Vorbilder und Motivation

14 Antworten · 2'181 Aufrufe · gestartet 14. Mai 2014 von Elchontherun
Bilder klein
Antworten
Themenstarter1'250 Beiträge · seit 200914. Mai 2014 · #1
Guten Morgen zusammen,

gerade lese ich das

http://az.com.na/wirtschaft/chinesen-sind-bei-arbeit-vorbild.417770

in der AZ und bin darüber ziemlich sprachlos und entsetzt. Da finde ich es doch gut, dass dieser Präsident bald geht.

Motiviert man so seine Landsleute?? Dabei hätte er während seiner Amtszeit sicher auch einiges dafür tun können, damit Namibier in die Lage versetzt werden, es besser zu machen..... Kritisieren ist zu wenig (oder bin ich da irgendwie verblendet??)

Auch die Namibier werden es noch merken (und sie haben es ja auch schon gemerkt), welches "Vorbild" sie da haben.....

Nachdenkliche Grüße - und einen schönen sonnigen Tag,
Elch
Ein Freund ist ein Mensch, vor dem ich laut denken kann. R.W. Emerson Namibia 2013 - http://www.namibia-forum.ch/forum/17-news/278435-unterkunftsbeschreibungen-unserer-letzten-reise.html?start=12 Namibia 2015 - http://www.namibia-forum.ch/forum/8-camping/286282-unsere-campsites-im-maerz-2015.html
2'060 Beiträge · seit 201314. Mai 2014 · #2
Meiner Meinung nach versucht er mit dieser Rede, die Versäumnisse seiner Regierungszeit dem Volk anzulasten - nicht gerade die feine Art. 🤢

Mir kommt das so vor, als würden Eltern dem kleineren Kind vorhalten, wie brav, fleißig, ordentlich etc. das größere Kind doch sei. Bekanntlich erzielt das in der Erziehung nicht den gewünschten Effekt. 🙁
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
zuletzt bearbeitet 14. Mai 2014
1'324 Beiträge · seit 201314. Mai 2014 · #3
Hat er denn beim Punkt Staatsbetriebe unrecht? Natürlich ist er mitverantwortlich, da falschen Personen an den falschen hebeln setzen, aber die Aussage dürfte zumindest zum Teil richtig sein.

Der Arbeitseifer und die einstellung zur Arbeit ist doch in vielen Ländern ein Problem. Die Arbeitswut und die Disziplin vieler Chinesen ist ja nun Fakt. Und viele Menschen könnten sich da eine Scheibe abschneiden.

Und das Aufträge von staatlicher Seite (aus den verschiedensten Gründen) oft schlampig ausgeführt werden stimmt ja auch. Nicht nur in Namibia.

Die Aussagen ansich finde ich nun nicht schlimm.


Gruß!
der Joe
"I detest racialism, because I regard it as a barbaric thing, whether it comes from a black man or a white man." Nelson Mandela 10x Süfafrika, 2x Namibia, 1x Botswana, 1x Zimbabwe, 1x Tanzania
2'060 Beiträge · seit 201314. Mai 2014 · #4
Hallo Joe,

auch wenn die Aussagen stimmen mögen, so können doch die Menschen nichts für diese ihre Art und Einstellung, man muss von oben her etwas tun, um die Menschen zu ändern, z. B. mit entsprechenden Bildungs- und Ausbildungsprogrammen. Wenn man das Geld nur in Protzbauten steckt, ändert man nichts.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
857 Beiträge · seit 201414. Mai 2014 · #5
Hallo,

