TZ Aktuell seit Magufulis Tod

45 Antworten · 6’537 Aufrufe · gestartet 21. März 2021 von Rehema
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Themenstarter546 Beiträge · seit 201821. März 2021 ·
Liebe TZ-Freunde

Ich beginne diesen therad, indem ich einige Infos zur neuen Tansanischen Präsidentin hier nochmals reinkopiere (aus dem thread „Coronavirus in Tanzania aktuell“), da manche den weiteren politischen Austausch zu Tansania in dem andren thread für unpassend hielten.

Who is Tanzania's new President Samia Suluhu Hassan?

Einige informative Artikel:

Kurze Biographie;
https://il.tzembassy.go.tz/resources/view/biography-of-first-tanzanian-female-president-samia-suluhu-hassan

https://www.aljazeera.com/news/2021/3/19/tanzanias-hassan-quiet-achiever-who-wants-to-get-things-done

https://www.dw.com/en/samia-suluhu-hassan-who-is-tanzanias-new-president/a-56932264

Sie scheint an vielen Stellen eine fähige Frau zu sein, die sich auch in der Politik nach oben gekämpft hat.
Anscheinend hatte sie aber unter Magufuli nicht sehr viel Macht - was in der Sache von Magufulis Art zu regieren lag - schließlich hat er die Macht auf sich konzentriert - nicht nur, weil sie eine Frau war, sondern weil das sein Führungsstil war.
Aber wer weiß - vielleicht war es auch ein politischer Schachzug, sich "nur" eine Frau als Vize auszusuchen?

Viele Tanzanier meinen außerdem (was man so aus diversen lokalen Gesprächen entnehmen kann), dass es noch sehr viele "powerful" männliche Politiker hier gibt, an denen sie nicht vorbei kommen wird.
Ferner sagte sie in einem Interview, dass sie zu Hause eine ganz normale, verheiratet Frau sei, und sich vor ihrem Mann niederkniet. Das sei keine Unterwürfigkeit, das wäre der gebührende Respekt. Die Frage ist, ob manches davon in ihr als relativ konservative Muslima so tief in ihr verankert ist, dass sie sich anderen Männern in der Regierung nicht widersetzten wird.
Tanzania ist eine patriarchalische Gesellschaft.

Also in der Summe:
Alles mögliche ist drin für die Zukunft 🤨 😎
Lassen wir uns überraschen!

Rehema
Gelebt in Malawi, Tanzania und Kenya Reiseberichte: Botswana April 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/295264-botswanas-beasts-beauty-im-april.html Malawi 2015-2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/154-diverses/297418-kleinode-in-malawi.html Tanzania - Tarangire April 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299356-tansania-pulsiert-trotz-corona.html?start=0
Themenstarter546 Beiträge · seit 201821. März 2021 ·
Es ist zwar nun einmal ein Sprung zwischen den threads, und ich werde mich auf einige der letzten Beiträge dort beziehen. Ich denke aber, das sollte nicht zu schwierig werden – denn wen es interessiert, der hat die letzten Beiträge mitverfolgt oder kann sie leicht schnell nachlesen („Coronavirus in Tansania aktuell“, ca, um die Seiten 25 bis 27)

@mitglied19210:
Das ist völlig in Ordnung, wenn Du findest, dass meine Aussagen so nicht stehen bleiben können. Ich für meinen Teil nehme sie jedoch nicht zurück und stehe weiterhin dazu.

@JP K:
Danke für Deine Anmerkungen.
Für mich stecken hier zwei recht wichtige Gedanken drin, die ich gerne aufgreife:

1) Du hast Bauchschmerzen mit „meiner positiven Darstellung zu Tansania“
Daran scheinen sich hier viele zu reiben – andre hingegen auch dankbar zu sein.
Es ist schon so, dass meine Beiträge zu TZ insgesamt eher positive Seiten beleuchten – das liegt jedoch nicht daran, dass ich TZ nur positiv sehen würde. Sondern daran, dass für mich viel zu einseitig negativ berichtet und bewertet wird – sowohl in den meisten westlichen Medien (die nun einmal die Medienwelt dominieren), als auch meist hier im Forum.

Dann betone ich halt die Seite, die meiner Ansicht nach zu kurz kommt. Und denke mir: das Negative (das es durchaus auch aus meiner Sicht gibt), das brauche ich ja nicht wiederholen, darüber hat man sich ja nun schon ausführlich genug ausgelassen!?
Das mag ein Fehler sein – denn es vermittelt anscheinend das Bild, ich sähe TZ durch eine rosarote Brille.
Das kann jedoch gar nicht sei – denn wer hier seinen Alltag lebt, ist täglich einem Spagat ausgesetzt zwischen den ganzen vielen Nuancen dieses Landes, seiner Leute, seiner „ungeschriebenen Regeln“, dem Gegensatz ihrer und unserer Denkweise und vielem mehr. Wir sehen nicht rosarot – sondern wir fühlen uns oft genug hin und her geworfen in einem ordentlichen Wellengang zwischen den Kulturen!
Vielleicht muss ich manche Dinge, die auch ich negativ sehe, mehr aufgreifen?
Diesen Gedanken nehme ich mir hier von Deinen Zeilen mit.

Ich möchte in diesen thread schon gerne noch eine (selbstverständlich völlig unvollkommene) Zusammenstellung über Magufuli einstellen. Ich finde, das gebührt einem solchen Präsidenten.
Er war verhaßt und verehrt – und für BEIDES gab es berechtigte Gründe!

