nach jahrelanger stiller Lektüre haben wir - 47 und 50 aus Hamburg - erstmals beschlossen, einen Reisebericht ins Forum zu stellen. Vielleicht hilft es anderen bei Entscheidungen. Wir sind mit den Ratschlägen, von denen man hier dankenswerterweise profitiert, immer gut gefahren.
Wir haben uns 2010 hoffnungslos in Afrika verliebt. Seinerzeit haben wir im Oktober den Norden Tansanias bereist (Klassiker mit Arusha, Lake Manyara, Serengeti, Ngorongoro, Tarangire, Sansibar), seither waren wir (mit tatkräftiger Unterstützung der Tipps aus dem Forum) zweimal in Namibia, einmal in Botswana, in Südafrika (Garden Route) und in Madagaskar.
Diesmal sollte es wieder Tansania sein - andere Jahreszeit, anderes Wetter, andere Sichtungsmöglichkeiten. Um es vorwegzunehmen: Es war toll! Und nass (zum Glück sind wir nicht selbst gefahren)! Und bestimmt nicht das letzte Mal.
Reisezeit und Route:
31. Januar - 13. Februar 2016 1 Nacht Arusha (Ankunft) 3 Nächte Ndutu Region (Ndutu Safari Lodge) 3 Nächte Ndutu Region (Kati Kati Ndutu Camp) 3 Nächte zentrale Serengeti (Kati Kati Seronera) 2 Nächte Ngorongoro (Sopa Lodge)
Ich habe zu meiner Freude festgestellt, dass gerade einige Tansania-Reiseberichte eingestellt werden - teilweise ist man sich vielleicht sogar unbewusst begegnet... Ich hoffe dennoch auf reges Interesse und viele Mitreisende.
Schon bald geht's los. Bis dahin noch Frohe Rest-Ostern!
Teil 228. März 2016
Vom Hamburger Regen in den ... Regen
Afrika! Wir reisen gern und möglichst viel, haben aber unseren Sehnsuchts-Kontinent eindeutig gefunden. Am 31. Januar geht es also wieder dorthin - mit viel Fotogepäck und großen Erwartungen. Viel hatten wir über die Migration gelesen, gesehen und gehört, jetzt wollen wir live dabei sein.
Die Anreise von Hamburg via Amsterdam zum Kilimanjaro Airport bleibt (glücklicherweise) unspektakulär, am späten Abend kommen wir am Flughafen an und werden von unserem Guide Abraham in Empfang genommen. Er wird uns die nächsten Tage begleiten und leiten, hat hinreichend Erfahrung mit Safari- und Fotoverrückten und soll sich im Laufe der nächsten 13 Tage als goldener Griff entpuppen. Zunächst aber bringt er uns nach Arusha, wo wir die erste Nacht verbringen, bevor es am nächsten Morgen so richtig losgeht. Ein letzter Check des Weltgeschehens, bevor wir für die nächsten Tage teils freiwillig, teils mangels Internet-Verbindung Nachrichten Nachrichten sein lassen. Aha, Deutschland ist Handball-Europameister, gedankliche Gratulation, dann schlafen wir erschöpft ein.
Nach einer kurzen Nacht starten wir unausgeschlafen, aber voller Vorfreude in unser Abenteuer. Abraham fragt vorsorglich, ob wir in Arusha noch etwas besorgen müssen. Ausreichend Speicherkarten dabei?? Na klar, was für eine Frage. Ich werde noch daran denken müssen...
Der erste echte Stopp führt uns wie schon 2010 an den Rand des Ngorongoro-Kraters. Doch wie anders diesmal alles aussieht!
Oktober 2010
Februar 2016
Abraham drückt ein bisschen aufs Tempo, kurz darauf wissen wir, warum. In der Ndutu-Region fahren wir an vielen Zebras und Gnus vorbei, vor allem aber durch einen Starkregen, da ist Hamburger Schietwetter nichts dagegen. Wir schlittern und schlingern, fahren vor, zurück und wieder vor. Der Weg ist eindeutig keiner mehr, gleicht eher einem Flussbett, und die Ndutu Safari Lodge will und will nicht kommen.
Als es endlich vollbracht ist, erwarte ich eigentlich einen Bootsanleger. Immerhin, der Regen hat aufgehört, die Sonne kommt raus - wir sind da!
Teil 329. März 2016
1. Februar, nachmittags: Die ersten Löwen
Die Lodge gefällt uns atmosphärisch gut, die Wildtiere kommen fast bis ins Zimmer.
Dikdik
Vor allem aber die Lage ganz in der Nähe des Ndutu Lakes ist sensationell. Bevor uns der erste echte Gamedrive dieser Reise schließlich an dessen Ufer führt, cruisen wir kreuz und quer durch das Gelände oberhalb des Sees, was hier offenbar erlaubt ist (dazu später mehr). Ob wir wohl nach etwas Konkretem Ausschau halten sollten? "This is Lion's Country", meint Abraham. Statt Löwen sichten wir aber zunächst einmal Vögel - auch schön!
Bee-eater
African Harrier-Hawk
Plötzlich geht nichts mehr. Der Boden ist tief und schlammig - wir stecken fest. Abraham sammelt Äste und Steine, legt sie unter die durchdrehenden Hinterräder. Leider ohne Erfolg. Nutzt nix, wir müssen aussteigen. "This is Lion's Country" bekommt eine ganz neue Bedeutung. Echte Angst? Nein. Ein mulmiges Gefühl? Ja. Ein bisschen weniger Gewicht im Wagen, ein wenig schieben, Ruckzuck sind wir raus aus dem Schlamassel.
Unten am Ufer liegt ein totes Gnu, Herr Marabu und seine Genossen Geier sind schon bei der Arbeit.
Ein ganzes Stück weiter finden wir sie schließlich - Löwen! Die ersten dieser Reise, jedes Mal wieder ein ganz besonderer Moment. Wir registrieren zunächst nur einen, der auf der offenen, weiten Fläche herumstromert. Der andere schält sich direkt vor unserer Nase aus dem tropfnassen Gebüsch, ...
... findet uns offensichtlich kolossal langweilig ...
... und macht sich in aller Seelenruhe vom Hof.
Begrüßung unter Brüdern.
Der Wagenkolonne, die sich den beiden an die Fersen heftet, folgen wir nicht mehr. Zuviel Alarm für unseren Geschmack. Wir sind happy für heute - und werden das Brüderpaar auch bald schon wiedersehen...
Der Auftakt, finden wir, kann sich wirklich sehen lassen. Zum Abschluss des Tages statten die Genets, von denen wir schon gehört haben, der Lodge einen ihrer regelmäßigen Besuche ab und sorgen für ordentlich Aufruhr im offenen Speiseraum. Fix und fertig, aber glücklich, schlüpfen wir unters Moskitonetz. Gute Nacht!
Teil 430. März 2016
2. Februar, vormittags: Der frühe Vogel...
Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, warum es uns in Afrika problemlos gelingt, um 5 Uhr aus dem Bett zu steigen, zuhause aber ganz andere Mächte am Werke sind. Spät rein, spät raus ist da schon eher die Devise.
An unserem ersten Morgen in der Ndutu Safari Lodge sind wir natürlich beileibe nicht die ersten, die sich vor dem Aufbruch in der Lobby über Tee und Kaffee hermachen. Deutsche, Holländer, Schweizer, Japaner, fasziniert beobachten wir eine Gruppe älterer Damen aus den USA, wohl keine unter 75, die offenbar eine Fotoreise unternimmt. Überhaupt das Foto-Equipment, das hier so an einem vorbeigetragen wird - Thomas kriegt beinahe Schnappatmung. Es sind nicht nur Profis unterwegs, aber die Lodge-Gäste wissen, was sie hier tun und zu erwarten haben. Afrika-Kenner, Foto-Kenner - Spezialisten eben.
