Bettelnde Straßenkinder

86 Antworten · 13,9k Aufrufe · gestartet 19. Jan. 2017 von piscator
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Themenstarter1'483 Beiträge · seit 200919. Jan. 2017 · #1
Guten Tag,
für die NAM Erstreisenden ein Hinweis aus der heutigen AZ
Für den Fall, dass der Link nicht mehr funtionieren sollte ( s. einschlägigen thread) hier der Text ( bitte um Hinweis, wenn das nicht erlaubt sein sollte):

Bettler: Gefahr für Autofahrer

Windhoek (Nampa/nic) – Laut der Windhoeker Stadtpolizei steigt die Zahl der bettelnden Straßenkinder in der Hauptstadt von Tag zu Tag an. Vor allem an den Kreuzungen großer Straßen, wie beispielsweise der Robert-Mugabe-Avenue, gebe es derzeit circa vier bettende Kinder pro Kreuzung.

Nachdem die Polizei bereits dazu aufgerufen hatte, diesen Bettlern kein Geld oder andere Almosen zu geben, um sie in ihrer Tätigkeit nicht zu bestärken (AZ berichtete), nannte Polizei-Kommissar Edmund Khoaseb die Straßenkinder nun auch als eine Gefahrenquelle für die Autofahrer. „Wenn sie an den Straßenkreuzungen nach Geld fragen, ist das nicht nur ein Risiko für sie selbst, sondern auch für die anderen Verkehrsteilnehmer, weil sie diese ablenken“, so Khoaseb am Dienstag.

Die Stadtpolizei stehe daher in der Pflicht, jene Personen, die die Sicherheit auf den Straßen gefährden, festzunehmen oder zumindest vom Platz zu verweisen.


Gruß Piscator
873 Beiträge · seit 201619. Jan. 2017 · #2
Danke für den Hinweis.
Als Namibia-Ersttäter bin ich sowieso ein bisschen unsicher, wie ich mit den typischen Problemen einer Erste-Welt-Dritte-Welt-Konfrontation umgehen soll. Ich weiß jetzt schon, dass wir und insbesondere unserer beiden Töchter (17, 15) zwischen Mitleid (Hunger, Armut) und Bedenken (Diebstahl) hin- und hergerissen sein werden.
Ist es eigentlich aus Prinzip abzulehnen, Bettelnden etwas zu geben?
Oder steckt in dem Kauf von diesen seltsamen Nüssen oder dem Weitergeben von Bonbons / Spielzeug / Malstifte (?) an Kids an einem Straßenverkaufsstand oder wenn sie Dir Viehtore öffnen und schließen etc. auch ein bisschen Mini-Entwicklungshilfe, die zumindest nicht schadet und evtl. sogar ein bisschen 'Gutes tut'?

In Deutschland hat man sich im Laufe der Zeit eine 'Strategie' zugelegt, wo man evtl. was gibt (Straßenmusiker, Straßenmaler, Pflasterstrand-Verkäufer o.ä.) und wo nicht (U-Bahn-Bettler, Ampel-Scheibenwischern, Mutter-Kind-Bettlern in der Fußgängerzone etc.), aber die Maßstäbe taugen für Namibia sicher nix.
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zuletzt bearbeitet 19. Jan. 2017
1'042 Beiträge · seit 201619. Jan. 2017 · #3
piscator schrieb:
Die Stadtpolizei stehe daher in der Pflicht, jene Personen, die die Sicherheit auf den Straßen gefährden, festzunehmen oder zumindest vom Platz zu verweisen.
Hallo Piscator,

die Maßnahme der Polizei finde ich gut, nur ob ein Platzverweis Wirkung zeigen wird? Bettelnde Kinder kann man wohl kaum fest nehmen...
jetzt mal unabhängig ob Namibia oder ein anderes Reiseland. Es wird immer darauf hin gewiesen bettelnden Kindern kein Geld zu geben! Man tut den Kindern damit keinen Gefallen. Häufig werden Kinder zum betteln geschickt und müssen alles abgeben, was sie erbetteln. Das Betteln wird, wenn es mit Erfolg belohnt dann zum Problem, wenn die Kindern anstatt zur Schule zu gehen um etwas zu lernen nur noch betteln. Während manche vielleicht noch Mitleid mit den Kindern haben, so werden diese Kinder irgendwann erwachsen.
In Namibia können die Leute in den abgelegenen Gegenden vor allem sauberes Trinkwasser gebrauchen. Das kann man meiner Meinung nach ruhig geben, solange man noch selber von dem kostbaren Gut hat.

