nach unserer dreiwöchigen Traumreise durch Namibia sind wir nun wieder zurück. Da wir im Vorfeld unglaublich von euren Reiseberichten, Erfahrungen und den vielen hilfreichen Tipps für unsere Routenplanung profitiert habe, möchten wir gerne etwas zurückgeben.
Deshalb werden wir unseren Reisebericht, den wir jeden Abend für unsere Familie und Verwandten geschrieben und über Polarsteps geteilt haben, nach und nach hier veröffentlichen (natürlich nur mit einer Bilderauswahl, da es sonst einfach zu viele Bilder wären). Bitte seht es uns nach, dass wir nicht immer genau dokumentiert haben, ob wir nun auf dieser oder jener C- oder D-Straße unterwegs waren – für unsere Verwandten spielte das keine große Rolle. Ich hoffe trotzdem, dass euch unser Bericht gefällt, euch vielleicht bei eurer eigenen Reiseplanung hilft und vor allem Spaß beim Lesen bereitet. Über eure Rückmeldungen und Fragen freuen wir uns natürlich sehr.
Vielleicht noch ein paar Worte zur Planung: Unsere Reise haben wir fast drei Jahre lang vorbereitet – gemeinsam mit Magic Vibes (an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön!) und mit sehr viel Eigenrecherche. Google Maps, Reiseforen, YouTube, spezialisierte Webseiten und unzählige Erfahrungsberichte haben uns dabei begleitet. Die Planung war fast schon ein Teil der Reise und hat unglaublich viel Spaß gemacht. Je intensiver wir uns mit Namibia beschäftigt haben, desto klarer wurde unsere Route – und desto größer wurde die Vorfreude.
Ursprünglich wollten wir bis in den Norden zu den Victoria Falls fahren. Irgendwann entschieden wir uns jedoch bewusst dagegen und planten stattdessen eine klassische Namibia-Rundreise: zunächst in den Süden, anschließend Schritt für Schritt Richtung Norden – mit dem Etosha-Nationalpark als krönendem Abschluss unserer Reise. Die Reise begann am 12. Juni und endete am 5. Juli 2026.
Abreise ins Abenteuer
Der heutige Tag verlief überraschend entspannt. Da wir bereits am Mittwoch etwa 90 % unseres Gepäcks vorbereitet hatten, ging heute alles sehr schnell. Innerhalb von nur 15 Minuten war alles fertig verstaut. Anschließend wurde noch ein wenig geputzt, Billi unsere Schildkröte versorgt und das Aquarium gereinigt – danach waren wir startklar.
Überpünktlich machten wir uns auf den Weg zum BER. Trotz einiger Staus unterwegs kamen wir dank unseres Chauffeurs (Papa) sicher am Flughafen an. Die Koffer waren schnell aufgegeben und auch die Sicherheitskontrolle verlief dank freundlicher Mitarbeiter reibungslos.
Danach war es Zeit für ein Abendessen beim König. Auf dem Speiseplan standen Cheeseburger.
Der Flug nach Frankfurt verlief pünktlich und angenehm. Bereits nach 45 Minuten landeten wir. Hätten wir allerdings gewusst, dass anschließend noch ein rund 20-minütiger Fußmarsch durch die verschiedenen Terminals auf uns wartet, hätten wir uns vorher vielleicht noch etwas mehr gestärkt. So ging es direkt weiter zum überraschend leeren Terminal C, wo wir schließlich mit leichter Verspätung in den Flieger stiegen.
Nun heißt es bald schlafen. Wenn wir wieder aufwachen, werden wir bereits über Afrika sein.
Teil 207. Juli 2026
Nach dem eher ungenießbaren Abendessen bin ich schließlich eingeschlafen und habe immerhin rund fünf Stunden mehr oder weniger durchgeschlafen. Diana hatte leider weniger Glück. Der Sitz erwies sich als erstaunlich talentiert darin, jede bequeme Schlafposition zuverlässig zu verhindern, sodass an erholsamen Schlaf kaum zu denken war.
Das Frühstück war dann zumindest zur Hälfte essbar, und so landeten wir gut gelaunt und sogar überpünktlich in Namibia.
Dort sollte sich allerdings direkt ein bekanntes Sprichwort bewahrheiten: „Europa hat Uhren, Afrika hat Zeit.“ An der Immigration standen wir ganze zwei Stunden am Visa-on-Arrival-Schalter an. Hintergrund war, dass es in den beiden Wochen zuvor Probleme mit der eVisa-Webseite gegeben hatte und deshalb deutlich mehr Reisende als üblich ihr Visum erst vor Ort beantragen mussten. Besonders beeindruckend waren die ersten 45 Minuten, in denen sich unsere Schlange keinen einzigen Zentimeter bewegte. Als wir endlich an der Reihe waren, waren die eVisa-Reisenden bereits abgefertigt und wir wurden in eine andere Schlange umgeleitet, wo es angeblich schneller gehen sollte. Kurzes Fazit: Nein. Es ging nicht schneller. Stattdessen durften wir uns zusätzlich noch einmal separat zum Bezahlen anstellen.
