BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201631. März 2016 · #21
2. Februar, vormittags: Welche Cheetah hätten's denn gern?
Einige Fahrzeuge in Warteposition zeigen uns an, dass wir hier richtig sind. Ganz langsam und in einem weiten Bogen nähern wir uns, bis wir eine gute Beobachtungsposition gefunden haben. Was auffällt: Der Abstand der Autos zum Gepard und seinem potenziellen Opfer ist wirklich groß, um dem Tier die Jagd nicht möglicherweise zu vermasseln. Unser Timing ist perfekt, kaum haben wir uns in Stellung gebracht, geht's los.
Erst mal gucken, wer so guckt.
Anschleichen.
Tun, als wär' nix gewesen.
Dann lossprinten und auf das Überraschungsmoment hoffen.
Erst jetzt hat die Thomson-Gazelle gemerkt, was los ist.
Das Foto vom finalen Sprung lasse ich mal weg, für ein brauchbares Bild hatte sich das Geschehen schon zu weit nach hinten verlagert. Der Gepard hat die Antilope um wenige Zentimeter verfehlt - Künstlerpech.
Eine tolle Szene, die wir da beobachten durften, und während wir noch darüber sprechen, finden wir eine Artgenossin, die bei ihrem Jagdversuch mehr Glück hatte. Wir fahren näher ran, sind ganz aufgeregt. Eine Cheetah beim Fressen in gutem Licht! Nur: Auch die anderen Autos, die zuvor die Jagd beobachtet hatten, strömen nun hierher. Abraham reicht's. Noch bevor wir zum Stehen kommen, startet er wieder durch. Innerlicher Aufruhr bei mir. WIE JETZT?! Wir lassen uns diese - möglicherweise einmalige - Chance entgehen? Abraham kann offenbar meine Gedanken lesen. "We go and find our own cheetah", sagt er. Einfach so. Na dann...
Wir schuckeln etwa eine halbe Stunde lang durch die Marsh, ich habe vollständig die Orientierung verloren.
Endlich eine Bewegung, es tut sich was. Abraham ist enttäuscht: "Just two lion."
Ich muss lachen, versuche ihm zu erklären, dass zwei Löwen nun echt keine schlechte Sichtung sind. Zu einem Fotostopp müssen wir ihn fast überreden.
Kraut und Rübe
Was macht ihr denn hier?
Nur hundert Meter weiter werden wir tatsächlich fündig. Eine Cheetah. Für uns ganz allein. Kein anderes Auto in Sicht, erst später kommt noch eins dazu. Geht doch.
Mit diesem prallen Bauch fällt das Aufstehen schwer...
Holger_W383 Beiträge · seit 201331. März 2016 · #22
Heute last ihr es aber krachen mit super Sichtungen und Aufnahmen. Gefällt mir sehr gut.
Holger
2019 Südafrika Klaserie - Timbavati - Sabi Sands
2018 Brasilien Rio de Janeiro - Foz do Iguacu - Pantanal - südliches Amazonasgebiet
2017 Kanada BC
2016 Sambia & Malawi
2015 Süden Tansanias
Reisebericht: Mit der Cessna durch den wilden Süden Tansanias
2014 Kenia & Norden Tansanias
2013 Uganda/Ruanda
2012 Botswana
marimari2'240 Beiträge · seit 201131. März 2016 · #23
Hallo zusammen, danke für Euren Bericht - die Serengeti ist schon toll 🙂 Mich zieht es auch bald mal wieder hin. Ist schon soo lange her...viele Grüsse Mari
picco6'376 Beiträge · seit 201131. März 2016 · #24
Hoi zämä
Endlich bin ich dazu gekommen diesen RB auch in der Übersicht der im Forum geschriebenen RB's einzufügen...nun ist er hier (klick mich) auch zu finden.
Die Mittagspause in der Ndutu Safari Lodge tut gut, die friedliche Stimmung auf der schönen Anlage mitten im Busch ist einfach Erholung pur.
Nach dem Cheetah-lastigen Vormittag wollen wir nachmittags noch einmal "unserer" Löwenfamilie einen Besuch abstatten. Begegnungen unterwegs:
Immer wieder fotogen: Gabelracke.
Tüpfelhyäne, vom Mittagsschläfchen erwacht.
Das Löwenrudel hat sich nicht wirklich vom Platz gerührt, ist aber viel aktiver als am Vormittag. Wir bleiben stundenlang bei der Familie und genießen das Idyll. Ein Vorteil, wenn man als Selbstfahrer oder wie wir mit einem Driver-Guide unterwegs ist: Zeitsouveränität.
