Himba Dorf

33 Antworten · 9'952 Aufrufe · gestartet 04. Aug. 2009 von Kinraching
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Themenstarter12 Beiträge · seit 200904. Aug. 2009 · #1
Hallo, wir sind ende September, anfang Oktober in Namibia unterwegs. Wir haben leider nur drie Wochen Zeit um diese schöne Land zu bereisen. Wir möchten auf alle Fälle ein Himbadorf besuchen. Kennt jemand einen Tipp, wo man sowas machen kann?
Wir sind mit einem 4WD mit Dackzelt unterwegs.
Es sollte wenn möglich so gelegen sein, dass man anschließend nicht mehr soweit zum Etosha national Park hat.
Vielen Dank schon mal für Eure Tipps.
8'054 Beiträge · seit 200804. Aug. 2009 · #2
Hallo Kinraching,

Ein Himba Dorf kannst du auf der Gelbingen Lodge in der Nähe von Kamanjab besuchen. Man muss sich aber vorher schon anmelden.

Es grüsst

Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
1'470 Beiträge · seit 200804. Aug. 2009 · #3
Hallo Kinraching,

ein Dorf gibt es auch in ganz unmittelbarer Nähe zu Kamanjab. Ich glaube nicht, dass es das auf der Farm Gelbingen ist, welches wir im März besucht haben. Wie die Farm allerdings heißt, wo unseres liegt, weiß ich nicht. Man meldet sich im Ort selbst beim Oase Garni Guesthouse an. Man kann dort dann auch quasi direkt neben den Himbas zelten und hat den ganzen Abend die Geräuschkulisse des Dorfes im Ohr. War sehr nett. Aber es ist wirklich ein reines Showdorf, dort in der Gegend sind die Himbas nicht wirklich ansässig. Geründet hat es eine Himbafrau zusammen mit einem Namibier, nachdem der sie in ein Krankenhaus brachte und man ihr dort das Leben retten konnte. Es ist eine Art Waisenhaus und auch ein bißchen "Frauenhaus", wo Frauen hinkönnen, die vielleicht nicht mehr wissen, wohin... Wir fanden es sehr interessant, da wir es nicht ins Kaokoveld geschafft haben auf unserer ersten Reise.
Gruß,

Moose.
http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=a8a948-1342536910.jpg Fotobericht Madagaskar 2012 - Zwei Knäckebrote auf Lemurensuche Fotobericht Südafrika 2013 - Von Elefanten gejagt, von Katzen verlassen Fotobericht Madagaskar 2014 - Madagascar Ostküste - Teil 2 der Knäckebrot-Saga
114 Beiträge · seit 200704. Aug. 2009 · #4
Hallo Kinrachung,
Ihr könnt auch auf Gelbingen übernachten. Es ist eine Gäste-und Rindefarm.
Dort könnt Ihr dann das Himbadorf besichtigen, es kostet keinen ExtraEintritt.
Die Unterkunft wie auch das Essen sind gut.
Die Hoths sind nette Gastgeber.
Viel Spaß beim Planen,
Beste Grüße Fritzi
0
351 Beiträge · seit 200804. Aug. 2009 · #5
Hallo,

also wir können Camp Aussicht und eine Führung mit Marius Steiner nur wärmstens empfehlen.




Schöne Grüße aus Bayern
Niemals aufgeben !
54 Beiträge · seit 200904. Aug. 2009 · #6
Hi Kinraching,

Himba-Dörfer findest Du im Norden genug. Sei einfach offen und hab vor allem genügen Maismehl, Zucker und Tabak dabei. Pro Dorf solltest Du mit 10 kg Maismehl, 5 kg Zucker und 500 g Himba-Tabak rechnen, dann hast Du keine Probleme 🙂
Ich wurde immer sehr gut aufgenommen und wurde sogar eingeladen bei oder in ihrem Dorf zu übernachen.



