Reisebericht Gambia - Senegal - Guinea-Bissau

Reisebericht 34 Antworten · 7'035 Aufrufe · gestartet 03. Mai 2013 von BikeAfrica
Themenstarter7'314 Beiträge · seit 200611. Mai 2013 ·
Nunanani schrieb:Im Ernst, Du schreibst so spannend und lieferst uns Tolle Bilder und noch dazu Hintergrundinformationen, Artikel und Einblicke in eine fremde Welt.
... mit dem Fahrrad kommt zwangsläufig ein anderer Kontakt mit den Menschen zustande (ich kenne auch das Reisen mit dem Auto, daher kann ich mir den Vergleich erlauben).

Wenn man mit dem Auto durch ein kleines Dorf fährt, hält man nicht an und denkt sich: "ach du liebe Zeit. Hier möchte ich ja nicht mal begraben sein."
Als Radfahrer wird man angesprochen oder setzt sich eh mal in den Schatten des großen Baumes, der meist in der Dorfmitte steht. Man quatscht mit den Menschen, die oft noch nie mit einem Weißen gesprochen haben. Man schüttelt die Hände von einem Dutzend unbekannter Menschen. Das ist einfach etwas Anderes als in einer Lodge oder beim Gespräch mit ein paar besser gestellten schwarzen Einheimischen in Joe's Beerhouse. Es gibt Menschen in Afrika, die mit schwerer körperlicher Arbeit gerade mal einen Dollar/Euro pro Tag verdienen und damit noch ihre Frau und sechs bis zehn Kinder durchbringen. Mit diesen "Durchschnittsafrikanern" hat man als Radler ständig Kontakt. Man bekommt einen anderen Eindruck vom Land. Ein bisschen davon versuche ich weiterzugeben.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Themenstarter7'314 Beiträge · seit 200611. Mai 2013 ·
toumtoum schrieb:Mein einziges Problem war, daß ich kein Französisch spreche - das hat mich oftmals geärgert, weil sich die Menschen gerne intensiv mit mir unterhalten hätten. So konnte ich oftmals keine Details nachfragen.

Wirklich schöner Bericht und tolle Fotos - und um ganz ehrlich zu sein, dort spüre ich das richtige Afrika.
... mein Französisch ist auch äußerst schlecht. Ich kenne vielleicht ein paar Worte mehr als auf Kiswahili, aber bei einer Begegnung in Ostfrika kann ich auf Kiswahili besser antworten als in Westafrika auf Französisch.

Und was Westafrika angeht, habe ich dort auch eher das Gefühl, in Afrika zu sein. Von allen afrikansichen Ländern, die ich kenne, hat mir Namibias Landschaft am besten gefallen (ich mag halt einsame Wüstenlandschaften). Aber Westafrika ist für mich in punkto Kontakt zur Bevölkerung unübertroffen.

Gruß
Wolfgang
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Themenstarter7'314 Beiträge · seit 200611. Mai 2013 ·
ANNICK schrieb:Die Bilder von der Bevölkerung finde ich wieder klasse. 🤪
Danke fürs Feedback.
Auf meinen ersten Reisen sind solche Fotos viel zu kurz gekommen. Später habe ich gemerkt, dass solche Fotos für mich viel wichtiger sind. Sie lassen Erinnerungen an persönliche Begegnungen wieder aufleben und zeigen ein Stück weit den Alltag.
Fotos vom Sossusvlei oder von Tieren können andere viel besser machen. Speziell bei den Tierfotos ist es ja so, dass entweder die Tiere abhauen, wenn sie mich sehen oder ich abhaue, wenn ich die Tiere sehe. Manchmal sogar beides, wenn ich an die Begegnung mit den Elefanten im Liwonde-Nationalpark in Malawi denke. Tierfotos vom Fahrrad aus sind extrem schwierig. Also versuche ich, das rüberzubringen, was mir an Afrika so interessant erscheint. Das sind nunmal die Begegnungen mit den Menschen.