2) Dein Rat an mitglied19210: “… und berücksichtigst, dass Afrika nur bedingt mit europäischem demokratiegeprägten Denkmuster zugänglich ist…“
Tja, das ist halt immer wieder meine Rede. Übrigens auch an mich selbst. Sonst könnte ich hier gar nicht leben.
Und ich werde das hier noch öfter wiederholen: Mit unserer westlichen Sicht alleine gelangen wir immer wieder zu sehr anderen Bewertungen, als wie wenn man sich in die hiesige Denkweise mehr einfühlt. Das fällt auch uns immer wieder schwer – auch wir können selbst nach 40 Jahren Afrika nie ganz raus aus dem, was unser Denken, Fühlen und Handeln geprägt hat. Und dennoch: vieles verschiebt sich in der Bewertung (und im „Be-Werten“ sind wir Westler leider oft ZU gut…), wenn wir uns dieser anderen Denkweise mehr aussetzen, und es zulassen, mal ganz anders zu denken!

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.“
- Francis Picabia


Das ist mein Ansatz. Auch mit diesem thread.
Nicht Besserwisserei, sondern unterschiedliches beleuchten.
Vielleicht mal einen neuen Gedanken zulassen, den man bis eben noch für unerhört gehalten hat?
Kann manchmal nicht schaden….

Ich grüße alle TZ-Interessierten, und freue mich auf vielfältige Betrachtungsweisen!
Rehema
Gelebt in Malawi, Tanzania und Kenya Reiseberichte: Botswana April 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/295264-botswanas-beasts-beauty-im-april.html Malawi 2015-2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/154-diverses/297418-kleinode-in-malawi.html Tanzania - Tarangire April 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299356-tansania-pulsiert-trotz-corona.html?start=0
2’403 Beiträge · seit 201121. März 2021 ·
Hallo Rehema,
eigentlich wollte ich mich hier nicht einmischen, denn Du kennst TZ ja sicher besser als ich. Es ärgert mich aber doch sehr, dass einige, bei deren Posts ich den Eindruck habe, dass sie noch nie in TZ waren, Dich in die VT-Ecke stellen wollen. Wenn man sich aus unseren Zeitungen und TV informiert, bekommt man naturgemäß im Wesentlichen nur die westliche Sicht auf Afrika mit. Und bei Magufuli speziell habe ich den Eindruck, dass er so vielen auf die Finger geklopft hat, dass auch westliche Interessen negativ tangiert waren. Was mir jedenfalls zu denken gegeben hat, war, dass er bei den einfachen Leuten sehr beliebt war. (Das war allerdings vor Corona-Zeiten, neuere Erfahrungen habe ich nicht.)
LG aus Puerto de la Cruz,
Karsten
[size =3] Infos NordTZ 22 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/301813-infos-nordtansania-juni-juli-22.html?start=0 RB Kenia 2020 https://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/299653-kurzer-rb-kenia-sept-2020.html?start=0 Reisebericht Südtanzania 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282710-tanzanias-sueden-daumendruecken-hilft-nicht-immer.html Kurzbericht 7 Wochen Nam-Bots 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/16-unterkuenfte/254072-kurzbericht-7-wochen-nam-bots.html Bericht Zimbabwe 1995: ... 30 Tage Gefängnis http://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/241529--30-tage-gefaengnis.html Reisebericht 2008: 18 Nights in the Bush - ha-ha-ha http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/263931-18-nights-in-the-bush-ha-ha-ha.html Nordtansania Feb. 2015 - Kein RB http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285690-tansania-februar-2015-kein-reisebericht.html?limitstart=0&start=12] Walking Safari Zimbabwe 97 https://www.namibia-forum.ch/forum/148-diverses/287052-walking-safari.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 22. März 2021
1’739 Beiträge · seit 201021. März 2021 ·
Liebe Rehema

Ich danke Dir sehr, dass Du weiterhin von Deinen langjährigen Erfahrungen vor Ort berichten möchtest. Mich persönlich interessiert es sehr, da mein Interesse an Afrika über Elefanten, Löwen und Gnus weit hinaus geht. Mich interessiert die Kultur und die Menschen. Auf unseren Reisen versuche ich immer Informationen über Land und Leute, aber auch die Denkweise der Menschen aufzusaugen. Meist gibt es sehr positive Gespräche, manchmal sträubt sich mir das Nackenfell. Aber nur so lernt man als Aussenstehender selbst, die positiver und negativen Dinge in Afrika besser zu verstehen.

Wir sind übrigens wohlbehalten zurück aus Tanzania, ohne Deine Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Danke für Dein Entgegenkommen.

LG
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
8’060 Beiträge · seit 200821. März 2021 ·
Hallo Rehema,

Danke. 🙂

Ich finde es immer sehr interessant deine Version zu hören.

Ich muss auch gestehen dass ich bei meinen 2 letzten Tanzaniareisen nur Leute (ob Arme oder Reiche) getroffen habe die Gutes über Magufuli berichteten.

Es grüsst
Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
908 Beiträge · seit 201721. März 2021 ·
Liebe Rehema,

gut, dass du dich nicht entmutigen lässt ! Deine Beiträge lese ich mit großem Interesse, deine Statements sind für mich schlüssig und treffen fast immer meine eigene Betrachtungsweise. Bitte halte uns weiter auf dem Laufenden, TZ steht auch bei uns ganz oben auf der Bucket List.

Danke dafür !
Liebe Grüße Makra
Themenstarter546 Beiträge · seit 201822. März 2021 ·
 
Ich habe vieles im Kopf, was ich hier gerne mit Euch teilen und beleuchten möchte. Aber ich merke gerade, dass ich erst noch anderes voraus schieben muss.