meiner Meinung nach hat er gar nicht so unrecht. Natürlich gibt es viele Versäumnisse, aber die Arbeitsmoral und -qualität ist oft übel. Die Staatsbetriebe sind teilweise eine Katastrophe (siehe Air Namibia). Pohamba ist sicher nicht ohne Fehl und Tadel, aber gerade, wenn man ihn mit dem Vorgänger vergleicht, hat er viele Dinge versucht zu ändern und angesprochen. Er kann nicht "allein" regieren, er steht gegen einen Parteiapperat, der nicht unbedingt reformfreudig ist...
Wobei "die Chinesen" nicht unbedingt als reines Vorbild taugen, ob die alle freiwillig an den Strassen mittags um 12 arbeiten? Gab es da in Afrika nicht einige Strassenbautrupps, die bewacht wurden?
Gruß
Alex
1'324 Beiträge · seit 201314. Mai 2014 · #6
Berg-Eule schrieb:Hallo Joe,

auch wenn die Aussagen stimmen mögen, so können doch die Menschen nichts für diese ihre Art und Einstellung, man muss von oben her etwas tun, um die Menschen zu ändern, z. B. mit entsprechenden Bildungs- und Ausbildungsprogrammen. Wenn man das Geld nur in Protzbauten steckt, ändert man nichts.
Da bin ich vollkommen bei Dir.
Bildung ist ungemein wichtig. Und, dass, leider, viel zu viel Geld für Unwichtigkeiten verschwendet wird ist wohl war.

Die Aussagen treffen schon zu, aber
1.) der Ton macht die Musik
2..) sollte man gutem Beispiel vorangehen und nicht Leute für Posten vorsehen die keine Ahnung haben

also:
Prinzipiell richtige Aussagen. Aber im faschen Moment und selber Vorbild sein.

Gruß!
der Joe
"I detest racialism, because I regard it as a barbaric thing, whether it comes from a black man or a white man." Nelson Mandela 10x Süfafrika, 2x Namibia, 1x Botswana, 1x Zimbabwe, 1x Tanzania
2'338 Beiträge · seit 200714. Mai 2014 · #7
Hallo zusammen

Mal was zum Nachdenken:
Wären einige von euch über die Bemerkungen des Präsidenten Pohamba auch so entrüstet, wenn er statt der Chinesen die Deutschen gelobt hätte? Wohl kaum,…. oder schon?

Beste Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
2'060 Beiträge · seit 201314. Mai 2014 · #8
Gemeint waren ja wohl nicht alle Namibier, sondern die schwarzen Namibier. Hätte er sie mit den Deutschen verglichen, so hätte ich das als noch peinlicher empfunden, weil man viele weiße Namibier mit ihnen assoziieren kann, und Pohamba dann Namibier gegen Namibier ausgespielt hätte.

Meine Meinung: Man kann über seine Landsleute (oder auch Menschen allgemein) denken was man will, aber man kann nicht alles laut aussprechen - und schon gar nicht als Politiker.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
Gast14. Mai 2014 · #9
Hallo,

2 Sachen stoßen mir an Pohambas Äußerungen sauer auf.

Mit den Äußerungen zu den Staatseigenen Betrieben hat er recht. Und für uns Touristen relevant hat er im Prinzip nicht weniger als das Aus von Air Namibia und zumindest in der aktuellen Form auch von NWR angekündigt.
They are lucky I am going. If I stayed, they were not going to get it (bailout) any more. Instead of making money, you are depending on the government’s budget. Time and again, you go to the finance minister and ask for money. Stop that!” Pohamba said before a large audience that included some parastatals’ chief executive officers (CEOs).

The President said he would make sure he informs his successor not to bailout parastatals any more and also ensure that the CEOs who run the parastatals either shape up or ship out.
http://www.namibian.com.na/indexx.php?id=12711&page_type=story_detail&category_id=1

Wenn es in Zukunft keine Steuergelder mehr für SOEs gibt, ist Air Namibia in naher Zukunft tot. Es ist ausgeschlossen, dass die Airline in Kürze profitabel arbeitet und ohne Subventionen ist diese Airline dann nicht lebensfähig. Kredite am Markt bekommt diese Airline auch nicht. Nur hat man solche Ankündigungen von namibischen Politikern in den letzten 10 Jahren x-fach gehört. Zwischen diesen Ankündigungen und den Taten in der Realität gibt es eine riesige Diskrepanz. Die Lehrerin an der Spitze von Air Namibia ist seit 4 Jahren im Amt. Das völlige Chaos im letzten Jahr, mit kurzfristig komplett über den Haufen geworfenem Flugplan, teuren Tankstops in Angola, Zahlungsunfähigkeit, explodierenden Verlusten usw. hat sie maßgeblich zu verantworten. Von der Anwendung von "shape up or ship out" kein Spur. Die Frau ist immer noch im Amt.