Gruß Markus

Edit @Yoda911: Bitte keine Bonbons verteilen! Gerade in Ländern wo die Zahnpflege als wichtig empfunden wird tust Du damit niemandem einen Gefallen! Gilt auch für andere Süßigkeiten die viel Zucker enthalten!
zuletzt bearbeitet 19. Jan. 2017
33,1k Beiträge · seit 200619. Jan. 2017 · #4
Hi zusammen,
Laut der Windhoeker Stadtpolizei steigt die Zahl der bettelnden Straßenkinder in der Hauptstadt von Tag zu Tag an.
ich weiß ja jetzt nicht ob in Katutura, Okuryangava oder Otjomuise die Straßenecken mit bettelnden Kindern voll sind, aber im "normalen" Windhoek sieht man diese nur an der Ecke Centaurus Rd/Robert Mugabe Ave (bei der Maerua Mall) und an der Ecke Nelson Mandela Ave/Sam Nujoma Dr in Klein Windhoek. Zugegebenermaßen gab es die vor einigen Monaten noch nicht, aber es ist jetzt auch keine "schlimme Situation" oder gar Bedrohung. Die Stadtpolizei hat diese, insgesamt vielleicht 12-15 Kinder, auch schon mehrmals festgenommen, des Platzes verwiesen und dem Jugendministerium übergeben.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
94 Beiträge · seit 201619. Jan. 2017 · #5
Bei meiner kürzlichen ersten Namibiareise habe ich so gut wie keine Bettler gesehen, auch nicht in Windhoek. Angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse fand ich das eher ertaunlich. Gefahrenquelle für Autofahrer? Naja... 😐

Bettelnden Kindern kein Geld zu geben halte ich in der Regel auch so. Allerdings wird die Entscheidung Betteln oder Schule kaum von den Kindern getroffen, das ist eine eher romantische Vorstellung. Oft geht es entweder ums nackte Überleben oder ist bandenmäßig organisiert, die leittragenden sind so oder so die Kinder. Daraus ein polizeiliches Problem zu machen ist eine Herangehensweise, die leider auch nicht selten ist.
Trophäenloser Weltenbummler
16,9k Beiträge · seit 201219. Jan. 2017 · #6
Hallo Yoda,

schließen etc. auch ein bisschen Mini-Entwicklungshilfe, die zumindest nicht schadet und evtl. sogar ein bisschen 'Gutes tut'?

Nein, Du tust nichts Gutes, sondern erziehst nur zum Betteln, da das ja vordergründig lukrativer ist als in die Schule zu gehen.

Und wo heute 2 Kinder stehen, da stehen dann morgen 4. Weil dann natürlich alle von diesem Geschäftsmodell profitieren wollen.

LG
Logi
873 Beiträge · seit 201619. Jan. 2017 · #7
Danke für die klaren Antworten.
Konsequent zu Ende gedacht heißt das aber z.B. auch, dass ich an einem Straßenstand oder auf einem (Kunst)handwerkermarkt kein Souvenir kaufen sollte, wenn dort Kids zusammen mit der Mutter oder evtl. sogar allein verkaufen - egal ob was Selbsthergestelltes oder eine Giraffe made in Taiwan. Denn auch dann fördere ich, dass sie ohne Schule 'arbeiten', statt zu lernen, richtig?!
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Themenstarter1'483 Beiträge · seit 200919. Jan. 2017 · #8
Guten Abend,
ich finde die Diskussion interessant und eigentlich auch notwendig. Sie hilft, sich über eigenes Verhalten Klarheit zu schaffen oder es zumindest zu reflektieren.
Wir halten es prinzipiell so:
Keine Leistung ohne Gegenleistung, sie kann auch ganz klein sein. Danach kann man in den meisten Situationen entscheiden.
Mitverkaufende Kinder auf dem Markt sind sicher ein Grenzfall in diesem Sinne.