Mein Kopf ist nämlich gerade mal wieder SEHR rund 😄 .
(Ich erinnere an das Zitat: "Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können")
Das ist manchmal gut – und manchmal weniger gut.
Manchmal führt das dazu, dass die Gedanken Achterbahn fahren 🤨 , und dann wird mir mitunter schwindlig bei! 🤢
Manchmal führt es sogar zu recht ernsthaften Knoten, die sich kaum noch lösen lassen! 🙄
Hin und wieder führt es aber auch zu neuen Freiheiten! 😏 🤩

Ich danke Euch für Eure ermunternden Worte!
Manches jedoch ist mir schon fast ein wenig ZU gewogen. Karsten, ich danke Dir! Dennoch weiß ich gar nicht, ob ich TZ viel besser kenne – ich kenne es vielleicht nur ANDERS! Ich kenne es aus MEINEM Blickwinkel. Und der ist weder überlegen, noch vollkommener.
Aber mir geht es darum, dass wir nicht nur bei einem Blickwinkel stehen bleiben. Und dazu brauchen wir einander.
Ich bitte Dich also AUSDRÜCKLICH, Dich hier einzumischen! 😉

Mich treibt das schon um – unsere Denkweisen, und unsere Bewertungen. Mein Mann und ich reden da oft drüber (und auch mit anderen Expats wälzen wir diese Themen immer und immer wieder, aus alltäglichen Anlässen).
Manchmal haben wir dieses Land und seine Leute SO SATT! Und den ganzen Kontinent auch! Die Einstellungen, die Ethik (oder gar nicht vorhandene Ethik? – wie unser westliches Verständnis oft schnell urteilen mag…).
Wir sind beide Ärzte, und es tut schon mächtig weh, was man in Krankenhäusern auf diesem Kontinent so ständig miterleben muss! Und ich meine nicht etwa wie schlecht es den Menschen geht – sondern wie wenig das die eigenen Landleute, noch weniger die eigenen Ärzte und Schwestern interessiert! Ethik? Von wegen. Den Anderen im Blick haben? Weit gefehlt! Ein Schulterzucken für einen Leidenden scheint noch zu viel zu sein….

Dann aber wieder da hinaus treten, aus dieser Wahrnehmung. Zuhören. Hin fühlen. Etwas anzufangen zu denken, was wir eigentlich nicht denken können. Und plötzlich erahnen, dass es ja noch ganz anders sein kann….?

Uns ist oft gar nicht bewußt, wie unser Denken und Fühlen geprägt ist.
Ich erlebe hier selbst schon immer wieder einen Unterschied zwischen meinem Mann und mir, gerade im Bezug auf Wahrnehmung und Urteil was "Afrikanisches" anbelangt. Ich habe meine Teenager Jahre in Kenia verbracht (Ja, eigentlich ist Kenia das Land meines Herzens, und nicht Tansania). Und bin manchmal selber erstaunt, wie das geprägt hat.
Mein Mann war mit knapp 20 zum ersten mal in Kenia. Gemeinsam länger gelebt in diesen Ländern haben wir erst viel später.

Ein Erlebnis in Malawi hat mir das so deutlich vor Augen gemalt, an was wir uns alles unbewußt gewöhnen können:
Präsident Peter Mutharika fuhr mal wieder mit seinem Tross durch Blantyre. Das hatte immer zur Folge, dass die gesamt Stadt gesperrt wurde. Polizeiaufgebot überall, alle Autos standen still, gerade da, wo man sich in jenem Augenblick befand – das konnte bis zu 2 Stunden dauern!
Nein, lustig fand auch ICH das nicht. Aber so war es halt – dann sitzt man das eben aus!
Aber mein Mann – der ereiferte sich ohne Ende! Was das soll? Das sollte sich Merkel mal leisten, wenn sie durch Berlin fährt!
ALLE anderen müssen stille stehen? Stundenlang?
Seine Argumente konnte ich zwar verstehen, aber es stieß mir irgendwie gar nicht komisch auf.

Und ich erinnerte mich daran, dass das schon in Kenia so gewesen war: Wenn Moi vorbei kam, dann hatte man unverzüglich am Straßenrand anzuhalten! Unverzüglich!!!! Denn sonst…würden sie schießen! So erzählte man… Ein zehnjähriges Mädchen braucht sowas nicht oft zu hören. Das brennt sich ein. Das formt Reflexe.
Ich weiß gar nicht, ob es stimmt, dass sie geschossen hätten. Aber ich weiß, dass als wir einmal zwischen Nyeri und Nyahururu fuhren, und Präsident Moi mit Gefolge hinter uns auftauchte, und mein Vater nicht sofort an den Straßenrand fuhr, ich panisch rief: „Papa, halt SOFORT an! Die schießen sonst!“
In so einem Augenblick geht es nicht darum, ob das nun richtig oder falsch ist, falls sie schießen. Es IST einfach so, dass man anhält! Um seinen eigenen Kopf zu retten!

Ich weiß nicht, ob Ihr verstehen könnt, was ich sagen will. Vielleicht ist Euch das zu wirr. 🙄 🤨
Mir wurde jedenfalls damals in Blantyre so bewußt, wie solche Dinge prägen. Wie es auch unsere Reaktionen formt. Und zwar AUCH, wenn wir von unserer inneren Überzeugung eigentlich anders denken. Etwas anderes für angebrachter halten.
Natürlich finde ich das nicht im Verhältnis – aber so ist das hier nun einmal. So war das schon immer, wenn die afrikanischen Präsidenten vorbei fahren. Ich hatte es nie anders erlebt! Warum sollte ich mich darüber aufregen?

Und ich fragte mich: wenn das schon für MICH so war, die ich im Denken extrem Deutsch, kritisch, mit hoher Sozialethik und Verantwortungsbewußtsein erzogen wurde – wie ist manches dann für die Afrikaner, die nur DAS hier kennen?
Kann ich es ihnen wirklich vorwerfen, wenn sie so ganz anders empfinden, bewerten – und handeln???
Sie haben etwas völlig anderes kennen gelernt. Von klein auf.
Wer will hier urteilen?