"They are lucky I am going" - Pohamba stellt sich zum Ende seiner Amtszeit als der harte Durchgreifer dar. In 10 Jahren Amtszeit hatte er unendlich viel Zeit, wirklich durchzugreifen, hat es aber nie gemacht. Stattdessen hat er gerade bei Air Namibia Milliarden an Steuergeldern ins Ausland abfließen lassen. Bei dem vor einigen Wochen vorgelegtem mittelfristigen Finanzplan des Finanzministeriums in Namibia hatten sich die für Air Namibia für die nächsten Jahre eingeplanten Subventionen gegenüber den Vorjahresangaben schon wieder verdoppelt bis verdreifacht. Da hatte der Präsident offenbar gar kein Problem mit. Statt "Stop that". in der Realität also "weiter so und noch mehr davon". Auch wenn diese Ankündigungen direkt vom Präsidenten kommen, muss man sie wie gewohnt nicht ernst nehmen.


Was mich beim Hafenprojekt stört: Mit den Aussagen zur Arbeitsmoral mag Pohamba recht haben. Ich kann das nicht wirklich beurteilen. Das man so ein Großprojekt an einen ausländische Auftragnehmer vergibt, kann ich verstehen. Das die Chinesen möglicherweise am billigsten waren und durchaus viel Erfahrung bei solchen Projekten vorweisen können, erscheint mir auch plausibel. Aber das man bei so einem Projekt nur einen 30% Anteil von namibischen Arbeitskräften vereinbart hat, kann ich nicht verstehen. Es geht um ein Bauprojekt und nicht um Raketenwissenschaft. Und bei einem Bauprojekt hat man üblicherweise nicht 70% spezialisierte Ingenieure und Führungskräfte im Einsatz, sondern die Mehrheit sind Bauarbeiter, LKW-Fahrer, Baggerfahrer, Kranfahrer etc. Solche Arbeitskräfte auszubilden, dauert auch keine 10 Jahre. Bei einer Namibia-Quote von nur 30% kommen offenbar nicht mal diese Arbeitskräfte alle aus Namibia sondern zum Teil aus China? Und das scheint mir bei der hohen Arbeitslosenquote im Land schlecht verhandelt zu sein? Oder hat da noch jemand andere Einsichten?

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 14. Mai 2014
857 Beiträge · seit 201414. Mai 2014 · #10
Hallo,

was ich in Namibia so gesehen habe, deutet darauf hin, dass die Chinesen noch günstiger sind als schwarze, unausgebildete Arbeiter. Warum auch immer.
Von der volkswirtschaftlichen Seite ist es eine Katastrophe, die Chinesen das alles mit eigenen Leuten bauen zu lassen, und nicht mehr einheimische Arbeiter anzustellen. Alllerdings: Wer zahlt in Afrika denn Strassen, Dämme, Häuser, Häfen? Sind das nicht offen oder verdeckt chinesische Firmen oder der Staat? Wer zahlt, schafft an. China hat den europäischen Kolonialismus perfektioniert.. ob zum Guten der afrikanischen Länder?
Übrigens finde ich gerade beim NWR, dass die Leute, die ich gesehen habe, sehr motiviert und freundlich waren. Wie das im Management aussieht, keine Ahnung. Das wäre für mich auch eine halbstaatliche Institution, die nicht privatisiert werden müsste. AN dagegen ist meiner Meinung nach für Namibia nicht zu finanzieren im derzeitigen Zustand.

