Immer wieder in den Süden

Reisebericht 113 Antworten · 10,1k Aufrufe · gestartet 01. März 2026 von solitaire
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201128. März 2026 ·
Hallo allerseits, kurzer Schwenk zum Thema Auto.
In Lüderitz fällt mir auf, dass ich einen Steinschlag-Schaden an der Windschutzscheibe habe. Ich habe natürlich keine Ahnung, was das für Folgen haben kann und auch nicht, wie ich das auf Englisch erkläre. Ich rufe einen Bekannten an und der sagt mir, dass der mir unbekannte Ausdruck für mein Problem "chip repair" ist.
Ich schreibe an Asco, beschreibe ihnen, dass der Schaden ca. 1-2 mm groß ist und frage nach einer Werkstatt in Lüderitz. Leider gibt es in Lüderitz keine Werkstatt, die Windschutzscheiben reparieren kann. Asco meint, der Schaden sei sehr klein und ich könne bis zu meiner nächsten Station - Keetmanshoop - und dort in eine Werkstatt fahren. Einigermaßen beruhigt, dass nicht gleich die ganze Windschutzscheibe zu Schrott wird, mache ich es dann auch so.
In Keetmanshoop fahre ich zuerst zu Rassis Garage (die kenne ich schon von einem Problem auf einer früheren Reise). Die machen das allerdings auch nicht, schicken mich aber zu Tren Tyre. Dort wird der Schaden in 10 Minuten repariert. Es wird Kunstharz reingespritzt, dieses mit UV-Licht innerhalb weniger Minuten ausgehärtet und schon ist das Problem gelöst. Gekostet hat das Ganze NAD 250.
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zuletzt bearbeitet 03. Mai 2026
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201106. Apr. 2026 ·
Es ist natürlich angenehm, wenn man bedient wird, aber auf der Terrasse des Cormorant House beim selbst gemachten Frühstück zu sitzen, ist ein wunderschöner Tagesbeginn.

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Heute erkunden wir Shark Island, fahren von unserer Unterkunft hoch bis zur Spitze und besuchen das Shark Island Memorial. Es ist ein beklemmendes Gefühl, hier herumzuspazieren, war doch hier ein Konzentrationslager, in dem tausende Herero und Nama nach Aufständen gegen die deutschen Kolonialherren starben.
Sie Sonne brennt herunter und der Wind weht so stark, dass wir schwanken, wenn wir an der kleinen Mauer, der Abgrenzung zum Meer, stehen. Wir haben Sonnenschutz, Kappen und Jacken und trotzdem suchen wir Schatten und Schutz vor dem heftigen Wind.
Die Gefangenen damals waren Hitze, Kälte und Stürmen schutzlos ausgeliefert. Unvorstellbar, was sie ertragen mussten, bevor ihr toten oder halbtoten Körper den Haien vorgeworfen wurden.
Unvorstellbar ist für mich auch, dass hier bis vor kurzem ein Campingplatz war. Auch wenn vielleicht jetzt einige nicht meiner Meinung sind, ich finde das pietätlos. So schön dieser Platz hier auch ist, seine unrühmliche Vergangenheit kann man nicht wegschieben.

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zuletzt bearbeitet 03. Mai 2026
16,9k Beiträge · seit 201207. Apr. 2026 ·
solitaire schrieb:Es ist ein beklemmendes Gefühl, hier herumzuspazieren, war doch hier ein Konzentrationslager, in dem tausende Herero und Nama nach Aufständen gegen die deutschen Kolonialherren starben.
1908, als man das Lager auflöste, waren von den insgesamt 1795 Gefangenen 1032 verstorben.

LG
Logi
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201107. Apr. 2026 ·
Es gibt da bei Recherchen unterschiedliche Zahlen.
Im Grund ist aber unerheblich, ob es ein-, zwei-, drei... tausend sind.
Das ändert nichts an dem Grauen, das hier passierte.
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Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201108. Apr. 2026 ·
Ein kurzer Spaziergang führt uns zum verwaisten Bahnhof. Jetzt wissen wir zwar, dass es bis Seeheim 319 Kilometer sind, doch wir warten vergeblich. Per Bahn kommt man dort nicht hin. Außer Staubfontänen, im Wind rauschenden Palmenblättern, Vögeln und einigen Echsen bewegt sich hier nichts. Zug ist schon lange keiner mehr gefahren.
Im Hintergrund sehen wir das Woerman-Haus.