Punkt sechs machen wir uns auf die Socken. In der Nacht hatten wir "a little bit of rain", meint Abraham. Eine maßlose Untertreibung, es hat gegossen.
Etwas mühsam kämpft sich die Sonne durch.
Die Vogelwelt bemüht sich um ein trockenes Gefieder.
Schopfadler
Steppenadler
Graubrustfrankolin (Danke Elvira!)
Sekretär
Mitten auf dem Weg finden wir unsere Löwenbrüder vom Vorabend wieder. Sie sind nun in familiärer Gesellschaft und im Laufe der Nacht fast zehn Kilometer gewandert, um zu ihrer Verwandtschaft aufzuschließen. Eine ungewöhnlich lange Strecke, meint Abraham.
Ein Löwenkind hat einen dicken Hals, turnt aber fröhlich durch die Gegend.
Einfach mal abhängen...
Knick statt Knopf im Ohr.
Abraham hat von einem Geparden gehört, der möglicherweise jagen wird. Unterwegs sehen wir noch diese Löffelhund-Familie:
Dann sputen wir uns aber. Eine jagende Cheetah haben wir noch nie gesehen.
Teil 531. März 2016
2. Februar, vormittags: Welche Cheetah hätten's denn gern?
Einige Fahrzeuge in Warteposition zeigen uns an, dass wir hier richtig sind. Ganz langsam und in einem weiten Bogen nähern wir uns, bis wir eine gute Beobachtungsposition gefunden haben. Was auffällt: Der Abstand der Autos zum Gepard und seinem potenziellen Opfer ist wirklich groß, um dem Tier die Jagd nicht möglicherweise zu vermasseln. Unser Timing ist perfekt, kaum haben wir uns in Stellung gebracht, geht's los.
Erst mal gucken, wer so guckt.
Anschleichen.
Tun, als wär' nix gewesen.
Dann lossprinten und auf das Überraschungsmoment hoffen.
Erst jetzt hat die Thomson-Gazelle gemerkt, was los ist.
Das Foto vom finalen Sprung lasse ich mal weg, für ein brauchbares Bild hatte sich das Geschehen schon zu weit nach hinten verlagert. Der Gepard hat die Antilope um wenige Zentimeter verfehlt - Künstlerpech.
Eine tolle Szene, die wir da beobachten durften, und während wir noch darüber sprechen, finden wir eine Artgenossin, die bei ihrem Jagdversuch mehr Glück hatte. Wir fahren näher ran, sind ganz aufgeregt. Eine Cheetah beim Fressen in gutem Licht! Nur: Auch die anderen Autos, die zuvor die Jagd beobachtet hatten, strömen nun hierher. Abraham reicht's. Noch bevor wir zum Stehen kommen, startet er wieder durch. Innerlicher Aufruhr bei mir. WIE JETZT?! Wir lassen uns diese - möglicherweise einmalige - Chance entgehen? Abraham kann offenbar meine Gedanken lesen. "We go and find our own cheetah", sagt er. Einfach so. Na dann...
Wir schuckeln etwa eine halbe Stunde lang durch die Marsh, ich habe vollständig die Orientierung verloren.
Endlich eine Bewegung, es tut sich was. Abraham ist enttäuscht: "Just two lion."
Ich muss lachen, versuche ihm zu erklären, dass zwei Löwen nun echt keine schlechte Sichtung sind. Zu einem Fotostopp müssen wir ihn fast überreden.
Kraut und Rübe
Was macht ihr denn hier?
Nur hundert Meter weiter werden wir tatsächlich fündig. Eine Cheetah. Für uns ganz allein. Kein anderes Auto in Sicht, erst später kommt noch eins dazu. Geht doch.
Mit diesem prallen Bauch fällt das Aufstehen schwer...
Die Mittagspause in der Ndutu Safari Lodge tut gut, die friedliche Stimmung auf der schönen Anlage mitten im Busch ist einfach Erholung pur.
Nach dem Cheetah-lastigen Vormittag wollen wir nachmittags noch einmal "unserer" Löwenfamilie einen Besuch abstatten. Begegnungen unterwegs:
Immer wieder fotogen: Gabelracke.
Tüpfelhyäne, vom Mittagsschläfchen erwacht.
Das Löwenrudel hat sich nicht wirklich vom Platz gerührt, ist aber viel aktiver als am Vormittag. Wir bleiben stundenlang bei der Familie und genießen das Idyll. Ein Vorteil, wenn man als Selbstfahrer oder wie wir mit einem Driver-Guide unterwegs ist: Zeitsouveränität.
Ein ereignisreicher Tag neigt sich dem Ende zu.
Teil 702. Apr. 2016
3. Februar, vormittags: Viele Cheetahs und ein Schock
Ein neuer Tag beginnt, wieder hat es in der Nacht heftig geregnet. Doch als wir gegen sechs Uhr in der Früh zu neuen Abenteuern aufbrechen, ist es trocken. Diese Morgenstimmung in Afrika - wie hier am Lake Ndutu - haut uns immer wieder um.
Erste Begegnungen am Morgen.
Diese kleine Gabelracke hat einen Moskito erbeutet - gut gemacht!
Wie schon am Vortag fahren wir in die Marsh, und es scheint so, als hätten sich sämtliche Cheetahs der Gegend hier verabredet.
Erneut beobachten wir eine Jagd, die sogar von Erfolg gekrönt ist. Wir halten großen Abstand und er wird immer noch größer, weil sich die Tiere von uns weg bewegen. Diesmal gibt es kein großes Anschleichen, kein Taktieren, wir können kaum schnell genug gucken, dann ist alles vorbei.
Wir fahren näher ran, doch der Gepard hat sein Opfer ins Gestrüpp gezogen und wir haben keine ideale Sicht. Außerdem versammeln sich sehr viele Autos. Abraham will weiter. Einverstanden.
Wir müssen nicht lange suchen und finden eine Mutter mit ihrem schon beinahe erwachsenen Sohn. Ziemlich lange scheinen sie ohne Plan zu sein, dann gehen auch sie gemeinsam jagen.
Wir warten lange ab, was sich tut. Beide finden aber nicht das richtige Zielobjekt, dafür haben inzwischen nicht weit von uns zwei andere Geparde einen Riss gemacht. Als Abraham in die Richtung fährt, scheint es, als sei ein Bann gebrochen. Während wir langsam zum Ort des Geschehens fahren, schießen rechts und links viele andere Fahrzeuge an uns vorbei, die vorher mit uns aus gebührender Distanz das Mutter-Sohn-Gespann beobachtet haben. Wir fassen es nicht. Doch es kommt schlimmer. Wir sind noch nicht ganz da, als wir eine Cheetah fliehen sehen. Die andere ist mutiger, vielleicht auch hungriger, und hält noch einen Moment tapfer bei ihrer Beute aus. Doch als ein Auto fast in sie hineinrast, ist es um ihre Fassung geschehen. Panisch sucht sie einen Ausweg aus der Wagenburg, die sich um sie herum gebildet hat und rennt schließlich davon. Nachdem wir nun mehrfach beobachten konnten, wie viel Ausdauer und Geduld die Geparde brauchen, bis sie ein Tier erbeutet haben, tut es uns wahnsinnig leid, dass ihnen der Mensch so dazwischenfunkt. Ohne jeden Grund. Die Cheetahs hatten gerade erst mit dem Fressen begonnen und wären bei mehr Umsicht und Verantwortungsbewusstsein noch einige Zeit an Ort und Stelle geblieben - und satt geworden.
Abraham sagt nichts, ist aber merklich sauer. Beide Geparde werden keinesfalls zum Fressen dorthin zurückkehren, erklärt er uns. Stattdessen werden sich Hyänen über den Riss hermachen. Wir sind geschockt und fühlen uns auch irgendwie schuldig. Schließlich sind wir auch hier. Was richten wir an? Eine seeeeehr schwierige Frage, auf die es sicher keine einfache Antwort gibt. Bedrückt fahren wir zur Lodge.
