BEBeate67Themenstarter6 Beiträge · seit 201806. Apr. 2018 ·
Hallo in die Runde,
ich habe zusammen mit meinem Sohn (19) eine Reise nach Namibia gebucht, die Anfang Mai für 12 Tage stattfinden soll. Es ist eine geführte Reise mit dem nördlichsten Punkt Etosha Nationalpark, den wir am 3. und 4. Tag besuchen werden, und dem südlichsten Punkt irgendwo in der Mitte von Namibia.
Gerade bin ich noch wegen der Malariagefahr besorgt. Wir waren noch nie in Afrika oder in einem Malariagebiet, weshalb ich da überhaupt keine Erfahrungen habe. Deshalb freue ich mich, hier vielleicht noch ein paar praktische Anregungen erhalten zu können.
Selbstverständlich habe ich hier gerade in den älteren Beiträgen gelesen. Ich habe selbstverständlich die Information des Reiseveranstalters gelesen und auch den Rat eines Tropenistituts eingeholt, aber ich weiß immer noch nicht alles, um mich sicher zu fühlen.
Das Tropeninstitut schreibt: "Für die Nordhälfte Namibias bis zur Etoshapfanne empfehle ich neben konsequentem Mückenschutz die Mitnahme eines Malarianotfallmedikamentes." Das empfohlene Medikament (12 Tabletten) hat die Hausärztin verschrieben und wir haben es schon abgeholt.
Nur frage ich mich, wie erkenne ich denn, dass jetzt der nötige Zeitpunkt ist, an dem ich das Notfallmedikament einnehmen muss? Wenn mich im fraglichen Gebiet die erste Mücke gestochen hat? Oder erst, wenn ich mich kränklich fühle? Ich habe hier weiter unten auch das sicher berechtigte Argument gelesen, dass man dann ja gar nicht weiß, ob es Malaria ist oder noch etwas anderes. - Wir sind dann ja mit der Reisegruppe unterwegs und wollen nicht unbedingt wegen vielleicht unbegründeter Panik unsere Gruppe verlassen müssen.
Wie oft kommt es denn vor, dass man trotz selbstverständlicher Vorsorgemaßnahmen (Kleidung, wirksames Mückenspray, ... usw.) zu dieser Jahreszeit trotzdem von einer Mücke gestochen wird?
So unerfahren wie ich bin, glaube ich nämlich, dass ich gleich eine Riesenangst bekommen werde, falls ich doch einen Mückenstich entdecken sollte. Und vielleicht versaut man sich schon aus Angst vor einem Mückenstich die ganze Reise? - Das kann doch auch nicht der Sinn der Sache sein.
Ich freue mich auf eure Erfahrungen.
Jambotessy2’610 Beiträge · seit 200706. Apr. 2018 ·
Hallo,
willkommen im Forum!
Keine Sorge, bei der ersten Reise macht man sich da noch so seine Gedanken. Es gibt auch noch einen Malaria-Selbst-Test zu kaufen. In Windhoek wohl in jeder Apotheke, wenn du also sicher gehen willst. Ansonsten habe ich mal gesehen, wie jemand einen Malaria-Anfall bekam, da musst du gar nicht raten, da weißt du genau: das ist Malaria.
Allerdings überträgt nicht jede Mücke Malaria. Mein Mann hat sich einmal zeigen lassen, wie so eine Anopheles-Mücke aussieht, also winzig klein und es ist die, die so nervig ssssssss macht. Kaufe dir Peaceful Sleep, sprüh dich ein und abends wird es eh kalt werden und die ziehst freiwillig eine Jacke und lange Hosen an. Mach dich nicht verrückt, Genieße den Urlaub und denke nicht die ganze Zeit an Malaria!
Wir reisen seit 37 Jahren durch Afrika- von West nach Ost und Süd, zu allen Regen- und Trockenzeiten und haben bis jetzt noch nie Malaria bekommen toi, toi, toi!
Liebe Grüße Jambotessy
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise.
(Sprichwort der Ovambo)
1x Togo + Benin (mit TUI), 1x Ruanda + Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 23 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe, Sambia, Südafrika/ 17x mit dem Dachzelt und 6x ohne Dachzelt)
TAtanjatanja137 Beiträge · seit 201706. Apr. 2018 ·
Wir nehmen auch das Notfallmedikament mit. Auf Anraten unseres Arztes. Von der Prophylaxe wurde abgeraten.