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Auf dem Weg nach Keetmanshoop machen wir beim Bahnhof in Garub Station. Hier wurden einst die Wasservorräte für die Dampfloks, die nach Seeheim fuhren, aufgefüllt. Das Wasser kam aus einer Quelle in der Nähe und wurde über ein eigenes Geleis hier gebracht. Ich glaube, ein altes Foto (von einer früheren Reise), zeigt diese Schienen, ich bin aber nicht sicher).
Was haben der Bahnhof und viele wunderschöne Baudenkmäler auf der ganzen Welt gemeinsam? - Idiotische Besucher, die sich hier verewigen müssen. Schade, dass man nicht einfach nur schauen und staunen kann.

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zuletzt bearbeitet 03. Mai 2026
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201112. Apr. 2026 ·
Weiter geht es Richtung Keetmanshoop. Wir plaudern und plaudern, einige riesige Trucks, die ich überhole, fordern meine ganze Aufmerksamkeit, und plötzlich erscheint das Schild von Klein Aus Vista. Ich bin an der Abzweigung zum Hide bei den Pferden von Garub vorbeigefahren. Das geht ja nun gar nicht, und ich drehe um.
Wir haben auch das Toilettehäuschen schon sehnlichst erwartet, doch es ist so grauslich, dass wir es uns verkneifen. Zum Glück haben wir die Reisetoilette dabei.
Am Wasserloch ist ein riesen Auflauf. Noch nie habe ich so viele Strauße auf einmal gesehen. Rund 90 Tiere trinken, baden im Sand, stehen einfach so herum. Das Ganze unter den lustigen Geräuschen, die eine einsame Kapkrähe von sich gibt.

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Aus der Ferne nähern sich die Pferde. Gemächlich, in gleichmäßigem Tempo kommen sie aus unterschiedlichen Richtung. Es sind auch Fohlen dabei. Ein wunderbarer Anblick. Sie sehen auch gut genährt aus. Ich habe sie auf früheren Reisen schon gesehen, da waren sie sehr knochig und sahen gar nicht gut aus. Auch der Bestand erstaunt mich. Wir zählen mindestens 60 Stück (auch in weiter Ferne). Ans Wasserloch kamen 25, mit 2 Fohlen.

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zuletzt bearbeitet 03. Mai 2026
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201116. Apr. 2026 ·
Nach einem kurzen Tankstopp in Aus geht es weiter nach Keetmanshoop, ins Quiver Inn. Die schon vor einigen Beiträgen angesprochene Reparatur meiner Windschutzscheibe ist rasch erledigt und wir freuen uns auf den Pool Das Zimmer hat leider keine Kochgelegenheit, nur eine Mikrowelle, aber wir bereiten noch schnell ein warmes Abendessen aus Nudeln mit Salat und fallen dann ins Bett. Ein kurzer, mittlerweile gewohnter Disput, ob die Klimaanlage laufen soll oder nicht, endet mit einem Kompromiss.
Endlich mal ein üppiges Frühstück nach dem ständig selbst fabrizierten ham and eggs oder Trockenwurt mit genauso trockenem Brot. Und zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich einen Mango Baum.



