FGM - eine millionenfache Menschenrechtsverletzung

41 Antworten · 15,8k Aufrufe · gestartet 17. Juni 2016 von Mzeekenya
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Themenstarter527 Beiträge · seit 201317. Juni 2016 · #1
Rebecca, eine grosse Kämpferin für die Rechte der Frauen
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zuletzt bearbeitet 14. März 2017
4'129 Beiträge · seit 200817. Juni 2016 · #2
Selbstverständlich ist das ein Thema, auf das man auch in einem Reiseforum den Focus legen kann!

Denn ist es nie gut, die Augen und das Gehirn davor zu verschließen, was einen beim Reisen so an Unglück umgibt, - auch wenn man es nicht direkt mitkriegt.
Erst wenn man "intimen" Zugang zu Frauengruppen hat, erfährt man davon, aber dafür braucht man Zeit, - die nimmt sich kaum jemand.

Es ist eine Schande, das pure Mittelalter - und sehr schlimm ist auch, dass es die alten Matriarchinnen sind, die den "Daumen" drauf haben und Druck auf die nächsten Generationen ausüben.

In dieser Angelegenheit war Rüdiger Nehberg im arabischen Raum sehr erfolgreich aktiv!
https://www.target-nehberg.de

Seine Organisation ist sehr unterstüzenswert!
Sie machen auch Aufklärung an deutschen Schulen - was sogar leider nötig ist...
denn die Einstellung wird natürlich auch bis nach Europa getragen, - da sind offene Worte sehr wichtig!

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 17. Juni 2016
131 Beiträge · seit 201517. Juni 2016 · #3
Wichtiges Thema, in unserer Gesellschaft weitgehend unbekannt, Danke dafür!

Und in keinster Weise zu beschönigen, zementiert es doch auf ein Neues,
dass der Homo Sapiens nicht die Spitze der Evolution darstellt, sondern nur ein Auswuchs dieser ist, der über kurz oder lang korrigiert werden wird! Dieser Planet benötigt den Menschen nicht! (er ihn schon!)
Und dass Männer, die sich diesen ganzen Mist wie FGM, Kriege, Religionen, Vergewaltigungen, Terror "ausdenken"
sich dann für die absolute "Spitze" dieser Evolution halten liegt auf der Hand!
zuletzt bearbeitet 17. Juni 2016
Themenstarter527 Beiträge · seit 201317. Juni 2016 · #4
Mzee
zuletzt bearbeitet 14. März 2017
Themenstarter527 Beiträge · seit 201317. Juni 2016 · #5
KoiAhnung schrieb:Wichtiges Thema, in unserer Gesellschaft weitgehend unbekannt, Danke dafür!
zuletzt bearbeitet 14. März 2017
1'737 Beiträge · seit 201017. Juni 2016 · #6
Lieber Willi

Ich möchte mich ganz herzlich bei Dir bedanken, dass Du dieses Thema in so sachlicher, doch tief bewegenden Art und Weise hier dargestellt hast. Für mich gehört es einfach zu Afrika dazu, wie wilde Tiere und Landschaften. Es gehört in ein Forum über Afrika. Niemand sollte für so sensible Themen die Augen verschliessen, der meint, Afrika zu lieben.

Auch mir war bis vergangenes Jahr nicht klar, wie weit diese furchtbare und sinnlose Verstümmelung der Frauen heute in Afrika verbreitet ist.
Die UNICEF glaubt, dass FGM im Laufe einer Generation aussterben wird.
Es wäre jedem Mädchen auf dieser Welt zu wünschen, doch fehlt mir der Glaube, dass FGM in so kurzer Zeit für immer der Vergangenheit angehören wird.

Es wird immer von alter Tradition und kulturellem Erbe gewisser Volks- oder Religionsgruppen gesprochen. Ich möchte hierzu eine wahre Episode kurz erzählen.

In Somalia ist heute annähernd jede Frau verstümmelt. Das war in der Vergangenheit nicht so. Ich kenne eine Somalierin, die nunmehr seit über 20 Jahren in Deutschland lebt, recht gut. Eines Tages hat sie mir von Ihren eigenen leidvollen Erfahrungen durch FGM, welche sie ihr ganzes Leben bis heute begleitet, erzählt, Ihren gesundheitlichen Problemen und dass sie die Geburt ihres ersten Kindes, damals noch in Kenya, fast mit dem Leben bezahlt hätte. Weder ihre Mutter noch ihre Grossmutter waren beschnitten. Ihre Mutter hatte sich fanatischen Islamisten zu gewand, die Ihr die Beschneidung Ihrer Töchter eintrichterten. Ihr Vater war dagegen. Die Mutter war bei der Geburt ihres ersten Kindes dabei und musste mit ansehen, wie ihre eigene Tochter so sehr zu leiden hatte. Sie wurde von ihrer Tochter immer wieder gefragt, warum sie ihr das angetan hatte. Es gab keine Antwort auf das warum. Die Mutter hat bis zu ihrem Tot ihre Tochter immer wieder um Verzeihung gebeten.