Gruß
Wolfgang
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Themenstarter7'314 Beiträge · seit 200612. Mai 2013 ·
Ziguinchor

Der Weg nach Ziguinchor führt durch Mangrovengebiete. Zeitweise ist die Straße auch links und rechts direkt von Wasser umgeben.


Ziguinchor hat etwa 200.000 Einwohner, einen Hafen und einen Flughafen. Trotzdem wirkt die Stadt nicht wie eine Großstadt auf mich.
Ich finde eine Unterkunft, die ich zunächst nicht bezahlen kann. Ich habe kein Geld mehr und wegen der Feier zum Ende des Ramadan sind alle Banken zwei oder drei Tage geschlossen. Ich frage einige Leute, wo ich Geld tauschen könne und jemand zeigt mir den Weg zu einem Supermarkt. Der indische Besitzer wechselt zum offiziellen Kurs auch nebenbei Geld. Irgendwie gibts in Afrika wohl scheinbar immer eine Lösung.

In Ziguinchor finde ich ein kleines Lokal, in dem ich essen gehe. An einem der Tische sitzt eine junge Frau, die ein Buch liest, mich neugierig anspricht und fragt, woher ich komme. Als sie hört, dass ich aus Deutschland komme, freut sie sich. Ihr Buch ist ein Sprachführer für die deutsche Sprache. Nun versucht sie, sich auf Deutsch mit mir zu unterhalten, was auch relativ gut klappt. Sie erzählt, sie wäre verheiratet, aber ihr Mann habe sicherlich nichts dagegen, wenn ich bei ihnen übernachte und sie wohne ganz in der Nähe. Da ich ja bereits eine Unterkunft habe, lehne ich das ab, begleite sie aber nach Hause und lerne auch ihren Mann kennen.

Moschee in der Stadt




In meiner Unterkunft frage ich am nächsten Morgen, ob man zufällig weiß, wo sich das Konsulat von Guinea-Bissau befindet. Zufällig weiß man es. Es befindet sich im Gebäude nebenan. Am nächsten Morgen gehe ich dorthin und sehe, dass es heute geschlossen ist. Morgen ist wieder geöffnet. Ein Passant meint, ich solle ruhig mal über die Außentreppe hochgehen, denn er habe jemanden kommen sehen. Ich gehe also nach oben und klopfe an. Der Konsul ist tatsächlich kurz da, weil er etwas im Büro vergessen hatte und es holen kam. Er ist sehr nett und erteilt mir das Visum für Guinea-Bissau außerhalb der Öffnungszeiten. Er freut sich, dass ein deutscher Tourist hier ist und spricht auch ein wenig Deutsch. Die Daten meines Passes und des Visums werden in ein Buch eingetragen. Ich bin Mitte/Ende November erst der 25. des Jahres, der hier ein Visum ausgestellt bekommt. Da es noch früh am Morgen ist und die Grenze nicht weit, fahre ich gleich los. Eine Landkarte habe ich zwischenzeitlich natürlich nicht bekommen. In meinem Westafrika-Reiseführer ist eine Karte in der Größe einer Zigarettenschachtel abgebildet. Etwa fünf Städte sind eingezeichnet und keine Straßen. Zur groben Orientierung wirds schon reichen, denke ich mir.

Das Gebäude mit der Markise ist meine Unterkunft. Das Gebäude davor mit der Flagge ist das Konsulat von Guinea-Bissau.


Kinder beim Tischfußball. Man achte auf das Schild mit dem Namen des Ladens ...



Guinea-Bissau

Als ich die Grenze erreiche, erkundige ich mich erst einmal wieder nach der Sicherheit. Ich denke an die Rebellen der MFDC und die Minengebiete im Bereich der Grenze in Richtung Küste. Es sei alles ok, heißt es. Was ich erst nach meiner Rückkehr auf der Seite des Auswärtigen Amtes lese, ist eine Schilderung von einem Militärputsch, der nicht mal eine Woche zuvor stattgefunden hatte. Europäer sollten sich nicht im Land aufhalten und schon gar keine Reisen über Land durchführen. Jetzt ist mir auch nachträglich klar, warum jeder Zweite hier mit einem Gewehr unterwegs war. Ich habe naiverweise gedacht, die schießen sich hier halt bei Gelegenheit was fürs Abendessen.
An der Grenze muss ich in vier Baracken (Zoll, Militär, Polizei, Intelligence Office), wo man jedesmal wichtigtuerich den Pass durchblättert und mir dann insgesamt vier Einreisestempel verpasst. Was ich erst viel später merke, ist die Tatsache, dass mein Visum erst am dem nächsten Tag gilt. Die hätten mich noch gar nicht einreisen lassen dürfen.