Das begleitet uns immer wieder. Mal können wir gut damit umgehen. Manchmal gar nicht.
Das mal vorneweg. Falls ich mal wieder irgendwann „zu positiv“ rüberkommen sollte….

Rehema
Gelebt in Malawi, Tanzania und Kenya Reiseberichte: Botswana April 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/295264-botswanas-beasts-beauty-im-april.html Malawi 2015-2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/154-diverses/297418-kleinode-in-malawi.html Tanzania - Tarangire April 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299356-tansania-pulsiert-trotz-corona.html?start=0
zuletzt bearbeitet 22. März 2021
321 Beiträge · seit 202122. März 2021 ·
Auch ich erlaube mir den Umzug ins passendere Thema:
Mit Palamagamba Kabudi fiel ein Name, den man sich merken sollte. Möglicherweise der starke Mann hinter der Präsidentin. Er promovierte übrigens in Berlin an der FU - und spricht womöglich deutsch?
Interessant finde ich ob SSH auch Parteichefin wird (denn das ist in TZ der einflussreichste Posten) bzw. wer tatsächlich im Hintergrund die Fäden zieht. Die nächsten Monate werden es zeigen. Die tansanische Gesellschaft ist die mit Abstand konservativste und am meisten patriarchalische in Ostafrika (schon anders in Ruanda oder in Uganda). Ich kann mir nicht vorstellen dass sie einer Frau an der Spitze mit soviel Respekt und Demut zu folgen bereit sind wie das bei den Vorgängern der Fall war. Wenn sie clever ist, verkauft sie ihre fehlende Autorität dem Ausland als "Demokratisierung"
Bereiste Länder: Marokko, Algerien, Tunesien, Niger, Mali, Burkina Faso, Senegal, Gambia, Elfenbeinküste, Ghana, Ägypten, Äthiopien, Kenya, Uganda, Tanzania, Zambia, Zimbabwe, Botswana, Namibia, Südafrika, Lesotho, Eswatini, Oman, Mosambik, Seychelles, Mauritius, La Reunion, Syrien, Thailand, Russland, Brasilien, Argentinien, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Spanien, Portugal, Frankreich, Italien
6’415 Beiträge · seit 201122. März 2021 ·
Hoi Rehema

