BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200613. Apr. 2026 ·
Am nächsten Tag stecken mir die Kilometer in den Knochen, aber ich habe Rückenwind und fege mit über 30 km/h über die Straße. Das rächt sich am Mittag. Es wird heiß und ich breche ein. Laut Landkarte liegen einige Dörfer entlang der Strecke, die laut Legende etwa gleich groß sein sollen. In manchen Dörfern gibt es alles und andere Dörfer existieren überhaupt nicht. Nach 100 km beende ich den heutigen Tag in Pemba. Interessant war es unterwegs nicht gerade.
Auch der nächste Tag ist wieder unspektakulär. In Choma mache ich Mittagspause und werde von ein paar Leuten ausgefragt. Sie können kaum glauben, dass ich in nur 2,5 Tagen von Lusaka hierher geradelt bin. Später am Tag lege ich mich neben einer Kneipe in Mukwera erschöpft auf eine Bank und ruhe mich eine Weile aus. Als ich am Abend Kolomo erreiche und ein Guesthouse finde, stehen wieder 137 km auf dem Tacho.
Die gesamte Strecke bisher war ungefähr so spannend wie die die Asphaltstraße von Windhoek bis Keetmanshoop oder in den Caprivi. Allerdings muss ich alles aus eigener Kraft bewältigen und ohne Klimaanlage. Morgen sind es nochmal knapp 120 km bis Livingstone. Die gesamte Strecke ab Lusaka wäre man im Auto bequem in fünf Stunden gefahren. Ich brauche dafür vier anstrengende Tage, aber dafür habe ich es am Ende aus eigener Kraft geschafft und weiß, was 500 km bedeuten. Mit dem Auto ist es einfach eine Zahl auf dem Tacho und ein paar Stunden auf der Uhr.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200613. Apr. 2026 ·
Zwischen Kolomo und Livingstone wird die Landschaft interessanter und es wimmelt zudem von Schmetterlingen. Aus den nicht ganz 120 km sind am Ende wieder 130 geworden, als ich die Backpackerunterkunft Jollyboys in Livingstone erreiche.
Die Anlage gefällt mir richtig gut. Es gibt einen kleinen Bereich zum Zelten, einen Pool, eine kleine Küche mit Kühlschrank, einen offenen Barbereich mit kleinem Essensangebot und Frühstück, einen Billardtisch und einen offenen Aufenthaltsbereich mit großem Fernseher. Hier werden abends immer Ausschnitte der tagsüber angebotenen Aktivitäten an den Victoriafällen gezeigt. Wenn es nicht gerade am Anfang der Tour wäre, hätte mich das Rafting interessiert, aber drei Jahre zuvor hatte ich mich dabei auf dem Weißen Nil so verletzt, dass ich tagelang nicht Rad fahren konnte.
Die Bar ist auch ein beliebter Treffpunkt für junge Einheimische aus der kleinen Stadt. Ich spiele abends mit einigen von ihnen Billard.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200614. Apr. 2026 ·
Am nächsten Tag nutze ich den kostenlosen Shuttleservice von Jollyboys zu den Wasserfällen. Gegen Ende der Regenzeit sind sie auf Zambias Seite gerade nicht ganz so spektakulär. Schaut man rüber Richtung Zimbabwe, geht dort die Post ab. Da boxt der Papst im Kettenhemd.
Auf dem Rückweg sehe ich zufällig eine Buchhandlung. Ich beschließe, Zimbabwe in die Reise einzubeziehen, wenn ich eine Landkarte von dort bekomme. Es gibt keine Landkarten und ich ändere meinen Entschluss. Ich werde nach Zimbabwe fahren, obwohl ich keine Landkarte bekommen habe. David Livingstone hatte schließlich auch keine und „der Weg entsteht beim Gehen“, wie Antonio Machado schon erkannte. Ich werde einfach losfahren und schauen, was passiert.
Am Abend spiele ich wieder mit einigen Einheimischen Billard.
