THEMA: Auf großer Fahrt (SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015)
02 Mär 2015 14:57 #375573
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11. Tag (Di. 30.12.2014)
Namib Desert
95km


Geweckt werde ich durch die Schreie eines Schakals direkt neben unserem Zelt. Nach dem Aufstehen sehe ich auch gleich seine frischen Spuren.

Hier in der Wüste beginnt der Tag immer mit einem netten Spaziergang und einem kleinen romantischen Lagerfeuer.
:whistle: B)

Gegen 8:00Uhr steht das Frühstück bereit und um 9:00Uhr brechen wir auf. Dies werden die üblichen Zeiten auf der gesamten Tour sein.

Zu Anfang geht es auch heute wieder durch kleine mit Gras bewachsene Dünen, bevor wir das erste historische Relikt aus der Zeit des Diamantenabbaus erreichen. Es ist ein nach Motorschaden in der Wüste gestrandeter Ford-Truck, welcher in den 50er Jahren die Diamanten Minen bei Saddle Hill versorgte. Gegen das Einsinken im Sand hatte man die Trucks mit großvolumigen Flugzeugreifen ausgerüstet. Noch immer steht der Truck mitsamt Ausrüstung so, wie er vor rund 60 Jahren hier zurück gelassen wurde. Im Fahrerhaus brüten aber inzwischen Vögel.





Nach diesem Stop werden die Dünen so langsam etwas größer. Bald kommt über Funk die Ansage von Len, dass auf der Rückseite der nächsten Düne das erste etwas höhere Slipface auf uns wartet.

Das durchqueren der Dünenfelder läuft vom Prinzip nach immer dem gleichen Muster ab. Man fahrt auf der flachen & festeren, dem Wind zugewandten, Seite die Düne hoch und dann auf der steilen und weichen Seite im Windschatten wieder herunter. Hört sich ganz einfach an, ist es aber nicht.

Auch die vermeidlich festere Seite ist zum Teil ganz schön weich und flach ist auch ein sehr dehnbarer Begriff. Deshalb muss man mit recht viel Schwung bergauf fahren.



Vor sich sieht man nur die Kammlinie der Düne, weiß aber nicht, wie tief und steil es auf der anderen Seite wieder hinunter geht. Wenn man auf der Kante ist, sieht man nur noch Himmel, bis der Wagen nach vorne kippt und man gewahr wird, wie tief und steil es hinunter geht. Dabei ist das exakte Timing entscheidend. Ist man zu langsam, erreicht man erst gar nicht den Dünenkamm, sondern fährt sich vorher fest und muss rückwärts den ganzen Hang wieder runter. Nicht ganz ungefährlich, denn dabei besteht ein nicht zu unterschätzendes Risiko quer zu driften und umzukippen. Bremst man auf dem Dünenkamm zu früh, hängt man mit allen vieren in der Luft und ist man zu schnell, fliegt man über die Kante und überschlägt sich.




Ist man dann im Slipface, rutscht man in einer Sandlawine nach unten. Dabei dröhnt und brummt die Düne in einem tiefen Ton, der direkt in die Magengrube geht. Dabei ist es wichtig, dass die Räder nicht blockieren, um den Wagen weiterhin lenken und auf Spur halten zu können, denn wenn man hier nur ein wenig quer kommt, ist der Überschlag unausweichlich.




Nach diesem ersten Adrenalin-Kick kommen wir zum Bulldozer. Dieser hatte die gleiche Aufgabe wie die Suzy und hat auch das gleiche Schicksal erlitten. Motorschaden durch Überhitzung. Es ist schon sehr skurril, hier inmitten der Wüste diese Fahrzeuge anzutreffen und zeigt, was Menschen für die Hoffnung auf Reichtum so alles auf sich nehmen. Während wir uns den Bulldozer ansehen, beobachtet uns auf der Ferne ein Schakal, mit der für diese Tiere typischen Mischung aus Neugier und Scheu. Es ist inzwischen Mittag und wir machen hier Lunch.