Das Ergebnis dieser kleinen Geduldsprobe: Wir waren die Letzten, die fertig wurden, und unsere Koffer warteten bereits einsam und verlassen vor dem Gepäckband auf ihre Besitzer. Unser Fahrer hatte inzwischen eine Gruppe Holländer eingesammelt, die durch die lange Warterei offenbar so durstig geworden waren, dass erst einmal ein Kaffee organisiert werden musste.
Auf dem Weg zur Autovermietung ASCO zeigte sich dann das erste größere Tier der Reise: ein Warzenschwein. Nicht unbedingt das majestätische Afrika-Klischee, aber definitiv ein würdiger Auftakt.
Die Fahrzeugübergabe verlief dafür vorbildlich. Alles war hervorragend organisiert, wurde ausführlich erklärt und sogar der Tank noch einmal bis zum letzten Tropfen aufgefüllt. Dass wir nach der langen Anreise nicht mehr ganz aufnahmefähig waren, merkten wir allerdings Tage später, als wir ein kleines Ventil zum Luftablassen suchten und es partout nicht finden konnten – aber dazu später mehr.
Zusätzlich hatten wir eine Kühlbox sowie ein Campingpaket gebucht. Dieses enthielt wirklich alles – vom Gaskocher über Töpfe, Pfannen und Geschirr bis hin zu Besteck und Tassen. Damit konnten wir unterwegs jederzeit einen heißen Kaffee kochen oder kleine Mahlzeiten zubereiten.
Anschließend ging es zum Einkaufen in den Spar Nahe der Maerua Mall. Wer denkt, hier gäbe es nur eine kleine Auswahl, wird eines Besseren belehrt. Es gab praktisch alles – und vermutlich noch einiges mehr. Wären wir nicht etwas unter Zeitdruck gewesen, hätten wir dort problemlos noch eine Stunde verbringen können. So blieb es bei einem soliden Grundeinkauf mit allem, was man für die ersten Tage braucht.
Danach stand noch der Besuch im Mobilfunkshop der Mall auf dem Programm, damit wir unterwegs zumindest gelegentlich Internet haben würden. Dort begegnete uns erneut die berühmte afrikanische Gelassenheit. Dem Verkäufer konnte man beim Tippen beinahe die Fingernägel lackieren. Was andernorts in zwei Minuten erledigt ist, dauerte hier etwa eine halbe Stunde.
Dann hieß es: Schnell noch etwas essen und endlich ab auf die Piste. Rund 250 Kilometer lagen noch zwischen uns und unserer ersten Lodge. Anfangs rollten wir über gut ausgebaute Straßen, bevor wir irgendwann auf die typischen welligen Gravel Roads abbogen. Hier zeigte der Toyota Hilux, warum er in Namibia so beliebt ist. Trotz der Schotterpisten lag er erstaunlich souverän auf der Straße.
Unterwegs bekamen wir bereits einen ersten Vorgeschmack auf die Tierwelt: Springböcke, Riesentrappen, Strauße, Erdhörnchen und Mangusten kreuzten unseren Weg.
An der Jansen Kalahari Lodge angekommen wurden wir zunächst herzlich von der freundlichen Dame an der Rezeption begrüßt. Auf dem Weg zu unserem wunderschönen Bungalow folgte dann das erste echte Afrika-Wow-Erlebnis: Zebras, Springböcke, Kudus und Elandantilopen standen praktisch direkt vor unserer Tür.
Eigentlich hatten wir gar keine Lust, uns von dieser Kulisse loszureißen. Doch das Abendessen – ein hervorragendes Drei-Gänge-Menü mit Oryxsteak als Hauptgang – und natürlich das Bett warteten bereits auf uns.
Bevor wir jedoch schlafen gingen, mussten wir unbedingt noch den einmalig schönen Sternenhimmel fotografieren. So einen klaren, funkelnden Nachthimmel sieht man in Deutschland zu keiner Jahreszeit. Spätestens in diesem Moment wussten wir: Die lange Anreise hatte sich gelohnt.
Teil 308. Juli 2026
Fahrt in den Süden
Heute hieß es früh aufstehen, denn wir wollten den ersten Sonnenaufgang nicht verpassen. Es war wunderschön, am frühen Morgen vor der Veranda zu stehen und zuzusehen, wie die Sonne langsam hinter der Savanne aufstieg. Die Stille, die Farben und die angenehm kühle Morgenluft machten diesen Moment zu einem ganz besonderen Start in den Tag.
Nach dem Frühstück hieß es dann Abschied von der Kalahari nehmen, denn über 400 Kilometer lagen vor uns. Die Strecke versprach lang zu werden und wir hatten ehrlich gesagt nicht allzu viel Abwechslung erwartet. Doch schon die ersten Kilometer belehrten uns eines Besseren. Überall am Wegesrand standen Tiere: Springböcke in großer Zahl, dazu Impalas, Strauße, Oryx-Antilopen, Gnus, Geier und viele weitere. Es wirkte fast so, als hätte die Kalahari zum Abschied noch einmal ihre gesamte Tierwelt aufgeboten.
Schließlich mussten wir die Kalahari endgültig hinter uns lassen und machten uns auf den Weg zum zweitgrößten Staudamm Namibias, dem Hardap Dam. Dort waren wir nahezu allein und konnten die gewaltigen Ausmaße dieses Wasserreservoirs in aller Ruhe bestaunen. In einem Land, das von Trockenheit geprägt ist, wirkt eine solche Wassermenge beinahe surreal.