Auf jeden Fall sollten in den Städten mindestens beim Ampelhalt die Türen verriegelt sein, nicht nur oder nicht vorrangig wegen bettelnder Straßenkinder.

Gruß Piscator
7'296 Beiträge · seit 200619. Jan. 2017 · #9
piscator schrieb:
Wir halten es prinzipiell so:
Keine Leistung ohne Gegenleistung, sie kann auch ganz klein sein. Danach kann man in den meisten Situationen entscheiden.
Mitverkaufende Kinder auf dem Markt sind sicher ein Grenzfall in diesem Sinne.

... da der Schulbesuch in vielen (den meisten?) afrikanischen Ländern mit der Entrichtung von Schulgebühren und dem Tragen einer Schuluniform verbunden ist, fehlt vielen Familien ganz einfach das Geld, alle Kinder zur Schule schicken zu können. Dass diese Kinder dann irgendwo mithelfen müssen, ist klar. Und wenn sie es nicht täten, könnten sie oft trotzdem nicht zur Schule gehen.

Ich sehe das mit der Gegenleistung prinzipiell genauso. Ausnahmen mache ich aber z.B. bei Behinderten wie z.B. Poliokranken, die manchmal auf allen Vieren irgendwo durch das Dorf kriechen. Die betteln in der Regel nicht mal, aber da habe ich schon ab und zu mal jemandem etwas Geld gegeben. Die haben aber auch keine Chance, einer Arbeit nachzugehen.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
441 Beiträge · seit 201219. Jan. 2017 · #10
Hey,
ja, auch ich plage mich jedes Jahr wieder erneut mit dieser Frage herum. Hab mich dann entschieden überwiegend kleine Spielsachen wie Seifenblasen (das ist immer wieder der Hit unter den Kindern), Buntstifte, Anstecker usw. mit zu nehmen. Auch mal Kaugummi oder Bonbon (ohne Zucker). Wenn das dann irgendwann zu Ende geht, kaufe ich Obst oder Trockenobst und gebe das. Geld gebe ich Kindern niemals, auch nicht für Tätigkeiten (Kinderarbeit). Ich denke die Kinder dürfen es eh nicht behalten.
Eigentlich sollten sie die kleinen Sachen auch nur gegen Gegenleistungen erhalten. Ich erzähle ihnen, ich sammle hübsche Steine oder getrocknete Schalen von den Baumfrüchten. Dann laufen sie los und sammeln und bekommen im Tausch eine Kleinigkeit. Leider bin ich oft mit meinem Vorhaben gescheitert, da die Kinder kein English verstanden haben (bei den San und Himbas aber auch in den kleinen Dörfern in Botswana sprachen sie kein Englisch).
Guter Plan- scheiß Umsetzung!
Auch die Erwachsenen sollten kein Geld von mir erhalten (so der Plan). Ich habe Kekse, kleine Kuchen, Brot und /oder Wasser gegeben. Auf den Parkplätzen, wenn sie unser Fahrzeug (scheinbar) bewachten, habe ich dann doch ein wenig Kleingeld gegeben. Auf der Tankstelle, wenn die Scheiben richtig sauber waren, auch. Im Restaurant bei guter Bedienung auch (für schlechtes Essen können sie ja nix) .

