Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo

Reisebericht 120 Antworten · 21,9k Aufrufe · gestartet 14. Feb. 2017 von Gu-ko
Themenstarter275 Beiträge · seit 201414. Feb. 2017 · #1
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Ostafrika und den Ostkongo (D.R. Kongo) Nov/Dez 2016

Vor fast genau drei Jahren (Nov-Dez. 2013) waren wir(*) zuletzt in Ostafrika unterwegs. Damals fuhren wir u. a. mit der legendären M.V. Liemba auf dem Tanganjikasee von Mpulungu (Sambia) nach Kigoma (Tansania) und weiter durch Ruanda und Uganda bis zu Kenias Küsten und Stränden.
Reisebericht 2013: Ostafrika Reise...

(*)Wir, das sind meine (kenianische) Frau und ich.

Dieses Mal (Nov.-Dez. 2016) reisen wir sechs Wochen durch Ostafrika und in den Ostkongo. Der Kongo (D.R.C) gehört auf unserer Reiseroute als einziges Land zu Zentralafrika. Laut Wikipedia werden manchmal auch Ruanda und Burundi zu Zentralafrika gezählt, aber, da sie östlich des Grabenbruchs liegen, passen sie geographisch besser zu Ostafrika.


Reiseroute Nov.-Dez.2016


Reiseverlauf

Unsere Reise beginnt in Kenia. Nach kurzem Aufenthalt in Nairobi ist unser erstes Ziel das Städtchen Webuye in Westkenia. Dort lebt die Familie meiner Frau, die wir für ein paar Tage besuchen wollen.
Unser nächstes Ziel liegt rund 1200 km östlich von Nairobi: Die Virunga Vulkane im Nord-Kivu-Gebiet der Demokratischen Republik Kongo. Dort lockt uns der Nyiragongo Vulkan mit seinem Lavasee. Spontan ergibt sich der Besuch einer Berggorilla Gruppe im Virunga National Park.
Danach fahren wir über Ruanda (Kivu-See) nach Tansania (u. a. mit der Tanganjika-Bahn) bis zum Malawisee, an dessen Ufern wir ein paar Tage relaxen wollen, bevor es wieder nach Deutschland zurückgeht.

Da wir keinen fixen Reise- oder Zeitplan und, abgesehen von der Vulkantour im Kongo, nichts im Voraus gebucht haben, können wir sehr flexibel reisen. Lediglich Datum und Ort des Rückfluges stehen von Anfang an fest.

Flüge: Frankfurt-Nairobi (Kenya) - Lilongwe (Malawi)-Frankfurt, jeweils mit Ethiopian Airlines.
Besuchte Länder: Kenia, Uganda (nur Durchfahrt), Ruanda, Ostkongo, Tansania, Malawi
Reiseart: Mit wenig Gepäck und öffentlichen Verkehrsmitteln, längere Strecken mit (Mini-)Bus, Schiff, Zug, Sammeltaxi, kürzere Strecken mit Matatu, Dala-Dala, Tuk-Tuk, Boda-Boda oder Piki-Piki

Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert in Ost-Afrika grundsätzlich sehr gut. Längere Strecken kann man in (mehr oder weniger) komfortablen Reisebussen zurücklegen. Abseits der Hauptrouten oder auf kürzere Strecken sind in der Regel Kleinbusse (Matatus, Dalla-Dallas) oder Sammeltaxis das Verkehrsmittel der Wahl. Ein Leckerbissen, wenn man‘s mag, sind die Züge, die auf einigen Strecken noch verkehren. Langsam, hoffnungslos veraltet, aber mit viel Flair. Hier ist der Weg das Ziel.


Reisen im Matatu


Reisen mit Bus und Sammeltaxi


Reisen im Zug

Während die Überlandbusse der besseren Busgesellschaften recht komfortabel sein können, sieht es bei den Minibussen, Matatus und Sammeltaxis anders aus. Stundenlanges, eingezwängtes Sitzen in überfüllten, schrottigen Fahrzeugen ist keine Ausnahme. Menschen und Gepäck werden im Innenraum quasi gestapelt. Es ist unbequem, eng und nichts für Menschen mit Platzängsten. Fast jeder Passagier hat noch Gepäck und/oder ein Kleinkind dabei. Dazu kommen Hitze, Staub und die seltsamsten Gerüche. Verängstigte Hühner gackern aus verschnürten Bündeln, Eimer mit stinkendem Fisch werden zwischen Sitze geklemmt. Oder die Fahrt wird von überlauter Musikbeschallung begleitet, was zu akustischer Folter werden kann.

Der Fahrstiel der Buslenker ist, aus mitteleuropäischer Sicht, riskant, oft rücksichtslos, manchmal schlicht kriminell. Aber um fair zu bleiben, es gibt auch coole Busfahrer, die ihr Handwerk beherrschen und erstaunliches leisten. Schlechte Straßenverhältnisse und heruntergewirtschaftete Fahrzeuge erhöhen zusätzlich das Unfallrisiko. Aber wir sind in Afrika und hier scheint es zu funktionieren, zumindest meistens…

Bei den lokalen Verbindungen (Minibusse/Sammeltaxis) gibt es keine festen Abfahrtszeiten. Sie fahren erst los, wenn alle Sitzplätze verkauft sind. Das kann dauern. Und fahren sie endlich, beginnt ein nervendes Stop-and-Go: Beschleunigen, abbremsen, Tür auf, Menschen raus, Menschen rein, Tür zu, beschleunigen... ein paar hundert Meter später das Gleiche wieder.