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Ich habe leider den UV-Filter meiner Kamera zerbrochen und die Erfahrung gemacht, dass es in Lüderitz nicht nur keine Reparaturwerkstätte für Windschutzscheiben gibt, sondern auch kein Geschäft für UV-Filter. Nun machen wir uns in Keetmanshoop auf die Suche. Im Quiver Inn rät mir die nette Besitzerin einen Laden, der vieles hat, allerdings keinen Filter. Der Besitzer schickt mich um die Ecke in einen anderen Laden. Leider auch dort Fehlmeldung, aber der Angestellte vermutet, dass es zwei Gassen weiter ein Geschäft dafür gibt. Das gibt es, allerdings keinen Filter; aber eventuell, meint die Verkäuferin, kurz geradeaus und dann links, dort sei ein Shop, der so etwas haben könnte. Es bleibt beim Konjunktiv - de facto gibt es keinen Filter. Es ist ein Shop für Computer-Zubehör. Meine letzte Chance sehe ich in dem Geschäft, das mir der Computer-Techniker schräg gegenüber einer Bank nennt. Ich stehe davor und erkenne: Es ist jenes Geschäft, in dem ich am Anfang meiner Odyssee war. Was lerne ich daraus: Ich kann wirklich nicht erwarten, dass ich so einen speziellen Ersatzteil bekomme und muss einfach auf meine Sachen besser aufpassen. Allerdings haben wir dadurch einen netten Stadtspaziergang gemacht.
Durch den Spaziergang ist es nun schon sehr spät und heiß. Eigentlich wollte wir zum Spielplatz der Giganten, aber ich befürchte, wir bleiben auf den glühenden Steinen kleben.
So steuern wir ohne weiteren Stopp einen meiner Lieblingsplätze an: Moer Toe Coffee Shop. Wann immer ich in der Gegend bin, zieht es mich dort hin. Ich war auch vor einem Jahr dort und habe damals Frieda, der netten Besitzerin, erzählt, dass ich soeben ein Buch fertiggestellt und sie darin erwähnt habe.
Ich habe vor meiner Reise dank Hilfe im Forum (danke nochmal an Graskop) ihre Mail-Adresse ausfindig gemacht und mich angekündigt, sodass ich sie auch sicher antreffe. Ich habe ihr ein druckfrisches Buch mitgebracht und Frieda freut sich sehr. Da es auf deutsch ist, habe ich dem Kapitel über Moer Toe ein Blatt mit der Übersetzung ins Englische und Afrikaans beigelegt. Frieda bricht in schallendes Gelächter aus, als sie die ersten Zeilen liest. Ich beschreibe die krakelige Schrift auf den Schildern Moer Toe. Dann erzählt sie mir die Geschichte dahinter: Für die Schilder hat sie aus Kostengründen alte Tafeln neu gestrichen und mit der Hand beschriftet.
Bei Frieda einzukehren ist für mich schon ein bisschen wie "heimkommen". Der Kuchen, den sie extra für uns am Morgen gebacken hat, ist köstlich, der Kaffee ebenso und wir plaudern mehr als zwei Stunden, erfahren viel über ihr Leben und über Moer Toe und müssen dann leider weiter.

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zuletzt bearbeitet 03. Mai 2026
1'007 Beiträge · seit 202316. Apr. 2026 ·
Liebe Margit,
erst mal herzlichen Dank dür diesen tollen Bericht. In Garub hätte ich weder so viele Pferde vermutet, noch eine ganze Straußenfarm.

Jetzt hast du mich aber auch echt neugierig auf dein Buch gemacht. Es scheint um Namibia zu gehen und das interessiert mich. Darf ich nach dem Titel fragen?

Liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvia
Schmiere stehen für ein Steak - Südafrika im Februar 2026 Frühstück mit Giraffen – Namibia Mai 2025 Mauritius – Das andere Afrika (Dezember 2024) Two in One – Kruger Region & Garden Route (Südafrika 2023)
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201116. Apr. 2026 ·
Liebe Silvia,
ich war selbst total erstaunt. Ein Freund von mir, ein steirischer Filmemacher, drehte mal einen Film über die Pferde in Garub, deshalb weiß ich ein bisschen mehr darüber. Lange Zeit haben sie unter der Trockenheit gelitten (sie wurden dann zusätzlich mit Heu versorgt) und die Fohlen wurden oft von Hyänen gerissen, Nachwuchs hat also auch nicht geklappt. Es stand sogar schon mal im Raum, die Pferde zu übersiedeln. Wenn ich auf früheren Reisen dort war, habe ich gerade mal ein paar total dünne, knochige Tiere gesehen. Ich kenne also hauptsächliche die "tragische Story". Und nun diese Bilder. Faszinierend und schön, dass sich der Bestand so erholt hat.
Tja, und die Strauße ... Ich nehme an, das ist eine "Jugendbande", unterschiedlich alte, fast erwachsene Tiere. Falls ich falsch liege, korrigiert mich bitte gerne.
So eine Menge habe ich noch nie gesehen. Ich bin auch regelmäßig im KTP, habe da oft viele Jungtiere in einer Familie gesehen, aber je größer die Tiere wurden, umso weniger wurden es. Sie sind dann glaube ich Raubtieren zum Opfer gefallen. Hier ist anscheinend "safe space" und vielleicht auch wenig Wasser in der Umgebung, sodass sie sich hier sammeln. Falls jemand mehr dazu weiß, würde mich das sehr interessieren.

Bzgl. Buch - ja, es geht um Namibia und den KTP. Schau mal auf die Website (link in der Signatur).

Liebe Grüße
Margit
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zuletzt bearbeitet 16. Apr. 2026
1'007 Beiträge · seit 202316. Apr. 2026 ·
solitaire schrieb:
Bzgl. Buch - ja, es geht um Namibia und den KTP. Schau mal auf die Website (link in der Signatur).