Liebe Grüße aus Hamburg
Petra
https://www.smilies.4-user.de
284 Beiträge · seit 201419. Jan. 2017 · #11
Yoda911 schrieb:Danke für die klaren Antworten.
Konsequent zu Ende gedacht heißt das aber z.B. auch, dass ich an einem Straßenstand oder auf einem (Kunst)handwerkermarkt kein Souvenir kaufen sollte, wenn dort Kids zusammen mit der Mutter oder evtl. sogar allein verkaufen - egal ob was Selbsthergestelltes oder eine Giraffe made in Taiwan. Denn auch dann fördere ich, dass sie ohne Schule 'arbeiten', statt zu lernen, richtig?!
Das kommt auf die Situation an. Welcher Wochentag, welche Tageszeit, Alter der Kinder, usw. Prinzipiell schadet es nicht, wenn es für den Kauf egal ist ob das Kind da ist oder nicht, oder außerhalb der Schulzeit oder wenn das Kind Schuluniform trägt. Einem Kind einfach so was geben sollte man nicht tun, sonst muss man sich nicht wundern wenn Touris als reiche Deppen angesehen werden, wer sonst verschenkt schon irgendwas einfach so an eine Unbekannten. Machs einfach so wie zuhause, da würdest du auch keinem fremden Kind einfach so was geben. Das gilt übrigens auch für Kleinigkeiten wie Bonbons, Stifte, usw. Wer schon gesehen hat wie durch solche Gaben Kinder in kleine Monster verwandelt werden wird sich davor hüten. Es ist echt total krass wie solche Kinder dazu gebracht werden das als normal anzusehen und dann auch zu fordern und letztendlich sogar agressiv werden, wenns nichts gibt. Leider kommt das in Gebieten wo viele gebefreudige Touris auftreten häufig vor.

Wenn du helfen willst, dann informiere dich über vertrauenswürdige lokale Hilfsprojekte und Spende dort.
franzastische Reisen, Fotos und mehr - https://franzastisch.de
2'240 Beiträge · seit 201119. Jan. 2017 · #12
wir waren vor gefühlt 20 Jahren mal in Kambodscha. Eine 10 Jährige stand mit Baby im Arm am Strassenrand am Betteln. Ich war einfach nur schockiert und wollte dem Mädchen sofort Geld geben. Mein Mann zog mich weg in Richtung Strassenkaffee (von wo aus wir die Kleine im Blickfeld hatten) und sagte mir, dass es nicht 30 min gehe bis die (wirkliche und existierende) Mutter käme um das Baby zu füttern...was passierte; genau das! Mit bettelnden Kindern trifft man den Nerv sehr schnell 😐
Nächste Reiseziele: ab Mai 2025:Zentralasien https://www.polarsteps.com/marimariontour https://www.instagram.com/marimari_on_tour/
zuletzt bearbeitet 19. Jan. 2017
Themenstarter1'483 Beiträge · seit 200919. Jan. 2017 · #13
Guten Abend!

@ Bike Africa: Hallo Wolfgang! Vollständige Zustimmung! Wir hatten in kleiner Runde dieses Thema auch in Werder und waren uns in dieser Hinsicht mehrheitlich einig. Gruß Reinhard

@ _Mathias_ : Bei den vielfach (immer noch) verbreiteten Empfehlungen hinsichtlich der Bonbons, Stifte etc. hast du völlig Recht.

@ Tadi: Auch Sweets , Bleistifte etc. sollten m.E. nur übergeben werden, wenn man einen echten Kontakt hatte, z.B. echte Gespräche mit den Eltern. Nach einem gebuchten Kurzaufenthalt im Himbadorf ist es wenig sinnvoll. ( s. Mathias)
Tipp: Greift euch beim nächsten Mal den Guide und bittet ihn, eure Fragen zu übersetzen. Dann kommt ihr ins Gespräch oder merkt, dass kein Interesse besteht. Dann könnt ihr die Kleinigkeiten an anderer Stelle wahrscheinlich sinnvoller verwenden. Wir haben es auf diese Weise bis zum Heiratsantrag für unsere Tochter gebracht und an anderer Stelle 20 Minuten Nachhilfe gegeben, als uns im Verlauf eines Gespräches die Schulhefte gezeigt wurden. Da waren Radiergummi und Stifte wirklich willkommen.

Es wäre jedenfalls oft besser, auf die Vernunft zu hören und nicht auf das Spenderherz. Das hat schon viel zerstört ( s. Mathias). Dann lieber die €s für ein Projekt einsetzen


Gruß Piscator
7'296 Beiträge · seit 200619. Jan. 2017 · #14
Yoda911 schrieb:
Konsequent zu Ende gedacht heißt das aber z.B. auch, dass ich an einem Straßenstand oder auf einem (Kunst)handwerkermarkt kein Souvenir kaufen sollte, wenn dort Kids zusammen mit der Mutter oder evtl. sogar allein verkaufen - egal ob was Selbsthergestelltes oder eine Giraffe made in Taiwan. Denn auch dann fördere ich, dass sie ohne Schule 'arbeiten', statt zu lernen, richtig?!

