Tag 15 03.11.2017 Mesosaurus Fossil Camp
Gefahrene KM: 300
Unsere letzte Nacht im Park wird kurz vor Tagesanbruch durch ein schon lange nicht mehr bekanntes Geräusch gestört – Regen. Sogar der Himmel weint, weil wir den Park verlassen?

Nachdem der Wecker klingelt, wagen wir einen Blick nach draußen. Es regnet zwar, aber nicht stark. Wir starten daher zu unserem vorerst letzten Game Drive. Nach und nach lässt der Regen nach.
Wie bereits am Abend zuvor sehen wir diesmal erneut eine African Wildcat. In dieser Gegend scheint es sehr viele von ihnen zu geben.
Als schließlich die Sonne aufgeht, bietet sie ein unglaubliches Farbenspiel.
Wir sehen eine Giraffe und eine Gnuherde.
Sehr freuen wir uns, als wir ein Kronenkiebitzküken im Gras entdecken.
Das war es dann mit dem KTP.
Fazit KTP: Der Park wird meines Erachtens sowohl seinen Anhängern als auch seinen Kritikern gerecht. Ja, es gibt nur wenig Wege, man kann Pech haben und lange Zeit nichts sehen, die Strecken sind lang, man sitzt sehr viel im Auto und fährt viele viele Kilometer über zum Teil schlechte, größtenteils recht passable Sandpisten, die großen Restcamps haben wenig bis keinen Charm. Die Tiervielfalt ist sehr begrenzt. Aber: die Chance auf sehr sehr spezielle Sichtungen, die Unterkünfte und Campsites (jedenfalls die auf Botswana-Seite), die Landschaft, die verhältnismäßig geringe Besucherzahl, die Lichtstimmungen, die Abgeschiedenheit und Leere machen das alles wett – wenn man sich darauf einlässt und die Zeit nimmt. Man kommt in anderen Parks sicher leichter und schneller zu seinen Sichtungen. Kommt es einem aber nicht nur darauf an, hat der Park nicht ohne Grund eine magische Anziehungskraft.. Die Erlebnisse, die wir dort hatten (und auch bei unserem zweiten Besuch letzten Dezember) hatten wir in dieser Intensität bisher in keinem anderen Park erleben können – aber vielleicht sind wir da auch einfach zu jung und unerfahren :-P
Wir checken in Mata Mata aus, reisen ohne weitere Probleme in Namibia ein und machen uns auf den Weg Richtung Keetmanshoop. Die Fahrt dorthin ist zunächst aufgrund der Landschaft und der zu überquerenden Dünen kurzweilig, später im Vergleich zum KTP eher langweilig.
Die Wolken sind nunmehr größtenteils verschwunden und es ist wieder heiß geworden. Kurz nach Mittag erreichen wir schließlich das Mesosaurus Fossil Camp. Vor Ort ist jedoch niemand zu finden, die Rezeption unbesetzt. Unsere Versuche, uns beim Farmhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite bemerkbar zu machen scheitern. Wir warten also. Irgendwann kommt ein reichlich zerlumpt aussehender Farmmitarbeiter (?), der sichtlich betrunken ist und offenbar nur sehr wenig Englisch versteht. Wir verstehen jedoch, dass Gil, der Inhaber, offenbar gerade weg ist. Wann er wieder kommt, was wir machen sollen oder ob wir einfach irgendwo hin können, erfahren wir nicht. So warten wir in der Mittagshitze ohne größeren Schatten und schmelzen langsam dahin. Irgendwann kommt eine südafrikanische Familie, sie hätten gerne eine Übernachtung gebucht. Auch sie scheitern mit Kommunikationsversuchen und fahren nach einiger Zeit weiter. Nach einiger weiterer Zeit kommen zwei Damen, die eine Übernachtung in einem der Hütten gebucht haben. Ihnen war vorab mitgeteilt worden, sie sollten einfach zu einer bestimmten Nummer gehen. Na toll.. wir überlegen schon, ob wir nicht doch woanders übernachten sollen anstatt hier in der Sonne zu schmelzen, als Gil schließlich kommt und sich vielmals für die Wartezeit entschuldigt. Wir hätten einfach hinter auf die Campsite fahren können – blöd wenn man das (a) nicht weiß und (b) keine Ahnung hat, wo es zur Campsite geht. Hier wäre ein Schild oder Zettel vielleicht ganz hilfreich.. Gil erzählt, dass er zur Zeit ganz alleine alles stemmen muss, da alle Familienmitglieder weg seien. Sicher kein leichter Job. Wir unterhalten uns noch einige Zeit mit ihm, dann fahren wir den Fahrweg hinter zur Campsite.
Die Campsite ist ein echtes Schmankerl und nur zu empfehlen. Mitten zwischen Doloritfelsen und Köcherbäumen befinden sich eine Handvoll Stellplätze sowie eher rustikale Gemeinschaftsablutions. Wir sind bisher die einzigen Gäste und suchen uns daher einen schönen Stellplatz in der Nähe eines großen Webervogelnestes.
Wir essen Mittag, Ruhen uns aus und beobachten, was am und im Webervogelnest so vor sich geht. Irgendwann kommt ein Zwergfalke mit Beute vorbei, zunächst das Männchen, dann das Weibchen. Da scheint jemand im Nest mächtig Hunger zu haben.
Webervogelnester sind schon sehr interessante Soziotope. Es ist nicht nur unglaublich, wie diese kleinen Vögel es fertig bringen, derart riesige Gebilde zu erschaffen, ebenso spannend ist, welche weiteren Untermieter sie beherbergen bzw. wie viele andere Tierarten von ihnen abhängen bzw. davon profitieren.
Als es langsam Abend wird, machen wir uns auf eine Runde Köcherbäume und Felsen erkunden. Es ist immer noch verdammt heiß und wir kommen schnell ins Schwitzen. Die Landschaft ist jedoch einmalig und die Köcherbäume bieten tolle Fotomotive.
Früher als sonst machen wir uns ans Kochen, um gegebenenfalls noch mehr Zeit zum Fotografieren zu haben, sobald das Licht noch interessanter wird.
Irgendwann kommt die Sonne nochmal durch und schickt ihre letzten Strahlen Richtung Köcherbäume, so dass ich nochmals anfange, auf den Felsen herum zu springen.
So klasse die Wolken im Abendlicht aussehen, so sehr verhindern sie jedoch die von mir geplante Fotografie der Milchstraße.. es hilft nichts, es bleibt zugezogen und allenfalls vereinzelte Sterne sind zu sehen. Schade, ich hatte mich sehr darauf gefreut, in Namibia endlich wieder wie im Jahr zuvor den wunderbaren Sternenhimmel ablichten zu können. Zum Trost und da diese Bilder sonst hier nicht gezeigt würden, erlaube ich mir einen kurzen Einschub von letztem Jahr von anderer Stelle in Namibia – so hätte es nach Plan ungefähr aussehen sollen..