Beim Lunch komme ich mit einer netten Frau aus Süddeutschland ins Quatschen, die gemeinsam mit ihrem Mann ebenfalls vorzugsweise Afrika bereist. Ich erzähle ihr von unserem Erlebnis und sie ist noch geschockter als ich: Sie saß in dem Auto, das die Geparde unfreiwillig vertrieben hat. Offenbar ist im Anschluss großer Trubel ausgebrochen, Gäste und Fahrer anderer Jeeps haben ihren Guide wüst beschimpft. Er war sehr beschämt und entschuldigte sich, sie hatte nun aber große Sorge, dass er nicht weiß, was er tut. Angetrieben hatten sie ihn jedenfalls nicht. Im Laufe unserer Tour haben wir das Paar übrigens noch mehrfach getroffen. Der Guide hatte seine Lektion gelernt.
Fazit dieses denkwürdigen Vormittags: Ndutu ist und bleibt eine Sensation für uns, die Sichtungen sind der Hammer. Allenthalben mehr Rücksicht hätten wir uns eben häufiger gewünscht - auch im weiteren Verlauf der Reise. Touristen, die pfeifen, damit eine Katze sich fotogen umdreht, Guides, die - vielleicht auch auf Druck ihrer Gäste hin - jede Vernunft fahren lassen: haben wir alles erlebt. Schon längst wussten wir, was wir an Abraham hatten. Wir hätten bitten, betteln und drohen können: Gewisse Wünsche hätte er uns schlichtweg nicht erfüllt. Gut so!
Noch ein paar "versöhnliche" Zebras auf dem Weg zur Lodge zur Nervenberuhigung 🙂
Teil 803. Apr. 2016
3. Februar, nachmittags: Im Garten Eden
Die Mittagspause nutzen wir, um die Unzertrennlichen zu beobachten, die sich um die Ndutu Safari Lodge herum angesiedelt haben. Ich mag diese bunten, verschmusten Vögel sehr.
Bei unserer Pirschfahrt am Nachmittag gibt es einen Szenenwechsel. "We go to the woodlands", kündigt Abraham an. Es dauert nicht lange, und wir holpern durch ein bewaldetes Gebiet, der Weg wird schmaler und schmaler, ist schließlich nur noch eine ausgefahrene, matschige Fahrspur.
Ah, Besuch!
Zum zweiten - und letzten Mal - bleiben wir stecken. Abraham schmunzelt, steigt aus, schlägt ein paar kleinere Äste, schiebt sie unter die Reifen und hat das Auto innerhalb kürzester Zeit aus dem Loch bugsiert. Gutes Timing übrigens. Kaum sitzt er wieder im Wagen, steuert eine große Elefantengruppe geradewegs auf uns zu.
Unsere ersten Elefanten auf dieser Reise, wir freuen uns. Wo sie sind, ist immer was los. Wir beobachten sie lange.
Schließlich rumpeln wir weiter, das Gelände wird offener, ebener, die Landschaft ist atemberaubend.
Es wimmelt von Tieren, sie sind vor, hinter, neben uns, die Bäume sind voller Vögel.
Wir sind im Garten Eden gelandet! Wir bleiben mehrere Stunden, kein anderes Auto begegnet uns. Wir schweigen, genießen, fotografieren - es ist einfach toll.
Was für ein Tag! Eine Achterbahn der Gefühle, doch vor allem sind wir dankbar. Dankbar dafür, dass es all das gibt. Und dass wir es erleben dürfen.
Teil 904. Apr. 2016
4. Februar, vormittags: Von Camp zu Camp
Am Morgen kehren wir der Ndutu Safari Lodge den Rücken. Die Lodge ist ein Klassiker und hat uns sehr gut gefallen. Die kleinen Häuschen mit eigenem Bad bekommen keinen Schönheitspreis, sind aber praktisch und gemütlich. Die Lage mitten im Busch ist idyllisch, das Essen gut (vor allem reichlich), der abendliche Besuch der Ginsterkatzen ein Highlight, die Mitarbeiter sind extrem freundlich und die Lovebirds sprichwörtlich ein Farbtupfer - wir würden jederzeit wiederkommen.
Unsere (kurze) Strecke führt ans andere Ende des Lake Ndutu ins Kati Kati Ndutu Camp. Das mobile Camp liegt oberhalb des Sees, der Blick ist phänomenal, das Camp klein und persönlich. Es ist unsere Lieblingsunterkunft auf dieser Reise.
Der Weg wird zur Pirschfahrt. Wieder treffen wir zuerst eine Cheetah, ohne groß suchen zu müssen. Ihre Anzahl in dieser Region ist wirklich erstaunlich.
Was haben wir denn da?
Eine Thomson-Gazelle, guck an.
Also anschleichen,...
...doch die Gazelle läuft davon, jeder Jagdversuch ist zwecklos. Erstmal wieder ablegen.
Wir haben in den vergangenen Tagen schon große Herden gesehen, doch jetzt führt uns Abraham mitten in die Migration. Gnus und Zebras, so weit das Auge reicht. Ein unbeschreiblicher Anblick.
Kinder, vertragt euch.
Lappenstare...
...hoch zu Ross.
Einfach nur hübsch.
Ein alter Bekannter aus der Heimat.
Weiter geht es Richtung Camp.
Dieser Kampf ist eine ernste Angelegenheit. An der Mistkugel hängt gleich noch das Eheglück mit dran.
Rechts und links Gnus, Gnus, Gnus...
Schließlich sind wir da. Wir haben ein Faible für Tented Camps und fühlen uns auf Anhieb wohl.
Unser Zelt von innen. Schlicht, aber authentisch - und mit eigenem "Bad" und Eimerdusche.
Was für ein Blick...
Teil 1005. Apr. 2016
4. Februar, nachmittags: "There's a kill!"
Nach einem sehr leckeren Mittagessen machen wir uns wieder auf in Richtung Migration. Wir können uns nicht sattsehen an der Vielzahl der Tiere. Der Arbeitstitel, unter dem wir die Reise zusammengestellt haben, hat sich bis dato allerdings (noch) nicht erfüllt: "Die Geburt der Gnus". Die Bäuche der Gnu-Damen sind kugelrund, die neue Generation lässt aber noch auf sich warten.
Im Hintergrund der Ngorongoro.
Diese Zebramangusten haben es eilig.
Gut möglich, dass es an der Nachbarschaft liegt.
Ein weißer Ohrengeier schlägt Abraham komplett in seinen Bann. Es ist das einzige Motiv der gesamten Reise, das wir ihm zumailen sollen. Dieser Vogel ist normalerweise braun, das helle Gefieder eine Laune der Natur. Abraham ist Mitglied einer Vogel-Forschungsgruppe und möchte dieses Exemplar unbedingt seinen Kollegen zeigen.
Gerade denke ich, dass dies zwar ein sehr schöner, aber auch vergleichsweise ruhiger Nachmittag ist, da ruft Abraham: "There's a kill!" Ich verstehe nur Bahnhof, und obwohl das Drama in unmittelbarer Sichtweite von uns fast auf dem Weg stattfindet, dauert es einen Moment, bis sich die Information bei mir setzt. Keine Minute später sind wir da. Noch immer bin ich nicht ganz im Bilde. Ich bin fasziniert, erschrocken, elektrisiert; für mich sieht es so aus, als trampele ein Gnu auf einem Löwen herum.
Was ist also passiert? Abraham hat den Sprung der Löwin gesehen, die die Kehle ihres Opfers zwar verfehlt, sich dann aber in dem Gnu-Bullen verbissen hat. Das Raubtier hat nun die Strategie gewechselt und versucht, das Gnu zu ersticken. Ganz allein stehen wir am Ort des Geschehens, Abraham ruft noch zwei befreundete Guides herbei, die in Windeseile dazukommen.