... wenn sie alleine an einem Stand sind und verkaufen, dann gibt es auch noch eine Konstellation, an die man nicht gleich denkt, die aber in manchen afrikanischen Ländern relativ häufig ist - Waisenkinder. Aufgrund von AIDS sterben in Ländern wie Malawi und Swaziland viele Erwachsene weg und hinterlassen noch mehr Kinder. In Swaziland soll z.B. jeder zehnte Einwohner (nicht jedes zehnte Kind) ein AIDS-Waise sein. Da müssen vielleicht Zehnjährige alleine zurechtkommen und vielleicht noch zwei jüngere Geschwister mit versorgen. Die können gar nicht in die Schule gehen, sondern müssen ganz einfach irgendwie Geld verdienen zum Überleben.

In Lusaka (Zambia) habe ich Kinder im Grundschulalter gesehen, die sich in kleinen Gruppen alleine durchschlugen und in den Abwasserrohren unter großen Straßenkreuzungen lebten. Der Taxifahrer, der mich zum Flughafen fuhr, engagierte sich ehrenamtlich für diese Straßen-/Waisenkinder und hatte einen Ordner mit Fotos im Auto und erzählte ziemlich heftige Schicksale.

Pauschal von Kindern nichts kaufen ist leider auch nicht die Lösung. So einfach ist es leider nicht ...

