THEMA: Auf "Schnuppertour" im Krüger
08 Nov 2017 22:25 #496093
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Ihr Lieben,

seit Jahren sind wir nun Safari-/Afrika-süchtig, in den "Klassiker" Krüger Nationalpark hat es uns allerdings in all der Zeit nicht verschlagen. Warum? Es hat sich einfach nicht so recht ergeben und stand auch auf der Wunschliste nicht ganz oben. Teerstraßen, Touristenmassen, Zoogefühl - viel hatten wir gehören, gelesen, aufgeschnappt, was den Sehnsuchtsfaktor nicht unbedingt erhöht hat. Doch als begeisterte Reisebericht-Konsumentin hier im Forum sah ich mich auch immer wieder mit ganz anderen Erfahrungen konfrontiert.



Was soll ich sagen... Der Rand stand (steht) günstig, wir hatten zwei Wochen Zeit und wollten nach arbeitsintensiven Monaten stressfrei unserer Lieblings-Freizeitbeschäftigung nachgehen - heraus kam eine Südafrika-Planung rund um den Krüger. Die Panorama-Route sollte eine Rolle spielen, ebenso stand Mashatu in Botswana auf der Wunschliste. Dies entspannt und bezahlbar innerhalb von 14 Tagen miteinander zu verheiraten, blieb allerdings ein frommer Wunsch. Also Mashatu schweren Herzens raus, dafür nahm der Gedanke Gestalt an, bei eventuellem Gefallen wiederzukehren, mit mehr Zeit den Park zu durchqueren und Mashatu am Ende einzubauen. Manchmal sieht man sich ja zweimal...



Wer mag, ist herzlich eingeladen, uns auf unserer "Schnuppertour" im und um den Krüger herum zu begleiten. Das Thema "Geruch" spielte übrigens eine zentrale und wiederkehrende Rolle auf unserer Reise, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Hier unsere Stationen, ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere Interesse hätte:

10.-13.9.17 Hippo Hollow Country Estate, Hazyview
13.-16.9.17 Umlani Bush Camp, Timbavati Game Reserve (Greater Kruger)
16.-18.9.17 Satara Restcamp
18.-20.9.17 Lower Sabie Restcamp
20.-23.9.17 Elephant Plains Game Lodge, Sabi Sand Game Reserve (Greater Kruger)

Liebe Grüße,
Bettina

P.S.: Die Sonne ist aktiviert, wenn auch nicht in Hamburg B)


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09 Nov 2017 20:12 #496244
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9./10.9.2017: "He killed himself in alcohol"

Normalerweise würde ich kaum eine Silbe über die Anreise verlieren. Flüge sind strapaziös, lang, unbequem - und grenzen für mich doch jedes Mal aufs Neue an ein Wunder. Dieser brennt sich jedoch in mein Gedächtnis ein. Und das kam so: Während unseres Nachtflugs mit South African Airways bin ich irgendwann tatsächlich entschlummert, was einer Sensation gleicht. Als ich mitten in der Nacht aufschrecke, muss ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass wir von blauen Marsmännchen gekapert wurden. Die entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als Bordcrew, die sich in blaue Ganzkörperkondome nebst Einweg-Handschuhen und Mundschutz gezwängt hat. Es hängt ein äußerst penetranter Geruch in der Luft, auch die Geräuschkulisse zeugt von viel Elend. Die Nachfrage bei der Stewardess bestätigt meinen Verdacht: Ein Passagier hat deutlich über den Durst getrunken ("He killed himself in alcohol") und kann nun (sehr ausdauernd) nicht mehr an sich halten.

