Kontraproduktive Aufforstungsaktionen in Afrika??

18 Antworten · 1'761 Aufrufe · gestartet 22. Feb. 2024 von CuF
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Themenstarter4'382 Beiträge · seit 201522. Feb. 2024 ·
Drei Wissenschaftlerinnen schlagen Alarm: Von Deutschland mitfinanzierte Klima-Aufforstungen könnten mehr schaden als nutzen.

Aus der heutigen SZ gefischt:

Die Tropenökologin Kate Parr über die Tücken großflächiger Baumpflanzaktionen in Afrika.


https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/wissen/aufforstung-afrika-klimaschutz-negative-folgen-oekosysteme-e805224/


Gruß
Friederike
https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/305239-2-froestelnde-senioren-cufs-in-botswana-august-24.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299590-namibia-2008-cufscher-verbindungsstresstest.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285307-cuf-in-botswana-2013.html https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/285473-cuf-im-ktp-und-moremi-juli-august-2014.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287481-cuf-maeandern-durch-den-norden-namibias-v-o-nach.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/294392-cufs-8woechige-antiviruskur-erfolgreich-oder-nicht.html https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/300961-cufs-6-wo-haengemattenauszeit-v-covid19-in-bots-nam.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/298077-kurz-trocken-skelettenkueste-suedwaerts-april-mai-19.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/303543-62-tage-auf-der-entschleunigungsspur-nam-bots-nam.html
zuletzt bearbeitet 23. Feb. 2024
Gast22. Feb. 2024 ·
Ist leider ein Aboartikel.
Geht es da auch um die Aufforstungen von Ecosia in der Sahelzone? (Weil ich die Ecosia eigentlich toll finde mit ihrer Arbeit.)
Themenstarter4'382 Beiträge · seit 201522. Feb. 2024 ·
Hei, LilaEule, nein, es geht generell darum, dass Aufforstungen - weil es dafür Geld gibt - z.B. in Savannengebieten und Grasland ökologisch unsinnig sind, weil damit Lebensraum für lichtliebende Pflanzen verloren geht. Mit ihnen verschwinden die typischen Insekten, die Vögel und charakteristische Arten wie Gnus, Löwen und Nashörner. Das von Dir genannte Projekt und auch andere werden nicht explizit erwähnt.
Es ist ein Interview mit Kate Parr (Tropenökologin an der University Liverpool). Mit Kollegen untersuchte sie das Ausmaß der problematischen Aufforstungsprojekte.
Gruß
Friederike
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zuletzt bearbeitet 22. Feb. 2024
16,9k Beiträge · seit 201222. Feb. 2024 ·
CuF schrieb:
Aus der heutigen SZ gefischt:
Och, menno, Paywall! 😕

LG
Logi
Gast22. Feb. 2024 ·
Solche Artikel finde ich richtig schlecht. Die Wissenschaftlerin beklagt bezüglich des Ausmaßes der falschen Aufforstungen (Zitat) "Es gibt eine große Intransparenz darüber, was genau vor Ort geschieht. Deshalb ist es schwierig, den aktuellen Stand präzise einzuschätzen." Sie kann aber ganz präzise sagen, dass es um eine fehlaufgeforstete Fläche in der Größe Frankreichs geht und das ja noch niemand vor ihr diese furchteinflößende Dimension erfasst hat. Ansonsten enthält der Artikel keine Fakten, keine Statistiken. Nichts. Aber man solle jetzt erst mal ALLE Aufforstungsprojekte in Afrika stoppen und neu bewerten.

Was dann bei den Menschen hängen bleibt, die sich nicht tiefer mit der Materie auseinandersetzen: Aufforstung in Afrika zerstört Ökosysteme, ist totaler Mist. Und das mit UNSEREM schönen Geld. Es wird so getan, als wenn bei der Aufforstung vor allem blühende, grüne Savanne zwangsweise in Wald konvertiert wird und alle Savannentiere sterben müssen (Gnus, Löwen und Nashörner werden explizit genannt). In den meisten Regionen geht es vor allem darum, die Desertifikation zurück zu drehen. Einstmals nutzbares Land ist durch Abholzung, Überweidung, Klimawandel zu nackter Wüste geworden.

Wie immer, wenn viel Geld im Spiel ist, gibt es Nebenwirkungen, Fehlanreize, Geschäftemacher, Übertreibungen. Das wird dann zurecht kritisiert. Das Aufforstung im Kern sinnvoll und nötig ist, kommt mir hier nicht genug rüber.