Liebe Grüße
Margit
Margit, du hast eine persönliche Nachricht 🤩
Grüßle
Schmiere stehen für ein Steak - Südafrika im Februar 2026 Frühstück mit Giraffen – Namibia Mai 2025 Mauritius – Das andere Afrika (Dezember 2024) Two in One – Kruger Region & Garden Route (Südafrika 2023)
2'542 Beiträge · seit 200716. Apr. 2026 ·
Hi,
es scheinen ein paar gute Straußenjahre gewesen zu sein. Wir haben auch im Norden vielfach wirklich große Herden mit locker 40-50 Tieren gesehen. Einmal in der Region um Twyfelfontein und dann nochmal beim Brandberg. Sowas hab ich bis dato noch nirgendwo gesehen.
LG Wolfgang
Mit Peanut und Glück auf Namibia-Tour - RB 2015 Öfter Mal was Neues - Kaokoveld Februar 2026
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201119. Apr. 2026 ·
Liebe Formis,
sorry, dass es momentan so schleppend geht mit meinem Bericht und dass ich außerdem meine Route nicht angeführt habe. Das hole ich jetzt nach. Ich bin diesmal die "Süd-Tour" quasi zweimal gefahren, einmal mit meiner Nichte, die ich nach 3 Wochen zum Flughafen gebracht habe, und dann nochmal, da bin ich in den Süden gefahren, weil ich an den Oranje wollte. Das war neues Terrain für mich. Und dann nochmal in den KTP, weil ich ja schon eine wild card hatte und die ausnutzen wollte (und natürlich, weil der KTP ein Hammer ist 🤪 ).

Start war 1.1.2026, Rückflug war 13.2.2026. Jeweils mit Lufthansa. Burschi hat das "Frühstück" treffend ( 🤢 ) in seinem Bericht beschrieben 😄
1 Nacht Windhoek
2 Nächte Desert Quiver Camp
2 Lüderitz Cormorant House
1 Keetmanshoop Quiver Inn
4 Kalahari Tented Camp
2 Kieliekrankie
3 Nossob
3 Urikaruus
2 21 Dune
3 Kalahari Anib Lodge
1 Windhoek
3 Barkhan Dune
1 Aus Bahnhofshotel
2 Oranjemund Op my Stoep
3 Grünaus White House
1 Twee Rivieren
2 Kieliekrankie
3 Nossob
3 Kalahari Tented Camp
3 Anib

Am Abend geht's weiter.

Liebe Grüße
Margit
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zuletzt bearbeitet 03. Mai 2026
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201119. Apr. 2026 ·
Nach dem netten Besuch bei Frieda geht es weiter in den KTP. Wieder einmal geht es über mein heißgeliebtes Stück der C17 ab Katzis Pan in den Osten. 24 km gleicht die Fahrt einem Wellenritt, es scheint, als würde das nie enden. Hier schneidet die Fahrbahn im rechten Winkel durch die Längsdünen der Kalahari und ich kann von diesem Anblick einfach nicht genug bekommen. Noch dazu, wo ich diese Strecke diesmal gänzlich anders erlebe als die Jahre zuvor. Nach dem vielen Regen ist es unglaublich grün.

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Zum Vergleich ein Foto aus dem Jahr davor.

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Es ist schon fast 16:00 Uhr als wir die Grenze erreichen. Wir sind wohl die letzten, die heute noch in den KTP wollen, keine weiteren Touristen sind da. Das Visum ist schnell ausgefüllt, dann geht es "weiter" zur Grenzpolizei zur Fahrzeugkontrolle. Als wir das Zollhäuschen verlassen, parkt sich gerade ein weiteres Auto mit einer Familie ein. Der Grenzpolizist fragt mich, ob das Verwandte seien und wir zusammengehören und ich verneine.
Er sieht meine Papiere durch und notiert alles, begutachtet auch das Auto samt Innenraum (ich muss auch die Tür zur Ladefläche öffnen und er sieht rein) und als er zufrieden ist, räumen meine Nicht und ich noch einige Dinge um, bevor wir weiterfahren.
Währenddessen hat auch die Familie, die gleich neben uns parkt, die Zollformalitäten erledigt und der Grenzpolizist widmet sich nun ihrem Auto. Plötzlich ruft er mir zu, ob wir wirklich nicht verwandt seien. Erstaunt blicke ich ihn an und verneine nochmal nachdrücklich. Lachend winkt er mich zu sich. Auch die Familie blickt mich mit lachenden Gesichtern an. Komisch. Was ist denn jetzt los?
Sie zeigen mir den Pass der Frau. Sie (die ganze Familie) sind aus Schweden und der Vorname der Frau ist auch Margit. So einen Zufall erlebt man nicht oft.