Vom Bulldozer aus geht es durch ein weites Tal hinunter in eine große Pan. Hier bei festem Untergrund besteht die strikte Anweisung in der bestehenden Spur zu fahren. In den Dünen hat der Wind die Spuren in einem Tag verweht, so dass man dort auch eine eigene Spur legen kann.

Wie man auf den nachfolgendem Foto gut sehen kann, türmt sich auf der anderen Seite der Pan ein mächtiges Sandgebirge auf.



Dort geht es für einige Kilometer in tiefem Sand durchgehend bergauf. Das bedeutet die ganze Zeit Vollgas, denn wer hier anhält, darf wieder von ganz unten beginnen. Willis Landcruiser nimmt sich ein Beispiel an der Suzy und dem Bulldozer, wird zu heiß und oben angekommen explodiert der Kühler. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt (noch nicht einmal von gehört) – es hat den kompletten oberen Teil vom Kühler abgerissen. Der Schaden ist mit unseren Mitteln nicht zu reparieren, so dass wir das Fahrzeug zurücklassen müssen. Im Gegensatz zur Suzy und zum Bulldozer wird der Landcruiser aber nur kurzfristig hier stehen. Schon die nächste Tour wird einen passenden Ersatzkühler mitnehmen und des Wagen bergen.

Diese Episode zeigt aber auch deutlich, dass man bei dieser Tour auch immer riskiert, dass der Spaß in einem finanziellen Desaster endet. Ich fühle mich jedenfalls darin bestätigt, unseren Wagen so sanft wie möglich durch die Wüste zu chauffieren.

Jetzt gilt es aber erst einmal, die Insassen und deren Ausrüstung auf die anderen Fahrzeuge zu verteilen. Dummerweise war der Wagen mit 5 Personen besetzt und ziemlich überladen, was wahrscheinlich zu dem Schaden mit beigetragen hat. Wir sind mit unserem kleinen Wagen im Innenraum komplett voll, so dass wir leichte aber voluminöse Campingausrüstung übernehmen und aufs Dach schnallen.

So langsam wird das Gras immer weniger und wir kommen in ein Gebiet mittelgroßer runder Dünen. Wie auf Carving-Ski cruisen wir durch die sanften Hügel.



Zwischenzeitlich hat immer mal wieder Markus mit seinem Pajero Probleme. Sein Automatikgetriebe führt ein merkwürdiges Eigenleben so dass die ausgewählten Gänge nicht immer zu den Anforderungen passen und er sich dadurch so manches Mal festfährt. Okkie hingegen weiß inzwischen, wie er seinen schwach motorisierten Landrover durch die Dünen bewegen muss – immer mit dem Gaspedal am Bodenblech.

Als Highlight des Tages erreichen wir am späten Nachmittag Sylvia Hill, ein direkt am Meer gelegener Hügel. Hier gibt es auch eine riesige Seelöwenkolonie. Das Meer ist geradezu am brodeln vor lauter Robben. Unten am Strand sehen wir viele Spuren, die auf Meeresschildkröten hindeuten, was mich wundert, da ich diese Tiere nicht in einer kalten Meeresströmung erwartet hätte.



Kathrin und ich sind die einzigen, die zum Sylvia Hill hochklettern. Wir sind verwundert, als wir auch hier oben zahlreiche Seelöwen treffen. Warum machen sich die Tiere die Mühe bis hier hinauf zu klettern? Auch viele Robbenbabys finden wir hier oben.




Unabhängig von den Seelöwen, lohnt die Besteigung des Sylvia Hill allein schon wegen des grandiosen Ausblicks über die Küste.



Der Wind hat hier am Meer zu Sturm gewechselt und peitscht den Sand über die Dünenkämme. Wir fahren nur noch ein paar Kilometer ins Landesinnere und schlagen dort an schöner Stelle ein Camp zwischen den Felsen auf. Der kalte Wind weht aber auch hier.




