Okambara Elephant Lodge - mit Jägern wider Willen.

143 Antworten · 18,8k Aufrufe · gestartet 22. Okt. 2019 von Phil0811
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35 Beiträge · seit 201925. Okt. 2019 ·
Ich habe, zuletzt im Mai diesen Jahres, die selben Erfahrungen wir Logi gemacht.
Ich war auf mehreren Farmen, auf denen man jagen kann. Bei den meisten gibt es auf deren Web-Site keine Hinweise darauf.
In einem Fall hat mich der Farmer sogar eindringlich gebeten, mich gegenüber den gerade anwesenden Fototouristen bloß nicht als Jäger zu erkennen zu geben.
Viele Grüße
Wolfgang
off Topic: natürlich haben am Buffet alle auch beim Fleisch zugegriffen und den Geschmack von Oryx, Eland usw. gelobt, also anscheinend auch genossen.
68 Beiträge · seit 201925. Okt. 2019 ·
loser schrieb:Throphäenjagd ist, bei Einhaltung herrschender Regeln, nicht ungesetzlich.
In einigen Ländern ist es gesetzlich, Menschen zu exekutieren, nur weil sie homosexuell sind. Das ist dann richtig und nicht zu beanstanden, weil es ganz eindeutig gesetzlich ist? Damit will ich nicht immer zu komische Vergleiche ziehen. Ich will nur verdeutlichen, dass der Verweis auf rückständige Gesetze nur eine billige, bequeme Ausrede ist, um sich nicht inhaltlich auseinander setzen zu müssen.
loser schrieb:Gleichzeitig kann und wird die Trophäenjagd aber auch von Vielen als unmoralisch und unethisch empfunden und das ist auch deren gutes Recht. Über derartige Glaubensfragen kann man mE nicht diskutieren, schon gar nicht streiten.
Darüber kann man wirklich nicht mehr streiten. Noch vor hundert Jahren war die Mehrheit der Menschen in Westeuropa fest überzeugt, das Neger Untermenschen sind: dumm, irgendwie minderwertig, unter uns stehend. Häufig war das mindestens auch indirekt rechtlich verankert. Das war damals gewiss für viele auch eine "Glaubensfrage" (also eine Frage tiefster Überzeugungen), von der viele meinten, dass man die nicht diskutieren kann. Heute hält nur noch eine hinterwäldlerische Minderheit Schwarze für minderwertig. Der Rest hatte längst einen Erkenntnisgewinn und auch das Recht hat nachgezogen. Eben weil: Die Menschheit entwickelt sich weiter.

Weil Jäger immer wieder darauf verweisen, dass Jagdkritiker Fleisch aus der Massentierhaltung essen und die Kritik an der Jagd deshalb heuchlerisch ist: Es gibt keine rationale Begründung im Sinne von: wir müssen Massentierhaltung praktizieren, um unseren Nahrungsbedarf decken zu können. Niemand kann dieses Tierleid rational rechtfertigen. Es werden aber Milliardenprofite damit gemacht. Das sorgt für Beharrungskräfte. Die Gesetze erlauben es (noch). Aus Sicht der Konsumenten: Es ist Gewohnheit. Es ist unangenehm, sich selbst mit eigenem (Fehl-)Verhalten auseinander zu setzen. Es ist so mühsam, eigenes (Fehl-)Verhalten zu ändern (siehe Sport, Rauchen, Abnehmen, Alkohol). Das Fleisch ist weiter billig und lecker. Änderungen fordert man lieber immer bei den anderen (Trophäenjägern!). Gleich wohl steigt beständig die Zahl der Vegetarier in Deutschland. Warum? Doch nicht, weil Fleisch im Jahre 2019 plötzlich nicht mehr schmeckt. Oder weil wir nicht mehr genug Fleisch haben. Oder weil es zu teuer geworden ist. Sondern weil die Menschheit sich eben weiter entwickelt. Weil sich bei immer mehr Menschen bestimmte Erkenntnisse einstellen. Wenn Jäger die Massentierhaltung kritisieren, haben sie einen validen Punkt. Nur als Rechtfertigung für die Trophäenjagd taugt das eben nicht (siehe Vorposting).
loser schrieb:Einerseits wird Jagd zur Ernährung oder als Erwerb akzeptiert, weil eine Notwendigkeit, und das auch von Gegnern der Trophäenjagd, andererseits wird ein Jäger verdammt, weil er es „zum Vergnügen“ macht.
Da sind wir wieder bei dem Schema, "aber DIE ANDEREN". Wenn San jagen, dann jagt da eine winzige Minderheit, für die das Stand jetzt überlebenswichtig ist, weil sie insgesamt ein Leben wie vor 300 Jahren führen. Das kann nicht die Rechtfertigung dafür sein, dass andere nur aus Dekadenz oder niederen Motiven heraus Tiere abschießen.