Nach einchecken, einkaufen und Reifendruck senken steuern wir das Kalahari Tendet Camp an. Wir sind eigentlich ziemlich ausgelaugt, aber da es der erste Besuch meiner Nichte im KTP ist, sie es nicht erwarten kann, Tiere zu beobachten, und uns der Camp-Manager sagte, bei Craig Lockhart sei eine Löwin mit Jungen gesehen worden, schwingen wir uns nochmal ins Auto und machen eine Spätnachmittags-Tour.

Die Löwin suchen wir vergeblich, aber zumindest ein junger Pale Chanting Goshawk (wie schon gesagt, bitte korrigieren, falls ich falsch bestimmt habe) lässt sich beobachten und dann widmen wir uns doch unserem Abendessen. Da ich nicht im Küchenhäuschen, sondern auf der Terrasse essen möchte, schleppen wir den Tisch ins Freie. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn er bricht beinahe auseinander. Sämtliche Schrauben sind locker und die Schraublöcher ausgeleiert, sodass ich auch mit der Spitze des Gemüseschälers nur bedingt Stabilität erzielen kann. Mit einem Steak und einem Bier lassen wir den langen Tag ausklingen und gehen bald zu Bett.

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Im KTC ist es wie üblich brütend heiß. Die Zeltwände haben sich aufgeheizt, das Ablüften funktioniert nur sehr bedingt. Die zwei Fenster, die ins Flussbett zeigen, bestehen aus einer Garnitur Glasfenster außen, einer Garnitur Rahmen mit Insektengitter innen und darüber einer Rollo. Allerdings lässt sich diese nicht ausreichend hochziehen, um das Insektengitter nach innen zu öffnen und dann das Glasfenster nach außen. Das heißt im Klartext: Man muss die Rollo mit einer Hand hochstemmen und mit der anderen Hand den Rahmen mit dem Insektengitter nach innen ziehen. Um dann außen die Glasfenster zu öffnen, muss man die Hand durch den Rahmen quetschen und sie nach außen drücken. Keine Ahnung, ob ihr dieses Procedere jetzt versteht, auf jeden Fall quetscht man sich immer den Handrücken oder einen Finger. Ganz schlimm wird das Ganze, wenn man es in der Nacht schlaftrunken umgekehrt durchführen muss. Und noch dazu, wenn man durch ein Gewitter aufschreckt, bemerkt, dass der Sturm den Regen bereits über das Gepäck unter dem Fenster verteilt hat, alles nass und der Boden rutschig ist.
Aber: Die Sichtungen des nächsten Tages werden das alles Wett machen.
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zuletzt bearbeitet 03. Mai 2026
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201121. Apr. 2026 ·
Obwohl ich nach der Nacht mit Regen, Blitz und Donner und daher wenig Schlaf wie gerädert bin (meine Nichte mit seligem Schlaf hat von all dem kaum etwas mitbekommen), heißt es um 5.00 raus aus den Federn, Frühstück in der Kühlbox und Ausrüstung zum Auto geschleppt, Permit abgeholt und los.
Craig Lockhart liegt einsam und verlassen im fahlen Morgenlicht. Nicht einmal die Giraffen, die hier meist verlässlich anzutreffen sind, scheinen heute Interesse an dieser Wasserstelle zu haben. Die ersten Sonnenstrahlen lassen das Auob-Tal erstrahlen, wir bestaunen einen Sekretär, ein Steinböckchen, eine Riesentrappe und einen juvenilen Martial Eagle, der nahezu bewegungslos am Straßenrand sitzt. Einen Tag später sehen wir ihn direkt neben der Fahrbahn in einem Busch, mit ausgebreiteten Flügeln und in schlechtem Zustand. Einen weiteren Tag später liegt er tot zwischen den Zweigen. Auch das gehört leider zum Naturerlebnis.