Wieder müssen wir nur wenige Schritte gehen, um einen traumhaften Sonnenuntergang zu erleben.




Die ganze Zeit über umkreisen einige Schakale das Camp, in der Hoffnung ein paar Reste abstauben zu können. Wir können sie immer mal wieder vorbei laufen sehen. Vor allem aber können wir ihre typischen Schreie hören.

Heute sind die Temperaturen max. auf 28°C gestiegen. Wahrscheinlich, weil wir und deutlich näher an der Küste bewegt haben.

Da wir hinten so tief hängen, ziehen wir den ohnehin schon vorgeschädigte Stoßfänger immer mal wieder durch den Sand. Damit er nicht noch weiter Schaden nimmt, habe ich die Halterung mit Spanngurten verstärkt.

Letzte Änderung: 02 Mär 2015 15:20 von Topobär.
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02 Mär 2015 19:36 #375619
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Hallo Topobär,

was für Erlebnisse und Wagnisse, Chapeu!!!

Wir waren von Walfishbay aus mit einem Dünenexperten gefahren,die steilsten Dünen rauf und runter, beinahe wie im Zirkus.
F. hat heute noch Alpträume.

Gruß
CuF
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05 Mär 2015 09:15 #376067
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12.Tag (Mi. 31.12.2014)
Namib Desert
41km


Heute hat Laetizia Geburtstag und Ihr Freund Rudolf hat ein großes Buffet für die ganze Gruppe angerichtet. Dazu gehört natürlich auch reichlich Sekt und eine tolle Geburtstagstorte, die er vor Laetizia verborgen bis hierher geschmuggelt hat. Laetizias Geschenk befindet sich in einer großen, mit Sand gefüllten Kiste und muss von Ihr ausgegraben werden. Schon bald hat Sie einen dünnen Faden entdeckt und zieht
…und zieht
…und zieht
…und zieht, bis sie am Ende des Fadens einen Diamantring aus dem Sand zieht, worauf Rudolf vor Ihr niederkniet und Ihr einen Heiratsantrag macht. Das ist so romantisch, dass uns allen vor Rührung die Tränen in den Augen stehen. Darüber hinaus passt die Darbietung natürlich perfekt hier ins ehemalige Diamanten-Sperrgebiet.

Es hat heute starken Nebel und wir es wird Mittag werden, bevor er sich so langsam auflöst. Über 25°C wird das Thermometer aber den ganzen Tag nicht kommen.

Was dann den ganzen Tag folgen wird sind Sandkastenspiele für große Jungs. Wie Ihr an den zurückgelegten Tageskilometern unschwer erkennen könnt, geht es erstmals so richtig zur Sache. Heute kommt außer den beiden Tourfahrzeugen niemand durch, ohne sich festzufahren.




Zu Anfang habe ich noch Schwierigkeiten, den richtigen Bremspunkt vor den Slipfaces auf den Dünenkämmen zu finden. Ich will ja schließlich nichts riskieren und bremse im Zweifelsfall eher ein bisschen zu früh. So schaffe ich es auch einmal, genau auf dem Kamm aufzusitzen, so dass alle Räder ohne Traktion sind.

Ein anderes Mal komme ich zu nah ein einen Sandtrichter und mein Heck rutscht zur Seite weg, so dass wir richtig heftig festsitzen. Das Ganze dummerweise mitten in einem Bereich mit sehr weichem und tiefem Sand. Normales rausziehen funktioniert nicht. Der ziehende Wagen gräbt sich dabei nur selbst ein. Letztendlich bekommen wir den Fortuner nur mit einer Winde wieder frei. Zwischenzeitlich hatten sich bei der Bergungsaktion bis zu 4 Fahrzeuge festgefahren. Das hatte schon etwas vom gordischen Knoten, den wir dort lösen mussten.