Ich konnte sie nach ihren Schilderungen nur noch in den Arm nehmen und wir haben beide zusammen ihren Schmerz und meine Betroffenheit mit Tränen übergossen.

Das oben geschilderte ist für mich so ein Grund, weshalb ich mich immer wieder frage, wo kommt FGM im heutigen Ausmass wirklich her. Vielleicht gibt es dazu noch verlässliche Quellen. Lieber Willi, konntest Du im Umoja Village dazu etwas erfahren?

Es macht mich tief betroffen und glücklich zugleich, dass wir in unserer wohlbehüteten kleinen Welt leben dürfen.

LG
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
zuletzt bearbeitet 17. Juni 2016
2'779 Beiträge · seit 200717. Juni 2016 · #7
Die Biographie des Top-Models Waris Dirie hat vor ein paar Jahren vielen Menschen weltweit die Augen geöffnet.
Ich stelle hier mal den link ein zum Film (auf deutsch) http://www.wuestenblume-film.de/

(Vielen Dank an das Fomi welches mich per PM auf den Namensfehler aufmerksam gemacht hat)
Gruss Leona
zuletzt bearbeitet 18. Juni 2016
7'296 Beiträge · seit 200617. Juni 2016 · #8
lilytrotter schrieb:
In dieser Angelegenheit war Rüdiger Nehberg im arabischen Raum sehr erfolgreich aktiv!
https://www.target-nehberg.de
... ich habe seinen Vortrag dazu schon zweimal besucht und kann das nur jedem empfehlen, der sich über dieses Thema informieren möchte. Fotos, die nicht jeder verkraftet, zeigt er nicht öffentlich im Vortrag, aber hatte jeweils zwei Ordner ausgelegt, die man sich hinterher anschauen konnte. Zusammen mit seinen Schilderungen ist das schon recht heftig.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
2'391 Beiträge · seit 201618. Juni 2016 · #9
Vielen Dank, Willi.
Zu diesem Thema kann gar nicht genug Aufklärung betrieben werden. Vor allem, wenn dies so sachlich und trotzdem ergreifend wie in Deinem Threat geschrieben wird.
Ich habe eine Frage dazu. In der Karte mit den Verbreitungsgebieten wird Ägypten als eines der Gebiete markiert, in denen fast alle Frauen betroffen sind. Ist das wirklich richtig? Ich habe schon einiges von Genitalverstümmelung gelesen und Reportagen dazu gesehen. Dass es sich um islamisch geprägte Länder, war mir auch bekannt, aber Ägypten hat mich doch sehr schockiert.

Nocheinmal vielen Dank für den Bericht und vor ellem für den Link zum Freundeskreis. Leider habe ich den Vortrag in Bonn verpasst.

Viele Grüße

Sasa
Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo seine Faust die Nase eines anderen trifft. 3 Generationen zum ersten Mal auf Pad, Namibia 2016: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/291659-3-generationen-auf-grosser-namibia-erstlingstour.html
zuletzt bearbeitet 19. Juni 2016
Themenstarter527 Beiträge · seit 201318. Juni 2016 · #10
Gruss W
zuletzt bearbeitet 14. März 2017
Themenstarter527 Beiträge · seit 201318. Juni 2016 · #11
Botswanadreams schrieb:Lieber Willi
zuletzt bearbeitet 14. März 2017
Gast18. Juni 2016 · #12
Guten Morgen, wer Informationen über FGM in Ägypten sucht, sollte den Journalisten und ORF-Korrespondenten Karim El-Gawhary kontaktieren. Er hat im ORF erst kürzlich über FGM berichtet und auch in Printmedien, z. B. zuletzt in der taz
http://www.taz.de/!5307170/
Grüße
538 Beiträge · seit 201218. Juni 2016 · #13
Hallo Willi,
Dein Bericht über „FGM“ ist aufwühlend und verstörend. Dir gebührt Respekt dafür, wie Du es vermagst, ohne Hass, aber doch schonungslos und deutlich zu berichten.
Es geht immerhin um eines der größten Verbrechen gegen elementare Menschenrechte - und die Welt dreht sich einfach weiter oder gar um.
Patriarchale Gesellschaften, die eine Frau, wie Du an anderer Stelle schreibst, als „Sache“ behandeln, sind mir ein Gräuel. Aber wie weit musste es kommen, dass ältere Frauen, die selbst die Qual der FGM erlitten haben, sich dafür hergeben, sich nun ihrerseits an den jüngeren zu versündigen.
Wahrscheinlich gibt es nur eines, was den Alp beenden könnte: Bildung!
Aber wie könnte sich eine Bevölkerung Gedanken um Bildung machen, die doch ihre ganze Energie dazu aufwenden muss, den kommenden Tag zu überleben?
Es ist schier hoffnungslos!

Chapeau vor Deinem Engagement,
Rolf
Themenstarter527 Beiträge · seit 201318. Juni 2016 · #14
leser schrieb:Guten Morgen,
zuletzt bearbeitet 14. März 2017
Themenstarter527 Beiträge · seit 201318. Juni 2016 · #15
WICHTIGE NACHRICHT AUF CITIZEN TV VOM 18.6.2016
zuletzt bearbeitet 14. März 2017
1'425 Beiträge · seit 201318. Juni 2016 · #16
Hallo Willi,

vielen Dank für deinen Beitrag.
Was mich aber unheimlich erschreckt ist die Tatsache, dass es in Deutschland vermehrt Fälle gibt, in welchen in Deutschland lebende Eltern ihr in Deutschland geborenes Mädchen in ihr Heimatland schicken um es beschneiden zu lassen. Oft werden diese Mädchen von ihrer eigenen Mutter begleitet, welche diese Qualen selbst erleiden mussten.
Diesen Eltern mangelt es in vielen Fällen weder an Bildung noch an Geld.
Auch gibt es in Deutschland immer mehr Beschneidungen, welche unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen illegal durchgeführt werden.
Da dies längst keine Einzelfälle mehr sind wurde erst Ende 2013 der Straftatbestand des § 226a StGB hier in Deutschland eingeführt.

Claudia
Unsere Reisen findet man unter: http://clamat.de/
zuletzt bearbeitet 18. Juni 2016
Themenstarter527 Beiträge · seit 201318. Juni 2016 · #17
Clamat
zuletzt bearbeitet 14. März 2017
7'296 Beiträge · seit 200618. Juni 2016 · #18
Mzeekenya schrieb:
Eines der Probleme rigoroser Verfolgung von FGM Fällen ist leider, dass immer mehr Verstümmelungen sozu sagen "im Untergrund" statt finden und die hygienischen Verhältnisse unbeschreiblich sind.
... um es mal besser vorstellbar zu machen:
Da wird u.U. mit rostigen Rasierklingen oder Glasscherben hantiert und die Wunden mit Akaziendornen "zugetackert".

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
2'338 Beiträge · seit 200718. Juni 2016 · #19
Hallo zusammen

Rolfhorst schrieb:
Aber wie weit musste es kommen, dass ältere Frauen, die selbst die Qual der FGM erlitten haben, sich dafür hergeben, sich nun ihrerseits an den jüngeren zu versündigen.
Das ist die Angst davor, dass die unbeschnittenen Mädchen nicht verheiratet werden können und aus diesem Grund oft aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden.

Eine unbeschnittene Frau ist in diesen Kulturen ohne Ehre, das heisst Freiwild. Ein Mann wünscht sich eine beschnittene Frau, alle anderen sind für ihn Prostituierte und haben in einer anständigen Familie nichts zu suchen. Aus diesem Grunde werden auch in Europa immmer wieder Beschneidungen durchgeführt.

Die unbeschnittene Frau muss schon sehr stark sein und zudem so gebildet, dass sie ihren Kulturkreis verlassen und sich irgendwo einen Job suchen kann, der es ihr ermöglicht, selbständig und ohne ihre Familie existieren zu können. Schon allein die Tatsache, dass es in den meisten afrikanischen Ländern eh viel zu wenige Arbeitsplätze gibt, macht die Jobsuche für diese Frauen fast chancenlos.

Es gibt nur sehr wenige, die das schaffen, zumal die Mädchen ja schon sehr früh verheiratet werden und deshalb die Schule vor dem Abschluss verlassen müssen. Auch wenn in der Zwischenzeit in einigen Ländern das Beschneiden von Mädchen verboten wurde, heisst das leider noch lange nicht, dass es nicht mehr praktiziert wird.

Wie schwer es ist, diesen grausamen Brauch auszurotten, hat uns ein Bekannter in Kenia erzählt, dem man immer wieder verstümmelte Mädchen mit fürchterlichen Verletzungen zwecks medizinischer Versorgung gebracht hatte. Er hatte dem zuständigen Chief und auch den Beschneiderinnen viel Geld geboten, wenn sie sich verpflichten, mit den Beschneidungen aufzuhören. Das Geld haben sie genommen, aber beschnitten wurde trotzdem noch.

Viele Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
2'779 Beiträge · seit 200718. Juni 2016 · #20
BikeAfrica schrieb:

... um es mal besser vorstellbar zu machen:
Da wird u.U. mit rostigen Rasierklingen oder Glasscherben hantiert und die Wunden mit Akaziendornen "zugetackert".

Gruß
Wolfgang
und dann werden dem kleinen Mädchen die Beine zusammengebunden bis die Wundränder mehr oder weniger zugewachsen sind, das kann mehr als ein Monat dauern. Hier ein Bild (kopiert von der homepage von TARGET)
FGMmädchen.JPG

Hilflose kleine Mädchen werden von der eigenen Familie grausam gequält, körperlich und seelisch, und leiden danach ihr ganzes Leben.
Gruss Leona