Liebe Bettina, auch ich lese heimlich mit und bin begeistert. Die Fotos, der Hammer.
Viele Grüße
Doris
Sadie1'835 Beiträge · seit 201502. Apr. 2016 · #28
Super Familien Fotos! Es nimmt mich Wunder ob die schwarzen Viecher auf den Fotos vielleicht tsetse flies sind? Habt ihr während euer Reise unter diesen Biestern gelitten? Da es nass war und viel geregnet hat, wollte ich fragen ob es viele Mücken hatte während euren Game Drives?j
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201602. Apr. 2016 · #29
Hallo zusammen,
1.000 Dank für alle bisherigen Kommentare und an alle Danke-Button-Drücker. Wir haben großen Spaß daran!
@Doris: Wie schön, dass du jetzt nicht mehr "heimlich" bist 😉 Und vielen lieben Dank für das großartige Kompliment. Ich hoffe, dass wir dich weiter begeistern können.
@Sadie: Vielen Dank auch an dich. Die Fliegen auf diesen Bildern sind keine Tsetses, sondern ganz normale Fliegen. Ich hatte dennoch das Gefühl, dass sie manchmal auch pieksen... 😵 In der Ndutu-Region sind wir aber von den Tsetse-Fliegen noch verschont geblieben. In der zentralen Serengeti wurde es dann teilweise heftig, das war es aber in der Trockenzeit 2010 zum Beispiel im Tarangire auch. Ich werde in einem späteren Kapitel des RB noch darauf zurückkommen. Viele Löwen hatten sehr viele Zecken im Fell, was vermutlich auch mit der Jahreszeit zusammenhing?! Ob auch mit der Feuchtigkeit, weiß ich nicht. Moskitos gab es, das war aber beherrschbar. Nur morgens haben sie uns manchmal (an den Händen) erwischt. Hätte man mit mehr Vorsicht aber auch verhindern können. Also wie gesagt, die Mücken waren nicht das Thema. Tsetses teilweise schon...
Auch Dir ein herzliches Dankeschön für die tollen Fotos und Erlebnisse aus Tanzania. Ich bin natürlich auch mit Euch gern unterwegs.
LG Christa
www.botswanadreams.de
"Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach."
Ernest Hemingway
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201602. Apr. 2016 · #31
3. Februar, vormittags: Viele Cheetahs und ein Schock
Ein neuer Tag beginnt, wieder hat es in der Nacht heftig geregnet. Doch als wir gegen sechs Uhr in der Früh zu neuen Abenteuern aufbrechen, ist es trocken. Diese Morgenstimmung in Afrika - wie hier am Lake Ndutu - haut uns immer wieder um.
Erste Begegnungen am Morgen.
Diese kleine Gabelracke hat einen Moskito erbeutet - gut gemacht!
Wie schon am Vortag fahren wir in die Marsh, und es scheint so, als hätten sich sämtliche Cheetahs der Gegend hier verabredet.
Erneut beobachten wir eine Jagd, die sogar von Erfolg gekrönt ist. Wir halten großen Abstand und er wird immer noch größer, weil sich die Tiere von uns weg bewegen. Diesmal gibt es kein großes Anschleichen, kein Taktieren, wir können kaum schnell genug gucken, dann ist alles vorbei.
Wir fahren näher ran, doch der Gepard hat sein Opfer ins Gestrüpp gezogen und wir haben keine ideale Sicht. Außerdem versammeln sich sehr viele Autos. Abraham will weiter. Einverstanden.
Wir müssen nicht lange suchen und finden eine Mutter mit ihrem schon beinahe erwachsenen Sohn. Ziemlich lange scheinen sie ohne Plan zu sein, dann gehen auch sie gemeinsam jagen.