Die Verständigung wird nun deutlich schwieriger. Portugiesisch spreche ich nicht, aber selbst 70% der Einwohner sprechen nur Kreol/Creole.
Englisch oder Französisch (mein Französisch ist vergleichbar mit meinen Kiswahili-Kenntnissen) spricht kaum jemand. Ich fahre zunächst zur Küste in Richtung Varela. Die Piste verlasse ich wegen der Minengefahr nicht. In einem kleinen Dorf am Strand kann ich mein Zelt aufstellen. Vor dem Bürgerkrieg hat man hier begonnen, auf Tourismus zu setzen und eine Hotelanlage und ein Einkaufszentrum zu bauen. Die Ruinen stehen hier noch rum. Das Dorf hat vielleicht 300(?) Einwohner.

Piste nach Varela


Bauruinen am Strand




Überreste eines gestrandeten Schiffes



Mitten in der Nacht plötzlich ein lauter Knall. Ist das ein Schuss und vielleicht ein Überfall der Rebellen? Gefühlte drei Sekunden setzt mein Herzschlag aus. Kurz später merke ich, dass nur ein Zeltgestänge gebrochen ist. Das Zelt ist nagelneu und seit gerade zwei Wochen in Benutzung. Es gab weder windiges oder gar stürmisches Wetter auf der Reise und das Material habe ich auch umsichtig behandelt. Ich habe hier ein Zelt der damals hochgelobten Firma Wechsel, die für deutsche Wertarbeit steht. An dieser Stelle möchte ich daher angemessene Werbung für diese Firma machen. Mein bisheriges Zelt (von Eureka) war 10 Jahre bei zum Teil heftigen Stürmen im Einsatz und das Außenzelt hielt nun der UV-Strahlung einfach nicht mehr stand und ging kaputt. Das Gestänge sah aber immer noch aus wie am ersten Tag.

Wer also mal eine Reise plant, während der er sich auf sein Zelt verlassen können muss und ein Abenteuer erleben will, dem kann ich ein Zelt der Firma Wechsel nur wärmstens empfehlen.

Fortsetzung folgt ...
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zuletzt bearbeitet 12. Mai 2013
Themenstarter7'314 Beiträge · seit 200617. Mai 2013 ·
... ich möchte nur mal kurz mitteilen, dass ich die Fortsetzung nicht vergessen habe. Gibt ja auch noch 2-3 interessante Sachen zu erzählen ...
Ich werde aber erst nach Pfingsten dazu kommen.
"Heute ist nicht alle Tage. [Ich komm wieder / Es geht weiter], keine Frage."

Gruß
Wolfgang
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Themenstarter7'314 Beiträge · seit 200623. Mai 2013 ·
... so, weiter gehts.

Kinder posieren stolz für ein Foto. In der Bildmitte ein selbstgebastelter "Lkw" aus einem Karton und Konservendosen.




Der Lkw hat einen Achsschaden und muss repariert werden.