Immer wieder geht es steil die Dünen rauf und runter. Hier zeigt sich, weshalb Motorleistung bei der Tour oberste Priorität hat. Okkies Landrover leidet extrem. Der Wagen ist mit Abstand am schwächsten motorisiert und so muss er häufig mehrere Anläufe nehmen, um die steilen Hänge hochzukommen. Zweimal bekommen wir den Landrover nur aus einem Dünentrichter weil Len das Steuer übernimmt und den Wagen rauskreiselt. Dabei kreischt der Wagen als wenn er Schmerzen leidet.





Zwischendurch erreichen wir einen hoch über dem Meer gelegenen Aussichtspunkt. Es ist für mich sehr beeindruckend, wie die riesigen Dünen direkt ins Meer übergehen. Der Blick ist grandios und im Meer wimmelt es von Seelöwen.




In der Mittagspause fragt mich Len, ob er mal eine kleine Runde mit dem Fortuner drehen darf, da er dieses Fahrzeugmodell noch nie gefahren ist und URI Adventures überlegt, sich eigene Mietfahrzeuge für Teilnehmer aus Übersee anzuschaffen. Also wechsele ich auf den Beifahrersitz und was ich dann erlebe lässt jede Achterbahn alt aussehen. Len jagt mit einer Geschwindigkeit die Dünen rauf und runter, die ich mich bislang nie getraut hätte. Er ist begeistert vom Fortuner und meint, es wäre das beste Fahrzeug, wenn man nur mit 2 Personen unterwegs ist. Ein großer Vorteil ist vor allem das deutlich niedrigere Gewicht gegenüber den anderen Fahrzeugen. Auch ich bin in der Zwischenzeit voll von unserem Wagen überzeugt. Das er hinten etwas tiefer hängt macht sich in keiner Situation negativ bemerkbar und durch das sehr gute Leistungsgewicht haben wir nie Probleme die steilen Auffahrten hochzukommen. Wir bleiben die gesamte Tour nicht an einer einzigen steilen Auffahrt hängen. Dazu trägt auch das Automatikgetriebe maßgeblich bei. Während sich die anderen meist beim runterschalten festfahren, haben wir permanenten Kraftschluss an den Rädern. Wer auch immer diese Tour fahren will – nehmt Euch auf jeden Fall einen Wagen mit Automatikgetriebe.

Vor dieser Tour hätte ich nicht gedacht, dass man solche Dünen auch mit einem Auto befahren kann. Das ist selbst gegenüber den Ergs der Sahara noch einmal eine Steigerung.



Pechvogel des Tages ist Markus. Auch er fährt sich auf einem Dünenkamm fest. Da das Slipface dahinter sehr tief ist, können wir ihn nicht nach vorne rausziehen, obwohl der Schwerpunkt des Wagend schon auf dieser Seite des Dünenkamms ist. Beim Versuch den Wagen wieder über den Kamm zurück zu ziehen, reißt es die komplette Anhängerkupplung aus dem Chassis. Wieder ein sehr kurioser Schaden, den ich so nie erwartet hätte. Die Anhängerkupplung hatte ich bislang immer als unkaputtbar angesehen.

Unser für heute geplantes Ziel Fisherbrunn erreichen wir nicht mehr. Dazu hatten wir heute einfach zu viele Probleme. Somit gibt es ein weiteres Camp in den Dünen. Leider zieht hier auch sehr bald der Nebel rein und ein kalter starker Wind kommt auf.




Obwohl heute Sylvester ist, treibt der kalte Wind die meisten Teilnehmer vorzeitig in die Zelte. Um 23:00Uhr stehen wir nur noch mit 10 Personen und 5 Flaschen Sekt dicht ums Lagerfeuer gedrängt. Praktisch veranlagt wie wir sind, beschließen wir schon jetzt mit der Vernichtung des Sekts zu beginnen, so dass wir pünktlich um Mitternacht mit der letzten Flascht anstoßen können, um dann auch schnell in die warmen Schlafsäcke zu verschwinden. Es ist für uns das erste Mal, dass wir in Afrika an Sylvester bis Mitternacht durchhalten.