Die Folgen sind relativ fatal. Wohin in so einer Sardinenbüchse mit einer Schnapsleiche? Eine Ausnüchterungszelle hat bei der Konstruktion wenig überraschend keine Berücksichtigung gefunden, es bleibt nur der angestammte Platz. Es beginnt ein Hin-und-Her-Gerenne zwischen Sitzplatz und Toilette, zuweilen reicht die Zeit aber nicht aus, um diese unfallfrei zu erreichen. Mir tun die Passagiere in der "Schusslinie" aufrichtig leid, ich bin aber heilfroh, dass wir auf der rechten Seite des Fliegers sitzen. Das Bordpersonal ist verständlicherweise restlos bedient und muss zudem noch in dem ganzen Kladderadatsch am nächsten Morgen bei der Suche nach dem im Suff vermeintlich verlorengegangenen Personalausweis helfen. Der Trunkenbold selbst sah übrigens alles in allem bei Tagesanbruch im Gegensatz zu seinen Sitznachbarn vergleichsweise ausgeruht aus und zeigte für mein Empfinden auch keinerlei Scham oder Reue. Ein fetter Umschlag landete jedenfalls nicht in den Händen des Bordpersonals, das mir beim Rausgehen glaubhaft versicherte, dies sei der schlimmste Job in den vergangenen zehn Jahren gewesen.

Thomas übrigens hat den größten Teil des Dramas selig verpennt. Nach beendetem Schönheitsschlaf fragte er mich nach der Quelle des üblen Gestanks - nicht zum ersten Mal im Leben kam mir der Gedanke, dass männliche Dickfelligkeit durchaus erstrebenswert sein kann...

Der Rest ist schnell zusammengefasst: Nach der Landung in Johannesburg werden wir wegen unserer zweistündigen Verspätung (wir kamen schon in Frankfurt nicht rechtzeitig weg) reibungslos auf den nächsten Flug nach Nelspruit umgebucht. Dort sammeln wir am Flughafen unseren gemieteten VW Polo ein, der seine Dienste angeblich auch ausreichend im Krüger tun soll, und freuen uns: endlich wieder unterwegs! Nach Hazyview ist es nicht weit, um 14 Uhr sind wir am Hippo Hollow Country Estate, wo wir die ersten drei Nächte verbringen werden. Die Unterkunft liegt für unsere Zwecke strategisch günstig. Nah an der Panorama Route, die wir am nächsten Morgen in Angriff nehmen werden, aber auch zum nächstgelegenen Krüger-Gate, wo wir den zweiten vollen Tag (unser "Jokertag" für den Fall schlechten Wetters zu Beginn etc.) verbringen könnten, wenn wir das wollten.



Das Gelände ist sehr gepflegt und gefällt uns auch, jedoch ohne "Wow"-Effekt. Schön ist unser kleines Häuschen mit Flussblick, ein bisschen atmet es hier auf der hinteren Veranda schon Wildnis, während vorne am Pool eine amerikanische Großfamilie für reichlich Beschallung sorgt. Wir befüllen unsere Bohnensäckchen in Ermangelung an Bohnen mit Reis und lassen die Schrecken der Nacht endgültig hinter uns.





Das Essen im Restaurant ist sehr gut, der Knaller sind aber die Hippos, die regelmäßig abends den Sabie River herauf- (oder herunter?) geschwommen kommen, mehr oder minder elegant den Fluten entsteigen und beim Trimmen des Lodge-eigenen Rasens jeden Gärtner vor Neid erblassen lassen. Wir haben schon viele Hippos gesehen, aber wilde Nilpferde rund zwei Meter unter uns, während wir in der offenen Terrassentür stehen, das hat schon was. Satt, ausgelaugt und voller Vorfreude auf die nächsten Tage geht es schließlich ins Bett. Und ab morgen sind dann auch deutlich mehr Fotos im Spiel, versprochen! :)


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10 Nov 2017 15:50 #496353
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11.9.2017: Hier gibt es Landschaft, und davon sehr viel

Der erste bange Blick morgens aus dem Fenster zeigt: Es ist - wie offenbar schon in den vergangenen Wochen - sonnig. Das ist deshalb entscheidend, weil es rund um den Blyde River Canyon sehr oft arg verhangen ist - besonders in dieser Jahreszeit. So aber besteht eine Chance, dort mehr zu sehen als nur die Hand vor Augen.