Die Inhaberin(?) von Jollyboys empfiehlt mir eine Backpackerunterkunft in Victoria Falls, mit denen sie häufig zusammenarbeiten. Sie meint auch, dort könne ich Geld tauschen. Ich solle einfach an der Bar fragen, aber nicht gerade dann, wenn jede Menge Betrieb ist. Geldwechseln in der Bank sei sehr teuer und auf der Straße riskant.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200614. Apr. 2026 ·
Ich informiere mich noch ein bisschen über das Thema, aber die Inflation kommt mir dabei noch nicht ins Blickfeld. Ich weiß nun aber, dass der Wechselkurs bei der Bank etwa ein Zehntel von dem auf der Straße ist. Der Geldumtausch auf dem Schwarzmarkt ist natürlich verboten. Wird man dabei erwischt, wird das Geld konfisziert. Das sorgt dafür, dass viele Schwarzhändler mit der Polizei gemeinsam agieren. Bahnt sich ein Handel an, informiert im Hintergrund jemand die Polizei, die dann wie durch Geisterhand genau im richtigen Moment auftaucht. Das Geld wird einkassiert, der Tourist guckt in die Röhre und Polizei und Schwarzhändler teilen sich das Geld. So läuft das hier. Wenn man unterwegs in eine Kontrolle gerät und keinen Beleg einer Bank für den Geldumtausch vorweisen kann, wird das Geld ebenfalls eingezogen.
Ich komme nachmittags in der Backpackerunterkunft an, setze mich an die Bar und bestelle einen Hopfenblüteneistee. Außer mir ist nur ein weiterer Gast anwesend. Als dieser mal kurz zur Getränkerückgabe muss, nutze ich die Gelegenheit und frage nach Geldumtausch. Der Mann hinter der Theke sagt mir, er gibt Bescheid und es käme gleich jemand. Ein paar Minuten später kommt ein junger Mann hinter der Theke vorbei, schaut mich an, nickt kurz und deutet mit einer unauffälligen Kopfbewegung wortlos an, dass ich ihm folgen solle.
Wir gehen in ein Hinterzimmer. Ich sage ihm, dass ich 100 Euro tauschen wolle und bekomme 10 „Barschecks“ zu je 10.000 Zim$. Die Dinger sehen seltsam aus – purpurrot, ohne Sicherheitsfaden, Wasserzeichen und Seriennummer, einseitig bedruckt auf eine Art Hochglanz-Fotopapier. Als ich später beginne, Geldscheine zu sammeln und einen Katalog habe, sehe ich, dass es in Zimbabwe nie ein offizielles Zahlungsmittel gab, das auch nur annähernd so aussah. Es sind absolute Phantasiescheine, wahrscheinlich auf einem Farblaserdrucker gedruckt. Ich bezahle unterwegs neunmal damit und bekomme immer echtes Wechselgeld zurück. Niemand ist skeptisch wegen der komischen wertlosen Zettel. Ich nach dem ersten Einkauf auch nicht mehr.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
unser Geldsystem beruht auch auf Vertrauen, es sei denn, die Währung ist zu 100% mit z.B. Gold gedeckt. Und die Zimbabwer hatten offensichtlich Vertrauen. 😄
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200614. Apr. 2026 ·
KarstenB schrieb: unser Geldsystem beruht auch auf Vertrauen, es sei denn, die Währung ist zu 100% mit z.B. Gold gedeckt.
Ja, und unser Geldsystem basiert auf einem ganz kranken Konstrukt. Wenn Du heute 1.000 Euro bei der Bank einzahlst, darf die Bank mir morgen einen Kredit von 10.000 Euro geben. Eine Bank darf das Zehnfache von dem verleihen, was sie hat. Das Geld existiert gar nicht.
Würden alle ihr Guthaben innerhalb weniger Tage abheben, wäre das ganze System kaputt. Das Geld wäre bei einem Teil der Menschen, die Banken hätten nichts außer Forderungen und ein Teil der Menschen hätte Schulden. Es wäre aber fast gar kein Geld mehr im Umlauf.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
TAtacitus1'132 Beiträge · seit 202215. Apr. 2026 ·
es darf sogar noch ein bisserl 😗 mehr sein ........ ............ whatever it takes 😎
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200616. Apr. 2026 ·
Am nächsten Tag schaue ich mir die Victoriafälle von der Zimbabwe-Seite aus an. Das ist deutlich spektakulärer. Auch in der Trockenzeit ist hier richtig Betrieb.
Eine Grüne Meerkatze macht sich hier zum Affen.