Aber es macht auch Spaß. Es ist eine unabhängige Art des Reisens und es ist eine interessante Art des Reisens. Langweilig wird es nie. Es ist billig, kostet dafür manchmal viel Zeit und Nerven. Man ist mitten im Geschehen, bekommt Land und Leute hautnah mit, und das im wahrsten Sinne des Wortes. 😉
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
zuletzt bearbeitet 04. Feb. 2018
2'396 Beiträge · seit 201114. Feb. 2017 · #2
Hallo Gu-ko,

wieder ein RB von Dir, da bin ich natürlich dabei. Und wieder eine Reise der außergewöhnlichen Art - wie schön.
Ich bin schon sehr gespannt auf Eure Erlebnisse.
Und bevor Bele gleich vorbei kommt und wieder drängelt 😗 : fang vorsichtshalber schon mal an! 🤩

LG aus dem sonnigen HH,

Karsten
[size =3] Infos NordTZ 22 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/301813-infos-nordtansania-juni-juli-22.html?start=0 RB Kenia 2020 https://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/299653-kurzer-rb-kenia-sept-2020.html?start=0 Reisebericht Südtanzania 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282710-tanzanias-sueden-daumendruecken-hilft-nicht-immer.html Kurzbericht 7 Wochen Nam-Bots 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/16-unterkuenfte/254072-kurzbericht-7-wochen-nam-bots.html Bericht Zimbabwe 1995: ... 30 Tage Gefängnis http://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/241529--30-tage-gefaengnis.html Reisebericht 2008: 18 Nights in the Bush - ha-ha-ha http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/263931-18-nights-in-the-bush-ha-ha-ha.html Nordtansania Feb. 2015 - Kein RB http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285690-tansania-februar-2015-kein-reisebericht.html?limitstart=0&start=12] Walking Safari Zimbabwe 97 https://www.namibia-forum.ch/forum/148-diverses/287052-walking-safari.html?limitstart=0
8'054 Beiträge · seit 200814. Feb. 2017 · #3
Hallo Gu-Ko,

Da muss ich auch dabei sein! 😎

Langsam aber sicher finde ich solche Reisen einfach fantastisch. 🙂

Der Kongo (D.R.C) habe ich leider wegen Unruhen verpasst. Er bleibt aber auf meiner Wunschliste. 🤪

Freue mich auf die Fortsetzung
Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
1'068 Beiträge · seit 201314. Feb. 2017 · #5
Hallo Gu-ko,

Deinen anderen RB hab ich auch schon gelesen. Eure Art zu reisen ist hier in diesem Forum ja doch eher ungewöhnlich, aber keinesfalls minder spannend und interessant. Ich werde also auch auf dieser Reise mit dabei sein.
Und dass auch hier wieder ein Lavasee vorkommt, setzt dem ganzen noch ein I-Tüpfelchen auf.

Dann schreib mal schön schnell weiter...

Viele Grüsse
Mabe
116 Beiträge · seit 201314. Feb. 2017 · #6
Hallo Gu-ko,

nachdem ich schon einige tolle Kongoberichte hier im Forum gelesen habe, sitzt ein kleines Vulkanteufelchem 😈 in meinem Kopf und giert nach immer mehr Informationen. Damit das Teufelchen genuegend Futter bekommt, wuerde ich gerne mitfahren.
Freue mich auf Deinen Bericht 🙂
LG Elsi
Themenstarter275 Beiträge · seit 201415. Feb. 2017 · #8
picco schrieb:Hoi Gu-Ko
Jabadabadu!!!
Hat meine Forderung nach einem Reisebericht als Gegenleistung zu den DRC-Infos also gefruchtet! 😈
.
hi picco, durch deinen RB habe ich mich erstmals näher mit dem Nyiragongo befaßt und mir wurde schnell klar, da muss ich hin... 😎
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201415. Feb. 2017 · #9
Teil 1 - Kenia

Anfang November 2016. Von Addis Abeba kommend landen wir gegen Mittag in Nairobi. Ein bisschen weltstädtisches Flair habe ich vom Jomo Kenyatta Airport in Nairobi schon erwartet, gilt er doch als größter Flughafen Ostafrikas. Vielleicht gibt es woanders einen Bereich, der einem internationalen Hauptstadtflughafen eher gerecht wird, die Ankunftshalle gehört jedenfalls nicht dazu. Wir werden durch einen Raum geschleust, der stark an einen übergroßen Container erinnert. Menschen stehen in dichten Schlangen vor den Passkontrollen, oder drängeln um Tische, auf denen sich gelbe und weiße Formulare stapeln. Das Ausfüllen der Einreisepapiere haben wir zum Glück schon im Flugzeug erledigt, sodass wir uns direkt in die Schlangen vor den Immigration-Schaltern einreihen können.

Eins muss man den kenianischen Beamten lassen, trotz des Massenandrangs geht es flott voran. Gefühlte zehn bis fünfzehn Minuten später stehen wir vor dem Pult des Immigration Officers. Die sorgfältig ausgefüllten Einreiseformulare und Zollerklärungen landen achtlos in einem Karton. Ich vermute, es ist völlig egal was man da reinschreibt. Ich werde fotografiert, dann Fingerabdruck-Scan, 40 Euro fürs Visum bezahlen und wir dürfen einreisen.

Beim Gepäckband holen wir unsere Koffer und die Rucksäcke und gehen unbehelligt durch den Zoll. Mit rund 80kg haben wir deutlich mehr Gepäck, als man für eine Rucksackreise erwarten würde. Aber das Gewicht wird sich nach dem Familienbesuch deutlich reduzieren…

Der Bruder meiner Frau holt uns vom Flughafen ab. Das erspart uns das Gefeilsche mit den Taxifahrern, die am Ausgang des Terminals herumlungern. Auch ein Hotelzimmer hat er reserviert, sodass ich mir, während wir uns durch dichten Verkehr Richtung Innenstadt quälen, beinahe wie auf einer Pauschalreise vorkomme… 😎


Nairobi - Central Business District

Nairobi

Nairobi gehört nicht zu meinen Traumzielen in Afrika. Die Stadt hat, was die Sicherheit anbelangt, weltweit einen schlechten Ruf. Nicht umsonst hat sie unter Reisenden den Spitznamen „Nairobbery“ bekommen. Die Kriminalitätsrate ist hoch und die Gefahr ausgeraubt zu werden, wird als ‘nicht gering‘ eingestuft. Auch wenn ich bei meinen bisherigen Besuchen diesbezüglich keine negativen Erfahrungen gemacht habe, fühle ich mich manchmal doch etwas unbehaglich, wenn ich in den Busbahnhofsvierteln östlich der Moi Avenue, oder nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs bin. Nachts sollte man zu Fuß am besten überhaupt nicht mehr auf den Straßen sein. Aber da wir zwecks Familienbesuchs in den Westen Kenias wollen, lässt sich ein Aufenthalt in der Hauptstadt nicht vermeiden.