Außerdem entdeckten wir unseren ersten „Elefanten“ – oder zumindest einen entfernten Verwandten. Ein Klippschliefer saß gemütlich auf dem Weg. Wer ihn zum ersten Mal sieht, käme wohl nie auf die Idee, dass dieses putzige Tier tatsächlich mit dem Elefanten verwandt sein soll. Die Natur hat offensichtlich ihren ganz eigenen Sinn für Humor. Auch einige Borstenhörnchen konnten wir an ihrem Bau beobachten.
Nach dem Staudamm stand zunächst Tanken auf dem Programm. Besonders gefreut haben wir uns über den Service inklusive Fensterreinigung – nach vielen Kilometern auf namibischen Straßen weiß man das durchaus zu schätzen.
Anschließend wurde die Fahrt etwas eintöniger. Die Landschaft ging immer mehr in eine weite Steppe über. Kaum ein Baum, kaum ein Hügel – stattdessen Buschland bis zum Horizont. Ein starker Kontrast zu den roten Dünenlandschaften der Kalahari. Doch Namibia wäre nicht Namibia, wenn die Landschaft nicht schon wenig später wieder ihr Gesicht ändern würde.
Nachdem wir etwa 300 Kilometer hinter uns gebracht hatten, wurde die Umgebung erneut spektakulär. Grasbewachsene Hügel wechselten sich mit teils schroffen Felsformationen ab und erinnerten uns je nach Blickwinkel entweder an Bilder aus den USA oder an die Highlands Schottlands. Es ist wirklich beeindruckend, wie facettenreich und abwechslungsreich dieses einzigartige Land ist.
An unserer nächsten Unterkunft der Alte Kalköfen Lodge angekommen, bezogen wir erst einmal unser Häuschen mit dem Namen „Bella“ und machten uns etwas frisch. Danach besichtigten wir die Zucht der sogenannten Lebenden Steine, einer faszinierenden Sukkulentenart, die ihrem Namen alle Ehre macht. Anschließend genossen wir den Pool und beobachteten den Sonnenuntergang.
Abgerundet wurde der Tag von einem ausgezeichneten Abendessen. Zufrieden, satt und voller neuer Eindrücke fielen wir schließlich ins Bett – bereit für das nächste Abenteuer.
Teil 409. Juli 2026
Fish River Canyon
Heute sind wir wieder früh aufgestanden und haben den Sonnenaufgang bestaunt, bevor es zu einem wunderbaren Frühstück ging. Statt eines Buffets hatte jeder Tisch seine eigene Tafel mit allem, was man für einen gelungenen Start in den Tag braucht – eine sehr schöne und persönliche Idee.
Irgendwann mussten wir uns jedoch von unserer Unterkunft, der Alte Kalköfen Lodge verabschieden. Vor der Abfahrt erkundigten wir uns beim Gastgeber noch nach dem Zustand der Strecke. Seine Antwort klang beruhigend: Alles sei problemlos fahrbar, lediglich eine kleine sandige Stelle gäbe es. Die lediglich 99 Kilometer bis zur nächsten Lodge würden wir also locker schaffen.
Der Start verlief auch tatsächlich reibungslos – bis wir die besagte „sandige Stelle“ erreichten. Was uns dort erwartete, war allerdings eher ein Wasserbett aus Tiefsand als eine kleine Herausforderung. Umkehren war keine Option, also hieß es: Allradantrieb rein, Augen nach vorne und durch. Zum Glück hat alles bestens funktioniert.
Die weitere Strecke war bis zur Einfahrt in das Naturschutzgebiet gut fahrbar und führte durch die wunderschöne Savanne vorbei an verschiedenen Farmen.
Mit der Einfahrt zur Fish River Lodge war dann erneut Allradbetrieb angesagt. Über teilweise steile und extrem holprige Pisten ging es hinauf zum Canyon. Anspruchsvoll, aber genau die Art von Strecke, die richtig Spaß macht.
Oben angekommen wurden wir herzlich begrüßt und waren sofort von dem phänomenalen Ausblick begeistert. Auch die Bungalows direkt an der Canyonkante boten einen spektakulären Blick in die Landschaft.
Da wir die Zeit optimal nutzen wollten, entschieden wir uns gegen das Faulenzen und stattdessen für eine etwa 40-minütige Wanderung zu einem Aussichtspunkt westlich der Lodge. Von dort hatten wir einen fantastischen Blick in den Canyon und konnten einige beeindruckende Drohnenaufnahmen machen.
Zurück in der Lodge gab es zunächst Kaffee und Schokoladentorte auf der Terrasse. Als die Temperaturen sanken, verlegten wir den gemütlichen Teil des Nachmittags ans Feuer.
Für den Abend hatten wir uns zu einer Sundowner-Fahrt angemeldet und freuten uns, dass wir inklusive Guide nur zu fünft unterwegs waren. Zunächst besuchten wir eine Gruppe Springböcke, anschließend fuhren wir verschiedene Aussichtspunkte an, die jeweils einen herrlichen Blick in den Canyon boten.
Der Fish River Canyon ist nach dem Grand Canyon einer der größten Canyons der Welt und führt nur zeitweise Wasser. Den krönenden Abschluss der Fahrt bildete ein leckerer Sundowner mit kleinen Snacks und Getränken inkl. Blick auf die untergehende Sonne.