Wir warten lange ab, was sich tut. Beide finden aber nicht das richtige Zielobjekt, dafür haben inzwischen nicht weit von uns zwei andere Geparde einen Riss gemacht. Als Abraham in die Richtung fährt, scheint es, als sei ein Bann gebrochen. Während wir langsam zum Ort des Geschehens fahren, schießen rechts und links viele andere Fahrzeuge an uns vorbei, die vorher mit uns aus gebührender Distanz das Mutter-Sohn-Gespann beobachtet haben. Wir fassen es nicht. Doch es kommt schlimmer. Wir sind noch nicht ganz da, als wir eine Cheetah fliehen sehen. Die andere ist mutiger, vielleicht auch hungriger, und hält noch einen Moment tapfer bei ihrer Beute aus. Doch als ein Auto fast in sie hineinrast, ist es um ihre Fassung geschehen. Panisch sucht sie einen Ausweg aus der Wagenburg, die sich um sie herum gebildet hat und rennt schließlich davon. Nachdem wir nun mehrfach beobachten konnten, wie viel Ausdauer und Geduld die Geparde brauchen, bis sie ein Tier erbeutet haben, tut es uns wahnsinnig leid, dass ihnen der Mensch so dazwischenfunkt. Ohne jeden Grund. Die Cheetahs hatten gerade erst mit dem Fressen begonnen und wären bei mehr Umsicht und Verantwortungsbewusstsein noch einige Zeit an Ort und Stelle geblieben - und satt geworden.
Abraham sagt nichts, ist aber merklich sauer. Beide Geparde werden keinesfalls zum Fressen dorthin zurückkehren, erklärt er uns. Stattdessen werden sich Hyänen über den Riss hermachen. Wir sind geschockt und fühlen uns auch irgendwie schuldig. Schließlich sind wir auch hier. Was richten wir an? Eine seeeeehr schwierige Frage, auf die es sicher keine einfache Antwort gibt. Bedrückt fahren wir zur Lodge.
Beim Lunch komme ich mit einer netten Frau aus Süddeutschland ins Quatschen, die gemeinsam mit ihrem Mann ebenfalls vorzugsweise Afrika bereist. Ich erzähle ihr von unserem Erlebnis und sie ist noch geschockter als ich: Sie saß in dem Auto, das die Geparde unfreiwillig vertrieben hat. Offenbar ist im Anschluss großer Trubel ausgebrochen, Gäste und Fahrer anderer Jeeps haben ihren Guide wüst beschimpft. Er war sehr beschämt und entschuldigte sich, sie hatte nun aber große Sorge, dass er nicht weiß, was er tut. Angetrieben hatten sie ihn jedenfalls nicht. Im Laufe unserer Tour haben wir das Paar übrigens noch mehrfach getroffen. Der Guide hatte seine Lektion gelernt.
Fazit dieses denkwürdigen Vormittags: Ndutu ist und bleibt eine Sensation für uns, die Sichtungen sind der Hammer. Allenthalben mehr Rücksicht hätten wir uns eben häufiger gewünscht - auch im weiteren Verlauf der Reise. Touristen, die pfeifen, damit eine Katze sich fotogen umdreht, Guides, die - vielleicht auch auf Druck ihrer Gäste hin - jede Vernunft fahren lassen: haben wir alles erlebt. Schon längst wussten wir, was wir an Abraham hatten. Wir hätten bitten, betteln und drohen können: Gewisse Wünsche hätte er uns schlichtweg nicht erfüllt. Gut so!
Noch ein paar "versöhnliche" Zebras auf dem Weg zur Lodge zur Nervenberuhigung 🙂
.......das ist der Preis von zu vielen "Gästen" 😈 😈 😈
ein wenig überraschter BMW
Giselbert699 Beiträge · seit 201002. Apr. 2016 · #33
Hallo Bettina, die Fotos der Löwenfamilia sind ja phantastisch!!! Auch ansonsten schöner Reisebericht und schöne Fotos. Bin gespannt was noch so kommt. LG Giselbert
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201602. Apr. 2016 · #34
KarstenB2'398 Beiträge · seit 201103. Apr. 2016 · #35
Hallo Bettina,
Danke für Deinen ehrlichen Bericht. Wir (Véro hat über meine Schulter mitgelesen) sind gerade sehr geschockt über das Verhalten des (der?) Guides. Wie Du schon schreibst, gerade Geparde haben es schwer, ihre Beute gegen Hyänen u. a. zu verteidigen, und jetzt kommt auch noch der Mensch dazu! Euer Guide hat recht: sie werden nicht zurückkommen, weil Geparde nur frisches Fleisch annehmen. Einige Guides scheinen die (vermeintlichen) Wünsche ihrer Gäste so verinnerlicht zu haben, dass man sie nicht mal mehr anstiften muss, sich unvernünftig zu verhalten. Als Selbstfahrer sind wir da natürlich auch selbstbestimmter; wenn wir solche Fahrzeugansammlungen sehen, fahren wir nicht dahin. Nachteil: wir sehen erheblich weniger Katzen. Letztes Jahr waren wir ja etwa zur gleichen Zeit da, sogar 6 Tage, und haben mal gerade 3 Cheetahs gesehen, aber selbst gespottet! Und das zählt für mich inzwischen mehr.