In Richtung Hauptstadt

Ich will in die Hauptstadt und auf dem Weg dorthin steuere ich die erste auf meiner kleinen Karte verzeichnete Stadt ein. Ich gehe davon aus, dass es sich hierbei um die fünf größten oder wichtigsten Städte handeln würde. So leicht kann man sich irren.
Ich fahre zunächst auf einer sehr guten Asphaltstraße, die aber langsam schmaler wird. Sie wird einspurig, dann zur Piste und endet an drei Hütten vor einem breiten Fluss. Zwei Männer kommen und bieten mir an, mich mit einem Einbaum überzusetzen. Kreol und Portugiesisch verstehe ich nicht, aber einer der Männer kann auch Französisch und nennt mir den Preis für die Überfahrt. Der Betrag ist völlig überhöht und so "verstehe" ich den auch nicht. Ich hole etwas Geld hervor, das ich für angemessen halte und zeige es ihnen. Der eine der beiden nickt nun und wird vom anderen sofort ausgeschimpft. An die Zusage hält man sich nun aber und ich komme für diesen (immer noch zu hohen) Betrag auf die andere Seite. Das Boot fährt hier zwischen Mangrovenwurzeln durch, an denen Schlammspringer zu sehen sind. Dann lässt man mich an einem Trampelpfad aussteigen. Nach 500 Metern komme ich in ein kleines Dorf mit ein paar hundert Einwohnern. Es entpuppt sich tatsächlich als eines der "Städte", die auf meiner Karte verzeichnet sind.
Auf dem Trampelpfad vom Fluss ins Dorf kommend werde ich sofort angesprochen und gefragt, woher ich komme und wohin ich will, aber natürlich zunächst mal wieder die üblichen Verständigungsprobleme ... Kreol, Portugiesisch. Ich frage auf Französisch, ob es im Dorf jemanden gibt, der Englisch spricht und man schickt sofort ein Kind los, um ihn zu holen (es gibt nur einen). Nur wenige Minuten später kommt ein junger Mann mit Trikot und Fußballschuhen. Man hat ihn direkt vom Spielfeld geholt.
Er ist 18 Jahre alt und stammt aus Sierra Leone. Seine Eltern wurden im Bürgerkrieg ermordet. Was mit seiner Schwester passierte, weiß er nicht. Er konnte als Kind flüchten und kam schließlich in dieses Dorf, wo ihn der Dorfchef quasi adoptierte. Er lebt seit Jahren bei ihm und fragt ihn, ob ich mein Zelt vor seinem Haus aufstellen darf. Etwa 30 Leute stehen nun herum und schauen zu, wie ein Zelt aufgebaut wird. So etwas hat man hier ja noch nie gesehen. Abends sitzt er mit mir und dem Dorfchef beisammen und wir essen Reis zu dritt aus einem Topf.
Am nächsten Morgen zeigt er mir das Dorf und erklärt mir, wie man Palmwein herstellt. Ein aus einer Kalebasse gemachter Schöpflöffel liegt von Insekten übersäht im Gras. Er wird kurz abgeschüttelt und Palmwein eingefüllt. Dann trinken wir abwechselnd daraus. Ein paar kleine Käfer und Fliegen schwimmen noch darin rum. Solche Kleinigkeiten stören hier aber keinen. Die trinken ja auch kaum was von dem Palmwein ...
Irgendwo kommen wir an einem Gelände vorbei, an dem etwa ein Dutzend Frauen eine Fläche roden. Hier soll eine Schule entstehen. Eine der Frauen, die hier mit der Spitzhacke am Werke ist, ist hochschwanger und hat zusätzlich noch ein kleines Kind auf den Rücken gebunden. Ich bin fassungslos, aber hier ist sowas völlig normal. In Deutschland befände sie sich längst in Mutterschutz und hier schuftet sie wie ein Bauarbeiter. Die Männer sitzen derweil im Schatten eines Mangobaumes und diskutieren über die Gründe, warum es in Afrika nur so schleppend voran geht ...

Mit Kürbispflanzen bewachsene Hütte im Dorf



Fortsetzung folgt ...
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Themenstarter7'314 Beiträge · seit 200624. Mai 2013 ·
... und weiter gehts mit dem bereits letzten Teil. Ich kann ja auch nix dafür, dass mein Urlaub immer so kurz ist. 😉

Dorf entlang der Straße in Guinea-Bissau


Alte portugiesische Relikte in einer kleinen Stadt



Die Hauptstadt Bissau und der Rückweg

Als ich in die Hauptstadt komme, stehen am Straßenrand zerschossene Panzer. Zu diesem Zeitpunkt denke ich, dass die noch aus dem Bürgerkrieg stammen. Vielleicht stammen sie aber auch vom kürzlich erfolgten Militärputsch, von dem ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nichts weiß. Die Stadt selbst gefällt mir gar nicht. Ich verlasse sie noch am gleichen Nachmittag und finde in einem kleinen Dorf in der Nähe ein Platz für mein Zelt.