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zuletzt bearbeitet 03. Mai 2026
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201121. Apr. 2026 ·
Alles schön und gut, aber meine Nichte wartet schon sehnsüchtig auf Löwen. Noch nie hat sie welche außerhalb eines Zoos gesehen. Und ich als eifrige Tante möchte ihr diesen Genuss auch endlich bieten. Allerdings bieten auch Dalkeith und das 14. Wasserloch zwar etliche Oryx, aber keine Löwen. Nach der Ankündigung von gestern, dass eine Löwin mit Jungen gesehen wurde, wechseln Vorfreude und Enttäuschung einander ab.
Endlich, am 13. Wasserloch ist es so weit. LÖÖÖÖÖÖWEN 🦁
Auch wenn wir uns die "Kleinen" etwas kleiner vorgestellt haben, sind es eindeutig junge Tiere, die wir nun in aller Ruhe bewundern. Meine Nichte kann sich gar nicht sattsehen. Fast hätten wir die Wüstenagame übersehen, die allerdings weniger an den Löwen interessiert ist.

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Entzückende Jungtiere gibt es auch bei den Giraffen. Ich habe noch nie so viele Giraffen im Park gesehen. Zwei Herden, mit jeweils 20-30 Tieren, etliche sind sicher noch irgendwo versteckt oder hinter dem Dünenrücken nicht sichtbar. Ich liebe Giraffen, sie sind so majestätisch und ihr wiegender Gang fasziniert mich immer wieder. Lediglich beim Trinken werden diese prächtigen Tiere ängstlich, weil sie dabei leicht angreifbar sind.

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zuletzt bearbeitet 03. Mai 2026
4'142 Beiträge · seit 200921. Apr. 2026 ·
Hallo Margit,
kann verspätet auch mitfahren. Den KTP hätte ich auch gerne nochmal besucht, doch ich musste mich auf den Norden dieses Mal beschränken. So habe ich die Greifvögel schon etwas vermisst. Danke für die schönen Fotos davon.
LG Burschi
21x Namibia, 6x Botswana, 6x Südafrika, 4x Simbabwe, 2x Sambia, 1x Tansania, 2x Kenia, 1x Mauritius, 1x Sansibar
Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201121. Apr. 2026 ·
Hallo Burschi, ich freue mich, dass du mit an Bord bist. Ich verfolge auch deinen Bericht mit Spannung.
Ich hoffe, ich kann dir ein bisschen KTP-Feeling zum Träumen vermitteln.

Liebe Grüße, Solitaire
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Themenstarter1'947 Beiträge · seit 201122. Apr. 2026 ·
Der restlichen Tag bringt noch zahlreiche nette Sichtungen. Ein Silberreiher blickt verschreckt in den Himmel, als die Kapkrähen über ihn hinwegflattern, eine Gackeltrappe delektiert sich an den Blüten des Erdburzeldorn, winzige Erdmännchen toben im Schatten (daher die schlechte Bildqualität), wir können uns garnicht satt sehen.

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Auf der Rückfahrt ins KTC bekomme ich fast einen Herzinfarkt, als kurz vor meinem Auto zwei Köpfchen auf der Fahrbahn auftauchen. Meine Nichte hat nichts bemerkt. Zuerst denke ich an eine Halluzination (ich hatte aber noch gar kein Bier 😕), schiebe zurück und warte ein wenig. Die Köpfchen tauchen wieder auf. Entweder haben sich die Erdhörnchen bei der Anlage ihres Ausganges geirrt oder es macht ihnen Spaß, Autofahrer zu erschrecken.

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Nach diesem überstandenen Schrecken genehmige ich mir ein Bier und ein perfektes Kudu-Steak aus der Schlachterei in Windhoek, das tiefgefroren bis hierher gereist ist. Wenn ich allein reise, gibt es meist schnelle Küche, mit meiner Nichte zelebrieren wir das Abendessen - unter den wachen Blicken eines Dickfingergeckos, der mit seiner Großfamilie bei uns wohnt und auf die Insekten hofft, die durch den Schein unserer Kerze angezogen werden.

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Die Streifenmaus hingegen logiert in der Küche und wartet auf den Inhalt unserer Küchenbox ...

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zuletzt bearbeitet 03. Mai 2026
1'007 Beiträge · seit 202322. Apr. 2026 ·
Was für ein schönes Kapitel liebe Margit, die Erdhörnchen sind ja der Knaller. Da hätt ich auch gedacht, ich seh nicht recht. Aber die Maus find ich besonders süß. Hast vorm Loch gewartet bis sie rauskam?
Hab einen schönen Abend,
liebe Grüße, Silvia
Schmiere stehen für ein Steak - Südafrika im Februar 2026 Frühstück mit Giraffen – Namibia Mai 2025 Mauritius – Das andere Afrika (Dezember 2024) Two in One – Kruger Region & Garden Route (Südafrika 2023)