Nairobi Busviertel

Das Kima Hotel liegt in der Ambala Road, in einer ziemlich lebhaften Gegend, ein paar Querstraßen nördlich der berüchtigten River-Road. In diesem Viertel befinden sich auch die Booking Offices der größeren Busgesellschaften und viele Überlandbusse und Matatus fahren hier ab. Tagsüber verstopfen Fahrzeuge aller Art und Größe die engen Straßen, dazwischen geschobene oder gezogene Handkarren und ein nicht enden wollender Strom von Menschen. Die Gegend ist laut und chaotisch, die Straßen schmutzig und wenn man direkt aus Europa kommt, braucht man etwas Zeit um sich daran zu gewöhnen.

Ganz anders sieht es nachts aus. Kaum wird es dunkel schließen die Geschäfte, Menschen und Fahrzeuge verschwinden, die Straßen sind wie ausgestorben. Kaum jemand ist jetzt noch zu Fuß unterwegs. Ein paar ärmliche Gestalten kauern auf Pappkartons in den Eingangsbereichen der Häuser, einzelne Frauen stehen frierend vor heruntergekommenen Hotels. Dann und wann sehe ich einen in eine rotkarierte Decke gehüllten Masai-Wächter durch die trüb beleuchteten Straßen patrouillieren. Doch ob der Stock, den er in der rechten Hand trägt, viel gegen Nairobis böse Buben ausrichten kann, bezweifle ich.


Ambala Road


Ambala Road
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zuletzt bearbeitet 04. Feb. 2018
Themenstarter275 Beiträge · seit 201415. Feb. 2017 · #10
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Wir bleiben drei Tage in Nairobi. Wenn ich schon mal hier bin, möchte ich etwas von der Stadt sehen. Bei einem Spaziergang kommen wir zufällig am Kenyatta International Conference Centre (KICC) vorbei. Das KICC ist sowas wie das Wahrzeichen Nairobis. Es besteht aus einem ziemlich hässlichen, turmartigen Hochhaus, einem Amphitheater, das einer traditionellen afrikanischen Hütte nachempfunden sein soll, und einer gepflasterten Parkanlage, in der sich Springbrunnen, bunte Fähnchen und eine Statue von Kenias erstem Präsidenten Jomo Kenyatta befinden.

Der Blick von oben muss toll sein. Bevor wir auf das Gelände dürfen, werden wir gründlich gefilzt, Gepäckkontrolle und Ausweiskontrolle. Möchte man zur Aussichtsplattform auf dem Dach des 105 Meter hohen Turmes muss man sich in ein Besucherbuch eintragen und seinen Ausweis abgeben. Ein Aufzug bringt uns bis zum 27. Stockwerk des KICC-Towers. Dann nochmal vier Stockwerke zu Fuß und wir sind ganz oben. Und wow - der Ausblick über Nairobi ist phantastisch!


Das KICC


Kenyatta


Nairobi - Central Business District – City Hall


Nairobi


Nairobi – Accra Road

Im Central Business District (CBD) dominieren Wolkenkratzer, Bürotürme und Regierungsgebäude. Die Skyline einer modernen Großstadt. Dazwischen Banken, Restaurants, Elektronikläden und ein paar wenige überlebende Bauten aus der Kolonialzeit. Hier ist nichts von Massenarmut, Dreck und Chaos zu sehen. Aber der Business District ist überschaubar. Eine kleine, moderne, saubere Insel inmitten einer Großstadt, die, je weiter man sich in die Außenbezirke bewegt ärmer, chaotischer, und unsicherer wird.


Nairobi CBD


Nairobi - Uhuru Park


Nairobi - Street


Nairobi - Street


Nairobi – Street


Nairobi – Street


Nairobi – Street

Außer Sightseeing gibt es einen weiteren Grund, warum wir drei Tage in Nairobi bleiben. Ein paar hundert Kilometer westlich von Nairobi, in einer Kleinstadt namens Webuye, freut sich ein kleines Mädchen riesig auf ein Fahrrad. Eigentlich wollten wir das Fahrrad von Deutschland mitbringen, aber da wir schon ziemlich viel Gepäck haben und der Transport bei Ethiopien Airlines stolze 100 Euro kostet, wollen wir das Fahrrad in Nairobi zu kaufen.

Wie sich herausstellt, ist das gar nicht so einfach. Bei den Gebrauchtfahrradhändlern stehen überwiegend abgewirtschaftete Gurken herum, die sich weder optisch als Geschenk eignen, noch technisch überzeugen. Wir versuchen es im kenianischen Einkaufsparadies Nakumatt (You Need it, We've Got It), aber auch dort Fehlanzeige. Was wir zu sehen bekommen ist fabrikneuer Schrott aus China und dazu noch schweineteuer.

Aber wer sucht der findet. Mit Hilfe der Schwester meiner Frau, die in Nairobi wohnt und sich einigermaßen auskennt, gelingt es uns am zweiten Tag, nach stundenlangem herumirren durch ziemlich dubiose Viertel und Straßen, ein qualitativ gutes Fahrrad zu finden. Es ist gebraucht, jedoch gut erhalten und dürfte von der Größe perfekt passen.
🙂
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zuletzt bearbeitet 04. Feb. 2018
Themenstarter275 Beiträge · seit 201417. Feb. 2017 · #12
Nairobi – Webuye

Vom Kima Hotel zur Busabfahrtsstelle vor dem Panther-Bus-Büro in der Cross Road ist es nicht weit. Man könnte locker laufen. Da wir jede Menge Gepäck und auch noch ein Fahrrad dabeihaben, laden wir alles in ein Taxi und lassen uns die paar hundert Meter fahren.