Liebe Grüße
16,9k Beiträge · seit 201225. Okt. 2019 ·
Wolfgang1956 schrieb:
In einem Fall hat mich der Farmer sogar eindringlich gebeten, mich gegenüber den gerade anwesenden Fototouristen bloß nicht als Jäger zu erkennen zu geben.
Ganz genau so wird es gemacht. Der Gastgeber bittet, bei einer Mischbelegung, die Jäger den "Ball ein bisschen flach" zu halten. Normalerweise klappt das auch, weshalb ich in dem vorliegenden Fall von "Arschloch"-Jäger schrieb.
Wir wissen natürlich nicht, ob es dort nicht schon im Vorfeld zu einem Wortwechsel o.ä. gekommen ist, weswegen dieser Jäger eventuell meinte sich entsprechend revanchieren zu müssen.

LG
Logi
873 Beiträge · seit 201625. Okt. 2019 ·
Ich geb auch mal meine Senf dazu. Vorab: Bin Nichtjäger, Nichtangler, Gern-Fleischesser.

1. Dieser ganze Thread zeigt hervorragend, dass der Threadersteller Phil Recht hat. Eine Lodge sollte mit dem 'Problem' möglichst intelligent und offen umgehen, um Unmut zu vermeiden. Es gibt nun einmal die seeehr unterschiedlichen und teils ideologisch aufgeheizten Unterschiede in der Auffassung zur Jagd bei den Gästen. Und als guter Gastgeber sollte eine Lodge versuchen, diese beiden Gästegruppen voneinander zu trennen, damit sich beide jeweils wohlfühlen.

Ein gutes Hotel versucht auch zu trennen zwischen FKK-Gästen und Nicht-FKK-Gästen, Ballermann-Gästen und Yoga-Gästen, kinderreichen Gästen und ruhebedürftigen Rentnerpaaren etc. etc.
Das gelingt manchmal durch verschiedene Gebäudetrakte, verschiedene Eingänge, getrennte Restaurants, getrennte Websites, getrennte Strandabschnitte usw.

2. Ich persönlich mache übrigens auch einen Unterschied zwischen Trophäenjagd (böse!) und sonstiger Jagd (o.k.). Für mich sind Trophäenjäger vorrangig auf die vorzeigbare (anders Wort für angeberische) Trophäe aus, also den besonders großen Elefant, das besonders seltene Tier, das besonders große Geweih etc.. Da spielt es eben keine Rolle, welche soziale Funktion beispielsweise diese alte erfahrene Tier innerhalb einer Herde hat, ob es Jungtiere gibt, die auf das gejagte Tier angewiesen waren, ob es ein Tier ist, dass 'versehentlich' aus einem Nationalpark mit höheren Schutzvorschriften aufs benachbarte Farmland geraten ist und dann direkt an der Grenze erlegt wird.
Hier geht es eben 'in erster Linie' NICHT um Fleisch, um Hege oder um Bestandsregulierung.
Trophäenjäger haben kein oder kaum Interesse, das Tier mit dem schiefen Geweih, das durchschnittliche Herdentier statt den Leitbullen, das siebenundfünfzigste Warzenschwein zu schießen.

Ich mach's mal etwas drastisch: Es gibt auch bei der Spezies Mensch normale Jäger und Trophäenjäger. Für mich ist es völlig o.k., dass ein junger Mann abends im Club versucht, ein Frau fürs Leben (oder meinetwegen auch nur für die nächsten Jahre) zu finden, dabei verschiedene Enttäuschungen und tolle Frauen kennenlernt.
Ein Trophäenjäger wäre in dem Beispiel jemand, der mit den Kumpels wettet, dass er auf Mallorca an sieben Tagen sieben verschiedene Frauen flachlegt, der Fotos seiner Eroberungen herumzeigt, der eine Frau anmacht, weil er "noch nie eine Rothaarige / eine Italienerin" hatte etc.

Beide 'Jäger' sind auf der Suche nach einer Frau, ich halte aber den ersten für respektabel und den zweiten für kritisierens- oder sogar verachtenswert.