Fast eine Viertelstunde dauert der Kampf auf Leben und Tod, ...
...dann geht dem Bullen die Kraft aus.
Abraham hat in den vergangenen 14 Jahren häufiger Filmteams als Guide begleitet. Er erzählt uns, dass schon manche Crew vier Wochen oder mehr in der Region verbracht hat, um so etwas zu sehen, am Ende aber unverrichteter Dinge wieder abreisen musste. Wir waren und sind völlig geplättet von diesem Erlebnis, das bis heute nachwirkt.
Jahrelang habe ich mich gefragt, wie ich wohl mit einem derartigen Erlebnis umgehen würde. Eine rein theoretische Überlegung. Nie habe ich ernsthaft damit gerechnet, eine solche Szene einmal aus nächster Nähe beobachten zu können. Jetzt weiß ich: Ich habe große Schwierigkeiten damit, wenn der Mensch allzu sehr in die Natur hineinpfuscht. Das hier aber habe ich als das genommen, was es ist: der natürliche Lauf der Dinge.
Wieder geht ein einzigartiger, aufregender und unvergesslicher Tag zu Ende.
Die Löwin werden wir am nächsten Morgen in einer völlig anderen Lebenssituation wiedersehen...
Teil 1106. Apr. 2016
5. Februar: "Crossing light" am Lake Ndutu
In der Nacht haben sich Löwen und Hyänen zu Wort gemeldet. Es ist einfach immer wieder fantastisch, diese Geräuschkulisse so hautnah zu erleben. Heute Morgen wird uns ein wunderschöner Sonnenaufgang mit Blick auf den Ngorongoro-Krater geboten.
Schon am Vorabend habe ich allerdings festgestellt, dass nach noch nicht einmal der Hälfte der Reisezeit alle meine Speicherkarten fast voll sind. Der Löwen-Kill hat mir sozusagen den Rest gegeben. Leichte Panik. 😮 Abraham, der uns ja in dieser Hinsicht schon in Arusha vorgewarnt hatte, grinst sich eins, weiß aber wie immer Rat. Da uns seine heutige Route ohnehin in Richtung Seregenti-Gate führt, werden wir beim dortigen Shop einen Zwangsstopp einlegen.
Wir sind noch nicht weit gekommen, da treffen wir die Löwendame wieder, die am Vortag dem Gnu den Garaus gemacht hat. Diesmal hat sie ganz andere Dinge im Sinn. Ungefähr jede Viertelstunde muss der Gatte ran, Tag und Nacht. Ein reines Vergnügen???
Unterwegs gibt es einen Kessel Buntes.
Sekretär
Auf eine gute Nachbarschaft.
Goldschakal
Die gute Nachricht: Der Shop am Gate hat tatsächlich Speicherkarten im Sortiment. Die schlechte: Ich muss das Vierfache vom Normalpreis hinblättern. Aber nutzt ja nix. Strafe muss sein... Wieder bestens ausgerüstet, erklimmen wir den Hügel beim Gate.
Blick auf die Migration
Agamen - 2010 haben wir sie nicht vernünftig erwischt. Diesmal halten sie schön still.
Zurück im Camp erwartet uns ein leckeres Mittagessen, doch dazu kommt es erst einmal nicht. Die Mitarbeiter machen uns auf eine riesige Gnuherde aufmerksam, die den Lake Ndutu durchquert. Ein "Crossing light" quasi. Mist, und die Kameras liegen im Zelt. Ich sprinte los, um sie zu holen - ebenso wie der Guide eines anderen Gastes, der offenbar zu bequem ist, selbst loszumarschieren. Ich kann mich über soviel Respektlosigkeit und Überheblichkeit nur wundern. Die Loide, würde man bei uns in Hamburg sagen...
Am Nachmittag finden wir unten am Seeufer diese Tüpfelhyäne, die ihren Verdauungstrakt kühlt. Nach dem leckeren Lunch könnte ich mich eigentlich direkt dazulegen. 😗
Next Stopp: Ein verschlafener Löwe.
Hallooooo...
...waaaach?
Herr der Fliegen
Und wieder relaxen.
Black shouldered Kite
African Wildcat
Coucal. Sein Sound klingt, als würde man etwas aus einer Flasche kippen.
Kaum sind wir wieder im Camp, stürzt ein Gast auf uns zu. Kein Hallo, kein guten Abend, kein Lächeln, nur vorwurfsvoll: "Jetzt haben Sie aber echt was verpasst. Erst ist da unten am Ufer ein Löwe entlang gelaufen und dann haben Gnus den See durchquert." Wir sind völlig perplex in Anbetracht von soviel Feinfühlig- und Höflichkeit. Was soll man da sagen? Erst einmal "Guten Abend." Und dann wahrheitsgemäß: "Ja, das ist toll, das haben wir heute Mittag auch gesehen." Jetzt ist der Herr von den Socken: "Ach, das passiert öfter mal." Er wirkt beleidigt und zockelt ohne ein weiteres Wort davon. Ich sag ja: die Loide...
Wir essen gemeinsam mit Abraham, das ist in den Kati Kati Camps Sitte. Eine gute, wie wir finden, Abraham interessiert sich sehr für die Flüchtlingskrise und wir unterhalten uns angeregt. Alles in allem sind wir abends aber natürlich alle platt, gegen Neun werden wir von einem Camp-Mitarbeiter zum Zelt begleitet. Wir kennen das schon von anderen Reisen, zum ersten Mal treffen wir auf dem kurzen Weg aber tatsächlich auf Wildtiere. Eine Büffelherde grast an der Böschung nur wenige Meter von unserem Zelt entfernt. Mein erster Impuls: umdrehen und weglaufen. Was natürlich genau verkehrt wäre. Unser Begleiter mahnt zur Ruhe, wir gehen langsam weiter und kommen sicher ans Ziel. Na dann, gute Nacht!
Teil 1207. Apr. 2016
6. Februar: Ausflug zu den Kopjes
Um halb Sechs sind wir schon wieder unterwegs. Unser Löwenpärchen hat weder seinen Standort, noch sein Betätigungsfeld wesentlich verändert. Im Busch-TV läuft also heute Morgen erstmal Aufklärungsprogramm - und das im Frühstücksfernsehen... 🤨
Und wieder von vorn die Prozedur...
Erst einmal markieren und zeigen, wer Herr im Haus ist.
Wir fahren wieder in Richtung Nabi Gate. Auf dem Plan steht ein Ganztagesausflug zu den Kopjes, was ein expliziter Wunsch von mir war.
Begegnungen unterwegs.
Dieser Löwe steuert geradewegs auf uns zu. Der arme Kerl kann vor lauter Fliegen kaum aus den Augen gucken. Er hat wohl gerade gefressen und das Blut lockt die lästigen Insekten in Scharen an.
Bei den Zebras gibt's Streit...
...und hier süßen Nachwuchs.
Wir sind schon bald bei den Gol Kopjes. Schon von Weitem erkennen wir gleich auf dem ersten Hügel Löwen. Wir freuen uns, denn im Oktober 2010 haben wir auch Kopjes auf dem Weg nach Seronera gestreift, aber keine Katzen gesehen.
Auch die Agamen fühlen sich auf den Steinen sehr wohl und genießen das Bad in der Sonne.
Die Landschaft ist traumhaft. Und erstaunlicherweise ist hier fast nichts los. Was daran liegen könnte, dass der Zugang zu dieser Gegend anscheinend ein wenig extra kostet. Die Summe ist allerdings lächerlich.
Eine Cheetah verlässt ihren Felsen...
...und kommt netterweise direkt an uns vorbei.