Gruß
Wolfgang
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Gast19. Jan. 2017 · #15
Die Strassenkinder in Windhoek kommen wohl zum Teil aus Gobabis, zumindest die die sich in der Nähr des Hidascenters aufhalten. Sie wurden schon mehrfach zurück gebracht, kommen aber immer wieder. Ihre Eltern sind alkohol- und/oder drogenabhängig, und die Kinder überwiegend Schnüffler, also klebstoffsüchtig. Sie haben sich auf dem leeren Grundstück gegenüber Nandos häuslich niedergelassen - als ich das letzte Mal da vorbeifuhr, habe ich es mir bewusst angeguckt. So schlimm war es dort noch nie. Die Kinder schlafen dort im Freien, sie verursachen eine Menge Müll und sie werden tatsächlich aggressiv, wenn man ihnen kein Geld gibt. Besonders bei Frauen werden sie handgreiflich. Auf Facebook gibt es einige Berichte darüber.
Neulich haben sie wohl sogar einen der Carguards bei Andy's tätlich angegriffen.
Man hat schon versucht, sie in Heime uu stecken, aber das funktioniert halt nicht, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.
Ganz allgemein möchte ich auch dringend davon abraten, Kindern wahllos Geschenke auszuteilen. Wir haben selbst schon erlebt, wie fordernd sie selbst in relativ abgelegenen Gegenden sein können. Das darf nicht gefördert werden. Damit wird nur die ohnehin schon vorhandene Erwartungsmentalität verstärkt.
284 Beiträge · seit 201421. Jan. 2017 · #16
BikeAfrica schrieb:
Pauschal von Kindern nichts kaufen ist leider auch nicht die Lösung. So einfach ist es leider nicht ...
Bei Kindern, die Sachen verkaufen, sehe ich das ganze relativ unproblematisch, wenn man ihnen etwas abkauft. Außer es wird da eindeutig versucht mit der "Niedlichkeit" zu punkten, was aber eher selten ist.
Kindern, die sich alleine durchschlagen müssen, würde ich auch etwas geben, aber bei einem bettelden Kind das zu beurteilen, kann ich nicht. Deswegen auch mein Vorschlag indirekt, über Hilfsprojekte was zu geben.
Was halt dar nicht geht, meiner Meinung nach, ist einfach irgendwelchen Kindern einfach so Süßigkeiten oder Stifte oder sonstwas, egal was, zu geben. An der Straße Richtung South Luangwa fällt das z.B. auf, da lassen die Kinder alles stehn und liegen und rennen zur Straße, wenn sie ein Auto hören. Dann wird zuerst gewunken, dann sweets! Sweets! Oder Pen! Pen! oder give me! gerufen und wenn sie nichts bekommen und grade ein passender in der Nähe liegt, fliegt dann auch schon mal ein Stein. An Straßen wo weniger oder diszipliniertere Touris vorbei kommen winken Kinder schon auch, aber da reicht es zurück zu winken um ein Lächeln zu bekommen und die winken auch nur, wenn sie gerade nicht beschäftigt sind.
Am allerschlimmsten war es in Ecudor an der Bahn zur Teufelsnase. Die Touris da waren einfach widerlich. Das ist eine Zugfahrt einen Pass hoch und wieder runter und man kann da im Wagon oder oben drauf mitfahren. Da kaufen die Touris dann Süßigkeiten und sobald ein Kind an der Strecke auftaucht wird es damit bombadiert. Das ist so schlimm das kleinere Kinder oft anfangen zu weinen. Die Kinder winken auch nichtmal mehr und essen auch nichts von den Süßigkeiten und ich vermute, dass die dann am nächsten Tag den nächsten Touris wieder verkauft werden. Ich fand das Verhalten der Touris da absolut beschämend und entwürdigend für die Leute an der Strecke. Ist jetzt schon einige Jahre her, das ich da war und ich hoffe das hat sich dort inzwischen geändert, war echt furchtbar und ich wäre dsa auch nicht mitgefahren hätte ich das vorher gewußt.
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2'844 Beiträge · seit 201121. Jan. 2017 · #17
Wir haben es besonders schlimm in Swaziland empfunden!
Sobald das Auto sichtbar wurde, kamen die Kinder angerannt, liefen neben, hinter dem Auto her.
Ganz schlimm haben wir es empfunden, als wir eine kurze Pause am Wegrand eingelegt hatten - weit ab vom Kral. Plötzlich kam ein Mädchen von weit her angerannt, klopfte an die Scheibe, wollte Sweets, Money... als sie nichts von uns bekam, meinte sie " hungry".
Wir gaben ihr eine Mandarine - sie blieb stehen. Wir waren ratlos- wie sollten wir uns verhalten. Letztlich fuhren wir weiter - mit sehr zwiespältigem Gefühl.
Ich halte dieses "Stifte, Süßigkeiten ..."-Verteilen, vielleicht noch mit einem Foto für's heimische Fotobuch, für eine schlimme Unsitte! Wem dient das.....?
Und habe es auch bisher weder in SA, NAM noch BOT so schlimm erlebt wie in Swaziland.
Nachdenkliche Grüße
Strelitzie
1'042 Beiträge · seit 201621. Jan. 2017 · #18
Hallo Petra,
Tadi schrieb:
Auch die Erwachsenen sollten kein Geld von mir erhalten (so der Plan). Ich habe Kekse, kleine Kuchen, Brot und /oder Wasser gegeben.
Jaein, bei Erwachsenen sehe ich das nicht so kritisch wie bei Kindern, da ist Situationsabhängig. In manchen Ländern stehen wirklich arme Leute vor den Kirchen und erhoffen sich ein Almosen. Auf den ersten Blick weiß man schon, dass diese Menschen nicht mehr arbeiten können (aufgrund des Altern oder einer Behinderung) und vom Staat nichts erwarten können. Da gebe ich auch Geld. In Namibia bekommt auch jeder von mir Wasser, wenn er danach fragt, solange ich selber noch genug habe. Ein Hilux hat aber kein Problem damit, wenn man 50 oder mehr Liter in Flaschen verpacktes Wasser mit nimmt. Für die Begegnungen mit einer Himbafamilie nehme ich noch 5 Liter Kanister mit. Die können sauberes Wasser definitiv gebrauchen!
Tadi schrieb:
Auf den Parkplätzen, wenn sie unser Fahrzeug (scheinbar) bewachten, habe ich dann doch ein wenig Kleingeld gegeben.
Warum "scheinbar"? Wenn jemand auf dem Parkplatz steht und nach den Autos schaut, dann ist die Wahrscheinlichkeit doch geringer, dass jemand einbricht. Meist bleibt aus Angst trotzdem immer jemand von uns am Auto. Wenigstens arbeitet der aber etwas und hat damit etwas für das Geld getan.
Tadi schrieb:
Auf der Tankstelle, wenn die Scheiben richtig sauber waren, auch.
Denen an der Tankstelle gebe ich regelmäßig zu viel... 😉
Leben und leben lassen. Ob ich einen Euro (ca. 15 N$) mehr oder weniger habe macht für mich einen viel kleineren Unterschied, wie für denjenigen der da in der Hitze an der Tankstelle steht. Derjenige der noch das Auto sauber macht, so dass ich mich beim späteren Entladen nicht so versaue, der bekommt dann auch mal 30 N$. Vor allem wenn er mit Druckluft statt Wasser arbeiten muss wegen der Wasserknappheit und die Dreckschicht schon relativ dick ist.
Tadi schrieb:
Im Restaurant bei guter Bedienung auch (für schlechtes Essen können sie ja nix) .
Wo findet man in Namibia schlechtes Essen? Kann mich nicht daran erinnern auch nur ein einziges Mal schlecht gegessen zu haben... und eine schlechte Bedienung hatten wir auch nie. 10% oder mehr des Rechnungsbetrags bekommt übrigens die Bedienung, alles andere ist geizig! Wenn eine Bedienung mal wirklich schlecht wäre, dann könnte man den Betrag etwas kürzen, aber gar nichts geben, dafür müsste die Bedienung allerdings auch gar nichts tun (also auch nicht bedienen). Ich weiß nicht ob die Bedienungen überhaupt mehr als "nur" Trinkgeld bekommen, ich glaube nicht! Mit betteln haben auch die drei letzten genannten Fälle nichts zu tun. Das nennt sich arbeiten! Wobei der Fall "Parkplatzwächter" grenzgängig ist, also kommt darauf an... 😉