Die nächsten beiden Tage werden wir uns wieder stärker der Natur und der Historie der Namib Wüste widmen.
Letzte Änderung: 05 Mär 2015 16:02 von Topobär.
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09 Mär 2015 11:32 #376595
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13.Tag (Do. 01.01.2015)
Namib Desert
49km


In der Nacht hat der Wind dann doch noch nachgelassen. Dafür ist es am morgen sehr nebelig und alles ist klitschnass vom Tau.

Heute gibt es nur ein kleines schnelles Frühstück, denn wir müssen ein Stück am Strand entlang fahren und die Flut kommt. Außerdem ist es nicht weit bis zu unserem nächsten Camp und wir werden dort frühzeitig ein umfangreiches Lunch-Buffet erhalten.

Nur wenige Slipfaces und wir sind aus den Dünen bis hinunter an den Strand gefahren. Im ersten Moment erscheint die Fahrerei hier recht einfach, aber die Strecke ist tückisch. Der Sand ist tief und schwer. Dazu kommen immer wieder kurze Stufen und Abbrüche, die die Brandung in den Sand gefressen hat. Das kann einen schnell aushebeln und einige fahren sich in dem schweren Sand auch fest.




An einer Stelle muss man eine scharfe Kurve fahren, um im richtigen Winkel die darauf folgende Stufe anzufahren. Hier erwischt es Theo. Durch die seitlichen Kräfte drückt es ihm den Reifen von der Felge. Dafür hat er sich so ziemlich die ungünstigste Stelle ausgesucht, die man sich vorstellen kann, denn die Flut drängt heran und sitzt uns im Nacken. Aber alle packen mit an und der Wagen ist schnell wieder flott. Wurde auch höchste Zeit, den die Brandung umspült bereits die Reifen.




Bereits am späten Vormittag erreichen wir unser nächstes Camp in Fisherbrunn und es dauert nicht lange, bis es was zu essen gibt. Fisherbrunn befindet sich in der Mündung des Tsauchab. Von hier sind es Luftlinie nur ca. 40km bis zum Sossusvlei. Das besondere an Fisherbrunn ist, dass es hier in nur 1-2 Metern Tiefe Süßwasser gibt. Das sieht man an dem Pflanzenbewuchs in der Gegend und es gibt auch ein Wasserloch. In Folge dessen lebt hier auch eine größere Population Oryx. Für uns bedeutet der Brunnen von Fisherbrunn in erster Linie Körperpflege.



Eine besondere Bedeutung hatte Fisherbrunn in der Zeit des Diamantenabbaus, denn hier wurde das für die Minen benötigte Wasser gefördert und mittels einer 80km langen Pipeline zu den Abbaugebieten gepumpt.

Nach dem Essen fahren wir mit einigen anderen zurück an den Strand. Hier treffen wir einen großen Schwarm Seeschwalben.



Leider verschwindet die Sonne recht bald und wir stehen wieder im Nebel. Okkie hat eine Angel mit und ist damit auch sehr erfolgreich, so dass es beim abendlichen Braai ein paar Fische als Vorspeise gibt.




Wir sind nicht die einzigen, die hier Fische fangen.

Pearcy zeigt mir, wie man White Mussels fängt, eine weit verbreitete Muschelart, die im Sand der Brandungszone lebt. Dazu trippelt man im Schlick der Brandungszone schnell auf der Stelle, so dass man um Schlick einsinkt. Wenn man dann etwas Hartes unter den Fußsohlen spürt, heißt es schnell zupacken, denn die Muscheln können sich erstaunlich schnell durch den Schlick bewegen. Die Muscheln werden dann sofort geöffnet und der feste Muskel herausgeschnitten. Mit einem Spritzer Tabasco schmeckt das ganz ausgezeichnet. Es hat etwas sehr archaisches. Anscheinend werden in uns schlummernde Urinstinkte befriedigt, wenn man sein Essen selbst fängt und an Ort und Stelle verspeist. Ich fühle mich jedenfalls großartig.




