5. Tag – KTP von Grootkolk nach GharagabIch wache auf und schaue mich um. Das Bild habe ich noch heute in meinem Kopf. Rechts neben mir ist die Wand. Unten zu und oben sind alle ‚Fenster‘ mit Gaze offen. Links weiter vorne kommt die Tür, auch unten vollflächig zu und oben mit Gazefenster. Geradezu steht der Kühlschrank. Hoch und weiß. Weiter links der wirklich schöne Schrank (gefällt mir wirklich gut). Irgendetwas ist anders als die letzten Tage. Ja, ich wache auf und kann alles um mich herum sehen. Es ist hell.
Klingt banal, aber es ist bereits hell. Sonst war es immer dunkel beim Aufstehen. Das Bett neben mir ist bereits leer. Also schnell mal in die Schuhe geschlüpft, noch was drüber gezogen und nachgeschaut. Da steht meine zweite Hälfte am Zaun vor der Hütte mit der Videokamera vor der Nase. Die so netten linken Nachbarn sind auch schon wach. Ich bin also die Letzte. Ich greife mir die Kamera vom Tisch, grüße die Nachbarn still und trete ebenfalls an den Zaun. Direkt 10 m vor uns steht im Morgenlicht eine braune Hyäne. Eine braune Hyäne nur für uns (ohne Vogelbeobachter mit komischem Lautsprechergeschrei). Es ist ruhig. Die Hyäne ist schön. Das struppige Fell mit modernem Fransenschnitt. Der kleine hundeähnliche Kopf. Die Ruhe, die die Hyäne ausstrahlt. Sie ist nur 10 m entfernt und zeigt keine Scheu. Die Sonne geht gerade auf. Es muss also gegen 6:30 Uhr sein.

Nachdem ich unsere Hyäne ausgiebig betrachtet habe, schweifen meine Blicke in die Ferne. Weiter links kann ich noch eine zweite braune Hyäne sehen. Später erscheint sogar noch eine dritte braune Hyäne. Sie kommen und gehen. Es scheint als verschwinden sie rechts aus unserem Blickfeld, um dann um das Camp herum zu laufen, und links wieder zu erscheinen. Hoffentlich hat unser ‚camp assistent‘ die Hyänen bereits gesehen, denn seine Hütte steht hinter unseren Hütten. Nicht dass er etwas müde seine Treppe heruntersteigt und dann der Hyäne direkt ins Auge blickt.



Neben den Hyänen gibt es drei Red Hartebeest am Wasserloch. Von rechts kommen mehrere Gnus (ist bestimmt die kleine Herde von gestern Mittag). Es gibt lustige Szenen als die beiden Tierarten am Wasserloch aufeinander treffen. Zwischendurch stehen die drei Hyänen so schön Links, Mitte und Rechts verteilt, dass es fasst so aussieht als wollten sie in gemeinsamer Jagd angreifen. Aber keine Angst, es sind braune Hyänen und die jagen nicht gemeinsam auf solche großen Tiere. Das machen nur Tüpfelhyänen.