Ich denke aber nicht das wir es ohne Beratung durch einen Arzt nehmen würden. Auch nicht das wir in die Verlegenheit kommen es nehmen zu müssen. So einsam ist die „normale“ Touristenroute ja nicht ( denke ich -Erstfahrer) das man es nicht schnell genug zum Arzt schafft im Notfall.
Wir kaufen uns vor Ort Mückenmittel für die Haut. Ziehen ab der Dämmerung lange Hosen und längärmige Oberteile an.
Außerdem haben wir uns jeder eine eine Mückensichere Hose gekauft (reicht für die Abende im Gefahrgebiet) und „imprägnieren“ die restliche Kleidung für abends zu Hause mit Nobite.
Ratschläge super! Wird alles schon gut gehen. Ist tatsächlich normal, dass man sich zum 1. Mal Gedanken macht. Aber eigentlich ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, wenn ihr auf die Tipps achtet.
Euch viel Spaß in meinem Heimat!
Das Leben ist ein Abenteuer!
MAMarkus6151’042 Beiträge · seit 201606. Apr. 2018 ·
Hallo Beate,
Beate67 schrieb: ich habe zusammen mit meinem Sohn (19) eine Reise nach Namibia gebucht, die Anfang Mai für 12 Tage stattfinden soll. Es ist eine geführte Reise mit dem nördlichsten Punkt Etosha Nationalpark, den wir am 3. und 4. Tag besuchen werden, und dem südlichsten Punkt irgendwo in der Mitte von Namibia.
Kauf Dir Peacful Sleep oder Tabart oder ähnliches in Namibia, es werden kaum Mücken unterwegs sein und die wenigen schreckst Du mit dem darin enthaltenen DEET sicher ab. So mache ich das jedenfalls.
Beate67 schrieb: Nur frage ich mich, wie erkenne ich denn, dass jetzt der nötige Zeitpunkt ist, an dem ich das Notfallmedikament einnehmen muss?
In dem Moment wo ein Arzt feststellt, dass es sich um eine Malaria handelt. 😉
Beate67 schrieb: Wenn mich im fraglichen Gebiet die erste Mücke gestochen hat?
Nicht jede Mücke überträgt auch Malaria... glücklicherweise, ich wurde letztes Jahr auch gestochen (weil ich dachte da fliegt nicht rum und deswegen mich nicht geschützt hatte). Passiert ist wie zu erwarten war gar nichts, jedenfalls nicht mehr, als wenn man in einem Gebiet gestochen wird, wo es keine Malaria gibt.
Beate67 schrieb: Oder erst, wenn ich mich kränklich fühle? Ich habe hier weiter unten auch das sicher berechtigte Argument gelesen, dass man dann ja gar nicht weiß, ob es Malaria ist oder noch etwas anderes. - Wir sind dann ja mit der Reisegruppe unterwegs und wollen nicht unbedingt wegen vielleicht unbegründeter Panik unsere Gruppe verlassen müssen.
Ich denke eine Malaria erkennt man, wenn es einem richtig schlecht geht und dann muss man so oder so zum Arzt. Da ihr "nur" 12 Tage in Namibia seid und erst am 3. Tag im Etosha ist die Wahrscheinlichkeit bei fast 0%, dass es auf der Reise zu einem Ausbruch der Malaria kommen kann. Selbst wenn man gestochen wurde und infiziert wurde dauert es doch einige Tage bis Wochen und bis dahin ist man dann schon wieder daheim (wo man allerdings den Arzt bei Fiber darauf hinweisen sollte, dass man in einem Malariarisikogebiet war, der weiß dann was zu tun ist).
Beate67 schrieb: Wie oft kommt es denn vor, dass man trotz selbstverständlicher Vorsorgemaßnahmen (Kleidung, wirksames Mückenspray, ... usw.) zu dieser Jahreszeit trotzdem von einer Mücke gestochen wird?
Selten...
Beate67 schrieb: So unerfahren wie ich bin, glaube ich nämlich, dass ich gleich eine Riesenangst bekommen werde, falls ich doch einen Mückenstich entdecken sollte. Und vielleicht versaut man sich schon aus Angst vor einem Mückenstich die ganze Reise? - Das kann doch auch nicht der Sinn der Sache sein.