Grüße
Robert
📎 phpBLuOEi
http://www.rdf-foto.com - Robert de Flers - Fotografie
zuletzt bearbeitet 04. Aug. 2009
134 Beiträge · seit 200905. Aug. 2009 · #7
@ Kinraching,
in Kamanjab findest du auf jeden Fall ein Himbadorf. Die Dörfer sind aber meiner Meinung nach alle nur noch Showdörfer. Wir haben es auch probiert nach dem "Urtümlichen Dorf" zu suchen was gänzlich misslungen ist, weil man uns in dem Dorf nur das Geld abknöpfen wollte. Wir Touristen sind ja selber Schuld, denn mit jedem Touristenbesuch mehr wird auch mehr Geld oder Naturalien verlangt. Mit Zucker und Mehl geben sich manche Dörfer nicht mehr ab. Wir sind mit viel Naturalien wieder abgezogen, weil man auch noch Geld haben wollte. Haben die wirklich Hilfe nötig? Die Naturalien haben wir dann später einer zufällig vorbeiziehenden Familie auf einem Eselskarren gegeben.

@ Moose,
es handelte sich vermutlich um das gleiche Dorf. Auch wir haben uns im Oase Guesthouse in Kamanjab angemeldet. Wir waren nur zu zweit. Der Preis im Oase war noch akzeptabel, aber als wir dort waren ist der Preis um ein vielfaches gestiegen. Wir haben verzichtet.

Ramona
1'250 Beiträge · seit 200905. Aug. 2009 · #8
Wir haben ein Himbadorf ca. 10 km östlich von Kamanjab besucht.
Das Dorf befindet sich direkt an der Strasse.
Der Zugang ist aber von einer Seitenstrasse.
GPS-Koordinaten könnte ich raussuchen.

Es hat Eintritt (Geld) gekostet, dass an die
Kommunity ging.

Wir wurden durch das Dorf geführt
und uns wurde die Lebensweise der Himba vorgestellt.
Dann konnten wir ausgiebig Fotografieren.
Es wurde etwas unmotiviert getanzt
und anschliessend Verkaufsstände aufgebaut.
Dort konnte man Schmuck, Püppchen, Kopfkissen,
Schminckuttensielien, etc. gegen Festpreise kaufen.

Unser Guide Matthias ist von dem Stamm und konnte
auch ein paar Detailinformationen geben.
Der Stamm kommt aus dem nördlichen Kaukoveld und
dem südlichen Angola.
Es findet ein stetiger "Austausch" der Menschen statt.

Das Dorf machte auf mich den Eindruck als Showdorf.
Die meissten Hütten waren im Bau.
Bei unserer Ankunft kamen die Maedels erst ins
Dorf geströmt. Das heisst, sie wohnen
eigentlich woanders.

Ein paar Himbamädels und die Männer hatten "normale" Kleidung an.
In paar Himbamädel waren teilweise hinten nicht geschminkt.

Das Dorf ist ganz klar kommerziell ausgerichtet.
Durch die Einnahmen wird aber der ganze Stamm, also auch die Himbas, die im Norden und in Angola leben mit unterstützt und bestimmt auch einiges in Alkohol umgesetzt.

Andererseits wir leben im Jahr 2009.
Auch Namibia ist ein zivilisiertes Land
in einer globalisierten Welt.
Haben wir kein Recht dazu den Himbas,
Bildung und die Errungenschaften unserer Kultur
zu verweigern, nur damit wir schöne Fotomotive
nach Hause bringen können?

Ein Teil der Himba-Kinder geht bereits in die Schule nach Kamanjab. Mit zunehmender Bildung haben
auch die Himbas keine Lust mehr mit den Kühen
durch den Busch zu ziehen.
Matthias wird nicht mehr in sein Dorf zurückkehren.

Die Himbakultur verändert sich und es wird
in einigen Jahren nur noch eine Pseudokultur
im Showdorf (Museum) geben.
Für die Touristen werden sich ein paar hübsche
Mädels in die traditionelle Kleidung schlüpfen
und für Fotos posieren und damit Ihren
Lebensunterhalt bestreiten.

Aber ist das bei uns auch nicht anders?
Wenn wir einen Schuhplattlerabend für japanische Touristen veranstalten,
die Kellnerin im besonders tief ausgeschnittenem
Dirndel auf dem Oktoberfest für die Amerikaner
Maßkrüge mit verdünntem Bier verteilt,
oder chinesischen Touristen Schwarzwälder Kuckucksuhren verkaufen, die in China gefertigt wurden?