Schön dass Du Dich nicht entmutigen lässt, was vielleicht auch eine Folge Deiner Afrikaerfahrung ist.
Ich lese sehr gerne Deine Beiträge, da Du eine andere Einstellung zu Afrika und Afrikanern hast als viele hier.
Eine Einstellung, die mehr dem entspricht was ich selbst in Afrika erlebt und gelernt habe.
Auch wenn ich nicht zwingend dieselben Resultate sehe wie Du, aber man muss ja nicht derselben Meinung (Auch wenn ich den meisten Deiner Ausführungen zustimmen kann) sein um jemanden zu schätzen.
Weiter so!
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
321 Beiträge · seit 202122. März 2021 ·
Wer seine Sicht auf TZ mit einer monatlichen Presseschau erweitern möchte, findet in "Tansania Information" von Mission EineWelt Hilfe: www.tansania-information.de bei www.mission-einewelt.de . Man bekommt es auf Wunsch auch kostenlos in Papierform geschickt. Einfach email an africa@mission-einewelt.de . Es sind zusammengefasste und ins Deutsche übersetzte Meldungen aus: The Conversation, The Citizen, Daily News, The East African, The Guardian, Habari Leo, Mtazania, Mwananchi, Mwanahalisi, Nipashe, Thomson Reuters und anderen Zeitungen und Internet-Nachrichtendiensten.
Viele interessante Daten zu Politik, Wirtschaft (auch Naturschutz & Tourismus) und Gesellschaft, Pressefreiheit und Rechtsfragen. Bei den Zahlen muss man öfter mal selbst korrigieren oder sie als unbrauchbar verwerfen - die landesübliche Mathe-Schwäche (z.B. bei Prozentrechnung) spiegelt sich natürlich auch in den Medien wieder 😎 . Wer selbst einigermaßen sattelfest in den Grundrechenarten ist, erkennt aber Absurditäten wie fehlende Nullen (oder auch zuviel davon) ganz gut.
Mit Magufuli wurde differenziert umgegangen. Neben zahlreichen Belegen für seine unzweifelhaften Erfolge beim "Ausmisten eines korrupten Sumpfs - Matope mengi sana 😮 " spiegelt sich auch viel Kritik an seiner Auffassung von Meinungsfreiheit und am "Corona-Management".
Bereiste Länder: Marokko, Algerien, Tunesien, Niger, Mali, Burkina Faso, Senegal, Gambia, Elfenbeinküste, Ghana, Ägypten, Äthiopien, Kenya, Uganda, Tanzania, Zambia, Zimbabwe, Botswana, Namibia, Südafrika, Lesotho, Eswatini, Oman, Mosambik, Seychelles, Mauritius, La Reunion, Syrien, Thailand, Russland, Brasilien, Argentinien, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Spanien, Portugal, Frankreich, Italien
zuletzt bearbeitet 22. März 2021
321 Beiträge · seit 202122. März 2021 ·
Lasst mich auch etwas persönliches hinzufügen. In den 90ern habe ich vor allem das wunderschöne Land und die freundlichen, sehr höflich und bescheiden wirkendenden Menschen gesehen. In den letzten 15 Jahren hat sich mein Blick doch sehr ins Ambivalente gewandelt. Neid, Habgier und Korruption haben (als zwangsläufige Folge der kapitalistischen Entwicklung?) die unter Nyerere etablierte "Ujamaa-Mentalität" weitestgehend abgelöst. So wie in den Nachbarländern werden auch in TZ Menschen für ein Notebook in Stücke gehackt, Babys von überforderten Müttern in Dornbüsche "entsorgt" und viele denken und leben nach der Devise "wenn alle nehmen - warum soll ich nicht nehmen? Nur die Doofen sind genügsam". Eine idealistische Bekannte von mir hat sich um einen guten Teil ihrer Altersvorsorge bringen lassen, bei dem Versuch Betreuung und Schulunterricht für schwierige Jugendliche in einer ländlichen Region auf die Beine zu stellen. Nachdem sie finanziell ausgeplündert war, wurde sie von Behörden und Teilen der lokalen Bevölkerung weggemobbt um ihr nicht bewegliches Eigentum beschlagnahmen zu können. Sie musste einsehen, dass die Alten (die traditionellen Autoritäten) nicht unbedingt wollen, dass die Jüngeren klüger werden als sie es selbst sind ... dies wurde schon sehr anschaulich in dem bekannten Film "Out of Africa" thematisiert.
Anfangs hochmotivierte, selbstlose "Helferinnen" wurden investigativ um z.B. "Orphanages" als rein kommerzielle Business von Familien zu enttarnen, deren Söhne mit den Einnahmen ihren Ski-Urlaub in der Schweiz finanzieren oder die Dubai-Shopping Tour der Bibi möglich machen. Natürlich ist schon der Versuch solche Einkommensquellen "trockenzulegen" für die Akteure lebensgefährlich. Einheimische (Wananchi) zucken mit den Schultern und vertreten üblicherweise die Auffassung "was mischt sich die Mzungu da auch ein. Selbst schuld wenn ihr Haus abbrennt".
Für fragwürdig erworbenen Reichtum schämt sich niemand mehr - Neureiche gelten pauschal als erfolgreich und werden bewundert. Da ich die Landessprache einigermaßen beherrsche hatte ich viele, z.T. auch vertrauenvolle Gespräche mit Tansaniern und übrigens auch mit befreundeten Expats. Von denen hatte spätestens nach 2 Jahren niemand mehr Illusionen ...
Besonders verstörend fand ich, dass sich ein befreundeter Tansanier den ich als zuverlässig, korrekt, solidarisch, hilfreich und großzügig über viele Jahre kennengelernt hatte schließlich als Dieb, Erpresser und gegenüber seinen Untergebenen sexuell höchst übergriffig (um es mal milde auszudrücken) entpuppte 😮
Bereiste Länder: Marokko, Algerien, Tunesien, Niger, Mali, Burkina Faso, Senegal, Gambia, Elfenbeinküste, Ghana, Ägypten, Äthiopien, Kenya, Uganda, Tanzania, Zambia, Zimbabwe, Botswana, Namibia, Südafrika, Lesotho, Eswatini, Oman, Mosambik, Seychelles, Mauritius, La Reunion, Syrien, Thailand, Russland, Brasilien, Argentinien, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Spanien, Portugal, Frankreich, Italien
zuletzt bearbeitet 22. März 2021
537 Beiträge · seit 202022. März 2021 ·
Rehema schrieb: 
Manchmal haben wir dieses Land und seine Leute SO SATT! Und den ganzen Kontinent auch! Die Einstellungen, die Ethik (oder gar nicht vorhandene Ethik? – wie unser westliches Verständnis oft schnell urteilen mag…).
Wir sind beide Ärzte, und es tut schon mächtig weh, was man in Krankenhäusern auf diesem Kontinent so ständig miterleben muss! Und ich meine nicht etwa wie schlecht es den Menschen geht – sondern wie wenig das die eigenen Landleute, noch weniger die eigenen Ärzte und Schwestern interessiert! Ethik? Von wegen. Den Anderen im Blick haben? Weit gefehlt! Ein Schulterzucken für einen Leidenden scheint noch zu viel zu sein….
Das kann ich gut verstehen - so geht es mir/uns auch immer wieder mal nach fast 15 Jahren Namibia.
Bei uns ist es mein Mann, der die Gegebenheiten so hinnimmt wie sich sich hier nunmal darstellen (man kann es ja nicht aendern), und ich diejenige die sich zu manchen Zeiten uebelst aufregen kann (was aber immer seltener passiert, denn: man kann es ja nicht aendern). Und, wie du auch schon richtig festgestellt hast: wer will hier urteilen?

Es urteilen halt die, die nur mal auf Besuch kommen und ansonsten alles glauben, was die Presse so schreibt. Aus dem Grund war ich schonmal raus aus dem Forum - und ich bin nur wegen dir wieder hier, weil du die Dinge differenziert siehst, aus den gleichen Erfahrungen heraus wie wir sie tagtaeglich hier auf diesem Kontinent machen.
Rehema schrieb:Das begleitet uns immer wieder. Mal können wir gut damit umgehen. Manchmal gar nicht.
Ich moechte hinzufuegen, dass wir die allermeiste Zeit gut damit umgehen koennen. Es gibt ja auch immer noch Unterschiede zwischen Ostafrika und Namibia - hier laeuft vieles nicht ganz so krass ab.

Heute habe ich ein Interview auf Youtube gesehen zum Tod von Praesident Magufuli. War sehr interessant und auch mit Respekt vor der anderen Kultur. Dort wurde gesagt, dass er jemand war, der mehr auf Eigensouveraenitaet eines Staates gesetzt hat. Ein Mann aus dem Volk, der auf einer Farm grossgeworden ist und darum von sehr vielen seiner Landsleute Unterstuetzung bekam als ihr Staatsoberhaupt. Er wollte die Rohstoffe seines Landes lieber im eigenen Land verarbeiten lassen und somit den Gewinn, den sonst andere Staaten fuer sich beansprucht haetten, in die tansanische Staatskasse fliessen lassen. Das war natuerlich denen, die sonst absahnen allein schon ein Dorn im Auge. Der Oppositionsfuehrer wuerde wohl lieber den neoliberalen Weg gehen - den lehne ich persoenlich auch ab, schon allein deshalb waere ich mehr auf der Seite Magufulis gewesen.
Die Dinge sind oftmals komplizierter als man es sich vorstellen kann.
761 Beiträge · seit 201023. März 2021 ·
Hallo, Antje,

ich hatte Deine Berichte über Malawi mit Begeisterung gelesen, und mich auch sehr darüber gefreut, dass Ihr es geschafft habt, wieder in Afrika arbeiten zu können.