Christoph
NAM 09/2017 mit Galerie NAM 07/2019 mit Galerie NAM 08/2021 mit Galerie Südafrika 08/2023 mit Galerie NAM 08/2025 mit Galerie
zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2019
785 Beiträge · seit 200825. Okt. 2019 ·
Hi,

mal eine Frage an die Gegner der Trophäenjagd:

Mal angenommen es würde jetzt ein Gesetz geschaffen, das die Internationale Trophäenjagd verbietet!

Was meint ihr, wie wird sich dies auf den Bestand von Wildtieren in Namibia auf privatem Farmgelände auswirken?

Wird es dann in Zukunft mehr Wild geben, weil sich dies jetzt ungestört vermehren kann, oder wird der Bestand vielleicht ehr schrumpfen, weil somit vielen Farmern die Erwerbsgrundlage genommen wird und somit nach anderen Wegen der Bewirtschaftung ihrer Farm gesucht wird?

Oder werden die Preise von einigen Farmen die momentan zweigleisig fahren dann vielleicht steigen, damit sie den Verlust bzw den Wegfall der Einnahmen aus der Jagd ja irgendwie kompensieren müssen?

Oder gibt es eventuell sonst irgendwelche positiven Einflüsse, die ich vielleicht jetzt nicht erkennen kann?

Ich bin jetzt echt mal auf die Antworten gespannt!


Viele Grüße


Markus
1’097 Beiträge · seit 200925. Okt. 2019 ·
NAM ist - gemeinsam mit RSA - mit Abstand das günstigste Reiseland im südlichen/östlichen Afrika.
Eine Erhöhung um 100-150% würde dem Land guttun 🙂

Mal im Ernst: Campingplätze mit toller Infrastruktur in gutem Zustand für 6-8 EUR/p.P. und Tag ist absurd.
Lodgebetten für 50 EUR/p.P. ebenso.

Mit weniger Touristen den gleichen oder mehr Umsatz zu generieren ist auch "Naturschutz"...

@maggus
Es geht nicht um das Verbot von Trophäenjagd sondern um die Kennzeichnung und den offenen Umgang damit auf der Webseite.
Keine Ahnung was daran so schwer zu verstehen ist.
2’466 Beiträge · seit 200625. Okt. 2019 ·
Naja, Hinweise auf Websites über bestimmte Personengruppen bedeuten letztlich Diskriminierung. Der eine mag keine Trophäenjäger, der nächste keine Ornithologen, weil die auf jedem Game Drive nur für Vögel halten wollen, der übernächste hatte mal besoffene unhöfliche Bayern am Nachbartisch, deren Dialekt er nicht verstand. Ich überspitze das jetzt absichtlich 😗
Nicht jeder Jäger aus dem Ausland, den ich kennengelernt habe, ist auch mit der Trophäe nach Hause gereist, manchen geht es nur um die Jagd an sich, aber selbstverständlich gibt es auch unter Jägern unangenehme Zeitgenossen, aber habe ich ein Recht darauf, dass mir nun jede Unterkunft auf der Website mitteilt, mit was für Menschen und Hobbies ich mitunter konfrontiert werden kann? Ist die Lodge verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ich mich nur mit Menschen umgeben muss, die meine eigenen Moralvorstellungen teilen?

Dem Kudu ist es vermutlich wurscht, warum es getötet wird. Der Mensch hingegen kommt zu dem Ergebnis, dass es besser ist, abends glücklich auf sein Steak zu starren und sich moralisch über Jäger/Trophäenjäger zu erheben.

Mich würde mal interessieren, wie viele hier aus dem Forum, die grundsätzlich alle (Trophäen)-Jäger über einen Kamm scheren, diese überhaupt mal kennengelernt oder je mit ihnen diskutiert haben. Mein Eindruck ist, die eigenen Vorurteile lassen das nicht zu.
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
785 Beiträge · seit 200825. Okt. 2019 ·
Hi Seyko,

wie wir alle hier in den letzten Ausführungen lesen können, geht es mittlerweile auch um die Trophäenjagd allgemein, dies hat sich aus dem ursprünglichen Betrag so entwickelt und deshalb sehe ich meine Frage auch als angebracht!

Sanne: 100% Zustimmung!!


Gruß

Markus
zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2019
390 Beiträge · seit 201725. Okt. 2019 ·
Seyko schrieb:NAM ist - gemeinsam mit RSA - mit Abstand das günstigste Reiseland im südlichen/östlichen Afrika.
Eine Erhöhung um 100-150% würde dem Land guttun 🙂

Mal im Ernst: Campingplätze mit toller Infrastruktur in gutem Zustand für 6-8 EUR/p.P. und Tag ist absurd.
Lodgebetten für 50 EUR/p.P. ebenso.