Der Panther-Bus wirkt etwas heruntergekommen, die Sitze zerschlissen, aber sonst sieht er ganz ok aus. Es dauert eine Weile bis das ganze Gepäck verstaut ist und jeder seinen Platz gefunden hat. Gegen16.30 Uhr geht es los. Nachdem wir Nairobis Verkehrschaos hinter uns gelassen haben, nimmt der Verkehr rasch ab. Die Landschaft ist, soweit ich es durch die staubigen Pantherbusfenster erkennen kann, hügelig-grün, bunte Häuser flitzen vorbei, gelegentlich kleine Siedlungen, später Kakteen und kahle, trocken wirkende Büsche und Bäume. Es wird bald dunkel. Der Vollmond taucht die Landschaft in fahles Licht.

Wir sitzen vorne, direkt hinter dem Busfahrer. Aus der Musikanlage dröhnen dumpfe Bässe. Der Fahrer wirkt aufgedreht, als hätte er Speed-Tabletten geschluckt. Mit seiner schrillen Stimme übertönt er Fahrgeräusche und Sound. Riskante Überholmanöver wechseln mit abrupten Abbremsungen vor den Bremsschwellen, die alle paar Kilometer den Fahrer zwingen das Tempo zu reduzieren.


Panther Bus nach Webuye


Unterwegs


Unterwegs


Unterwegs – Vollmond

Webuye

Kurz vor Mitternacht sind wir in Webuye. Der Panther-Bus schmeißt uns direkt am Eldoret-Malaba Highway, etwas außerhalb des Zentrums, raus. Die Straße ist von einfachen Häusern und Hütten gesäumt, die man aber in der Dunkelheit kaum sieht. Vor den geschlossenen Geschäften und Verkaufsstände lungern dunkle Gestalten herum. Die Gegend gilt als nicht sehr sicher und da wir mit dem ganzen Gepäck eine fette Beute abgeben würden, haben wir vorsichtshalber schon von unterwegs ein Taxi bestellt, das uns vom Bus abholen soll.

Wir lassen uns zum Leisure Resort bringen, einem einfachen Hotel in der Nähe. Wir haben früher schon einmal dort gewohnt und hatten es als ganz ok in Erinnerung. Als wir ankommen wirkt das Gebäude dunkel, verlassen und irgendwie heruntergekommen. Wir sind die einzigen Gäste. Es erfolgt keine Registrierung und als ich dem verschlafen wirkenden Hotelmanager 1000 Shilling für die Übernachtung bezahle, bekomme ich keine Quittung.

Egal, nach der langen Fahrt freue ich mich auf ein Bett und eine Dusche. Als ich die Elektrodusche aufdrehe, kommt ein brauner, muffig riechender Schwall Wasser heraus. Hier hat wohl schon lange keiner mehr geduscht. Ich lasse das Wasser eine Weile laufen, bis es klarer wird. Oben am Duschkopf ist ein Schalter um die Wassertemperatur einzustellen. Je nach Einstellung kommt das Wasser entweder kochend heiß oder kalt. Um eine einigermaßen erträgliche Wassertemperatur zu erreichen muss ich während des Duschens immer wieder zwischen kalt und warm hin- und herschalten. Dabei entstehen kleine Blitze im Plastikgehäuse des Duschkopfs und das Licht im Zimmer flackert. Irgendwie unheimlich, wenn man nass im Bad steht.


Webuye Hauptstraße

Mit 20000 Einwohnern ist Webuye eine Kleinstadt. Früher (zwischen 1970-2009) war die Papierfabrik ‚Pan African Paper Mills’ größter Arbeitgeber in Webuye und sorgte für einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung, allerdings auf Kosten der Umwelt. Berichten zufolge soll die Luft damals von stinkenden Abgasen verpestet gewesen sein. Man roch Webuye schon lange bevor man es sah. Durch die Schließung der Papierfabrik vor sieben Jahren verloren zahlreiche Einwohner ihre Jobs. Viele verließen die Stadt, die Kriminalitätsrate stieg, dafür ist die Luftqualität deutlich besser geworden.

Touristen kommen selten nach Webuye. Die wenigen, die sich hierher verirren, sind auf der Durchfahrt von oder nach Uganda. Der Eldoret-Malaba Highway führt an Webuye vorbei und die ugandische Grenze ist nur 60 km entfernt. Wazungu (Weiße) sieht man selten, und wenn, dann sind sie für Hilfsorganisationen oder geschäftlich unterwegs. Der Hauptgrund unseres Webuye-Besuches ist natürlich der Familienbesuch. Doch es gibt durchaus ein paar besuchswerte Orte in der Umgebung Webuyes, z.B. den Kakamega-Regenwald (Kakamega Forest National Reserve), oder die Nabuyole-Falls.


Teamwork - Die Besitzerin des neuen Fahrrades muss feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, mit dem Radfahren.

Am nächsten Tag wechseln wir das Hotel. Meine Frau wünscht ein bisschen mehr Luxus und auch ich habe keine Lust, mehrere Tage in dem kleinen Zimmer mit der Elektrodusche zu wohnen. Viel Auswahl an Hotels hat man in Webuye nicht. Das Minata Hotel sieht neu aus und dürfte (neben dem Park Villa Hotel) das beste Hotel in Webuye sein. Ein Doppelzimmer kostet mit Frühstück 2700 KES. Die Zimmer sind groß genug und haben sogar einen kleinen Balkon.

Alles perfekt. Zumindest tagsüber. Doch nach Einbruch der Dunkelheit entwickelt sich vor unserem Zimmer eine erstaunliche Geräuschekulisse. Grillen, Frösche und/oder andere, mit unglaublich lauten Organen ausgestattete Insekten und Amphibien, veranstalten ein ohrenbetäubendes Konzert. Einer der Krachmacher erzeugt einen hochfrequenten Dauerton in Sirenenlautstärke. Zwischendurch machen sie kurze Pausen, vielleicht 10 oder 20 Sekunden lang, nur um dann wieder mit voller Lautstärke loszulegen. Das grenzt an akustische Folter.