Abraham sucht uns ein schönes Plätzchen im Schatten einer dieser Felseninseln. Wir könnten ruhig aussteigen, meint er. Er hat die Lage sondiert. Ich vertraue ihm natürlich blind, andererseits haben wir gerade erst ein paar Hundert Meter weiter auf einem anderen Kopje diese Dame entdeckt:
Na ja gut, das ist weit weg, ich trau mich mal... Als ich dann allerdings auch noch ein dringendes Bedürfnis verspüre, bleibe ich doch lieber in der Nähe. Die beiden Männer sind eh ins Gespräch vertieft und Thomas lässt sich den Roten schmecken, den Abraham aus dem Hut zaubert. Bekommt jeder frei Haus, der einen Kill gesehen hat, meint er. Ist natürlich nur ein Spaß.
Diese Mittagspause in dieser Umgebung, in dieser Stille, es ist fast zu schön um wahr zu sein. Wir lassen uns die prall gefüllte Lunchbox schmecken.
Viel zu schnell verfliegt die Zeit und wir machen uns auf den Rückweg.
Vater, Mutter, Kind.
Auf dem Kopje, den wir zuerst angesteuert haben, liegen immer noch dieselben Löwen faul herum.
Der Arme, so hinter Gitter...
Am Abend lassen wir uns das einmal mehr tolle Essen schmecken. Ich finde es erstaunlich, was der Koch in einem kleinen Küchenzelt so alles zaubert. Vom anderen Ende des Sees leuchten die Lichter der Ndutu Safari Lodge und ich überlege, was wir schon alles auf dieser Reise gesehen haben - und was wohl noch kommt. Schließlich geht es am nächsten Morgen für die nächsten drei Tage in die zentrale Serengeti. Abraham drückt auf die Euphoriebremse. Wir sollen uns darauf einstellen, dass sich die Anzahl und Qualität der Sichtungen dort nicht fortsetzen wird. Mal sehen, ob er Recht behält...
Teil 1308. Apr. 2016
7. Februar: Angriff der Tsetse-Fliegen
Am Morgen verabschieden wir uns vom Kati Kati Ndutu Camp und machen uns auf ins Schwesterncamp Kati Kati Seronera in der zentralen Serengeti. Ob es uns wohl ebenso gut gefallen wird? Die Messlatte liegt hoch. Dieses kleine Camp mit seiner intimen Atmosphäre, dem Blick über den See, seiner Abgeschiedenheit, seinem Busch-Feeling, tollen Essen und seinen netten Menschen war schlichtweg großartig.
Noch einmal brechen wir auf in Richtung Nabi Gate, wieder hat es in der Nacht geregnet, doch der Tag verspricht Sonne.
Begegnungen unterwegs:
Gleitaar - Black-shouldered Kite
Steppenfalke
Rötelfalke
Als wir nach Seronera kommen, sind wir erstaunt, wieviel wir nach unseren ersten Besuch vor sechs Jahren wiedererkennen. Der Airstrip, die Forschungsstation, die Tankstelle - wir fühlen und fast zuhause. Offroad fahren ist ab sofort tabu, und diesem Prachtburschen auf seinem Baum in sicherer Entfernung dürfte das nur recht sein.
Gegen Mittag fahren wir zum Camp.
Junger Kampfadler
Es ist noch ein ganzes Stück zu fahren, doch die hügelige, grüne Landschaft ist wunderschön. Allerdings: Mit der Idylle ist es schnell vorbei. Wir passieren ein kleines Waldstück - und werden von Tsetse-Fliegen regelrecht überfallen. Sie sind überall, wir können sie gar nicht so schnell erschlagen, wie wir gestochen werden. Kurz darauf ein Schild: Reception. Na toll! Die rundherum postierten blau-schwarzen Fallen zeigen an, dass wir das Problem noch längst nicht los sind.
Abraham beruhigt uns: "There are no Tsetse-Flies in the Camp." Das stimmt im Großen und Ganzen, sieht man einmal von einzelnen Exemplaren ab. Doch dummerweise kleben die Biester am Auto fest. Sie folgen jedem Objekt, das sich bewegt - also auch dem Jeep. In den nächsten Tagen klappen wir das Autodach erst hoch, wenn wir die kritische Zone verlassen haben beziehungsweise schließen es, bevor wir auf dem Rückweg in sie hineinfahren. Das hilft sehr, löst das Problem aber nicht zur Gänze: Kaum steigen wir aus dem dann unbeweglichen Auto, stürzen sich die Fliegen auf uns. Und kaum halten wir an, um das Dach zu öffnen, wechseln die Mistviecher auf die sich dann bewegenden Objekte - auf uns. Ein paar Stiche kriegen wir fast immer ab.
Ich muss zugeben: Wir waren zuerst sauer. Wer baut ein Camp in eine solche Nachbarschaft? Doch das Problem ist wohl relativ neu, ausgelöst durch den ungewöhnlich heftigen Regen der vergangenen Monate. Explizit sei erwähnt: Die Zelte waren komplett insektenfrei, auch beim Essen oder abends bei einem leckeren Drink am Feuer war Ruhe. Aber Ankunft und Wegfahrt waren keine Freude, weil man die Fliegen eben immer noch stundenlang mitgeschleppt hat.
Blick aufs Camp - leider an einem anderen Tag bei sehr schlechtem Licht. Bei unserer Ankunft standen wir zu sehr unter dem Eindruck der Fliegen, um aktiv zu werden.
Insgesamt haben beide Camps aber große Ähnlichkeit, im besten Sinne. Das Zelt ist so identisch, dass wir dort drinnen fast vergessen könnten, woanders zu sein. Auch das Essen ist fantastisch.
Nach dem leckeren Mittagessen fahren wir wieder los. "Unser" Leopard ist noch da und wir verbringen Stunden bei ihm.
Zwischendurch sieht es so aus, als würde er seinen Baum verlassen. Doch er wechselt nur die Position.
Auf dem Heimweg treffen wir noch diesen Elefanten im schönen Abendlicht.
Was die Tiersichtungen angeht, sind wir mit dem ersten Tag in Seronera sehr zufrieden. Nur auf die fiesen Stechfliegen hätten wir gut und gern verzichten können...
Teil 1409. Apr. 2016
8. Februar: Baby-Boom, Teil I
Unser erster Morgen in der zentralen Serengeti beginnt bei trübem Licht. In der Nacht hat es (mal wieder) geregnet, und bei geschlossenem Dach (auch wegen der Tsetses) machen wir uns auf den Weg, der im Schlamm und Morast teilweise versunken ist. Abraham schimpft auf die Parkverwaltung, die die Wege seiner Ansicht nach nicht vernünftig pflegt. Die Driver-Guides sind deshalb genötigt, immer neue Pfade rechts und links der eigentlichen "Straßen" herauszufahren; was natürlich letztlich zu Lasten der Natur geht - für Abraham ein Graus.
Die Sicht ist nach dem Regen von unten wahrscheinlich besser als von oben...
Diese Löwen haben sich ein trockenes Plätzchen gesucht - so...
...oder so.
Topi-Familie...
...mit Nachwuchs
Perlhühner mit Kindergarten
Wir treffen einen Kollegen von Abraham, seine Besatzung starrt per Fernglas ins hohe Gras. Warum? Sie haben eine Gepardin gesichtet und der Guide nimmt an, dass sie Nachwuchs dabei hat. Wir beschließen zu bleiben und zu schauen, was passiert. Wir warten und warten, schließlich setzt sich die Gepardin in Bewegung und steuert geradewegs auf die Straße zu. Erst als sie den Weg schon beinahe erreicht hat, sehe ich einige kleine Cheetahs in ihrem Schlepptau. Meine Güte, sind die drollig; doch als sie über die Straße purzeln, ist uns plötzlich die Sicht versperrt. Hä? Wo kommen denn plötzlich all die Autos her? Blöd. Wenigstens laufen die kleinen Geparde im hohen Gras noch einmal an uns vorbei.