Mit weniger Touristen den gleichen oder mehr Umsatz zu generieren ist auch "Naturschutz"...

@maggus
Es geht nicht um das Verbot von Trophäenjagd sondern um die Kennzeichnung und den offenen Umgang damit auf der Webseite.
Keine Ahnung was daran so schwer zu verstehen ist.
Das ist jetzt OT, aber: wo findest du diese Campingplätze und Lodges?
Ich komm grad zurück von einer 3wöchigen Campingtour. Und wir haben nur an 3 Plätzen weniger als 20 Euro zu zweit bezahlt. Sonst teilweise bis zu 30 Euro, im Etosha 43 Euro.

Weniger Touristen heisst auch weniger Einnahmen aus Eintritten, in Restaurants, bei Lebensmitteln, Souvenirs usw.

Ich kenne wenige Lodgepreise, aber die, die ich mitbekommen habe, sind schon jetzt viel zu hoch für das Gebotene. Wenn ich zu zweit mit Frühstück und Abendessen 200 Euro für eine Hütte bezahlen soll, wo es noch einen nicht benutzbaren Pool (weil zu kalt) gibt, aber die Arbeiter in Wellblechhütten hausen, dann frage ich mich, wie das zu rechtfertigen ist.
132 Beiträge · seit 201125. Okt. 2019 ·
Ich persönlich mache übrigens auch einen Unterschied zwischen Trophäenjagd (böse!) und sonstiger Jagd (o.k.).
Da gibt es aber keinen "wirklichen".
Nur der "dekadente Mensch aus dem Westen mit zuviel Geld" (überspitzt) fühlt sich dann besser, weil er sich - auch das typisch Deutsch (überspitzt) - über andere stellen kann. Die Moral-Keule schwingen kann.
In beiden Fällen der Jagd wird auf ein Tier geschossen, es erlegt und dann gegessen. Fertig.
Und das hat quasi jeder hier im Forum genossen. Den Kudu, den Oryx, pp.
Guten Appetit.
By the way: Auch wenn der Jäger nicht auf Trophäe sondern auf Fleisch jagt (um den hier oft angesprochenen "gut vs. böse Vergleich zu bringen, dann wirft der Farmer das Oryx-Gehörn nicht weg, auch nicht das vom Kudu oder Eland. Das fliegt dann halt nicht mit nach Deutschland zu dem Erleger, sondern geht an Souveniershops in Wind. oder Swapk. und wird dort an Touristen verkauft, die es als Kettenanhänger oder Flaschenöffner oder .... mitnehmen. So what...


Für mich spicht die Indizienkette der Beschreibung aus dem Eingangspost dafür, dass der Jäger ein "Arschloch-Jäger" ist.
Das wichtigste Indiz: der Kopf der Antilope baumelt vom Auto.
Dieser Umstand zeigt: hier handelt jemand, dem der Respekt abhanden gekommen ist. Das Tier auch nach dem Tod mit Respekt zu behandeln gebietet der Anstand. Es wie eine Sache zu betrachten ist asozial. Daraus ergibt sich in aller Regel ein Arschlochverhalten. Daran krankt unsere Welt - Respekt ist in meinen Augen DAS Thema der Neuzeit. Im Rambostyle aufzutreten ist da nur noch ein Puzzleteil dass sich gerne einfügt...

Dann hatten wir hier kein Arschloch-Jäger (Eure Wortwahl), sondern ein Arschloch-Farmer oder Arschloch-Local, denn der Gastjäger lädt kein Tier auf. Nach dem Schuss ist für ihn die Sache erledigt, dann kommen die Arbeiter und nehmen das Tier mit. Wie die das machen, und ob die überhaupt ein ausreichend großes Auto dafür haben, dass ist deren Sache. Und nochmal: Kein Local juckt das einen Zentimeter ob der Kopf eines toten Tieres irgendwo rausschaut. Die verstehen nicht mal das Problem.