Direkt nach den Wasserfällen geht auf dem Rückweg rechts ein Rundweg ab, der im Mosi-oa-Tunja-Nationalpark liegt. Hier besteht die Möglichkeit, auf Elefanten und Büffel zu treffen. Beides brauche ich vom Fahrrad aus nicht, zumindest nicht aus der Nähe. Ich sehe etliche Antilopen, diverse Paviane, und einen stattlichen Kudubullen. Diese wehrhaften Tiere lassen sich von einem Radfahrer nicht aus der Ruhe bringen. Irgendwo begegnet mir aus ungesund knapper Entfernung von etwa fünf Metern ein Wildschwein (kein übliches Warzenschwein). Der Grund für mich, diesen Rundweg zu fahren, ist ein bestimmter Baobab-Baum. Wahrscheinlich waren ursprünglich mehrere Samen, die nah zusammen gekeimt haben und dann zusammengewachsen sind. Ich stelle mein Fahrrad an den Stamm. Es ist so klein im Vergleich, dass man es im ersten Moment übersieht.
Auch in dem Städtchen kann man der Tierwelt begegnen. Am Ortsschild auf dem Weg zu den Fällen sitzt ein ausgewachsener Pavian direkt neben dem Fußweg auf einem gemauerten Pfosten. Ich wechsle die Straßenseite. Auf dem Rückweg kommt mir kurz vor der Backpackerunterkunft/Campingplatz auf dem Fußweg ein Warzenschwein entgegen. Ich weiche auf die Straße aus. Wahrscheinlich wäre der Vierbeiner achtlos an mir vorbeigelaufen, aber man muss ja nicht alles ganz genau ausloten.
Ein Einheimischer erzählt mir, dass vor zwei Tagen ein Elefant durch das Städtchen spazierte. Leute gingen gerade aus dem Supermarkt, als der Elefant darauf zusteuerte. Offenbar hatte jeder der Kunden etwas Wichtiges vergessen. Jedenfalls eilten alle wieder nach innen. 😉 Später kam er zum Campingplatz, polterte am Eingangstor aus Metall rum und begehrte Einlass. Wahrscheinlich hatte er Durst und roch das Wasser im Pool. Elefanten können ja Wasser über Kilometer weit riechen.
Gegen Abend kommen zwei Overlander-LKW an. Der im Freien stehende Pizzaofen wird angefeuert. Wer Pizza essen möchte, bekommt einen kleinen Zettel, schreibt seinen Namen drauf und kreuzt die Zutaten an, die er als Belag haben möchte. Der Preis ist immer der gleiche, egal was man ankreuzt. Die Pizza ist sehr groß und die beste, die ich bis heute gegessen habe. Der Pizzabäcker kommt nicht aus Italien, sondern aus Zimbabwe.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200616. Apr. 2026 ·
In der Tourist Information finde ich eine kleine Broschüre. Darin befindet sich eine winzige Übersichtskarte mit den wichtigsten Städten. So weiß ich zumindest ganz grob, in welche Richtung ich mich orientieren muss. Die Strecke nach Süden geht durch den Mosi-oa-Tunya- Nationalpark. Ich starte erst um 9:30 Uhr, damit sich die Tierwelt möglichst schon von der Straße verkrümelt hat. Besonders Elefanten krümeln hier häufig, wie man entlang der Straße sehen kann.
Die Strecke ist recht flach, aber dadurch auch nicht so abwechslungsreich. Ab und zu stehen ein paar Hütten am Straßenrand. Am Nachmittag überholt mich ein LKW und hält an. Es ist ein Sattelschlepper mit zwei Aufliegern. Der Fahrer fragt mich, ob ich genug Wasser habe und wohin ich wolle. Ich antworte, dass ich erstmal nach Bulawayo will. Er sagt, das seien gut 300 km und die ganze Strecke wäre ziemlich öde. Er würde mich mitnehmen, wenn ich wolle. Ich nehme das Angebot an. Seine beiden Flachpritschen sind unbeladen. Wir heben das Fahrrad hoch und schnallen es fest. Es erinnert ein wenig an die Tieflader, die bei Leerfahrten ein Bobbycar transportieren (was auf den ersten Blick lustig wirkt, aber tatsächlich einen traurigen Hintergrund hat). Der Fahrer heißt Faannie und kommt aus Namibia, pendelt aber permanent die Strecke zwischen Zambia und Südafrika. Er fährt einen Scania Hauber 540H mit 540 PS. Mit den unbeladenen Aufliegern geht die Kiste ganz schön flott vorwärts.