LG aus PdlC nach HH,
Karsten
PS: Kommunikationsgeräte wie Funk und Handys sollten in NPs verboten werden. Leider eine illusorische Vorstellung.
Bitte verwende in diesem Zusammenhang nicht den Begriff "Guide". Das sind nichts als Driver, die irgendwo ihren Führerschein bekommen haben und sonst keine Ahnung haben. Es ist doch erschreckend, wie viele dieser Driver im Norden Tanzanias unterwegs sind und wie wenig Guides. Irgendwo hapert es da mächtig im System. Leider mussten wir das letztes Jahr auch feststellen. Unser Zawadi und wir selbst natürlich auch haben öfters nur noch mit dem Kopf schütteln können, was für Leute da mit Touristen unterwegs sind. Der Preis bestimmt oft die Qualität - Geiz ist Geil oder so ähnlich.
Nachdenkliche Grüsse Christa
www.botswanadreams.de
"Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach."
Ernest Hemingway
KarstenB2'398 Beiträge · seit 201103. Apr. 2016 · #37
Hallo Christa,
das wusste ich nicht. Ich dachte bisher, die hätten alle eine Ausbildung als Guide. Da ich nur einmal mit einem Driver-Guide unterwegs war (1992), (und von dem hatte ich den Eidndruck, dass er sehr gut ausgebildet war), habe ich das wohl verallgemeinert.
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201603. Apr. 2016 · #38
3. Februar, nachmittags: Im Garten Eden
Die Mittagspause nutzen wir, um die Unzertrennlichen zu beobachten, die sich um die Ndutu Safari Lodge herum angesiedelt haben. Ich mag diese bunten, verschmusten Vögel sehr.
Bei unserer Pirschfahrt am Nachmittag gibt es einen Szenenwechsel. "We go to the woodlands", kündigt Abraham an. Es dauert nicht lange, und wir holpern durch ein bewaldetes Gebiet, der Weg wird schmaler und schmaler, ist schließlich nur noch eine ausgefahrene, matschige Fahrspur.
Ah, Besuch!
Zum zweiten - und letzten Mal - bleiben wir stecken. Abraham schmunzelt, steigt aus, schlägt ein paar kleinere Äste, schiebt sie unter die Reifen und hat das Auto innerhalb kürzester Zeit aus dem Loch bugsiert. Gutes Timing übrigens. Kaum sitzt er wieder im Wagen, steuert eine große Elefantengruppe geradewegs auf uns zu.
Unsere ersten Elefanten auf dieser Reise, wir freuen uns. Wo sie sind, ist immer was los. Wir beobachten sie lange.
Schließlich rumpeln wir weiter, das Gelände wird offener, ebener, die Landschaft ist atemberaubend.
Es wimmelt von Tieren, sie sind vor, hinter, neben uns, die Bäume sind voller Vögel.
Wir sind im Garten Eden gelandet! Wir bleiben mehrere Stunden, kein anderes Auto begegnet uns. Wir schweigen, genießen, fotografieren - es ist einfach toll.
Was für ein Tag! Eine Achterbahn der Gefühle, doch vor allem sind wir dankbar. Dankbar dafür, dass es all das gibt. Und dass wir es erleben dürfen.
Holger_W383 Beiträge · seit 201303. Apr. 2016 · #39
Mit den ersten drei Fotos habt ihr mir jetzt den Sonntag "vermiest" 🙁 . Man, was für schöne Bilder von den Zwergpapagein 🙂 !!! Ganz großes Kino, meinen Neid habt ihr. 😉
Schönen Sonntag noch,
Holger
2019 Südafrika Klaserie - Timbavati - Sabi Sands
2018 Brasilien Rio de Janeiro - Foz do Iguacu - Pantanal - südliches Amazonasgebiet
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Reisebericht: Mit der Cessna durch den wilden Süden Tansanias
2014 Kenia & Norden Tansanias
2013 Uganda/Ruanda
2012 Botswana
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201603. Apr. 2016 · #40
Mensch, Holger, so soll es natürlich nicht sein 😉
Nee nee, mal kein Neid. Ich muss gleich zur Arbeit, das sollte dein seelisches Gleichgewicht wieder herstellen 😣