Mal angenommen es würde jetzt ein Gesetz geschaffen, das die Internationale Trophäenjagd verbietet!
Was meint ihr, wie wird sich dies auf den Bestand von Wildtieren in Namibia auf privatem Farmgelände auswirken?
Wird es dann in Zukunft mehr Wild geben, weil sich dies jetzt ungestört vermehren kann, oder wird der Bestand vielleicht ehr schrumpfen, weil somit vielen Farmern die Erwerbsgrundlage genommen wird und somit nach anderen Wegen der Bewirtschaftung ihrer Farm gesucht wird?

a.)
Das wird niemals passieren.
b.)
Wenn doch: Die Einnahmen würden schrumpfen, die Farmen wären so nicht zu halten.
c.)
In der freien Natur würde es ein Chaos geben, die (einheimischen) Wilderer würden alles kurz und klein schießen, die Wildtiere vermehren sich unkontrolliert. Siehe Kenia und Botswana
35 Beiträge · seit 201925. Okt. 2019 ·
Jetzt begebe ich mich auch mal off Topic.
M.E. ist die Grenze zwischen Trophäenjagd und Jagd zur Fleischgewinnung fließend. Und das im Übrigen auch im zeitlichen Sinne. Ich jage in Deutschland eigentlich nur zur Fleischgewinnung (was mich allerdings nicht davon abhält, mir dabei erbeutete Geweihe oder Gehörne an die Wand zu hängen). Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre ich darum in großen Teilen der Jägerschaft mit dem abwertenden Ausdruck 'Fleischjäger' belegt worden. Damals zählte nur die Trophäe. Der notwendige Abschuss weiblichen Wildes wurde da eher als lästige Aufgabe, denn als Vergnügen aufgefasst. Heute jagen wenigstens die meisten meiner Bekannten auch eher, um hochwertiges (Antibiotika-freies, naja Antibiotika-armes) Wildbret der menschlichen Ernährung zuzuführen. Nebenbemerkung: jedes erlegte, verkaufte und verzehrte Wildschwein vermindert die Nachfrage nach einem in einer Schweinfleischfabrik erzeugten Hausschwein.
Warum ich die Grenze für fließend halte: das Tier, welches erlegt wird, weil ein Jagdgast die Trophäe möchte, wird natürlich verwertet (gegessen). Klar gibt es da auch Ausnahmen, ich kenne z.B. Niemanden, der eine Hyäne, einen Schakal oder einen Pavian essen würde. Viele Farmen bieten auch die Möglichkeit, dass der Jagdgast zu reduzierten Preisen an Reduktionsjagden teilnimmt. Da bekommt er keine Trophäe. Häufig schon deshalb nicht, da z.B. weiblich Kudus oder Impalas kein Gehörn tragen. Ich z.B. habe bei meinen Aufenthalten in Namibia weitaus mehr Wild für die Küche erlegt, als ich an Trophäen mitgebracht habe.
Jetzt stellt sich mir die Frage: was bin ich denn jetzt? Böser Trophäenjäger oder nur böser Fleischesser?
In Norwegen war ich für eine deutsche Bustouristengruppe jedenfalls 'einer von diesen Rentierkillern' als ich mit einem norwegischen Freund, von einer erfolgreichen Pirsch zurückkommend, ein Renkalb in sein Auto lud. Für die Touristen war auf Grund des norwegischen Kennzeichens nicht erkennbar, dass wenigstens einer der 'Rentierkiller' Deutsch verstand.
Viele Grüße
Wolfgang
1’567 Beiträge · seit 201525. Okt. 2019 ·
Hallo liebe FoMis,

mit Interesse lese ich hier seit ein paar Tagen mit.
Ich persönlich jage nicht. Meine Freundin hat wegen ihres Dackels einen Jagdschein gemacht und gefragt, ob ich nicht auch Interesse hätte wegen unseres Jagdhundes. Nun kann ich mir persönlich nicht vorstellen, ein Tier zu töten, und werde deshalb auch keinen Jagdschein machen. Fleisch esse ich dennoch - sogar sehr gerne. 😗 Das ist ein Widerspruch, ich weiß... Versuche aber darauf zu achten, wie das Tier, das ich esse, vor seinem Tod gelebt hat...

Mein Mann hat einen Jagdschein, ist aber kein "aktiver" Jäger. Gleichzeitig ist er Tierarzt, was ihm schon einmal zum Verhängnis wurde. So gab es einen Shitstorm im Internet mit dem Background: "Ihr müsst euch mal vorstellen: Der ist Jäger!!! Ihr wollt doch wohl nicht zu einem Tierarzt gehen, der Tiere ermordet...?" 😗