Gruß Markus
441 Beiträge · seit 201221. Jan. 2017 · #19
Hallo Markus ,
Du hast geschriben :"Mit betteln haben auch die drei letzten genannten Fälle nichts zu tun. Das nennt sich arbeiten!"
Vorerst : danke für Deine Belehrung, was Arbeit ist.

- "scheinbar bewachen" habe ich geschrieben, da die Knaben oftmals nach unserer Rückkehr gar nicht mehr am Fahrzeug waren. Seitdem gibt es Geld erst hinterher.

- bei den Himbas waren wir allein mit einem Dolmetscher ca. 6 Std. Da kam schon mal das eine oder andere Gespräch zu Stande. Der Dolmetscher hatte Mais - Mehl und Zucker sackweise mit. Die Kinder haben sich über die Seifenblasen besonders gefreut und hatten ihren Spaß damit.
Bei den San waren wir auch mit einem Dolmetscher mehrere Stunden allein unterwegs. Hier habe sich die Erwachsenen über Süßigkeiten sehr gefreut.
In beiden Fällen waren die kleinen Mitbringsel vorher mit dem Dolmetscher abgesprochen.
Zu der Frage, was das eigentlich soll : Stifte, Papier, Zahnbürsten, kleinere Spielsachen und Seifenblasen etc. zu verschenken: "einfach nur Spaß haben". Nicht alles muss einen hochwertigen pädagogischen Sinn erfüllen. Ich arbeite hier in Deutschland auch mit Kindern und weiß, wie die Augen manchmal vor Freude leuchten können.

- und wohl hatten wir schon schlechtes Essen und schlechte Bedienung, sogar in Namibia. Vor allem in den staatlichen NPs in SA war das Essen teilweise grauenhaft und die Bedienung so was von unmotiviert und/ oder sogar unfreundlich. ...und bei schlechter Bedienung, gibt es bei uns nix. Auch nicht hier in Deutschland.

- bei Hilfe von Erwachsenen sind wir immer recht großzügig (Reifenwechsel, Hilfe bei Pannen usw.) Das Erstaunliche war, dass sie teilweise gar kein Geld (oder andere Sachen) annehmen wollten. Das hat uns sehr beschämt.

- erwachsene Menschen, die vor allem vor den Supermärkten betteln, sehe ich mir schon genauer an und entscheide dann, ob ich Lebensmittel oder Geld gebe.