Da kannst Du ganz beruhigt sein. Falls Du daheim angekommen bist und der Fibermesser eine deutlich erhöhte Temperatur anzeigt obwohl Du Dich völlig wohl fühlst brauchst Du auch keine Panik bekommen. Das dämliche Teil kann nämlich auch mal defekt sein und frag jetzt nicht woher ich das weiß... 😉
Beate67 schrieb: Ich freue mich auf eure Erfahrungen.
Erfahrungen mit Malaria möchte keiner wirklich machen... deswegen schützt man sich so gut es geht und falls man doch krank werden sollte geht man zum Arzt... 😉
Gerade bin ich noch wegen der Malariagefahr besorgt. Wir waren noch nie in Afrika oder in einem Malariagebiet, weshalb ich da überhaupt keine Erfahrungen habe. Deshalb freue ich mich, hier vielleicht noch ein paar praktische Anregungen erhalten zu können.
Malaria zu behandeln ist keine grosse Sache, aber nur wenn sie schnell erkannt wird.
Inkubationszeit für Malaria liegt zwischen 7 und 30 Tagen oder länger. Der Durchschnitt ist 12 Tage.
Das kann ich bestätigen und ein Stich reicht. Ich hatte 2017 genau einen Stich und meine Frau 3 und beide hatten wir 12 Tage später die ersten Symptome und eine Malaria Tropica eingefangen (Matobo / Zimbabwe).
Wenn Du in deinem Fall -eher nach Rückkehr- Fieber bekommst gehst du sofort zu einem gescheiten Tropeninstitut oder Tropen- Arzt (nicht zum Hausarzt !) , machst einen Bluttest und du weisst 1h später Bescheid und fängst mit der Therapie an.. That's it...
lg Maputo
BEBeate67Themenstarter6 Beiträge · seit 201806. Apr. 2018 ·
Ihr Lieben,
ich danke euch für eure freundlichen und hilfreichen Antworten. Jetzt fühle ich mich schon etwas wohler. 🙂
giraffenmog649 Beiträge · seit 200708. Apr. 2018 ·
Hallo, dass Ihr gut vorbereitet und nicht so blau- zügig nach dem Motto " wird schon gut gehen" losfährt, finde ich gut!
Sprüht Euch konsequent mit Peaceful Sleep ein. Und nicht nur die freie Haut, sondern auch die Klamotten! Abends werdet Ihr eh zu den dickeren Klamotten greifen. Am Besten zieht Ihr gleich die "richtigen" Schuhe an und tragt in der Dämmerung keine Latschen, dann sollte eigentlich nichts passieren.
Da Ihr in vermutlich afrikaerfahrener Begleitung durch einen Reiseleiter seid, könnt Ihr im Zweifelsfall bezüglich des Medikamentes jemanden fragen, der die Anzeichen von Malaria kennt. Es fühlt sich an, wie eine richtig fiese Grippe mit hohem Fieber. Wenn so was auftritt, ist sowieso Krankenhaus angesagt.
Um völlig auf der sicheren Seite zu sein, solltet Ihr die Deckung Euerer Kreditkarte noch einmal checken. Solltet Ihr gesetzlich versichert sein, werdet Ihr nicht auf die Deckungszusage Euerer Krankenkasse für einen Notfalltransport per SOS- Flieger warten wollen. ( Es gibt hier im Forum einen erschreckenden Reisebericht darüber, wie die deutsche Krankenkasse jemanden mit einem schlimmen Knöchelbruch unbehandelt liegen gelassen hat, weil sie mit ihren internen Entscheidungen nicht zu Potte kamen. Leider finde ich den Bericht gerade nicht....)
Wenn irgendetwas passiert, was ein guter Allgemeinmedziner wieder in den Griff kriegen könnte - muss ja nicht Malaria sein - dann eiert nicht rum und lässt Euch gleich nach Windhoek ins Krankenhaus fliegen. Mit Empfehlungen für ein Krankenhaus können Euch sicher diejenigen hier im Forum eindecken, die in Windoek leben. Bei etwas komplizierteren Fällen, solltet Ihr nach einer Stabilisierung nach Kapstadt weiterfliegen.
Ich wünsche Euch einen schönen Urlaub, in dem Ihr Euch sicher nicht einmal einen Kratzer zuziehen werdet!