Grüße
272 Beiträge · seit 201922. Feb. 2024 ·
@Mitglied 19210

Es gibt sie, die Übersichten und Statistiken, du kannst sie dir von folgendem Link herunterladen und versuchen, dich hindurchzuquälen

https://www.science.org/doi/10.1126/science.adj0899

Im wesentlichen geht die Kritik wohl dahin, dass es unsinnig ist, natürliche offene Flächen (Savannen, Grasland) in Wälder umzuwandeln. Das ist für mich plausibel. Ob man tatsächlich versucht Wälder in der Savanne zu pflanzen oder nur Bäume pflanzt, ohne den Charakter der Landschaft zu ändern, ist eine andere Frage.
Gast22. Feb. 2024 ·
Hans-Wolf schrieb:@Mitglied 19210
Es gibt sie, die Übersichten und Statistiken, du kannst sie dir von folgendem Link herunterladen und versuchen, dich hindurchzuquälen
https://www.science.org/doi/10.1126/science.adj0899
Den Link im Artikel habe ich auch gesehen, aber da soll ich 30 USD für den Zugriff bezahlen, sonst kann ich mir das nicht herunterladen.
Hans-Wolf schrieb:Im wesentlichen geht die Kritik wohl dahin, dass es unsinnig ist, natürliche offene Flächen (Savannen, Grasland) in Wälder umzuwandeln.
Das bestreite ich ja nicht (siehe oben) und ich bin auch überhaupt nicht in der (Wissens-)Position, das bestreiten zu können. Es gibt hunderte Aufforstungsprojekte. Ich kenne nur 2-3 ein bisschen, was dann nicht repräsentativ ist. Vielleicht hat die Frau sehr gute Argumente und reihenweise überzeugenden Statistiken. In dem Artikel werden die aber nicht vermittelt. Mich stört der total negative Tenor "Aufforstung zerstört Ökosysteme, schadet dem Klima, Löwen und Nashörner verschwinden dadurch, ... " Und es ist ja auch so, dass ein erheblicher Teil der Aufforstung-Projekte wissenschaftlich begleitet wird.

Grüße
655 Beiträge · seit 200623. Feb. 2024 ·
Apropo Geld verballern mit unsinnigen Projekten: eine Freundin von mir sollte vor Jahren herausfinden, warum bei einem Aufforstungsprojekt der GTZ im ländlichen China die gepflanzten Pappeln nicht über eine bestimmte Größe herauskamen. Dazu sollte sie einen Fragebogen erstellen, nach China fahren und dort die Umfrage machen. Ich konnte mir damals die Frage nicht verkneifen, womit die Menschen in der Umgebung denn heizen und kochen würden. Die Antwort war: mit Holz.......
Lb Gruß von Helga
0
Gast23. Feb. 2024 ·
helga schrieb:eine Freundin von mir sollte vor Jahren herausfinden, warum bei einem Aufforstungsprojekt der GTZ im ländlichen China die gepflanzten Pappeln nicht über eine bestimmte Größe herauskamen.
Ich kenne die Details nicht und insofern verbieten sich mir plakative Beurteilungen. Die GTZ gibt es aber seit 13 Jahren nicht mehr. Vermutlich geht es dann um die Langzeit-Evaluierung eines Programms von vor 20 Jahren oder so? Wenn wir da aktuell noch Aufforstungen fördern würden und dies im Kontext Klimawandel geschähe, dann wäre meine primäre Frage, warum wir da überhaupt noch fördern?

Grüße
1'134 Beiträge · seit 202223. Feb. 2024 ·
Dass „Bäume“ vs. „Wälder“ pflanzen nicht das Gleiche ist, wurde schon gesagt, wir brauchen aber sowieso beides. Dazu braucht man mE die Wissenschaft nicht bemühen, denn man kann sich diesem Thema auch einfach mit Hausverstand und phänomenologisch aus historischer Anschauung annähern, weil …

Was nämlich zu jedem Zeitpunkt in unserer Geschichte „natürliche“ (und daher „richtige“ 😎 ) Fauna und Flora war, war nie eine langfristig zeitliche Konstante. Es hat sich, in historisch langen oder auch kurzen Zeitspannen, durch Klimaänderungen und/oder menschliche Eingriffe, ständig verändert.

Die natürliche Vegetation im Europa nach der letzten Eiszeit war größtenteils Wald. Davon haben wir nur noch Restbestände und die sind meistens Holzplantagen anstelle von (Ur)Wald. Historiker meinen, dass der im Mittelalter rasch schwindende Wald nur durch die Pest gerettet wurde, die die „zivilisatorische“ Abholzung für ein paar Generationen gebremst hat, danach wurden Forstschutzmaßnahmen eingeführt.

In der Antike konnten die Handelsrouten zwischen atlantischer Westküste (PS: Afrikas) und Mittelmeer noch zu Pferd durchquert werden, in den Jahrhunderten danach nur mehr mit Kamel. Wo Barth noch Bäume und Baumsavanne zeichnete, sind heute keine mehr und die Landschaft viel trockener als noch vor 150 Jahren oder Wüste, die im Süden entstehenden Regenwolken kommen nicht mehr so weit nach Norden.

Überall am und um das Mittelmeer kann man die alten Terrassierungen von landwirtschaftlicher Nutzung sehen, wo heute nur mehr Steine und Trockensteppe sind. Ohne Baumbestand für Schatten, Boden und Wasser wäre ersteres nicht möglich gewesen.

Man kann unendlich fortsetzten, wo heute nur mehr Trockenlandschaft ist, wo erst kürzlich keine war. Diese Versteppung bis Desertifikation ging immer mit Vernichtung der Bäume einher bzw. wurde davon verursacht. Wenn die Bäume weg sind, wird es heißer und trockener, behaupte ich jetzt mal als Laie, für mich ist das empirisch belegt.

Oder, wie z. B. vor gar nicht so langer Zeit die Wasserführung von Flüssen in Afrika von ganzjährig zu saisonal wurde, weil durch die Abholzung der (Ufer)Bäume mehr Sediment eingetragen wurde.

Bäume verbessern den Wasserhaushalt und davon profitieren die restliche Flora, Tiere und Menschen. Wenn jetzt irgendwo in der Grassavanne Bäume gepflanzt werden, wo in unserem Zeithorizont gerade keine mehr waren (wohl aber vor 200 Jahren), verändert das sicher etwas im momentanen Gleichgewicht, aber langfristig kann es trotzdem gut sein, wenn Austrocknung, Desertifikation und Bodenerosion verhindert werden.

Ich habe seit 55 Jahren ein NG-Abo und erinnere mich an zig Beispiele, wo mit der Pflanzung von (Nutz)Bäumen Wasserhaushalt, Bodenstruktur und Mikroklima grenzfälliger Gebiete mit nährstoffarmen Böden verbessert wurde. Wissenschaftlich belegen, wie hier verlangt wurde 😉 , kann ich es aber auch nicht, es ist mir aber sehr plausibel.

In diesem Sinn sind die auf zehntausenden km² in Andalusien (neu) gepflanzten Olivenbäume auch oder mehr ein Aufforstungsprojekt gegen die Erosion als ein rein landwirtschaftliches.

Grüße
zuletzt bearbeitet 24. Feb. 2024
3'883 Beiträge · seit 201125. Feb. 2024 ·
Aus dem Netz gefischt: https://www.n-tv.de/wissen/Wo-Wiederaufforstungen-sinnlos-sind-article24755285.html

Kommentarlos
freshy
Reiseberichte und Videos Video:Bootsafari auf dem Kwando 2018 Forum(2016): Südafrika & KTP Forum(2013): Zwei Gruftys in Botswana Forum(2013): Fünf Tage in Johannesburg Web:Namibia & Botswana 2017 Video:Sani Pass 2015 Web:Südafrika & Lesotho 2015 Web:Auf Pad im südl. Afrika 2014 Video:Elefanten im Senyati Safari Camp 2013 Web:Namibia 2011
Gast25. Feb. 2024 ·
freshy schrieb:Aus dem Netz gefischt: https://www.n-tv.de/wissen/Wo-Wiederaufforstungen-sinnlos-sind-article24755285.html
Normalerweise würde man es eher umgekehrt erwarten: Den seriösen Artikel bei der SZ und den Empörung triggernden, simplifizierenden Schrott bei n-tv (RTL). 😗 Den n-tv-Artikel finde ich sehr viel besser als den SZ-Artikel, weil er mehr Zahlen und Fakten nennt und differenzierter ist. Die pauschale Forderung, jetzt erst mal sämtliche Aufforstung zu pausieren, findet sich da nicht. Die versuchte Triggerung von Empörung mit dem extra fett hervorgehobenen Hinweis, wie viel deutschen Entwicklungshilfe dahin fließt, kommt auch nicht vor. Und den Schwachsinn, dass durch Aufforstung Löwen und Nashörner verschwinden, kann man da auch nicht lesen. Löwen und Nashörner finden sich heute fast nur noch in Nationalparks und Game Reserves. Es wäre mir neu, dass man gerade dabei ist, Mara, Serengeti, Tsavo, Etosha, CKGR, Chobe, Amboseli, Murchison usw. mit gigantischen Aufforstungsprogrammen in dichte Laubwälder zu verwandeln.

Was die Kritik bezüglich der Aufforstung mit nicht einheimischen Arten anbetrifft, muss, glaube ich, auch je nach Projekt differenziert werden. Zumindest teilweise werden diese Entscheidungen bewusst getroffen, wenn z.B. die Pflanzung (ehemals) einheimischer Baumarten klimawandelbedingt kaum noch Chancen auf Erfolg hat. Dann ist es eine Abwägung, was das kleinere Übel ist: Andere Baumarten pflanzen oder die Desertifikation voran schreiten lassen. Wegen Klimawandel und Anzahl der Menschen auf dem Planeten, können wir es uns nicht leisten, zuzuschauen, wie die Verwüstung fortschreitet. Ökosysteme haben sich auch ganz ohne menschliches Zutun immer wieder geändert. Noch vor 5.500 Jahren waren große Teile der Sahara eine grüne Savanne voll mit Tieren. Innerhalb von nur 1 oder 2 Jahrhunderten ist wieder Wüste draus geworden.

Grüße
zuletzt bearbeitet 25. Feb. 2024
1'162 Beiträge · seit 201225. Feb. 2024 ·
Mitglied 19210 schrieb:
"Innerhalb von nur 1 oder 2 Jahrhunderten ist wieder Wüste draus geworden."
Das stimmt so nicht! Noch zu Zeiten Roms war Nordafrika (einschl. der nördlichen Teile der Sahara) die Kornkammer Roms!
Die Desertifikation ist in erster Linie auf die radikale Abholzung in der Antike (Schiffsbau für Handel und Marine) zurück zu führen. Gleiches gilt für die nördl. Mittelmeerstaaten.
Beste Grüße
Michael
7x Namibia, 2x S-Afrika, ca. 45x Atlantische Inseln (Kapverden > 25x, Kanaren, Madeira, Azoren); 7x W-Afrika (Senegal, Guinea Bissau, Gambia, Sierra Leone), Marokko, Tunesien, Jemen, Madagaskar, USA, Kanada, Costa Rica, ziemlich viel ME & SE rauf und runter und kreuz und quer
zuletzt bearbeitet 25. Feb. 2024
1'134 Beiträge · seit 202225. Feb. 2024 ·
Der ntv-Artikel ist wohl konkreter aber bez. die Berechtigung eines derart pauschalen Alarms ist das für mich trotzdem keine Entscheidungshilfe. Alleine schon deswegen, weil die Kritik nicht zwischen den Savannenarten (Baum/Busch/Gras) und der Nutzung (keine = Natur- vs. besiedelte = Nutz/Kulturlandschaft) und PS: dem Zustand = intakt vs. schwer geschädigten („degraded“) unterscheidet. Die Projektliste im Wiki vermittelt dagegen schon den Eindruck, dass situations- und problembezogen und differenziert vorgegangen wird. z. B. die Schwerpunktsetzungen in Kenia:

Reforestation to 10% forest cover.
Forest restoration for wildlife use.
Agoforestry including as main crop, co-crop, or boundary crop.
Buffers along waterways to reduce erosion.


Der Teufel liegt wohl, wie meistens, im (Umsetzungs-)Detail. Vom Schreibtisch in Europa ist das sicher nicht zu bewerten, weil viele Für und Wider vor Ort zu berücksichtigen sind. So ablehnungswert z. B. eine Eukalyptusplantage per se sein mag, wenn dadurch bereits übernutztes bis kaputtes Land stabilisiert wird und letzte Hartholzbestände vor den Köhlern und Häuslbauern gerettet werden können, kann das auch das kleinere Übel sein.

Es stört mich auch etwas, wenn einerseits kritisiert wird, dass Baumsavanne falscherweise als „Wald“ bezeichnet wird, dann aber das Bäumepflanzen dort als „Aufforstung“ ..... schmeckt doch irgendwie nach semantischen Selbstüberdribbeln 😎 . Oder wenn Bilder von Baumsavanne als Grasland tituliert werden, fragt man sich schon …..

Und last but not least hätte ich gerne erklärt bekommen, warum z. B. eine durch Menschen und ihre Helfer, die großen grauen Landschaftsgärtner, durch Entfernung von Bäumen geschaffenen reine Graslandschaften danach so viel „hochwertiger“ seien als zuvor.
zuletzt bearbeitet 26. Feb. 2024
Gast25. Feb. 2024 ·
Biologe schrieb:Mitglied 19210 schrieb:
"Innerhalb von nur 1 oder 2 Jahrhunderten ist wieder Wüste draus geworden."
Das stimmt so nicht! Noch zu Zeiten Roms war Nordafrika (einschl. der nördlichen Teile der Sahara) die Kornkammer Roms!
Die Desertifikation ist in erster Linie auf die radikale Abholzung in der Antike (Schiffsbau für Handel und Marine) zurück zu führen.
Da bin ich kein Experte und wenn Du da gute Quellen hast, dann stelle sie gern ein. Mein rudimentärer Wissensstand dazu war bisher, dass es vor 5.500 Jahren recht abrupte Klimaänderungen gab. Bei Wikipedia steht dazu "Zwischen 4000 und 3500 v. Chr. begann in der Sahara die Trockenphase, die innerhalb weniger Jahrhunderte oder Jahrzehnte zur Verdrängung des Lebens aus der Wüste führte. "
https://de.wikipedia.org/wiki/Sahara#Geschichte

Grüße
1'162 Beiträge · seit 201225. Feb. 2024 ·
Hallo,
ich habe mich definitiv auf Nordafrika bezogen; hieraus ergibt sich auch der Kontext zu den nördlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers. Dass die Sahara insgesamt eine viel komplexere Geschichte hat ist unbestritten.
Sucht man bei Google nach "Kornkammer Roms" stößt man auf zahreiche Artikel, u.a. auch auf den von Ralf Julke:
Als der Norden Afrikas noch die Kornkammer Roms war und der Tummelplatz von Pferden und Elefanten
21. Juli 2017
In Lehrbüchern zur Zoogeographie [u.a. Delattin, G.: (1967): Grundriß der Zoogeographie; G. Fischer, Stuttgart] finden sich (natürlich) sehr fundierte Beiträge.
Beste Grüße
Michael
7x Namibia, 2x S-Afrika, ca. 45x Atlantische Inseln (Kapverden > 25x, Kanaren, Madeira, Azoren); 7x W-Afrika (Senegal, Guinea Bissau, Gambia, Sierra Leone), Marokko, Tunesien, Jemen, Madagaskar, USA, Kanada, Costa Rica, ziemlich viel ME & SE rauf und runter und kreuz und quer
zuletzt bearbeitet 25. Feb. 2024
Gast26. Feb. 2024 ·
Dann war Deine Aussage "Das stimmt so nicht!" bezüglich der Klimaänderung in der Sahara aber etwas vollmundig. Das römische Reich hat sich in Nordafrika nur auf den küstennahen Streifen erstreckt, der (auch heute) überwiegend nicht zur Sahara zählt. Die "Kornkammer Roms" lag also nicht in der heutigen Sahara. Insbesondere auf einem ca. 250 km breiten und knapp 2000 km langen Streifen zwischen Tunesien und der Westküste Marokko gibt es auch heute noch recht viel Landwirtschaft.

Römisches Reich, größte historische Ausdehnung (Quelle Wikipedia):
roemisches_reich.png


Sahara (Quelle Britannica):
sahara.png



Grüße
zuletzt bearbeitet 26. Feb. 2024
Gast26. Feb. 2024 ·
Falls es noch irgendwen interessiert, habe ich mir die Studie jetzt doch mal etwas angeguckt. Die These ist ja, dass rund 700.000 km² in Afrika fälschlicherweise aufgeforstet werden - mit angeblich verheerenden Folgen.

Vorneweg: Man darf bei "Wald" nicht nur an deutschen Wald mit 15-30 Meter hohen Bäumen und einem weitgehend geschlossenem Dach aus Baumkronen denken. Es gibt von verschiedenen internationalen Organisationen verschiedene Definition für Wald. Sie haben meist gemein, dass dort wachsende Pflanzen mindestens 5m hoch werden können müssen, mit ihren Kronen je nach Definition mindestens 10-40% des Bodens abdecken müssen und es um eine zusammenhängende Fläche von mindestens 0,1-1 ha geht.

Wie kommen die 700.000 km² angeblich falscher Aufforstungsfläche in der Studie zustande? 259.264 km² "falscher" Aufforstungsfläche entfallen auf 8 Länder (Burkina Faso, Chad, Lesotho, Mali, Namibia, Niger, Senegal, The Gambia), in denen es laut Studie absolut null Wald gibt und deshalb per se gar nichts aufgeforstet werden darf. Laut allen anderen Erhebungen gibt es in diesen Ländern aber sehr wohl Wald.

In Namibia geht es in bezug auf die Studie nur um winzige Flächen, aber weil das Land vielen hier am besten bekannt ist, eignet es sich vielleicht auch am besten als Beispiel: Laut Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen gibt es in Namibia 6.639 km² Wald. Das bedeutet nur 0,8 Prozent der Fläche Namibia zählen laut FAO heute als Wald. Namibia hat 764 km² zur Aufforstung im Rahmen des AFR100-Projektes angemeldet. Das betrifft dann 0,09% der Fläche Namibias. Laut der Studie ist die FAO-Definition aber unbrauchbar und Namibia hat null Wald. Entsprechend sei es verheerend, wenn da irgendwas aufgeforstet ist.

Das ist hier ist Namibia (Foto FSC):
Namibia_0.jpg


Das auch (Foto WWF):
10_10_george_mukoya_028_150935.jpg


Nein, ihr habt jetzt keinen Wald gesehen (Definition siehe oben). Wald gibt es laut der Studie in Namibia nicht. Ihr habt gerade 2 Bilder mit offener Savannenlandschaft gesehen. 🤩 Und wo es keinen Wald mehr gibt, darf man laut Studie nicht aufforsten.

Bezogen auf ein einzelnes Land macht der Sudan den größten Brocken aus, wo angeblich allein 143.245 km² fälschlicherweise aufgeforstet werden sollen. Laut Studie hat der Sudan zwar eine winzige Fläche Wald, weist aber fast das 50fache zur Aufforstung aus. Die UN sagt, dass 65% der Fläche vom Sudan von Desertifikation betroffen ist. Die nun zur Aufforstung vorgesehene Fläche macht 7,6% der Fläche des Sudan aus.

Und weitere 191.680 km² angeblich falscher Aufforstungsfläche entfallen laut Studie auf Wälder, die Top in Schuss sind und keinerlei Aufforstung bedürfen.

Ich bin immer noch kein Experte für das Thema und mit Sicherheit werden bei so großen Projekten, die sich aus unzähligen Teilprojekten zusammen setzen, auch Fehler gemacht, die dann zurecht kritisiert und adressiert werden. Aber die Zahlen aus der Studie und den alarmistischen Ton halte ich jetzt für völligen Schrott. Anscheinend möchte die Frau sich vor allem wichtig machen.

Grüße
33,1k Beiträge · seit 200626. Feb. 2024 ·
Moin zusammen,

wie komplex das Thema ist, zeigt sich z. B. an Namibia. Hier unterstützt z. B. die deutsche GIZ Aufforstungsprojekte im Norden und ist andererseits sehr aktiv beim Thema Entbuschung (in den "Savannen"regionen Namibias). Das mag sich auf den ersten Blick komplett widersprechen, hat aber natürlich ganz verschiedenen Hintergründe. In beiden Fällen geht es aber v. a. auch darum die ursprüngliche Natur wieder herzustellen (und z. B. dem Raubbau der Wälder im Nordosten entgegenzuwirken). Das das alles Vor- und Nachteile auf den jetzigen Status von Tierwelt etc hat, ist klar.

Zum Thema Aufforstung in Namibia gibt es z. B. ein Infodokument der Desert Research Foundation: https://www.thinknamibia.org.na/images/projects/forest/DRFN_Fact%20Sheet_No4_ENG_final%20screen.pdf

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
zuletzt bearbeitet 26. Feb. 2024