltstar!
Diesmal war es eine ganze Vierer-Truppe im lebenserfahrenen Alter aus Deutschland, welche überglücklich war auf unsere Touristenfalle hereingefallen zu sein. Auch diesmal unterhielt sich mein Privat-Fotograf mit den netten Leuten und beglückwünschte diese zu ihrer ersten Löwen-Sichtung, während meine Glücksgefühle in ungeahnte Höhen schossen.
Aber es sollte noch besser kommen. Beflügelt von den beiden Erlebnissen, blieben wir noch etwas länger auf der Lauer. Und nur wenig später hielt nicht nur ein, sondern gleich zwei Autos gleichzeitig an!
Ich glaub es nicht! Ich verursache meinen ersten Löwin-Sichtungs-Stau!!!

Etwas überfordert ist mein Privat-Fotograf erst zu dem Fahrzeug gelaufen, welches etwas weiter weg von meinem Baum zum stehen kam. Dort schaute eine Frau, ich nenne sie jetzt mal "Susan", verwundert aus dem Beifahrerfenster, da sie mich wegen der Entfernung und meiner natürlichen Tarnung noch nicht gesehen hatte.
Susan: "What do you see?"
Private-Photographer: *with enthusiasm* "A lion!"
Susan: WHAT?! WHERE???
Private-Photographer: "At the tree."
*Susan searching the tree with her camera*
Susan: "Oh there! Genious! *smilies*
Can we make a photo?"
Private-Photographer: "Sure!"

Viel besser als die Frau mit ihrem Mann, waren aber die vier Südafrikaner im zweiten Auto. Mit denen hatten wir so richtig Spaß! Die stiegen nämlich aus ihrem Auto aus und genossen ihre Löwinnen-Sichtung wirklich in vollsten Zügen. Besonders Chris, der Ober-Löwe der Truppe, war begeistert und meinte, dass wir ja nie unseren Humor im Leben verlieren sollten. Aber auch seine Mitreisenden meinten, dass dieser Halt der beste Stopp des ganzen Tages war.
Und mal ehrlich: Wann hat man auch schon mal die Chance mit einer Löwin ein Selfie zu machen, ohne Angst haben zu müssen gefressen zu werden? =^.^=
Vielen Dank euch für das Video und das Foto!
Sensations-Video: Löwin bei Sesriem gesichtet! (Link zum Video)
Danach wurde mein Privat-Chauffeur noch zu einer traditionellen Runde Springbock-Köttel-Weitspucken eingeladen, bei dem er als Neuling glücklicher Weise den zweitletzten Platz belegte, da er ansonsten hätte einen Ausgeben müssen. Es ist erstaunlich, wie weit die Dinger fliegen können!
Mit einem Gemütshoch sondergleichen sind wir nach den Südafrikanern dann auch in Richtung "Sesriem-Camp" abgezogen. Und mit ganzen zwölf "gefangenen" Touristen konnte ich am Ende meiner Jagd auch wohl mehr als nur Stolz sein!
Aber wer jetzt denkt, dass wars schon. Weit gefehlt! Das Beste kommt erst noch!