BikeAfrica7’316 Beiträge · seit 200615. Apr. 2018 ·
Jambotessy schrieb:Ansonsten habe ich mal gesehen, wie jemand einen Malaria-Anfall bekam, da musst du gar nicht raten, da weißt du genau: das ist Malaria.
... niemals wirst Du als Laie eine Malaria erkennen! Niemals! Und ohne Übung schaffst Du es auch mit dem Schnelltest nicht.
In Namibia beschränken sich die möglichen Krankheiten schon deutlich, aber anderswo in Afrika hast Du noch Gelbfieber, Dengue, Chinkunguya, Rift Valley Fever, West Nile Fever und jede Menge Krankheiten mehr, von denen Du noch nie gehört hast. Wirf da nicht ohne ärztliche Untersuchungen planlos Medikamente ein, wenn Du nicht innerhalb eines Tages eines Arzt erreichen kannst.
Mir ging es einmal recht schlecht und die Parkranger vermuteten Malaria. Es ging mir einen Tag lang extrem beschissen. Es war keine Malaria, evtl. ein Hitzschlag, kombiniert mit Lebensmittelvergiftung. Einen Tag später war es wieder weg. Hätte ich mir auf Verdacht Malariamedikamente eingeworfen, würde ich jetzt auch sagen können, man kann eine Malaria mal schnell selbst behandeln.
Nein, kann man nicht. Man erkennt sie auch als Laie nicht und man wird auch kein Profi dadurch, dass man 30 Jahre lang ohne Malaria durch Afrika unterwegs war. Man wird Profi darin, dass man täglich als Arzt damit zu tun hat oder alle halbe Jahr die Krankheit einfängt und sie langsam versteht.
Geht im Verdachtsfall zum Arzt. Ich mache ja manchmal schon Sachen, bei denen andere Leute denken, ich spiele mit meinem Leben. Hier spielen jede Menge Leute viel mehr mit ihrem Leben.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Giraffen-Lisa766 Beiträge · seit 200716. Apr. 2018 ·
... niemals wirst Du als Laie eine Malaria erkennen! Niemals! Und ohne Übung schaffst Du es auch mit dem Schnelltest nicht.
Hallo, wir sind nach 22 Tagen Namibia gestern wieder zurück gekommen. Die Tour ging 3 Wochen mit 4x4 + Dachzelt vom Süden über Damaraland, durch den Etoshapark in den Norden hoch. Geplant war Kawango-Bootsfahrt im Caprivi, aber das haben wir abgebrochen, da ich nach 10 Tagen krank wurde. Mir wurde beim Abendessen plötzlich sehr schlecht. Nur starke Übelkeit ohne Erbrechen oder Durchfall und keine Magenkrämpfen. Es wurde von Tag immer schlechter und ich wurde schwächer. Am 4. Tag kam eine Verwirrtheit dazu und ich konnte mir Gespräche nicht mehr merken. Zur Sicherheit ging ich ins Hospital in Grootfontein und wurde gründlich durchgecheckt, Blut und Urin abgenommen. Das Blut sei in Ordnung, aber im Urin deute es auf eine Blasenentzündung. Das gäbe es öfter auch ohne Schmerzen. Ich habe für 5 Tage morgens und abends Antibiotikum in Tabletten bekommen und dieses eingenommen. Caprivi haben wir leider canceln müssen, obwohl wir uns extra mit anderen Forumsfreunden auf der Baobbabranch getroffen hatten und von dort eine Woche gemeinam im Caprivi touren wollten. Wir blieben die nächsten Tage in der Nähe des Hospitals - sozusagen 'ambulantnah', auf der wunderschönen Farm Seidarap (Paradies). Da war es richtig SUPER zum Genesen und langsam ging es mir besser. Morgens ist mir noch schlecht, aber tagsüber geht es gut.
Heute war ich beim Tropenarzt und meiner Hausärztin. Mir wurde gesagt, dass es auch eine Malaria gäbe, die lediglich ein starkes Übelsein und Schwäche als Symptome habe und mir wurde nochmals Blut abgenommen. Einen sicheren Nachweis im Blut könne man erst jetzt - 12 Tage danach - feststellen. Nun bin ich gespannt, was das Ergebnis ist. Aus eigener aktuellen Erfahrung gebe ich den Tipp: Geht vor Ort ins Hospital und lasst es daheim überprüfen, wenn Ihr stärkere körperliche Beschwerden habt - egal welche! Eine Notfallmedizin hätte ich niemals eingenommen, da ich als Laie und ohne med. Nachweis nicht wissen kann, was ich habe!