Anschließend ging es zurück zur Lodge, wo bereits ein köstliches Drei-Gänge-Menü auf uns wartete.
Nach dem Essen erwartete uns noch eine besondere Aufmerksamkeit: Eine Wärmflasche im Bett machte das Einkuscheln leicht und half dabei, die vielen Eindrücke dieses erlebnisreichen Tages noch einmal Revue passieren zu lassen.
Teil 510. Juli 2026
Auf nach Lüderitz
Der Wecker klingelte wieder sehr früh, aber dieses Mal blieben wir einfach mit einer Tasse Kaffee im Bett liegen und bewunderten die einzigartige Aussicht. Wir konnten uns von der traumhaften Aussicht einfach nicht losreißen und entschieden uns deshalb sogar für die Außendusche. Bei gerade einmal 4 °C Außentemperatur am frühen Morgen war das zwar eine echte Herausforderung, aber gleichzeitig ein unvergessliches Erlebnis. Offenbar waren wir aber die Einzigen, die diesen Ort wirklich genossen. Beim Frühstück gehörten wir bereits zu den Letzten, und als wir schließlich zum Auto kamen, waren wir tatsächlich die Allerletzten, die losfuhren. Wie man einen solch herrlichen Ort freiwillig so früh verlassen kann, wird wohl für immer eines der großen Rätsel Namibias bleiben.
Also ging es wieder zurück über den teils sehr holprigen Weg und am Ende eine ziemlich große Steigung hinauf zur Ausfahrt aus dem Nationalpark. Die weitere Strecke war vor zwei Monaten noch durch starke Regenfälle verwüstet worden, mittlerweile aber wieder gut instand gesetzt. Anschließend führte uns die Route knapp 90 Kilometer über eine sehr ruhige Gravelroad bis zur Hauptstraße. Wir begegneten auf der gesamten Strecke gerade einmal zwei Autos. Hätte eines davon liegen bleiben wollen, wäre vermutlich erst Stunden später Hilfe vorbeigekommen – dafür hätten wir immerhin die perfekte Kulisse zum Warten gehabt.
Auf der Hauptstraße angekommen, fuhren wir Richtung Küste nach Lüderitz, bogen aber kurz darauf wieder ab, um originales Biltong zu kaufen. Biltong ist mariniertes und luftgetrocknetes Trockenfleisch, das meist aus Rind-, aber auch aus Wildfleisch hergestellt wird. Manche Sorten sind etwas zäh, wir fanden jedoch auch Varianten, die an Knacker erinnerten, sowie Chili-Biltong, das geschmacklich fast an Schinken herankam. Sehr lecker. Die größte Herausforderung bestand darin, nicht bereits die Hälfte der Vorräte direkt auf dem Parkplatz zu verputzen.
Je näher wir der Küste kamen, desto häufiger wanderte unser Blick über die Landschaft. Plötzlich erklärte unser Navi wir müssen unbedingt die Fahrt unterbrechen sonst verpassen wir etwas. Also bogen wir erneut ab und erreichten eine kleine Aussichtsplattform, an der wir völlig überraschend rund 30 Wildpferde entdecken konnten.
Natürlich entschieden wir uns sofort für ein spontanes Picknick. Nur der Kaffee musste leider kalt bleiben, da wir beim Einkaufen ausgerechnet das Feuerzeug vergessen hatten. Ein klassischer Fall von „Alles dabei – außer dem, was man wirklich braucht“. Während wir unser Mittagessen genossen, beobachteten wir die Pferde und bekamen Besuch von einem jungen Vogel, den wir kurzerhand „Peter“ tauften. Peter zeigte sich ausgesprochen interessiert an unserem Essen und wir hatten zeitweise den Verdacht, dass er sich selbst eingeladen hatte.
Bei der Weiterfahrt kamen wir am alten Bahnhof Garub vorbei, der sich als Fotomotiv geradezu aufdrängte. Das Gebäude wurde bereits 1906 errichtet und verfällt heute langsam vor sich hin. Betrachtet man die Szenerie etwas länger, könnte man fast meinen, gleich würde irgendwo eine Dampflok auftauchen – oder die Kulisse eines alten Westernfilms zum Leben erwachen.
Anschließend ging es auf die letzten Kilometer Richtung Unterkunft. Bereits bei der Einfahrt in den Ort wurden wir von sechs freundlichen Polizisten begrüßt, die gerade eine Laserkontrolle durchführten. Für uns als ordnungsgemäß fahrende Deutsche natürlich völlig folgenlos. Trotzdem sinkt die Geschwindigkeit eines Autos erstaunlich schnell auf weit unter das Tempolimit, sobald man eine Laserpistole entdeckt.
An der Unterkunft, der Alten Villa angekommen, bezogen wir zunächst unser Zimmer. Auf ein weiteres Drei-Gänge-Menü verzichteten wir jedoch und entschieden uns stattdessen für eine Kleinigkeit im Restaurant Essenzeit an der Waterfront. Danach ließen wir den Abend gemütlich im Lesesalon der Villa ausklingen. Nach den vielen Eindrücken des Tages war das vermutlich die entspannteste Entscheidung des gesamten Tages – direkt nach dem Ausschlafen mit Aussicht.