Irgendwann zieht es uns aber auch wieder in die Sonne und wir fahren mit einigen Autos zum Sandboarden in die Dünen im Hinterland. Besonders für die Kids ist es ein Riesenspaß. Das geht schon damit los, dass sie bei Len auf der Ladefläche seines Pickups mitfahren dürfen.



Selbstverständlich nutze auch ich die Gelegenheit zum sandboarden. Ist wie Schlitten fahren und die Bretter sind überraschend schnell. Nur ist es hier nicht kalt und nass, sondern warm und kratzig, denn der Sand ist danach in jedem Kleidungsstück.





Als die anderen zurück ins Camp fahren, setzen wir uns noch mit Bier und Savanna auf eine Düne und genießen die fantastische Landschaft um uns herum. Für einen Sundowner ist es zwar noch zu früh, aber wir gönnen uns auch ohne diesen Vorwand unser Kaltgetränk.



Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch ein paar Worte zu unserer Gruppe verlieren, mit der wir großes Glück hatten. Alles sehr angenehme Menschen. Jeder hat jedem geholfen und alle haben mit angepackt, wenn es etwas zu tun gab. Dabei war die Truppe bunt gemischt. Angefangen von einem 4-jährigen Mädchen, die jedes Mal wieder mit großen Augen in diesem riesigen Sandkasten stand und ihr Glück nicht fassen konnte, sich hier nach Herzenslust auszutoben, bis hin zum 75-jährigen Großvater, der mit Sohn und Enkel eine 3-Generationen-Männertour machte. Der Alkoholkonsum bewegte sich voll im Rahmen. Wir waren sicher keine Abstinenzler, aber es hat auch niemand so viel getrunken, dass er aus der Rolle viel. Dazu viele interessante Gespräche am Lagerfeuer, bei denen wir viel über den Alltag in Südafrika erfuhren und viel über den Alltag in Deutschland berichten mussten. Aufgrund unseres Exoten-Bonusses waren wir immer sehr gefragte Gesprächspartner.
Letzte Änderung: 09 Mär 2015 11:48 von Topobär.
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10 Mär 2015 14:06 #376747
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14.Tag (Fr. 02.01.2015)
Namib Desert
158km


Wir folgen weiterhin dem Strand und erreichen als erste Sehenswürdigkeit des Tages Meob Bay. Auf der vorgelagerten Hollamsbird Island befand sich früher eine Walfangstation und von diesem traurigen Kapitel zeugen die zahlreichen Walknochen, die als Abfall ins Meer gekippt wurden und hier am Strand angeschwemmt wurden, so dass wir für einige Kilometer durch einen gigantischen Walfriedhof fahren. Die größten Knochen eines Walskeletts sind erstaunlicherweise die Kieferknochen.




Danach fahren wir durch eine riesige mit Muschelschalen bedeckte Ebene.



Meob Bay war auch für den Diamantenabbau von großer Bedeutung, Die einzige Versorgungsmöglichkeit der Diamantenfelder bestand damals über das Meer. Es gab noch keine Fahrzeuge, die die Dünen durchqueren konnten. Da es weder einen geschützten Hafen, noch eine Jetty gab, mussten alle Waren von den auf Reede liegenden Frachtschiffen auf Landungsboote umgeladen und an Land gerudert werden. Aufgrund der meist sehr starken Brandung ein gefährlicher Job und es gingen dabei immer wieder Boote verloren. Die Überreste einiger Landungsboote kann man noch immer am Strand sehen.



Für uns heißt es in Meob Bay auch, den Reifendruck auf 1,5bar zu erhöhen, denn das Diamantengebiet besteht nicht aus Dünen sondern aus weiten Schotterebenen, durchsetzt mit felsigen Passagen.