Auf sämtlichen Farmen, auf denen wir bisher waren, wird auch gejagt. Und das muss so sein, denn die Farmer sind schließlich verantwortlich für das Wild in ihrem Hegegebiet (das wurde hier ja auch schon oft betont). So ist es immens wichtig, einen recht guten Überblick über die Anzahl der Tiere (männlich-weiblich) zu haben. Auf Namtib haben wir im Juli recht lange darüber beim Abendessen gesprochen. Dabei war sogar ein Veganer aus Deutschland anwesend... 😉 Linn und Thorsten gehen ganz bewusst und nachhaltig mit allem um, was die Natur betrifft. für mich lässt sich das eigentlich mit einem Wort ausdrücken: Respekt. Wie hier schon öfter angesprochen, sehe auch ich genau hier das Problem. Wenn nicht darauf geachtet wird, wie das tote Tier transportiert wird, fehlt es hier massiv an allem möglichen... 🤢 Das finde ich ganz schlimm. 🙁

Dieses Problem besteht allerdings nicht nur bei Trophäenjägern, sondern kann überall und in jeder Altersstufe auftauchen. So hatten wir beispielsweise eine für mich fast unerträgliche Situation im Lebenden Museum der Damara mit einer deutschen Reisegruppe... Mit diesen Menschen würde ich -ganz ehrlich - auch keinen Tisch teilen wollen...

Grundsätzlich finde auch, dass eine Lodge darauf hinweisen sollte, dass sie Aktivitäten für Jäger anbieten. Ich glaube aber tatsächlich, dass das auch dazu führen würde, dass einige die Unterkunft gar nicht buchen würden. Ist dann aber auch okay so, denke ich.

Im übrigen finde ich es gut, dass hier so differenziert und recht zivilisiert diskutiert wird.

LG
Bianca
Standardtour mit Zwillingen: https://namibia-forum.ch/forum/11-diverses/289993-nda-pandula-danke-fuer-16-tage-familienabenteuer.html Caprivi mit Zwillingen: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/293122-familienabenteuer-im-caprivi.html Süden und KTP mit Zwillingen: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/296005-familienabenteuer-in-den-sueden-und-den-ktp.html
1’097 Beiträge · seit 200925. Okt. 2019 ·
motorradsilke schrieb:
Seyko schrieb:NAM ist - gemeinsam mit RSA - mit Abstand das günstigste Reiseland im südlichen/östlichen Afrika.
Eine Erhöhung um 100-150% würde dem Land guttun 🙂

Mal im Ernst: Campingplätze mit toller Infrastruktur in gutem Zustand für 6-8 EUR/p.P. und Tag ist absurd.
Lodgebetten für 50 EUR/p.P. ebenso.

Mit weniger Touristen den gleichen oder mehr Umsatz zu generieren ist auch "Naturschutz"...

@maggus
Es geht nicht um das Verbot von Trophäenjagd sondern um die Kennzeichnung und den offenen Umgang damit auf der Webseite.
Keine Ahnung was daran so schwer zu verstehen ist.
Das ist jetzt OT, aber: wo findest du diese Campingplätze und Lodges?
Ich komm grad zurück von einer 3wöchigen Campingtour. Und wir haben nur an 3 Plätzen weniger als 20 Euro zu zweit bezahlt. Sonst teilweise bis zu 30 Euro, im Etosha 43 Euro.

Weniger Touristen heisst auch weniger Einnahmen aus Eintritten, in Restaurants, bei Lebensmitteln, Souvenirs usw.

Ich kenne wenige Lodgepreise, aber die, die ich mitbekommen habe, sind schon jetzt viel zu hoch für das Gebotene. Wenn ich zu zweit mit Frühstück und Abendessen 200 Euro für eine Hütte bezahlen soll, wo es noch einen nicht benutzbaren Pool (weil zu kalt) gibt, aber die Arbeiter in Wellblechhütten hausen, dann frage ich mich, wie das zu rechtfertigen ist.
Ein paar von vielen Campsites in sehr schönen Lagen:

Erongo Plateau Camp (Farm Eileen) (150 NAM Dollar/p.P.)
Sophia Dale Swakop 140 NAM Dollar/p.P.)
Camp Kwando (Caprivi) 180 NAM Dollar/p.P.(nach Preiserhöhung)
Klein Aus Vista Campsite (Aus) 140 NAM Dollar/p.P.
Namtip (D707)170 NAM Dollar/p.P.
Brandberg White Lady Lodge 150 NAM Dollar/p.P. (viele Overlander und unterdurchschnittlicher Komfort -dafür mega gute Lage für Erkundungen von Wüstenelefanten auf eigene Kappe)
Khowarib Lodge (Hoanib) 300 NAM Dollar/Campsite
Purros Community Camp lächerliche 100 NAM Dollar/p.P.
Roys Rest Camp 130 NAM Dollar/p.P. (Roys ist Kult, wobei die Stellplätze wenig Privatsphäre bieten.)
Riverdance Lodge 150 NAM Dollar/p.P. (lächerlich niedrig)

Und da sind viele weitere....