Am Wochenende stelle ich keinen neuen Bericht ein. Es geht also erst am Montag weiter.
Teil 613. Juli 2026
Hallo,
ich werde es nicht schaffen heute einen neuen Bericht einzustellen, da ich noch 2 Meetings habe, auf die ich mich vorbereiten muss. Ja der Alltag hat einen wieder. 🙁
Wir hatten aber auch ein paar Videos gemacht und da ich nicht genau wusste, wie das geht und ob das meine Berichte zerschießt, wollte ich diese nicht in den bisherigen Bericht einbauen, sondern sie kommen hier separat.
Ich werde, falls gewünscht, die Videos gerne in die zukünftigen Berichte einbauen.
Teil 714. Juli 2026
Kolmannskuppe und ab auf die Ranch
Heute hieß es noch früher aufstehen als gewöhnlich, denn wir wollten unbedingt bei gutem Licht an der Geisterstadt Kolmannskuppe ankommen. Also saßen wir direkt zum Frühstücksbeginn am Tisch und legten bereits los, während die nette Dame noch damit beschäftigt war, die letzten Speisen aufzubauen.
Gestärkt ging es zunächst zum Spar, um endlich Streichhölzer zu besorgen. Schließlich wollten wir unterwegs auch einmal die Möglichkeit haben, uns einen Kaffee zu kochen. Nach einem kurzen Stopp an der Felsenkirche erreichten wir Kolmannskuppe.
Die ehemalige Diamantengräberstadt wurde 1909 gegründet und war zeitweise die reichste Stadt der Welt. Allerdings hielt dieser Reichtum nicht allzu lange an. Diamanten mögen zwar „a girl's best friend“ sein, aber leider sind auch die besten Freunde irgendwann aufgebraucht. Als die Vorkommen weniger wurden, verließen die Menschen die Stadt, und die Wüste begann langsam zurückzuholen, was einst ihr gehörte.
Es war faszinierend, durch die alten Gebäude zu streifen. Eine Eisfabrik, eine Schlachterei und das erstaunlich große Krankenhaus zeugten noch von der einstigen Blütezeit. Der Arzt, der Ingenieur, der Buchhalter, der Architekt und natürlich der Verwalter der Mine hatten jeweils eigene Häuser. Heute sind viele davon teilweise eingestürzt, mit Sand gefüllt oder von Tierspuren durchzogen.
Danach ging es langsam Richtung Norden, und es kam zu einem seltenen Ereignis: Regentropfen fielen auf unser Auto. In dieser trockenen Gegend fühlte sich das beinahe so an, als hätte jemand versehentlich den Wetter-Schalter betätigt. Bei ein paar Tropfen blieb es jedoch. Zum Glück fuhren wir nach Norden, denn im Osten sah der Himmel bedrohlich dunkel aus. Dort, wo wir vor zwei Tagen hergekommen waren, dürfte es tatsächlich geregnet haben.
Zwischendurch mussten wir wieder tanken, denn der Hilux hat durchaus Appetit. An der Tankstelle trafen wir erneut andere Reisende, denen wir bereits in zwei verschiedenen Lodges begegnet waren. Manchmal ist die Welt eben doch nur ein Dorf – selbst mitten in Namibia.
Außerdem brauchten wir neues Bargeld. Kleinstbeträge bezahlen wir ungern mit Karte. Zudem sind Trinkgelder in bar üblich. Am Geldautomaten zählten wir die ausgezahlten Scheine direkt nach und stellten erschrocken fest, dass 700 Namibia-Dollar – etwa 40 Euro – fehlten. Kurz sahen wir uns bereits in einer Diskussion mit der Bankfiliale unseres Vertrauens. Bei genauerem Hinsehen entdeckten wir jedoch, dass die fehlenden Scheine im Ausgabefach feststeckten. Also begann eine kleine Rettungsaktion, bei der wir die übrigen Geldscheine mühsam herausfummelten. Ende gut, alles gut.
Wir erwarteten unterwegs eigentlich nicht allzu viel und hielten an, um einige Strauße zu beobachten. Diese überraschten uns jedoch mit einer sehr privaten Vorstellung und waren offensichtlich damit beschäftigt, für die nächste Generation zu sorgen. Wir wünschen viel Erfolg und hoffen auf viele kleine Straußenküken.
Kurz darauf entdeckten wir in der Ferne eine Gestalt. Wieder nur ein Rindvieh oder doch etwas Spannenderes? Zu unserer Überraschung war es unser erster frei lebender Oryx außerhalb eines Reservats. Zwar sehr weit entfernt, aber wenn man schon einmal einen sieht, bleibt man natürlich stehen.
Wenig später trauten wir unseren Augen kaum: Keine zwanzig Meter neben unserem Auto lief ein Erdwolf entlang – die kleinste Hyänenart. Diese Tiere sind selten, scheu und für viele Besucher kaum zu Gesicht zu bekommen. Uns wurde diese Begegnung quasi auf dem Silbertablett serviert. Leider wollte der Erdwolf möglichst schnell Abstand zwischen sich und uns bringen, sodass wir nur wenige Fotos machen konnten. Diese wenigen Bilder sind für uns allerdings mehr wert als tausend gewöhnliche Aufnahmen.