Vor unserem Zimmer steht auf einem turmartigen Gestell ein Wassertank, der regelmäßig überläuft, wenn er gefüllt wird. Vielleicht ist das Feuchtgebiet darunter der Lebensraum des Sirenenfrosches. Irgendwann nach Mitternacht geht ihm endlich die Puste aus und ich kann einschlafen. Besser Zimmer Nr. 14 meiden.
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
zuletzt bearbeitet 04. Feb. 2018
Themenstarter275 Beiträge · seit 201417. Feb. 2017 · #13
Nabuyole (Webuye) Falls

Da man nicht den ganzen Tag Familie besuchen kann, machen wir Ausflüge in die Umgebung. Die Nabuyole Falls liegen ein paar Kilometer außerhalb des Stadtzentrums in einer nur spärlich bewachsenen, felsigen Gegend. Ein Bodaboda bringt uns über eine ungeteerte Holperpiste bis in die Nähe der Wasserfälle. Vor allem während regenreicheren Jahreszeiten brodeln und schäumen die Gewässer des Nzoia Flusses über mehrere Stufen durch ein felsiges Flussbett hinab. Heute haben sie verhältnismäßig wenig Wasser, ist wohl gerade Trockenzeit.


Nabuyole Falls – Webuye

Zurück gehen wir zu Fuß. An den Rändern der Staubstraße sitzen kleine Gruppen Frauen und Kinder. Sie sind mit dem Zerkleinern von Steinen und Felsbrocken beschäftigt. Ihre Gesichter und Hände sind mit weißem Staub bedeckt, was ihnen ein gespenstisches Aussehn verleiht. Die Kinder winken und rufen „Mzunguuu“, während die Frauen mit ausdrucksloser Mine hinter uns her starren.

Plötzlich taucht im Dunst die Silhouette der einstigen Pan Paper Mills Fabrik auf. Angeblich soll dort bald wieder etwas produziert werden, von außen sieht sie jedenfalls wie ein gigantischer Schrotthaufen aus.


Webuye - Pan African Paper Mills

The Swinging Bridge (Mvunje)

Ebenfalls einen Besuch wert ist die Swinging Bridge oder Mvunje über den Nzoia-Fluß. Sie ist in Privatbesitz und wer sie überqueren möchte, muss 10 Shilling bezahlen. Man braucht etwas Gleichgewichtsgefühl und gute Nerven um die Brücke zu überqueren. Die Querhölzer sind trocken und knacken bei jedem Schritt.


The Swinging Bridge oder Mvunje über den Nzoia-Fluß - Webuye


Swinging Bridge

Kakamega-Regenwald (Kakamega Forest National Reserve)

Das Naturschutzgebiet Kakamega Forest liegt rund 40 km südlich von Webuye. Es ist der traurige Überrest eines einst breiten Regenwaldgürtels, der Zentralafrika von Westen nach Osten durchzog.

Aus Wikipedia:
„Um 1900 war der Wald noch 240.000 ha groß, davon sind heute nur noch 23.000 ha, also weniger als ein Zehntel, übrig. Ursachen sind menschliche Aktivitäten wie Gewinnung von Feuerholz und Weideflächen, Kultivierung des Bodens, radikale Abholzung oder die exzessive Sammlung von Medizinalpflanzen. 1985 wurden etwa 4400 ha im nördlichen Teil des Waldes als Naturschutzgebiet ausgewiesen.“

Trotz Schutzmaßnahmen und Verbote schrumpft der Wald weiter, wird aufgrund von illegalem Holzeinschlag jedes Jahr ein Stück kleiner. Trotzdem soll sich ein Besuch lohnen, beherbergt er doch eine einzigartige Vielfalt von seltenen Pflanzen, Tieren, Reptilien und Vögeln. Es soll auch die Schlangenreichste Gegend Kenias sein.

Am dritten Tag unseres Webuye-Aufenthaltes quetschen wir uns in ein Matatu nach Kakamega Ort. Die Straße ist zunächst gut ausgebaut, erst ca. 10 km vor Kakamega wird sie richtig schlecht. Erdstraße, Baustellen, Umleitungen. In Kakamega Ort erfahren wir, dass der Parkeingang nördlich liegt, wir sind also schon daran vorbeigefahren. Es gibt zwar noch einen Eingang im mittleren Teil des Forest, aber die Leute meinen, es sei besser das Gate im Norden zu nehmen. Ein Taxi bringt uns die 10 km wieder zurück.

Der Eintritt kostet für mich (Non-Resident) 25 USD, für meine Frau (EA Citizen) 350 KSh und wenn man will, kann man sich einen Guide nehmen, was nochmal ca. 1200 KSh kostet.


Non-Residents werden kräftig geschröpft – nun ja, wenn’s dem Erhalt des letzten Stückchen Regenwaldes dient, will ich nicht meckern.

Wir nehmen einen Guide. Er führt uns auf einem leicht gangbaren Wanderweg durch den Wald. Eindrucksvoll sind die gigantischen Brettwurzelbäume und die von meterhohen Wurzeln eingewickelte Ficusbäume. Der Guide erzählt ein bisschen über die Pflanzen und ihre Bedeutung als traditionelle Heilmittel gegen Schlangenbisse und sogar Krebs. Schmetterlinge tanzen über den Waldweg, gelegentlich turnen Affen in den Baumwipfeln. Ein paar bissige Ameisen greifen mich an, als ich sie fotografieren möchte. Nach etwa drei Stunden endet unsere Tour beim Isiukhu Wasserfall. Ein schattiges Plätzchen am gleichnamigen Fluß, perfekt um sich von den Wander-Strapazen zu erholen.

Für Botaniker soll der Wald ein Traum sein, für uns war es eine interessante Wanderung durch einen noch weitgehend erhaltenen Primärdschungel. Außer ein paar Affen in den Baumgipfeln und den bissigen Ameisen sind uns allerdings keine Tiere begegnet, nicht einmal eine Schlange, und dies im schlangenreichsten Wald Kenias. Trotzdem hat sich der Besuch gelohnt.


