Reisebericht Ägypten 2024 - Entlang des Nils von Kairo bis zu den Toren Afrikas

Reisebericht 36 Antworten · 571 Aufrufe · gestartet 11. Okt. 2026 von CrocV
Themenstarter198 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·

Und kommen so zu der dahinter erbauten Mastaba des Nikauisesi.

Das Grab von Nikauisesi (Nekau Essi) stammt ebenfalls aus der Regierungszeit Tetis. Er trug die Titel Aufseher von Oberägypten, Aufseher aller Arbeiten des Königs und Schatzmeister des Königs von Unterägypten. Wie die meisten Gräber besteht Nikauisesis Grab aus zwei Teilen: Der unzugänglichen unterirdischen Grabkammer und den Grabräumen darüber in der Mastaba, in denen die Kulthandlungen für die Grabinhaber praktiziert wurden. Nikauisesis Grabkapelle besteht aus sieben Kammern. Eine der Kammern ist dabei deutlich erkennbar als Opferraum eingerichtet, wo die Familie Opfergaben für den Grabherrn darbringen konnte. 

Hier wurden wohl sogar wirklich Schlachtungen durchgeführt. Ein Schacht führt von dieser Kammer hinab ins Grab, damit das Blut der Schlachtopfer dort hinunter fließen konnte. 

Die Mastaba enthält zahlreiche Inschriften und gemalte Szenen, darunter eine in der ersten Kammer, die Nikauisesi beim Vogelfang im Papyrusdickicht zeigt. 


Die Wand daneben zeigt eine Vielzahl anderer Aktivitäten. Darunter Schleppnetzfischerei und Boote, die alle möglichen Waren wie Enten, Fische, ein Kalb, Obst, Gemüse und Blumen transportieren. 


Das Grab ist auch mit vielen anderen Szenen des täglichen Lebens geschmückt, wie Weide- und Viehzucht, das Holen von Getreide aus einem Getreidespeicher, das Backen von Brot und Brauen von Bier, das Schlachten des Viehs. 


Brauen von Bier:



Alles wird wie üblich vom Grabherrn überwacht:


Und natürlich sehen wir an den Wänden viele Opfergabenträger, die dem Grabherrn Gaben an seinen Tisch tragen.


Wir besuchen dann auch noch das Grab von Kagemni, Wesir zu Beginn der Regierungszeit des Pharaos Teti. 


Seine Mastaba befindet sich direkt nördlich der Pyramide von Teti. Kagemni war der Vorgänger von Mereruka im Amt des Wesirs. Und er war ebenfalls mit einer Tochter des Pharaos verheiratet. Ihr Name war Nebti-nub-chet. Beidseitig des Eingangs empfängt uns wieder der Grabherr samt Inschriften mit seinen Titeln.

Die Mastaba besteht aus mehreren Kammern, die mit Szenen des täglichen Lebens dekoriert sind wie Tanz-, Jagd-, Geflügelzucht- und Opferszenen. 

Tänzer:

Fischer. Man beachte die detailliert dargestellten Heuschrecken, Frösche und Libellen auf den Stengeln der Lotuspflanzen. 

Die Fischfangszene gehört zu "Fahrt des Grabherrn in das Papyrusdickicht".

Daneben eine sehr lebensechte Melkszene: Die Kuh, deren Hinterbeine mit dem Kopf zusammengebunden sind, streckt als Zeichen der Auflehnung die Zunge weit heraus. 

Eine Rinderherde durchquert den Fluss. 

Diese Reliefs sind außerordentlich fein gearbeitet. Ein Hirte säugt ein Jungtier, indem er ihm Milch aus seinem Mund einflößt.

Schmetterlinge und einzelne Fischarten sind zu erkennen.

Und es werden auch verschiedene Reiherarten dargestellt.

Die erfolgreiche Jagd auf die Flusspferde (Symbol Gott Seth), welche eine Gefahr für den Grabherrn darstellen könnten, wird ebenfalls nicht vergessen.


Genauso wenig wie die Vogeljagd mit Klappnetzfallen. Links die Falle, rechts die Fänger mit Seil zum zuziehen des Fangnetzes.

Diener mit Opfergaben dürfen auch nicht fehlen:


Das auch systematisch Geflügel gezüchtet und gemästet wird, zeigt diese Fütterungsszene. Auch hier muss wieder an die ägyptische Perspektive gedacht werden. Die Pferche mit dem eingesperrten Geflügel werden von oben gezeigt, das Geflügel selbst von der (besten) seitlichen Ansicht.



Auch geschlachtete, auf dem Rücken liegende Rinder sind in langen Reihen vorhanden.

Und natürlich überwacht auch hier der Grabherr alles.


Eine der Kammern diente wohl als Opferkammer, hier befindet sich auch die von einem dreifachen Türrahmen umgebene Scheintür. 

Im oberen Teil wird wieder der Grabherr vor dem Tisch mit Speisen dargestellt, daneben die Texte „Tausende von Broten, tausende Süßspeisen, tausende Krüge Bier“, die dem Verstorbenen auf ewig die für das Weiterleben im Jenseits notwendigen Nahrungsmittel garantieren sollten. 

Auch hier tragen auf den Wänden seitlich der Scheintür endlose Reihen von Dienern Gaben heran.


Die Dekoration eines der Räume des Grabes ist speziell dem Transport der sieben heiligen Öle gewidmet, die für das Auferstehungsritual unerlässlich sind und ihrer Präsentation gegenüber Kagemni. 

Hieroglyphen oberhalb der Releifs beschrieben den Inhalt der Gefäße.


Dies ist auch der einzige Bereich des Grabes, wo die Originalfarben noch weitgehend erhalten sind.

Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter198 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·

Wir wenden uns nun der Pyramide von Pharao Teti, (6. Dynastie ca. 2318-2300 v. Chr.) zu. Äußerlich schaut diese genau gekommen wie ein unscheinbarer Erdhügel aus, da sie über die Jahrhunderte immer wieder als Steinbruch genutzt und dadurch stark beschädigt, fast schon zerstört wurde. So ist auch von den üblichen Bauten des Bezirks um die Pyramide wie Totentempel, Aufweg, Magazine oder Kultpyramide kaum noch etwas zu erkennen. Auch von den beiden dazugehörenden kleinen Königinnenpyramiden für seine Gemahlinnen Iput und Chuit sind kaum noch sichtbare Überreste vorhanden. Dennoch sind im Inneren dieser Pyramide die Zeugnisse einer gewaltigen Veränderung der religiösen Vorstellungen erhalten geblieben. Am Eingang zum Abstieg in die Pyramide steht eine größere Touristengruppe samt Guide. Abdel führt uns an der wartenden Gruppe vorbei. Natürlich kennt auch dieser Guide unseren Führer und begrüßt ihn zuvorkommend. Abdel zeigt auf uns mit einer Geste „nur zwei Gäste“ und so dürfen wir vor der Gruppe den Abstieg in die Pyramide beginnen.

Steil geht es im Schacht hinunter. In gebückter Haltung, beide für Besucher angebrachten Handläufe und auch die quer am Boden befestigen Querstreben nutzend steigen wir erstmals in die Pyramide eines ägyptischen Pharaos hinab. 


Erfreulicherweise sind wir praktisch alleine, da uns die größere Gruppe nicht sofort folgt. Was für ein Gefühl. Unten angekommen, geht es in einem mal höheren, mal niedrigeren Gang weiter, 

bis wir dann endlich allein mit einem dort postierten Wächter in der zweigeteilten Grabkammer stehen. Zwei Wände der vorderen Grabkammer sind von oben bis unten mit Hieroglyphen beschrieben. 


Zusammen mit den Hieroglyphentexten in der Pyramide seines Vorgängers Unas handelt es sich dabei um die ältesten Pyramidentexte überhaupt, vor denen wir nun ehrfürchtig und tief beeindruckt stehen. Bei diesen Texten handelte es sich um mehrere hundert verschiedene Verklärungstexte wie Sprüche zum Opferritual, Hymnen, dramatischen Texte, Zauber- und Schutzsprüche. 

Warum plötzlich diese Texte in den Pyramidenkammern? 

Bis zur 4. Dynastie war man der Ansicht, der Pharao ist schon zu Lebzeiten ein Gott. Daher brauchte es keine Dekoration oder Texte in den Pyramidenkammern von Snofru, Cheops etc. In der 5. Dynastie hat der Pharao diesen Gott-Status verloren. Er ist „nur“ noch der Sohn des Sonnengottes, der nach seinem Tod zu diesem in den Himmel zurückkehrt. Er war dort also ebenfalls „Bittsteller“ und darauf angewiesen, dass er von den Göttern in ihre Mitte aufgenommen und versorgt wurde. Die Pyramidentexte dienten der Verklärung des Pharaos und sollten durch ihre in Stein gemeißelte Existenz auf magische Weise den Pharao dabei unterstützen zum ewigen Herrscher in der Jenseitswelt zu werden. Und somit seinen „Vater“, den Sonnengott Re auf dessen Jenseitsreise (Regeneration /Wiedergeburt) begleiten zu können.

Daher finden wir ab der 5. Dynastie auch wesentlich prächtiger ausgestattete Mastaba-Gräber. Denn dieser Wechsel im Status des Pharaos hatte auch für seine Untergebenen gravierende Auswirkungen. Sie konnten sich nicht mehr allein darauf verlassen, das ihre treuen Dienste für den Pharao zu Lebzeiten ausreichten, um ihnen ewiges Leben und Versorgung auch im Jenseits durch den göttlichen Pharao gewährt wurde. Die Untertanen mussten/konnten jetzt selbst um die Gunst der Götter bitten. Damit sie dafür einen „Ansprechpartner“ unter den Göttern hatten, trat nun der (Jenseits-)Gott Osiris erstmals auf. Sein Kult wird im Lauf der Zeit stetig komplexer und zu einem zentralen Element der religiösen Vorstellungen werden. Dabei tauchte hier in den Texten auch schon die Vorstellung auf, den verstorbenen Pharao mit dem Herrn des Totenreichs Osiris gleichzusetzen. Eine Vorstellung, die im Neuen Reich in den Gräbern im Tal der Könige ein ganz zentrales Element werden wird. 


Im zweiten Teil der Grabkammer befindet sich der Steinsarkophag des Pharaos mit der Namenskartusche und weiteren Texten im Inneren.


Die spitzwinklig zusammen laufenden Decke der Grabkammer ist mit einen Sternenhimmel-Relief dekoriert als Zeichen für die Unvergänglichkeit der Seele des Pharaos in der Jenseitswelt. Als nach einiger Zeit die ersten aus der größeren Gruppe in der Grabkammer ankommen, machen wir uns auf den Rückweg zu Abdel, der wie alle Führer vor der Pyramide auf uns wartet.

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Themenstarter198 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·


Vom Pyramidenkomplex von Pharao Teti geht unser Blick vorbei an der Stufenpyramide von Pharao Djoser Richtung Süden zu unserem nächsten Ziel: Dem Pyramidenfeld von Dashur. 

Wir verlassen nun also den Pyramidenbezirk Sakkara. Vorbei an den Resten des Taltempels von Pharao Unas (5. Dynastie, 2380 – 2350 v. Chr.) 

fahren wir eine halbe Stunde am Rand der Oase Fayyum entlang die 15 Kilometer bis zum Pyramidenbezirk von Dahshur. Bis Mitte der 1990er Jahre war der Bereich militärisches Sperrgebiet. Zunächst steuern wir den Parkplatz der Knickpyramide von Pharao Snofru an. Erst seit dem Sommer 2019 können die beiden  Pyramiden von Snofru hier wieder von Innen besichtigt werden. Das hat sich anscheinend noch nicht so sehr herumgesprochen, denn es stehen nur zwei weitere Fahrzeuge auf dem Parkplatz. Ansonsten absolute Leere ringsum.

Abdel erklärt uns, wohin wir laufen müssen und so machen wir uns auf den Weg zum Eingang der vor uns aufragenden Pyramide, einer von drei (!) großen Pyramiden, die Pharao Snofru während seiner Regierungszeit bauen ließ. Sein Sohn Pharao Cheops hat zwar die größte Pyramide bauen lassen, aber der Vater Snofru hat bei Bau seiner drei großen und zwei kleineren Pyramiden mehr als 3,6 Millionen Kubikmeter Stein verbauen lassen. 1 Million Kubikmeter mehr als sein Sohn Cheops. Genau genommen beginnt also mit Snofru die Glanzzeit des Pyramidenbaus im Alten Reich. 

Zunächst hat er in Meidum auch eine Stufenpyramide bauen lassen, diese aber nach der Verlegung seiner Residenz zwischen dem 12. und 15. Regierungsjahr aufgegeben. 

Als dann in seinem 29. Regierungsjahr die „Knickpyramide“ wegen massiven Bauschäden ebenfalls aufgegeben werden musste, ließ Pharao Snofru neben dem nochmals neu begonnenen Bau der „Roten Pyramide“ zeitgleich auch die Stufenpyramide in Meidum verkleiden, um ihr das Aussehen einer echten Pyramide zu geben. Sie trägt daher den Namen „Scheinpyramide“. Sie stand somit für den Fall des plötzlichen Ablebens während der Bauzeit der „Roten Pyramide“ als standesgemäße Grabstätte bereit. Letztlich lebte Snofru aber lange genug, um die Fertigstellung seiner dritten Pyramide zu erleben und so wurde die „Rote Pyramide“ seine Grabstätte. Wir werden die „Scheinpyramide“ von Meidum morgen bei unserer Fahrt nach Beni Hassan von Weitem sehen.

Mit der „Knickpyramide“ vollzog sich ein einzigartiger baulicher Schritt hin zur reinen Form der Pyramide. Keine andere Kultur, die Stufenpyramiden erbaute, hat diesen Schritt vollzogen. Er stellte natürlich auch ein großes Wagnis dar und schon wenige Jahre nach dem Baubeginn zeigten sich große Risse an der Pyramide. Der Neigungswinkel war mit 60 Grad wohl zu steil gewählt worden und auch der mergelige Schieferboden war als Untergrund nicht hart genug, um das gewaltige Gewicht der Pyramide zu tragen. Mit einem geringeren Neigungswinkel von 43 Grad im oberen Bereich wurde die Pyramide weitergebaut, was ihr das heutige markante Aussehen den Namen Knickpyramide einbrachte. Letztlich wurde aber nach 15 Jahren Bauzeit klar, das diese Pyramide aufgrund der Schäden nicht als Grabstätte für Snofru geeignet war. So wurde also der Bau einer dritten großen Pyramide (Rote Pyramide) begonnen. Die Knick- wie auch die Scheinpyramide wurden aber äußerlich dennoch fertiggestellt und durch Aufstellung von Stelen ebenfalls zu Orten der Anbetung des göttlichen Pharaos Snofru. 

Als wir uns der Knickpyramide nähern, sehen wir das hier große Teile der gewaltigen äußeren Verkleidung der Pyramide noch vorhanden sind. 

Und wir nehmen auch die zusätzliche Ummantelung der unteren Hälfte der Pyramide mit massiven Steinblöcken in einem Neigungswinkel von 54 Grad wahr. Ein erster Rettungsversuch der Baumeister zur Stabilisierung des Bauwerkes, der aber nicht ausreichte. 