Unterwegs ist eine Polizeikontrolle. Faannie legt einen Geldschein zwischen die Papiere und reicht sie raus. Die Kontrolle dauert so nur Sekunden. Wenn keine Ladezeiten dazwischen liegen, fährt er bis zu 16 Stunden pro Tag. Er erzählt mir, dass auf der Strecke häufig Löwen zu sehen seien. Nachts lägen sie gerne auf dem warmen Asphalt der Straße. Bis wir Bulawayo erreichen, ist es bereits dunkel. Faannie fragt mich, wo ich übernachten wolle. Ich frage ihn, ob er einen Campingplatz kennt. Er kennt keinen, aber bietet mir an, mit ihm im Führerhaus zu übernachten. Seine Zugmaschine hat eine Fernfahrerkabine mit Etagenbett. Bevor ich jetzt bei Dunkelheit durch eine unbekannte Großstadt eiere, nehme ich auch dieses Angebot an.
Wir fahren zu einem Firmengelände, wo sein LKW am nächsten Morgen beladen wird. Er rangiert bei Dunkelheit rückwärts in die enge Einfahrt. Mein Fahrrad verbringt die Nacht im Raum eines Security-Mannes und ich im LKW-Führerhaus.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200618. Apr. 2026 ·
Am nächsten Morgen steht Faannie um 5 Uhr auf. Er muss zum Beladen doch irgendwo anders hin. Da hatte ich ihn am Vorabend falsch verstanden. Somit ist auch für mich die Nacht zu Ende. Um 5:30 Uhr rollt er mit seinem Truck vom Hof und ich folge mit dem Rad.
Dummerweise habe ich vergessen, Wasser nachzufüllen und um die Uhrzeit hat natürlich noch kein Laden geöffnet. Ich versuche erst einmal, in der richtigen Himmelsrichtung aus der Stadt zu finden und denke mir, irgendwann wird ja mal ein Dorf kommen, aber die nächsten 40 km kommt nichts. An einer Bushaltestelle am Stadtrand stehen ein Menge Leute und warten auf den Bus. Sie schauen verwundert und eine junge Frau ruft: „Give me a lift.“. Wir müssen beide lachen.
Später kommt mir irgendwo ein Jugendlich auf dem Fahrrad entgegen und schaltet zur Begrüßung eine Sirene ein. Nach 105 km erreiche ich Shangani, ein kleines Dorf. Ich darf auf dem Gelände eines Farmerclubs zelten.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200618. Apr. 2026 ·
Für den nächsten Tag steht in meinem Reisetagebuch nicht viel. Ich fahre über Gweru nach Kwekwe. Unterwegs helfe ich noch einem Polizisten, einen Platten an seinem Fahrrad zu flicken. Nach 138 km darf ich vor dem Haus einer jungen Familie zelten.
Auch der Folgetag ist unspektakulär. Es gießt morgens in Strömen, so dass ich erst um 10 Uhr starte. Ich erreiche Kodoma und fühle mich hier gar nicht wohl hier. Hier will ich nicht übernachten. Etwa 15 km weiter finde ich ein kleines Dorf, wo ich mein Zelt aufstellen darf.
Kinder entdecken mich und kommen neugierig angerannt. Sie bestaunen das Fahrrad und vor allem das Zelt. Das ist eine Sensation für sie, denn so etwas kennen sie hier natürlich nicht. Zwei Frauen bemerken den plötzlichen Tumult und kommen herbei, um etwas Ruhe ins Chaos zu bringen. Sie stellen die Kinder geordnet auf für ein Foto. Die Kinder freuen sich, als sie sich anschließend das Bild auf dem Display anschauen dürfen. Danach schicken die beiden Frauen die Kinder wieder dorthin, wo sie vorher gespielt haben, damit ich meine Ruhe habe. Da das Foto schon 20 Jahre alt ist und die Kinder längst Erwachsene, stelle ich es ausnahmsweise rein.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Moin Wolfgang, solltest du mal wieder in das Dorf kommen, nimm unbedingt das Foto mit und zeige es herum. Du wirst der Held des Dorfes sein. LG aus HH Karsten
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200618. Apr. 2026 ·
KarstenB schrieb: solltest du mal wieder in das Dorf kommen, nimm unbedingt das Foto mit und zeige es herum. Du wirst der Held des Dorfes sein.