Deine Art, Potentaten zu sehen das verstehe ich nun ein wenig mehr. 😉

Ich muss immer nicht Deiner Meinung sein. Interessant ist ein anderer Blickwinkel immer!

Was das ~ ungewöhnliche~ Verhalten von Tansanias Ex angeht .. viel Beten hilft viel...

wir hatten gestern einen Flyer von Bruderhand im Briefkasten.....

>>>> das schlimmste Virus ist die Sünde!! Man sollte jeden Tag in der Bibel lesen, da wird man von Sünde quasi befreit. Gott kann das. <<<

Nunja.

Gruß Doro
~ Africa is a feeling ~
Gast23. März 2021 ·
Die Hinweise auf Bergbau und Rohstoffe und Änderungen der Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmungen haben mich neugierig gemacht. Folgend erscheint mir eine kompakte und seriöse Zusammenfassungen der Rechtslage bzw. deren Änderungen.
Die TZ-Kenner werden das schon wissen, aber vielleicht interessiert es Andere
https://www.miningreview.com/gold/mining-sector-reform-in-tanzania-the-good-the-bad-and-the-ugly/

Außerdem
https://www.trade.gov/country-commercial-guides/tanzania-mining
Themenstarter546 Beiträge · seit 201823. März 2021 ·
Ich danke Euch allen für Eure bereichernden Beiträge!

Hier stelle ich nun mal einige "Nachrufe" zu Magufuli ein. Wobei ich sagen muss, dass ich es äußerst dürftig fand, was sich so als "Nachruf" finden läßt.
Nicht alles davon spiegelt meine Meinung weiter - ich möchte nur mal einige Anregungen geben, wie man ihn betrachten kann.

Sehr treffend ist vermutlich Nic Cheeseman's Aussage:
"Magufuli’s legacy is complicated.”

https://www.businesslive.co.za/bd/opinion/2021-03-19-obituary-john-magufuli-leaves-tanzania-in-good-shape-economically/
Auszug:
"To call him controversial would be an understatement. There are few ho hum opinions in conversations about who Magufuli was and what he meant. There were a number of instances where Western media outlets referred to him as the Donald Trump of Africa. This despite no evidence that he enriched himself at the expense of the state or that he tolerated corruption at any level. He also took a lot of heat for his response to the Covid-19 crisis."

https://www.washingtonpost.com/local/obituaries/tanzania-president-dead/2021/03/17/8e090fca-820b-11eb-9ca6-54e187ee4939_story.html

https://www.bbc.com/news/world-africa-56437852

https://www.voanews.com/africa/mixed-emotions-over-death-controversial-tanzanian-leader
Auszüge:
Ghana-based Sarfo Abebrese, founding president of the Coalition of Supporters Unions of Africa, which promotes African cooperation, said Magufuli’s reach extended across the continent.
“It is not just the citizens of Tanzania that he ruled over,” he said. “We all received the news with a lot of sadness, especially because we all knew him as a great son of the continent of Africa. And you know, he is one of the few leaders that believed in his continent's abilities, despised and acted against corruption, and chose to be a true African statesman.”
“Nic Cheeseman, professor of democracy at the University of Birmingham in Britain, said Magufuli’s legacy is complicated.”


https://www.aa.com.tr/en/africa/africa-mourns-tanzanian-president-s-demise/2180754
Auszug:
African Union Chairperson Moussa Faki Mahamat said “Africa has lost a champion of regional cooperation in the East African region and a committed Pan Africanist leader.”

https://www.aa.com.tr/en/africa/african-leaders-pay-last-respects-to-late-magufuli/2184457
Auszüge:
South African President Cyril Ramaphosa said in his tribute at the funeral:
“With the death of President Magufuli, we have lost a true Pan-Africanist, a president who was unapologetic about being an African,” he said, adding Magufuli was not a great traveler, and he preferred to stay in his country and address problems faced by his fellow countrymen.

Samia Suluhu Hassan:
She shrugged off critics who think a lady cannot govern a country. “To those who have doubts if a lady will manage to govern Tanzania – I want to assure you that the one standing here is a president.”
Hassan praised Magufuli for fighting corruption and striving to develop Tanzania. “We shall remember him for all the good he has done for our nation; we shall remember him forever for his contribution to this nation.”


Wenn man mal ausführlich und quer durch die Medien sucht, fällt mir zumindest auf, dass der Westen generell Negatives zu sagen hat, und positivere Stimmen wenn dann noch vom afrikanischen Kontinent kommen.
Meiner Ansicht nach sollte das zumindest mal nachdenklich stimmen. Ob die westliche Sicht nicht evtl. einseitig ist…

Liebe Grüße,
Rehema
Gelebt in Malawi, Tanzania und Kenya Reiseberichte: Botswana April 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/295264-botswanas-beasts-beauty-im-april.html Malawi 2015-2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/154-diverses/297418-kleinode-in-malawi.html Tanzania - Tarangire April 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299356-tansania-pulsiert-trotz-corona.html?start=0
2’862 Beiträge · seit 201123. März 2021 ·
Hallo Rehema,

also mich stimmt nachdenklich, wenn ein Land bzw. der Regierungschef sich entscheidet - in einer Pandemie - keinerlei Zahlen zu Infektionen, Todesfällen, seit dem 5.Mai 2020 zu veröffentlichen.
Die Menschen im eigenen Land und ggf. Touristen im Glauben lässt, es gäbe kein Corona in Tanzania.