Zu den Lodgepreisen:
200 EUR für 2 Personen mit Halbpension ist ein lächerlicher Betrag.
In Privatkonzessionen in Botswana/Simbabwe/selbst in Südafrika, fängst du bei 350 USD/p.P. an wenn du Glück hast. Durchschnitt würde ich bei 600 USD/Person ansetzen.
Natürlich muss das Camp und insbesondere das Essen dazu passen und natürlich reden wir von wildreichen Gegenden/Konzessionen/Nationalparks.

Die Summen werden in NAM nicht aufgerufen werden können aber das man sich irgendwo um 150-200 EUR/p.P. einpendelt sollte auf Sicht passieren.
147 Beiträge · seit 201725. Okt. 2019 ·
maggus schrieb:
Mal angenommen es würde jetzt ein Gesetz geschaffen, das die Internationale Trophäenjagd verbietet!
Was meint ihr, wie wird sich dies auf den Bestand von Wildtieren in Namibia auf privatem Farmgelände auswirken?
Das ist ein guter Punkt.
Die vielen 'Wildtiere', die ich als Fototourist liebe, sind natürlich eine Folge davon, dass sie sich für die Farmer mehr lohnen als z.B. Rinder. Das ist natürlich zu einem großen Teil dem Jagdtourismus zu verdanken. Insofern begrüße ich den auch.
Gast25. Okt. 2019 ·
Hallo Avioniker, das ist der richtige Film für dich, da kannst du dich bestens dran abarbeiten.
https://www.youtube.com/watch?v=NnMP0Vm3LJs
oder auch hier https://vimeo.com/ondemand/safarifilm
Und zur Info und Warnung für andere: Wer Ulrich Seidl noch nicht kennt, sollte wissen, dass er keine journalistischen Reportagen macht sondern dramaturgische Inszenierungen eines Themas und dass dessen Protagonisten dabei freiwillig mitmachen, so schlecht sie dabei auch ausschauen. Seidl's "Reportagen" sind so zwar authentisch, aber auch keine umfassende Darstellung eines Themas.

In der Sache selber, Avioniker, finde ich deine Vergleichsbeispiele @Analogien (nachgetragen) mit dem gegenständlichen Thema bizarr bis unerhört.
In einem Punkt gebe ich dir aber 100%ig recht, nämlich dass es (hoffentlich) zivilisatorischen Fortschritt gibt. Der Beitrag fundamentalistischer Eiferer dabei war aber mE überschaubar.
Es gäbe so viel zu kritisieren und zu verbessern an bestimmten Ausprägungen der „Trophäenjagd“ im südlichen Afrika, aber darüber wurde hier noch kein Wort gesagt.
Grüße von einem Nichtjäger, schon gar nicht vorbehaltlosen Unterstützer der Trophäenjagd. Und Danke auch für die sehr differenzierenden Beiträge von Jägern zu einem sehr komplexen Thema.
zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2019
16,9k Beiträge · seit 201225. Okt. 2019 ·
Wolfgang1956 schrieb:
M.E. ist die Grenze zwischen Trophäenjagd und Jagd zur Fleischgewinnung fließend....

...Viele Farmen bieten auch die Möglichkeit, dass der Jagdgast zu reduzierten Preisen an Reduktionsjagden teilnimmt. Da bekommt er keine Trophäe. Häufig schon deshalb nicht, da z.B. weiblich Kudus oder Impalas kein Gehörn tragen....
Ist denn generell bekannt, ob der "Arschloch"-Jäger (ich bleibe jetzt mal dabei, damit jeder weiß worum es geht) überhaupt eine Trophäen-Montage hat anfertigen lassen?
Oder wurde das einfach mal, nach der guten, alten Stammtischformel (Jäger aus D in NAM = Trophäenjäger), angenommen?

Angeblich haben ja so viele, nach eigenem Bekunden, gar nichts gegen die "normale" Reduktionsjagd oder Fleischjagd vor Ort. Lediglich bei der Trophäenjagd wird es kritisch.
Wissen wir das überhaupt, ob es sich in dem vorliegenden Fall um einen Trophäenjäger gehandelt hat?