Liebe Grüsse Giraffen-Lisa
Meine Aufenthalte in Südwest/Namibia:
1978/79 Besuch auf Farm am Waterberg, 1980 Praktikum im Schülerheim Otjiwarongo/Caprivi, 1981 Bulli-Rundreise mit crockydile: Namibia – Kapstadt – Gardenroute – Zymbabwe – Victoriafälle – Botswana (10Tage mit dem Mokoro im Okawango-Delta) – Namibia,
1983 Arbeiten auf Farm Otjikaru am Waterberg
lange Pause
Tolle Urlaube folgenten: 2007 Namibia, 2008 Namibia/Botswana, 2009 Namibia
2018 Wunderschöne 2-Familientour mit Familie tim.buktu
der Thread ist doch ein wunderbarer Beleg dafür, warum die 0815-Standardempfehlung vieler europäischer Ärzte, doch einfach mal Malarone etc. als Standby in Malariagebieten mitzunehmen, im weitaus größten Teil der Fälle (nach meiner bescheidenen Laienmeinung) Blödsinn bis hin zu grob fahrlässig ist. Die wenigsten Reisenden in den Tropen (v.a. Südostasien etc.) fahren irgendwo hin, wo sie nicht innerhalb von 12-24h einen zuverlässigen Arzt finden können. Man kann und muss die Entscheidung ob man sich durch Einahme von Medikamenten prophylaktisch schützt je nach Ziel, Jahreszeit, Exposition etc. sicher unterschiedlich beurteilen. Aber der pauschale Rat, doch einfach Prophylaxe für den Fall einer Malaria mitzunehmen ist m.E. leider häufig absoluter Blödsinn und macht nur dann Sinn, wenn ich entweder eine Malaria hinreichend sicher an mir selbst diagnostizieren kann und/oder ich nicht damit rechnen kann, rechtzeitig zu einem Arzt/KH/Apotheke mit Verfügbarkeiten notwendiger Medikamente zu kommen. Leider scheint die bloße Mitnahme von Malaria-Prophylaxe aber zumindest nach dem, was man so im Bekannten- und Freundeskreis (und auch hier immer wieder) mitbekommt, bei vielen Ärzten die Standardempfehlung zu sein, die viele Reisende in einem Gefühl falscher Sicherheit wiegt.
Hallo Beate, und alle anderen, dieser thread ist prima - so viel echt gute und freundliche Antworten!
Seit 1983 in Afrika unterwegs, on and off an diversen Orten gelebt, zur Zeit in Malawi mit 4 Kindern, beide sind wir Ärzte, da hoffe ich gelingt es mir, Dich zu beruhigen, damit Du Dir Deinen Urlaub nicht von Angst verderben läßt:
Erst einmal schließe ich mich an: Laß Dich wegen Malaria nicht zu sehr verunsichern!Wir werden tonnenweise von Mücken gestochen, und hatten im Verhältnis dafür bisher wenig Malaria (und alle auch das überlebt!!!). BItte: keine Panik wegen eines Mückenstiches!!!! Es gibt ganz viele Sorten, und nur Anopheles übertragen, Malaria. Und dann auch nur, wenn genau DIESE Mücke infiziert ist!
Gestern erst habe ich dazu in meinem therad "Botswanas Beasts & Beauty" auf eine Malaria Frage geantwortet (findest Du, glaube ich, dort auf Seite 7)
Das Thema ist komplex, ich versuche dennoch eine Zusammenfassung aus unserer Sicht:
1. Prophylaxe für einen Urlaub: das muss jeder selbst entscheiden. Es gibt zwar Richtlinien der Tropeninstitute, aber die sind auch nicht immer das einzige, was sinnvoll ist. Und man muss bedenken, dass keine Prophylaxe Dich 100% davor schützen kann!