Brettwurzelbäume


Manche Bäume sollen mehrere 100 Jahre alt sein


Isiukhu Wasserfall


Kleine Siedlung am Rande des Kakamega Forest



Als wir wieder an der Landstraße unweit des Gates stehen ist es später Nachmittag. Die Sonne steht schon recht tief und ich hoffe, dass wir bevor es dunkel wird, ein Matatu zurück nach Webuye erwischen. Am Straßenrand stehen einige Leute, die ebenfalls eine Mitfahrgelegenheit suchen. Die meisten Matatus sind schon total voll, wenn sie vorbeifahren und halten erst gar nicht an. Hält doch mal eines, springen aus allen Richtungen Leute herbei, um einen Platz zu bekommen. Wir tun das dann auch und schaffen es nach dem dritten oder vierten Versuch in ein Matatu reinzukommen. Es ist schon voll bis zum Anschlag, aber in Afrika geht immer noch ein bisschen voller. Alle rutschen etwas zusammen und ich quetsche mich auf ein halbes Holzbrettchen, welches in den Raum zwischen den Sitzreihen geklemmt wird. Dass ich überhaupt sitze ist Glück, denn etliche Fahrgäste kauern im Bereich der halboffenen Schiebetüre. Zeitweise zähle ich über zwanzig Personen plus zwei Babys im Matatu. Meine Frau sehe ich nicht mehr, erst kurz vor Webuye taucht sie, leicht zerknittert, aus dem hinteren Fahrzeugbereich wieder auf.

Letzter Tag in Webuye

Wie jeden Morgen kommen wir zum Frühstück ins Haus meiner Schwiegermutter. Es ist unser letzter Tag in Webuye, morgen werden wir nach Nairobi zurückfahren und von dort den Bus Richtung Kigali/Ruanda nehmen.

Ich bin fast mit dem Frühstück fertig, als Schwiegermutter erzählt, dass heute Morgen ein Dieb in Webuye erwischt worden war. Er konnte zunächst fliehen, wurde von Leuten verfolgt, die ihn schließlich am Eldoret-Malaba Highway stellten, ganz in der Nähe ihres Hauses. Bei dem was sie dann erzählt bleibt mir der letzte Bissen des Frühstücks im Halse stecken. Als der Mob den Dieb gefasst hatte, steckten sie ihn in einen Autoreifen und zündeten ihn an.
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zuletzt bearbeitet 04. Feb. 2018
3'883 Beiträge · seit 201117. Feb. 2017 · #14
Als der Mob den Dieb gefasst hatte, steckten sie ihn in einen Autoreifen und zündeten ihn an.

Boah, ich wollte nach dem Lesen deines hochinteressanten Berichts das Abendessen richten. Doch mir ist der Hunger vergangen. Manno, sind das Sitten!

LG freshy, sich mächtig gruselnd 😣
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201418. Feb. 2017 · #15
freshy schrieb: Als der Mob den Dieb gefasst hatte, steckten sie ihn in einen Autoreifen und zündeten ihn an.

Boah, ich wollte nach dem Lesen deines hochinteressanten Berichts das Abendessen richten. Doch mir ist der Hunger vergangen. Manno, sind das Sitten!

LG freshy, sich mächtig gruselnd 😣


Solche Geschichten kommen leider vor 🙁 Ich habe auch eine ganze Weile gebraucht, um das zu 'verdauen'...
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201418. Feb. 2017 · #16
Zurück nach Nairobi

Wir sitzen in einem Easy Coach Bus von Webuye nach Nairobi. Es regnet in Strömen. Seit wir in Afrika sind, hat es fast jeden Tag geregnet, meistens nachmittags für zwei bis drei Stunden. Die Verkaufsstände an den Straßenrändern sind verlassen, Menschen kauern zwischen rotbraunen Sturzbächen unter Plastikplanen. Dann kommt noch dichter Nebel dazu.

Plötzlich wird der Bus gestoppt. Polizeikontrolle. Laut Polizisten hat der Fahrer an einer Stelle überholt, wo überholen verboten ist. Das machen zwar so ziemlich alle kenianischen Fahrzeugführer ständig, aber ihn hat es diesmal erwischt. Bußgeld 5000 KES. Natürlich hat der Fahrer keine 5000 KES dabei, weiterfahren darf er aber erst, wenn die Strafe bezahlt ist. Er fragt die Leute im Bus, ob jemand bereit wäre das Geld auszulegen. Ein paar Passagiere zücken ihre Geldbörsen. Der passende Betrag kommt zusammen und wir können unsere Reise fortsetzen.

Später kommt die Sonne durch und wir haben schöne Ausblicke auf den Lake Naivasha. Zebras und antilopenähnliche Tiere grasen unweit des Highways friedlich vor sich hin. Schließlich tauchen wir in das Verkehrschaos Nairobis ein. Nach dem Regen wirkt alles noch viel versiffter, ölige Pfützen, in denen der Unrat der Stadt schwimmt, säumen die Straßenränder.

Nairobi – Kigali (Ruanda)

Wie kommt man am besten von Nairobi nach Kigali? Am schnellsten geht es mit dem Flieger, aber aktuell finde ich keine Angebote unter 180 USD, dazu kommen dann noch die Flughafentransfers, bei zwei Personen macht das um die 400 USD.

Alternativ gibt es Direktbusse über Kampala nach Kigali. Sie machen die Strecke in 24 Stunden. Die Vorstellung in einem Schrottbus 24 Stunden aushalten zu müssen ist nicht gerade verlockend. Dann finden ich auf der Webseite von Modern Coast den Modern-Executive-Bus, der Donnerstag um 17 Uhr nach Kigali fährt, wo er Freitag gegen 17 Uhr ankommen soll. Preis für die First-Class-Seats 3900 KSh, also ca. 38 USD. Das hört sich gut an, also buchen wir den Luxusbus.

Abfahrt Nairobi um 17 Uhr vor dem Modern Coast Booking Office in der Cross Lane. Der Bus ist tatsächlich sehr komfortabel. Wir sitzen in der ersten Reihe in bequemen Clubsesseln, jede Menge Beinfreiheit, vergleichbar mit der Business-Class im Flugzeug. Wifi gibt es auch, allerdings nur theoretisch, da es nicht funktioniert. Bloß Toiletten gibt es keine an Bord.

Schon kurz nach Mitternacht erreichen wir die kenianisch-ugandische Grenze. Die übliche Prozedur: Alle aussteigen, Warteschlange am Ausreiseschalter, dann Warteschlange am Einreiseschalter, 50 USD abdrücken und wieder zurück zum Bus. Weiter geht es durchs nächtliche Uganda. Ich muss dann mal eingeschlafen sein, als ich wieder zu mir komme, sind wir in Kampala und es wird gerade Tag.


