Ziguinchor
Der Weg nach Ziguinchor führt durch Mangrovengebiete. Zeitweise ist die Straße auch links und rechts direkt von Wasser umgeben.

Ziguinchor hat etwa 200.000 Einwohner, einen Hafen und einen Flughafen. Trotzdem wirkt die Stadt nicht wie eine Großstadt auf mich.
Ich finde eine Unterkunft, die ich zunächst nicht bezahlen kann. Ich habe kein Geld mehr und wegen der Feier zum Ende des Ramadan sind alle Banken zwei oder drei Tage geschlossen. Ich frage einige Leute, wo ich Geld tauschen könne und jemand zeigt mir den Weg zu einem Supermarkt. Der indische Besitzer wechselt zum offiziellen Kurs auch nebenbei Geld. Irgendwie gibts in Afrika wohl scheinbar immer eine Lösung.
In Ziguinchor finde ich ein kleines Lokal, in dem ich essen gehe. An einem der Tische sitzt eine junge Frau, die ein Buch liest, mich neugierig anspricht und fragt, woher ich komme. Als sie hört, dass ich aus Deutschland komme, freut sie sich. Ihr Buch ist ein Sprachführer für die deutsche Sprache. Nun versucht sie, sich auf Deutsch mit mir zu unterhalten, was auch relativ gut klappt. Sie erzählt, sie wäre verheiratet, aber ihr Mann habe sicherlich nichts dagegen, wenn ich bei ihnen übernachte und sie wohne ganz in der Nähe. Da ich ja bereits eine Unterkunft habe, lehne ich das ab, begleite sie aber nach Hause und lerne auch ihren Mann kennen.
Moschee in der Stadt


In meiner Unterkunft frage ich am nächsten Morgen, ob man zufällig weiß, wo sich das Konsulat von Guinea-Bissau befindet. Zufällig weiß man es. Es befindet sich im Gebäude nebenan. Am nächsten Morgen gehe ich dorthin und sehe, dass es heute geschlossen ist. Morgen ist wieder geöffnet. Ein Passant meint, ich solle ruhig mal über die Außentreppe hochgehen, denn er habe jemanden kommen sehen. Ich gehe also nach oben und klopfe an. Der Konsul ist tatsächlich kurz da, weil er etwas im Büro vergessen hatte und es holen kam. Er ist sehr nett und erteilt mir das Visum für Guinea-Bissau außerhalb der Öffnungszeiten. Er freut sich, dass ein deutscher Tourist hier ist und spricht auch ein wenig Deutsch. Die Daten meines Passes und des Visums werden in ein Buch eingetragen. Ich bin Mitte/Ende November erst der 25. des Jahres, der hier ein Visum ausgestellt bekommt. Da es noch früh am Morgen ist und die Grenze nicht weit, fahre ich gleich los. Eine Landkarte habe ich zwischenzeitlich natürlich nicht bekommen. In meinem Westafrika-Reiseführer ist eine Karte in der Größe einer Zigarettenschachtel abgebildet. Etwa fünf Städte sind eingezeichnet und keine Straßen. Zur groben Orientierung wirds schon reichen, denke ich mir.
Das Gebäude mit der Markise ist meine Unterkunft. Das Gebäude davor mit der Flagge ist das Konsulat von Guinea-Bissau.

Kinder beim Tischfußball. Man achte auf das Schild mit dem Namen des Ladens ...

Guinea-Bissau
Als ich die Grenze erreiche, erkundige ich mich erst einmal wieder nach der Sicherheit. Ich denke an die Rebellen der MFDC und die Minengebiete im Bereich der Grenze in Richtung Küste. Es sei alles ok, heißt es. Was ich erst nach meiner Rückkehr auf der Seite des Auswärtigen Amtes lese, ist eine Schilderung von einem Militärputsch, der nicht mal eine Woche zuvor stattgefunden hatte. Europäer sollten sich nicht im Land aufhalten und schon gar keine Reisen über Land durchführen. Jetzt ist mir auch nachträglich klar, warum jeder Zweite hier mit einem Gewehr unterwegs war. Ich habe naiverweise gedacht, die schießen sich hier halt bei Gelegenheit was fürs Abendessen.
An der Grenze muss ich in vier Baracken (Zoll, Militär, Polizei, Intelligence Office), wo man jedesmal wichtigtuerich den Pass durchblättert und mir dann insgesamt vier Einreisestempel verpasst. Was ich erst viel später merke, ist die Tatsache, dass mein Visum erst am dem nächsten Tag gilt. Die hätten mich noch gar nicht einreisen lassen dürfen.
Die Verständigung wird nun deutlich schwieriger. Portugiesisch spreche ich nicht, aber selbst 70% der Einwohner sprechen nur Kreol/Creole.
Englisch oder Französisch (mein Französisch ist vergleichbar mit meinen Kiswahili-Kenntnissen) spricht kaum jemand. Ich fahre zunächst zur Küste in Richtung Varela. Die Piste verlasse ich wegen der Minengefahr nicht. In einem kleinen Dorf am Strand kann ich mein Zelt aufstellen. Vor dem Bürgerkrieg hat man hier begonnen, auf Tourismus zu setzen und eine Hotelanlage und ein Einkaufszentrum zu bauen. Die Ruinen stehen hier noch rum. Das Dorf hat vielleicht 300(?) Einwohner.
Piste nach Varela

Bauruinen am Strand


Überreste eines gestrandeten Schiffes

Mitten in der Nacht plötzlich ein lauter Knall. Ist das ein Schuss und vielleicht ein Überfall der Rebellen? Gefühlte drei Sekunden setzt mein Herzschlag aus. Kurz später merke ich, dass nur ein Zeltgestänge gebrochen ist. Das Zelt ist nagelneu und seit gerade zwei Wochen in Benutzung. Es gab weder windiges oder gar stürmisches Wetter auf der Reise und das Material habe ich auch umsichtig behandelt. Ich habe hier ein Zelt der damals hochgelobten Firma Wechsel, die für deutsche Wertarbeit steht. An dieser Stelle möchte ich daher angemessene Werbung für diese Firma machen. Mein bisheriges Zelt (von Eureka) war 10 Jahre bei zum Teil heftigen Stürmen im Einsatz und das Außenzelt hielt nun der UV-Strahlung einfach nicht mehr stand und ging kaputt. Das Gestänge sah aber immer noch aus wie am ersten Tag.
Wer also mal eine Reise plant, während der er sich auf sein Zelt verlassen können muss und ein Abenteuer erleben will, dem kann ich ein Zelt der Firma Wechsel nur wärmstens empfehlen.
Fortsetzung folgt ...
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...