Aber ich sehe es eben nur aus meiner, der europäischen, Sicht.

Viele Grüße
Strelitzie
Gast23. März 2021 ·
Jetzt wurde ein eigenes Thema eröffnet, um das unerwünschte Corona-Grundsatzthema von TZ und Magufuli zu entflechten, um über die aktuelle Entwicklung in TZ zu informieren und zu diskutieren, und jetzt fängt das schon wieder an. Wozu bitte und cui bono?
Wenn es nur darum geht, dass Magufulis Einschätzung von COVID eine Fehlleistung und –einschätzung war, dann hat sich das mittlerweile (sogar physisch) erledigt und ist und wäre sowieso rasch abgehakt (also für mich zumindest). Wenn Magufulis Coronaleugnung aber sowieso nur dafür herhalten soll um wieder einmal zu „beweisen“ wie deppert, unehrlich und verantwortungslos "die Afrikaner" sind, dann wäre das hier eindeutig OT und die Proponenten sollten zu dieser Problematik ein eigens Thema eröffnen. Interesse und Zuspruch werden groß sein.
zuletzt bearbeitet 23. März 2021
Themenstarter546 Beiträge · seit 201823. März 2021 ·
@Lugawe übrigens:
Deine Beobachtungen zum Gesellschaftswandel in TZ und deine Ambivalenz teile ich übrigens VOLL!
Ähnliches gilt m.E. nicht nur für TZ, sondern auch für andren afrikanischen Ländern.

Wobei man sagen muss, dass sich auch in Europa die Werte und die Gesellschaft in den letzten 40 Jahren verschoben haben....
Nichts ist so beständig wie der Wandel 😉

Höre gerne mehr von Dir hier!
Rehema
Gelebt in Malawi, Tanzania und Kenya Reiseberichte: Botswana April 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/295264-botswanas-beasts-beauty-im-april.html Malawi 2015-2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/154-diverses/297418-kleinode-in-malawi.html Tanzania - Tarangire April 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299356-tansania-pulsiert-trotz-corona.html?start=0
Themenstarter546 Beiträge · seit 201823. März 2021 ·
Danke, loser.

Das Risiko, in TZ an einem Verkehrsunfall zu sterben, ist gewiss immer noch um ein vielfaches höher, als an Corona zu versterben. Erst diesen Sonntag wieder zwischen Moshi und Arusha an einem üblen Unfall vorbei gefahren. Zwei Laster und ein DallaDalla. Nur 3 der Insassen haben überlebt.
Ich bin diese Strecke noch nie gefahren, ohne nicht mindestens eins dieser "Hallelujah-Erlebnisse" gehabt zu haben, dass man bei diesen irrigen Überholmanövern noch nicht Matsche ist!
Schöne Grüße aus dem tanzanischen Alltag an Strelitzie,
Rehema
Gelebt in Malawi, Tanzania und Kenya Reiseberichte: Botswana April 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/295264-botswanas-beasts-beauty-im-april.html Malawi 2015-2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/154-diverses/297418-kleinode-in-malawi.html Tanzania - Tarangire April 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299356-tansania-pulsiert-trotz-corona.html?start=0
Themenstarter546 Beiträge · seit 201823. März 2021 ·
Auch wenn ich nicht weiß, ob mitglied19210 hier noch mit liest, so möchte ich mich jedenfalls nicht darum drücken, auf Deinen Beitrag von dem anderen thread einzugehen ("Coronavirus in Tansania aktuell Seite 26").
Darin stelltest Du die Frage:
"Was lässt sich denn Positives über Magufuli sagen? Sein angeblich so kraftvolles Vorgehen gegen Korruption war nicht nur aber doch viel leere Rhetorik. Im Korruptionsindex..." Und ergießt Dich dann in vielen diversen Länder Indizes.

Hier mal ein paar Dinge angerissen:

Magufuli1.jpeg


Magufuli2.jpeg


Magufuli3.jpeg


Magufuli4.jpeg


Auch diese Dinge sind selbstverständlich nicht alle "diskussionsfrei". Ob z.B: der Staudamm im Selous Game Reserve eine gute Sache war, darüber läßt sich mindestens so viel streiten, wie über Magufuli selbst....

Zur Korruption muss ich sagen, dass das eben NICHT nur leere Worte waren. Da hat er tatsächlich vieles nachhaltig verändert - zum Besseren.
Egal, was welche Indizes sagen.

Ich halte diese diversen "Ranglisten-Indizes" durchaus für probate Mittel, um einigen Dingen etwas auf die Spur zu kommen.
Ich halte sie aber für völlig unzureichend, damit komplexe Realitäten darzustellen.

Es ist immer schön, wenn man Dinge in klar umrissene Boxen packen kann.
Ich kann das nachvollziehen.
Ich liebe IKEA-Ordnungssysteme - mit seinen vielen ordentlichen Boxen und Fächern. Da ist alles schön sortiert.
Das funktioniert für meinen Kleiderschrank, und für sonst noch paar Dinge in unserem familiären Alltagsleben - aber sicher nicht mehr für komplexe Gesellschaften.

Die verschiedenen Indizes berücksichtigen oft gute sinnvolle Parameter. Aber eben auch nur ein paar. Mit solchen Parametern alleine eine „Rangliste“ der Länder der Welt zu erstellen, kann meiner Ansicht nach allenfalls eine richtungsweisende Hilfe sein. Nicht aber ganze Länder einsortieren.

Egal was der Korruptionsindex sagen mag – für ganz viele alltägliche Dinge hier in TZ hat Magufuli die Korruption erheblich gemindert.
Das zeigt sich an ganz vielen online Systemen (Krankenhaus, Verkehrsverstöße, Permits u.v.m.), die nun nicht mehr von einzelnen, lokalen officern umschifft werden können.
Es hilft nicht mehr, wenn man „eine gute Beziehung zu diesem oder jenem“ hat, und ein paar Scheinchen über den Tisch wandern läßt – denn der kann das System nicht überlisten.