Ich habe so etwas tatsächlich schon öfter gemacht zu Zeiten der Analogfotografie. Da hatte ich Fotos dabei aus Katutura, Goreangab und Hentiesbay im Schwarzenviertel mit den ganzen Blech- und Holzhütten. Da habe ich Leute gefragt und Fotos gezeigt und dann führte man mich zu deren Hütten und ich konnte alle Fotos an die fotografierten Personen übergeben. Die Leute hatten sich unglaublich gefreut. Auch in Okahandja auf dem Holzschnitzermarkt habe ich Fotos vorbeigebracht. Das erste habe ich gleich am Anfang des Marktes übergeben. Als ich eine Stunde später auf dem Rückweg vorbeikam, saß der Händler immer noch ganz ungläubig mit dem Foto in der Hand dort. Da hat man gespürt, dass es ihm viel bedeutete. Er hat mir zum Dank einen kleinen Holzelefanten geschenkt.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
also das LKW-Führerhaus als Übernachtungsplatz auf deinen Reisen ist jetzt neu! 😄 Wir wurden mal in Peru von einem LKW-Fahrer ein Stück mitgenommen und ich guckte neugierig um mich herum. Da kam mir auch der Gedanke: hm sehr gemütlich hier, wie ein kleines Apartment.
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200619. Apr. 2026 ·
adriana schrieb: also das LKW-Führerhaus als Übernachtungsplatz auf deinen Reisen ist jetzt neu! 😄
Ja, ich glaube, es gibt nicht so viel, wo ich noch nicht übernachtet habe. Eine Feuerwache fehlt noch. Ich habe tatsächlich einmal bei einer gefragt, als dort abends noch Betrieb war. Allerdings war das keine Berufsfeuerwehr. Die hatten nur eine abendliche Übung, gerade aufgeräumt und waren bereit zum Aufbruch nach Hause. Es wurde dann eine Übernachtung im Nonnenkloster ...
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200619. Apr. 2026 ·
Als ich am nächsten Tag aufbreche, stehen die Kinder da und winken begeistert. Mein Besuch war wohl das Highlight des Monats. Sonst passiert in diesen kleinen Dörfern ja nichts. Es kann auch passieren, dass beim Reifenflicken eine ganze Schar Kinder lachend um einen herumsteht. Die lachen einen nicht aus oder haben Schadenfreude. Die freuen sich einfach, dass mal etwas Abwechslung da ist. Ich habe schon mal über 50 Kinder gezählt, die um mich herum standen beim Reifenflicken. Und wenn das jetzt schon der vierte Platten des Tages und man sowieso schon genervt ist, dann muss man sich schon ziemlich zusammenreißen. Die psychische Beanspruchung auf solchen Reisen übertrifft oft die körperliche. Heute allerdings nicht …
Entlang der Straße ...
Es geht meist bergauf und ich habe permanent Gegenwind. Am Mittag bin ich ziemlich platt und mache um 14 Uhr Mittagspause in einem kleinen Dorf. Die meisten Bewohner sprechen hier nur Shoona. Nach der Pause geht’s wieder einigermaßen. Jetzt geht es die meiste Zeit leicht bergab und der Wind hat aufgehört. Ich erreiche Chimonyi erst nach 18 Uhr und suche mir eine Unterkunft. Sie trägt das Wort „Lodge“ im Namen, ist aber eine absolute Bruchbude. Toilette und Dusche liegen auf dem Flur. Die Dusche ist eine absolute Heimwerker-Pfuschkonstruktion. Je weiter man das Wasser aufdreht, desto heißer wird es. Entweder ist es ein kleines Rinnsal oder man verbrüht sich fast. Ich strecke beim Duschen mal die Arme nach oben und berühre den Duschkopf. Das ganze Ding steht unter Strom. Ich bekomme mit 220 Volt eine geflammt. Unglaublich, was die hier zusammenzimmern.
Die Unterkunft kostet 30.000 Zim$, nach meinem Wechselkurs etwa 30 Euro, nach dem offiziellen knapp das zehnfache. Präsident Mugabe hatte ja nicht nur den offiziellen Wechselkurs festgelegt, sondern auch, dass Übernachtungspreise gestaffelt sind. Zimbabwer bezahlten den normalen Übernachtungspreis, Afrikaner anderer Länder das Doppelte und Besucher von anderen Kontinenten das Zehnfache, was in Kombination mit dem offiziellen Wechselkurs ja schon ungefähr das Hundertfache war. Deshalb gab es zu dieser Zeit auch so gut wie keinen Tourismus mehr.