Auf dem Rückweg in Richtung Senegal halte ich mich nun an die großen Straßen mit Wegweisern. Die Straßen sind in einem Top-Zustand und kaum befahren. Irgendwo zieht ein Einheimischer mit einem Rennrad an mir vorbei. Ich merke, dass er an der Stelle extra beschleunigt und lasse mich nicht auf ein Wettrennen ein. Das ist anscheinend überall in Afrika ein beliebter Zeitvertreib, aber unbeladen ist er zu schnell und außerdem dauert der Tag noch lange. Er ist bald aus meinem Blickfeld verschwunden, aber einige Stunden später sehe ich ihn wieder. Er fährt immer noch auf der gleichen Strecke wie ich und es ist für Afrikaner sehr ungewöhnlich, Langstrecken mit dem Rad zu fahren. Das Fahrrad wird in vielen Ländern verwendet, um in einem Dorf oder bis zu dem übernächsten etwas zu transportieren oder die Strecke zurückzulegen, um etwas zu erledigen, aber dieser Radler hier fährt seit mindestens 60 km in diese Richtung. Ich komme langsam näher und er dreht sich ständig um und versucht, den Abstand zwischen uns nicht zu verkleinern, aber er hat sich ein bisschen verschätzt und ist am Ende seiner Kräfte. Als die Grenzstadt in Sichtweite kommt, animiert mich das nun doch zu einem Wettrennen. Ich schalte die Kette nach rechts und gebe Gas. In der größten Übersetzung jage ich auf ihn zu und er dreht sich immer wieder um und gibt alles. Kurz vor den ersten Häusern, der imaginären Ziellinie, spurte ich an ihm vorbei. Er dreht lächelnd seinen Kopf zur Seite, nimmt eine Hand vom Lenker und zeigt anerkennend mit dem Daumen nach oben. Dann lassen wir beide das Rad wieder ausrollen. Das sind so die völlig sinnlosen Momente einer Radreise, aber auch die machen manchmal Spaß.


Banjul und Serekunda

Irgendwann zurück in Gambia besuche ich zwei der heiligen Krokodilpools, von denen es wohl drei im ganzen Land gibt. Der eine ist ziemlich enttäuschend, aber an dem Katchikally Pool in Bakau leben etwa 100 Krokodile in einem Teich, den man auf einem Fußweg umrunden kann. Die bis zu vier Meter langen Krokodile liegen hier oft direkt am Ufer, manchmal auch auf der anderen Seite des Weges. Die Einheimischen kommen hier zum Beten her, aber für die wenigen Touristen ist es natürlich eher ein Spektakel. Man kommt sehr nahe an die Tiere und läuft manchmal nur in 2-3 Meter Abstand an ihnen vorbei. Ein Krokodil hat sogar einen Namen. Charly ist bekannt dafür, dass er völlig apathisch in der Sonne liegt und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Man kann das Krokodil sogar anfassen und scheinbar interessiert es das Tier gar nicht. Auch ich habe Charly neugierig angefasst, aber man sollte trotzdem bedenken, dass es ein wildes Tier ist und im Falle eines Falles extrem schnell reagieren und zubeißen kann. Mit über 2 Meter Länge sollte man ihm zumindest in Wassernähe nicht zu nahe kommen. Im Wasser hat man gegen das Tier keine Chance mehr.