LG
Logi
785 Beiträge · seit 200825. Okt. 2019 ·
Hi,

mal eine Idee an diverse Anbieter:

Vielleicht ist es ja auch eine Marktlücke wenn man als Farm aktiv damit wirbt, dass auf deren Gebiet zu 100 % keine Jagd stattfindet und wenn aus ökologischen Gründen Reduzierungen nötig sind, dass dies Ausschließlich durch den Farmer selbst erfolgt und man garantieren kann, dass man während des Aufenthaltes keine aktiven Jäger vorfindet!

Man könnte dann vielleicht sogar einen höheren Preis rechtfertigen, da man ja erklären kann, dass die Einnahmen aus der Trophäenjagd entfallen und um kostendendeckend zu sein, deshalb die übrigen Besucher etwas mehr bezahlen müssen!

Vielleicht findet sich hierfür ja eine Kundschaft, wäre doch mal spannend!


Gruß


Markus
zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2019
96 Beiträge · seit 201825. Okt. 2019 ·
M.E. wurde folgendes bisher nicht in der Diskussion behandelt, bzw. von den "ordentlich jagenden" Teilnehmern erklärt:

Eröffnungsposting von Phil0811:
Mit solchen Menschen (von denen im übrigen auch sehr offen an den Tischen darüber geredet wurde, wo man zu welchem Preis auch gewisse andere Tiere jagen könnte) möchte ich meinen Urlaub nicht verbringen


Seyko:
Darauf zu sehen war ein erschossenes Reh, mit einem Tannenzweig im Maul,


Phil0811 - Völlige Zustimmung zu diesem Punkt, dass geht gar nicht und ist durch nichts zu erklären oder zu beschönigen. Es handelt sich um (wie von Logi passend ausgedrückt) Arschlochverhalten.

Seyko - Normalerweise soll ein kleiner Zweig (Bruch genannt) von Tanne, Fichte, Kiefer etc. symbolisch die letzte Mahlzeit anzeigen, ein Brauchtum das eigentlich Respekt bekunden soll.
Wie das bei Zweibeinern halt leider so ist ........ eine Aufgabe ernst nehmen, fällt häufig schwer.

Und dann allgemein zum Transport des Tieres und zu einigen ziemlich "rotzigen" Aussagen:
Jeder, aber wirklich auch jeder Jäger (zumindest in D.) weiß (ob er sich daran hält, ist von seiner Moral und Ethik abhängig) dass ein derart pietätloser Umgang nach den hier geltenden Regeln unehrenhaft ist, vielleicht wird deswegen in andere Länder gefahren .........
zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2019
96 Beiträge · seit 201825. Okt. 2019 ·
Flowerrunner schrieb:

Für mich spicht die Indizienkette der Beschreibung aus dem Eingangspost dafür, dass der Jäger ein "Arschloch-Jäger" ist.
Das wichtigste Indiz: der Kopf der Antilope baumelt vom Auto.
Dieser Umstand zeigt: hier handelt jemand, dem der Respekt abhanden gekommen ist. Das Tier auch nach dem Tod mit Respekt zu behandeln gebietet der Anstand. Es wie eine Sache zu betrachten ist asozial. Daraus ergibt sich in aller Regel ein Arschlochverhalten. Daran krankt unsere Welt - Respekt ist in meinen Augen DAS Thema der Neuzeit. Im Rambostyle aufzutreten ist da nur noch ein Puzzleteil dass sich gerne einfügt...

Dann hatten wir hier kein Arschloch-Jäger (Eure Wortwahl), sondern ein Arschloch-Farmer oder Arschloch-Local, denn der Gastjäger lädt kein Tier auf. Nach dem Schuss ist für ihn die Sache erledigt, dann kommen die Arbeiter und nehmen das Tier mit. Wie die das machen, und ob die überhaupt ein ausreichend großes Auto dafür haben, dass ist deren Sache. Und nochmal: Kein Local juckt das einen Zentimeter ob der Kopf eines toten Tieres irgendwo rausschaut. Die verstehen nicht mal das Problem.


Nein - eben NICHT! Die Verantwortung für die ordentliche Nachsorge bleibt, auch wenn sie "Locals" ausführen.
zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2019
2’466 Beiträge · seit 200625. Okt. 2019 ·
Ich jage selbst nicht, war aber aus Neugier bei zwei Jagden in Namibia dabei. Ich wollte mir selbst ein Bild machen. Bei diesen Jagden wurde das Tier geschossen, der Zweig wurde angebracht und dann Locals verständigt, dass diese das Tier abholen. Die Jäger im Auto hatten mit dem Verladen nichts zu tun.
Daher meine vielleicht doofe Frage: was ist denn ordentliche Nachsorge?

Viele Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
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