Mugabes Gesetze und Verordnungen wurden in der Folgezeit ja immer absurder. Anfangs waren die Geschäfte noch voller Waren, aber viele Leute hatten kaum noch Geld zum Einkaufen. Kleingeld war auch nicht mehr im Umlauf, denn Münzen hatten immerhin einen Materialwert. Wer welches hatte, gab es nicht mehr aus. Wechselgeld wurde in Form von Bonbons rausgegeben.
Später wollte Mugabe die Inflation dadurch beenden, indem er festlegte, dass die Verkaufspreise niedriger sein müssen als die Einkaufspreise. Somit verkaufte natürlich niemand mehr etwas, die Läden waren leer und die Wirtschaft ein Trümmerhaufen.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
TAtacitus1'132 Beiträge · seit 202219. Apr. 2026 ·
BikeAfrica schrieb:.... Mein Besuch war wohl das Highlight des Monats. Sonst passiert in diesen kleinen Dörfern ja nichts......
Guten Abend, manchmal sorgt(e) man schon für Aufmerksamkeit und Belustigung, z. B. Wir sind mit unseren Kindern in der Zeit, als dort überall das „platteland“ noch sehr traditionell war, vom Kein(st)kindesalter per Camping mit Bodenzelt(en) gereist. So wie das damals ablief, stand man manchmal irgendwie in der „Auslage“ 😎 und dass man, und insbes. Väter, Kinder (selber) wickeln, baden, abfüttern und Mann auch mal Madam bediente, hat öfters für Neugier bis Verwunderung gesorgt..... PS: bei Afrikanern wie Afrikaanern. 😎
Wann immer längere Strecken zu Fuß anstanden und der Weg uneben war, hab ich einen der Söhne auf den Schultern oder im Traggestell am Rücken getragen. Das hat oft Aufmerksamkeit bis Gaudi erregt, denn Kinder „auf den Rücken schnallen“ ist Frauensache 😄 (natürlich mit Decke oder Tuch). In einem Ort in östlichen Rhodesien/Zimbabwe wurde ich so einmal zum Unterhalter des Tages, mit Spalier und Gefolge von feixenden Kindern und lachenden Frauen..... vielleicht sogar das "Highlight des Monats" 😎 Grüße
BikeAfricaThemenstarter7'303 Beiträge · seit 200619. Apr. 2026 ·
Am nächsten Morgen fühle ich mich total schlapp. Ich trinke erst einmal 1,5 Liter Wasser mit Magnesium- und Vitamintabletten. Erst dann erfahre ich, dass im Preis auch ein Frühstück enthalten ist, welches gar nicht so schlecht ist. Es gibt Spiegelei, Rührei oder Omelett und natürlich Toastbrot und irgendwelchen Belag. Ich trinke noch fast einen Liter Kaffee und ein Glas Orangensaft. Danach geht’s einigermaßen und ich starte. Ich habe noch 35.000 Zim$, also 35 Euro. Das muss reichen für 3-4 Tage.
Unterwegs liegt eine Unterkunft, die von einer hohen Mauer umgeben ist. Davor sind zwei Angestellte dabei, eine Schwarze Mamba mit kopfgroßen Steinen zu bewerfen. Die Schlange versucht, über die Mauer zu entkommen, was ziemlich aussichtslos ist, da die Mauer ungefähr 2,50 Meter hoch ist und sie hin und wieder von einem Steinbrocken getroffen wird. Die Mauer sieht bereits aus, als hätte man sie beschossen. Da haben sie die nächsten Tage auch gleich was zu tun …
Ich habe möglicherweise einen Sonnenstich. Mir ist übel und ich muss mich innerhalb kurzer Zeit zweimal übergeben. Ich lege mich irgendwo in den Schatten und schlafe 90 Minuten. Danach ist es wieder ok und ich fahre weiter.