Wir haben am Vorabend lange überlegt, welche Route genau wir an diesem Tag nehmen. Theoretisch hätten wir zwei Tage Zeit für die Panorama-Route. Praktisch aber lockt uns beide der Gedanke, den zweiten vollen Tag schon im Krüger zu verbringen. Wir sind schwer auf Safari-Entzug...

Wir beschließen, trotz allem relativ weit südlich mit den Lone Creek Falls hinter Sabie zu beginnen. Die hügelige Strecke dorthin führt durch Nadelwald, der stark unserer heimischen Flora ähnelt. Die Straße ist gut zu befahren, wie aus dem Nichts tauchen allerdings immer wieder Schlaglöcher auf, die volle Aufmerksamkeit erfordern. Die Lone Creek Falls gefallen uns gut, zumal wir die ersten Besucher an diesem Tag sind und die wunderschöne Natur für uns alleine haben.



Der nächste Stopp sollen die Bridal Veil Falls sein. Auf dem Weg dorthin signalisiert unser Navi eine Abkürzung, die lohnenswert erscheint. Wir lassen uns drauf ein und merken viel zu spät, dass die wenigen Kilometer eine Herausforderung bilden, die unser kleiner Polo eigentlich nicht bewältigen kann. Na toll, wir schrotten unseren Mietwagen nebst Reifen schon an Tag eins, ohnehin kostet uns dieser "Shortcut" mehr Zeit, als wir eigentlich haben. Für eine Umkehr ist es jedoch zu spät, wir sind schon ziemlich in der Mitte. Meine Laune rutscht in den Keller. Ich bin vor allem sauer auf mich selbst, dass ich auf diesen miesen Trick unseres GPS hereingefallen bin. Das hier ist eben doch Südafrika und nicht das Sauerland...

Erstaunlicherweise kommen wir ungeschoren an den Bridal Veil Falls an. Doch ein Blick aus der Ferne reicht, und wir fahren weiter. Es ist nun mal Trockenzeit, was die Attraktivität von Wasserfällen naturgemäß schmälert. Da wir ohnehin Zeit wieder reinholen wollen, verzichten wir bis auf die Lisbon Falls auf den Besuch weiterer Wasserfälle und auch auf den geplanten Stop beim viel empfohlenen Pfannkuchen-Haus in Graskop. Das allerdings vor allem deshalb, weil wir nach dem hervorragenden Frühstück am Morgen noch nicht wieder hungrig sind.

Lisbon Falls


Hinter Graskop ist die Straße in makellosem Zustand. Die Stops beim Pinnacle Rock und God's Window gefallen uns sehr gut, ...



... die Bourke's Luck Potholes sind ein erster echter Höhepunkt. Wir haben diese Felslandschaft mit den ausgewaschenen Löchern und Röhren beileibe nicht für uns allein, doch die Menschen verteilen sich auf dem großen Gelände und die Stimmung ist fröhlich und entspannt. Wir klettern über Stock und Stein, andere nutzen die Gelegenheit und plantschen in den flacheren Wasserbecken. Da es sehr warm ist, keine schlechte Idee.





Wir hatten (hier im Forum?) gelesen, dass zum Fotografieren die Mittagszeit am besten geeignet ist, weil die Sonne dann am höchsten steht und die Felsformationen voll ausgeleuchtet sind. Wir sind mit etwa 13 Uhr einen Tick zu spät, aber das ist schon Jammern auf allerhöchstem Niveau.



Nicht zu toppen sind die Aussichtspunkte Blyde River Canyon ...









... und schließlich Three Rondavels. Wir sind sehr rechtzeitig da (um 17 Uhr muss man aus dem Gate raus sein) und genießen diese grandiose Landschaft in vollen Zügen.



Mehrere Reisegruppen kommen und gehen, wir sind aber streckenweise auch fast für uns. Die Schönheit dieses Ortes verschlägt uns den Atem und wir beobachten so lange es geht, wie die sinkende Sonne die Felsen zusehends rot färbt.





Was für ein wunderschöner Tag! Beim Abendessen statten uns die Hippos einen erneuten Besuch ab, und wir sind beide schon ganz kribbelig bei dem Gedanken an den nächsten Tag, den wir im Krüger verbringen werden: endlich wieder Safari!

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11 Nov 2017 17:39 #496507
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12.9.2017: Unsere Premiere im Krüger

Kaum klingelt der Wecker, bin ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten auch schon aus dem Bett. Der Krüger ruft, laut und deutlich. Unsere Frühstückpakete stehen schon am Restaurant bereit, und schwupps sind wir unterwegs. Die Fahrt zum Phabeni Gate dauert nur rund eine Viertelstunde, gegen Viertel vor Sechs - und damit 15 Minuten vor Toröffnung - stehen wir bereits in den Startlöchern. Ich hätte mir den Andrang größer vorgestellt, wir sind Nummer fünf oder sechs in einer überschaubaren Schlange. Es gibt allerdings rechts neben uns eine deutlich längere, und sie besteht ausschließlich aus Safari-Fahrzeugen der umliegenden Unterkünfte.

Trotz Pole Position dauert es ein Weilchen, bis wir drin sind. a) wegen der geführten Touren, b), weil bei dem einen oder anderen vor uns der bürokratische Aufwand nicht unerheblich zu sein scheint. Wir bekommen beide einen Riesenschreck: Ich habe zwar meinen Führerschein dabei, unsere Pässe liegen aber wohlverwahrt im Safe; ich bin ziemlich sicher, dass wir ohne sie keine Chance haben. Das würde einen Zeitverlust von bestimmt einer Stunde bedeuten, denn zusätzlich zum Hin- und Herfahren müssten wir uns ja am Ende der Schlange wieder einreihen. Wir schwitzen Blut und Wasser, dann sind wir dran und ziemlich schnell drin - ein willkommenes Wunder!

Ich habe mich zwar im Vorfeld der Reise - nicht zuletzt hier im Forum - ein wenig schlau gemacht, welche Strecken im Krüger empfohlen werden. Dabei ging es aber mehr um die Touren rund um unsere späteren Unterkünfte Satara und Lower Sabie. Eine Karte haben wir auch noch nicht und zudem keine Vorstellung davon, wie gut wir vorankommen werden. Wir beschließen, es ruhig angehen zu lassen und einfach über Skukuza geradeaus bis Lower Sabie zu fahren. Dort könnten wir sicher eine Karte kaufen und hätten wie geplant einen ersten Eindruck vom Park gewonnen. Kaum sind wir unterwegs, begegnen uns einige der üblichen Verdächtigen im schönsten Morgenlicht. Die Impalas sind überhaupt nicht scheu und lassen sich von uns nicht irritieren.







An einem Wasserloch (Nyamundwa) rund zehn Kilometer hinter dem Gate bewacht ein Schreiseeadler eifersüchtig seinen Horst.





Schon jetzt fällt uns auf, wie sehr sich die Autos kurz hinter dem Gate in alle Winde verstreuen. Manchmal frage ich mich unterwegs, ob wir als Krüger-Rookies eine Strecke fahren, die so überhaupt nicht populär ist. Ich glaube aber, dass der riesige Nationalpark die Massen absorbiert - zumindest außerhalb der südafrikanischen Schulferien, die wir bewusst vermieden haben.



Wir sind etwa eine Stunde unterwegs, da amüsieren wir uns köstlich über ein "Giraffenballett".







Kurze Zeit später bin ich komplett elektrisiert: Ein Bateleur, freisitzend im besten Licht! Man muss wissen: So viel haben wir auf unseren Safaris schon erleben dürfen, Dinge, von denen wir nicht zu träumen gewagt hatten. Aber ein Bateleur in brauchbarer Position ist uns in all den Jahren versagt geblieben, und so stand er schon lange auf meiner Wunschliste ganz oben.





Wir bleiben ziemlich lange bei dem für mich schönsten aller Adler stehen. Der Tag ist schon jetzt ganz wunderbar und ich nehme es fast persönlich, dass andere Autos nur kurz halten, ein Foto knipsen und dann weiterhasten. Wissen sie denn etwa nicht, wen oder was sie hier vor sich haben?!?



Hinter Skukuza führt die Strecke am Sabie River entlang, die Landschaft ist eine Wucht und je mehr wir uns Lower Sabie nähern, desto mehr Tiere sehen wir.













Von der Straße aus ist das Flussbett oft nicht richtig einzusehen, aber es gibt kleine Buchten und Stichstraßen, die wir allesamt abfahren. In einer von ihnen frühstücken wir in aller Ruhe und genießen die Geräuschkulisse. Tausende von Blutschnabelwebern sind am Fluss unterwegs und veranstalten ein Höllenspektakel, unsere Frühstücksbox ist reichhaltig und lecker, das Leben ist schön.

Schon jetzt kann ich sagen, dass mich die Teerstraßen nicht stören. Zumal es ausreichend Schotterstraßen gibt, die wir später viel genutzt haben und auf denen wir oft gefühlt völlig alleine unterwegs waren.



Als wir mittags in Lower Sabie ankommen, besorge ich im Shop eine Karte und laufe bis zum Restaurant vor, schließlich werden wir zu einem späteren Zeitpunkt zwei Nächte in diesem Camp verbringen. Die Terrasse liegt direkt am hier sehr breiten Fluss, und wie es der Zufall will, trinkt auf der anderen Seite gerade eine große Elefantengruppe, während sich eine Büffelherde aufmacht, das Wasser zu queren. Wow, das macht ziemlichen Eindruck auf mich, zumal rechterhand noch etliche Flusspferde auf einer kleinen Insel stehen bzw. liegen. Dass sie die pralle Mittagssonne davon nicht abhält, können wir uns bis heute nicht erklären. Wir beobachten das Phänomen später noch mehrfach.

Auch Thomas hat einen guten ersten Eindruck vom Camp, zufrieden fahren wir zunächst auf demselben Weg gemächlich zurück. Wir hatten auf dem Hinweg schon fotountauglich weit weg ein Löwenrudel bei einem toten Büffel entdeckt, nun sehen wir ein Löwin mit drei Kleinen, die offenbar dazustoßen möchte. Die Rasselbande macht ihr ganz schön zu schaffen, und auch wenn die Entfernung für gute Fotos zu groß ist, lachen wir uns kringelig über die Racker. Wir fahren parallel, bis sie das Rudel erreicht hat.





Weil wir sehr gut in der Zeit liegen, gönnen wir uns noch eine ausführliche Schleife auf Gravel. Die Landschaft ist staubtrocken, kein Wasser in Sicht und wir wundern uns fast, dass wir überhaupt Tiere sehen.



















Zurück auf der Teerstraße fordert mir eine plötzlich auftauchende Schlange (was für eine??) alle Fahrkünste ab, wir überleben beide den Schreck unbeschadet.



Ein Go-away-bird im Spätnachmittagslicht, ein Haubenbartvogel und ein toller Sonnenuntergang runden einen schönen Tag ab.







Unterm Strich sind wir das Unterfangen "Krüger" mit einiger Skepsis angegangen, viele Bedenken haben sich zumindest zunächst in Rauch aufgelöst. Mal sehen, ob das so bleibt...


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Letzte Änderung: 24 Nov 2017 12:19 von Beatnick.
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13 Nov 2017 17:01 #496845
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13.9.2017: Unser ganz persönliches Paradies

Am nächsten Morgen weckt mich ein leises "Plop Plop", als ein über mir nächtigender Gecko knapp neben meinem Kopf etwas fallen lässt. Wir haben ausgeschlafen, es ist die letzte Gelegenheit in diesem Urlaub dazu, um Sieben bin ich trotzdem putzmunter. Draußen herrscht reger Betrieb. Eine Ente schnattert aufgeregt von unserem Dach, Kraniche ziehen über den Fluss und an der Uferböschung direkt unterhalb unserer Veranda tankt ein Nilwaran in der Morgensonne Energie.





Wir frühstücken in aller Seelenruhe aus der schönen Terrasse der Lodge und genießen die Ruhe. Die anderen Gäste sind schon längst im Krüger und sonstwo unterwegs. Beim Packen rätseln wir, was wir mit dem Fehlkauf von zehn (!) Litern supersüßer Limonade mit Kaugummigeschmack anfangen wollen, den wir zunächst für schlichtes Wasser gehalten und über den wir uns sehr geärgert haben. Wir beschließen, die Flaschen in der Küche stehen zu lassen, vielleicht findet sich ja ein Abnehmer für die Plörre nebst Pfand.

Wir sind kaum vom Hof gerollt, da fällt Thomas siedend heiß ein, dass er das Trinkgeld für das Housekeeping vergessen hat. Wir kehren um und als wir vor unserer Unterkunft parken, werden wir freudestrahlend begrüßt. Das Zimmermädchen hat beim Saubermachen die Limonade entdeckt und kriegt sich nun kaum mehr ein. "It's Christmas Day" meint sie, umarmt uns beide stürmisch und klatscht in die Hände. Ihre Kinder lieben diese Limo. Sie sei aber teuer und deshalb ganz besonders. Als Thomas noch Tip drauflegt, geht der Freudentanz von vorne los, der uns beiden die Tränen in die Augen treibt. Wir freuen uns mit ihr und lernen gleichzeitig eine Lektion in Demut: Wie privilegiert wir doch sind...

Knapp 200 Kilometer sind es bis Timbavati, wir fahren streckenweise am Außenzaun des Greater Krüger entlang und können schon die ersten Giraffenhälse und Zebras erspähen. Im Umlani Bush Camp angekommen, fühlen wir uns auf Anhieb sauwohl. Das Camp ist klein, rustikal und ebenso charmant wie die sehr persönliche Ansprache der Angestellten. Hier ist man unter Freunden. Auch unsere Hütte (ich glaube, die Nummer sechs, Rhino) gefällt uns richtig gut. Der Betreiber setzt auf Solarenergie, die zum Laden unserer Akkus und für eine Solar-Leselampe am Bett völlig ausreicht. Und die Petroleumlampe nachts im Freiluft-Bad hat schon etwas sehr Wildromantisches...





Die meisten anderen Hütten - ich denke, es gibt insgesamt acht - sehen anders aus und sind nicht wie unsere gemauert, sondern bestehen aus so etwas wie Schilf, haben auch keine Fenster, sondern ausschließlich ein Fliegengitter. Ich war in keinem dieser anderen, älteren Modelle drin. Andere Gäste schwärmen später aber von der Naturnähe und der Luftdurchlässigkeit. Ich kann nur für uns sagen, dass uns das andere bestimmt auch sehr gut gefallen hätte, wir aber mit unserem Teilzeit-Zuhause sehr glücklich waren. Was ich später zu schätzen lerne, ist die Tür vom Außenbad ins Haus, über die offenbar nur unser Rondavel verfügt. Es können zwar keine größeren Tiere hineinkommen, weil die Außenwand des Badezimmers sie abhält. Die frechen Affen scheren sich allerdings gar nicht um diese Hürde und gehen in den anderen, offenen Hütten zuweilen auf Beutezug. Die auf diese Weise abhanden gekommenen Malaria-Tabletten einer Camp-Mitbewohnerin haben hoffentlich keine bleibenden Schäden bei den Dieben hinterlassen...



Affen überall - auch am campeigenen Minipool.


Häufige Besucher im Camp: Nyalas


Beim Mittagessen lernen wir die anderen Besucher kennen, wir sind eine multinationale Truppe und alle sind unfassbar nett. Um 15 Uhr geht's schließlich los: Wie ich es liebe, auf einem Safaritruck zu sitzen! Neu ist für uns der Luxus eines Driverguides UND eines Trackers. Shadrack und Cabinet sind ein eingespieltes Duo, sehen alles und geben auch alles. Ein echtes Dreamteam.









An einem Wasserloch beobachten wir zwei Rhinos.







Die eingestanzten Löcher im Ohr, erklärt uns Shadrack, seien ein Signal an potenzielle Wilderer: Diese Tiere sind nicht nur mit einem Chip, sondern ihr Horn auch mit einem Gift versehen, das es für Menschen unbrauchbar macht. Ich hoffe, dass ich das richtig verstanden habe. Wenn es so wäre, könnte das doch die Lösung aller Probleme sein? Es scheint mir zumindest einfacher zu sein als die armen Tiere zu enthornen. Aber ich weiß natürlich nicht, wie aufwändig die Prozedur ist und ob sie tatsächlich hilft.





An der Hauptstraße, über die wir mittags hergefahren sind, finden wir ein großes Rudel Wilddogs. Sie kommen netterweise direkt auf die Straße und tollen um uns herum.













Ich wusste, dass es sie im Krüger gibt, hatte aber nicht damit gerechnet, sie zu sehen. Wir freuen uns riesig, es ist unsere zweite Wilddog-Sichtung nach Botswana 2014. Es sind auch einige junge Hunde dabei, die uns beste Unterhaltung bieten.







Auch die jungen Tüpfelhyänen treibt es in der Abenddämmerung aus ihrem Bau unter der Straße.







Beim Abendessen bestätigt sich einmal mehr: Dieses Camp ist genau unser Ding. So eine ungezwungene, anregende Atmosphäre haben wir erst einmal erlebt, ebenfalls 2014 in Botswana im Khwai Tented Camp. Die Gäste sitzen bunt zusammengewürfelt an großen Holztischen, Guide, Tracker und Co. mischen sich darunter, dazu das tolle Essen und danach noch ein Drink am Feuer im schönen Boma - mehr geht nicht. Um neun Uhr strecke ich trotzdem die Waffen. Wir werden zu unserer Hütte begleitet, das Bushcamp macht seinem Namen alle Ehre. Ich werde schlafen wie ein Stein - und freue mich auf die nächsten Tage in diesem Paradies.


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14.9.2017: Eine blutige Angelegenheit

Um fünf Uhr ist die Nacht endgültig zu Ende. Der Weckdienst klopft an die Tür, was gar nicht nötig gewesen wäre, denn ich bin schon wach. Vermutlich bin ich schizophren. Zuhause wäre das undenkbar. Ab halb Sechs gibt es Tee, Kaffee und ein paar Snacks am gemütlichen Feuer im Boma, um Sechs geht es los. Es ist ein milder Morgen, ich habe wunderbar geschlafen und bin absolut bereit zu neuen Schandtaten!



Nach etwa einem Kilometer gibt's den ersten unfreiwilligen Stop. Ein Reifen ist fast platt, also alle raus und dicht beim Auto geblieben, in Windeseile hat unser Dreamteam das Problem gelöst.



Nicht viel weiter liegt malerisch ein Wasserloch mit einem sehr einladend wirkenden Baumhaus. Es gehört zu Umlani, man kann es blocken und dort nach Wunsch Zeit verbringen, Übernachtung inklusive. Ich habe mich bereits gefragt, wo die ältere Dame ist, die mir beim Nachmittagsdrive am Vortag soviel Respekt abgenötigt hat, weil sie mit jedem auf unserem Wagen fließend in seiner Landessprache gesprochen hat (Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch). Wie sich herausstellt, kommt sie seit einer Dekade einmal im Jahr hierher, nachdem sie zuvor drei Wochen in einem Township in Johannesburg ehrenamtlich ein Hilfsprojekt unterstützt hat. Es sei ein Privileg ihres Alters, erklärt sie mir, dass sie nicht mehr alles mitmachen müsse. Sie schläft lieber aus, frühstückt in Ruhe und lässt sich dann bis zum Mittagessen ins Baumhaus bringen. Wir überlegen, ob wir auch ein wenig Zeit dort oben verbringen wollen, und wenn ja, wann? Die netten spanischen Flitterwöchler werden die nächste Nacht dort verbringen, mal abwarten, was sie so zu berichten haben.



Dieses Nashorn ist ebenfalls ein Frühaufsteher, und das Bordpersonal ist auch schon wieder im Einsatz...





Ich liebe diese Morgenstimmung. Der Tag ist noch jung, die Tiere sind schon auf den Beinen, das Licht ist perfekt...











Shadrack und Cabinet sind echte Asse beim Spurenlesen, jetzt aber kommt aber ein Funkspruch herein. Ein Löwenrudel hat in der Nacht gleich zwei (!) Büffel gerissen. Natürlich möchten wir gerne dorthin, aber Shadrack lässt sich Zeit. Wir hängen in der Warteschleife. Die Regelungen sind kompliziert und ich habe sie nicht ganz durchdrungen, aber es gibt imaginäre Grenzen innerhalb von Timbavati und es ist irgendwie festgelegt, wer wann wo und überhaupt sein darf. Klar ist: Bei Sichtungen sind nie mehr als drei Fahrzeuge gleichzeitig erlaubt. Ich bin zunächst nicht so sicher, wie ich das finde, am Chobe hatten wir zuweilen durch solche Regeln wenig Zeit, eine Sichtung länger zu genießen. Doch die Sorge löst sich bald in Wohlgefallen auf. Nach rund einer Viertelstunde sind wir dran und haben mehr Zeit als genug, um das Spektakel ausgiebig zu betrachten. Wenn ich teilweise an die Wagenburgen in Tansania denke, ist so eine Taktung vor allem aus Sicht der Tiere wohl gar keine schlechte Idee.









Die beiden anwesenden Löwenjungs sind Shadracks Beschreibungen zufolge so etwas wie "Überlöwen". Sie haben das Gebiet erst kürzlich erobert, sämtliche Konkurrenten verjagt oder getötet und deren Mädels kurzerhand übernommen.





Sie verfügen über außergewöhnliche Jagd-Skills und bewachen ihr neues Revier ebenso eifersüchtig wie erfolgreich. Noch ist das Rudel winzig, es wird aber wohl nicht mehr lange dauern, dann gründen die beiden eine "Überlöwen"-Dynastie. Ein bisschen angst und bange wird einem da schon. Und auch ein wenig kodderig. Nach Rosen riecht es hier jedenfalls nicht...











Irgendwann darf auch die Dame des Hauses ran.









Klarer Fall von Blutrausch...


Monsieur demonstriert derweil noch einmal nachdrücklich, wer Chef im Ring ist.







Die Tüpfelhyänen haben sich wie immer selbst zum Essen eingeladen.



Wir fahren mit etwas Verspätung zurück zum Camp, wo ein leckeres Frühstück auf uns wartet. Das gefällt mir an Umlani gut: Es geht nicht nach der Stoppuhr. Wenn es eine Sichtung erfordert, kann es auch mal länger dauern.





Trotz der blutigen Szenen habe ich einen Riesenappetit. Wir sitzen lange zusammen, die Stimmung ist ausgelassen, auch der zweite Jeep, dem wir bei den Löwen streckenweise begegnet sind, hatte einen tollen Vormittag. Wir gönnen uns ein kleines Schläfchen in unserem leidlich kühlen Häuschen. Mal sehen, was der Nachmittag so bringt...

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