Auch das Innere dieser Pyramide ist besonders. Die Knickpyramide verfügt über ein sehr komplexes System von zwei unabhängig voneinander angelegten Gang- und Kammersystemen. Einmal mit einem Eingang an der Nordseite und zum anderen mit einem Eingang an der Westseite. Sollte das nördliche System Grabräuber täuschen und das westliche Systeme so verbergen und schützen? Der heutige Einstieg in der Pyramide erfolgt über den Nordeingang. Im Eingangsschacht beginnt ein sehr langer und steiler 18 Meter langer Abstieg. 

Blick zurück zum Eingang über uns. Man kann die Steilheit des Abstiegs so erahnen:


Fast unten angekommen befindet sich vor uns ein amerikanisches Paar, bei dem die Frau aufgrund eines steifen Beins große Probleme beim Abstieg hat. Mehrmals müssen wir Warten, da sie eine Pause braucht. Letztlich bitten wir sie, uns vorbei zu lassen. So kommen wir unten an, wo es aber nach wenigen Metern bereits wieder einen Schacht auf einer Treppe aufwärts geht bis zu einer Kammer mit hohem Gewölbe. 

Einen hohen hölzernen Turm mit Treppe steigen wir hier mehrere Etagen hoch. 

Oben angekommen stehen wir in der nördlichen Kammer mit hohem Gewölbe. 

Von hier haben Grabräuber einen Quergang zum westlichen Gang- und Kammersystem gegraben. 

Sie müssen Insiderwissen besessen haben, denn sie erreichten zielsicher das westliche System und umgingen damit mehrere Schachtfallen und mit Fallsteinen blockierte Abschnitte des gut gesicherten westlichen Gangsystems. Tief gebückt, teils auf allen Vieren kriechen auch wir nun durch den niedrigen, engen, sich steil aufwärts schlängelnder Grabräubergang nach oben. 

Man erkennt die Steilheit nicht auf dem Bild. Auf allen Vieren krabbeln wir hoch, teils rutschen die Füße auf dem steilen, glatten Boden ab.

Meine Frau ist schon ein Stück weiter, jetzt krabble ich hoch.

Sehr sehr abenteuerlicher, richtig toller Abschnitt. Jetzt endlich oben im westlichen System angekommen, folgen wir einem ebenen Gang und gelangen in einen weiteren senkrechten Schacht, den wir über ein Holztreppe hochsteigen. Oben angekommen, betreten wir eine Kammer und blicken in einen breiten Schacht einige Meter unter uns: 

Hier sollte die Grabkammer entstehen, aber soweit kam es aufgrund des erzwungenen Bauabbruchs nicht mehr. Die Kammer ist mit Zedernholzbalken aus dem heutigen Libanon erbaut worden. Dieses harte und beständige Holz hat hier die Jahrtausende unbeschadet überdauert.

In alten Ägypten war Holz Mangelware und es wurden schon im Alten Reich regelmäßig ganze Schiffsladungen importiert. Ohne dieses Holz wäre der Pyramidenbau nicht möglich gewesen. Es diente nicht nur als Baumaterial für die Pyramiden selbst, sondern war auch notwendig für den Bau von Schiffen für den Transport der Steinblöcke. Die starken Stämme dienten auch aus Holzpfosten, um Seile darum zu wickeln und mittels dieser Seilzüge eine größere Zugkraft beim Transport der Steinblöcke auf Holzschlitten zu erhalten. Eine entsprechende Rampe mit Bodenlöchern für Rundhölzer in regelmäßigen Abständen zu beiden Seiten wurden in einem Steinbruch am Roten Meer entdeckt. Ein Teil der Arbeiter zog den Granitblock nicht direkt nach oben, sondern legte Seile links und rechts um nächsthöheren Holzpfeiler und zog dann abwärts = deutlich höhere Krafteinwirkung durch diese Seilzüge. Sarkophage und Statuen wurden ebenfalls aus dem Holz geschaffen. Außerdem ist das Öl der Zedernbäume eines der sieben heiligen Öle, das man zur Einbalsamierung benötigt. Heute haben Fledermäuse hier Quartier bezogen. 

Wir sehen etliche an den Wänden des Schachts hängen. Der Rückweg verläuft ohne Probleme. 

Am Eingang genießen wir noch einen Moment den Blick in die Landschaft mit mehreren weiteren Pyramide im Blickfeld. Nicht ohne den beiden Wächtern jeweils den obligatorischen 1 USD Trinkgeld zu geben.🤗 Nördlich liegen die Rote Pyramide und im Hintergrund die Stufenpyramide von Sakkara.


Seitlich der Knickpyramide erheben sich die Reste der Pyramide von Pharao Amenemhet III., 12. Dynastie, Mittleres Reich, 1842 – 1795 v. Chr. , genannt die schwarze Pyramide, die ursprünglich mit 80 Metern Höhe wohl die sechsthöchste Pyramide Ägyptens war. 


Der Kern der Pyramide besteht aus Lehmziegeln. Die Außenverkleidung bestand aus Tura-Kalkstein und ist heute verloren. Hier wurde das schwarze Pyramidion gefunden, das wir gestern in Kairo im Museum bewundert hatten.

Einen Eindruck von der Besichtigung der Pyramide liefert dieses Video:

Im Inneren der Knickpyramide, der einzigartigsten und geheimnisvollsten in ganz Ägypten! ↗


Zurück bei Abdel besteigen wir unseren Bus und fahren weiter zur Roten Pyramide, die zwei Kilometer entfernt aufragt. Aufgrund der gewaltigen Höhe von 105 Metern, sie ist damit die dritthöchste Pyramide Ägyptens, täuscht man sich leicht in den Entfernungen. Vor der Knickpyramide stehend mit Blick auf die Rote Pyramide hat man das Gefühl, diese wäre viel näher. 

Mittlerweile haben wir schon „Routine“. Abdel erklärt uns am Parkplatz, wo der Eingang ist und dann laufen wir beide los. Immer gewaltiger ragt die Pyramide vor uns empor, je näher wir ihr kommen. 

Der Einstieg befindet sich weiter oben, so das wir an der Pyramidenseite ein gutes Stück hochsteigen müssen. 

Die Wärter am Eingang teilen uns mit, das momentan nur 2 Personen in der Pyramide sind. Wir beginnen den Abstieg 

und schon nach wenigen Metern kommen uns die beiden entgegen und steigen weiter hoch zu Ausgang. Wir haben nun also diese ganze, gewaltige Pyramide für uns alleine! 🤩

Der Abstieg kommt uns nicht ganz so steil und lang vor. 

Unten angekommen geht es ebenerdig einen niedrigen Gang entlang 

und dann stehen wir schon in der ersten Vorkammer mit einem sehr hohen, eindrucksvollen Kraggewölbe. 

Ein niedriger Durchlass bringt uns in eine zweite baugleiche Vorkammer. 

Hier wurde ein hölzerner Treppenaufgang eingebaut, den wir hochsteigen 

und dann sind wir in der zerstörten Grabkammer angekommen. 

Über uns auch hier ein sehr hohes Kraggewölbe. 

Die Kraggewölbe hier in der Roten Pyramide sind mit 15 Metern Höhe sogar deutlich größer als die bekannte große Galerie der Cheops-Pyramide. In der Grabkammer herrscht ein beißender, modriger Geruch. Eine von Barbara mitgebrachte Corona-Schutzmaske bringt zwar etwas Linderung, aber wir steigen doch schnell wieder hinab in die Vorkammern, zumal es in der Grabkammer auch nur einen Grabschacht mit Steinbrocken darin zu sehen gibt. Da bewundern wir lieber noch etwas die hohen Kraggewölbe in den Vorkammern, wo die Luft deutlich besser ist, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Und auch auf dem ganzen Rückweg kommen uns keine weiteren Besucher entgegen. Unglaublich, was für ein Gefühl. Ganz allein in den Gängen dieser Pyramide auf Entdeckertour zu sein. 🥰

Am Eingang zurück bewundern wir auch hier den Blick Richtung Norden, wo etliche Pyramiden bzw. der Überreste zu erkennen sind.


In diesem Video bekommt man einen schönen Eindruck, wie es im Inneren der Roten Pyramide aussieht.

What's Inside the Red Pyramid? | Cosa c'è dentro la Piramide Rossa? ↗


Dann geht es zurück zu Abdel und wir fahren nun ein Stück weiter zu einem Restaurant in der Oase Fayyum, wo Abdel für uns ein typisch ägyptisches Essen bestellt hat. 

Das Anwesen des Restaurants gefällt uns auf Anhieb. Wir sitzen überdacht halb offen zu Garten, was sehr angenehm ist. Abdel und unser Fahrer „fremdeln“ noch etwas und setzen sich an einen separaten Tisch zum Essen. Wir waren ja noch in der „Kennenlern-Phase“. 🙂Es sollte das einzige Mal auf dieser „außergewöhnlichen Reise“ (O-Ton Abdel täglich) sein, das wir nicht zusammen an einem Tisch sitzend gegessen haben.

Da es mittlerweile schon 14 Uhr durch ist und das Essen mit Vorspeisen, Hauptgericht mit einer Vielzahl Beilagen und Nachspeisen typisch ägyptisch sehr lecker und sehr, sehr umfangreich war, wurde es gleichzeitig auch unser Abendessen. 🤗 Denn wir mussten einfach zuschlagen. Von den Frauen des Hauses frisch im Holzofen im Hof gebackenes Fladenbrot – so lecker und frisch bekamen wir es nie mehr auf der Reise - , Sesamsoße, Kohlwickel mit Reis gefüllt, scharf gefüllte Auberginen und absolut leckere Falafel. Tja und das waren nur die Vorspeisen, wie wir bemerken sollten, als nach dem Abräumen ein kleiner Holzkohlegrill mit Hühnchen und Rind vor mir und ein großer Gemüsetopf vor Barbara aufgebaut wurden. Dazu natürlich jeweils noch Schüsseln mit Reis, Okra und Würzsoße. Zum Nachtisch bekamen wir frische Datteln serviert, die wir aber laut Wirt besser schälen sollten. Der Rat war gut gemeint, aber da wir randvoll waren, blieb es sowieso jeweils bei einer „Anstandsdattel“ bei Barbara und mir.

Danach machten wir uns um 15 Uhr auf den Weg zurück. Wir hatten bereits am Morgen einen von Abdel angebotenen Besuch einer „Papyrusfabrik“ dankend abgelehnt, so das wir um 15:20 Uhr am Hotel ankamen. Gerade rechtzeitig, um die Ankunft einer Person, gekleidet wie wir uns einen Scheich aus den Emiraten vorstellen samt Gefolge beobachten zu können. Begrüßt und begleitet wird diese Delegation vom Hotelmanager bis zu einem der Aufzüge. Dann wendet dieser sich uns zu, als wir ebenfalls zu den Aufzügen laufen. Er ruft uns den zweiten Aufzug und begleitet uns bei der Fahrt hoch in unseren 8. Stock. Während der Fahrt fragt er uns, ob auch alles in Ordnung sei. Naja, noch denken wir uns nichts dabei. Den Rest des Tages bzw. Abends verbringen wir mit Ausruhen. Ich schreibe schon mal einiges an Notizen auf. Bei der Fülle an Eindrücken jeden Tag absolut sinnvoll und notwendig.

Im Lauf des Tages hat Barbara einmal kurz gegenüber Abdel erwähnt, das sie recht schlecht schlafen würden wegen der ungewohnten einteiligen Matratze. Sofort hat er angeboten, wir könnten das Zimmer wechseln, was wir aber für diese eine letzte Nacht in Kairo dankend abgelehnt haben. Aber ab dem nächsten Tag hatten wir in allen Hotels auf der Reise jeweils ein Doppelzimmer mit zwei Einzelbetten. 😇

Fazit: Der Umbau des Programmes hat sich sowas von gelohnt. Die Eindrücke in den Mastabas waren schon toll, aber die Besichtigung der beiden Pyramiden von Snofru haben einen unglaublich tiefen Eindruck bei uns hinterlassen. Gerade auch, weil wir meist völlig allein in den Gängen unterwegs waren. Keine anderen Besucher, keine Wärter. Da kamen richtig Entdeckergefühle auf.  Unfassbar schön, eine große Pyramide wie die Rote Pyramide für uns allein. Das hätten wir uns niemals träumen lassen. 🤩


Nachtrag:

In Sakkara sind weitere Mastabas und auch die Pyramide des Unas zur Besichtigung geöffnet. Wer sind einen Eindruck darüber verschaffen möchte, kann hier an einem Rundgang teilnehmen. 

Ein Blick in Mastabas aus der Zeit der Pyramiden | KOMPLETTE Erkundung (1,5 Std.) Sakkara, Ägypten ↗


Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 24. Okt. 2026
Themenstarter198 Beiträge · seit 201525. Okt. 2026 ·

Mittwoch, 20.11.2024 Pyramiden von Gizeh und Beginn unserer Reise nilaufwärts

Schon gestern abend haben wir die Reisetaschen weitgehend gepackt, so das wir heute morgen ohne große Hektik um 6:30 Uhr beim Frühstück erscheinen. Um 7:30 Uhr ist unserer Gepäck verladen, wir halten nochmals kurz ein Stück weiter in der Straße am Kairoer Büro unserer ägyptischen Agentur und sammeln einen Mitarbeiter ein, der uns die kurze Fahrt zum Eingang auf das Plateau von Gizeh begleitet. Dort stellt sich heraus, das wir unser Gepäck aus dem Fahrzeug nehmen und damit wie am Flughafen durch eine Gepäckkontrolle müssen, während unser leeres Fahrzeug ebenfalls erst nach einer Kontrolle auf das Gelände fahren darf. Am Ticketschalter kauft der Agenturvertreter für uns die Eintrittstickets für die Besichtigung des Geländes. Wie in Sakkara gestern wäre es möglich, durch Extratickets eine oder mehrere Pyramiden und/oder die Mastaba der Königin Meresankh zu besichtigen. Hier aber eben am touristischen Hotspot Unterägyptens.

Da es hier aber nichts zu sehen gäbe, was wir gestern nicht schon sehr viel eindrucksvoller ohne Besuchermassen um uns herum gesehen haben, verzichten wir darauf. Die intensiven Eindrücke von gestern hallen noch so massiv in uns nach, eine Besichtigung des Inneren der Pyramide von Cheos (Khufu) zusammen mit etlichen anderen Touristen um uns herum könnte da jetzt heute im direkten Vergleich nicht mithalten.


„Innerägyptische Angelegenheiten“

Unser Gepäck wird auch tatsächlich komplett durchleuchtet und die Dame am Kontrollschirm entdeckt dabei natürlich das Taschenmesser in der Reisetasche von Barbara. Das geht so nicht. Keine „Waffen“. Barbara muss also das Gepäck öffnen, findet aber in der Hektik das Messer einfach nicht. Erst ich werde fündig. Das Taschenmesser müssen wir abgeben. Das passt nun aber Abdel überhaupt nicht. Er verhandelt also mit der Dame am Kontrollschirm einige Minuten. Es wird auf der Reise mehrmals solche lebhaften Diskussionen und Verhandlungen geben. Im Geist habe ich diese als „innerägyptische Angelegenheiten“ bezeichnet. Ergebnis nach einige Minuten: Die Dame am Kontrollschirm übergibt Abdel als Vertrauensperson das Taschenmesser, damit er es treuhänderisch in seinem Gepäck aufbewahrt. Was dieser auch macht: Er steckt das Taschenmesser in seinen Koffer. Wie versprochen. OK, im nächsten Moment nimmt er es wieder raus und steckt es Barbara zu, die es wieder in ihrem Gepäck verstaut 😇 

Ich bedanke mich (sehr ehrlich gemeint!) für diese pragmatische, der Situation angemessenen Auslegung der Vorschriften bei der Vertreterin der ägyptischen Staatsmacht. (Im bürokratiegeplagten Deutschland sollten wir auch wieder lernen, Vorschriften pragmatischer und der jeweiligen Situation angemessen zu beurteilen. 🤭)Nachdem wir die „Einreise“ auf das Gelände geschafft haben, wird unser Gepäck wieder in unserem bereits wartenden Bus verladen.