Der Rest des Morgens ist wie im Fluge vergangen. Irgendwie müssen wir gefrühstückt, Morgentoilette verrichtet, gepackt und das Auto eingeräumt haben. Erinnern kann ich mich erst an unsere Verabschiedung von den linken Nachbarn. Und dann mussten wir leider los, da es bereits kurz nach 9:00 Uhr war und der ‚camp assistent‘ dringend auf die Freigabe unserer Hütte wartete. Ja, Grootkolk ist so begehrt und in der Kombination mit Urikaruus hatte ich leider nur eine Nacht erwischt. Wir sind ja inzwischen der Meinung, dass Sanparks als Minimum zwei Nächte je Camp vergeben sollte. So mussten wir weiter – schade.
Die Fahrt geht nordwärts. Unser Tagesziel ist das Camp Gharagab. Wir sind gespannt. Hier bekommt man bei Sanparks eigentlich immer eine Unterkunft. Es liegt aber auch etwas ungünstig lt. Karte. Es gibt nur einen Weg hin und einen zurück (jeweils Einbahnstraßen). Ein kurzer Morgen – oder Abenddrive ist gar nicht möglich. Man ist jedes Mal mindestens 100 km unterwegs. Wir sind jedoch neugierig. Wie sieht es dort aus. Und da uns Grootkolk ja ‚rausgeschmissen‘ hat, schauen wir nach vorne.
Als erstes sehen wir eine Gnu-Herde mit Nachwuchs. Dann untersuchen wir den Picknickplatz nach dem Wasserloch Geinab sehr gründlich. Hier war in den letzten Tagen eine Löwin mit drei Jungen gesehen worden. Heute nichts zu sehen.
Wasserloch Union’s End: hier wird gerade repariert. Ein Fahrzeug, Arbeiter und Rohre sind zu sehen.
Wir fahren weiter nach Norden, wollen bis an den Zaun nach Namibia.
Auf der anderen Talseite sehen wir unter Bäumen eine große Springbock-Herde auch mit Nachwuchs. Wir bleiben stehen und schauen etwas mit dem Fernglas. Und da wir gerade so schön im Schatten stehen und es hier oben keine Autos gibt, nutzen wir die Zeit und schreiben Tagebuch. Welch gute Entscheidung von uns – hier einfach stehen zu bleiben. Während wir geschrieben haben, und somit unser Auto ganz still stand, sind in 100 m Entfernung Erdmännchen aktiv geworden. Gleich rechts neben der Pad. Wir rollen langsam vor und können den lustigen Tieren einige Zeit bei ihren Tagesaktivitäten zusehen. Es ist immer wieder so ‚cute‘.

Wer findet das zweite Erdmännchen? 🙂
Die friedliche Szene wird je gestört als ein Raubvogel anschwebt. Oh, ihr kleinen Erdmännchen schnell zurück in die sicheren Höhlen. Die meisten folgen dem Rat und sind schnell verschwunden. Nur ein kleines Erdmännchen steht noch im Schatten und schaut. Bitte, bitte wir wollen keine Jagdszene sondern ein Happy End. Der Kleine steht für unsere Begriffe gut getarnt im Schatten. Der Vogel sitzt inzwischen auf einem Ast des großen Baumes. Und wir wissen ja, Vögel sollen ausgesprochen gut sehen können. Und der Kleine steht in Blickrichtung des Vogels. Bitte, bitte ein Happy End. Plötzlich verlässt der Kleine seinen Baumschatten und läuft über das freie sonnenbeschienene trockene Land. Hier gibt es kein Gras als Deckung, nichts. Wo will er hin? Er läuft auch noch auf den Baum mit dem Vogel zu. Und, plötzlich … … Der Vogel ??? Der Kleine ??? 🤢

Der Kleine ist in einem Loch verschwunden. Der Vogel sitzt auf dem Ast. Happy End!!
Wir fahren weiter Richtung Norden. Das Auto vom Wasserloch mit den Arbeitern und den Rohren überholt uns. Wo wollen die den hin? Wahrscheinlich dürfen solche Trupps doch zum Tor nach Namibia raus.
Da erscheinen rechts auf der Sandpad frische Spuren. Wir halten und schauen aus dem Fenster. Für uns sind das eindeutig Löwenspuren und zwar große und mehrere Kleine. Und die Spuren sind noch nicht von Reifen überfahren. Also noch frisch auch wenn sie ganz rechts am Rand der Pad sind. Die stammen bestimmt von der Löwenmutter mit den drei Jungen, die ja vorgestern am Picknickplatz gesehen worden sind. Wir halten Augen und Ohren (naja, die wohl eher nicht) offen und sehen ‚nichts‘. Die Spuren gehen nordwärts, wir folgen. Die Spuren gehen nordwärts, und wir dürfen nicht mehr folgen. Das Tor mit der Schautafel ‚Union’s End‘ ist erreicht.
Wir würden gerne weiter. Da vorne ist doch auch nur fester Sand, da kann man doch bestimmt gut nach Botswana fahren. Wir scannen den Rest vom Tal mit dem Fernglas zwei -bis dreimal ab und sehen leider nichts. Über unseren Köpfen schwebt ein Geier (white headed vulture). Nicht zu fassen. Hier am Ende schwebt nur noch ein Geier – übrigens mein erster Geier im Park.