Gruß
Alex
2'338 Beiträge · seit 200714. Mai 2014 · #11
Alex_Muc schrieb:
was ich in Namibia so gesehen habe, deutet darauf hin, dass die Chinesen noch günstiger sind als schwarze, unausgebildete Arbeiter. Warum auch immer.
In Ostafrika geht das hartnäckige Gerücht um, dass die chinesischen Arbeiter lebenslängliche Strafgefangene sind. Es sei lukrativer, sie in Afrika schuften zu lassen, anstatt daheim in den Gefängnissen durchzufüttern. Wenn das stimmt, wären die natürlich wirklich billiger, als jeder afrikanische Arbeiter 😕 .

Viele Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
Themenstarter1'250 Beiträge · seit 200914. Mai 2014 · #12
Hallo Erika,

das ist kein Gerücht - da hast Du leider recht; siehe hier:

http://www.welt.de/debatte/die-welt-in-worten/article8969608/Wie-China-Straeflinge-als-Zwangsarbeiter-missbraucht.html

Und das ist auch nicht erst seit gestern so.....

Viele Grüße,
Elch
Ein Freund ist ein Mensch, vor dem ich laut denken kann. R.W. Emerson Namibia 2013 - http://www.namibia-forum.ch/forum/17-news/278435-unterkunftsbeschreibungen-unserer-letzten-reise.html?start=12 Namibia 2015 - http://www.namibia-forum.ch/forum/8-camping/286282-unsere-campsites-im-maerz-2015.html
3'700 Beiträge · seit 200914. Mai 2014 · #13
Hallo Erika, hallo Elch,
In Ostafrika geht das hartnäckige Gerücht um, dass die chinesischen Arbeiter lebenslängliche Strafgefangene sind. Es sei lukrativer, sie in Afrika schuften zu lassen, anstatt daheim in den Gefängnissen durchzufüttern. Wenn das stimmt, wären die natürlich wirklich billiger, als jeder afrikanische Arbeiter 😕 .
Genau das haben uns Simbabwer letztes Jahr auch erzählt. Chinesische Strafgefangene werden in ZIM ca. drei Jahre beim Straßenbau eingesetzt. Danach haben sie vermutlich keine Lust mehr ins chinesische Reich zurück zu kehren, setzen sich in ZIM fest und gründen kleine Unternehmen/Shops und Läden.

Herzliche Grüße
Marina

P.S.: Und in Uganda werden die Ortseingangsschilder schon umbenannt... 😗

Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
857 Beiträge · seit 201414. Mai 2014 · #14
Erika schrieb:Alex_Muc schrieb:
was ich in Namibia so gesehen habe, deutet darauf hin, dass die Chinesen noch günstiger sind als schwarze, unausgebildete Arbeiter. Warum auch immer.
In Ostafrika geht das hartnäckige Gerücht um, dass die chinesischen Arbeiter lebenslängliche Strafgefangene sind. Es sei lukrativer, sie in Afrika schuften zu lassen, anstatt daheim in den Gefängnissen durchzufüttern. Wenn das stimmt, wären die natürlich wirklich billiger, als jeder afrikanische Arbeiter 😕 .

Viele Grüsse
Erika
Hallo Erika,

auf das Gerücht spiele ich an... 🙁
Gruß
Alex
983 Beiträge · seit 201114. Mai 2014 · #15
Das mit den "lebenslänglichen chin. Strafgefangenen" kann ich mir nicht vorstellen. Wenn dem so wäre, würde es regelmäßig Fluchtversuche in Namibia geben, wären überall Aufseher, Gefängnis artige Unterkünfte etc. Glaubt nicht jedes Gerücht ...

Zu der Rede des Presidente: Kommunikation, Kommunikationsstile etc. sind kulturell stark unterschiedlich. Wie reden deutsche Führungskräfte zu Deutschen? Wie amerikanische zu Amerikanern? Wie japanische zu Japanern? Da gibt es Unterschiede. Und Papa Presidente redet zu "großen Kindern" ... ist halt auch ein Stil ... 😎
Beste Grüße rhh64
zuletzt bearbeitet 14. Mai 2014