2. Eine Malaria erkennen: nein, das kann man leider eben nicht so leicht. Auch nicht die "Profis", die jeden Tag damit zu tun haben. Malaria ist eine Krankheit, die ganz unzterschiedlich verlaufen kann, und gerade deshalb zu vielen Fehldiagnosen führt! Grundsätzlich gilt: hohes Fieber, starke Gliederschmerzen, hämmerndes Kopfweh, allgemeines Gefühl von "darf ich bitte sterben" - immer an Malaria denken! (ich hab aber bei einer VirusGrippe ind Deutschland mal gedacht: "darf ich bitte lieber Malaria haben - das fühlt sich ähnlich an und man kann es wenigstens behandeln!!!"). Ferner haben viele Menschen auch Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Von allen diesen Dingen können aber eben oft auchnur manche Symptome auftreten!!! Ich bekommen z.B. sogar kaum Fieber (das ist extrem untypisch), habe aber bei Malaria schlimmen Schüttelfrot und bin so schlapp, dass ich nicht mal aufstehen und mir eine Tablette holen will! Unsere Kinder hingegen hatten immer sehr hohes Fieber, und wurden recht schnell schläfrig. Deine Frage, wann man das erkennt, ist also mehr als berechtigt!!!
3. Notfallmedikament hü oder hott: Hm... das finde ich jetzt schwierig, und bitte, das hier ist meine PERSÖNLCIHE Meinung, auf die man mich nicht rechtlich fest nageln kann! Ich halte es für gut, ein Medikament mit zu haben. Alleine deshalb, weil an manchen Orten Afrikas (auch wenn es das eigentlcih in jeder Apotheke gibt), manchmal keines zu kaufen gibt (weil der Apotheker es für teures Geld verschoben hat....). Namibia mag da anders sein als die Länder, die ich kenne. WENN es einem, wie oben beschrieben, so schlecht geht, und das auch am 2. oder 3. Tag (länger würde ich nicht fackeln!), und man tatsächlich nicht an einen Arzt, KH oder Dispensary herankommen sollte, dann würde ich es "blind" schlucken! Ich vermute, Ihr habt Malorone bekommen - das bringt einen nicht um, wenn man es schluckt, falls es keine Malaria wäre. Wir persönlich würden das hier gängige "Lumefantrin/Artemeter" vorziehen - sowohl mein Mann als auch ich haben mit Malorone keine guten Erfahrungen gemacht (haben darauf beide erst schlimme Übelkeit und Erbrechen bekommen, und sind dann auf Lumefantrin/Artemeter umgestiegen, was bei uns in allen Fällen bisher gut angeschlagen hat - sowohl bei uns Erwachsenen als auch bei unseren Kindern!) Letzteres Medikament kann man zumindest im östlichen Afrika überall billig kaufen - über Namibnia kann ich leider nichts sagen.
4. Die bereits genannten "Schnell-Tests" halte ich für eine SEHR gute und empfehlenswerte Sache! Sie testen auf Antigen der Plasmodien - also nicht auf Antikörper (das wäre die Immunantwort deines Körpers), und haben deshalb eine sehr hohe Verläßlichkeit. Ich glaube, ca. 98 % der Schnelltest Aussagen sind richtig! Den Test kann jeder klar denkende Mensch alleine durchführen - es ist eine Mini Lanzette drin, mit der muss Dich einer in den Finger pieksen, dann nimmt man einen Topfen Blut, tut es in die dafür vorgeschriebene Stelle, und einen Tropfen Trägerflüssigkeit und kann das ganze in 10 bis 20 min. ablesen. BItte Packungsanlage genau lesen, damit man es richtig macht! In Malawi kosten die DInger in den Apotheken 1 Euro! Ich gehe davon aus, dass es sie auch in Namibiazu kaufen gibt. Kauf dir gleich 3 oder 5 Stück, und solltest Du tatsächlich in die Verlegenheit kommen, ihn benutzen zu müssen: sollte er negativ sein, kannst Du erst mal aufatmen - aber ich würde, wenn die Symptome an nächsten Tag weiter bestehen, nochmal testen. Damit könntest Du immerhin handeln, wenn es umständlich wäre, einen Arzt azufzusuchen. Und dann könntest Du acuh bei einem positiventest die Medikamente einnehmen!
5. Ja, am besten wäre, einen Arzt oder eine Dispensary aufzusuchen! Klar! Aber leider müssen wir sagen: das, was wir hier in diversen Ländern erlebt haben, wie medizinisches Personal in Dispensaries oder allgemein in staatlichen KH mit Malaria Verdacht umgeht, ist teilweise haarsträubend! Andrerseits gibt es sehr viele einheimisches Personal, das echt viel gute Ahnung und Erfahrung hat - erfahrungsgemäß triffst Du diese eher in privaten/kirchlichen KH in Afrika an! Namibia mag anders sein - da muss ich passen.