Kaum sind sie verschwunden, verstreuen sich die Autos in alle Winde. Nur wir und ein anderer Jeep bleiben übrig. Abraham nimmt eine Abzweigung und tatsächlich können wir die Cheetahs noch einmal ganz in Ruhe - wenn auch weit weg - beobachten. Die Mutter, das ist klar zu erkennen, sucht nach potenziellem Futter.
Nach einer Viertelstunde zockelt das Quartett weiter.
Abraham biegt erneut ab, ist sicher, dass die Familie spätestens in einer halben Stunde hier vorbeikommen wird. Doch, oh nein, wir stehen inmitten von Akazien und die Tsetses machen uns schon wieder den Garaus. Sorry, kleine Cheetahs. Ihr seid wirklich süß, aber noch nicht einmal für euch halten wir das aus. Wir müssen weiter. P.S.: Abgesehen vom Weg zu unserem Camp war dies in den drei Tagen in Seronera die einzige Stelle, an der wir solche Probleme mit Tsetses hatten. Ansonsten war Ruhe.
Das war unzweifelhaft eine tolle Sichtung, wenn vielleicht auch nicht ideal im Verlauf. Abraham hat aber noch einen Joker in der Tasche. Was es ist, will er uns nicht verraten. Wir fahren und fahren, fast eine Stunde lang. Zügig, keine Stopps. Autos begegnen uns schon lange nicht mehr - und auch nicht in den nächsten Stunden.
Endlich, wir werden langsamer, Abraham sucht die Bäume an der Straße ab. Das Gras ist plattgelegen, aber niemand Zuhause. Dann schließlich das:
FORTSETZUNG FOLGT...
Teil 1509. Apr. 2016
8. Februar: Baby-Boom, Teil II
Die Löwen-Babys sind höchstens zwei Wochen alt, sagt Abraham, und ein gut gehütetes Geheimnis unter einigen wenigen Guides. Wohl nicht, um den jeweiligen Gästen Exklusivität zu bieten, sondern um die Familie vor allzu viel Rummel zu bewahren. Wir zählen drei Löwinnen, davon zwei Mamas, zwei prächtige Löwenmänner und acht Cubs. Es tut uns natürlich leid für die Touristen, die das nicht erleben können. Andererseits sind wir froh für die Tiere, dass dieses Idyll nicht zerstört wird.
Zwei Stunden verbringen wir mutterseelenallein beim Rudel, das sich nicht die Bohne für uns interessiert. Umgekehrt sieht das natürlich anders aus. Immer wieder nehmen wir zwischendurch unsere Lunchboxes in Augenschein, meistens greifen wir aber lieber zur Kamera statt zum gekochten Ei.
Bei den Kleinen genießt das Thema Essen eine deutlich höhere Priorität. Der Kampf um die Milchbar ist im vollen Gange.
Schließlich trennen wir uns schweren Herzens und machen uns überglücklich auf den Rückweg.
Schicke Büffelformation zum Abschied.
Klippspringer
An diesem Tag kann eigentlich nichts mehr kommen. Ich sehe durchs Fenster die Landschaft an mir vorbeiziehen, bin völlig gedankenverloren und rufe eher instinktiv: "Stopp!" Abraham bleibt stehen, setzt ein Stück zurück. Ich bin sicher, zwischen dem hohen Gras den Rücken eines Servals erkannt zu haben. Nicht, dass ich schon einmal einen gesehen hätte, aber für einen Leoparden zu schmal, für einen Gepard zu dunkel, für eine Wildcat zu hoch - er war da! Man muss dazu sagen, dass ich mir sehr gewünscht hatte, einen Serval zu sehen. Beide Männer wissen das und ich ahne, sie trauen meiner Wahrnehmung nicht. Thomas schon gar nicht, schließlich hatte ich vor sechs Jahren im Tarangire steif und fest behauptet, ein Nashorn gesehen zu haben und ließ mich erst eines Besseren belehren, nachdem mir unser damaliger Guide glaubhaft versichern konnte, dass es Rhinos dort gar nicht gibt. Dann plötzlich eine Bewegung, und für einen kurzen Moment sehen wir die schöne Katze alle. Na also, hab ich doch gleich gesagt!
Weitere Wegbegleiter
Diese Meerkatze ist kein Baby mehr, aber offenbar in der Pubertät: Guckt mal, was ich da habe...
Teil 1611. Apr. 2016
9. Februar: Happy Hippos
In der Nacht hat es - natürlich - wieder geregnet. Als wir zu unserem Ganztagesdrive aufbrechen, ist es zwar trocken, das Licht bleibt aber trüb. Die ersten Sichtungen des Tages: Vögel.
Starweber (Danke Konni!)
Graufalke
Zwei Tawny Eagle unterschiedlicher Färbung in einem Baum.
Schwarzhalsreiher
Am Weg stehen zwei Autos. Warum? Im Baum relativ weit weg waren zwei Leoparden. Einer ist schon heruntergesprungen, der andere folgt kurz darauf. Leider ist die ziemlich Entfernung groß und das Licht schlecht, mehr als ein Beweisfoto ist nicht drin. Abraham meint, dass es sich um ein Paar handeln muss, das jetzt im Gras den Leopardenbestand in der Serengeti sichert, dann aber in den Baum zurückkehren wird. Schließlich liegt dort noch ein Kill. Sein Rat: abwarten.
Keine Viertelstunde später hat er seine Meinung geändert. Immer mehr Autos sind angekommen. Und weil es nichts zu sehen gibt, entstehen Ungeduld und Langeweile. Die Japaner nebenan streiten (oder unterhalten sie sich nur angeregt?), Gruppen, die auf verschiedene Autos aufgeteilt wurden, halten über drei Wagen hinweg ein Pläuschchen und einige ganz besonders nervige Exemplare der Gattung "Touri" klettern sogar aufs Dach, um sich einen besseren Überblick zu verschaffen - was natürlich misslingt. Abrahams Gesicht - wir kennen das nun schon - verfinstert sich. Die scheuen Katzen, sagt er, werden bei diesem Trara keinesfalls auf den Baum zurückkehren. Wir hauen ab - nix wie weg!
Wir sind noch nicht weit gekommen, als wir diesen schönen Sattelstorch entdecken.
Wir bleiben, bis er verschwunden ist. Einige Autos rauschen heran, halten kurz inne, identifizieren nach kurzer, aber eingehender Prüfung den Storch als Grund unseres Stopps, und düsen weiter zu den unsichtbaren Leoparden. Ein Weg, der sich nicht lohnt: Wie wir am Abend erfahren, haben andere Campgäste stundenlang dort ausgeharrt in der Hoffnung, dass noch etwas passiert. Fast überflüssig zu sagen: vergebens.
Begegnungen unterwegs:
Zebramangusten
Dieser Bulle ist schon in die Jahre gekommen, aber keineswegs altersmilde. Mit geblähten Nüstern droht er uns. Als er dann noch ein paar Schritte in unsere Richtung macht, überlassen wir ihm lieber das Feld...
Super, wir fahren zum Retina Hippo Pool!
Vor sechs Jahren waren wir schon einmal da. Es war Trockenzeit, sehr heiß und im seichten Wasser lagen die Hippos Seite an Seite und rührten sich kaum. Ganz anders diesmal: Die Nilpferde rangeln, kämpfen, spielen, es ist richtig was los.
Mein Lunch auf dem benachbarten Picknickplatz fällt rekordverdächtig kurz aus. Ich muss da hin! Der Großteil der Fotos stammt übrigens von Thomas, nicht, dass da Missverständnisse aufkommen...
Hmmmmm, lecker!
Manch einer nimmt das alles sehr gelassen oder langweilt sich sogar...
Einen Kindergarten und Erziehungsmaßnahmen gibt's auch...
Wir bleiben gefühlt ewig und genießen diese Show, mit der einfach kein Fernsehprogramm dieser Welt mithalten kann.