Nairobi Abfahrt nach Kigali


Nairobi – Kigali Bus


Nairobi – Kigali Bus

Sieben Stunden später Grenze Uganda/Ruanda. Wieder Warteschlange für Ausreise aus Uganda, Warteschlange für Einreise nach Ruanda. Diesmal muss ich ein Visum für Ruanda kaufen (30 USD). Bei meinem letzten Besuch, vor drei Jahren, war das Visum für Deutsche noch kostenlos.

Die Prozedur ist etwas umständlich. Die Zöllner sind zwar sehr freundlich und hilfsbereit, aber das Ausfüllen der Formulare dauert. Dann müssen sie noch an einem anderen Schreibtisch gegengezeichnet und abgestempelt werden. Auch das dauert. Mit den Formularen werde ich in ein weiteres Gebäude geschickt, wo ich die Visumgebühr bezahlen muss. Dann wieder zurück und endlich bekomme ich das Visum in den Pass gestempelt.

Der Bus muss solange auf den Mzungu warten. Die anderen Fahrgäste, alles Afrikaner, sind schon lange mit den Formalitäten und Kontrollen durch und warten im abfahrbereiten Bus. Aber das Warten hat noch kein Ende. Jetzt kommt die Gepäckkontrolle. Unsere zwei Gepäckstücke, ein Rucksack und ein Packsack, liegen bereits auf einem Inspektionstisch vor dem Zollgebäude. Zwei mit Gummihandschuhen ausgerüstete Zöllner stehen daneben. Wir müssen das Gepäck öffnen und sie beginnen sich durch unsere Habseligkeiten zu wühlen.

Und tatsächlich werden sie fündig. Plastiktüten mit Schmutzwäsche. Die Schmutzwäsche dürfen wir behalten, aber die Plastiktüten werden konfisziert. In Ruanda sind Plastiktüten verboten. Überhaupt ist Ruanda sowas wie das Musterländle Afrikas. Sauber, kaum Abfall auf den Straßen, keine stinkenden und schwelenden Müllberge an den Straßenrändern, wie sie z.B. in Mombasa zum Straßenbild gehören. Eigentlich vorbildlich, selbst die Schweiz könnte noch etwas lernen. 🙂 Trotzdem ärgere ich mich, als die Zöllner unsere Plastiktüten beschlagnahmen, denn die Folge ist erst mal ein ziemliches Chaos im Rucksack.

Aber was will man machen? Ich versuche es mit einer finsteren Mine und vielleicht hat es geholfen, oder sie waren einfach zu faul um alles zu kontrollieren, jedenfalls bleiben ein paar Tüten unentdeckt und uns somit das totale Rucksack-Chaos erspart.

Von der Grenze bis Kigali fahren wir durch eine bergige Landschaft, teils bewaldet, teils landwirtschaftlich genutzt. Da es Nachmittag ist regnet es in Strömen. Trotzdem ist es eine schöne Strecke und wieder einmal wird mir bewusst, was für ein schönes Land Ruanda ist. Erst als wir gegen 17:30 Uhr Kigali erreichen lässt der Regen etwas nach.
Wir haben die Strecke Nairobi-Kigali mit nur 30 Minuten Verspätung gemeistert und die 30 Minuten sind hauptsächlich durch die durch mich verursachte Einreiseverzögerung entstanden.
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
zuletzt bearbeitet 04. Feb. 2018
1'580 Beiträge · seit 201419. Feb. 2017 · #17
Hallo Guko

toller Bericht. Gibt echt Einsicht ins Leben in Afrika! Du beschreibst Nairobi fast zu liebevoll - und ja, Verkehrschaos kannst Du gross schreiben. Mittlerweile flitzen noch Hunderte Motorradfahrer in sehr freiem Fahrstil durch die Strassen, so dass das Ueberqueren der Strasse schon von selbst zum Abenteuer wird.

Glaube mir, Kakamega soll total interessant sein fuer Schlangen, doch leider habe ich bei meinen Besuchen auch noch nie eine gefunden!

Ich freu mich auf die Fortsetzung.

Liebe Gruesse aus dem etwas Regen bekommenden Nairobi
Elvira
Safaris in Ostafrika Bush Trucker Tours www.bushtrucker.ch Elvira Wolfer Zubucher- und individuelle Safaris
382 Beiträge · seit 200619. Feb. 2017 · #18
Hallo Guko,

das ist ja mal ein Bericht nach meinem Geschmack.
Das habe ich schon immer mal vorgehabt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch den Osten Afrikas zu fahren, da werde ich mal aufmerksam mitlesen.
Ist auf jeden Fall schon mal ein guter Anfang und ich bin schon gespannt was noch so alles kommt.

Viele Grüsse
Christian
Themenstarter275 Beiträge · seit 201427. Feb. 2017 · #20
Teil 2 - Ruanda und Kongo

Kigali


Kigali


Kigali


Kigali


Kigali

Ein Taxi bringt uns zur Auberge La Caverne. Wir haben schon von Nairobi aus telefonisch ein Zimmer reserviert. Allerdings wäre das nicht nötig gewesen, das Hotel ist praktisch leer. Das einfache Zimmer ist für eine Nacht ok, aber mit 40 USD deutlich überbezahlt. Nochmal würde ich nicht hier herkommen.

Später am Abend gehen wir zum nahe gelegenen Einkaufszentrum ‚Nakumatt City Center‘. Dort gibt es mehrere ATM’s, wir brauchen dringend ruandisches Geld. Neben Lebensmittel gibt es im Shopping-Center allerlei Fastfood- und Luxusshops. Gerne hätte ich im Nakumatt ein Stückchen Käse gekauft, aber bei knapp 10 USD für ein 400 g Päckchen vergeht mir der Appetit. Bei solchen Preisen ist es kein Wunder, dass neben jedem Regal mindestens ein Aufpasser steht. Auf dem Rückweg in die Auberge fällt auf, dass an vielen Straßenecken Soldaten mit MP‘s stehen.