Viele Grüße
Bernd
Äthiopien, Benin, Botswana, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Kenia (2x), Madagaskar, Malawi, Marokko, Mauretanien, Namibia, Niger, Ruanda, Sambia, Senegal, Simbabwe (2x), Sudan, Tansania (3x), Togo, Tschad, Uganda (2x) Fotoreportagen und Bildgalerien aus aller Welt: foto-kiboko.de
134 Beiträge · seit 200905. Aug. 2009 · #9
Genau das meine ich. Es geht nur ums Geld. Komisch fanden wir nur, dass zwischen Anmeldung in Kamanjab und der eigentlichen Besichtigung der Preis gestiegen ist. Wo geht der Mehrpreis hin? Das ist Afrika.

Wir haben gelernt, dass wir kein Dorf mehr für Geld ansehen werden.Uns war die Situation unangenehm.

Bernd, du bewegst dich auf Glatteis. Ich lebe in München und das Oktoberfest ist den Münchnern heilig.
Leg dich nie mit einem echten Münchner an, der "Grandler" macht dich nieder. Ich spreche als "Ausländerin" (ich komme aus Karlsruhe) und musste dies bitter erfahren. Nach der zweiten Mass lag ich fast unter dem Tisch. Der Bayer hatte zu diesem Zeitpunkt schon sein viertes Bier bestellt. Der Bayer und ich sind heute noch gute Freunde. Nochmal Schwein gehabt.

Ramona
1'723 Beiträge · seit 200905. Aug. 2009 · #10
Also eigentlich wollte ich mich mit meinen kritischen meinungen ja etwas zuegeln, aber hier muss ich nochmal zuschlagen, auch wenns etwas am thread vorbei geht.

Ich liebe namibia, ich finde es toll, dass es noch (sehr wenig) Himbakultur gibt, aber je mehr wie bekloppte dahin eilen mit unseren kameras und auch noch geld bezahlen, desto weniger bleibt zu hoffen, das ein funken dieser kultur bestehen bleibt..

Wie bescheuert ist das denn eigentlich als Tourist "menschen zu besichtigen".. ?? Ich finde das einfach nur pervers, und die folge ist, dass wir pervers auch ueber den tisch gezogen werden.

Es gab hierzu neulich eine sehr gute doku im franzoesischen Fernsehen, gerade uber die himbas. Hier wurde deutlichst gesagt, dass gerade die touris, die dort einfliegen der faktor dafuer sind, dass die kultur nach und nach verloren geht. Auch gehen immer mehr himba kinder (gott sei dank) zur schule und tragen hierfuer selbstverstaendlich normale kleidung. Gern gesehen sind sie immer noch nicht und oft ertragen diese kinder haenseleien von den anderen. Darum ist auch hier eine tendenz sich immer weiter anzupassen..

wir touristen muessen uns manchmal ueber unser tun im klaren sein..
ich finde das voellg daneben, und fuer uns kommt es, ausser durch puren zufall, absolut nicht in frage, diese chartertouren mitzumachen..

sorry ..
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
42 Beiträge · seit 200905. Aug. 2009 · #11
RdF schrieb:
Hi Kinraching,

Himba-Dörfer findest Du im Norden genug. Sei einfach offen und hab vor allem genügen Maismehl, Zucker und Tabak dabei. Pro Dorf solltest Du mit 10 kg Maismehl, 5 kg Zucker und 500 g Himba-Tabak rechnen, dann hast Du keine Probleme 🙂
Ich wurde immer sehr gut aufgenommen und wurde sogar eingeladen bei oder in ihrem Dorf zu übernachen.



Grüße
Robert
Hallo zusammen,

@Robert, verstehe ich dich richtig, Mehl, Zucker und Tabak mitnehmen und einfach so in ein Himba-Dorf spazieren?
Tut mir leid, dass ich so doof frage. Kann man das "einfach so" machen? Verstößt man da nicht gegen uns unbekannte Riten und Traditonen?

Wir fahren im September unter anderem ... Sesfontein - Epupa Falls - Ruacana - Etosha Ost ... als Selbstfahrer.
Gibts dort ne gute, nicht zu überteuerte und nicht überkommerzielle Möglichkeit ein Himba-Dorf zu besichtigen?

Kann mir jemand einen Tip geben?

