Mundraub bei Puffotter

4 Antworten · 1'972 Aufrufe · gestartet 30. Juli 2011 von fotomatte
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Themenstarter2'519 Beiträge · seit 200930. Juli 2011 · #1
Jetzt kommt also meine zweite Tiergeschichte aus Namibia.
Sie soll von einer Schlange handeln,denn für diese Tiere,mit
denen viele Menschen nichts anfangen können-oder sie sogar
eklig finden-empfinde ich eine ganz besondere Faszination.
Auch hier im Schwarzwald ´ renne ´ ich ihnen,und hier ganz
besonders der Kreuzotter,hinterher und bin ganz happy,
wenn ich mal wieder eine gefunden habe.
Während meiner bisherigen Nam-Aufenthalte habe ich bislang
jedesmal mindestens vier Schlangen zu Gesicht bekommen,eine
Puffotter bis jetzt aber nur einmal.Und das kam so:
Am Vortag waren wir nach einer Woche in der Etosha wieder
zurück auf die Farm in der Gegend um Witvlei gekommen,und
der Farmer,nennen wir ihn mal Tom,eröffnete mir gleich,dass
wir am nächsten Tag dringend auf die Jagd gehen müssten, er
bräuchte dringend Fleisch.Und er hat extra auf meine Rückkunft
gewartet,da er weiss,dass ich jagdlich nicht unbeleckt bin.
An besagtem Tag Ende August brachen wir zwei,begleitet von
zwei schwarzen Farmarbeitern sowie zwei Rhodesian Ridgebacks
und einem kleinen,rund ein Jahr alten Fellknäuel namens Jackie
und damit unschwer als Jack-Russel-Terrier zu erkennen,mit
einem alten Land-Cruiser auf über das weitläufige und rund
fünftausend Hektar grosse Farmgelände,um Oryx-Antilopen
zu suchen.Es war ein herrlicher wolkenloser Spätwintertag mit
tagsüber angenehmen Temperaturen,nachts wurde es aber noch
richtig frisch.Wir fuhren eine kleine Sandpad entlang,als plötzlich
vor uns ein Oryxbulle stand und zu uns her sicherte.Tom gab
mir den Mauser-Repetierer und sagte : Halt direkt auf´s (Schulter)
Blatt,die Waffe schiesst Fleck.Ich schoss,der Bulle zeichnete und
ging ab wie die Feuerwehr,war aber sogleich unseren Blicken
entschwunden,da ihn dicker Huckiebusch verschluckte.
In diesem Moment ging die Sonne unter,eigentlich wäre jetzt die
Zeit für einen Sundowner gekommen,es galt nun aber dem
schweren Wild.Und die Dämmerung ist im südlichen Afrika
deutlich kürzer als bei uns.
Die zwei Ridgebacks stürzten von der offenen Pritsche und
waren sofort laut bellend auf der Wundfährte der kranken Antilope.
Wir zogen zu viert den deutlich vernehmbar jagenden Hunden
hinterher,Jackie in noch jugendlichem Übermut ständig vor
und zurück rennend,ein junges Hundle halt.
Plötzlich sehe ich,wie Jackie,ein paar Meter voraus,einen Wollknäuel
(so sieht es auf den ersten Blick aus) im Fang hat und diesen
schüttelt.Beim Näherkommen entpuppt sich das Knäuel als
Wüstenspringmaus mit langen,känguruhähnlichen Hinterbeinen
und einem langen,dünnen Schwanz.Woher hat der Hund die
Maus??
Ich sehe mich um und entdecke nur rund einen Meter links
neben mir eine Puffotter,die S-förmig zusammen gerollt vor
einem Huckie liegt und offensichtlich gerade die Maus gebissen
hatte und darauf wartete,bis diese verendet wäre,um sie sich
als Nachtmahl zu Gemüte zuführen.Nachdem ich den Abstand
etwas vergrössert habe,betrachte ich das Reptil genauer.Ich
schätze sie auf rund 80 cm Länge und etwa Unterarmdicke.
Es ist ein wunderschön braun,ocker und violett gezeichnetes
Tier.Die Schlange spannt alle Muskeln an und macht sich
damit dicker,dazu faucht sie.Dann macht sie sich-angefangen
hinter dem Kopf-noch dicker,und lässt dann diese angespannte
Partie wie eine La-Ola-Welle langsam den ganzen Körper hinab
wandern.Dabei reiben die einzelnen Schuppenglieder
aneinander und erzeugen ein rasselndes Geräusch,dazu züngelt
sie permanent--sie ist also sichtbar erregt.
Tom hat Jackie die Maus mittlerweile abgenommen und sie hinter
die Schlange in den Huckie geworfen.Das findet Jackie gar nicht
gut.Er rennt um den Huckie und passiert dabei mehrfach die
Otter auf zwanzig Zentimeter und schnuppert auch noch in ihre
Richtung.Für mich jedenfalls ist glasklar,dass der Hund dieses
Abenteuer nicht überleben wird.In Gedanken habe ich schon
die Zwei kleinen Mädels von Tom vor mir,wenn sie Jackie tot sehen....
Endlich kann Tom Jackie einfangen,und die Schlange entspannt die
Situation,indem sie sich ganz langsam,wie in Zeitlupe,in Richtung
der Maus bewegt.Nach etwa einem halben Meter befindet sie sich
zur Hälfte unter dem dornigen ,blattlosen Strauch und ist praktisch
unsichtbar. (In meinem Tagebuch steht:Wow-was für ein Erlebnis.
Gänsehaut! ).
Tom wundert sich noch,dass die Schlange so spät noch aktiv ist,
denn es ist wie gesagt noch Winter und schon recht kalt.
Mittlerweile ist es nicht heller geworden,die zwei Ridgebacks
melden mit Standlaut,also haben sie den Oryx gestellt.Nun
aber schnell hinterher.Wir rennen knapp zwei Kilometer durch
den Busch.Mittlerweile ist es stockdunkle Nacht und als wir am
Zaun der Nachbarfarm ankommen,müssen wir schweren Herzens
abbrechen.
Es wird noch ein langer Weg zurück durch die Dunkelheit bis
zum Auto,aber als wir wieder auf den Hof der Farm kommen,
bin ich doch sehr erleichtert,dass wir alle komplett und
unversehrt sind--inklusive Jackie.