Wieder zurück, setzen wir uns wie jeden Abend ans gemütliche Feuer, sozusagen dem gesellschaftlichen Treffpunkt des Camps. Ein Paar aus dem Ruhrgebiet ist zum dritten Mal hier in der Gegend und aufs Neue begeistert, zwei Amerikaner haben vor wenigen Tagen den Kili erklommen - wie spannend das alles ist. Auf dem Weg ins Zelt - wie immer in sicherer Begleitung - müssen wir Hyänen verscheuchen, die es sich vor unserer "Haustür" gemütlich gemacht haben. Ach, wir könnten ewig so weitermachen!
Teil 1712. Apr. 2016
10. Februar: Abschied von der Serengeti
Heute verabschieden wir uns von nicht nur vom Kati Kati Camp, sondern auch von der Serengeti. Das Camp hat uns wirklich gut gefallen, so mitten im Busch, tolles Essen, nette Menschen, zwar unprätentiöse, aber penibel saubere Zelte mit einem guten Grundrauschen an Komfort. Ganz unser Geschmack. Nur die Tsetse-Fliegen auf dem Weg hin und zurück, damit konnten wir uns nicht anfreunden. 🙁
Sie waren allerdings wohl auch der Feuchtigkeit geschuldet. In der vergangenen Nacht hat es geschüttet, mühsam bahnt sich Abraham den Weg durch Schlamm und Schlick und muss leider immer wieder ein wenig abseits der eigentlichen Spur fahren, um durchzukommen. Unterwegs treffen wir einen Konvoi von drei Autos mit voller Touri-Besetzung, ein Wagen ist steckengeblieben und die Fahrer wissen nicht recht weiter. Sie möchten, dass Abraham das Auto herausfährt, doch der gibt lieber klare Anweisungen und Handzeichen. Das Problem ist schnell gelöst und der Jeep wieder auf Kurs. Ich beobachte, wie die drei Autos hinter uns herschleichen, doch dann steckt wieder eins fest. Abraham bleibt knallhart: "Wenn sie nicht wissen, wie man hier fährt, dann sollen sie nicht herkommen." Ende der Durchsage.
Immerhin: Es ist zwar alles pitschnass, doch es kommt kein Wasser mehr von oben.
Elsterwürger
Wiesenweihe (Weibchen; danke Elvira!)
Maskenweber- Mietshaus
Ich wähne uns auf dem Weg in Richtung Gate, die Landschaft scheint nur aus Gras zu bestehen. Doch wir sind immer noch rund um Seronera unterwegs. Abraham macht einen langen Hals: "There's a Serval Cat." Tatsächlich sehen wir die schlanke Katze etwa 30 Meter vor uns in aller Seelenruhe auf der Straße gehen. Wir fahren langsamer, ohne auf gleicher Höhe stehen zu bleiben. Hätte auch keinen Zweck gehabt, der Serval hat sich gemächlich ins hohe Gras verzogen. Ich stecke meinen Kopf durchs offene Dach, sehe nichts, bin enttäuscht und Abraham fährt einfach weiter. Mist, so eine Chance. Erst 30 Meter weiter stoppen wir und Abraham mahnt wie gewohnt zu Ruhe und Geduld. Der Mann erstaunt uns einfach immer wieder.
Nach kurzer Zeit kommt der Serval aus dem hohen Gras und dann direkt auf uns zu. Wir halten die Luft an, was gar nicht nötig wäre. Die durchnässte Katze, die auf der Straße ihr Fell trocknen will, stört sich kein bisschen an uns und marschiert in aller Seelenruhe an uns vorbei. Was für ein Erlebnis.
Wir bringen uns noch einmal in Position und das Schauspiel wiederholt sich. Dann braust ein anderes Auto heran, entdeckt die Katze und hält direkt neben ihr. Die völlig falsche Taktik: Der Serval verschwindet auf Nimmerwiedersehen im hohen Gras.
Wir machen uns endgültig auf den Rückweg, noch ein kleiner Stopp bei den Simba Kopjes, dann sind wir heraus aus der Serengeti.
Wir sind ein bisschen traurig, freuen uns aber auch auf den Kraterbesuch am nächsten Tag. Vor sechs Jahren fanden wir es richtig, richtig toll dort. Unterwegs treffen wir noch einmal die großen Herden, der Gnu-Nachwuchs lässt immer noch auf sich warten. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel...
Klein, aber oho...
Ganz schön mitgenommen...
Wir passieren die ersten Masai-Siedlungen, legen abseits des Weges unsere Mittagspause ein.
Die Lunchboxen sind wie immer gut gefüllt, es bleibt eine Menge übrig. Die Masai-Kids freuen sich riesig über die üppigen Reste. Auf Bitten von Abraham entfernen wir sämtliche Verpackungen; die Masai werfen sie sonst achtlos in die Landschaft. Die Bananenschale bleibt aber dran - Abraham erklärt den Kindern, wie man sie vor dem Verzehr abschält.
Der Blick vom Aussichtspunkt hinunter in den Krater ist auch diesmal wieder ein Erlebnis.
Doch der Weg zur Sopa Lodge zieht sich und wir sind froh, als wir endlich ziemlich durchgeschüttelt aus dem Wagen krabbeln dürfen. Unser erster Eindruck der Lodge hinterlässt so etwas wie einen Kulturschock: ein Massenbetrieb, voll durchorganisiert, riesig groß, und dann erst all die Menschen...
Unser Zimmer ist sauber, gigantisch groß, die Möbel sind etwas in die Jahre gekommen. Aber das Bad! Und die Dusche! Dieser Wasserdruck - ich kann kaum genug kriegen und Thomas freut sich wie Bolle über die erste Rasur seit Tagen. In der Lobby gibt's Netz und wir bringen uns auf den neuesten Stand der Nachrichten. Wir essen anders als zuletzt ohne Abraham. "It's not their policy", sagt er lapidar. Hm, diese Hauspolitik liegt uns nicht. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit dem netten Paar, dessen Guide seinerzeit so ungeschickt die Cheetahs verjagt hat. Wie lang das her zu sein scheint... Wir haben noch zwei lustige Abende miteinander, lassen es nach einem üppigen Abendessen vom riesigen Buffet aber heute nicht allzu spät werden.
Zum letzten Mal klingelt um fünf Uhr der Wecker ...
Teil 1813. Apr. 2016
11. Februar: Endlich! Die Geburt der Gnus
Wir sind früh dran am nächsten Morgen, trotzdem mahnt uns Abraham zur Eile. Seit einigen Tagen kalben im Krater die Gnus. Und da diese freudigen Ereignisse in aller Regel bei Tagesanbruch über die Bühne gehen, müssen wir uns sputen. Es ist noch stockdunkel, als wir aufbrechen, und es gießt wie aus Kübeln. Schon gestern Abend habe ich den Wetterbericht gecheckt und die schlechte Prognose nur widerwillig zur Kenntnis genommen. Dass sie sich bewahrheitet, schlägt mir auf die Stimmung. Ich ermahne mich selbst, bete mir meine persönlichen Safari-Regeln vor. Die gehen ungefähr so: - Niemals damit hadern, was andere gesehen und man selbst verpasst haben könnte. Jeder verpasst ständig irgendwo irgendwas - oder eben auch nicht. - Die Dinge nehmen und schätzen, wie sie sind . Faktoren wie Sichtungsglück und Wetter hat man eben nicht in der Hand. - Genießen, genießen, genießen - Gedanklich füge ich speziell für diese Reise eine vierte Regel hinzu: Du bist bewusst in der Green Season hier. Also: Take it easy!
Nur, so richtig will das nicht fruchten. Da bin ich an einem der schönsten Plätze der Welt und dann das! Das Schlimmste für mich, die ich eine ausgesprochene Sonnenanbeterin bin: Es soll den ganzen Tag so bleiben. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Ich bin schlecht drauf.