Liebe Grüße aus Hamburg
Petra
https://www.smilies.4-user.de
1'042 Beiträge · seit 201621. Jan. 2017 · #20
Hallo Petra,
Tadi schrieb:
Du hast geschriben :"Mit betteln haben auch die drei letzten genannten Fälle nichts zu tun. Das nennt sich arbeiten!"
Vorerst : danke für Deine Belehrung, was Arbeit ist.
Ich meine ja nur im Thread ging es um betteln. Der an der Tankstelle und die Bedienung fallen aber defintiv unter die Kategorie Arbeit...
Tadi schrieb:
- "scheinbar bewachen" habe ich geschrieben, da die Knaben oftmals nach unserer Rückkehr gar nicht mehr am Fahrzeug waren. Seitdem gibt es Geld erst hinterher.
Eine Kleinigkeit geben und sagen, dass es bei der Rückkehr mehr gibt ist auch eine Option. Wenn Du natürlich gleich genug gibst, dann ist es ja logisch, dass er dann unterwegs ist sich etwas zu Essen, Wasser oder was anderes zu kaufen. 😉
Häufig laufen die aber auch auf dem Parkplatz umher, bzw. setzen sich etwas seitlich in den Schatten wo man die nicht sofort sieht, sie sind aber da. Nur weil man jemanden nicht sieht, heist das ja nicht, dass er nicht da ist (gehen wir einmal davon aus, dass die Parkplatzwächter ehrlich sind, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist).
Tadi schrieb:
Nicht alles muss einen hochwertigen pädagogischen Sinn erfüllen. Ich arbeite hier in Deutschland auch mit Kindern und weiß, wie die Augen manchmal vor Freude leuchten können.
Nein solange es grundsätzlich nicht schädlich ist braucht es keinen pädagogischen Sinn. Da ich überhaupt keine Ahnung habe, was überhaupt pädagogisch sinnvoll sein könnte möchte ich zumindest keinen Schaden mit Geschenken anrichten.
Schwierig wird es z.B. bei der Frage nach Schmerzmittel, geben, ja oder nein und in welcher Menge? Wie erklärt man einem Himba wieviele Tabletten er in welchem Abstand nehmen kann, gibt also max. soviele Tabletten, dass er sich damit nicht direkt vergiften kann?!?
Kinderaugen können vor Freude schon leuchten, wegen einer 0,5 Liter Flasche sauberen Wassers... allerdings finde ich es traurig, da der Zugang zu sauberem Wasser eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Tadi schrieb:
- und wohl hatten wir schon schlechtes Essen und schlechte Bedienung, sogar in Namibia. Vor allem in den staatlichen NPs in SA war das Essen teilweise grauenhaft und die Bedienung so was von unmotiviert und/ oder sogar unfreundlich. ...und bei schlechter Bedienung, gibt es bei uns nix. Auch nicht hier in Deutschland.
In staatlichen NP`s waren wir noch nie Essen... warum Geld für schlechtes Essen + schlechter Bedienung bezahlen? Man kann auch mal zwei oder drei Tage mit "kalter Küche" bzw. ohne Küche nur mit Vesper überleben. 😉
Wie motiviert die Bedienungen in den NP`s sein können, das habe ich schon erlebt, allerdings nur beim Getränke bestellen mal nachmittags. Und wie überaus freundlich (vor allem zu den Frauen in unserer kleinen Gruppe, extrem ironisch gemeint)...
Tadi schrieb:
- bei Hilfe von Erwachsenen sind wir immer recht großzügig (Reifenwechsel, Hilfe bei Pannen usw.) Das Erstaunliche war, dass sie teilweise gar kein Geld (oder andere Sachen) annehmen wollten. Das hat uns sehr beschämt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich vor allem die Touristen untereinander geholfen haben. Da jeder Tourist eigentlich keine "Spenden" benötigt, dann verschenkt man halt ein Bier oder eine Flasche Wein. 🙂
-> Man hilft sich, wenn man eine Panne hat! 😁
Tadi schrieb:
- erwachsene Menschen, die vor allem vor den Supermärkten betteln, sehe ich mir schon genauer an und entscheide dann, ob ich Lebensmittel oder Geld gebe.
So mache ich das ja auch.

Liebe Grüße aus Stuttgart
Markus