Wir selbst laufen direkt zur vor uns aufragenden Pyramide von Pharao Cheops, 4. Dynastie, 2620 – 2580 v. Chr. Cheops hat sehr profitiert von der fast fünfzigjährigen (!) Bautätigkeit an den drei großen Pyramiden seines Vaters Snofru. Er konnte auf eine leistungsfähige Bauverwaltung, eine ausgebaute und eingespielte Logistik in den Steinbrüchen und dem Transportsektor sowie auf eine Vielzahl erfahrener und gut ausgebildeter Baumeister und Handwerker zurückgreifen und so den Bau seiner Pyramide hier in Gizeh beginnen. Das Plateau von Gizeh, bestehend aus einem massiven Felsuntergrund wurde als Standort wohl auch gerade aufgrund der Erfahrungen mit dem gescheiterten Bau der Knickpyramide gewählt. Schon sein Vater Snofru verlagerte seinen Palast- und Regierungssitz von Meidum nach Sakkara – quasi seiner jeweiligen Pyramidenbaustelle folgend. Diesem Beispiel folgte auch Cheops und verlagerte seinen Palast- und Regierungssitz von Sakkara nach Gizeh in die Nähe der Baustelle. Die Reste seines Palastes liegen heute unter den Ausläufern des modernen Gizeh, welches bis an das Plateau heran gewuchert ist. Die nach Chefren und Mykerinos folgenden Pharaonen und somit auch die Mastabas der Elite kehrten dann aber wieder nach Sakkara zurück, was wir ja an der von uns in Sakkara besuchten Pyramide von Pharao Teti samt Mastabas des Mereruka usw. aus der späteren 6. Dynastie gesehen haben. 

Neuere Untersuchungen und Simulationen des DAI (Deutsches Archäologisches Institut, Bonn) haben ergeben, das für den Bau der Pyramide wohl „nur“ an die 20.000 Steinbrucharbeiter und Steinmetze, Träger und Schlepper, Maurer und Gipser, Zulieferer und Bedienstete der Verpflegung sowie Ingenieure und Architekten beschäftigt waren. Es handelte sich um Spezialisten, die ganzjährig am Bau beschäftigt waren. Neuere Ausgrabungen haben wie in Sakkara jetzt auch in Gizeh die Arbeitersiedlung samt Werkstätten, Großbäckereien und -küchen sowie die Grabstätten der Arbeiter zutage gefördert. Bei der damaligen Bevölkerungszahl von 2 Millionen Menschen im Alten Reich war also die normale Landbevölkerung von den Baumaßnahmen kaum berührt und auch die Abgabenlast in Form von Naturalien für die Verpflegung der Baustelle dürfte sich angesichts des in der 4. Dynastie florierenden Reiches somit in erträglichen Grenzen gehalten haben.

Abdel erläutert uns, das es wohl Pläne der Regierung gibt, einen neuen Stadtteil in einiger Entfernung zu bauen und dann die Bewohner der direkt an das Plateau angrenzenden Straßenzüge umzusiedeln. Dies trifft aber natürlich auf erbitterten Widerstand der Menschen hier, die fast alle direkt oder indirekt ihren Lebensunterhalt durch die Pyramiden und ihre Besucher verdienen.


Wir stehen jetzt vor der Cheops-Pyramide unterhalb des Eingangs, wo sich trotz der frühen Tageszeit gefühlt schon mehr Besucher aufhalten, als wir gestern den ganzen Tag über zusammen gesehen haben. 


Hier der Eingang zur Pyramide. Uns kamen die Besucher in dem Moment viel vor. 🤣 Waren wir doch vom gestrigen Tag gewöhnt, kaum mal andere Touristen zu sehen. Aber wenn ich mir aktuellere Videos und Bilder anschaue, merke ich, wie wenig Besucher es in Wirklichkeit waren. Zum einen ging mein Plan auf, Ägypten während des "Gaza-Krieges" zu besuchen. Amerikaner, Chinesen sahen wir fast keine. Und zum anderen war die geänderte Planung von Abdel perfekt, das Gizeh-Plateau frühmorgens zu besichtigen. Viele Hotelgäste aus Kairo und Gizeh kommen erst ab 10 Uhr. Und ab Mittag kommen dann die Busse vom Roten Meer mit den Badeurlaubern die einen Tagesausflug zu den Pyramiden machen. So gesehen wäre es im Nachhinein betrachtet möglicherweise doch eine gute Gelegenheit gewesen, die Cheops-Pyramide zumindest mit weniger Besuchergedrängel zu erkunden. Aber damals hat es sich nicht "richtig" angefühlt.

Wir können am Fuß der Pyramide noch Reste der mächtigen Verkleidung der Pyramide mit weißen Kalksteinquadern erkennen 

und seitlich der Pyramide den sich anschließenden Westfriedhof, wo anders als in Sakkara die Mastabas der hohen Beamten planmäßig in langen Reihen neben- und hintereinander angeordnet sind. 

Denn wie bereits erläutert, wurde in der 4. Dynastie der Pharao schon zu Lebzeiten als Gott angesehen. Wie in der Diesseits-Welt versorgt dieser also auch im Jenseits seine Würdenträger und Beamten.

Die Versorgung der verstorbenen Familienangehörigen, Würdenträger und Beamten im Jenseits ist dabei umso sicherer gewährleistet, je näher die Grabstätte an der Pyramide des göttlichen Pharaos liegt. Der göttliche Pharao plant und baut daher bis auf wenige Ausnahme auch die „Standard“-Mastabas in seinem Pyramidenbezirk und vergibt diese nach einer hierarchischen Rangordnung an seine hohen Beamten.

Auch die Innenausstattung der Mastabas erfolgt durch den Pharao, nicht wie bei den späteren Mastabas in Sakkara durch die hohen Würdenträger selbst. Darstellungen des Jenseits und verschiedenen Opfergaben zur Sicherstellung der guten Versorgung des Grabherren gibt es hier zwar auch. Aber in viel geringerem Umfang, da sie nicht zwingend notwendig sind. 

Wer sich die Mastaba der Königin Meresankh und einen Gang durch die reihenhausähnlich angeordneteten Mastabas der 4. Dynastie mal anschauen möchte:

Im Schatten der Pyramiden: Die verborgenen Mastabas der Gizeh-Erkundung | Ägypten 2024 ↗


Die Pyramidenbezirke der drei Gizeh-Pyramiden zeigen aber auch Veränderungen und Weiterentwicklungen dieser religiösen Vorstellungen im Alten Reich schon während der 4. Dynastie. Erste Anzeichen des immer wichtiger werdenden Sonnenkultes zeigen sich schon im alten Namen der Cheops-Pyramide „Horizont des Cheops“, der sich auf die im Westen untergehende Sonne bezieht. Spätestens mit der kurzen Regierungszeit des ersten Sohns von Cheops namens Djedefre (2482-2475 v. Chr.) verstärkte sich dieser religiöse Wandel hin zur Sonnentheologie, in deren Mittelpunkt als höchster Gott der unterägyptische Sonnengott Re als Schöpfergott stand. Am Ende dieser Entwicklung in der 5./6. Dynastie war der Pharao nicht mehr selbst göttlich, sondern „nur noch“ göttlicher Abstammung als „Sohn des Re“ und somit dem Gott Re gegenüber zur Rechenschaft und regelmäßigen Kulthandlungen verpflichtet.

Bei der deutlich kleineren dritten Gizeh-Pyramide des Mykerinos erkennt man deutlich, das dieser Sonnenkult dazu führte, das sich der bauliche Fokus nunmehr auf den im Sonnenlicht liegenden Totentempel verlagerte. Die Pyramide selbst diente „nur“ noch als Grabstätte für den Sarkophag, die Größe der Pyramide und Komplexität im Inneren wurden folgerichtig reduziert. Damit verbunden ist anscheinend auch ein Schwinden der weltlichen Macht des Pharaos, denn die Provinzen und ihre Gouverneure gewinnen mehr und mehr an Eigenständigkeit. Diese Entwicklung wird dazu letztlich einer der Faktoren sein, die zur  1. Zwischenzeit (7. - 10. Dynastie) führen werden.

Exkurs:

Die moderne Klimaforschung liefert den Archäologen Anhaltspunkte dafür, dass der jeweilige Niedergang der pharaonischen Reiche (Altes, Mittleres und Neues Reich) wohl mit extremen Klimaschwankungen zusammenfällt. Was zur Folge hatte, das die regelmäßigen, jährlichen Nilüberschwemmungen teils ausblieben oder nur sehr gering ausfielen. Ernteausfälle und Hungersnöte waren die Folge der ausbleibenden Nilfluten. Auf Hunger und Chaos hindeutende Hieroglyphentexte finden sich überall in Ägypten. Somit kann es durchaus sein, dass die Veränderung der religiösen Vorstellungen dadurch mit ausgelöst bzw. verstärkt wurden. Denn der Pharao war der Garant für die Bewahrung der Ordnung (Maat) und regelmäßigen Erneuerung des Landes durch die jährlichen Nilfluten. Wenn er dies nicht mehr gewährleisten konnte, führte dass damals natürlich zu Zweifeln und der Infragestellung der bisherigen religiösen Vorstellungen. Eine toxische Mischung sich gegenseitig verstärkender Faktoren (religiöse Zweifel, Versorgungskrise, wirtschaftlicher Niedergang, Risse in der Gesellschaft, etc.) sorgte für das Aufkommen lokaler Machthaber und regionaler Abschottung der fruchtbareren Regionen, die ihre Ernten nicht mehr mit dem Pharao teilen wollten. Das Zerbrechen der Zentralmacht sowie kriegerische Auseinandersetzungen der einzelnen Gaue gegeneinander um Ressourcen und Macht in den drei Zwischenzeiten waren jeweils die unvermeidliche Folge. 

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zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2026
Themenstarter198 Beiträge · seit 201525. Okt. 2026 ·

Wir laufen nun zur östlichen Seite der Cheops-Pyramide. Dabei sehen wir auch deutliche Veränderungen im Bauprogramm des Pyramidenbezirks gegenüber dem älteren Bezirk von Djoser in Sakkara. Bei Cheops befindet sich das Südgrab sowie die Baulichkeiten bereits innerhalb der Pyramide in weiteren Kammern (z.B. für die Ka-Seele des Pharaos) und Gängen, die den Sternenhimmel der Jenseits-Welt darstellen. Auch die ewigen Kulthandlungen anlässlich der Heb-Sed-Feste wurden dorthin verlagert. Ebenso gibt es zwei kleine Schächte, die schräg nach oben zum nördlichen und südlichen Himmel führen und damit die direkte Himmelfahrt der Seele des Pharaos ermöglichen sollen. Da somit die komplette „Kultbühne“ innerhalb der Pyramide dargestellt wurde, beschränkte sich der äußere Pyramidenbezirk nach und nach im wesentlichen auf den Totentempel und die Königinnen-Pyramiden. Neben der Cheops-Pyramide markiert nur noch das Basaltpflaster den Standort des Totentempels. Der Bau selbst ist im Laufe der Jahrtausende wie die Pyramiden-Verkleidung komplett den Steinräubern zum Opfer gefallen.

Im Hintergrund des Bildes sind die erhaltenen Reste der drei Königinnen-Pyramiden neben der Cheops-Pyramide zu sehen.


Anwohner aus Gizeh reiten gerade mit ihrem Kamelen heran, um für den späteren Ansturm der Besucher bereit zu sein. 

Kamelritte im Schatten der Pyramiden gehören seit jeher zum Besuchsprogramm vieler Gizeh-Reisender, wie ja auch schon auf Malereien aus dem 19. Jahrhundert dargestellt. In Zeiten des „Selfie-Massentourismus“ eine lohnende Einkunftsquelle für immer mehr Einheimische, die somit auch ein eigenes Interesse am Erhalt der archäologischen Stätten haben (sollten).


Unsere Aufmerksamkeit gilt aber den drei hier erbauten Königinnen-Pyramiden. Hier liegt eine Besonderheit vor. Denn nur zwei der Pyramiden sind tatsächlich als Grabstätten für Ehefrauen des Cheops vorgesehen. Die dritte Königinnen-Pyramide dient völlig unüblich als Grabstätte für Hetepheres, der Frau des Snofru und Mutter von Cheops. Sie überlebte ihren Gatten Snofru und zog mit ihrem Sohn Cheops um nach Gizeh. Die für sie vorgesehene Grabstätte in Sakkara bei der roten Pyramide ihres Gemahls Snofru blieb ungenutzt. In ihrer Grabpyramide wurden prachtvolle Möbelstücke und Armreifen gefunden. Die Pyramide ist zugänglich und so steigen wir erstmals in eine Königinnen-Pyramide hinab. 

Der Abstieg ist gewohnt steil, aber natürlich deutlich kürzer und mündet unten praktisch direkt in die kleine, leere Grabkammer der Königin.

Für uns ein schöner kleiner "Ausflug", zumal wir hier wieder ganz allein sind. Die kleinen, unscheinbaren Nebenpyramiden werden anscheinend von den meisten Besuchern ignoriert. Gut, das Abdel uns darauf aufmerksam gemacht hat. 🤩

So sind wir schon nach kurzer Zeit wieder zurück an der Oberfläche. Hier haben wir einen guten Blick auf die im Morgenlicht liegende Pyramide des Cheops.

Wir laufen weiter zur Südseite der Cheops-Pyramide. Hier sehen wir die Bootsgruben, Fundort der Königsbarken. Deren direkt hier errichtetes Museum wurde aber mittlerweile nach dem bereits 2021 erfolgten Umzug der Barke in das neue, noch nicht komplett eröffnete GEM wieder abgerissen. 

Dahinter die Pyramide von Chephren.

Und hier hat man auch einen guten Blick auf die beiden Pyramiden von Chephren und Mykerinos.


Die Seiten der Cheops-Pyramiden. Blick entlang der Bootsgruben zu den kleinen Königinnen-Pyramiden. Man sieht die dritte.

Und hier noch die vierte Seite der Cheops-Pyramide:


Wir wenden uns nun in Richtung der Pyramide des Chefren, 4. Dynastie, 2570-2530 v. Chr.

Hierbei können wir gut Überreste seines Totentempels seitlich neben der Pyramide erkennen. Er hat seine Pyramide bewusst auf einem höheren Punkt des Plateaus gebaut hat, um den Anschein zu erwecken, sie sei größer als die seines Vaters Cheops. 

Pyramide Chephren.

Dort oben angekommen, genießen wir die Aussicht zurück auf die Cheops-Pyramide und die sie umgebenden West- und Ostfriedhöfe samt Königinnen-Pyramiden.


Hier steigen wir wieder in unserem Bus und fahren ein Stück weiter, um einen guten Blick auf alle drei Pyramiden zu haben. 

Von dort wird natürlich auch wieder ein Kamelritt zu einem noch besseren Panoramapunkt angeboten. Aber wir lehnen dankend ab. Die Sonne steht am Vormittag für diesen Panoramablick sehr ungünstig und auch der morgendliche Dunst über dem Niltal hat sich noch nicht richtig aufgelöst. 

Macht also nicht wirklich Sinn für uns. So fahren wir nach einem kurzen Fotostopp wieder zurück auf der Straße zwischen den beiden Pyramiden hinunter Richtung Sphinx. (Auch, um die Sonne wieder in unserem Rücken zu haben 🤗)Unterwegs bitte ich aber um einen kurzen, an der Stelle illegalen Stopp und laufe ein Stück zurück, um hier an der südöstlichen Seite der Cheops-Pyramide die Grabanlage (samt Grabkapelle und Vestibül mit zwei Säulen) eines hohen Würdenträgers namens Seschemnefer IV. vor dem Hintergrund der Cheops-Pyramide anzuschauen und zu fotografieren. 

Sie wurde einiges später am Ende der 5. Dynastie um 2340 v. Chr. vom Grabherrn, der den Titel „Vorsteher des königlichen Harems“ trug, hier in der Nähe der Cheops-Pyramide erbaut. Ein Zeichen dafür, das auch Jahrhunderte später die Grabanlagen in Gizeh noch als bedeutend im Bewusstsein waren. Wie in anderen Nekropolen wurden auch in Gizeh bis zur 31. Dynastie immer wieder neue Grabstätten „angebaut“, um am Ruhm der alten Pharaonen teilzuhaben. Hier haben wir auch nochmal einen guten Blick auf die Pyramiden des Chefren und Mykerinos samt Totentempel des Chefren und Königinnen-Pyramide des Mykerinos, 4. Dynastie, 2530 – 2510 v. Chr.


Wir setzen unsere Fahrt fort und erreichen den Parkplatz beim Eingang zur Sphinx. Eine kurze Toilettenpause, die statt 10 nun 20 ägyptische Pfund kostet, sorgt bei Abdel für Diskussionsbedarf mit dem Toilettenwärter. 🤭

Er kann sich einfach nicht anfreunden mit den rasant steigenden Preisen überall für die Touristen. Er meint zu uns, dass die jungen Ägypter leider alle der Meinung sind, die Touristen würden mit 2 Koffern nach Ägypten kommen. Einer für ihre Kleidung und der andere voller Geld. Und jeder will möglichst schnell möglichst viel davon haben, um ohne große Anstrengung gut zu leben. Nach diesem kleinen Intermezzo treten wir auf den großen, bestuhlten Platz der abendlichen Lichtshows und haben einen ersten Panoramablick auf die Sphinx nebst Taltempel des Chefren und dahinter aufgereiht die drei großen Pyramiden.

OK, meine Kamera wollte diesen schönen Blick leider in dem Moment nicht so schön ablichten. 🤣


Dann laufen wir seitlich entlang der Händlerstände auf den Taltempel und die Sphinx zu. 

Vor den Bauten erfolgen gerade Ausgrabungen einer Brücke und Kaianlagen. 

Dies zeigt deutlich, das im Alten Reich vom Nil ein Seitenkanal bis an den Taltempel und die Sphinx heranführte. Dies war sowohl für den Transport der Baumaterialien und später dann auch für die Bestattung der Pharaonen notwendig. Zur Bestattung landete am Taltempel eine Barke mit dem Sarkophag und den Beigaben. Vermutlich war es sogar eine kleine Flotte von Barken mit den an der Bestattung teilnehmenden Würdenträgern und Familienangehörigen. Jede Pyramide und somit jeder Pharao hatte seinen eigenen Taltempel, der reich mit Statuen des Pharaos und bemalten Wandreliefs geschmückt war. Wir haben ja im Museum in Kairo sowohl die Triaden des Mykerinos, die in seinem Taltempel einige Meter weiter gefunden wurden wie auch die ikonische Statue des Chefren mit dem Falken am Hinterkopf gesehen. Diese Statue wurde hier im Taltempel des Chefren gefunden, den wir nun durch das hohe, aus mächtigen Steinquadern bestehende Portal betreten.

Im Inneren dominieren viele massive Säulen den Raum und geben ihm eine nüchterne, fast strenge Ausstrahlung. Von Taltempel führt der Aufweg hinauf zum Totentempel an der Pyramide. Diese Aufwege waren im Alten Reich überdacht, die Wände mit farbigen Reliefs bemalt und sie wurden durch kleine Oberlichter an der Decke mit Tageslicht erhellt. Die ersten Meter des Aufwegs am Taltempel des Chefren vermitteln ein wenig, welch einen gewaltigen Eindruck allein dieser Weg auf die Besucher des Totentempels des Pharaos gemacht haben muss. 

Und diese Wirkung war sicher beabsichtigt, um die Besucher in eine demütige und andächtige Stimmung zu versetzen für die folgende Anbetung und Verehrung des Pharaos sowie die Opferrituale für diesen oben im Totentempel. 

Als wir den erhaltenen Bereich des Aufweges verlassen, 

öffnet sich unser Blick und wir sehen rechts die Sphinx in einer Geländevertiefung. 

Vermutlich wurde deren Rumpf aus einem Felssporn herausgearbeitet, der möglicherweise bereits von seiner natürlichen Form her an eine Sphinx erinnerte.

Dadurch liegt die Sphinx in einer von höheren Felswänden umschlossenen Vertiefung. Was im Lauf der Jahrtausende immer wieder dafür gesorgt hat, das der tief in der Senke liegende Rumpf der Sphinx komplett vom Sand begraben und so auch geschützt wurde. Nur der Kopf ragte heraus. Schon im Neuen Reich in der 18. Dynastie war dies so gemäß eines Berichtes auf der sogenannten „Traumstele“, deren obere Hälfte wir zwischen den Vorderpranken der Sphinx sehen können.

Pharao Thutmosis IV. ließ diese aufstellen und schildert darauf, wie er als junger Prinz nach einem Jagdausflug ermattet im Schatten der Sphinx einschlief. Der Gott Amun erschien ihm im Traum und prophezeite, das er Pharao von Ägypten werde. Der Gott gab ihm außerdem den Auftrag, den verschütteten Körper der Sphinx vom Sand zu befreien. Und auch Pharao Ramses II. soll Ausgrabungen an der Sphinx vorgenommen haben. Aber immer wieder siegte der Sand, füllte die Senke um die Sphinx und begrub ihren Rumpf wieder. Erbaut bzw. aus dem Fels geschlagen wurde die Sphinx vermutlich unter Pharao Chefren. Sie sollte wohl als Wächter der Nekropole dienen. Wir genießen den Anblick einige Minuten lang. Vor der Sphinx wurde ebenfalls ein Tempel errichtet. Seine Überreste sind noch erkennbar.

Dann laufen wir hinter dem Taltempel zurück zum Parkplatz. Hierbei haben wir noch einen Blick auf einen weiteren Mastaba-Bezirk unterhalb der Chefren-Pyramide.

Ein letzter Blick zurück.

Als wir gegen 10 Uhr losfahren, sehen wir eine sehr lange Schlange von Besuchern am Eingang, darunter auch einige Schulklassen. Unser früher Besuch war also auf alle Fälle richtig. 





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zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2026
Themenstarter198 Beiträge · seit 201525. Okt. 2026 ·

Jetzt verlassen wir Gizeh und Kairo und beginnen unsere lange Reise nilaufwärts, die uns bis nach Abu Simbel etwa 30 Kilometer vor der Grenze zum Sudan bringen wird. Wir fahren entlang des Fayyum-Becken Richtung Süden auf der Wüstenstraße. Wir kommen zügig voran, da auf den Wüstenstraßen kaum Verkehr herrscht. Wir sehen immer wieder Türme bei den Häusern. Abdel erklärt uns, das es sich um Taubentürme handelt.

Die Taubenzucht ist weit verbreitet. Die Tiere gelten als Leckerbissen. Nach ungefähr 100 Kilometern sehen wir links die Pyramide von Meidum aufragen – die Schein-Pyramide von Snofru. 

Wenige Meter daneben befindet sich auch die Mastaba von Nefermaat, wo die tollen Malereien der Gänse gefunden wurden, die wir in Kairo im Museum bewundert haben.

Ein Stück weiter sehen wir einen riesigen koptischen Klosterkomplex in der Landschaft. 

Es handelt sich um das Kloster des heiligen Pischoi von Scetis, gegründet im 4. Jahrhundert. Kurz danach stoppen wir an einer Raststätte im Nirgendwo am Rande der Wüstenstraße. Etliche LKW-Fahrer machen hier ebenfalls Pause. Wir trinken einen Kaffee, Abdel und unser Fahrer essen auch eine Kleinigkeit. Was sie aber bereuen sollten, denn beide bekommen Magenprobleme und wir müssen mehrere Zwischenstopps einlegen für Toilettengänge. Abends erzählen Sie uns, das nicht nur wir Touristen immer auf der Hut sind, nichts Falsches zu essen. Auch die Ägypter haben immer Sorge, etwas Verunreinigtes oder Verdorbenen zu erwischen, wenn sie außer Haus essen.

Kurz vor unserem Tagesziel verlassen wir die Wüstenstraße und kommen wieder ins Niltal. 

Immer wieder fallen uns immer wieder die unfertigen Häuser auf. Das sind keine Baustellen oder Ruinen. 

In Ägypten ist es wie in vielen anderen Ländern der Welt auch so, das keine Steuern und Abgaben für das Haus anfallen, solange es im Bau ist. Also bleibt immer etwas Baustelle erhalten. Diese Regelung sorgt für uns als Besucher natürlich dafür, das alles irgendwie unfertig oder gar verfallen wirkt. Ist aber oft nicht so, wenn man das Innere der Anwesen betritt.



Um 14 Uhr erreichen wir El Minya, unser heutiges Tagesziel. Abdel erzählt uns, das er bei Reisen bisher immer in einem anderen Hotel in einem Stadtteil weiter weg vom Nil übernachtet hat. Dieses Hotel besucht auch er zum ersten Mal. (OK, wir gewöhnen uns langsam daraus, das auf unserer Tour alles irgendwie "anders" ist.)

So auch wieder die persönliche Begrüßung durch den Hotelmanager. 🤗

Und ab heute gibt es auch getrennte Betten. 🤭Nebenbei erwähnt: Alle Hotelzimmer auf der Reise samt sanitären Einrichtung waren tiefenrein sauber. 🥰

Die Hotelanlage mit einer schönen parkähnliche Grünanlage liegt langgezogen direkt am Nil. 🤩🤩

Dort sehen wir bei unserer ersten Erkundung auch gleich ein Brautpaar beim Fotoshooting. Wir erfahren, das heute hier eine Hochzeit im Hotel stattfindet. Für das Abendessen haben wir 18 Uhr verabredet, so das wir jetzt erst mal ein wenig die Seele baumeln lassen können bei einem kleinen Spaziergang im Hotelgarten entlang des Nils. Beim Abendessen sitzen wir nun immer zu viert am Tisch. Als Vorspeise Suppe, Hauptgericht Fisch und Fleisch und als Nachspeise ein riesiger Teller mit vielen verschiedenen süßen Backwaren. Alles absolut lecker. Beim Essen erzählen uns Abdel und unser Fahrer, das sie beide Diabetiker sind, also etwas aufpassen müssen mit dem Essen. Bei Abdel macht sich zusätzlich das Alter bemerkbar mit hohem Blutdruck, Nierenproblemen und Asthma. Eine kleine "Diskussion" gibt es hinsichtlich unserer Getränkewahl. Natürlich gibt es alkoholische Getränke im Angebot des Hotelrestaurants. Da wir aber bereits mitbekommen haben, dass sowohl unser Fahrer wie auch Abdel gläubige und praktizierende Muslime sind, kommt es für uns nicht in Frage, Alkohol bei unseren gemeinsam eingenommenen Abendessen zu trinken. Was Abdel natürlich dazu veranlasst, uns zu erklären, er es als erfahrener Reiseliter durchaus gewöhnt, dass seine Gäste in seiner Anwesenheit Alkohol trinken würden. Zumal wir als Christen nicht dem Verbot von Alkohol unterliegen würden. Wir also gerne Wein oder Bier bestellen könnten. Worauf wir wiederum entgegnen, dass uns unsere Eltern und Großeltern so erzogen haben, dass wir unseren Mitmenschen zuhause, aber auch auf Reisen hinsichtlich ihrer Sitten und Gebräuche mit Anstand und Respekt zu begegnen. Und es so für uns keinesfalls in Frage käme, auf unseren gemeinsamen Reise Alkohol zu trinken. Und ob er als Vater es gut finden würde, wenn seine Kinder sich in der Fremde nicht an die durch ihn vermittelten Regeln des Anstandes und Respekts halten würden. Er überlegte kurz und nickte dann. Das Thema war für den Rest der Reise erledigt. Und hier begann nun auch eine Entwicklung in unserer Beziehung. War es bisher so, dass Abdel meinte: "Das solltet ihr euch auch noch anschauen", so wurde es nun zu einem "das sollten wir uns auch noch anschauen". Und auch unser "Sie", dass wir beidseitig bis zum Ende der Reise beibehielten, würde nun von Tag zu Tag vertrauter. Kleine Scherze und liebgemeinte Sticheleien inbegriffen, da Abdel ein sehr guter Beobachter war und ihm durchaus der Schalk im Nacken saß.🤭 Merke: Wer respektvoll behandelt werden will, sollte sich durch sein Verhalten diesen Respekt auch verdienen. 😇

Einige Tage später erwähnte Abdel denn auch bei einem unserer immer vertrauteren Gespräche beiläufig, das er zu Beginn seiner Reiseleitertätigkeit viele Jahre brauchte, um sich daran zu gewöhnen, dass die Gäste ihn einfach duzten. Und auch der teils hohe Alkoholkonsum gerade auf den großen Nilkreuzfahrtschiffen irritiere in immer wieder. Aha, denke ich mir da. Meine Intuition, angesichts der fast ehrfürchtigen Reaktionen des Hotelpersonals in Kairo auf das Erscheinen unseres Reiseleitern, war also wohl genau richtig. Und auch die Tatsache, das Abdel an das Trinken von Alkohol "gewöhnt" sei, heißt noch lange nicht, dass er es auch angenehm oder gut finde. Also: Alles richtig gemacht, denke ich mir (nicht nur) in dem Moment. 😊

Nach dem Essen kommt der Hotelmanager an den Tisch und fragt, ob alles in Ordnung sei und ob wir gerne die Hotelanlage sehen würden. Mittlerweile wundert uns das schon nicht mehr und so stimmen wir freudig zu. Das Hotel hat einen eigenen Vergnügungspark mit Autoscooter, Rutschen und Karussell für die betuchten Hotelgäste bzw. deren Kinder. Wobei die Fahrgeschäfte extra kosten. Die Hotelgäste können es sich daneben gemütlich machen und ihre Kinder im Blick haben.

Am Ufer liegt ein Schiff mit Gastronomie, das ebenfalls zum Hotel gehört. 

Auch auf dem Schiff werden wir herum geführt. Sehr eindrucksvoll. Weiter geht es nun zur Hochzeitshalle neben dem Restaurant, in dem wir zu Abend gegessen haben. Das Brautpaar sei gerade wieder beim Fotografieren erklärt uns der Manager und führt uns in die geschmückte Halle, in der wirklich nur vereinzelte Hochzeitsgäste an den festlich gedeckten Tischen sitzen. Vor der Halle stehen Musiker. Der Manager erläutert uns, sie würden später das Brautpaar samt Gästen mit Musik wieder in die Halle führen zur weiteren Feier. Damit wir einen Eindruck bekommen, bittet er zwei Musiker, etwas für uns zu spielen. Wir sind beeindruckt. Mit diesen Eindrücken laufen wir dann zurück zu unserem Hotelzimmer (mit getrennten Betten) und gehen zeitig schlafen. Da unsere Zimmer aufgrund des seit weitläufig am Nilufer langgezogenen Hotelareals weit entfernt vom Hochzeitssaal liegt, bekommen wir geräuschtechnisch nichts mit von dem nächtlichen Spektakel. Und kommen so ungestört tief und fest durchschlafen. 😴

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625 Beiträge · seit 202225. Okt. 2026 ·
Da reise ich gerne mit. Ich war vor 20 Jahren n Ägypten und will das seither immer wieder mal noch ausführlicher sehen. Über welche lokale Agentur lief das denn?
zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2026
Themenstarter198 Beiträge · seit 201525. Okt. 2026 ·


utaeleonore schrieb:Da reise ich gerne mit. Ich war vor 20 Jahren n Ägypten und will das seither immer wieder mal noch ausführlicher sehen. Über welche lokale Agentur lief das denn?

Freut mich, das die mitreist.

Welche lokale Agentur, kann ich leider nicht sagen. 🫣Wir haben die Reise über eine deutsche Agentur gebucht. Ich meine zwar, das Büro der ägyptischen Agentur in Kairo fotografiert zu haben. Finde das Bild aber einfach nicht mehr. 😟

Ich habe dir den Link zur Reise und unserer Deutschen Agentur also persönliche Nachricht geschickt.

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Themenstarter198 Beiträge · seit 201525. Okt. 2026 ·
Da ich nächsten Sonntag keine Zeit habe, am Reisebericht weiterzuschreiben, versuche ich euch jetzt noch einen zweiten Reisetag zu schildern.
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Donnerstag, 21.11.2024 Gräber von Beni Hassan, Tell el-Amarna und Tuna-el-Gebel

Um 7 Uhr begeben wir uns zum Frühstück. Um 8 Uhr ist das Gepäck verladen und wir starten. Unser ersten Ziel ist Beni Hassan. Begleitet werden wir hierbei von einem Polizisten der Touristen-Polizei, welcher auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. Auf der Route heute muss uns ein Polizeioffizier begleiten, erklärt uns Abdel. Aber natürlich säße der Offizier lieber zuhause und schickt daher einen einfachen Polizisten mit. Sollte Abdel einen Kontrollanruf der Polizeibehörde bekommen, ob wirklich ein Offizier dabei sei, solle er das bestätigen. „Innerägyptische Angelegenheit“ eben. Wir fahren zunächst 30 Kilometer entlang des fruchtbaren Niltals und durchqueren dabei einige kleine Dörfer.

Mit Abdel haben wir bereits am Vortag besprochen, in Beni Hassan nicht nur wie im Programm vorgesehen zwei, sondern alle vier für die Öffentlichkeit zugänglichen Gräber besichtigen zu wollen. Vor Ort angekommen, ist dies nach kurzem Hin und Her mit den Wärter auch möglich. Entweder für uns beiden zusammen für umgerechnet 40 Euro mit Ticket oder 20 Euro ohne Ticket, wie uns Abdel als Vermittler erklärt. Er zahlt in ägyptischen Pfund den Preis „ohne Ticket“ und wir geben ihm später im Bus die 20 Euro.

Dann beginnen wir den Aufstieg zu den Gräbern. 

Für Abdel ist dies in seinem Alter sichtlich anstrengend. Ich reduziere also auch mein Tempo, um auf gleicher Höhe mit ihm zu bleiben. Da er mehrmals eine Pause bracht, überbrücke ich diese Zeit eben „elegant“ mit der Bewunderung der Aussicht über das Niltal sowie einigen Fotos. Da die Treppenstufen in Höhe und Abstand sehr unangenehm angebracht sind, laufen Abdel und wir links der Treppe bergan, der Polizist und die beiden lokalen Wärter rechts der Treppe.

Der junge, etwas schnöselhaft wirkenden Polizist läuft mit den beiden Wärtern etwas versetzt bergan und ich sehen ihn mehrfach grinsen und etwas offensichtlich wenig schmeichelhaftes über Abdel zu den beiden lokalen Wärtern sagen. Soviel also zum Respekt vor Älteren denk ich mir… Ich verkneife mir aber einen Kommentar auf englisch in seine Richtung. Einen sehr missbilligenden Blick meinerseits bekommt er aber dennoch. Was bei den beiden lokalen Wächtern nicht unbemerkt bleibt. Wie zufällig wechseln sie einige Meter weiter auf unsere Seite des Treppenaufgangs, wobei sie ihr Tempo deutlich reduzieren. So setzen wir mit Abdel den Aufstieg fort.

Der Friedhof von Beni Hassan liegt in einer der fruchtbarsten Regionen Ägyptens. Hier befinden sich einige der eindrucksvollsten Gräber des Mittleren Reichs. Die reichhaltigen und gut erhaltenen Gräber zeugen vom wirtschaftlichen Wohlstand, den die Stadt genoss.

Oben angekommen am Fuß der steil aufragenden Felswand sehen wir rechts und links die Galerie der in den Felsen geschlagenen Grabeingänge. 

Diese Nekropole des 16. oberägyptisches Gaues („Gazellengau“) besteht aus einem oberen und unteren Friedhof. Der untere Friedhof enthält etwa 800 Gräber, viele davon Schachtgräber. Er enthält hauptsächlich Gräber verschiedener Beamter aus der Ersten Zwischenzeit, 11. Dynastie, (ca. 2181–2055 v. Chr.) bis zum Mittleren Reich, 12. Dynastie, (ca. 2055–1650 v. Chr.), aber es wurden auch Gräber aus der Spätzeit des Alten Reiches (ca. 2345–2181 v. Chr.) entdeckt.

Unser Zeil, der obere Friedhof umfasst 39 Gräber, die horizontal in die Felswand der Klippen gehauen wurden. Die Wände von 12 dieser Gräber sind mit wunderschön gemalten Szenen verziert, die Aktivitäten des täglichen Lebens darstellen, von Landwirtschaft und Handwerk bis hin zu Jagd und Spielen, aber auch von Krieg und der Ankunft von Ausländern auf ägyptischem Boden berichten.

Es kann eine klare Entwicklung von einfacheren Felsengräbern ohne Säulen hin zu immer aufwendiger gestalteten Gräbern festgestellt werden. Ein klares Indiz, das Pharao Mentuhotep II. ( 2061 - 2010 v. Chr. ) bei der erneuten Reichseinigung und Begründung des Mittleres Reiches weitreichende Zugeständnisse an die lokalen Fürsten machen musste, damit diese seine Oberherrschaft anerkennen bzw. als Verbündete mit ihm in die Kämpfe zur Eroberung Unterägyptens ziehen. Diese vom Pharao zugestandene Machtfülle und wachsenden Reichtum bringen die heutzutage pauschal als „Gaufürsten“ bezeichneten lokalen Eliten durch immer aufwendigere Grabbauten zum Ausdruck. Ein Ende findet diese Entwicklung ab Mitte der 12. Dynastie, als unter Pharao Sesostris III. ( 1837 – 1819 v. Chr.) die Herrschaft des Pharaos wieder so stark war, das dieser die Verwaltung und damit den Zugriff auf die lokalen Ressourcen zentralisieren und so auch die Gaufürsten durch verliehene Ämter in der Zentralverwaltung wieder stärker an seinen Regierungssitz binden und besser kontrollieren konnte.

Bei den Gräbern von Beni Hassan lassen sich tendenziell zwei verschiedene Familien der lokalen Elite unterscheiden. Der Familie Baket, die auf dem Westufer des Nils residierte und den Titel „Großes Oberhaupt des Gazellengau“ trug und der Familie Chnumhotep am Ostufer des Nils mit der Titel „Bürgermeister und Vorsteher der Ostwüste“.


Als erstes besuchen wir das Grab von Khety (Grab BH17), Mitglied der Baket-Familie und somit „Großes Oberhaupt des Gazellengau“ (ca. 2055–1956 v. Chr.). Ein vertiefter Vorhof führt zum Eingang des Felsengrabes. Es besteht aus einem Raum, der ursprünglich zwei Reihen mit drei Säulen mit Lotoskapitellen hatte. 

Heute ist nur noch eine Säule in jeder Reihe erhalten. Beim Betreten des Grabes fällt einem sofort die Ringkampfszene an der Ostwand auf. Dort sind 122 Ringerpaare in fünf Registern (Abschnitten) abgebildet, keine zwei in derselben Position.


„Die Schlacht um Herokleopolis Magna“

Unter den Ringern befinden sich teils schlechter erhaltene Register, die den Angriff der thebanischen Armee unter Mentuhotep II. auf Herokleopolis Magna zeigen. Gaufürst Khety hatte sich dem thebanischen Pharao angeschlossen im Kampf gegen dessen größten Konkurrenten, die Könige von Herokleopolis Magna, die bis dahin weite Teile Unterägypten beherrschten. Seine Position als Gaufürst wurde dafür von Pharao Mentuhotep II. nach dessen Wiedervereinigung Ägyptens bestätigt und gestärkt. Die Darstellungen zeigen den Angriff der erfahrenen thebanischen Berufsarmee, die mit Söldnern verstärkt war. Darunter Bogenschützen aus Nubien und Kämpfern aus Kreta (man erkennt diese an den roten Haaren und typischen Röcken).

Daneben sieht man (leider sehr stark abgegriffen und daher auf den Fotos kaum erkennbar) auch den Einsatz neuer Kriegstechnik. Mehrere Krieger unter einer Hülle aus Leder (rechts im Bild im unteren Register) attackieren mit einer langen Stange die Festungsmauer (links im unteren Register das Viereck stellt die Festungsmauer dar.), auf der die Verteidiger (im Register darüber) mit Pfeilen und Steinen die Angreifer aus allen Richtungen abwehren. Handelt es sich bei dem Kriegsgerät um die frühe Form eines Rammbocks ?

Hier die Szene rechts der (sehr abgegriffenen) Festungsmauer:

Rechts schließt sich eine Liste mit 112 Opfergaben an. Darunter eine Statue des Grabherren im Totentempel und die Opferung eines Rindes.


An der Westwand links des Eingangs sehen wir oben Hirten mit Ziegen unter Bäumen. Hier ist kurz kein trennender Registerstreifen, wodurch die Ansammlung der Einzelmotive übereinander den Eindruck einer weiten Landschaft machen. Daneben Hirten mit Eseln und Kühen, wie gewohnt in getrennten Registern. 

Darunter zwei Register mit der Darstellung der Abydos-Fahrt, die hier in Beni Hassan zum ersten Mal in Privatgräbern auftaucht und später in vielen Privatgräbern zum unverzichtbaren Thema gehört. Ein Register zeigt die Boote unter Segeln flußaufwärts fahren nach Abydos. 

Im zweiten Register rudern die Boote flußabwärts zurück. Diese rituelle, imaginäre Fahrt gehört zum altägyptischen Bestattungsritual, bei dem die Bestattungsprozession meist mittels Booten über den Nil zu den Nekropolen am Westufer übersetzte. Der Sarg und/oder eine Statue des Verstorbenen reisen also symbolisch nach Abydos zum Kultort von Osiris, dem oberägyptischen Gott der Unterwelt. Diese „Abydos-Fahrt“ stellt im übertragenen Sinne die Reise des Verstorbenen in die Unterwelt zu Osiris dar. Es handelt sich um die ab der 1. Zwischenzeit festzustellende Weiterentwicklung der uns aus dem Alten Reich in Sakkara bekannten Grabdarstellungen der Reise in den Papyrussumpf = „Fahrt in den schönen Westen“. 

Darunter die Scheintür mit kaum noch erkennbaren Szenen rechts und links. 

Rechts des Eingangs oben eine große Darstellung des Grabherrn beim Speeren von Fischen. 

Daneben Darstellungen von Nilpferden und vom Fisch- und Vogelfang im Papyrusdickicht.


Die Nordwand zeigt, wie es für die Gräber im oberen Friedhof von Beni Hassan üblich ist, Szenen der Wüstenjagd auf wilde Tiere mit Fangnetz, die das Jagdgebiet umzäumen. 

Dabei sind auch einige Fabeltiere abgebildet, darunter ein Seth-Hund und eine Raubkatze mit Schlangenhals. 

In den Registern darunter Darstellungen von Friseuren, Frauen beim Spinnen und Weben, Bearbeitung von Leinentüchern und Netze knüpfen. 


Außerdem Szenen von tanzenden Männern und jungen Frauen, die jonglieren und Akrobatik vorführen.


Davon abgetrennt durch zwei Pilaster oben ein Register der Wüstenjagd. 

Darunter Darstellung des Grabherrn mit Amtsstab und Zepter, gefolgt von seiner Frau. Vor ihm Hunde. 

Über der Frau zwei Paare von Harfenspielerinnen und Sängerinnen. 

Hinter der Frau sind nach einem senkrechten Hieroglyphenband zwei Vogelfallen und zwei kleine Papyrus- und Lotossümpfe abgebildet.

Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2026
Themenstarter198 Beiträge · seit 201525. Okt. 2026 ·
Nach dem Pilaster folgen zwei Reihen von Opfergabenträgern. Darunter ein Register mit Dienern bei der Metallbearbeitung. Und darunter noch ein Register mit Gazellen- und Antilopenherden.

Beide Pilaster der Nordwand zeigen schwer verständliche Hieroglyphenzeichen. 

Darunter ein Zeichen, das als „Hochzeitsbild“ ein Paar beim Liebesakt darstellt. Einzigartig in ganz Ägypten.

Hier im Bild ist das Hochzeitsbild die zweite Darstellung von unten. Man erkennt schemenhaft ein Bett mit Beinen und darauf liegen zwei Personen aufeinander.

Aufgrund der regelmäßig schwierigen Beleuchtungssituationen in den Tempeln und Gräbern musste ich die Einstellungen der Kamera meist bis an die "Schmerzgrenze" strapazieren, damit man auf den Bildern die Malereien erkennen kann. 🫣


Die linke Hälfte der Südwand ist durch zwei Pilaster von der restlichen Wand abgetrennt und nochmals in zwei Hälften unterteilt. Im ersten Bereich sehen wir oben Weinernte, Kelterung und Abfüllung in Tonkrüge. Ein Schreiber beschriftet Vasen. Register unterhalb dann der Vogelfang mit einigen Vögeln, die um einen Baum fliegen. 


Darunter der Grabherr mit Amtsstab und Sechem-Zepter, gefolgt von seiner Gemahlin. 

Vor seinem Kopf ein Fabeltier, ihm zu Füßen ein Hund. Über seiner Gemahlin eine Sängerin, eine Harfenspielerin und eine stillende Amme. Der rechte kurze Teil der oberen Register zeigt drei verschiedene Spieler.

 

Am trennenden Pilaster weitere Personen bei Spielen und Akrobatik.


Im zweiten Bereich der Wand ist wieder der Grabherrn dargestellt mit Amtsstab und Zepter, diesmal gefolgt von Dienern mit Sonnenbaldachin und einem Sandalenträger. Der Grabherr ist also barfuß im heiligen Bezirk. Darunter zwei Zwerge. Auf dem Pilaster daneben mehrere Paare Waffen tragender Soldaten.


Die rechte Hälfte der Südwand zeigt oben vor der ganz links befindlichen Statue des Verstorbenen im Tempel eine lange Reihe rhythmisch klatschende Tänzer und Tänzerinnen. Im Register darunter zwei große Rinderherden mit Hirten. 


Darunter rechts die Darstellung einer Kornspeicheranlage, die gerade gefüllt wird. Hier der Kornspeicher im Detail:

Darauf zu führt ein Zug von beladenen Eseln, daneben erntende Männer. Im Speicher drei mit Truhen und Säcken beladene Tische. Darunter in kurzen Registern Szenen der Feldarbeit mit Feldvermessung und Pflügen. 


Links an der Wand unter der Rinderherde sitzt der Grabherr am Gabentisch.

Vor seinem Kopf ein Priester beim Weihrauchopfer. 

Es werden ihm Opfergaben wie geschlachtete Rinderteile, Enten und gefüllte Krüge und Schalen dargebracht. Darüber die Schlachtung einer Orxy-Antilope. Daneben Diener mit Schlachtermesser. Einem Rind werden schon die Beine gefesselt und weitere Antilopen zur Schlachtung herangeführt.


Getreideernte und darunter weitere Gabenträger:


Vor der Südwand ist der Schacht, der senkrecht hinunter in die Begräbniskammer führt. 

Im Schacht und der Kammer wurden Feuersteinmeißel gefunden, die möglicherweise beim Bau des Grabes oder des Schachtes verwendet wurden. Man muss sich das immer wieder klarmachen, mit welch einfachen Mitteln diese Bauwerke geschaffen wurden.


Natürlich dienen auch hier wie schon in den Mastabas in Sakkara alle diese Szenen dazu, dem Grabherrn und seiner Frau im jenseitigen Leben ein sorgenfreies Leben und ewig währende Versorgung mit Nahrungsmitteln zu sichern.

Hier nochmal ein Eindruck, wie die Wände gestaltet sind:

Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter198 Beiträge · seit 201525. Okt. 2026 ·

Wir laufen nun weiter zum Grab (BH15) des Vaters von Khety: Baqet III. , Sohn von Remushen.

Vor dem Eingang befindet sich ebenfalls ein vertiefter Vorhof. 

Im Felsengrab wurde in der südöstlichen Ecke ein kleiner Schrein hinzugefügt, in dessen Westwand eine Scheintür eingemeißelt ist und davor steht ein Opfertisch. Leider ist der  Bereich sehr schlecht erhalten und aufgrund der fehlenden Beleuchtung in der Ecke waren keine Bilder möglich.

Die Wände des Grabes haben wie die anderer Gräber in Beni Hassan oben einen dekorativen Fries, den die alten Ägypter Kheker nannten. Wie es für Gräber im oberen Friedhof von Beni Hassan üblich ist, zeigt auch hier die Nordwand (links vom Eingang) Szenen der Jagd des Grabherren in der Wüste. 

Hier finden sich auch wieder Darstellungen von den vier Fabeltieren: Ein Seth-Hund, ein schlangenköpfiges Tier, ein Greif mit Vogelkopf und ein Einhorn. 

Ganz links außen an der Wand steht der Grabherr mit Amtsstab und Zepter zu sehen, 

gefolgt von seiner Tochter mit Stab und Lotosblume.


In den Registern unterhalb der Wüstenjagd werden wie im Grab von Khety Szenen des alltäglichen Lebens dargestellt: Hier sind Fiseure, Sandalenmacher, Goldschmiede, Spinner und Weber zu sehen, dazu Wäscher und das Knüpfen von Netzen. 


Außerdem eine Szene, welche die Steuereintreibung zeigt. Die säumigen Steuerzahler wurden mit Gewalt vor einen Schreiber gebracht werden. 


Und wieder Tänzerinnen, Akrobaten sowie Mädchen beim Ballspiel und Jonglieren. 

Sowie eine sehr interessante Darstellung eines Bildhauers bei der Arbeit an einem Statuenpaar (Grabherr und seine Frau) und der Bemalung derselben aus zwei verschiedenen Perspektiven.

Daneben Maler beim Bemalen eines hölzernen Schreins. 

Und hier eine komplette Werkstattszenen beim Bemalen der Wände sowie beim Bemalen und Meiseln der Statuen durch die Steinmetze:


Hier noch einige Bilder dieser eindrucksvollen Szenen:

Geduldig macht uns unser Lehrer Abdel (denn das ist er längst geworden, da er gemerkt hat, dass wir wissbegierig alle seine Erläuterungen aufsaugen) auf die vielen einzelnen Szenen aufmerksam. Was angesichts der Fülle der unzähligen Darstellungen in den vielen Registern der vier Grabwände absolut hilfreich ist. 🤩

Die Ostwand des Grabes zeigt unten in drei schlecht erhaltenen Registern eine Schlacht und eine belagerte Festung sowie darüber in sechs Registern insgesamt 220 Ringerpaare. 

Schlachtszenen:

Jedes Ringerpaar zeigt dabei auch hier eine andere Übung. Keine zwei sind gleich.

Bei jedem Paar ist ein Ringer rot und der andere dunkelbraun bemalt, sodass die Interaktion zwischen den beiden Männern deutlich zu erkennen ist. 

Da es zu den Aufgaben der Gaufürsten gehörte, die Grenzen des Gaues vor Eindringlingen aus der Wüste zu beschützen, diente das Ringen dazu, den Soldaten Kampftechniken beizubringen. Ringen wird in der ägyptischen Armee noch heute als Trainingsübung eingesetzt.


An der Südwand sind in sechs kurzen Registern vor und über der Kultnische mit Scheintür Szenen der Weinherstellung und des Vogelfangs zu sehen. Dazu noch eine Gruppe Meerkatzen samt Muttertier mit Jungtier auf Rücken und daneben zwei Paviane. Über den Meerkatzen eine Katze, die einer Maus gegenüber sitzt. 

Nach der Kultnische schließt sich eine große Darstellung des Grabherrn (ursprünglich) mit Amtsstab und Zepter an. Vor dem Grabherrn sitzt kaum noch zu erkennen ein Falke. 

Es folgen wieder sieben Register übereinander, die Bezug nehmen auf den groß dargestellten Grabherrn links. Das oberste Register ziehen Männer einen Schrein mit der Statue des Grabherrn bei einer Prozession mit Tänzern und Tänzerinnen. 

Darunter wieder Alltagsszenen. Verschiedene Handwerker wie Töpfer an Drehscheiben bei der Herstellung von Kultgegenständen, Schmuck, Kleidung für den Grabherrn. 


Dazu auch Bestrafungsszenen.


Die Register der Wand werden diesmal mittig unterbrochen von einer weiteren großen Darstellung des Grabherrn. 


Anschließend Hirten mit Rindern und Eseln sowie weitere schlechter erhaltene Register, unter anderem mit Szenen des Vogelfangs.


Die Darstellungen an der Westwand beidseits des Eingangs mit dem Grabherrn am Opfertisch auf der einen sowie Jagdszenen im Papyrussumpf und Abydosfahrt auf der anderen Seite sind leider sehr schlecht erhalten, so das keine aussagekräftigen Fotos möglich waren. Wie in allen Gräbern in Beni Hassan sind vor allem die unteren Register stärker beschädigt. Die Gräber wurden von koptischen Christen als Wohnräume und teils auch als Schulen genutzt. Neben diesen „Abnutzungsspuren“ sind aber auch gezielte Zerstörungen von Einzeldarstellungen, die als anstößig oder heidnisch angesehen wurden, durch diese frühen Christen deutlich erkennbar. Daneben finden sich immer wieder koptische Inschriften, aber auch „Graffiti“ von Besuchern aus späteren Jahrhunderten. Unsachgemäße Restaurationsversuche im 20. Jahrhundert haben ebenfalls Schäden in etlichen Gräbern verursacht. Dennoch sind aber doch immer noch viele Darstellungen gut erkennbar und somit für uns Besucher sehr eindrucksvoll und informativ.

Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter198 Beiträge · seit 201525. Okt. 2026 ·

Normalerweise wäre jetzt unsere Besichtigung beendet, aber wir haben ja die Besichtigung von zwei weiteren öffentlich zugänglichen Gräbern vor Ort dazu gekauft.

Also laufen wir auf dem Felsabsatz mit einem wunderbaren Blick auf das Niltal weiter. Wenn man von hier oben auf den Nil blickt, sieht man deutlich wie das schmale grüne Flusstal sich durch beidseits liegende Wüstenlandschaft schlängelt. Eine viele hundert Kilometer lange Oase das Lebens inmitten von Staub und Trockenheit.


Exkurs: Land am Nil

Ohne den Nil und die so vorhandenen geographischen und klimatischen Bedingungen hätte sich das ägyptische Reich sicherlich so nicht bilden und entwickeln können. Mehr als 6.500 Kilometer fließt der Nil durch das östliche Afrika. Der weiße Nil entspringt in den Mondbergen (Ruwenzori) Ugandas und den großen Seen im ostafrikanischen Grabenbruch. Der blaue Nil kommt aus dem äthiopischen Hochland und vereinigt sich bei Karthum im Sudan mit dem weißen Nil. Auf seinem weiteren Weg Richtung Norden trifft der Nil auf sechs steinerne Schwellen, die sogenannten Katarakte. Sie bilden eine natürliche Grenze durch ihre eingeschränkte und teilweise unmögliche Schiffbarkeit. Ab dem nördlichsten, ersten Katarakt bei Assuan hat der Nil nur nur ein sehr geringes Gefälle, sodass der Fluss gemächlich dahin floss und die Bedingungen für Ackerbau in Ägypten sehr günstig waren. Die regelmäßigen Überschwemmungen, ausgelöst durch die gewaltigen Regenfälle in Äthiopien, sorgten immer wieder für fruchtbaren Boden. Entlang dieses schmalen Streifens konzentrierte sich das Leben, während die restlichen 96 % des Reiches abgesehen von einigen Oasen und Wadis wenig fruchtbar waren. Wobei weite Gebiete östlich und westlich des Nils, die heute Wüsten sind, in der Antike noch Savannencharakter hatten und eine entsprechende Flora und Fauna mit einer großen Artenvielfalt wie z.B. Nashörner, Elefanten, Giraffen, Löwen etc. aufwiesen. Diese wurden jedoch im Laufe der Zeit durch die zunehmende Trockenheit und menschliche Eingriffe mehr und mehr dezimiert.



Wir erreichen nun das Grab von Chnumhotep II. (BH 3). Sein Titel war „Aufseher der östlichen Wüste“. Also ein Mitglied der zweiten lokalen Herrschaftsfamilie. Er diente während der Regierungszeit der Pharaonen Amenemhet II. und Sesostris II. in der 12. Dynastie.

Dem Eingang des Felsengrabes geht ein Portikus mit zwei Säulen in einem Vorhof voraus. 

In der Antike erfolgte der Zugang über einen langen, vom Niltal nach oben führenden Weg zum Vorhof des Grabes. Es wird vermutet, das zumindest einige der Felsengräber von Beni Hassan ebenfalls einen Taltempel hatten, der durch einen Aufweg mit dem Felsengrab verbunden war. Der Portikus verfügt über zwei Säulen. Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit griechisch-dorischen Säulen wird dieser Säulenstil „Protodorisch“ genannt.

Beim Betreten des Grabes wird unser Blick sofort gefesselt von den atemberaubenden Malereien an der Ostwand. 

Mittig geteilt durch eine Statuennische, wird auf beiden Seiten der Grabherr bei der Jagd im Papyrusdickicht dargestellt.

Links sehen wir ihn bei der Jagd mit dem Wurfholz. Begleitet wird er hier von seinen beiden Frauen Cheti (Hauptfrau) und Tjat (Nebenfrau), deren Sohn Chnumhotep und einem Sandalenträger. 

Rechts wird er dargestellt bei der Fischjagd mit dem Speer, diesmal begleitet vom ältesten Sohn der Hauptfrau namens Nacht und einem Diener hinten im Boot. In den unteren Registern wird links der Fischfang mit Netz dargestellt, rechts ein Wettkampf mit Booten.

Dazwischen befindet sich die Kultnische. Darin blickt eine Statue des Grabherrn nach Westen. Zu beiden Seiten des Eingangs sitzt der Grabherr. 

An den Nischenwänden sind Gabenträger und Diener in langen Reihen zu sehen.


Über der Grabnische wird die Vogeljagd mittels Schlagnetz dargestellt. Eine Technik, die heute noch angewandt wird, um Vögel verletzungsfrei zu fangen. Begleitet wird der Grabherr hier wieder von seinem ältesten Sohn Nacht und von Baket, dem Bauleiter des Grabes. 

Detailreiche Darstellung der Tierwelt des Papyrusdickichts mit vielen Vogelarten 

und Zibetkatzen, Wiesel und Fuchs im Dickicht :


Eine Besonderheit ist der Sockel aller vier Wände, der in den übrigen Gräbern in Beni Hassan nicht gestaltet ist. Hier berichtet der Grabherr in 222 (!) vertikalen Hieroglypheninschriften von seinem Leben. Hier zu erkennen im unteren Teil des Bildes:

Diese biografischen Inschriften enthalten daneben auch wichtige Informationen zur Geschichte des Gazellengaues und zur Familie des Grabherrn. So berichtet er uns von seinem Vater Chnumhotep I., der die Gaugrenzen sicherte, Städte und Tempel renovieren ließ und dafür von Pharao Amenemhet I. zum „Großen Oberhaupt des Gazellengaues“ ernannt wurde. Ein Karrieresprung für die Familie. Damit nicht genug. 

Der Grabherr Chnumhotep II. sei ein besonderer Vertrauter der Pharaonen Amenemhet II. und Sesostris II. gewesen. Seine Titel lassen aber erkennen, das in dieser Zeit bereits die Rezentralisierung der Verwaltung und der Macht begonnen hat. Er wird vom Pharao „nur“ noch zum „Vorsteher der Ostwüste“ und „Bürgermeister von Menat Chufu“ ernannt. Die große Zeit der Gaufürsten geht zu Ende. Und so sind sein Grab und später dann noch das seines Sohnes Chnumhotep III. auch die letzten prachtvollen Felsengräber in Beni Hassan.

Da seine Hauptfrau aus der Familie des wohl kinderlosen Fürsten des benachbarten 17. Gaues abstammte, wurde nach dessen Tod der gemeinsame ältester Sohn (Nacht) seiner Hauptfrau Cheti von Pharao Sesostris II. zum Verwalter des 17. oberägyptischen Gaues ernannt. Und somit wurde (sehr ungewöhnlich !) der Sohn seiner Nebenfrau Tjat (Chnumhotep III.) zu seinem Nachfolger als Verwalter des 16. Gaues.

Und so klärt sich auch, warum dieses Felsengrab über zwei Grabschächte verfügt. Während der Ehe mit seiner aus der Elite stammenden Hauptfrau wohl eine politische Ehe war, scheint die Heirat mit der Nebenfrau Tjat, die aus dem einfachen Volk stammte eine Liebesheirat gewesen zu sein. Jedenfalls wurde diese Nebenfrau im zweiten Grabschacht bestattet, um im Jenseits ebenfalls an der Seite des Grabherrn sein zu können. Da dies wohl nicht ganz unproblematisch war, musste auf der Südwand über dem Grabschacht des Grabherrn und der Hauptfrau eine „Klarstellung“ erfolgen. Hier sehen wir rechts eine große Darstellung seiner Hauptfrau Cheti an einem übervollen Gabentisch. Gefolgt von ihren drei Töchtern – und der Nebenfrau Tjat mit deren Kindern und einer Amme. Damit war die Hierarchie der Frauen für ewig klar geregelt.😉

In den Registern darunter wieder Gabenträger und Handwerker.

Mittig oben an der Wand sehen wir Opferpriester, die weitere Opfergaben herrichten. Die restlichen Register zeigen Diener, die Opfergaben herantragen.

Auf der linken Seite der Wand sitzt der Grabherr ebenfalls vor einem übervollen Gabentisch. (Ihr denkt wieder an die "pragmatische ägyptische Perspektive"? 🙂

Darüber eine Liste der Opfergaben. 

Unterhalb werden Opfertiere herangeführt und geschlachtet.


An der Nordwand ist links über mehrere Register der Grabherr bei der Wüstenjagd zu sehen. 

Hinter ihm Diener, die Antilopen niederwerfen. 

Weitere Diener mit Windhunden begleiten die Jagd. Darunter eine erfolgreiche Vogeljagd mit dem Schlagnetz. 

Dazu auch wieder Viehherden, die dem Grabherrn zu seiner Versorgung herangetrieben werden.



Vor ihm seine vier Söhne ebenfalls bei der Wüstenjagd.


Die berühmteste Szene, die quasi schon die Ereignisse der 3. Zwischenzeit ankündigt, ist mittig an dieser Wand in einem Register dargestellt. Es zeigt die Ankunft einer Karawane bestehend aus 37 Männern, Frauen und Kindern, die in schöne, farbenfrohe Kleidung gekleidet waren und Handelswaren wie Augenschminke brachten. Der Leiter der Karawane hat seine eigene Bildunterschrift, die uns seinen Namen, Absha, verrät und ihn als „heqa khaset“ – Bewohner eines fremden Landes – beschreibt. Dies ist das älteste bekannte Beispiel des Wortes, das heute in seiner griechischen Form, Hyksos, weitaus besser bekannt ist.






Die Westwand zeigt beidseits des Eingangs jeweils einen Teil der Abydosfahrt. 

Die andere Seite der Tür ist lichttechnisch noch viel schlechter (als es eh schon in allen Gräbern ist) zu fotografieren. Hier nur der Vollständigkeit halber ein Eindruck:


Darüber und darunter einmal Schreiner und Bootsbauer auf der einen, Bauern und Erntearbeiten auf der anderen Seite.






Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2026
Themenstarter198 Beiträge · seit 201525. Okt. 2026 ·

Mit dem letzten von uns besuchten Grab des Amenemhat (BH 3) kehren wir in die Zeit zwischen Chnumhotep I. (ca. 1984 v. Chr.) und Chnumhotep II. (1913-1894 v. Chr.) zurück. Amenemhat war der letzte, der den Titel „Großes Oberhaupt des Gazellengaues“ trug. Er hatte diese Position etwa 25 Jahre lang von 1956-1931 v. Chr. während der Herrschaft des Königs Sesostris I., 12. Dynastie inne. Wie bei Chnumhotep II. hat der Eingang zum Grab die Form eines Portikus mit zwei Säulen.

Auch hier konnte ein Weg vom Tal hinauf bis zum Felsengrab festgestellt werden. Auf beiden Seiten des Eingangs zum Grab ist seine Autobiografie eingraviert. 

Sie erzählt, wie er gerecht regierte und selbst in Zeiten der Hungersnot alle ernähren konnte. Als Anführer der Armee des Gazellengaues begleitete er Sesostris I. auf dessen Feldzug in Nubien. Er führte selbst noch zwei weitere Expeditionen dorthin an, um Golderz für den Pharao zu beschaffen. Er schildert weiter, das schon während seiner Herrschaft viele Ausländer (später Hyksos genannt) in seine Provinz kamen und wie sie friedlich mit diesen zusammen lebten und Handel mit den Stämmen der Ausländer trieben.

Das Grab von Amenemhat weist einige der schönsten Verzierungen aller Gräber in Beni Hassan auf. Dazu gehören Szenen, die Aktivitäten des täglichen Lebens wie

Landwirtschaft, Fischerei und Vogeljagd sowie die Ausübung verschiedener Handwerke und Berufe wie Tischlerei, Sandalenherstellung, Töpferei und die Herstellung von Pfeil und Bogen zeigen.

Besonders auffällig ist die Decke des Felsengrabes, die eines Hausdach nachempfunden ist. In jedem Abschnitt verläuft in der Mitte ein langes, größtenteils gelbes Rechteck mit einer hieroglyphischen Inschrift, die einen Holzbalken darstellt. Um diesen Balken imitieren rote und gelbe Quadrate Matten. Hier wird besonders deutlich, das wie im Alten Reich auch die Felsengräber von Beni Hassan als ewiges Wohnhaus des Grabherren gedacht sind.

Beim Betreten des Grabes leiten zwei Reihen mächtiger Säulen den Blick des Besuchers auf die Ostwand zur Nische mit den Statuen von Amenemhat, seiner Frau Hetepet und seiner Mutter Henu. Heute sind leider nur noch Überreste der Statuen erhalten. 

Rechts und links der Nische sind in drei Registern 59 Ringerpaare dargestellt. 

In den zwei Registern darunter der Kampf um eine Festung. Hier ist der Einsatz der mit Tierfellen gepanzerten Hülle mit mehreren Soldaten darunter besser zu erkennen. 

Die so geschützten Kämpfer bearbeiten mit einer langen Stange die Festungsmauer oder greifen sogar direkt die Verteidiger auf den Zinnen an.

In den Reihen der ägyptischen Armee sind auch drei „fremde“ Soldaten zu erkennen. 

Die später „Hyksos“ genannten Fremden, die ins Reich ziehen, sind also schon zu dieser Zeit in die Gesellschaft und auch Armee Ägyptens eingebunden. 

Hier weitere Bilder der Register mit Ringern und Soldaten:

Auch oberhalb der Kultnische mit den Statuen sind Ringer abgebildet.


Die untersten Register zeigen auf beiden Seiten die Boote bei der Abydos-Fahrt. Rechts wird mit umgelegten Masten flussabwärts gerudert, 


links mit aufgestellten Masten und Takelage flussaufwärts gesegelt. 

Hier ist an Bord eines Schiffes auf die Darstellung des Naos (= Sarkophagen-Schrein) des Verstorbenen auf dem Boot zu sehen. 

Es ist die erste Darstellung dieses später vor allem im Neuen Reich so wichtigen Motivs.


Die Westwand, geteilt durch den Eingang, zeigt uns auf der einen Seite in sieben Registern Handwerksarbeiten 

wie die Herstellung von Pfeilen, Steinvasen, Schwertern, Sandalen und Keramiken auf Drehscheiben und das Befüllen eines Brennofens. Daneben auch Schreiner beim Möbelbau und Metallarbeiter, welche die Glut eines Schmelzofens mit Blasrohren anfachen. 

Auch der Flachsanbau und die Verarbeitung zu Leinen und Seilen sowie weitere Tätigkeiten werden gezeigt. Dazu noch Bauarbeiten, die Getreideernte und Feldbestellung.


Auf der anderen Seite des Eingangs sind Ernteszene und darunter dann die Scheintür zu sehen, in welcher der Grabherr und seine Frau am Gabentisch sitzen. Rechts zwei Register Brot- und Kuchenbäcker, darunter Hirten in einem Boot, die eine Rinderherde durch den Fluss treiben.

 Links der Scheintür sehen wir Dienerinnen der Frau des Grabherrn und zwei Register Musikerinnen.


In den oberen Registern sehen wir Szenen der Weinernte und Kelterung mittels eines Tuches. (In der "pragmatischen ägyptischen Perspektive".)

Dazu den Fisch- und Vogelfang sowie die Zubereitung von Speisen in der Küche und die Befüllung der Vorratskammern.


An der Südwand sehen wir links den Grabherren am Gabentisch sitzen. 

Über dem Grabherren eine ausführliche Liste der Opfergaben.

Angeführt werden die Opfergabenträger von seinem größer dargestellten Sohn.

Oben mittig sehen wir in zwei kurzen Registern wieder die Opferpriester. 

Rechts auf der Wand in geringerem Umfang die gleiche Szenen mit seiner Gemahlin Hetepet am Gabentisch sitzend. 

Leider ist diese Seite der Wand in sehr schlechtem Zustand.


Die Nordwand zeigt uns im obersten Registern wieder Szenen der Wüstenjagd. 

Im Register darunter eine Prozession mit der Statue des Grabherren im Schrein. Davor Tänzer, Tänzerinnen, Musikerinnen und Akrobaten. Darunter nimmt die rechte Seite der Wand eine große Darstellung des Grabherr mit Amtsstab ein. Vor ihm auf Kopfhöhe der königliche Schreiber Baket mit Papyrusrolle, darunter zwei Windhunde. Hinter dem Grabherren zwei Tische mit Truhen und Vorratsgefäßen und vier Begleiter mit Bogen und Schilden.

Im linken Teil der Wand sehen wir Rinderhirten und Diener, die Vögel und Speisen herbeibringen. In den untersten, schlecht erhaltenen Registern werden Vorräte eingelagert, überwacht von Schreibern, die zwischen Lotossäulen sitzen. Hier sind auch Bestrafungsszenen dargestellt.


Überwältigt von diesen Eindrücken steigen wir wieder hinab ins Niltal 


und setzen uns am Eingang zur archäologischen Stätte unter Bäumen auf bereitstehende Stühle und Bänke. Hier trinken wir zur Stärkung erst mal einen Kaffee bzw. Abdel einen Tee. Nachdem wir die üblichen „touristischen“ 100 ägyptischen Pfund pro Kaffee bezahlt haben, geht es mit unserem Bus weiter.

Einen Blick in eines der Gräber in Beni Hassan könnt ihr hier nehmen:

Beni Hassan tombs: Khnumhotep II tomb | Tombe di Beni Hassan ↗


Eine interessante Animation (die aktuell meines Wissens auch im neuen GEM in Kairo gezeigt wird) der Zeichnungen an den Wänden der Gräber ist hier zu sehen:

Explore the Tombs of Beni Hassan in 3D | Esplora le Tombe di Beni Hassan in 3D ↗




Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
2’411 Beiträge · seit 201125. Okt. 2026 ·

Moin CrocV,

eigentlich interessiert mich Ägypten nicht sonderlich, aber jetzt bin ich gespannt, wer die Toren Afrikas sind. Ich hoffe, du löst das auf.

GG*

Karsten 

*Grinsende Grüße

[size =3] Infos NordTZ 22 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/301813-infos-nordtansania-juni-juli-22.html?start=0 RB Kenia 2020 https://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/299653-kurzer-rb-kenia-sept-2020.html?start=0 Reisebericht Südtanzania 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282710-tanzanias-sueden-daumendruecken-hilft-nicht-immer.html Kurzbericht 7 Wochen Nam-Bots 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/16-unterkuenfte/254072-kurzbericht-7-wochen-nam-bots.html Bericht Zimbabwe 1995: ... 30 Tage Gefängnis http://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/241529--30-tage-gefaengnis.html Reisebericht 2008: 18 Nights in the Bush - ha-ha-ha http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/263931-18-nights-in-the-bush-ha-ha-ha.html Nordtansania Feb. 2015 - Kein RB http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285690-tansania-februar-2015-kein-reisebericht.html?limitstart=0&start=12] Walking Safari Zimbabwe 97 https://www.namibia-forum.ch/forum/148-diverses/287052-walking-safari.html?limitstart=0
Themenstarter198 Beiträge · seit 201526. Okt. 2026 ·


KarstenB schrieb:

Moin CrocV,

eigentlich interessiert mich Ägypten nicht sonderlich, aber jetzt bin ich gespannt, wer die Toren Afrikas sind. Ich hoffe, du löst das auf.

GG*

Karsten 

*Grinsende Grüße

Hi Karsten,

das ist ganz einfach erklärt: Unter dem Titel wurde von unserer deutschen Agentur 2024 die Reise angeboten.😉

 Und ich denke, ganz falsch ist dieser Titel aus altägyptischer Sicht nicht. Die Nilkatarakte ab Assuan Richtung Nubien waren immer wieder heiß umkämpft. Je weiter die alten Ägypter ihren Einflussbereich nach Nubien hinein ausdehnen konnten, desto näher waren sie den Handelsmärkten in Ostafrika. Und es wurden viele Waren, aber auch Tiere auf Ostafrika importiert, wie wir anhand der Malereien in einigen Gräbern (abseits des Tals der Könige) sehen konnten. 

Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter198 Beiträge · seit 201531. Okt. 2026 ·

Wir fahren ein Stück zurück und biegen dann auf die Wüstenstraße ab. 

Hier kommen wir schneller voran zu unserem nächsten Ziel – aber das Ganze geht nicht ohne Unterbrechungen ab. Abdel erklärt uns, das er jeden Abend bei der Behörde in Kairo anrufen und unsere Fahrtroute des nächsten Tages detailliert durchgeben und genehmigen lassen muss. Gestern abend war es etwas chaotisch und er ist alle zwei Stunden angerufen worden und von verschiedenen Beamten nach der Route des heutigen Tages gefragt worden. Die Kommunikation der einzelnen Stellen funktioniert also nicht wirklich gut. Auf der Strecke sind gefühlt alle 20 Minuten Polizeikontrollstellen. Dort angekommen müssen der Fahrer und Abdel meist wieder unsere ganze Tagesroute erklären. Die Kontrollstelle ruft dann den nächsten Kontrollpunkt auf unserem Weg an und gibt durch, das wir jetzt hier losfahren. Seitlich an den Polizeikontrollstellen sehen wir meist militärisch gepanzerte Fahrzeuge oder gar Radpanzer der Polizei bereitstehen.

Aus einem lebhaften Gesprächs während der Fahrt zwischen unserem Fahrer und Abdel meine ich aus den Gesten zu verstehen, das der Fahrer mit der Reihenfolgen der weiteren Besichtigungen und somit der Fahrtroute von heute nicht ganz einverstanden ist. Es ist anscheinend keine sinnvolle Reihenfolge, erst Tuna el-Gebel anzusteuern und dann weiter nach Tell el-Amarna zu fahren? Daher ändern wir im Lauf der Fahrt nun wohl die „genehmigte“ Route/Reihenfolge und biegen von der Wüstenstraße wieder ab Richtung Nil und Tell el-Amarna. 

Natürlich kommt es an der nächsten Kontrollstelle gleich zu einer weiteren „innerägyptischen Angelegenheit“, da wir hier unvermutet daher kommen. 🤭

Hektische Telefonate des Polizisten am Kontrollpunkt sowie parallel von Abdel und unserem Fahrer mit Behörden und Reiseagentur in Kairo sind die Folge. Kaum aufgelegt, erfolgen Rückrufe, Smartphones werden hin- und her gereicht, damit die Gesprächspartner mit den jeweils „anderen Partei“ reden können. Nach einigen Minuten lebhaftem Hin und Her dann die Einigung. Wir dürfen auf unserer neuen Route weiterfahren. Die ägyptische Bürokratie überzeugt mal wieder durch pragmatische Flexibilität.👍️


Nach 55 Kilometern und einer Stunde Fahrt erreichen wir somit Tell el-Amarna (altägyptisch: Achet-Aton), das Pharao Echnaton, 18. Dynastie ca. 1351 – 1334 v. Chr. , als neuen Regierungs- und Kultort für den Sonnengott Aton errichten ließ. An diesem unbebauten, religiös noch nie genutzten Ort in Mittelägypten steckte Echnaton mit 15 Grenzstelen die Ausmaße seiner neuen Residenzstadt Achet-Aton ab, die allein der monotheistischen Verehrung des Sonnengottes Aton geweiht war. Einher ging damit die Abschaffung aller anderen Götter und Kulte.

Kam diese religiöse Revolution aus den Nichts ? Nein, schon unter seinem Vater Amenophis III. wurde im Regierungspalast in Theben dem überregionalen Sonnengott Aton nach und nach mehr Bedeutung gegenüber dem thebanisch geprägten Sonnengott Amun eingeräumt. Hintergrund könnte der vermehrte Zuzug hoher Beamten aus dem unterägyptischen Theben an den Regierungssitz im oberägyptischen Theben sein. Da Amun ursprünglich ein lediglich im oberägyptischen Theben verehrter Regionalgott war, hatten die unterägyptischen hohen Beamten wohl keinen so intensiven (auch verwandtschaftlichen) Bezug zu den immer mächtiger werdenden Amun-Priestern in Theben. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass schon Amenophis III. den immer größeren politischen Einfluss der Priester des Amuns in Theben einzudämmen versuchte. Sein Sohn Echnaton setzte somit wohl letztlich die Politik seines Vaters fort. Aber eben sehr radikal und wohl eher undiplomatisch.

Nachdem wir am Eingang die Tickets gelöst haben, fahren wir mit zwei weiteren Wächtern in unserem Bus über die weite, völlig kahle und unwirtliche Ebene. Hier lag einst die neue Hauptstadt Echnatons. 

Blick auf die Ebene, wo einst die neue Hauptstadt Echnatons stand.

Erbaut werden konnte diese Stadt in sehr wenigen Jahren aufgrund einer baulichen Innovation. Anstelle von großen und schweren Steinblöcken wurden standardisierte Lehmziegel 27x27x54 cm verwendet. Sie wurden Talatat „Dreier“ genannt, da sie drei Handspannen breit waren. Aufgrund des geringen Gewichtes waren sie leicht zu transportieren und auf der Baustelle einfacher zu verarbeiten. In Rekordgeschwindigkeit entstand so in wenigen Jahre eine komplette Stadt mit Tempeln und Palästen. Nach seinem Tod wurde seine neue, Aton geweihte Hauptstadt aufgrund der leicht zu handhabenden Talatat aber ebenso schnell wieder abgebaut und praktisch vom Erdboden getilgt. Nichts sollte mehr erinnern an seine radikale religiöse Revolution. Die Lehmziegel von Achat-Aton waren ein begehrtes Baumaterial hauptsächlich für Bauten in der auf der anderen Nilseite gelegenen nahen Stadt Hermopolis. Ähnliches passierte in Theben mit dem dort errichteten Aton-Tempel. Hunderttausende der dort verbauten Talatat hat man als Füllmaterial in den Pylonen des Amun-Tempeln in Karnak wiederverwendet. Dennoch ist Achet-Aton für Archäologen ein Glücksfall. Das Gebiet wurde nie mehr besiedelt, so das hier die von Fundamente und der Aufbau einer kompletten alt-ägyptischen Stadt erforscht werden können, da die Reste nicht unter modernen Bauten verschwunden sind.

Für uns als Laien sind diese Reste der Fundamente natürlich eher nicht so interessant, so das wir uns auch hier den Gräbern dieser Zeit zuwenden. An den Flanken der Berge angekommen, beginnen wir wieder den Aufstieg auf die Höhen, wo zu Zeiten Echnatons Felsengräber in den Berg gegraben wurden.

Auch hier wieder mit in einem für unseres Lehrer Abdel angemessenen Tempo mit kurzen Verschnaufpausen. Die auch wir ehrlich gesagt gerne nutzen. Denn wie immer sieht man die Steilheit der Anstiege auf den Fotos nicht.

Diese Nordgräber zählen zu den eindrucksvollsten Monumenten in Amarna. Sie enthalten einzigartige Zeugnisse aus Echnatons Herrschaft, darunter Szenen aus dem Leben im Tempel und Palast sowie Hymnen an Aton, welche die schöpferischen Kräfte des Sonnengottes preisen.

Die Gräber wurden für einige der wichtigsten Beamten von Achet-Aton errichtet, die meisten dieser Männer wurden jedoch nach der Aufgabe der Stadt anderswo begraben.


Bestattungsglaube unter Echnaton

Im Aton-Kult sollten die Toten nicht mehr das ewige Leben in der Unterwelt erlangen, sondern in der Welt der Lebenden verbleiben, wo sie jeden Morgen von den ersten Sonnenstrahlen erweckt werden. Die Versorgung des Ba der Verstorbenen sollte über die Opfergaben auf den Sonnenaltären und Tempeln erfolgen. Götter wie Osiris werden in den Elitegräbern nicht gezeigt und es gab kein Totengericht. Stattdessen erscheinen prominent Bilder der königlichen Familie, da der Grabbesitzer hofft, dass der Pharao gegenüber dem Gott Aton als Mittler auftritt, um dem Grabherrn das Leben nach dem Tod zu ermöglichen.



Als erstes betreten wir das Felsengrab des Ahmes, Schreibers des Königs. 

Ein langer, äußerst präzise aus dem Felsen geschlagenen Gang führt uns zur Grabkammer. 

Auf die Felswände wurde Putz aufgetragen, in den die Reliefs eingearbeitet wurden. Wir bemerken sofort, das hier viele Stellen des Putzes abgeschlagen wurden. Vermutlich im Zuge der Ausmerzungen durch Amun-Anhänger in der Nach-Armanazeit. Ein Stück weiter im Gang sehen wir lange Reihen gebückt laufender Soldaten, danach Umrisszeichnungen an der Wand.

Hier wurden die Arbeiten nicht mehr fortgesetzt. In der hinteren Kammer sind links und rechts Scheintüren im Fels zu erkennen. 

Darunter jeweils Grabschächte.

Mittig in einer Nische die ebenfalls stark beschädigte Statue des Grabherrn.


Wir laufen auf dem Pfad entlang der Felsen ein gutes Stück weiter 

zum nächsten Grab von Meryre, Hohepriester des Aton in Achet-Aton, Fächerträger zur Rechten des Königs. Meryre war der ranghöchste Priester in Achet-Aton und sein Grab ist eines der Prächtigsten. Es verfügt über einen zusätzlichen Raum zwischen dem Eingang und der Außenhalle und hätte, wenn es fertiggestellt wäre, eine beeindruckende Außenfassade erhalten.

In frühchristlicher, koptischer Zeit wurden vor dem Grab steinerne Behausungen errichtet und auch im Inneren des Grabes finden sich vielen kleinen Löcher in den Grabwänden, die zur Befestigung von Pflöcken und anderen Beschlägen dienten, um das Grab in einen Wohnraum zu verwandeln.

Im Grab erhalten ist die Scheintür samt Resten detaillierter Reliefs mit den Darstellung des Gottes Aton als Sonnenscheibe mit Strahlen und Menschenhänden an den Enden. Auch Reste der Bemalung sind noch zu erahnen. 

Aber auch die Scheintür selbst ist nicht vollendet worden. Auch hier wurden die Arbeiten vorzeitig eingestellt.

Die Grabkammer mit ihren mächtigen Säulen macht deutlich, das hier ein prächtiges Felsengrab entstehen sollte. 

An den Wänden rundum sind von oben bis unten Reliefs angebracht, die aber teilweise auch beschädigt sind.

An einer der schmalen Stirnseiten sehen wir (mit zerstörtem Antlitz) Pharao Echnaton und seiner Frau Nofretete zusammen mit zwei ihrer Töchter bei der Anbetung von Aton. 

Vor ihnen drei Opferschalen voller Gaben. Die Anbetung findet im Freien statt. Über allen thront Aton, die Sonne und greift mit den Strahlenhänden Richtung Echnaton und den aufgehäuften Opfergaben.

Und darunter die bücklings gebeugten Priester, die bei der Opferzeremonie zu reinen Assistenten des einzig wahren Oberpriesters Echnatons degradiert dargestellt werden. Die gebeugte Haltung der Untergebenen des Pharaos ist typisch für den Kunststil der Armana-Zeit.

Lediglich die Leibgarde des Pharao steht aufrecht darunter. Klar, vornübergebeugt kann man schlecht die Umgebung im Blick behaltend den Pharao beschützen.

Hier sehen wir den Kern der religiösen Revolution: Alleiniger Gott ist Aton, die Sonne. Und nur dem Pharao selbst ist es möglich, Aton direkt anzubeten und ihm Opfer darzubringen. Unterwürfig verbeugend reichen ihm die Priester die Opfergaben für Aton. Eine völlige Entmachtung der bis dahin wohlhabenden und einflussreichen Priesterschaft.

Um seine radikale Reform durchzusetzen, schickte Echnaton im Land Soldaten aus, welche in den Tempeln die Bildnisse der alten Götter zerstörten und die Tempel schlossen, um ihre Anbetung zu unterbinden. Das er sich mit seiner radikalen Vorgehensweise weder im gläubigen Volk noch bei der Priesterschaft beliebt gemacht hat, davon kann man ausgehen. Denn als zwei Jahre nach seinem Tod Achet-Aton aufgegeben wurde und sein Sohn Tutanchamun auf einer Stele in Memphis ein Edikt erließ, das die „Amarna-Zeit“ offiziell beendete, kehrte man umgehend wieder zur Verehrung der alten Götter zurück.

In der Folge wurden nun genauso gründlich alle Bildnisse, Zeugnisse und Schriften der Herrschaftszeit Echnatons zerstört. Die Darstellung Atons als Sonnenscheibe entging aber regelmäßig der Zerstörung. Wohl aufgrund er Tatsache das der Sonnengott Re ebenfalls als Sonnenscheibe dargestellt wurde und im Aton-Kult die Gottheiten Re und Aton quasi zu einer Einheit verschmolzen.

Wie revolutionär diese Ära gewesen sein muss, sieht man auch daran, das selbst in der künstlerischen Darstellung in der Zeit Echnatons völlig andere Wege beschritten werden. Anstelle der idealisierten Darstellung des Pharaos als starke, muskulöse und schöne Person erfolgt nun eine fast schon expressionistische Darstellung mit verzerrt wiedergegebenen menschlichen Proportionen. Der Hinterkopf war langgezogen, der Hals überlang, Bauch und Hüften auffällig gerundet, Armen und Beine dagegen eher dünn.

An der langen Seitenwand sehen wir links oben den Palast des Pharaos, von dem aus der Pharao samt Nofretete mit Streitwagen aufbricht zu einem Tempelbesuch.

Hier sehen wir auch ein gänzlich ungewöhnliches Bild. In der Darstellungskunst des Alten Ägypten ist es sonst regelmäßig nur der Pharao, der in übergroßer Form auf dem Streitwagen fahrend zu sehen ist. Hier aber sehen wir auch Königin Nofrete in dieser prominenten Pose:

Hier sei wieder an die "pragmatische ägyptische Perspektive" erinnert. Jede Person und Sache soll bestmöglich dargestellt werden. Denn durch diese Abbildung existiert diese Person und Sache genauso im Jenseits. Aber natürlich ist diese Szene so zu interpretieren, das seine geliebte und hoch verehrte Königin Nofrete NEBEN Pharao Echnaton fuhr. Und nicht hinter ihm im aufgewirbelten Staub seines Streitwagens.

Gefolgt wird das Herrscherpaar von vier ihrer Töchter ebenfalls mit Streitwagen und etlichen Soldaten und Würdenträgern. 

Voraus eilen lange Kolonnen von Fußsoldaten.

Um die Ecke herum auf der schmalen Stirnseite sind bereits alle Priester und sonstigen Bediensteten vor den Tempel geeilt, um den Pharao untertänigst zu begrüßen. 

Im Register darunter die Kult-Stiere, geschmückt mit Blumenkränzen zwischen den Hörnern. 

Daneben ist der Tempel aus der Vogelperspektive zu sehen. Eben die "bestmögliche" Perspektive. Diesen ständigen Wechsel der Perspektive hat uns Lehrer Abdel zum Glück bereits ausgiebig "eingetrichtert", sodass wir schon hier fast automatisch die Darstellungen im Kopf "umrechnen". Ein absoluter Mehrwert zum Verständnis der altägyptischen Malereien und Reliefs. 

Ein völlig verändertes Bildprogramm gegenüber den Gräbern in Sakkara und Beni Hassan. Hier wird nicht die Versorgung des Grabherren im Jenseits sichergestellt, sondern die Versorgung Atons mit Opfergaben durch den Pharao beherrscht alles. Auch über Frau und Kinder sowie die Abstammung des Verstorbenen erfahren wir – nicht. Teils fehlt in den Gräbern sogar jegliche namentliche Erwähnung des Verstorbenen. Allein der Pharao, dessen Familie und Aton stehen im Mittelpunkt der Darstellungen.

Auf der anderen schmalen Wandseite tritt der Grabherr doch auch einmal auf. Hier wird seine Einsetzung als Hohepriester durch Pharao Echnaton dargestellt. Der Grabherr tritt links in der Szene gebeugt mit anderen Priestern vor den Pharao. Dieser sitzt zentral in seinem Palast mit Nofretete (völlig zerstört) auf Kissen unter dem darüber thronenden Aton mit den Strahlenhänden. Nach der Ernennung zum Hohepriester tragen die Priester den Grabherrn (links unten) jubelnd davon.

Auf der gegenüberliegenden langen Wand sehen wir im linken Teil die vollen Magazine des Tempels, wohl als Zeichen dass der Grabherr sein Amt als Hohepriester auch bei der Eintreibung der Abgaben erfolgreich versehen hat. 

Mittig wird der Pharao Echnaton samt Nofretete dargestellt bei einen weiteren Besuch im Tempel. Der Grabherr selbst links in gebeugter Haltung assistiert diesmal untertänigst dem Pharao bei der Opferzeremonie. 

Vier Töchter des Herrscherpaares stehen seitlich zwischen den Eingangspylonen und spielen je ein Sistrum zur Ehre Atons, dahinter vier Dienerinnen. 

Weiter rechts vor dem Tempel ist das wartende Gefolge des Pharaos zu sehen. Wagenlenker, Soldaten. Standartenträger. Ganz rechts sehen wir die Außenansicht des Tempels.

Im untersten Register ist eine Flotte von dreizehn geruderten Booten mit weiteren Opfergaben ankommen. 

Darunter ein Register mit Kaianlagen. In Pferchen bereits die von den Booten entladenen Rinder. Auch hier sind zur Überwachung Streitwagen mit Soldaten anwesend.

An der schmalen Wandseite weitere Abbildungen von Tempeln, aus denen ersichtlich wird, das sich auch die Tempelarchitektur radikal geändert hatte. 

Anstelle von überdachten Hallen mit einem Opferraum waren die Tempel nun nach oben weitgehend offen. Somit gab es mehrere, hintereinander liegende offene Höfe, übersät mit unzähligen Opferaltären. Denn die Strahlen der Sonne mit ihren symbolisch Leben spendeten Händen sollten überall, wo sie hingelangten, auch Opfer zu sich nehmen können.

Hier ein Blick in dieses außergewöhnliche Grab aus der Armana-Zeit:

Amarna: Meryra Tomb Priest of Aton | Tomba di Meryra Sacerdote di Aton ↗

Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 31. Okt. 2026