Wir bleiben nur eine Nacht in Kigali. Am nächsten Morgen packen wir früh unsere Rucksäcke und lassen uns von zwei Mototaxis zur Nyabugogo Busstation bringen. Von dort fahren Minibusse im Stundenrhythmus nach Gisenyi am Kivusee. Gisenyi ist Grenzstadt zur Demokratischen Republik Kongo und Nachbarstadt von Goma.

Wir wollen dort Jaen Bosco von Virunga Amani Tours treffen. Wir hatten schon von Deutschland aus Kontakt mit ihm aufgenommen. Virunga Amani Tours bietet Trekking-Touren im Gebiet der Virunga-Vulkane und des Virunga National Parks an. Unter anderem eine zweitägige Bergtour auf den Nyiragongo Vulkan (3.470 m) mit Übernachtung am Kraterrand. Diese Tour haben wir gebucht.


Kigali Nyabugogo Busstation


Kigali Nyabugogo Busstation

Gisenyi - Lake Kivu

Aus Wikipedia: Gisenyi ist eine Stadt am Kiwusee in Ruanda mit etwa 84.000 Einwohnern (2005). Sie verfügt über einen Sandstrand, der für Wassersport bekannt ist, sowie über eine Brauerei. Der Ort liegt an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo, gegenüber der kongolesischen Stadt Goma und wie diese am Fuße des Vulkans Nyiragongo.


Lake Kivu - Nyiragongo Vulkan


Lake Kivu

Früher Nachmittag. Als wir in Gisenyi ankommen, hat sich der Himmel bereits wieder mit dicken, schwarzen Wolken bedeckt. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der tägliche Nachmittags-Wolkenbruch herunterkommt. Vor dem Busbahnhof schnappen wir uns zwei Motorradtaxis die uns zum Blessington Motel bringen. Das Motel liegt etwas oberhalb des Seeufers in einem hübschen Garten. Die Zimmer sind ebenerdig und münden in eine kleine Terrasse. Der Manager ist extrem freundlich und hilfsbereit, er versucht uns quasi jeden Wunsch zu erfüllen, noch bevor wir ihn haben.

Wir versuchen mit Jean Bosco in Kontakt zu kommen. Per Telefon, per Email, aber nirgends eine Antwort. Ein bisschen beunruhigt mich das schon, immerhin habe ich von Deutschland 900 USD in den Kongo überwiesen und sollte etwas schieflaufen, hätten wir kaum Chancen auf eine Erstattung. Abends checke ich noch einmal meine E-mails und – endlich – eine Nachricht. Er wird uns morgen früh vom Blessington Motel abholen.

Den Rest des Tages streunen wir durch Gisenyis Strassen und Uferpromenaden. Gisenyi ist ein relaxtes Städtchen mit feudalen Villen und hübschen Sandstränden. In einem Geschäft unweit des Marktes verkaufen sie lokalen Käse, frisch, total lecker und preiswert. Ich würde fast behaupten, es ist der leckerste Käse, den ich bislang in Afrika bekommen habe. 🙂


Lake Kivu - Gisenyi


Lake Kivu – Gisenyi – Beach


Lake Kivu – Gisenyi

Am Seeufer, unweit des Strandes, befinden sich die richtig teuren Hotels. Wir finden ein Restaurant mit leckerem Fisch auf der Speisekarte. Natürlich darf dazu ein ruandisches Mützig-Bier nicht fehlen. Die Brauerei liegt fast in Sichtweite.

Als wir zurück zum Motel laufen ist es stockdunkel. Straßenbeleuchtung gibt es entweder keine, oder sie funktioniert nicht. Ich bin froh, eine kleine Taschenlampe dabei zu haben, das reduziert die Chance in eines der vielen Löcher und Gräben zu fallen, die die Straßenränder zieren.

Das Blessington Motel liegt in einer unbeleuchteten, ungeteerten Seitenstraße. Aus einem verwilderten Grundstück hören wir plötzlich die lauten Schreie einer Frau. Fast zeitgleich rennen drei junge Männer an uns vorbei, verschwinden in der Dunkelheit. Die Frau taucht neben uns auf, läuft schreiend und heulend auf und ab. Wir verstehen kein Wort, aber es ist offensichtlich, dass sie von den drei Männern belästigt oder vielleicht sogar vergewaltigt wurde. Andere Passanten sind hinzugekommen, reden auf sie ein und führen sie langsam in Richtung einer belebteren Straße fort.

Wir gehen zurück ins Motel, packen unsere Rucksäcke und gehen bald schlafen. Den größten Teil unseres Gepäcks lassen wir im Blessington Motel in der Obhut des Managers zurück. In den Kongo nehmen wir nur mit, was wir für die zwei Tage brauchen.

Jean Bosco von Virunga Amani Tours erweist sich als seriöser und zuverlässiger Mensch. Am nächsten Morgen steht er pünktlich um 7 Uhr mit seinem SUV vor unserem Motel. Wir sind gerade mit dem Frühstück fertig, das hauptsächlich aus Käse besteht. 😉

Jean Bosco bringt uns zur Grenze. An der Grenzstation ist viel Betrieb. Viele Kongolesen arbeiten in Ruanda und auch viele Ruander passieren die Grenze Richtung Kongo. Dazwischen auch einige Fahrzeuge von internationalen Hilfsorganisationen und der UNO.

Das kongolesische Visum bekommen wir an der Grenzstation. Es ist ein spezielles 14-Tage-Visum, welches im Zusammenhang mit einem Besuch im Virunga National Park ausgestellt wird. Das ‚normale‘ Kongotouristenvisum bekommt man nur durch die Botschaft seines Heimatlandes. Da alle Formulare vorhanden, bezahlt und ausgefüllt sind, geht es recht flott.

Zum Abschluss gibt es noch einen Gesundheitscheck. Eine ziemlich misslaunig blickende Krankenschwester kommandiert uns in ihr Büro. Sie kontrolliert unsere Impfpässe, misst die Körpertemperatur und befragt uns nach Krankheitssymptomen. Da wir die erlaubte Körpertemperatur haben, dürfen wir in den Kongo einreisen.
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
zuletzt bearbeitet 04. Feb. 2018