Danke
Nina
0
1'250 Beiträge · seit 200905. Aug. 2009 · #12
Hallo,

Miss Ellie,

jetzt kann ich auch nicht mehr "hinterm Berg" halten: Du sprichst es endlich mal an..... und mir aus der Seele!
Wie bescheuert ist es denn eigentlich, als Touri "Menschen zu besichtigen".....? Schön, dass Du den Mut hattest für diesen Satz!!
Man liest ja öfter mal was hier im Forum über den Besuch von Himba-Dörfern durch Touris; ich finde es einfach nur abartig! Mir wäre meine Zeit in Namibia zu schade für sowas. Das Land ist sooooo schön und man kann so schöne Dinge unternehmen und erfahren.......

Einen schönen Tag,
U.l
Ein Freund ist ein Mensch, vor dem ich laut denken kann. R.W. Emerson Namibia 2013 - http://www.namibia-forum.ch/forum/17-news/278435-unterkunftsbeschreibungen-unserer-letzten-reise.html?start=12 Namibia 2015 - http://www.namibia-forum.ch/forum/8-camping/286282-unsere-campsites-im-maerz-2015.html
134 Beiträge · seit 200905. Aug. 2009 · #13
@ Nina, ich denke es ist hoffnungslos! Sorry auch du wirst es erst merken, wenn du da bist. Es gibt kein ursprüngliches Himbadorf mehr.

Ramona
1'247 Beiträge · seit 200905. Aug. 2009 · #14
Wenn ihr schon dabei seid...

Man kann die ganze Sache auch von einer anderen Seite betrachten: Die San in der Nyae Nyae Conservancy bei Tsumkwe haben bewusst ein "Showdorf" eingerichtet, in welchem den Touristen die ursprüngliche, traditionelle Lebensweise gezeigt wird. Das Geld soll, wenn man denn den entsprechenden Infos glauben darf, ihnen selbst zugute kommen und helfen, im Rahmen der heutigen Möglichkeiten ihren Lebensstil weiter zu pflegen. Ich nehme mal an, dass es bei den Himba zumindest teilweise so ähnlich sein wird.

Trotzdem hat Miss Ellie natürlich irgendwie recht. Die Frage ist nur, wie verhalte ich mich richtig? Konsequenterweise müsste man ja sagen: gar nicht nach Namibia fahren, sondern Namibia den dort wohnenden Leuten überlassen. Aber eben (s. oben)...

Selber in ein Himba-Dorf fahren und dort mit Geld oder was auch immer herumfuchteln, würde ich nicht. Stellt euch doch mal vor, ihr sitzt zuhause beim Mittagessen und plötzlich platzt ein Japaner in die gute Stube und fotografiert alles, was ihm vor die Linse kommt 🤩 Wenn schon, dann eher mit jemandem, der persönlichen Kontakt hat, wie z.B. Marius Steiner auf Camp Aussicht oder im besten Fall eben jemandem, der wirklich im Dorf lebt.

Ich war schon zweimal auf dem Ayers Rock resp. Uluru (Australien). Jetzt wollen die Aborigines den Zutritt sperren mit der Begründung, sie klettern ja auch nicht auf den Petersdom. Ich muss ihnen recht geben 😊

Konsequenz: Ehrlich gesagt, weiss ich bis jetzt noch nicht, was ich tun und was ich lassen werde - oder anders gesagt: Mit welchem Verhalten ich den Himba, den Herero, den San und allen weiteren nativen Namibiern am besten helfe. Wenn alles immer so einfach wäre 😮

Gruss
Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht (Fritz Grünbaum) Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
2'346 Beiträge · seit 200605. Aug. 2009 · #15
Hallo Nina,

wirklich unverfälschte Himba-Dörfer wirst du wohl kaum noch finden. Ich würde dir aber zwei Übernachtungen in Camp Aussicht (zwischen Sesfontein und Opuwo) empfehlen und von dort aus mit Marius Steiner eine Himba-Tour zu machen. Ich habe die Tour als wir bei ihm waren zwar selbst nicht mitgemacht, traue ihm aber aufgrund seiner Menschenkenntnis und seiner ganz besonderen Grundeinstellung eine sensible Führung zu. Vor allem wird er Himba-Siedlungen besuchen, die ansonsten abseits touristischer Hochburgen liegen.