Fröhlich ging es weiter, bis wir erneut eine Bewegung auf der Straße bemerkten. „Was ist das denn jetzt schon wieder?“ fragten wir uns. Diesmal war es nicht ein einzelnes Tier und auch kein Paar, sondern eine ganze Herde von etwa dreißig Oryx. Wahnsinn. Nach dem ersten Oryx des Tages schien plötzlich die gesamte Verwandtschaft zum Familientreffen erschienen zu sein.
Der Abzweig zu unserer Farm war anschließend nicht mehr weit entfernt. Doch beim Einbiegen zeigte das Navi immer noch 22 Kilometer bis zur Unterkunft an. So groß kann doch keine Farm sein, oder? Doch, sie kann. Und sogar noch größer. Die Weite hier lässt sich kaum beschreiben. Immer wieder begegneten uns frei laufende Oryx und Strauße auf dem Gelände.
An der Unterkunft angekommen, staunten wir nicht schlecht. Die Lodge Fest INN Fels auf der Ranch Koiimasis war direkt in die Felsen gebaut und verfügte über lediglich vier Bungalows. Unser Bungalow war wunderschön: ein großer Wohnraum und eine in den Fels gehauene Dusche. Mittlerweile kommen wir aus dem Staunen über die Unterkünfte Namibias kaum noch heraus.
Direkt nach der Ankunft unternahmen wir noch eine kleine Wanderung, um die Eindrücke des Tages zu verarbeiten. Hätten wir gewußt, dass es hier Leoparden gibt wären wir sicher vorsichtiger gewesen, aber wir wurden beruhigt, denn diese sind sehr weit weg von der Lodge und extrem scheu. Anschließend gingen wir zum Dinner, wo wir den ausgesprochen netten Besitzer kennenlernen durften und ganz nebenbei hervorragend gegessen haben.
Teil 815. Juli 2026
Ja, der Erdwolf. Ich glaube, bis zum Etosha haben wir immer wieder über diese außergewöhnliche Sichtung gesprochen – und selbst gestern Abend kam das Thema wieder auf und ließ all die Erinnerungen lebendig werden.
Da fällt es fast schwer, den Reisebericht fortzusetzen, denn wir waren uns einig: Diese Begegnung wird wohl nur schwer zu übertreffen sein. Und trotzdem mussten wir natürlich weiterfahren. Die Reise war ja nicht zu Ende und abbrechen wollten wir nicht.
Wir waren auf jeden Fall gespannt was Namibia noch für uns bereit hielt.
Durch den Regen in die Wüste
Diesen Morgen konnten wir etwas ausschlafen, denn es lag nur eine vergleichsweise kurze Fahrstrecke vor uns. Trotzdem saßen wir bereits kurz nach 8 Uhr beim Frühstück und waren erstaunt, dass die anderen Gäste schon fertig waren und förmlich in den Startlöchern standen. Dabei hatten sie dasselbe Ziel wie wir und somit überhaupt keinen Zeitdruck. Manchmal hat man den Eindruck, dass manche Reisende nur noch eine Liste von Hotspots abhaken, statt die Reise wirklich zu genießen.
Beim Frühstück – unter anderem mit einer sehr leckeren hausgemachten Wurst – kamen wir mit dem deutschen Besitzer der Lodge ins Gespräch. Er erzählte uns einiges über seinen Werdegang und die Geschichte der Lodge. Es war beeindruckend zu hören, dass er die Anlage bereits seit 2006 betreibt und zuvor zwei Jahre lang praktisch alles selbst aufgebaut hat. Wenn man zwischen gemütlicher Terrasse, gepflegten Wegen und Gästehäusern sitzt, vergisst man leicht, wie viel harte Arbeit und Schweiß in einem solchen Projekt stecken.
Irgendwann mussten aber auch wir aufbrechen. Also wurden die Taschen gepackt, Abschied genommen und schließlich ging es in Richtung Gate. Unterwegs habe ich noch ein Zeitraffervideo aufgenommen, damit man einmal erahnen kann, wie riesig das Gelände tatsächlich ist. Und dabei zeigte das Video gerade einmal die Hälfte der Farm.
Auf dem Weg kreuzte zunächst ein Strauß unseren Weg. Ganz nach dem Motto „Ich habe Vorfahrt, ihr könnt warten“ joggte er federnd über die Straße. Wenig später blockierte eine kleine Gruppe Kühe die Piste. Auch sie schienen keinerlei Eile zu haben. Offenbar hatten wir versehentlich die afrikanische Version einer morgendlichen Rushhour erwischt.
Bei der Abfahrt begann es leicht zu tröpfeln. Der Lodgebesitzer beruhigte uns jedoch: Der Regen würde vermutlich nicht bis zu unserem Zielgebiet reichen, da wir in eine andere Richtung unterwegs seien. Also ließen wir uns Zeit und genossen die Fahrt. Dabei entdeckten wir eine kleine Oryxherde, in der sogar ein Kalb unterwegs war. Außerdem beobachteten wir einen stattlichen Bullen, der offensichtlich bereits bereit war, für weiteren Nachwuchs zu sorgen. Die von ihm auserwählte Dame schien diesen Plan allerdings nicht mit ihm abgestimmt zu haben und zeigte sich ausgesprochen desinteressiert.