Selbstverständlich gibt es immer noch Wege zur Bestechung – aber die gibt es überall. Alle Systeme haben Schlupflöcher. Auch in Deutschland. Maskenskandal, Steuerhinterziehungen (Höneß), Dieselskandal… alles schon vergessen? Kommt nur in Afrika vor, gell? Bei den bösen, afrikanischen Schuften!

Wir haben uns, seit Magufuli an der Macht war, immer wieder mit sehr vielen lokalen Leuten unterhalten, um zu hören, wie sie die politischen Veränderungen denn wahrnehmen. Ja, da war Skepsis, aber in der Summe sagten die meisten: er schafft Ordnung!
Er arbeitet selber. Er bereichert sich nicht. Er hat teure Regierungssitzungen in Hotels abgeschafft, sagte, dazu haben wir unsere Regierungsgebäude, wir brauchen das Geld nicht in Hotels zum Fenster raus schmeißen!
Er hat faule Leute am Arbeitsplatz überrascht und entlassen – natürlich sorgte das auch für Angst.
Ein Taxifahrer in Dar Es Salaam sagte dazu aber deutlich: Wer ordentlich arbeitet, braucht keine Angst zu haben. Es sind die verschwenderischen Big Shots, die sich fürchten müssen!

Er hat die Infrastruktur immens voran gebracht – bereits vor seinem Präsidentensein als Verkehrsminister, und als Präsident weiter fortgeführt. Das ganze Land profitiert davon!
Endlich sind die Hauptachsen (z.B. Arusha-Dodoma-Iringa) geteert – und viele andere große Verbindungen auch. Der Personenzug zwischen Dar Es Salaam und Moshi/Arusha fährt nach ewiger Vernachlässigung wieder! Das sind nur ein paar Beispiele.

Er war passioniert, dass „wir Afrikaner“ selber können! An manchen Stellen vielleicht überpassioniert, realitätsfern. Leider hat er auch unbedachte Schnellschüsse hingelegt (Wollte die eigene Wirtschaft unterstützen, verbannte dann plötzlich Import von Produkten, wie Milch u.a., aber bevor die eigene Produktion da war – das gab natürlich Engpässe…).
Aber er wollte sich aus der Abhängigkeit vom Westen heraus begeben. Eine Grundeinstellung, die ich begrüße, auch wenn ich deshalb nicht alles, was er tat, für richtig halte.

So passioniert wie er war, schoß er klar an vielen Stellen übers Ziel hinaus!
Er brachte Ordnung in die Steuerzahlungen – aber hat damit ganz viele Selbständige in den Konkurs getrieben. Auch solche, die redlich waren. Nicht lustig. Nicht hilfreich.
Dennoch: sagte mir erst dieser Tage ein Expat aus dem Tourismus (und die haben alle viel, viel Geld verloren an den Staat!):
„Ja, er hat der TRA (Tanzania Revenue Authority) quasi einen Freischein gegeben, uns Selbständige unendlich zu melken – andrerseits haben wir seit dem erstmals eine fairen Wettbewerb, ausländische Investoren, und einheimische! Denn es ging allen gleichermaßen an den Kragen! Und die meisten Einheimischen hatten bis dahin die Steuerzahlungen schön umschifft! Das können sie jetzt nicht mehr – und es ist fairer für uns alle geworden!“

Er war Sozialist – und das auch in meinen Augen zu sehr. Verstaatlichung war eine klare Richtung, die immer deutlicher erkennbar wurde. Wir beobachteten das mit Sorge. Er baute neben privaten Krankenhäusern (die immerhin noch ein wenig funktionieren) staatliche, und strich die eigentlich vereinbarten Public-Private-Partnership-Unterstützungen für private Krankenhäuser. Die privaten sollen ausbluten… Ich halte davon nichts.

Er war extrem skeptisch dem Westen und seinen Interessen gegenüber – und ich gebe ihm da Recht.
Wer immer noch glaubt, dass ganz viele Organisationen und Staaten “für Afrika“ nur gönnerhaft das Beste wollen, lese mal das Buch „The State of Africa“ von Martin Meredith. Oder einfach auch nur mal ein wenig „Peter Scholl-Latour“…
Gleichzeitig war er Rassist – extrem gegen Weiße, in einer Form, wie auch ich es nicht mehr ausgeglichen sondern weit jenseits von angebracht halte.

Seine Aktion gegen Schulmädchen, dass sie wenn schwanger nicht mehr in die Schule gehen dürfen, lehne auch ich ab.

Ebenso wie seine zunehmende diktatorische Art, und seine zuletzt auch um die Wahlen herum verstärkt kriminellen Handlungen, sich Oppositioneller zu entledigen.
Ich kann verstehen, wenn jemand sagt: „Das ist für mich SO ein ROTES TUCH – das geht GAR NICHT – damit ist er für mich unten durch“.

Für mich bleibt dennoch mehr Spannung zwischen Positiv und Negativ bestehen.
Er hatte eine Vision - FÜR seine Land, FÜR Seine Leute! Und vieles davon hat er umgesetzt!
Er hat etwas gewagt, und war sich nicht zu fein, gegen den Wind zu gehen und Kritik einzustecken!
Er blies nicht ins selbe Horn wie alle anderen, und nickte nicht nur brav mit dem Kopf (um noch ein paar Hilfsgelder mehr einzustreichen…), wenn irgendwelche „Weltenherrscher“ meinten, zu wissen, was für wen alles gut sei.

Magufuli – verehrt und verhaßt! Und beides zurecht!
Das ist meine Zusammenfassung.

Rehema
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