Die Diamantenfelder sind die mit Abstand trostlosesten Gegenden der Namib. Weiße gleißende Flächen, auf denen einem die Sonne das Hirn aus dem Schädel brennt. Ohne die Verheißung auf Reichtum hätte sich mit Sicherheit keine Menschenseele je in diese Gegend verirrt, aber wenn es um Geld geht, ist der Mensch ja zu vielem bereit. Dabei konnte man hier noch nicht einmal mit großen Diamanten rechnen. So weit von der Mündung des Oranje entfernt gab es nur noch sehr kleine Exemplare. Der Vorteil lag einzig darin, dass man hier nie tiefer als einen Meter buddeln musste, da sich die Diamanten in der obersten Sedimentschicht befanden.




Im Diamantengebiet gab es mit Grillenberger, Hosatia und Charlottenfelder drei Orte. Nach Ausbeutung der Gebiete wurde hier alles zurück gelassen und so kommt man sich heute vor, wie in einem großen Freilichtmuseum. Alles war damals sehr einfach gehalten. Die Diamantenschürfer von Kolmannskuppe lebten dagegen in purem Luxus. Auf dem Weg zu den drei Orten sieht man auch immer wieder die Pipeline, die das Wasser aus Fisherbrunn hierher leitete.









Bevor es zurück in die Dünen geht, wird wieder Luft aus den Reifen gelassen und dann folgen zunächst weite sanfte Dünen, durch die man genussvoll carven kann, bis zum Strand, den wir beim Wrack der Eduard Bohlen erreichen. Leider sind wir hier auch wieder im dichten Nebel.

Die Eduard Bohlen war eines der Schiffe, die für die Versorgung der Diamantenfelder zuständig waren und teilt sich Ihr Schicksal mit zahlreichen anderen Wracks, die hier an der Küste liegen. Allein heute kommen wir an 3 Wracks vorbei und der Kapitän der Eduard Bohlen hat es während seiner Laufbahn als Schiffsführer auf insgesamt 4 Schiffe gebracht, die an Namibias Küste gestrandet sind.






Wie sehr hier die Natur die Küste permanent modelliert erkennt man daran, dass das Wrack der Eduard Bohlen heute fast einen Kilometer vom Wasser entfernt in den Dünen liegt.

Bald darauf haben wir Conception Bay erreicht und fahren über Kilometer an Seelöwen vorbei. Da fragt man sich schon, ob Cape Cross tatsächlich die größte Robbenkolonie Namibias ist, oder nur die größte touristisch vermarktbare Kolonie. Insgesamt leben an der Küste der Namib auf jeden Fall deutlich mehr Seelöwen als bei Cape Cross.



Wo viele Seelöwen sind, finden sich naturgemäß auch viele Seelöwen-Kadaver und so ist die Küste der Namib ein wahres Schlaraffenland für Aasfresser. Von braunen Hyänen haben wir zwar nur Spuren und einen Schädel gesehen, dafür sind Schakale unsere ständigen Begleiter.





Die lange Wand soll ja mit Ihren hohen direkt ins Wasser abfallenden Dünen sehr beeindruckend sein. Wir sehen davon leider überhaupt nichts, denn es herrscht dichtester Nebel, als wir diese Passage fahren und die Sandhänge verschwinden nur wenige Meter über uns im trüben Grau.

Nach der langen Wand fahren wir nur noch ein kurzes Stück aus dem Nebel in die Dünen und machen dort dann unser letztes Camp in der Wüste. Leider folgt uns der Nebel und kaum ist das Camp errichtet, ist auch der Himmel wieder bedeckt.

Letzte Änderung: 10 Mär 2015 14:27 von Topobär.
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11 Mär 2015 15:19 #376883
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15. Tag (Sa. 03.01.2015)
Namib Desert
130km


Endlich mal ein Morgen ohne Nebel. Das hieß Frühstück in der Sonne. Wie schön. Trotzdem ist alles nass vom Tau und der Sand klebt dem entsprechend überall fest.



Wer heute mit einem lockeren Austrudeln in Richtung Walvis Bay gerechnet hatte, wurde schnell eines besseren belehrt. Es ging noch einmal voll zur Sache und die Dünen boten nochmals alles auf, um uns das Leben schwer zu machen.