Am Nachmittag wird der Himmel dunkel und ein Gewitter kommt heran. Entlang der Straße treffe ich ein junges Ehepaar. Die Frau trägt ein Kleinkind auf dem Rücken. Ich frage die beiden, ob es im nächsten Dorf eine Unterkunft gibt und der Mann verneint und bietet mir an, bei ihnen auf dem Compound zu übernachten. Compound nennt man in vielen Ländern ein Grundstück, auf dem eine Großfamilie mit mehren Generationen und unterschiedlichen Verwandtschaftsgraden in getrennten Behausungen zusammenleben. Ich nehme das Angebot an und schiebe das Fahrrad den letzten Kilometer neben ihnen her. Der Compound ist klein und außer dem Ehepaar wohnt nur noch die Großmutter des Mannes dort in einer eigenen Hütte. In einer dritten Hütte wird Feuerholz und die spärlichen Vorräte aufbewahrt. Es sind kleine runde Lehmhütten mit nacktem Erdboden und Strohdach. Der Mann bietet mir an, in der Hütte der Großmutter zu verbringen, die die Nacht bei ihnen verbringen würde. Ich sage ihnen, dass das unnötig sei, da ich ein Zelt habe und darin schlafe.
Das sich anbahnende Gewitter hat sich inzwischen verzogen. Obwohl die heutige Etappe mit 50-60 km recht übersichtlich war, bin ich trotzdem ziemlich fertig. Die Hitze und die langen Etappen der letzten Tage haben doch ihre Spuren hinterlassen.
Später essen alle zusammen und man bietet mir auch etwas an. Es gibt Sadza mit irgendwelchen Fleischbrocken, die schon knorplig, sehnig und fettig aussehen. Ich bin heute Vegetarier und esse Sadza pur. Das ist der Maisbrei, der in Namibia Mealiepap genannt wird. Hier ist er kalt, also entweder vom Frühstück übrig oder kalt eingerührt und total klumpig. Eigentlich esse ich das Zeug ja recht gerne, aber heute … nun ja, es macht satt.
Dazu reicht er mir einen Becher mit einer sehr trüben Flüssigkeit. Ich denke, es wäre ein Tee und frage, was das ist. Er schaut mich an, als käme ich vom Mars und sagt, „na, Wasser halt“. Ich greife mir eine Flasche vom Fahrrad und meine, das hätte ich ja schließlich selbst dabei. Ich habe heute schon gekotzt und da muss ich mir nicht noch gleich einen Durchfall einfangen. Ich lege mich gleich nach dem Essen schlafen, obwohl es noch hell ist und schlafe durch bis zum Morgen.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
TAtacitus1'132 Beiträge · seit 202223. Apr. 2026 ·
BikeAfrica schrieb:.... 📎 DSCF0405.JPG .....
Hallo BikeAfrica Zur Überbrückung deiner Schreibpause, ein Bild von einem anderen legendären Baobab-Giganten, den Chapman’s in Botswana
TAtacitus1'132 Beiträge · seit 202224. Apr. 2026 ·
PS der Vergleich mit dem Bild von BikeAfrica zeigt auch den Unterschied zwischen einem Baobab, den Menschen (und Touristen) in Ruhe gelassen haben und meines, wenn eben nicht. Ein Baobab ist, nach dem Anwachsen, ein Flachwurzler und holt sich sein Wasser oberflächennah über zig Meter weit vom Stamm entfernt. Das alles spielt sich knapp unter der Oberfläche ab. Wenn man also diese Wurzeln sieht oder sogar d'rauf sitzen kann (siehe mein Bild) , fehlt bereits viel Boden. Der Grund für diese Bodenerosion (die den Baum destabilisiert) ist im Falle dieser "ikonischen" Baobabs mE eindeutig der Besichtigungstourismus. Durch Befahrung und Begehung wird die Bodenvegetation vernichtet, daher und dann der Boden pulverisiert und folglich vom Wind weggeblasen und PS: vom Regen weggespült. Als die Autos durch Absperrungen auf Abstand gehalten wurden, war der Schaden schon längst angerichtet. Die Befahrung und Begehung hat dem Chapmans' einige Lebensjahre gekostet, mM Die nächsten touristischen Liquidationsopfer "ikonischer" Baobabs sind bekannt, werden aber noch immer eifrig beworben. mM BikeAfrica, ich habe das jetzt nur geschrieben, weil ich dich als toleranten TE und Naturliebhaber einschätze. Wenn es dich stört lösche ich's .... weil doch irgendwie OT 😎 Grüße