Als zweites Auto rollen wir hinunter in den Krater. Unsere erste Begegnung: gleich drei Nashörner. Ein starker Auftakt, doch Licht und Entfernung lassen noch kein Foto zu. Wir halten uns nicht lange auf, fahren weiter zu den Gnus. Abraham erklärt uns, wonach wir schauen sollen: Gnus, die am Boden liegen und wahrscheinlich eine Gruppe von Artgenossen um sich herum geschart haben.
Wir müssen nicht lange suchen. Auf einer großen Grasfläche purzelt der Nachwuchs wie auf Verabredung fast zeitgleich. Das hat die Natur so vorgesehen, natürlich. Es ist dennoch faszinierend - der reinste Freiluft-Kreißsaal. Meine Laune bessert sich - na ja, ein wenig. Wir öffnen das Dach, es regnet noch stärker, falls das überhaupt möglich ist. Alles ist nass. Klamotten, Sitze, Taschen, wir schützen die Kameras so gut es geht.
Gnu-Kreißsaal
Regen bringt anscheinend Kindersegen.
Die Gnu-Mädels haben andere Sorgen. Manche gebären beneidenswert flott, andere quälen sich. Eine werdende Mutter tut sich besonders schwer, legt sich schließlich erschöpft hin. Aber nein, so geht es nicht! Sofort kommt die beste Freundin vorbei und drängt mit nachdrücklichen Nasenstupsern zum Aufstehen. Am Ende sehen wir fünf oder sechs Geburten - zum Glück allesamt erfolgreich. Wie schön, dass wir das noch miterleben durften!
Die Kehrseite der Medaille 🙁
Wir fahren weiter, der Regen drückt auf die Blase. Wir frühstücken bei geschlossenem Dach und beschlagenen Scheiben, dann endlich, gegen neun Uhr, lässt der Regen nach. Wir fahren durch ein Stück Wald, es ist tropisch hier, die Bäume und die Wiesen dampfen, eine tolle Stimmung. Meine Gemütsverfassung ist langsam wieder hergestellt. Innerlich schimpfe ich mit mir: Mensch, so tolle Dinge sehen und dann knötterig, das geht echt gar nicht.
Der Krater ist landschaftlich eine Wucht und anders als vor sechs Jahren komplett grün. Wir bilden uns ein, damals im Oktober mehr Herden gesehen zu haben, mögen uns aber auch täuschen. Es ist auf jeden Fall wieder ein tolles Erlebnis und auch das Wetter wird immer besser. Ab mittags scheint sogar die Sonne.
Ein Nashorn sehen wir auch noch einmal. Es bleibt allerdings auf Abstand. Daher nur ein Beweisbild:
Wir konzentrieren uns dann lieber auf die schönen Kronenkraniche direkt vor uns:
Zum ersten Mal hören wir den irren Sound einer balzenden Riesentrappe. Klingt, als würde jemand die Pauke hauen.
Mittags fahren wir noch einmal am "Kreißsaal" vorbei, der nun aber völlig verwaist ist. Wo sind denn bloß alle hin? 2010 mussten wir am frühen Nachmittag den Krater verlassen, diesmal haben wir ein Ganztagesticket. Dass das überhaupt möglich ist, wussten wir nicht. Wir haben es von der Agentur erfahren, über die wir gebucht haben. Zwischen 14 und 15 Uhr ist dann tatsächlich ein Großteil der Autos verschwunden. Diese Ruhe und Stille verstärkt das Gefühl, an einem eigentlich völlig isolierten, verwunschenen Ort zu sein.
Die Zeit vergeht wie im Flug. Nur schwer trennen wir uns von einem großen Rudel Löwen, das wir am Morgen schon faul bei einem Riss entdeckt haben und das jetzt in Aktion ist.
Poah, bin ich satt...
Jetzt müssen wir uns wirklich beeilen. Diese Elefanten im schönsten Abendlicht sind aber noch einen Stopp wert:
Erst um zehn vor Sechs - zehn Minuten vor Toreschluss - sind wir wieder am Kraterrand angelangt. "Tschüs, Ngorongoro", sage ich halblaut und klinge wohl ebenso dankbar wie traurig: "Das wird wohl unser letzter Besuch gewesen sein." Thomas hört mich und sieht das anders: "Das glaube nicht."
Heute weiß ich: Er wird wahrscheinlich Recht behalten.
Teil 1914. Apr. 2016
12. Februar: Abschied von Tansania
Herrlich, heute ist ausschlafen angesagt. Was natürlich nicht besonders gut klappt. Um fünf werde ich wach, drehe mich noch einmal um. Aber die innere Uhr spielt nicht mit. Um halb sieben ist endgültig Schluss. Egal. In Ruhe frühstücken, in Ruhe packen, um elf müssen wir die Ngorongoro Conservation Area endgültig verlassen haben. Rechtzeitig machen wir uns auf den Weg, die große Lodge ist wie ausgestorben. Klar, sie sind alle längst im Krater.
Wir sind rechtzeitig am Gate und während Abraham die Formalitäten erledigt, beobachten wir eine Affenbande. Das jüngste Mitglied ist zugleich auch das frechste und hat den Rest der Sippschaft fest im Griff.
Unser Flieger geht erst abends um zehn, und wir haben hin und her überlegt, wie wir die Wartezeit möglichst sinnvoll überbrücken. Einkaufsbummel, Souvenirkäufe, Museumsbesuch, alles nicht so richtig sexy. Es würden auch immer noch mehrere Stunden übrig bleiben.
Ich habe eine Idee, bin aber nicht sicher, ob es klappt. Wir fahren zum African Tulip in Arusha, wo wir die erste Nacht verbracht haben. Das Hotel hat uns gut gefallen und ich weiß, es gibt einen Garten mit Pool. Wir fragen beim Manager: Ja, wir können uns gerne am Pool aufhalten und natürlich auch das Bistro und so weiter nutzen, allerdings nicht im Pool schwimmen. Hm.
Immerhin, bezahlen müssen wir nichts, hätten das aber sogar in einem kleineren Umfang getan. Wir bleiben, was sich als gute Entscheidung erweist. Die etwas mehr als fünf Stunden bis zur Fahrt zum Flughafen sind echt entspannt. Ein Nickerchen am Pool (den während unseres Aufenthalts natürlich niemand nutzt) hier, ein bisschen Surfen im Netz (freies W-LAN vorhanden) da, zwischendurch lecker essen, uns geht's gut.
Oase in Arusha: der Garten des African Tulip.
Punkt sieben sammelt uns Abraham ein, auf der Fahrt präsentiert sich uns der Kili, der sich vor sechs Jahren so gut verborgen hatte. Der Abschied von Abraham fällt schwer, wir haben ihm soviel zu verdanken. Vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen...
Auf dem Rückflug plane ich gedanklich die nächsten Reisen. Der übliche Reflex bei mir, um den Kummer über das Ende einer tollen Tour zu überdecken. Wir haben Safaris als Selbstfahrer gemacht, Safaris in tollen Camps und Lodges, wo es Sundowner gibt und feuchte Tücher, Safaris mit einer Mischung aus beidem. Jede Variante gefällt uns, hat ihren eigenen Reiz. Bei dieser geführten, intensiven Tour stand sprichwörtlich das Fotografieren im Fokus - und sie hat unsere Erwartungen übertroffen. Wir wollen sie eines Tages wiederholen.
Bei unserer nächsten Afrika-Reise sind wir aber - und das steht jetzt schon fest - in Südafrika zunächst einmal wieder Selbstfahrer. Leider müssen wir bis September 2017 warten. Doch dann nehmen wir euch gerne wieder mit - wenn ihr wollt...
Vielen, vielen Dank an alle Mitleser, Danke-Drücker und Kommentierer. Unser Erstling hat uns wirklich sehr viel Spaß gemacht! Wir bleiben am Ball und werden aufmerksam verfolgen, wohin es euch in den nächsten Monaten verschlägt. Um die Zeit zu überbrücken - bis zur nächsten Reise ins wunderschöne Afrika.