Prostitution

Die Region um die Hotels an der Küste sind recht beliebt bei Sextouristen beiderlei Geschlechts. Pauschalreisen nach Gambia sind günstig und die Einheimischen brauchen Geld. So kommt zusammen, was sich sucht. Man sieht immer wieder mal etwas ältere Männer und Frauen mit meist deutlich jüngeren Einheimischen des anderen Geschlechts. Manche dieser Begegnungen mögen unverfänglich sein, aber manchmal ist es recht eindeutig. Ich komme mit verheirateten Leuten ins Gespräch, die hier ohne Ehepartner unterwegs sind und sie erzählen zum Teil erschreckend freizügig.



Zurück in Deutschland

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland erfahre ich, dass in Guinea-Bissau gerade ein Militärputsch (ist anscheinend Volkssport im Land) war, während ich noch in Gambia und Senegal unterwegs war. Das Auswärtige Amt rät aus Sicherheitsgründen von Überlandfahrten in Guinea-Bissau ab. Ich war nur wenige Tage danach unterwegs und bekam gar nichts davon mit. Ich wunderte mich nur, warum viele Menschen mit Gewehr unterwegs waren und dachte, sie schießen sich vielleicht gelegentlich mal ein Abendessen. Falsch gedacht ... war wohl zur Verteidigung im Falle weiterer Eskalationen ...


So, das wars mal wieder. Vielleicht schreibe ich demnächst mal 'nen kurzen Bericht über die allererste Radtour, mit der alles begann. Ich habe das Improvisieren auf Radtouren schon als Schüler unterwegs in Deutschland gelernt ... 😉

Gruß
Wolfgang
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1'250 Beiträge · seit 200924. Mai 2013 ·
Wolfgang,

vielen Dank für den interessanten Bericht mit den vielen Erlebnissen und Geschichten.
Ich habe großen Respekt, wie Du Afrika bereist
und Dich nicht hinter Blech, Glasscheiben und Hotelmauern flüchten kannst.

Ich verneige mich!

Viele Grüße
Bernd
Ägypten, Äthiopien, Benin, Botswana, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Kenia (2x), Madagaskar, Malawi, Marokko, Mauretanien, Namibia, Niger, Ruanda, Sambia, Senegal, Simbabwe (2x), Sudan, Tansania (3x), Togo, Tschad, Uganda (2x) Fotoreportagen und Bildgalerien aus aller Welt: foto-kiboko.de
Themenstarter7'314 Beiträge · seit 200624. Mai 2013 ·
Kiboko schrieb:vielen Dank für den interessanten Bericht mit den vielen Erlebnissen und Geschichten.
Ich habe großen Respekt, wie Du Afrika bereist
und Dich nicht hinter Blech, Glasscheiben und Hotelmauern flüchten kannst.
... manchmal wird es mir schon selbst unheimlich. 😉
Ich bin ja nun meist so unterwegs wie diejenigen, die ich früher für entweder große Abenteurer oder völlig Bekloppte gehalten habe, nur dass ich mich dabei als "Normaler" fühle.

Aber manchmal frage ich mich auch selbst, warum ich mir das antue und nicht einfach im klimatisierten Auto unterwegs bin. Auf der Suche nach der Antwort werde ich wohl noch ein paar Kilometer radeln müssen ... 😉

Gruß
Wolfgang
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2'399 Beiträge · seit 201125. Mai 2013 ·
Mensch, Wolfgang,

Du machst Sachen ... 🤩
Ich bin, zum Leidwesen meiner Frau, auch kein Kind von Traurigkeit, was das Inkaufnehmen von Gefahren betrifft, aber das sind dann andere ... 😗
Wir fassen uns schon immer an den Kopf, wenn uns auf den engen französischen Nebenstraßen Radler den Berg hinunter entgegengeschossen kommen 😕 und fragen uns, wie man nur auf die Idee kommen kann, außerhalb Deutschlands mit seinen gut ausgebauten Radwegen Radtouren zu unternehmen.
Aber Du hast es überlebt - Hut ab - und kannst davon erzählen, und wie ... 😄
Vielen Dank für diesen lebhaften, interessanten RB und die Fotos, die mir die Länder und ihre Menschen näher gebracht haben.