Sollte uns das zu denken geben. Ein Geier. Wir scannen nochmal die Umgebung und machen dann kehrt. Die 4x4-Strecke nach Gharagab wartet auf uns. Neues Abenteuer – wir sind bereit.
Die Landschaft ist wunderschön. Es ist doch noch was anderes, wenn es nur zwei dünne Fahrstreifen für die beiden Reifen gibt. Sonst nur Natur. Die Büsche wachsen bis an den Rand der Fahrstreifen. Auch wenn hier einige Büsche noch von den Feuern des letzten Winters (wir hatten die Stories in Grootkolk gelesen) gezeichnet waren. Das Gras in der Mitte zwischen den dünnen Sandstreifen ‚kitzelt‘ das Auto von unten. Man kann es hören – das Auto lacht. Wir sehen frische Löwenspuren im Sand, die uns entgegen kommen. Wir sind definitiv das erste Auto, was heute den Weg fährt. Da es nur 4 Hütten gibt, sollten auch maximal 4 Autos pro Tag hier entlang fahren. Wir sind uns sicher. Die Löwenspuren sind mitten auf dem Sandweg und müssen von gestern Nachmittag bzw. Nacht sein. Dann enden die Spuren. Nach einiger Zeit finden wir neue Spuren – wieder von Löwen, sogar noch etwas größer – leider wieder entgegengesetzt. Wir schauen mal auf die Karte, ob die wohl zum Wasserloch am Grootkolk-Camp wollten?
Wasserloch Gharagab-Dam – kommt nach ca. 15 km auf der 4X4-Strecke und sollte lt. Karte in Nossob defekt sein. Von der Ferne sehen wir ein Auto direkt am Wasserloch stehen. Wo kommen die den her? Definitiv nicht von unserer Strecke. Das hat die Spurenanalyse eindeutig also zu 100% durch zwei unabhängige Eheleute ergeben. Wir fahren hin und man staune. Es ist das Auto mit den Arbeitern und den Rohren von vorhin. Dann sind die also nicht durch Tor (da gibt es inzwischen auch gar kein Tor mehr) raus nach Namibia sondern am Zaun entlang gefahren (geht viel schneller bestätigt uns der ‚camp assistent‘ später).
Unterwegs sehen wir mindestens 10 ‚Steenbok‘. Interessantes Verhalten. Die Tiere stehen 2m neben der Pad. Man sieht sie aus 10 Meter Entfernung und freut sich schon auf das Foto so nah am Weg, da die Tiere weiterhin ganz still stehen bleiben und dich anschauen. Wir fahren näher heran und die Tiere bleiben ganz ruhig stehen. Erst als wir stehenbleiben – spurten die Tiere los. Das hatten wir schon in anderen Nationalparks und das hat sich auch hier wiederholt so abgespielt. Irgendwann ist es uns doch geglückt ein Tier aus 7m-Entfernung zu fotografieren, wenn auch etwas im Gras versteckt.

Wir sehen noch ‚spotted Thick-Knee‘ und natürlich ein Schakal.


Die Temperatur steigt auf 42 Grad draußen. Noch sitzen wir im gekühlten Auto, doch bei jedem Fotostopp kommt die Hitze herein. Und dann sehen wir auch im Rückspiegel das nächste Auto. Ja, überholen geht hier überhaupt nicht. Die müssen sich wohl oder übel an unser Tempo inkl. Fotostopps anpassen. Weit weg vom Camp können wir auch nicht mehr sein.
Und richtig – gegen 14:00 Uhr kommen wir an und beziehen Hütte no.3 mit etwas eingeschränktem Blick auf das Wasserloch. Noch beim Abgeben des ‚Laufzettels‘ erscheint das nächste Fahrzeug. Und noch während wir auspacken, erscheinen die anderen zwei Fahrzeuge. So hat es wohl einen kompletten ‚Bettenwechsel‘ gegeben. Was sofort auffällt, ist die Ruhe. Es ist so ruhig. Es ist irgendwie eine solche Stille hier draußen. Es ist noch stiller als in Grootkolk. Es ist so still, dass ich instinktiv nur Flüstern möchte. Nur der Crimson-breasted Shrike (German bird) kommt zu Besuch.