Schon bald nach Beginn kommen die ersten riesigen Dünentrichter, die es zu durchqueren gilt. Len legt eine Spur, um zu prüfen, dass es keine Absätze oder ähnliches gibt. Danach werden wir über Funk durch die Passagen gepeitscht. Noch bevor es runter in den Trichter geht, kommt über Funk: „Gas, Gas, Gas“. Also Kickdown. Dort, wo es abwärts geht, hat man das Gefühl abzuheben und dann rast man dem Grund des Trichters entgegen, so dass man das Gefühl hat, sich gleich ungespitzt in den Sand zu bohren. An Boden des Trichters hat man 130-140km/h drauf und die Kompression drückt uns mächtig in die Sitze - das Auto in die Stoßdämpfer und Federn. Gleich darauf sieht man nur noch das Blau des Himmels vor sich, denn jetzt geht es steil bergauf und der Motor hat ordentlich zu kämpfen. An diesem Punkt wird jedem klar, weshalb man zum Schwung holen mit Vollgas in die Tiefe rasen muss. In solch einem Kessel hängen zu bleiben erfordert zumeist eine sehr aufwendige Bergungsaktion. Was für ein Adrenalin-Kick.




Richard fährt sich zweimal auf einer Dünenkante fest und da ich direkt hinter ihm bin ist es an mir sein Schlachtschiff da runter zu ziehen. Der Prado ist rund eine Tonne schwerer als der Fortuner. Beim ersten Mal ist das noch einfach, aber beim zweiten Mal ist sein Schwerpunkt schon jenseits der Dünenkante. Das geht nur mit einem Kinetikseil, denn hier muss man ganz anders agieren, als man es normalerweise vom Abschleppen gewohnt ist. Nicht langsam anfahren, sondern sofort Vollgas. Das gibt einen ordentlichen Ruck, aber nach dem dritten Anlauf ist der Prado ist wieder frei.




Dann kommt Sandwich Harbour in Sicht. Unglaublich wie viele Blautöne das Meer hier hat. Es sind mehrere Paragleiter in der Luft. Wir sind nicht mehr weit von der Zivilisation entfernt




Es ist heute sehr schwierig die Spur zu erkennen, die Len in den Sand gelegt hat. Zum einen weht ein kräftiger Wind, der die Spuren schnell wieder verwischt und zum andern lässt die steil über uns stehende Sonne nur wenige Konturen erkennen.




Die schlechte Sicht wird fast noch Theo zum Verhängnis. Er übersieht eine Kurve und den sich dahinter befindlichen Abhang, den er dadurch seitlich hinunter rutscht und dabei fast umkippt. Wir können den Wagen gerade noch sichern und dann vorsichtig mit einer Winde wieder gerade ziehen.




Den Abschluss unserer Tour bildet dann ein gemeinsamer Lunch im Yacht Club von Walvis Bay. Leckerer Fisch, allerdings ist die Küche durch unser spätes Erscheinen und die vielen Personen leicht überfordert, was zu langen Wartezeiten führt, so dass wir erst um 16:00Uhr etwas zu Essen bekommen. Die Wartezeit nutzen wir, um unsere Dolphin Tour für den morgigen Tag zu buchen.

Danach heißt es Abschied nehmen, von den lieb gewonnenen Mitreisenden. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und für uns steht bereits jetzt fest, dass wir die Tour auf jeden Fall noch einmal fahren werden.

Wir stocken noch unsere Vorräte im Spar auf und dann geht es nach Swakopmund, wo wir wie bei unserer letzten Reise wieder in Sophia Dale übernachten. Da wir die einzigen Gäste sind und uns nicht vorher angemeldet hatten, hat das Restaurant leider geschlossen. Schade, da hatten wir uns so drauf gefreut. Aber wir können selbstverständlich Grillfleisch einkaufen, denn das ist für uns einer der Hauptgründe in Sophia Dale zu übernachten.

Letzte Änderung: 11 Mär 2015 15:37 von Topobär.
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