Ansonsten wirst du gerade auf der Strecke Opuwo - Epupa mehr oder weniger zwangsläufig mit Himba konfrontiert. Sie werden sich dir quasi "vor den Kühlergrill" werfen und dich zum Besuch ihrer an der Straße liegenden "Dörfer" animieren - oder dich einfach nur anbetteln. Wenn du an ihnen vorbeifährst, wirf ab und zu auch mal einen Blick in den Rückspiegel. Da wirst du alles erleben, vom apathischen Weggehen über Drohgebärden bis hin zum Steinwurf. Was mir ganz besonders aufgefallen ist: dass diesen Himba jeglicher Stolz verlorengegangen ist, der ansonsten immer das hervorstechendste Merkmal dieser Menschen war. Insgesamt eine schlimme Entwicklung, die gut zu den kritischen und nachdenklichen Kommentaren in diesem Thread passt.

Gruß
Armin
81 Beiträge · seit 200605. Aug. 2009 · #16
Also ich denke man sollte diese Diskussion hier ein wenig entzerren. Ich meine es kommt letztendlich immer auch ein wenig auf die Intension an, warum jemand was macht und was er daraus macht.
Den Vergleich mit den bayerischen Schuhplattlern finde ich da ganz angebracht und sicherlich ist deren Intension das zur Schau gestellte Brauchtum aufrechtzuerhalten und auch in gewisser Weise zu repräsentieren.
Natürlich spielt auch dort meistenorts das Geschäft mit dem Tourismus eine Rollen, wohl aber nicht die Hauptrolle.

Bei dem erwähnten Himbadort habe ich zumindest den Eindruck, als ginge es doch mehr um den Erwerb als um Erhaltung bzw. reine Repräsentation von Kultur und Brauchtum.

Ich glaube, dass z.B. die Himbas oder auch andere Volksgruppen noch nie oder noch nicht an einer zur Schaustellung ihrer Kultur, rein aus repräsentativen Gründen interessiert waren oder sind.
Und hier liegt m.E. die Krux. Wenn sich diese Menschen selbst oder ihre Lebensweise zur Schau stellen, um damit Einnahmen zu erzielen, so sei es ihnen unbelassen dieses zu tun. Nur sollte sich ein jeder Besucher immer im Klaren sein, dass dies die (hauptsächliche) Intension der meisten "zur Schau Gestellten" sein wird.
Ob dies moralisch von uns Europäern als verwerflich - von welcher Seite (Gaffer oder Begaffte) auch immer - anzusehen sein darf, möchte ich hier bezweifeln.
Hier hat sicherlich jeder selbst zunächst seine eigenen Handlungen selbst kritisch zu hinterfragen.
Hat sich denn schon einmal jemand hier im Forum daran gestört, dass barbusige Himbafrauen hochaufgelöst zur Schau gestellt werden, ohne dass diese vermutlich vorher um Erlaubnis gefragt wurden???
Nein hat man nicht, weil der das Bild Einstellende wegen seiner sonstigen tollen Bilder scheinbar unkritisierbar wurde... oder aus welchem Grund....

Ralph
236 Beiträge · seit 200705. Aug. 2009 · #17
Hallo zusammen,

ja, die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte... wie Thomas es schon richtiger Weise beschrieben hat!

Wir waren auch schon mal in Kenia, wo wir auf einer geführten Tour in ein Massai Dorf geführt wurden. Ich habe mich schlichtweg geweigert, dort hinein zu gehen, da ich es erstens eher als "Touriabzocke" betrachtet habe und zweitens ich auch Probleme damit habe, "Menschen" in ihrem täglichem Lebensraum inkl. Zuhause zu besichtigen. Es kam mir eher wie ein "menschlicher Zoo" mit Ausgang vor.

Die anderen Tourteilnehmer haben mich schön blöd angestarrt, weil ich mal wieder aus der Reihe getanzt bin... 🙄

Ein paar Tage später bin ich dann zusammen mit meiner Frau in ein Showdorf gegangen, was ganz bewußt die unterschiedlichen Traditionen darstellen sollte. Jedoch haben die Menschen dort nicht gewohnt, sondern sind abends dann wieder in ihr eigentliches Zuhause zurückgekehrt. Das fande ich sehr aufschlussreich und informativ! Komisch war nur, dass hier keiner von unseren Tourteilnehmer war... 😄
OK, man mußte dieses Dorf auch extra aufsuchen, weil es auf keiner Tour enthalten war.