Ich hoffe,der / die Eine-oder -Andere hat ein bisschen Kurzweil
mit meiner Erzählung.Und vielleicht sieht sich ja noch Jemand
angeregt,eine Geschichte zu erzählen--nur her damit.

Schönes Wochenende fotomatte
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
754 Beiträge · seit 201002. Aug. 2011 · #2
Hallo Fotomatte,

nette Geschichte(n), weiter so 🙂
Ich werde in den nächsten Tagen auch noch "weiterkramen" ...
viele Grüße
Walter
Zambia Juni 2018 Botswana April 2017 Mixed Emotions Botswana im Frühjahr 2016 Maun - Kasane als Lodgehopper Unterwegs in Südafrikas Norden - April 2015 Botswana im Frühjahr 2014 Botswana im Frühjahr 2013 Die Katzensafari Zimbabwe im Frühjahr 2012 Botswana im Frühjahr 2011
Themenstarter2'519 Beiträge · seit 200908. Aug. 2011 · #3
Hallo Leofant,

vielen Dank für´s Feedback,ich warte dann mal auf Deine Geschichten--
brauchen auch gar nicht sooo kurz zu sein.

Viele Grüsse fotomatte
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
1'247 Beiträge · seit 200908. Aug. 2011 · #4
Hallo fotomatte

spannend und anschaulich erzählt; davon nehme ich gern noch mehr.

Nur eine kleine Bemerkung: die Bedeutung gewisser Ausdrücke wie z.B. ",die Waffe schiesst Fleck" oder "der Bulle zeichnete" (wohl typische Jagdbegriffe) musste ich aus dem Zusammenhang erraten, wobei mir der zweite Begriff nicht ganz klar ist.

Gruss
Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht (Fritz Grünbaum) Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
Themenstarter2'519 Beiträge · seit 200908. Aug. 2011 · #5
Hallo eggitom,

vielen Dank für Deine Anmerkungen--ja,hätte ich wohl besser erläutern sollen.
Sorry,ich will es also nachholen wie folgt:
-die Waffe schiesst Fleck:die Waffe ist so eingeschossen,dass sie ( normaler-
weise auf 100 Meter ) einen ´Fleck´etwa der Grösse eines €-Stückes trifft,
vorausgesetzt der Schütze kann das.Die Waffe kann aber auch mit Hochschuss
-normal ungefähr 4 cm auf 100 Meter-eingeschossen sein,dann schiesst sie
-je nach Kaliber und Munition unterschiedlich- zwischen 150 und 200 Meter
Fleck,ein Vorteil bei grösseren Schussdistanzen.Ich hoffe,es wird klar,auch
wenn das etwas speziell ist ( Ballistik ).Normalerweise,und das war ganz klar
mein Fehler,dass ich das unterlassen hatte ,überprüft man mittels mehrerer Probeschüsse den Sitz derselben auf einer Scheibe.
-der Bulle zeichnete:wenn man ein Stück Wild beschiesst,quittiert es den
Einschlag des Geschosses mit `Zeichnen´,und zwar je nach Sitz der Kugel
unterschiedlich und zum Teil sehr charakteristisch.So z.B.bei einem Herz-
schuss mit aufsteigen wie ein Lippizaner.So kann man oft anhand des
Zeichnens schon etwas über den Treffer im Wildkörper aussagen.
Oryx-Antilopen gelten als sehr schusshart und zeichnen oft gar nicht--
trotz guten Treffers.
Ich will noch erwähnen,dass die Jagd am nächsten Morgen,sobald es hell wurde,weiterging und die Fleischbesorgung für die Farm erfolgreich war.
Aber eigentlich ging es mir ja gar nicht um die Jagd ( in der Geschichte ),
sondern um die Puffotter.:) 😄 Und das war auch seeehr eindrücklich
für mich.Vor allem hat mich auch die Haltung von Tom beeindruckt,
der sagte,dass im Veld die Schlangen okay sind und er nichts gegen sie
unternimmt,das hatte ich auch schon anders mitgekriegt.Nur direkt ums
Wohnhaus und an den Viehtränken werden sie nicht tolleriert,aber deshalb
werden auf Farmen auch viele Katzen und Hunde gehalten,um Mäuse
und Ratten--die Hauptnahrung vieler Schlangen--kurz zuhalten.

Ich hoffe,es ist Dir jetzt klar geworden,was mein Jägerlatein;) zu bedeuten
hat.Wenn nicht,frag mich.😂

Gruss von fotomatte
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019