LG aus Hamburg,

Karsten
[size =3] Infos NordTZ 22 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/301813-infos-nordtansania-juni-juli-22.html?start=0 RB Kenia 2020 https://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/299653-kurzer-rb-kenia-sept-2020.html?start=0 Reisebericht Südtanzania 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282710-tanzanias-sueden-daumendruecken-hilft-nicht-immer.html Kurzbericht 7 Wochen Nam-Bots 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/16-unterkuenfte/254072-kurzbericht-7-wochen-nam-bots.html Bericht Zimbabwe 1995: ... 30 Tage Gefängnis http://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/241529--30-tage-gefaengnis.html Reisebericht 2008: 18 Nights in the Bush - ha-ha-ha http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/263931-18-nights-in-the-bush-ha-ha-ha.html Nordtansania Feb. 2015 - Kein RB http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285690-tansania-februar-2015-kein-reisebericht.html?limitstart=0&start=12] Walking Safari Zimbabwe 97 https://www.namibia-forum.ch/forum/148-diverses/287052-walking-safari.html?limitstart=0
1'674 Beiträge · seit 201226. Mai 2013 ·
Hallo Wolfgang,

vielen Dank für deinen Bericht - dachte schon voller Angst du hättest die Fortsetzung vergessen 😗

Das Besondere an deinem Bericht, sind die Schilderungen und Fotos die du über die Begegnungen von den Menschen die du auf deiner Reise getroffen hast, wiedergibst.
Ich bin immer wieder tief beeindruckt wie zufrieden und glücklich die Menschen fernab "von Zivilisation und Reichtum" leben. Oder vielleicht andersrum: Vielleicht ist das Fehlen vom Streben nach dem "Mehr" der Schlüssel zum Glück. Ich habe mich schon oft gefragt, wer im Endeffekt der Glücklichere ist. (Philosophen-Modus aus)

Ich freu mich immer über einen Bericht deiner Rad-Reisen und wenn ich das so richtig in Erinnerung habe, stehen da doch noch paar Länder aus oder?

Liebe Grüße
Dagmar

Bis in einer Woche in Darmstadt auf dem Formi-Treffen
Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich. Zu den Reiseberichten: https://www.namibia-forum.ch/forum/linksammlungen-signaturen/292334-take-off-unterwegs-in-afrika.html#471572
131 Beiträge · seit 201327. Mai 2013 ·
Hallo Wolfgang,

vielen Dank für den wunderbaren bericht. Deine Schilderungen über die Begegnungen mit den Einmischen sind klasse!

Ich würde mich nicht trauen, mit dem Fahrrad durch Afrika zu fahren. Aber vielleicht ist es als Frau auch gefährlicher. Jedenfalls Respekt, dass Du Dich das traust!

Viele Grüße
Sabine
Themenstarter7'314 Beiträge · seit 200627. Mai 2013 ·
Kapseerose schrieb:
... zumindest kann man sich als Frau vielleicht nicht ganz so einfach auf die spontanen Einladungen zum Übernachten einlassen. Da sollte man zumindest bei einzelnen Männern etwas vorsichtiger sein. Ansonsten dürfte es ziemlich egal sein, ob Mann oder Frau.

Gruß
Wolfgang
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521 Beiträge · seit 201110. Juni 2013 ·
Hallo Wolfgang,
Arbeitest Du schon an Deinem Bericht über Deine erste Fahrt? 😁

Es wäre super interessant, wenn Du noch mehr von Deinen Reisen und Erlebnissen schreibst! Wann immer du genügend freie Zeit hast, nur her mit den Berichten!

Gruß,
Nunanani
Südafrika, Botswana, Namibia, Zimbabwe, Mosambik,...
Themenstarter7'314 Beiträge · seit 200610. Juni 2013 ·
... ich habe mal begonnen mit einem Bericht über die erste Tour und die durch Zambia und Zimbabwe.
Berichte von weiteren Reisen (Ghana, Kamerun, Kenya/Uganda, Malawi, Tanzania, Namibia und Surinam/Frz. Guayana) finden sich auf www.bikeafrica.de.vu ... 😉

Gruß
Wolfgang
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