Ich habe, wie auch Miss Ellie, immer meine Probleme, wenn man in solche Dörfer als Tourist eindringt. Irgendwie ist man doch immer ein Störfaktor, gerade wenn es unbverfälscht sein soll! Es sei denn, man wird persönlich eingeladen! Aber wem passiert das schon als "Ottonormaltourist"?!

Zu meiner Schande muss ich gestehen, fotografiere ich auch gerne Menschen, z.B. auf der Straße oder auf dem Markt. Immer aus einer gewissen Entfernung und mit genügend Umgebung (ich besitze kein Mega-Teleobjektiv) und wenn nah, dann frage ich, ob die/derjenige etwas dagegen hat. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn ich auf dem Markt bin, fotografiert zu werden.
Ich weiß, auch das kann man als verwerflich ansehen, aber irgendwie möchte man ja auch die Stimmung auf solchen Straßen und Märkten einfangen. Und dazu zählen halt auch Menschen.

Hmm... habe ich mich jetzt widersprochen!? 🤪

Wie Thomas so schön gesagt hat, wenn alles immer so einfach wäre!

Gruss
Christoph 😎
Tiefsandtaucher: Unser privater Reise- und Abenteuerblog für Individualreisende und Selbstfahrer mit vielen Reiseberichten aus dem südlichen und östlichen Afrika Blog: https://www.tiefsandtaucher.de Facebook: https://www.facebook.com/tiefsandtaucher/
zuletzt bearbeitet 05. Aug. 2009
1'723 Beiträge · seit 200905. Aug. 2009 · #18
jajaja,

wenn die sich dann zur schau stellen, duerfen sie auch nicht heulen.. stimmt..

jetzt mal die gegenfrage : wer hat die wohl dahin getrieben sich freiwillig zur schau zu stellen.. ??
Glaubt ihr die sind beim aeltesten rat selber da drauf gekommen ?? oder vielmehr weil irgentwelche touris-animateure den tollen gedanken hatten ihnen die leute ranzukarren und damit die das auch nicht umsonst tun, dann eben eine gegenleistung zu bieten ??

die krux ist immer dieselbe.. da wo von geldgierigen das business betrieben wird gibts kein halten mehr und frueher oder spaeter sind halt alle verdorben. Und heute beschweren sich die touris, dass es nur noch "schaudoerfer" gibt...

uhla mir fehlen etwas die worte..
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
81 Beiträge · seit 200605. Aug. 2009 · #19
nun würde ich doch nicht so weit gehen und die Menschen dort als "Hingetriebene" zu bezeichnen... das klingt mir so ein wenig nach "Viehabtrieb".
Immerhin haben sie ihren eigenen Willen, Intelligenz und Stolz. Und manche "schaffen" es sogar bis runter nach Windhoek, um sich und Ihre Erzeugnisse zu zeigen und zu verkaufen. Ich glaube nicht, dass man die Frauen am OK Parkplatz dorthin "getrieben" hat.
In die Handlungen der Menschen zuviel hinein zu interpretieren und vor allem vor Pauschalisierung, davor würde ich mich selbst hüten.
1'723 Beiträge · seit 200905. Aug. 2009 · #20
Nee Ralph,

ich glaub da hast du mich jetzt falsch verstanden. Was ich sagen wollte ist, (sorry wenn ich mich missverstaendlich geaussert habe)dass es um den ursprung des gedanken geht..

und entschuldige aber zwischen der initiative in WDH etwas zu verkaufen und den intimen lebensraum zu schau zu stellen sehe ich noch einen grossen unterschied..

das is schon klar, wenn da einer kommt der ploetzlich mit geld winkt, da wird auch der himba weich, weil auch die neuzeit ist sicherlich zu ihnen durchgedrungen und der druck der aussenwelt immer groesser..

aber ich glaube nicht, dass die himbas selber die initiative getroffen haben, gebuchte touri ausfluege zu organisieren.. hier wird doch so manches durcheinander gebracht..
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss