chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 202429. Juli 2026 · #61
Auf in den Etosha
Heute hieß es Abschied nehmen von der Grootberg Lodge und den vielen schönen Erinnerungen. Gleichzeitig stand aber auch ein entspannter Fahrtag auf dem Programm – inklusive Ausschlafen. Der Wecker klingelte deshalb erst um 7 Uhr, das Frühstück war für 8 Uhr geplant. Eigentlich wollten wir das Frühstück in aller Ruhe genießen, doch die Vorfreude auf das tierische Highlight unserer Reise war einfach zu groß. Also brachen wir doch etwas früher auf, denn unser Ziel war der berühmte Etosha-Nationalpark.
Doch wie heißt es so schön: Vor das Vergnügen haben die Götter die Kilometer gesetzt. Also fuhren wir durch das wunderschöne Namibia, das inzwischen tagsüber angenehme 25 bis 29 Grad erreichte. Zunächst ging es den Pass hinunter und anschließend über eine gut befahrbare Gravel Road. Schon nach kurzer Zeit huschte ein kleines Steinböckchen über die Straße und verschwand blitzschnell im dichten Busch. Willkommen zur ersten Wildtiersichtung des Tages – der Auftakt war gemacht.
Kaum hatten wir unseren Blick etwas geschärft, entdeckten wir wenig später eine Riesentrappe. Leider kamen wir ihr etwas zu nahe, sodass sie uns mit sichtbar schlechter Laune davonflog. Vermutlich stand unser Name danach auf ihrer persönlichen Liste unerwünschter Touristen.
Weiter ging die Fahrt, und eigentlich waren wir schon fast an unserem geplanten Tankstopp angekommen, als wir erneut kräftig bremsen mussten. Nur etwa zehn Meter neben der Straße stand hinter einem Zaun eine Gruppe Giraffen zwischen den Büschen. Zunächst machten wir die obligatorischen Fotos, bis wir bemerkten, dass sich mitten in der Gruppe eine winzige Giraffe befand. Damit war unser Ehrgeiz geweckt. Durch geduldiges Parallelfahren versuchten wir, ein schönes Bild von Mutter und Kind zu bekommen. Ein entgegenkommendes Auto schien zunächst ebenfalls anhalten zu wollen, fuhr dann aber einfach weiter. Offenbar gehören Giraffen für manche Menschen zum Alltag – für uns definitiv nicht. Nach rund 15 Minuten Geduld wurden wir schließlich mit einigen wunderschönen Aufnahmen belohnt.
Der Tankstopp in Kamanjab war dann mit dem Auffüllen unserer Wasservorräte und dem freundlichen Abwehren zahlreicher Händler verbunden. Nur dem Verkäufer der geschnitzten Schlüsselanhänger aus Makalani-Nüssen konnten wir nicht widerstehen. Immerhin handelten wir den Preis erfolgreich herunter – schließlich gehört Feilschen hier fast schon zum guten Ton.
Anschließend ging es zunächst über Asphalt, später wieder über Nebenstraßen weiter. Nach einem weiteren kurzen Tankstopp kurz vor dem Parkeingang – inklusive Bäumen voller riesiger Papayas und einem Baum, der aussah, als hätte ihn jemand komplett mit Schmetterlingen dekoriert – standen wir endlich vor dem Etosha-Nationalpark.
Der Etosha-Nationalpark gehört mit seinen rund 22.000 Quadratkilometern zu den größten Nationalparks Afrikas. Zum Vergleich: Er ist deutlich größer als das deutsche Bundesland Hessen und etwa so groß wie Rheinland-Pfalz und das Saarland zusammen.
Am Eingang wurden zunächst die üblichen Fragen gestellt: Feuerwaffen dabei? Woher kommen sie? Wie lange bleiben sie im Park? Anschließend unterschrieben wir noch die Hinweise zum Seuchenschutz. Alles darf in den Park eingeführt werden, Fleisch und andere tierische Produkte dürfen allerdings nicht wieder hinaus. Danach nahm eine ausgesprochen resolute Beamtin unsere Daten auf und schickte uns zum Bezahlen in unser Camp weiter.
Bevor wir jedoch dorthin fuhren, machten wir noch einen kurzen Abstecher zum ersten Wasserloch. Dort wurden wir direkt von Springböcken, Oryx-Antilopen und einem Warzenschwein begrüßt. Auf dem weiteren Weg begegneten uns außerdem Impalas, eine Warzenschwein-Mama mit ihren zwei Frischlingen und mehrere Gnus. Wahnsinn – und das alles auf den ersten Kilometern im Park.
Im Camp Okaukuejo angekommen warteten zunächst zwei Warteschlangen auf uns: eine zum Bezahlen des Parkeintritts und eine zweite für die Ausgabe der Schlüssel. Typisch staatliche Verwaltung – zu wenig Personal für viel zu viele Besucher. Rund 30 Minuten später hielten wir endlich unseren Schlüssel in den Händen.
Dann folgte die wohl größte Überraschung des Tages: Unser Chalet lag direkt am berühmten Wasserloch und vom Balkon hatten wir einen freien Blick auf die Wasserstelle, an der gerade mehrere Zebras tranken. Besser kann man wohl kaum begrüßt werden.
Eigentlich hätten wir den Rest des Tages einfach dort sitzen bleiben können. Aber irgendwie waren wir viel zu neugierig. Also beschlossen wir, noch eine kleine Runde zu drehen und drei weitere Wasserlöcher anzufahren.
Das erste war leider komplett trocken – entsprechend war dort auch kein einziges Tier zu sehen. Das zweite (Okondeka) hingegen war einfach spektakulär. Giraffen, Gnus, Springböcke und Strauße standen gemeinsam am Wasser, und wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Am liebsten hätten wir dort den ganzen Nachmittag verbracht.
Da der Park jedoch pünktlich schließt, mussten wir langsam zurückfahren. Eigentlich wollten wir noch ein drittes Wasserloch besuchen, doch das schien sich erfolgreich vor uns zu verstecken. Wahrscheinlich hatte es früher Feierabend gemacht.
Auf einer anderen Strecke fuhren wir schließlich zurück zum Camp und entdeckten unterwegs Grautokos, einen Gleitaar, Weißflügeltrappen, Schakale und viele weitere Tiere. Man wusste irgendwann gar nicht mehr, wohin man zuerst schauen sollte.
Zurück im Camp gingen wir direkt zu unserem traumhaften Chalet – keine Sekunde zu früh. Gerade traf eine größere Elefantengruppe ein und marschierte zielstrebig zum Wasserloch.
Nachdem sie ihren Durst gestillt hatte, näherten sich zwei Spitzmaulnashörner vorsichtig der Wasserstelle. Das gefiel jedoch zwei stattlichen Elefantenbullen überhaupt nicht. Sie stürmten förmlich nach vorne und machten unmissverständlich klar, wer hier Vorfahrt am Wasserloch hatte. Die Nashörner warteten geduldig in sicherem Abstand und kamen erst trinken, als die Dickhäuter fertig waren. Afrikanische Verkehrsregeln – wer größer ist, fährt beziehungsweise trinkt zuerst.
Leider mussten wir uns von diesem Naturschauspiel losreißen, denn wir hatten einen Tisch im Restaurant reserviert. Rückblickend wäre es besser gewesen, einfach auf dem Balkon zu bleiben.
Das Abendessen entwickelte sich nämlich zur mit Abstand schlechtesten Erfahrung unserer gesamten Reise. Der Service war völlig überfordert. Teilweise kam das Essen vor den Getränken, die Hälfte der ohnehin nur sieben Gerichte war nicht verfügbar, und das Essen, das schließlich serviert wurde, war bereits kalt und kaum genießbar. Selten waren wir so froh, als das Abendessen endlich vorbei war.
Etwas enttäuscht liefen wir zurück zu unserem Chalet und beschlossen, uns kurzerhand ein Wurstbrot zu schmieren. Doch kaum hatten wir das Messer in der Hand, blieb uns fast die Luft weg: Zwei Nashörner standen bereits am Wasserloch und warteten scheinbar nur darauf, dass wir endlich zurückkehrten.
Also nahmen wir wieder auf unserem Balkon Platz. Im Laufe des Abends kamen Oryx-Antilopen, Giraffen, Hyänen, Springböcke und Zebras vorbei. Kurz bevor wir – eigentlich widerwillig – schlafen gehen wollten, erschienen sogar vier Nashörner gleichzeitig. Allerdings schienen sie sich nicht besonders gut zu verstehen, denn immer wieder kam es zu kleineren Rangeleien um den besten Platz am Wasser.
Ein herrlicher Abschluss eines fantastischen Tages. Das Desaster im Restaurant war längst vergessen. Stattdessen gingen wir mit unzähligen Tierbildern im Kopf ins Bett – und träumten wahrscheinlich von noch viel mehr davon.
P.S. Als ich das hier gerade alles hochladen schaue ich noch einmal vom Bett auf und sehe einen großen Elefantenbullen am Wasserloch steht und ein Nashorn was badet. Wahnsinn.
Hallo, die Twyvelfontein Adventure Lodge hatte sich bei uns nicht als "die Lodge" favorisiert. Wir waren bei 42 Grad in einen Zelt, das ausgerechnet noch das am weitesten entfernt und neben den Unterkünften der Bediensteten war, untergebracht. Das Essen war nicht gerade umwerfend, das Fleisch zäh. Der Pool überfüllt, es gab keine Handtücher mehr. Da hattet ihr echt Glück mit dem Upgrade. Tolle Gegend - aber nochmal - nein. Hat uns einfach falsch erwischt. Andere finden sie super. So sind die Unterschiede.
Super und einzigartig war das Elefantentracking. Wir hatten eine Tour über 6 h und ganz tolle Sichtungen, auch wenn eine sehr Traurige dabei war. Eine Mutter musste sich von ihrem Kind verabschieden, das nicht mehr aufstehen konnte. Die Familie hatte die beiden schon zurückgelassen. Das hat mich den ganzen Tag berührt. Auf dieser Tour lernten wir eine Ehepaar kennen, die für die Zeitschrift Terra einen Bericht über die Elefanten der Wüste geschrieben haben. Sie zeigten uns tolle Bilder dieser Giganten an der Selecton Küste.
Die Grootberg Lodge können wir auf alle Fälle weiterempfehlen. Die Lodge ist klasse und die Drives unter Umständen sehr individuell. Unser Guide fuhr über Stock und Stein. Wir hatten ein Rhinotracking gebucht und eine Löwentracking erhalten. Selbst die Guides waren hin und weg, da sie schon seit Monaten danach suchten. Diese Sichtung ersetzte das Nashorn, das auch immer die Richtung änderte, völlig.
Für mich sind solche Erlebnisse einfach mehr wert, als die Sichtungen im Etosha. Dort war es bei uns eher langweilig. Aber ich gehöre auch eher zu den Nicht - Etosha - Fans.
Dein Bericht hat bei mir wieder Gänsehautfeeling und Erinnerungen hinterlassen. Danke für deine Eindrücke und Bilder. Weiter so! Viele Grüße Andrea
chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 202430. Juli 2026 · #63
Secret schrieb:Hallo, die Twyvelfontein Adventure Lodge hatte sich bei uns nicht als "die Lodge" favorisiert. Wir waren bei 42 Grad in einen Zelt, das ausgerechnet noch das am weitesten entfernt und neben den Unterkünften der Bediensteten war, untergebracht. Das Essen war nicht gerade umwerfend, das Fleisch zäh. Der Pool überfüllt, es gab keine Handtücher mehr. Da hattet ihr echt Glück mit dem Upgrade. Tolle Gegend - aber nochmal - nein. Hat uns einfach falsch erwischt. Andere finden sie super. So sind die Unterschiede.
Super und einzigartig war das Elefantentracking. Wir hatten eine Tour über 6 h und ganz tolle Sichtungen, auch wenn eine sehr Traurige dabei war. Eine Mutter musste sich von ihrem Kind verabschieden, das nicht mehr aufstehen konnte. Die Familie hatte die beiden schon zurückgelassen. Das hat mich den ganzen Tag berührt. Auf dieser Tour lernten wir eine Ehepaar kennen, die für die Zeitschrift Terra einen Bericht über die Elefanten der Wüste geschrieben haben. Sie zeigten uns tolle Bilder dieser Giganten an der Selecton Küste.
Die Grootberg Lodge können wir auf alle Fälle weiterempfehlen. Die Lodge ist klasse und die Drives unter Umständen sehr individuell. Unser Guide fuhr über Stock und Stein. Wir hatten ein Rhinotracking gebucht und eine Löwentracking erhalten. Selbst die Guides waren hin und weg, da sie schon seit Monaten danach suchten. Diese Sichtung ersetzte das Nashorn, das auch immer die Richtung änderte, völlig.
Für mich sind solche Erlebnisse einfach mehr wert, als die Sichtungen im Etosha. Dort war es bei uns eher langweilig. Aber ich gehöre auch eher zu den Nicht - Etosha - Fans.
Dein Bericht hat bei mir wieder Gänsehautfeeling und Erinnerungen hinterlassen. Danke für deine Eindrücke und Bilder. Weiter so! Viele Grüße Andrea
Hallo Andrea,
vielen Dank für deine ausführliche Nachricht und das Teilen deiner Erinnerungen! Es ist total spannend zu hören, wie unterschiedlich die Eindrücke von den gleichen Orten sein können. Das klingt als wärst du in Twyfelfontein in einem Standardzelt gewesen, die sind auf jeden Fall etwas klein und wir waren Happy ein so großes Zelt für uns zu haben. Den Pool haben wir nicht genutzt, aber soweit wir gesehen haben gibt es 2 einen beim Restaurant und einen weiteren bei den Standardzelten. Das Essen war sowohl beim Frühstück als auch Abends gut und die Frau am Grill hatte eine schöne Auswahl an Wurst und Fleisch. Man konnte sogar sagen wie durch man es haben wollte. Eventuell gibst du dem Camp ja noch einmal eine Chance?
Das mit der Elefantenmutter lässt uns gerade etwas schwer schlucken und wir können mitfühlen wie du dich in dem Moment gefühlt hast.
Die Löwensichtung ist wirklich erstaunlich. Wann war denn das? Uns wurde nämlich gesagt, dass die letzten Löwen vor einigen Jahren bedingt durch die Dürre weggezogen sind, da das Futter fehlte. Umso schöner, dass ihr sie so ganz zufällig gesehen habt.
Der Etosha ist anders - für uns war das eher wie ein ganz großer Zoo, aber es war trotzdem spannend auf die Suche zu gehen. Das Nashorntracking gehörte Zweifelsohne zu unseren Highlights der Reise, aber auch den Etosha wollen wir nicht missen.
Vielen Dank und wir hoffen es gefällt dir und allen anderen Mitlesern weiterhin. Ob wir heute noch einen neuen Bericht einstellen können ist offen, aktuell ist es sehr heiß bei uns und wenn wir den neuen Tag einstellen, dann auf jeden Fall erst spät in der Nacht.
Hi, wir waren 2024 im Twyvelfontein Camp und 2025 auf der Grootberg Lodge. Die Löwensichtung war dort schon was Besonderes. Sie haben es erst geglaubt als sie die Bilder sahen. Es waren drei Löwinen, eine davon nicht sehr erfreut uns zu sehen.
Es war auch nicht ganz ungefährlich, der Guide hatte keine 1000 Meter entfernt die Buschtoilette genutzt. Auch waren die Spurenleser unterwegs, die er sofort warnte.
Ich gehöre zu denen, die sich auf deinen weiteren Bericht freuen. Reiseberichte wecken eigene Erinnerungen und die unterschiedlichen Betrachtungsweisen und Empfindungen macht es noch interessanter.
chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 202431. Juli 2026 · #66
Olifantsrus und große Überraschungen
Die Nacht war unruhiger als gedacht. Irgendwie schaut man jedes Mal, wenn man auch nur halbwegs wach wird, automatisch nach draußen, um bloß nichts am Wasserloch zu verpassen. So konnten wir in der Nacht unter anderem mehrere Nashörner, Giraffen und Elefanten am Wasserloch beobachten. Viel Schlaf war zwar nicht drin, aber wer braucht schon Schlaf, wenn direkt vor der Terrasse Afrikas Tierwelt auftritt?
Dennoch sollte es am Morgen wieder auf Tour gehen, denn einfach nur dasitzen und sich berieseln lassen kann schließlich jeder. Eine Frage stellte sich allerdings noch: Was sollten wir frühstücken? Wir hatten zwar die Möglichkeit, im Camp zu essen, aber das hätte bedeutet, noch einmal das Restaurant vom Vorabend aufzusuchen. Wir hatten noch drei Milchbrötchen übrig und beschlossen, dass diese fürs Erste reichen mussten. Ein kurzer Blick ins Restaurant bestätigte unseren Entschluss: Die Auslage war nahezu leergeräumt.
Um 8:00 Uhr standen wir schließlich im Kiosk des Camps und wollten etwas Einfaches für den Abend besorgen – Ravioli aus der Dose oder Ähnliches. Noch einmal wollten wir auf keinen Fall im Restaurant essen. Doch trotz der vielen Camper gab es tatsächlich keinerlei Fertiggerichte in Dosen. Also musste Plan B herhalten. Wir kauften frisches Toastbrot, Fleischwurst, Gurke und Feta und wollten uns daraus am Abend mit dem Campingkocher etwas Leckeres zaubern. Für unterwegs mussten Toast mit Landjägern, die erstaunlich ähnlich wie in Deutschland schmecken, und Kabanossi reichen.
Also ging es los. Unser Ziel war das etwa 128 Kilometer westlich gelegene Nachbarcamp Olifantsrus, das ausschließlich über Campingplätze verfügt. Zwar führt die Strecke auf demselben Weg hin und zurück, doch unser Plan war, unterwegs die interessantesten Wasserlöcher auszukundschaften und diese auf der Rückfahrt erneut anzufahren. Außerdem hofften wir darauf, dass dieselben Orte am Morgen ganz anders wirken als am Nachmittag.
Laut unserer frisch gekauften Karte des Nationalparks lagen auf der Strecke zahlreiche Wasserlöcher – beste Voraussetzungen für spannende Tierbeobachtungen. Zunächst fuhren wir nach Norden zu dem Wasserloch Okondeka, an dem wir am Vorabend so viel gesehen hatten. Diesmal herrschte dort allerdings gähnende Leere. Offenbar waren wir einfach zu spät dran. Also ging es weiter Richtung Westen, immer der einzigen und damit auch Hauptstraße folgend.
Das erste Wasserloch Adamax war komplett versandet, beim zweiten Grunewald gab es ebenfalls kein Wasser mehr und selbst der angekündigte Gespensterwald wirkte eher wie ein Wald mit etwas schlechtem Marketing. Dafür begegneten uns entlang der Straße zahlreiche Tiere. Mehrere Vogelarten wurden ebenso begeistert fotografiert wie eine Zebraherde mit Jungtieren, deren Fellmuster deutlich brauner und flauschiger wirkte als das der Erwachsenen. Besonders niedlich waren drei Borstenhörnchen, die offenbar überzeugt waren, dass vollständige Bewegungslosigkeit sie für uns unsichtbar machte. Der Plan ging allerdings nur mäßig auf.
Am ersten Rastplatz durften wir ein Toilettenhäuschen besichtigen, das erst in diesem Jahr mit Unterstützung der deutschen Regierung eröffnet worden war. Leider funktionierte die Spülung bereits nicht mehr. Da stellt sich schon die Frage, was solche Hilfe bringt, wenn sich anschließend niemand mehr um den Erhalt kümmert. Immerhin profitierten die Webervögel davon: Das langsam auslaufende Wasser sammelte sich in einer Plastikschale, aus der sie ausgiebig tranken. Direkt daneben hing ein beeindruckend großes Webernest, an dem fleißig weitergebaut wurde.
Positiv war außerdem, dass am Rastplatz Informationstafeln aufgestellt worden waren. Auf einer davon waren tatsächlich alle aktuell in Betrieb befindlichen Wasserlöcher eingezeichnet. Warum schafft es die Parkverwaltung nicht, diese Informationen auch auf der offiziellen Karte entsprechend zu aktualisieren oder waren wir zu blöd die Karten zu lesen? Nun wussten wir auf jeden Fall genau, welche Wasserstellen sich lohnten.
Am nächsten Wasserloch erwarteten uns zahlreiche Zebras und Springböcke. Direkt daneben befand sich ein Rastplatz mit einer kleinen Aussichtsplattform, an der wir auf dem Rückweg noch einmal halten wollten, da die Sonne momentan ungünstig stand. Außerdem lag dort der riesige Schädel eines Elefanten – ein beeindruckender Anblick, der einem erst richtig bewusst machte, welche gewaltigen Tiere hier unterwegs sind.
Auf der Weiterfahrt kamen wir an einem verlassenen LKW vorbei, der schräg auf der Fahrbahn stand. Vermutlich hatte das Fahrzeug einen Defekt und wartete nun irgendwo mitten im Nirgendwo geduldig auf Rettung. Keine schlechte Kulisse für einen Abenteuerfilm.
Das nächste Wasserloch (Teespoet) verpassten wir irgendwie, sodass wir direkt am letzten Wasserloch (Tobieroen) vor unserem Zwischenziel ankamen. Dort herrschte reges Treiben: Oryxantilopen, Zebras, Gnus und natürlich zahlreiche Springböcke hatten sich rund um das Wasser versammelt.
Im Olifantsrus Camp angekommen, schauten wir uns zunächst in Ruhe um. Das Camp ist das jüngste Camp im Etosha-Nationalpark und richtet sich ausschließlich an Camper, wodurch es deutlich ruhiger wirkt als die größeren Restcamps. Besonders sehenswert ist der historische Schlachthof, der noch aus den 1960er-Jahren stammt. Damals wurden hier Tiere u.a. auch Elefanten verarbeitet, um die Mitarbeiter des Parks zu versorgen – heute erinnern die restaurierten Gebäude und Informationstafeln an dieses Kapitel der Parkgeschichte und zeigen eindrucksvoll, wie sich der Naturschutz im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.
Das eigentliche Highlight des Camps war jedoch der Lookout Point, von dem aus man einen hervorragenden Blick auf das Wasserloch hatte. Gerade als wir ankamen, spazierten einige Zebras gemütlich heran, tranken in aller Ruhe und zogen anschließend ebenso entspannt wieder weiter. Toll.
Langsam machten wir uns wieder auf den Rückweg. Vor Sonnenuntergang mussten wir schließlich zurück im Camp sein, denn die Tore schließen pünktlich. Außerdem weiß man im Etosha-Nationalpark nie, was unterwegs noch passiert – sei es eine spektakuläre Tiersichtung oder eine unerwartete Verzögerung. Da kann selbst eine Stunde Zeitpuffer schneller verschwinden, als einem lieb ist.
Schon bald erreichten wir wieder das erste Wasserloch Tobieroen. Dort spielte sich ein kleines Schauspiel ab. Mehrere große Zebraherden standen am Wasser, doch zwei oder drei Hengste hatten offenbar beschlossen, ihre Meinungsverschiedenheiten direkt auszutragen. Es wurde gejagt, gebissen, getreten und gerauft. Fast wirkte es, als hätte jemand den Startschuss für die Zebra-Bundesliga gegeben. Es war herrlich, diesem Spektakel zuzusehen, und die schönsten Szenen landeten nicht nur auf der Kamera, sondern auch dauerhaft im Kopf.
Wenig später fanden wir nun auch das zuvor verpasste Wasserloch Teespoet. Der große Brand von 2025 hatte hier deutliche Spuren hinterlassen. Umso schöner war es zu sehen, dass das Leben langsam zurückkehrte und die Springböcke das Wasserloch bereits wieder gut angenommen hatten.
Unser Zeitpuffer betrug immer noch etwa 45 Minuten. Auffällig war allerdings, dass wir seit der Abfahrt aus Olifantsrus keinem einzigen anderen Fahrzeug mehr begegnet waren. Es fühlte sich an, als hätten wir den gesamten Nationalpark plötzlich für uns allein.
Dann kam der Moment, der uns fast den Atem raubte. An nächsten Wasserloch standen sechs ausgewachsene Elefantenbullen und tranken – keine zwanzig Meter von uns entfernt. Wir waren völlig allein mit diesen gewaltigen Tieren. Es war einfach überwältigend. Eine ganze Weile beobachteten wir ihr ruhiges Trinken, ihr gegenseitiges Schubsen und die kleinen Rangeleien untereinander. Worte reichen kaum aus, um diesen Moment zu beschreiben.
Langsam wurde die Zeit allerdings knapp und wir beschlossen, unseren Puffer nicht weiter zu verkleinern. Schließlich wollten wir noch einmal an der Aussichtsplattform halten. Dort bot sich uns ein herrlicher Blick auf zahlreiche Tiere: Zebras, Springböcke, Giraffen und Gnus tummelten sich gemeinsam in der Ebene. Zufrieden machten wir uns schließlich auf den letzten Abschnitt und erreichten unser Camp tatsächlich noch zehn Minuten vor Schließung der Tore.
Nun hieß es: Abendessen. Wir brieten die Fleischwurst in der Pfanne auf dem Gaskocher an und servierten dazu Gurkensalat mit Feta. Ehrlich gesagt schmeckte dieses improvisierte Campingessen deutlich besser als alles, was wir am Vorabend im Restaurant bekommen hatten.
Am Wasserloch direkt vor unserem Bungalow spielte sich am Abend erneut ein beeindruckendes Schauspiel ab. Eine ganze Gruppe Elefanten machte das Wasserloch unsicher, und bis wir schließlich einschliefen, kamen noch viele weitere dazu. Außerdem erschienen mehrere Nashörner. Besonders schön war eine Nashornmutter mit ihrem Jungen, die sich schließlich sogar direkt am Wasserloch schlafen legten. Dazu gesellten sich Springböcke, Schakale, Hyänen und Warzenschweine.
Es fühlte sich an wie Kino – nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Hauptdarsteller echt waren und man lediglich das Popcorn vergessen hatte.
chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 202403. Aug. 2026 · #67
Quer durch den Park
Abschied nehmen ist immer traurig. Doch wenn man morgens mit diesem Blick auf das Wasserloch aufwacht, fällt das Verlassen des Ortes gleich doppelt schwer.
Auch die vergangene Nacht hatte es wieder in sich. Mehrere Löwen lieferten sich ein lautstarkes Brüllkonzert, das von links nach rechts und wieder zurück durch die Dunkelheit hallte. Dieses tiefe Grollen sorgt jedes Mal für Gänsehaut, denn es klingt, als würde der Löwe direkt neben dem Bett stehen. Zum Glück blieb es beim Eindruck. Außerdem kamen wieder mehrere Nashörner, einige Elefanten und sogar Hyänen ans Wasserloch – ein würdiger Abschiedsgruß der afrikanischen Tierwelt.
Am Morgen ging es erneut ohne Frühstück los. Für die mindestens knapp vierstündige Fahrt quer durch den Park hatten wir lediglich zwei Stunden Zeitpuffer, weil wir den Park früher als eigentlich nötig verlassen mussten. Auf unsere höfliche Nachfrage, warum das so sei und ob es keine andere Möglichkeit gäbe, bekamen wir von der resoluten Dame am Gate lediglich die Antwort: „Weil ich es sage.“ Diskussion beendet. Manche Naturgewalten tragen eben Namensschild.
Zunächst mussten wir eine Umleitung fahren, weil die eigentlich gut erhaltene Hauptstraße asphaltiert wird. Warum, fragten wir uns immer wieder. Die Straße war in einem guten Zustand, passte perfekt zum Charakter des Parks und Schotter sorgt ganz nebenbei dafür, dass niemand zur Rallye ansetzt. Das Geld hätte man unserer Meinung nach lieber in die zahlreichen Nebenstraßen investieren sollen, auf denen man von einer Seite zur anderen geschüttelt wird, als säße man in einer überdimensionierten Cocktailmaschine.
Die eigens angelegte Umleitungsstrecke führte dann auch noch gekonnt an sämtlichen Wasserlöchern vorbei – also genau an den Orten, an denen man eigentlich sein möchte. Deshalb beschlossen wir kurzerhand, einen der holprigen Nebenwege zu nehmen. Der Zustand der Straße war zwar alles andere als komfortabel, dafür gab es wenigstens Wasserlöcher. Das erste war völlig verlassen, doch am zweiten wurden wir belohnt: Dort entdeckten wir gleich zwei neue Tiere für unsere Liste – zwei junge Kuduböcke samt passender Damen sowie einige Impalas.
Zurück auf der Umleitung ging es wenig später endlich wieder auf die ursprüngliche Strecke. Zum Glück blieb dieser Abschnitt offenbar verschont. Kurz darauf erreichten wir ein Wasserloch in der Nähe der Pfanne, an dem es nur so von Zebras wimmelte. Es müssen gut 200 Tiere gewesen sein. Als wir gerade weiterfahren wollten, kamen noch einige Gnus hinzu, um ihren Durst zu stillen. Ein beeindruckendes Schauspiel, bei dem man gar nicht wusste, wohin man zuerst schauen sollte.
Nach diesem Highlight wurden wir allerdings erneut auf eine Umleitung geschickt und erreichten schließlich das Camp Halali, auf dem Diana bereits einmal gecampt hatte. Wir liefen zum Wasserloch, an dem sich bei knapp 30 Grad Mittagshitze lediglich ein paar Perlhühner und einige Zebras eingefunden hatten. Verständlich – selbst die Tiere schienen beschlossen zu haben, dass man um diese Uhrzeit besser im Schatten bleibt. Einige Springböcke machen dies in Perfektion und nutzen selbst den Schatten der Dornenbüsche. Besser wenig Schatten als keiner.
Da wir bereits eine Stunde unseres Zeitpuffers verbraucht hatten, ging es bald weiter. Kurz bevor wir wieder ins Auto stiegen, tauchte ein alter Bekannter auf: der riesige Big Foot-Truck, der scheinbar gemütlich durch Afrika tourt und uns nun bereits zum dritten Mal begegnete. Langsam hatten wir den Verdacht, dass nicht wir ihm hinterherfuhren, sondern er uns.
Trotz der knappen Zeit entschieden wir uns noch für einen Abstecher zum Aussichtspunkt in der Pfanne. Dort darf man aussteigen und steht plötzlich mitten in der riesigen weißen Senke aus trockenem, steinhartem Ton und Salz. Die Weite ist beeindruckend und wirkt beinahe surreal. Ein paar Fotos mussten natürlich sein. Der geplante Kaffee fiel allerdings dem Zeitdruck zum Opfer – manchmal gewinnt eben doch die Uhr.
Anschließend fuhren wir zu einem wunderschön gelegenen Wasserloch mit zwei Aussichtspunkten. Gerade tranken dort zwei ausgewachsene Kudubullen mit ihren imposanten Hörnern, als in der Ferne eine Elefantenherde aus den Büschen auftauchte. Was für ein Anblick! Gleichzeitig fluchten wir innerlich über den immer größer werdenden Zeitdruck. Uns blieben nur noch etwa 15 Minuten Reserve, und wir wussten nicht, welche Nachzahlung bei einer Verspätung auf uns warten würde. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von den Dickhäutern.
Diese Entscheidung sollte sich allerdings sofort auszahlen. Kaum waren wir ein Stück weitergefahren, trotteten plötzlich vier rotbraune Gestalten über die Straße. Vollbremsung! Kameras hoch! Tatsächlich liefen vier Löwen direkt vor uns über den Weg – eine Löwin mit ihren drei Jungtieren. Gerade einmal 30 Sekunden später, und wir hätten dieses Erlebnis komplett verpasst. Solche Momente sind es, die einen ganzen Tag vergolden.
Natürlich hielten wir noch Ausschau nach den Löwen - knappe Zeit hin, Strafe her-, doch im hohen Gras verschwanden sie innerhalb weniger Augenblicke. Stattdessen entdeckten wir eine kleine Elefantengruppe mit einem Jungtier. Während sie hinter unserem Auto den Weg überquerte, wurde die Herde plötzlich ungewöhnlich aufgeregt. Wir dachten schon, wir hätten etwas falsch gemacht. Doch der wahre Übeltäter war ein Strauß, der offenbar beschlossen hatte, die Vorfahrtsregeln großzügig auszulegen. Das kam bei den Elefanten überhaupt nicht gut an, und der Vogel suchte äußerst zügig das Weite. Vermutlich hatte er seinen persönlichen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt.
Durch diesen zusätzlichen Stopp lagen wir nun endgültig hinter unserem Zeitplan und mussten die verlorenen Minuten wieder aufholen. Das gelang erstaunlich gut, sodass wir am Ende sogar noch zwei kleinere Wasserlöcher besuchen konnten. Dort warteten Giraffen, Springböcke, Impalas und sogar ein junger Gaukler auf uns.
Schließlich erreichten wir das Gate knapp fünf Minuten vor Ablauf unserer erlaubten Zeit und konnten den Park ohne Strafgebühren verlassen – eine Punktlandung, wie sie spannender kaum hätte sein können.
Anschließend fuhren wir direkt zu unserer Lodge dem Onguma Bush Camp. Bereits auf der Zufahrtsstraße wurden wir von mehreren Giraffen und verschiedenen Vogelarten begrüßt, darunter auch Frankoline. Ein herrliches Fleckchen Erde Mitten in der Natur.
In der Lodge wurden wir herzlich empfangen und bezogen unser wunderschön eingerichtetes Zimmer. Zum Sonnenuntergang gingen wir schließlich noch einmal an das Wasserloch, wo wir bei traumhaftem Ausblick unser Abendessen genossen. Ein würdiger Abschluss eines langen, aufregenden und unvergesslichen Tages.
Daxiang5'048 Beiträge · seit 201403. Aug. 2026 · #68
Hi Chris, wenn ich eure tollen Bilder und Videos von Etosha sehe, bekomme ich direkt Heimweh! Die Sichtungsfee hat es wirklich gut mit euch gemeint!
Hat sich jetzt geklärt, warum ihr zu einer bestimmten Uhrzeit den Park verlassen mußtet? Ich dachte immer, dass man halt zum Sonnenuntergeng entweder im Camp oder halt außerhalb des Parks sein muß, hat sich daran etwas geändert?
chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 202403. Aug. 2026 · #70
Kubik schrieb:Hat sich jetzt geklärt, warum ihr zu einer bestimmten Uhrzeit den Park verlassen mußtet? Ich dachte immer, dass man halt zum Sonnenuntergeng entweder im Camp oder halt außerhalb des Parks sein muß, hat sich daran etwas geändert?
Grüße Jochen
P.S.: Noch 3 Tage bis NAM-26 🙂
Erklärt hat uns das niemand so genau, eigentlich hat niemand etwas erklärt.
So haben wir es uns hergeleitet: Wir haben 2 Nächte im Park übernachtet und sind um kurz vor 16 Uhr in den Park gefahren. Das Ticket gilt dann für 24 Stunden und man muss um kurz vor 16 Uhr auch wieder aus dem Park raus. Die Zeit stand auf dem Zettel den man bekommt. Wir hätten gerne die 2 Stunden bezahlt und die Zeit ausgereizt, aber das ging nicht bzw. wurde verneint. Es war auch keine direkte Verlängerung um einen Tag möglich, was für uns gut gewesen wäre, da wir ja von Onguma noch einmal reingefahren sind (Der Tag kommt morgen). So durften wir am nächsten Tag neu bezahlen was zum Glück in Namutoni viel schneller geht als in Okaukuejo. Auch wurde da unser alter Zettel einfach neu genutzt und durchgestrichen.
3 Tage noch. Vorfreude 🙂
chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 202404. Aug. 2026 · #71
Daxiang schrieb:Hi Chris, wenn ich eure tollen Bilder und Videos von Etosha sehe, bekomme ich direkt Heimweh! Die Sichtungsfee hat es wirklich gut mit euch gemeint!
Liebe Grüße Konni
Hallo Konni,
ja in der Tat hat die Sichtungsfee ihren ganzen Feenstaub immer wieder über uns ausgeschüttet. Sie wollte wohl zu 100% sicherstellen, dass wir noch einmal wiederkommen.
Am kommenden Tag hatten wir dann wieder extrem viel Glück und tolle Sichtungen, allerdings ist uns bei der ganzen Aufregung eine dicke Dummheit passiert die dann auch Folgen hatte. Aber aus Schaden wird man klug.
Mehr dazu heute Abend.
chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 202404. Aug. 2026 · #72
Das große Safari Finale
Wie sagt man so schön: Das Beste kommt zum Schluss. Wie sehr sich das bewahrheiten sollte, wussten wir zu Beginn des Tages allerdings noch nicht.
Heute wollten wir zum letzten Mal in den Etosha-Nationalpark und die Zeit optimal nutzen. Also hieß es: früh aufstehen und zeitig frühstücken. Wir waren fast die Ersten beim Frühstück. Es schien, als gehörten alle anderen Gäste eher zur Kategorie Langschläfer – oder sie reisten heute ohnehin ab.
Das Frühstück war sehr gut und so gestärkt schnappten wir unsere Fotoausrüstung und fuhren zum Gate. Hier lief alles auf typisch afrikanische Art: Der Zettel von gestern wurde einfach überschrieben und wir durften weiter zum Bezahlen fahren. Danach galt es erst einmal, die geplante Route im Navi einzustellen.
Wir wollten gerade zum ersten Wasserloch fahren, als eine große Gruppe Giraffen neben uns über die Savanne zog. Wir beobachteten die Tiere bei ihrem gleichmäßigen, fast majestätischen Gang. Neben uns hielt plötzlich ein Auto. Die Insassen verkündeten aufgeregt, dass es weiter die Straße hinunter ein Löwenrudel gebe. Verfehlen könne man es gar nicht – dort würden jede Menge Autos stehen.
Also fuhren wir schnell los. Allerdings waren wir vollkommen planlos, denn wir hatten vergessen zu fragen, in welche Richtung wir überhaupt fahren mussten. Für einen kurzen Moment machte sich schlechte Stimmung breit. Zum Glück atmeten wir beide einmal tief durch und erinnerten uns daran, dass wir ja bereits gestern Löwen gesehen hatten und den Tag einfach genießen wollten. Also zurück auf Anfang und wieder dem ursprünglichen Plan folgen.
An den Wasserlöchern war einiges los. Vor allem Kudus und Impalas tranken ausgiebig und füllten ihre Wasservorräte für den erneut über 30 Grad heißen Tag auf. Auch einige Elefanten konnten wir beobachten.
Anschließend entschieden wir uns, noch eine Runde um die Fischerpfanne zu drehen, die sich in der Regenzeit mit Wasser füllt und dann ein Paradies für Vögel ist.
Unterwegs trafen wir zunächst auf einen Impala, der den Weg blockierte und dummerweise exakt vor unserem Auto herlief. Offenbar war er fest davon überzeugt, dass die Straße ausschließlich ihm gehörte. Kurz darauf begegneten wir einer Riesentrappe. Wir versuchten langsam vorbeizufahren, doch sie flog immer wieder ein paar Meter voraus, nur um anschließend erneut mitten auf der Straße zu landen. Tja, reichlich Energie verschwendet – ein einziger Schritt zur Seite hätte denselben Effekt gehabt.
Fast am Ende des Rundwegs entdeckten wir wieder eine Gruppe Oryx. Die Tiere trauten sich zunächst nicht ans Wasser, weil zwei Elefanten dort bereits gemütlich beim Trinken standen. Offenbar war es den Dickhäutern aber schlicht zu heiß, um schlechte Laune zu verbreiten. So konnten schließlich sowohl Oryx als auch Elefanten – mit gebührendem Abstand – friedlich ihren Durst stillen.
Kurz vor der Mittagspause im Fort Namutoni kreuzten dann noch mehrere Giraffen unseren Weg. Da die Reihe einfach kein Ende nehmen wollte, schlüpften wir kurzerhand zwischen zwei etwas weiter auseinander laufenden Giraffen hindurch. Nicht ganz die klassische Vorfahrtsregel, aber offenbar für beide Seiten akzeptabel.
Die Pause verbrachten wir im Restaurant des Fort Namutoni. Wir wollten den staatlichen Betrieben noch einmal eine Chance geben. Leider gab es auch hier wieder Teile der ohnehin kleinen Speisekarte nicht. Selbst die Pommes als Minimalvariante waren eher wabbelig als knusprig. Kulinarisch also kein Höhepunkt.
Danach schauten wir uns noch das Sichtungsbuch an, das allerdings nicht besonders sorgfältig geführt wurde. Anschließend besichtigten wir das Fort – einen originalgetreuen Nachbau des ehemaligen deutschen Forts an gleicher Stelle. Leider wird die Anlage zunehmend dem Verfall preisgegeben. Lediglich der Turm ist noch begehbar. Sehr schade, wie hier mit einem historischen Bauwerk umgegangen wird.
Nach der Pause brachen wir zu unserem letzten Nachmittags- und Abend-Drive auf.
Es galt, noch einmal die Wasserlöcher in der Umgebung anzufahren und vielleicht ein paar unvergessliche Erinnerungen mitzunehmen.
Am ersten Wasserloch standen gleich elf Giraffen. Mal gemeinsam, mal einzeln tranken sie in ihrer typisch akrobatisch wirkenden Haltung und sprangen anschließend jedes Mal erschrocken ein paar Meter zurück – vermutlich traute niemand dem eigenen Spiegelbild im Wasser so richtig.
Auf dem Weg zum nächsten Wasserloch kamen wir an einer einzelnen Giraffe vorbei, der das Menü offenbar so gut schmeckte, dass sie sich von unserem nur drei Meter entfernten Auto überhaupt nicht stören ließ.
Der Weg zum nächsten Wasserloch befand sich in einem erbärmlichen Zustand. Teilweise sah es aus, als wäre ein Orkan hindurchgefegt. Links und rechts lagen dicke Äste und überall fanden sich riesige Elefantendunghaufen. Uns war sofort klar: Das hier war eine Elefantenautobahn. Die Spuren waren so eindeutig, dass sie förmlich eine eigene Sprache sprachen.
Am Wasserloch angekommen warteten allerdings keine Elefanten, sondern lediglich einige Zebras. Also wieder zurück Richtung Ausgang und noch zwei weitere Wasserlöcher ansteuern.
Dann kam der erste echte Schreck des Nachmittags.
Vor uns wurde die Straße plötzlich von einer ganzen Kolonne Elefanten blockiert. Ein anderes Auto war bereits viel zu nah an die Tiere herangefahren und drängte sich an den Straßenrand. Zum Glück machten die Elefanten einen großen Bogen um dieses Fahrzeug.
Bei uns wurde die Straße allerdings immer enger und zwei junge Bullen wirkten ganz so, als hätten sie gerade Lust auf eine handfeste Rauferei. Das wollten wir nicht aus nächster Nähe erleben. Also legten wir vorsichtshalber den Rückwärtsgang ein und fuhren ein Stück zurück Richtung Wasserloch. Wir hofften, dass die Herde dort abbiegen würde, denn in diese Richtung führten deutlich weniger Äste und Dungspuren.
Und tatsächlich – die Elefanten bogen ab und nahmen eine Abkürzung durchs Unterholz. Keine zehn Meter von unserem Auto entfernt marschierten sie gemächlich vorbei. Ein beeindruckender Anblick. Erst als der letzte Dickhäuter verschwunden war, merkten wir, dass wir die letzten Minuten kaum geatmet hatten.
Wir setzten unsere Fahrt Richtung Ausgang fort. Kurz darauf fiel uns eine große Ansammlung von Autos auf. Eine kurze Nachfrage brachte die Antwort: Geparden!
Natürlich mussten wir dort ebenfalls anhalten.
Die beiden Geparden lagen friedlich im Schatten eines Termitenhügels im hohen Gras und warteten offenbar darauf, dass die Temperaturen endlich erträglicher wurden. Zum Glück stand einer der beiden schließlich auf, streckte sich ausgiebig, sah sich aufmerksam um und bot uns für einige Minuten eine perfekte Sicht auf dieses wunderschöne Tier.
Gerade als wir beschlossen hatten, noch etwas länger zu warten, erzählte jemand von einem Breitmaulnashorn nur etwa 200 Meter entfernt. Also drehten wir um – und tatsächlich lief dort ein riesiges Breitmaulnashorn gemächlich durch die Savanne. Bisher hatten wir nur die deutlich kleineren Spitzmaulnashörner gesehen. Dieses Tier wirkte selbst aus großer Entfernung beeindruckend massig.
Wir warteten, bis es über eine freie Fläche lief, und machten die vermeintlich letzten Bilder des Tages.
Denn kaum waren wir zum Geparden zurückgekehrt, verschwand dieser gerade hinter einer Anhöhe. Mehrere Versuche, ihn von anderen Positionen aus noch einmal zu entdecken, blieben erfolglos. Also gut – noch ein Wasserloch zum Abschluss und dann hinaus aus dem Park.
Doch nur einen Kilometer weiter wartete bereits die nächste Autoschlange.
Diesmal hieß das Zauberwort: Leopard.
Er sollte versteckt auf einem Termitenhügel im dichten Busch liegen. Den Hügel konnte man vom Auto aus gerade noch erahnen. Allerdings hatten sich die Fahrzeuge vor uns derart geschickt hingestellt, dass kaum jemand freie Sicht hatte.
Die Nähe zu dem wunderschönen Tier ließ Christians gesunden Menschenverstand komplett aussetzen. Im Nachhinein unbegreiflich, was ihn da ritt: Er tat etwas extrem Unüberlegtes, das er normalerweise niemals gewagt hätte. Kurzerhand kletterte er auf die Kante des geöffneten Autofensters und spähte über das Dach. Es war eine reichlich unvernünftige Aktion – doch der riskante Blickwinkel zahlte sich aus. Er entdeckte den Leoparden tatsächlich und knipste sogar einige Fotos.
Doch natürlich blieb es nicht bei "ein paar Fotos". Es musste noch dieses eine perfekte Bild werden. Und noch eins. Und noch eins.
Die anderen Autofahrer beobachteten das und machten es ihm nach. Offenbar war der Satz „Bitte niemals das Fahrzeug verlassen – hier leben gefährliche Wildtiere“ bei allen gleichzeitig aus dem Gedächtnis verschwunden. Im Fotografie-Modus setzt der gesunde Menschenverstand manchmal einfach aus.
Und wie es kommen musste, erschien genau in diesem Moment ein Fahrzeug der Parkranger.
Perfektes Timing. Leider nicht für uns.
Die Ranger kassierten sämtliche Pässe ein und erklärten nüchtern, dass es dafür eine Strafe geben werde. Wir sollten zur Rezeption des Camps Namutoni fahren.
Na wunderbar. Genau das hatte uns heute noch gefehlt.
Also warteten wir gemeinsam mit einem sehr netten deutschen Paar an der Rezeption auf die Ranger. Diese mussten allerdings zunächst zu einem Notfall im Park, weil zwei Reisende mit ihrem Fahrzeug liegen geblieben waren. Doppelt Pech für uns: Wären die Ranger nicht zu diesem Einsatz gefahren, wären sie vermutlich nie an uns vorbeigekommen.
Also hieß es: warten. Und warten. Und noch etwas länger warten.
Zwischendurch recherchierten wir, wie hoch die Strafe wohl ausfallen könnte. Ganz eindeutig geregelt schien das nicht zu sein, aber ungefähr 2.000 Namibia-Dollar standen im Raum.
Nach anderthalb Stunden trafen die Ranger schließlich ein und erklärten völlig entspannt, wir könnten entweder jetzt auf den Papierkram warten – das würde ungefähr eine weitere Stunde dauern – oder morgen früh wiederkommen und die fertigen Unterlagen abholen.
Diese Information hätte man uns auch gut anderthalb Stunden früher geben können.
Außerdem müsse die Strafe gar nicht hier bezahlt werden, sondern erst in Tsumeb – über 100 Kilometer entfernt. Zum Glück lag der Ort ohnehin auf unserer weiteren Route. Logisch erschien diese Regelung allerdings nicht, denn schließlich gibt es im Camp ebenfalls ein Büro mit Kasse.
Mittlerweile war es 20 Uhr, stockdunkel und der Park längst geschlossen. Kein Mensch war mehr unterwegs.
Also bekamen wir schließlich eine Eskorte der Ranger bis zum zwölf Kilometer entfernten Gate vorbei an sehr sehr vielen Tieren die nachts an der Straße verweilen. Dort wurde das Tor extra noch einmal geöffnet, damit wir den Park verlassen und zurück zu unserem Camp fahren konnten.
Puh.
Was.
Für.
Ein.
Tag.
Hier mit KI bearbeitete Bilder, die ich gerde für unser Reisebuch erstelle.
Puh, ich weiß gar nicht, was ich zu diesem letzten Tag sagen soll… Ok, das Ende war wirklich blöd, da hat einfach das Hirn (scheinbar bei mehreren) ausgesetzt (irgendwie auch ein bisschen nachvollziehbar). Aber diese Sichtungen… die Ostseite ist ja bekannt dafür, aber das alles so geballt an einem Tag, das ist echt unglaublich! Ein White R. hatten wir im Park noch nie! Und dann gleich noch 2 Geparde und der Leo, da kommt man aus dem Grinsen doch nicht mehr raus. Die Elefantensichtungen sind dort auch echt immer toll und Giraffen sind einfach schöne Tiere! Ich fühle mich fast so, als hätte ich es gerade selbst erlebt. Einfach nur wow!
Gratulation zu dieser wunderschönen Reise! Einige eurer Orte kenne ich persönlich, und in Onguma hatten wir sogar das gleiche Zimmer wie ihr. Eure Fotos sind großartig – jedes einzelne weckt sofort das eigene Reisefieber.
Aber sag mal: Ihr wart nicht im Hide? Der ist doch genial – Tiere direkt vor der Nase, beste Perspektive überhaupt. Vielleicht wusstet ihr gar nicht, dass es den gibt? Am Restaurant‑Wasserloch war bei uns auch den ganzen Tag Action: Gnus, Giraffen, Springböckchen… und nachts angeblich ein Leo im Gebüsch. Gesehen hab ich ihn natürlich nicht, andere behaupteten es zumindest.
Tja, zum Hirn‑Aussetzer bei eurer Leo‑Sichtung muss man eigentlich nichts sagen. Da hattet ihr ja schon eure eigene Erleuchtung. Schön, dass ihr dazu steht. Vielleicht hilft es anderen, sich im eigenen Fotorausch besser zu beherrschen.
Ich bin dieses Jahr vollkommen hirnlos im Bitterpan-Wilderness-Camp bei Sonnenuntergang ein Stück um die Pfanne gelaufen. Kein Gedanke daran, dass wir in einem Wilderness-Camp waren. Da trifft das Sprichwort: Mehr Glück als Verstand sehr gut zu. Das war noch blöder und gefährlicher als das Fotoshooting - stehend im Fensterrahmen.
Solche Momente darf man nicht schönreden, sie sind hirnlos. Aber sie passieren. Perfekte Sichtungen, tolle Fotos – und zwischendrin auch mal menschliche Dummheit.
Danke für diesen tollen Bericht. Liebe Grüße, Silvia
chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 202405. Aug. 2026 · #75
Nacho schrieb:Gratulation zu dieser wunderschönen Reise! Einige eurer Orte kenne ich persönlich, und in Onguma hatten wir sogar das gleiche Zimmer wie ihr. Eure Fotos sind großartig – jedes einzelne weckt sofort das eigene Reisefieber.
Aber sag mal: Ihr wart nicht im Hide? Der ist doch genial – Tiere direkt vor der Nase, beste Perspektive überhaupt. Vielleicht wusstet ihr gar nicht, dass es den gibt? Am Restaurant‑Wasserloch war bei uns auch den ganzen Tag Action: Gnus, Giraffen, Springböckchen… und nachts angeblich ein Leo im Gebüsch. Gesehen hab ich ihn natürlich nicht, andere behaupteten es zumindest.
Tja, zum Hirn‑Aussetzer bei eurer Leo‑Sichtung muss man eigentlich nichts sagen. Da hattet ihr ja schon eure eigene Erleuchtung. Schön, dass ihr dazu steht. Vielleicht hilft es anderen, sich im eigenen Fotorausch besser zu beherrschen.
Ich bin dieses Jahr vollkommen hirnlos im Bitterpan-Wilderness-Camp bei Sonnenuntergang ein Stück um die Pfanne gelaufen. Kein Gedanke daran, dass wir in einem Wilderness-Camp waren. Da trifft das Sprichwort: Mehr Glück als Verstand sehr gut zu. Das war noch blöder und gefährlicher als das Fotoshooting - stehend im Fensterrahmen.
Solche Momente darf man nicht schönreden, sie sind hirnlos. Aber sie passieren. Perfekte Sichtungen, tolle Fotos – und zwischendrin auch mal menschliche Dummheit.
Danke für diesen tollen Bericht. Liebe Grüße, Silvia
Hallo Silvia und auch Melanie,
vielen Dank für eure Nachrichten und die vielen netten Worte. Wenn ihr die Reise ebenso wie wir genießt, dann haben wir alles richtig gemacht und freuen uns gleich doppelt.
Das Zimmer war der Settlers Room und das einzige Zimmer was bei Buchung noch frei war. Insofern war das gleiche Zimmer Zufall wobei das Zimmer sehr schön war. Vom Hide wussten wir und haben es auch hin und her überlegt. Wir hatten überlegt zu splitten und den halben Tag im Hide zu verbringen, aber haben uns dann letzten Endes dagegen entschieden. So hatten wir den ganzen Tag im Park und konnten vormittags die Gegend erkunden, um dann nachmittags zielgenauer anzufahren. Was besser ist, können wir nicht sagen und es obliegt immer den eigenen Präferenzen. Ich glaube beides ist richtig, aber die Zeit war nunmal begrenzt, zumindest bei uns.
Wir versuchen bei diesem Bericht so ehrlich wie möglich zu sein. Und da gehört es auch dazu, dass mal etwas nicht so schön ist oder etwas schief geht, ebenso wie die eigene Dummheit.
Liebe Grüße und danke an alle für die vielen Danke Klicks
Christian
chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 202406. Aug. 2026 · #76
Afrikanische Umwege lohnen sich
Heute stiegen wir früher als geplant aus den Federn, denn wir mussten noch einmal zur Rangerstation des Etosha-Nationalparks fahren, um unseren Strafzettel und den Reisepass abzuholen. Es war wieder einmal typisch afrikanisch: Der Zettel wurde erst bei unserer Ankunft innerhalb von fünf Minuten ausgefüllt, obwohl man uns am Vortag erklärt hatte, dies würde mindestens eine Stunde dauern. Man könne aber alles vorbereiten und wir müssten die Unterlagen am nächsten Morgen nur noch abholen. Die Rangerin wollte am Vorabend vermutlich einfach nur endlich in den Feierabend
Aufgrund des zusätzlichen Weges und des notwendigen Stopps bei der Polizeistation in Tsumeb änderten wir unseren Tagesplan. Die für den Abend geplante Aktivität verschoben wir auf den nächsten Morgen, sodass wir heute plötzlich unerwartet viel freie Zeit hatten. Ein seltener Luxus auf einer Rundreise – und natürlich begannen sofort die Überlegungen, wie wir diese sinnvoll nutzen könnten.
Nach insgesamt nur 15 Minuten, einer weiteren Ermahnung und der herzlichen Bitte, den Etosha-Nationalpark im nächsten Jahr doch bitte wieder zu besuchen – eine Kombination, die sich nach Strafzettel und Standpauke doch etwas bizarr anfühlte – ging es zurück zur Lodge und endlich zum Frühstück am Wasserloch.
Wir waren fast allein. Naja, fast. Lediglich 18 Impalas, einige Zebras, Marabus und ein stattlicher Kudu leisteten uns Gesellschaft und versüßten uns gemeinsam mit French Toast, Joghurt und Heidelbeeren den Morgen. Es gibt definitiv schlechtere Frühstücksbegleitung.
Am Nachbartisch saßen drei Männer in offizieller Rangerkleidung, mit denen wir schnell ins Gespräch kamen. Sie arbeiten für eine südafrikanische Naturschutzorganisation, die sich dem Schutz der Nashörner verschrieben hat. Aktuell begleiten sie ein beeindruckendes Projekt, bei dem insgesamt 100 Breitmaulnashörner aus Südafrika in den Etosha-Nationalpark umgesiedelt werden sollen. Die ersten 50 Tiere sollen schon bald in einem riesigen Spezialtransport ankommen. Verrückt, wenn man bedenkt, dass jedes einzelne Tier bis zu zwei Tonnen auf die Waage bringt. Allein die Logistik dahinter ist kaum vorstellbar. Ein wirklich spannendes Gespräch.
Anschließend verabschiedeten wir uns von den vielen herzlichen Menschen der Lodge. Selten haben wir uns innerhalb von nur zwei Tagen irgendwo so willkommen gefühlt. Bei der Ausfahrt standen sogar noch einige Giraffen Spalier und verabschiedeten uns auf ihre ganz eigene elegante Art. Am Eingang warteten außerdem Perlhühner und eine große Gruppe Zebramangusten – fast so, als hätte die Lodge extra ein Abschiedskomitee organisiert.
Unser Weg führte uns nach Tsumeb. Nachdem wir knapp 85 Liter Diesel in die Tanks gefüllt hatten – im Etosha gab es schlicht keinen Tropfen Sprit mehr – suchten wir die Polizeistation auf und begaben uns in die Hände der mehr oder weniger kompetenten Beamten. Unsere Strafe konnte selbstverständlich ausschließlich bar bezahlt werden; ein Kartenlesegerät war nicht vorhanden. Anschließend wurden gefühlt unendlich viele Formulare ausgefüllt beziehungsweise einem Untergebenen diktiert, was er wo einzutragen hatte. Bürokratie ist eben überall auf der Welt gleich – nur unterschiedlich schnell. Am Ende hielten wir schließlich unsere Quittung in den Händen und durften offiziell weiterreisen.
Jetzt galt es, die gewonnene Zeit sinnvoll zu nutzen. Unser Plan war, den Hoba-Meteoriten zu besuchen, da dieser nur einen "kleinen" Umweg bedeutete.
Der Hoba-Meteorit gilt als der größte jemals auf der Erde entdeckte Meteorit und zugleich als der größte natürlich vorkommende Eisenblock unseres Planeten. Vor rund 80.000 Jahren schlug er hier ein und blieb aufgrund seines flachen Einschlagwinkels nahezu unversehrt an der Erdoberfläche liegen.
Dort angekommen staunten wir nicht schlecht über seine schiere Größe und Masse. Knapp 60 Tonnen wiegt der zu etwa 82 Prozent aus Eisen bestehende Gigant. Wenn man auf ihm steht und spricht, klingt die eigene Stimme völlig anders. Während normaler Erdboden Schall eher schluckt, wirft der massive Metallblock die Schallwellen sofort zurück. Dadurch entsteht ein erstaunlich metallischer, hallender Klang. Noch faszinierender war allerdings, dass sich der Meteorit trotz der prallen Sonne erstaunlich kühl anfühlte. Schon verrückt, auf einem Gesteinsbrocken zu stehen, der älter ist als die Menschheit selbst.
Anschließend fuhren wir weiter Richtung unserer nächsten Unterkunft und vertrauten dabei unserem Navi. Das lotste uns kurzerhand von der Hauptstraße auf eine kaum befahrene Nebenstraße, die wir spontan „Piggyland“ tauften. Etwa alle 100 Meter standen Warzenschweine am Straßenrand. Anfangs versuchten wir noch, jedes einzelne zu fotografieren. Irgendwann gaben wir auf und staunten einfach nur noch darüber, wie unglaublich viele Tiere hier lebten. Vermutlich hätten selbst die Warzenschweine irgendwann gefragt, ob wir nicht endlich weiterfahren wollen.
Doch nicht nur Warzenschweine begegneten uns. Auch einige Steinböckchen sowie unsere ersten beiden Sekretäre konnten wir beobachten. Der Sekretär ist einer der außergewöhnlichsten Greifvögel Afrikas und jagt bevorzugt Schlangen, die er mit seinen langen, kräftigen Beinen regelrecht zu Tode tritt.
Auch eine Gruppe Oryx konnten wir beobachten. Statt elegant über den Zaun zu springen, entschieden sie sich lieber dafür, darunter hindurchzukriechen – und das erstaunlich geschickt für Tiere ihrer Größe. Kudus nahmen lieber den eleganten weg und spangen über den Zaun.
Leider wollte uns das Navi anschließend auf eine Strecke schicken, die mitten durch einen geschlossenen Weidezaun führte. Unser Monster hätte diese Herausforderung vermutlich ohne große Mühe gemeistert, doch wir entschieden uns lieber gegen die Variante „Geländewagen trifft Zaun“ und für die deutlich friedlichere Lösung: zurück zur Hauptstraße und weiter auf der offiziellen Route.
Hier legten wir auch unsere inzwischen lieb gewonnene Kaffeepause ein. Dazu gab es das restliche Toastbrot, Wurst und natürlich die leckere Cabanossi. Währenddessen beobachteten wir die unzähligen Lastwagen, die vorbeifuhren. Manche wirkten so, als wären sie direkt aus einem amerikanischen Roadmovie der 70er-Jahre herausgefahren – riesig, laut und mit jeder Menge Charakter.
Die letzten Kilometer führten uns schließlich über das Gelände der Cheetah Conservancy, und erneut waren wir von der Vielzahl der Tiere begeistert. Überall sahen wir Springböcke, Warzenschweine, Perlhühner, Paviane und Impalas.
Die Cheetah Conservancy Namibia setzt sich für den Schutz der bedrohten Geparden ein und verbindet Artenschutz mit Forschung, Bildung und der Zusammenarbeit mit den umliegenden Farmen. Ziel ist es, ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Gepard zu ermöglichen und die Tiere langfristig in ihrer natürlichen Umgebung zu erhalten.
Angekommen wurden wir zu unserem Bungalow geführt, der ganz im Zeichen des Geparden stand. Überall hingen Bilder der eleganten Raubkatzen an den Wänden, und selbst Tischdecken, Servietten und zahlreiche Dekorationselemente im Restaurant waren im Gepardenstil gestaltet. Hier merkte man sofort, dass die Gründer dieses Projekt mit viel Herzblut leben.
Beim Abendessen besprachen wir mit unserem überaus netten und hilfsbereiten Kellner die Aktivitäten für den kommenden Tag. Anschließend fielen wir voller Vorfreude und nach einem erneut erlebnisreichen Tag in unser gemütliches Kuschelbett.
chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 2024gestern 09:45 · #77
Giraffen, Geparden und Genuss
Der letzte volle Tag unserer Reise beginnt – und natürlich wieder vor dem Sonnenaufgang. Da wir unsere gestrige Aktivität auf heute verschoben hatten, mussten wir früh raus, um alles Geplante ohne Zeitdruck unterzubringen. Pünktlich zum Sonnenaufgang saßen wir beim Frühstück und stärkten uns mit Toast, Rührei, Müsli und Cappuccino für den Tag.
Um 8:15 Uhr waren wir pünktlich im Büro der Cheetah Conservancy, um einen eigens vereinbarten Früh-Drive zu den Geparden zu starten – noch vor der regulären Besuchszeit. Aber es wäre nicht Afrika, wenn alles, was außerhalb der Norm stattfindet, reibungslos funktionieren würde. Sämtliche Mitarbeiter schauten uns mit fragenden Gesichtern an und behaupteten, von nichts zu wissen. Erst als die Managerin erschien, erklärte sie, dass eigentlich alle informiert worden seien, kümmerte sich sofort um die Situation und wenige Minuten später ging es endlich los. Ein kurzer Moment, in dem wir uns schon fragten, ob wir die Geparden heute nur von der Broschüre kennen lernen würden, aber so hatten wir eine Exklusivtour.
Wir fuhren rund 60 Minuten über das Gelände und erhielten viele spannende Informationen über die Arbeit der Conservancy mit ihren insgesamt 120 Mitarbeitern. Ein großer Schwerpunkt liegt auf der Aufklärung der Bevölkerung Namibias, damit Mensch und Gepard auch in Zukunft friedlich nebeneinander leben können und die Tiere weiterhin in freier Wildbahn eine Chance haben.
Während unseres Drives konnten wir insgesamt sechs Geparden beobachten. Einige von ihnen sind mittlerweile zu alt, um wieder ausgewildert zu werden. Andere sind als Jungtiere in die Auffangstation gekommen, beispielsweise weil ihre Mutter gestorben ist. Durch den engen Kontakt mit Menschen hätten sie in freier Wildbahn kaum Überlebenschancen. Diese Tiere werden deshalb den Besuchern gezeigt, während andere Geparden gezielt auf eine spätere Auswilderung vorbereitet werden.
Außerdem betreibt die Conservancy ein Zuchtprogramm für Schutzhunde. Diese bewachen Schaf- und Ziegenherden und schützen sie vor Angriffen durch Raubtiere. So müssen Geparden und andere Raubtiere deutlich seltener als vermeintliche Problemtiere getötet werden – eine einfache, aber äußerst wirkungsvolle Lösung.
Nach dem Drive gab es noch ein Eis aus Ziegenmilch – überraschend lecker – und anschließend machten wir uns auf den Weg nach Windhoek.
Die rund 300 Kilometer verliefen nahezu problemlos. Einmal hielten wir an, weil uns ständig entgegenkommende Fahrzeuge mit der Lichthupe warnten. Sofort gingen sämtliche Katastrophenszenarien durch unseren Kopf: Nummernschild verloren? Licht kaputt? Motorhaube offen? Die Kontrolle ergab: alles bestens. Wahrscheinlich hatten die anderen einfach einen Blitzer, ein Tier entdeckt oder wollten uns aus irgendeinem anderen Grund warnen. Vorsicht ist schließlich besser als Nachsicht.
Ein weiteres kleines Abenteuer erwartete uns, als die alte Straße gesperrt war und die neue zweispurige Straße noch nicht im Navigationssystem gespeichert war. Also vertrauten wir unserem Instinkt und Google Maps – und fanden tatsächlich problemlos wieder auf die richtige Route. Manchmal gewinnt eben doch das Bauchgefühl.
Kurz vor Windhoek hielten wir noch einmal an, um das Gepäck für das spätere Ausladen zusammenzupacken und sicher im abschließbaren Heck zu verstauen. Leider hatte das Vorhängeschloss offenbar etwas zu viel namibischen Sand geschluckt und weigerte sich hartnäckig, überhaupt noch zu schließen. Kurzerhand entfernten wir deshalb das Schloss von der Axt, das ohnehin nur als Diebstahlschutz diente, und verwendeten es stattdessen für unser Gepäck. Prioritäten müssen schließlich gesetzt werden. Die Axt musste an diesem Tag eben ihrem Schicksal vertrauen.
Auf der Fahrt nach Windhoek erlebten wir dann noch ein Novum: Eine Autobahn, die sich wegen mehrerer Bodenschwellen über mehr als einen Kilometer auf 30 km/h verlangsamt, hatten wir bis dahin auch noch nicht gesehen.
In Windhoek ging es zunächst in einen Craft Market – ein großes mehrstöckiges Gebäude mit zahlreichen kleinen Händlern, die Souvenirs verkaufen. Eigentlich wollten wir gar nichts mehr kaufen. Eigentlich. Doch wie so oft hatten einige Erinnerungsstücke andere Pläne mit unserem Vorsatz.
Danach stand das letzte Tanken auf dem Programm, damit wir den Wagen wie übernommen wieder „full full“ zurückgeben konnten. Dabei fiel uns die ungewöhnlich starke Militärpräsenz auf. Der Grund ließ nicht lange auf sich warten: Der Präsident sollte wenig später vorbeifahren.
Bis zu unserem Autovermieter ASCO waren es anschließend keine 100 Meter mehr und so hatten wir am Ende der Reise stolze 5038,9 Kilometer auf dem Tacho. Zum krönenden Abschluss der Fahrt berührte Christian beim millimetergenauen Einparken noch leicht eine Mauer. Wirklich nur ganz leicht – der Bullenfänger gab der Wand eher einen höflichen Abschiedskuss. Interessiert hat das allerdings niemanden. Ein Blick auf die Mauer verriet schnell, dass wir mit dieser Begegnung wohl nicht die Ersten gewesen waren.
Beim Ausräumen des Fahrzeugs fanden wir schließlich auch noch das Gerät zum Ablassen des Reifendrucks. Es lag gut versteckt im Handschuhfach unter einem ordentlichen Stapel Unterlagen. Im Sossusvlei waren wir also nicht schlecht ausgestattet gewesen – wir waren einfach nur zu blind, es zu finden.
Die Fahrzeugrückgabe verlief anschließend völlig problemlos. Alles war in Ordnung, und der Fahrer zu unserer letzten Lodge wartete bereits auf uns. Also stiegen wir ein und machten uns auf den Weg zu unserer Unterkunft der Voigtland Lodge etwas außerhalb von Windhoek.
Dort wurden wir wie im ganzen Land herzlich begrüßt und sofort eingeladen, noch einen Kaffee zu trinken und ein Stück Nusskuchen zu genießen. Dazu sagt man natürlich nicht Nein. Also nahmen wir auf dem Sonnendeck Platz, wo bereits ein Tisch für uns gedeckt war.
Schon von dort aus konnten wir die Hauptattraktion der Lodge bewundern: vier Giraffen.
Die Giraffen Sophie, Gustav, ihr Jungtier Heinrich und Shotty leben frei auf dem Gelände – selbstverständlich durch einen Zaun vom Lodgebereich getrennt – und kommen morgens und nachmittags zur Lodge, weil sie dort Kameldornschoten als Leckerbissen bekommen.
Leider waren wir etwas zu spät. Uns wurde erklärt, die vier seien bereits satt. Das war zwar etwas schade, doch allein sie aus nächster Nähe beobachten zu können, war schon ein Erlebnis.
Wir saßen also gemütlich da und beobachteten die Giraffen beim Trinken und Herumlaufen, als plötzlich Sophie direkt auf uns zukam. Der Guide grinste und meinte: „Sie möchte wohl doch noch einen kleinen Snack.“
Wenige Augenblicke später kam er mit einem großen Eimer voller Kameldornschoten zurück, aus dem jeder von uns einen kleinen Beutel erhielt. Tatsächlich durften wir die Giraffen aus der Hand füttern. Ganz vorsichtig nahm Sophie die Schoten mit ihrer langen, erstaunlich geschickten Zunge aus unseren Fingern.
Gustav beobachtete das Ganze offenbar eine Weile und dachte sich wohl: „Wenn hier schon verteilt wird, bin ich selbstverständlich auch dabei.“ Also gesellte auch er sich zu uns, sodass wir beide Giraffen gleichzeitig füttern konnten. Der Guide füllte unsere Beutel mehrmals nach, sodass wir die beiden Tiere bestimmt zehn Minuten lang aus nächster Nähe füttern durften.
Was für ein unglaubliches Erlebnis. Selbst nach all den Eindrücken dieser Reise schaffte es Namibia noch einmal, uns völlig zu überraschen.
Nach Kaffee und Giraffen machten wir noch einen kleinen Spaziergang zu einem nahegelegenen Picknickplatz auf dem Farmgelände. Anschließend standen wir pünktlich zum Sonnenuntergang wieder auf der Terrasse und ließen den Blick über die Landschaft schweifen.
So ging ein weiterer fantastischer Tag einer unvergesslichen Traumreise zu Ende.
chriboehmThemenstarter124 Beiträge · seit 2024heute 09:47 · #78
Auf Wiedersehen, Namibia
Heute Morgen konnten wir endlich einmal ausschlafen – ein fast schon ungewohntes Gefühl nach den vergangenen Wochen voller früher Starts. Nach dem Duschen wurde noch schnell der Koffer gepackt. Nach drei Wochen Übung geht das mittlerweile fast im Schlaf und erstaunlich schnell. Beim Frühstück wartete erneut eine Überraschung auf uns. Der Frühstückstisch war draußen gedeckt und die Giraffen standen bereits bereit. Da hieß es erst einmal: den eigenen Hunger hinten anstellen und stattdessen die Giraffen füttern. Es ist einfach unbeschreiblich, morgens so begrüßt zu werden. Erst danach konnten wir uns dem eigentlichen Frühstück widmen. Das war ebenfalls ein Highlight: deutsche Brötchen, echter Käse und sogar Nutella aus den kleinen Minigläsern – manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die nach drei Wochen Fernreise für große Begeisterung sorgen.
Bis zur Abholung durch das Taxi hatten wir noch einige Stunden Zeit und überlegten, wie wir diese verbringen sollten. Zunächst entschieden wir uns für etwas Entspannung und versuchten gleichzeitig, unsere beim Check-in zugewiesenen Sitzplätze im Flugzeug von der ungeliebten Viererreihe in der Mitte auf eine Zweierreihe am Fenster umzubuchen – möglichst ohne dafür ein kleines Vermögen auszugeben. In der App wollte Lufthansa dafür stolze 52 Euro pro Person, also insgesamt 104 Euro, haben. Zum Glück gab es noch den Live-Chat. Der Chatbot konnte oder wollte uns zwar nicht helfen, aber dann kam die Rettung in Form einer echten Mitarbeiterin. Vielen Dank an Portia, die unser Problem innerhalb weniger Minuten lösen und uns kostenlos umplatzieren konnte. Ein kleiner Sieg gegen die Technik, der sich fast wie ein Lottogewinn anfühlte.
Nach dieser erfolgreichen Mission machten wir noch einen kleinen Spaziergang und wurden tatsächlich ein letztes Mal belohnt: Wir entdeckten einen Schakal, Paviane und Warzenschweine. Namibia zeigte sich also selbst am letzten Tag noch einmal von seiner allerbesten Seite – als wollte das Land verhindern, dass wir überhaupt auf die Idee kommen, nach Hause zu fliegen.
Zurück an der Lodge konnten wir den Mitarbeitern beim Zerlegen eines Oryx zuschauen. Anschließend stärkten wir uns mit einem Sandwich mit Käse und Schinken – leider ohne Oryxfleisch. Man kann eben nicht alles haben. Geschmeckt hat es trotzdem.
Den restlichen Nachmittag verbrachten wir entspannt am Pool. Kurz vor der Abholung durch das Taxi gingen wir noch einmal duschen. Die Lodge dachte wirklich an alles: Es gab immer wieder kostenlosen Cappuccino, sämtliche Getränke am Picknickplatz waren inklusive und als Krönung stand ein großer Duschraum zur Verfügung, in dem man sich ganz in Ruhe für den langen Rückflug fertig machen konnte.
Pünktlich um 16:30 Uhr ging es schließlich los. Der freundliche Taxifahrer vom Vortag brachte uns mit seinem großen Minibus sicher zum Flughafen. Beim Check-in hatten wir kurz Sorge, dass unser schweres Gepäck noch Probleme machen könnte. Vor uns musste eine Familie nämlich ihren gesamten Kofferinhalt umräumen und sogar das Handgepäck wurde einzeln gewogen. Wir rechneten innerlich schon damit, unsere Souvenirs auf sämtliche Jackentaschen verteilen zu müssen. Doch wir hatten Glück: Eine andere Mitarbeiterin drückte bei unserem einen Kilogramm Übergepäck ein Auge zu und verzichtete außerdem darauf, das schwere Handgepäck überhaupt zu wiegen. Manchmal muss das Reiseglück eben bis ganz zum Schluss anhalten. Danach ging es noch einmal ins Restaurant, um ein letztes Mal namibisch essen zu gehen – in Form einer Pizza Margherita. Anschließend passierten wir die Pass- und Sicherheitskontrolle. Diese war überraschend leer, sodass wir dieses Mal bereits nach fünf Minuten am Gate standen und auf das Boarding warteten. Warum geht das bei der Einreise nicht auch so?
Nun heißt es also: ab in den Flieger und zurück nach Deutschland. Namibia war für uns eine ganz besondere Erfahrung. Das Land hat uns mit seiner landschaftlichen Vielfalt beeindruckt – von den gewaltigen Wüsten über tiefe Canyons bis hin zu den rauen Küsten und den weiten Hochebenen. Überall begegneten uns freundliche Menschen, ganz gleich, wo wir waren oder mit wem wir ins Gespräch kamen. Vor allem aber war es das Gefühl, dass hinter jeder Kurve und an jedem neuen Tag wieder etwas Überraschendes auf uns wartete. Genau das machte jede Fahrt und jeden Ausflug zu einem kleinen Abenteuer. Für uns als Naturliebhaber war diese Reise ein absolutes Highlight. Besonders die vielen Tiere, die frei durch die Landschaft streiften, machten diesen Urlaub unvergesslich. Die unzähligen Tierbeobachtungen, die besonderen Begegnungen und die einmaligen Momente werden uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Und während das Flugzeug für den Flug Richtung Deutschland vorbereitet wird, stand für uns bereits fest: Das war kein Abschied für immer – sondern hoffentlich nur ein Abschied auf Zeit. Der Rückflug war ausgesprochen angenehm. Das Boarding begann sogar
überpünktlich, sodass wir bereits 15 Minuten vor der geplanten
Abflugzeit startklar waren. Da wir den Tag ohnehin größtenteils mit
Faulenzen verbracht hatten und außerdem noch ein ordentliches
Schlafdefizit aus den vergangenen Tagen mit uns herumtrugen, war für uns
direkt nach der Essensausgabe – das Essen selbst haben wir allerdings
ignoriert – und dem Ausschalten der Kabinenbeleuchtung Schlafenszeit.
Der Plan ging perfekt auf: Erst über Europa wurden wir wieder wach und
landeten anschließend gut gelaunt, ruhig und sogar überpünktlich in
München. So darf Fliegen gerne immer sein.
Mit an Bord befand sich auch das Fußballteam aus Namibia, bestehend aus
Sportlerinnen und Sportlern mit und ohne Behinderung, das auf dem Weg zu
den Special Olympics Unified Football World Games in Paris war. Die
vielen jungen Spielerinnen und Spieler sorgten bereits im Flugzeug für
eine tolle Stimmung. Wir wünschen dem gesamten Team viel Erfolg,
unvergessliche Erlebnisse und vor allem jede Menge Spaß.
In München führte der Weg zunächst durch die Sicherheits- und
anschließend durch die Passkontrolle, bevor wir mit dem Shuttle zum
Terminal 2 und damit auch zu unserem Gate für den Weiterflug nach Berlin
fuhren. Da wir noch mehr als zwei Stunden Zeit bis zum Abflug hatten,
gönnten wir uns erst einmal ein gemütliches Frühstück bei Dallmayr. Gut
gestärkt ließ sich die letzte Etappe der Reise deutlich entspannter
angehen.
Das Boarding für den Flug nach Berlin begann ebenfalls pünktlich. Kurz
darauf gab es allerdings noch einen kleinen Spannungsmoment: Vier Koffer
hatten es bereits an Bord geschafft – ihre Besitzer jedoch nicht. Da
Gepäck bekanntlich nicht allein reisen darf, mussten die Koffer wieder
ausgeladen werden. Ein kurzer logistischer Kraftakt, der den Abflug
jedoch nur geringfügig verzögerte.
Trotzdem erreichten wir das verregnete Berlin nahezu pünktlich. Der BER
begrüßte uns innen wie außen nass – offenbar gehören Regen und der
Hauptstadtflughafen noch immer nicht zu den besten Freunden. Die Koffer
ließen erfreulich nicht lange auf sich warten und kamen sogar
vollständig und unversehrt an. Damit endete unsere Reise genauso
entspannt, wie der Rückflug begonnen hatte, und wir konnten zufrieden
die Heimfahrt antreten.
Damit endet dieser Reisebericht und wir hoffen er hat euch allen gefallen. Für uns war es auf jeden Fall eine Traumreise mit so vielen wunderschönen Erlebnissen. Bei Fragen könnt ihr euch gerne bei uns melden. Entweder hier unter diesem Beitrag oder per Nachricht.