Im Auto ist der Stromrichter schon den ganzen Tag dabei, die Batterien von der Videokamera aufzuladen. Da die Buschcamps ja keine Steckdose haben, muss eben die Autobatterie ran. Die 70 km heute haben noch nicht gereicht und die Fotokamera will auch noch neuen Strom. Ich starte in der Hütte mal gleich das Pfannenbrot. Schnell das Mehl, Salz mit der Hefe versetzt und mit Wasser zu einem Teig verrührt. Bei der Wärme wird das bis heute Abend gut aufgehen und wieder lecker werden. Der Camp-Assistent trägt eine Kap-Kobra stolz zu unseren neuen linken Nachbarn, die sonst gar nicht gesprächig sind.
Und es ist weiterhin so ruhig herum und die Dielen in der Hütte sind so laut am knarren. Bei jedem Schritt ‚knarr‘ – ‚knarr‘. Und wir hören nicht nur unser ‚knarr‘ – ‚knarr‘ sondern auch das der Nachbarn ‚knarr‘ – ‚knarr‘.
Die Zeit vergeht. Am Wasserloch gibt es nichts Interessantes. Die Nachbarn schauen mit dem Fernglas in die Ferne. Wir sehen nichts, da ein Busch die Sicht dahin versperrt. Wir essen, ruhen, trinken Kaffee und warten auf die Löwen. Es wird Abend. Da machen sich unsere Nachbarn doch glatt mit dem Auto auf den Weg. Wo wollen, besser wo dürfen die den hinfahren. In der restlichen verbleibenden Stunde schafft man die 100 km nicht. Das wird sich dann am nächsten Tag aufklären. Wir besichtigen mal die Aussichtsplattform und machen ein schönes Panoramafoto. Hier ist nichts – außer der Stille.

Also wer mal wirklich Abstand von der ‚lauten‘ Zivilisation braucht, der muss für ein paar Tage hierher kommen. Es ist einfach so unglaublich still.
Der Abend vergeht. Am Wasserloch nichts Besonderes. Irgendwann fallen uns die Augen zu und wir ziehen uns in die Hütte zurück. Der Wecker ist gestellt, da wir morgen eine lange Strecke vor uns haben. Wir planen um 6:20 Uhr beim ‚camp assistent‘ zu sein, um wirklich als erste auf die Ausfahrtstrecke gehen zu können. Wir wollen nicht die 30 km hinter jemandem her fahren und die Minuten verrinnen sehen.
Es ist sehr, sehr schön hier draußen. Einfach so still. Von meinem Bett habe ich eine gute Sicht auf das Wasserloch. Ich brauche nur kurz den Kopf zu heben und kann es durch die Gazetür sehen. Als ich in der Nacht etwas Gelbliches sehe, wecke ich sofort meine zweite Hälfte. Ein Löwe – ein Löwe. Wir packen die Ausrüstung und sind draußen. Da steht mein Wunschlöwe und entpuppt sich als Oryx – Fehlalarm. Die Sichtung wird als ‚Löwen-Oryx‘ notiert und wir schlafen wieder ein …
Tagestipp:So, und mit dem heutigen Tag ist meine Frage von gestern – Wie schnell darf man fahren, um Erdmännchen zu sehen – beantwortet worden.
Es sind keine 30 km/h ,auch keine 10 Km/h, sondern es sind 0 km/h. Dies nur als Tipp für alle die Erdmännchen sehen wollen. Bleibt einfach stehen. Natürlich an der richtigen Stelle.