6. Bitte v.a. wenn man wieder zu Hause ist bei evtl. Symptomen immer dran denken, dass es noch eine Malaria sein kann, und den Arzt darauf aufmerksam machen! Die "Horrorgeschichten" zu Malaria in Deutschland, z.B.. sind oftmals deswegen so gelaufen, weil man zu spät auf die Idee kam, dass es Malaria sein kann!
7. Solle dir jemand mit einem Blutausstrich, z.B. in einer Dispensary, eine positive Malaria bestätigen, Du Medikamente nehmen, und das ganze schlechter werden, gibt es zwei, genau genommen drei Möglichkeiten: Entweder das Medikament wirkt nicht, und man muss was anderes nehmen (das müssen Ärzte dann entscheiden!) oder man hat gar keine Malaria, sondern was anderes!!! Letzteres ist und in Tanzania mal passiert, als wir noch frisch in der Sprachschule waren, und unser damals 5.Jähriger einen positiven Test hatte. Da wir therapierten, haben wir die nächsten 2 Tage an nichts anderes gedacht. Erst als es echt schlimm um ihn stand und wir viel knobelten, kamen wir drauf, dass es wahrscheinlich Typhus war und haben sofort das entsprechende Antibiotikum gegeben, worauf er sich schnell besserte! Oder man hat Malaria UND etwas anderes. Dann barauchst Du aber auch einen Arzt.
Und nun lehn Dich bitte trotz alle meiner "was alles sein kann" nochmal entspannt zurück und freu Dich auf Deine Reise! Herzliche Grüße, Antje
Vielen Dank Antje!! Auch ich reise in den nächsten Tagen nach Namibia, und war mit der Beratung des Tropeninstituts irgendwie nicht zufrieden.... aber Deine Ausführungen haben mir viele Informationen und ein Stück weit Sicherheit gegeben.....deshalb VIELEN DANK!!!
Bleibt gesund und beste Grüße aus dem im Aprilwetter festhängenden Hannover
Imme
BEBeate67Themenstarter6 Beiträge · seit 201826. Apr. 2018 ·
Das waren ja wirklich noch einmal wertvolle und vor allen Dingen freundliche Hinweise, liebe Antje.
Bei uns geht es morgen los. Bin schon sehr aufgeregt.
Das Notfall-Medikament, das uns der Tropenmediziner empfohlen hat, ist Atovaquon/Proguanil und das habe ich auch besorgt. Ich werde es damit genauso handhaben, wie hier empfohlen.
Wenn wir wieder zurück sind, werde ich mich mal melden, ob ich es denn benutzt habe.
Bis dahin herzliche Grüße von Beate
NONOGRILA1’794 Beiträge · seit 201326. Apr. 2018 ·
Hallo Beate67, bei den Wirkstoffen handelt es sich im Orginal um Malarone! LG NOGRILA
BikeAfrica7’316 Beiträge · seit 200627. Apr. 2018 ·
Rehema schrieb: 4. Die bereits genannten "Schnell-Tests" halte ich für eine SEHR gute und empfehlenswerte Sache! Sie testen auf Antigen der Plasmodien - also nicht auf Antikörper (das wäre die Immunantwort deines Körpers), und haben deshalb eine sehr hohe Verläßlichkeit. Ich glaube, ca. 98 % der Schnelltest Aussagen sind richtig!
... bei einem positiven Ergebnis mag das sein. Bei falscher Handhabung kommen aber oft negative Ergebnisse raus, auch wenn Malaria vorliegt. Und gerade die Handhabung ist manchmal ein Problem, wenn man den Umgang nicht gewohnt ist. Das fängt mit dem Pieksen für den Bluttropfen schon an. Habe es schon selbst gesehen, wie damit hantiert wurde und was am Ende rauskam ... Wenn kein Arzt erreichbar ist, ist so ein Schnelltest natürlich besser als nichts, genauso wie die Einnahme von Medikamenten auf Verdacht, aber 99,9% der Touristen werden innerhalb weniger Stunden einen Arzt erreichen können.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...