Kurz darauf stand plötzlich ein ausgewachsener Rinderbulle direkt am Straßenrand – und zwar vor dem Zaun. Wir hielten an, nickten ihm freundlich zu und setzten unsere Reise fort. Man weiß ja nie, welche Kontakte man in Namibia noch brauchen könnte.
Später erreichten wir eine Tankstelle mit angeschlossenem Shop und Restaurant. Da wir hervorragend in der Zeit lagen, legten wir eine längere Pause ein. Der ausgezeichnete Kaffee und der leckere hausgemachte Kuchen hätten als Ausrede vollkommen gereicht. In Wahrheit hatte es uns aber vor allem das funktionierende WLAN angetan. Nach dem Tag in der abgelegenen Lodge mit schlechtem Empfang konnten wir endlich wieder Bilder hochladen und unsere Reiseberichte veröffentlichen.
Die Station selbst war überraschend liebevoll gestaltet. Zwischen alten Autos, kuriosen Dekorationsstücken und allerlei Sammelobjekten gab es viel zu entdecken. Dennoch lag der Ort gefühlt irgendwo zwischen „am Ende der Welt“ und „hier kommt selbst der Postbote nur auf Nachfrage vorbei“.
Als wir schließlich zur Weiterfahrt aufbrechen wollten, wurde der Himmel in Fahrtrichtung immer dunkler. Nicht einfach nur bewölkt – schwarz. Die Berge waren bereits komplett verschwunden, und immer wieder zuckten Blitze am Horizont auf. Uns war sofort klar: Wir würden direkt in die Regenfront hineinfahren.
Wenig später öffnete der Himmel sämtliche Schleusen gleichzeitig. Der Regen prasselte in einer Intensität herunter, bei der selbst gute Scheibenwischer an ihre Grenzen kommen. Wir waren jedenfalls froh, dass unser Fahrzeug entsprechend ausgestattet war. Die ohnehin schon rustikale Sand- und Schotterpiste verwandelte sich zunehmend in eine Schlammbahn. In solchen Momenten zeigt sich, warum man sich für einen Geländewagen entscheidet: 4x4 aktivieren, ruhig bleiben und weiterfahren.
Etwa eine Stunde lang begleiteten uns Regen, dunkle Wolken und immer neue Wasserlachen. Umso größer war die Erleichterung, als wir schließlich sicher die Desert Homestead Lodge erreichten, unsere Lodge für die nächsten beiden Tage.
Dort wurden wir wie gewohnt herzlich empfangen und zu unserem schönen Bungalow mit herrlichem Blick über die Savanne gebracht. Nach diesem wettertechnisch durchaus abwechslungsreichen Reisetag fühlte sich das besonders angenehm an.
Am Abend nahmen wir gemeinsam mit den anderen Gästen das Abendessen im Haupthaus ein. Danach zogen wir uns in unser gemütliches, warmes Bett zurück und ließen den Tag ausklingen – mit Blick auf die Savanne und dem beruhigenden Gefühl, dass der Regen inzwischen draußen geblieben war.
Teil 916. Juli 2026
Tagestrip ins Sossusvlei
Wir gingen am Vorabend sehr früh schlafen, da wir bereits um 5 Uhr aufstehen wollten, um rechtzeitig im Sossusvlei zu sein. Allerdings wurden wir in der Nacht von Starkregen und Gewitter geweckt, die offenbar doch bis zu uns in den Norden vorgedrungen waren. Irgendwann gab es einen gewaltigen Knall, und plötzlich hatte die gesamte Lodge keinen Strom mehr. Zum Glück reagierten die fleißigen Mitarbeiter schnell, starteten den Notstromgenerator und sorgten dafür, dass alles wieder lief. Naja, alles außer dem Regen, der einfach nicht aufhören wollte.
Beim Frühstück fiel dann erneut der Strom aus. Stattdessen wurden Kerzen aufgestellt, damit wir überhaupt sehen konnten, was wir zu uns nahmen. Frühstück bei Kerzenschein – auch eine Art, den Tag zu beginnen.
Anschließend holten wir unsere vorbestellten Lunchboxen ab und gingen zurück zu unserem Bungalow, um die letzten Sachen zu packen und aufzubrechen. Der Weg zum Gate des Nationalparks befand sich allerdings in einem mehr als erbärmlichen Zustand. Der Regen hatte die Piste regelrecht ausgewaschen, und zurück blieb nur eine Ansammlung tiefer Rillen, die das Fahren eher zu einer Mischung aus Schaukeln, Hüpfen und gelegentlichem Festhalten am Sitz machten. Kurz überlegten wir sogar umzudrehen, denn bei dem Wetter war die Sicht ohnehin schlecht. Schließlich entschieden wir uns aber, die Sache durchzuziehen.
Am Gate angekommen, bezahlten wir den Eintritt und machten uns auf die rund 60 Kilometer lange Fahrt Richtung erstem Parkplatz. Von den berühmten Dünen links und rechts der Straße bekamen wir wegen des Wetters leider kaum etwas zu sehen, aber wir konnten unser nächsten neue Tier erblicken: Einen Schabrackenschakal.
Am Parkplatz standen wir dann vor der Wahl: Entweder das Shuttle durch den Tiefsand nehmen oder Luft aus den Reifen lassen und die letzten fünf Kilometer selbst fahren. Natürlich entschieden wir uns für die zweite Variante. Also suchten wir unseren Luftablasser. Wir suchten im Auto. Wir suchten noch einmal. Wir suchten gründlicher. Das Ergebnis blieb gleich: Das Teil war verschwunden. Vermutlich war es bei der Autovermietung vergessen worden, als der Kompressor ausgetauscht wurde.
Mist. Was nun?
Wir gingen davon aus, dass einer der anderen Fahrer sicher helfen könnte. Allerdings standen dort fast ausschließlich Leute, die ohnehin das Shuttle nutzen wollten. Schließlich fragten wir einen Busfahrer, der zwar kein modernes Gerät hatte, aber mit einem einfachen Ventilwerkzeug die Luft aus unseren Reifen lassen konnte.
So ging es also auf die Sandpiste. Zwischen den unzähligen Fahrspuren suchten wir uns eine aus und folgten ihr auf Gedeih und Verderb. Egal, ob das Auto mal schlingerte oder nur holpernd vorankam – wir blieben dran. Als wir die fünf Kilometer schließlich geschafft hatten, waren wir entsprechend erleichtert.
Kaum angekommen, wollten wir loslaufen. Doch genau in diesem Moment verwandelte sich der leichte Nieselregen wieder in einen ordentlichen Schauer. Also machten wir das Beste daraus, blieben zunächst im Auto sitzen und verputzten einen Teil unserer Lunchbox. Nach etwa zwanzig Minuten ließ der Regen nach, und es sah sogar so aus, als würde es langsam aufklaren. Also schnappten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg.
Unser Ziel war es, zumindest einen Teil einer der großen Dünen zu erklimmen. Ganz bis auf Big Daddy mit seinen ca. 350 Metern würden wir es wohl nicht schaffen, aber ein gutes Stück wollten wir auf jeden Fall hinauf.
Am Fuß der Düne kamen wir mit einem freundlichen Namibier ins Gespräch. Er erklärte uns, dass es sich hier um eine Nebelwüste handelt und deshalb überraschend viel Vegetation vorhanden ist. Der Atlantik bringt regelmäßig Nebel ins Landesinnere und schafft so die Grundlage für Leben in dieser scheinbar lebensfeindlichen Umgebung.
Mit diesem Wissen im Gepäck und der Erkenntnis wie nett die Menschen in diesem Land sind, machten wir uns an den Aufstieg. Hier zeigte sich ein Vorteil des Regens: Der Sand war deutlich fester und kompakter als gewöhnlich. Statt bei jedem Schritt tief einzusinken, kamen wir erstaunlich gut voran.
Kurz bevor wir unsere gewünschte Höhe erreicht hatten, begegneten uns zwei Holländern, die seitlich eine steile Flanke der Düne hinaufgeklettert waren. Auf die Frage, warum sie nicht einfach dem Dünenkamm gefolgt seien, antworteten sie nur: „Wir wollten mal ausprobieren, ob es geht.“ Respekt.
Von dort oben bot sich uns ein fantastischer Blick. Das Licht war außergewöhnlich schön, die Wolken sorgten für eine dramatische Stimmung und die Landschaft wirkte beinahe surreal. Einer dieser Momente, die sich nur schwer auf Fotos festhalten lassen.
Irgendwann stiegen wir wieder hinunter und liefen ins Deadvlei. Der einstige Fluss, der die Kameldornbäume mit Wasser versorgte, wurde vor langer Zeit von den Dünen abgeschnitten. Die Bäume starben ab, zerfielen jedoch aufgrund des extrem trockenen Klimas nicht. Stattdessen stehen ihre schwarzen Skelette seit rund 600 Jahren in der weißen Tonpfanne und gehören heute zu den bekanntesten Fotomotiven Namibias.
Wir hatten das seltene Glück, das Deadvlei nach einem Regenschauer zu erleben. Allerdings zeigte sich schnell, dass Regen und Ton keine besonders gelungene Kombination sind. Der feuchte Boden klebte an den Schuhen wie frischer Kleister und wurde mit jedem Schritt schwerer. Trotzdem machten wir unsere Runde durch die Tonpfanne und betrachteten die verschiedenen Bäume aus allen Perspektiven.
Als es schließlich erneut zu regnen begann, machten wir uns langsam auf den Rückweg zum Auto. Eigentlich wollten wir mit dem Kompressor noch Luft in die Reifen pumpen, doch der Regen wurde immer stärker und die Motivation, bei diesem Wetter vier Reifen aufzupumpen, sank gegen null.
Also fuhren wir mit dem reduzierten Reifendruck die rund 60 Kilometer zurück zum Ausgang des Parks und anschließend zur nächsten Tankstelle. Dort erhöhte ein freundlicher Mitarbeiter den Reifendruck wieder von 1,5 auf 2 Bar.
Danach ging es zurück zur Lodge. Nach diesem langen, ereignisreichen und durchaus abenteuerlichen Tag ruhten wir uns erst einmal aus, bevor wir gut erholt zum Abendessen gingen.
Teil 1017. Juli 2026
Für diese Woche folgt der letzte Bericht und passenderweise geht es am Montag in Swakopmund weiter wo wir ganze 3 Nächte verbringen werden. Es gibt dort einfach so viel zu sehen und wir freuen und schon auf Montag, wenn es hier weitergeht. Für uns fühlt sich das Onlinestellen des Berichtes an wie noch einmal reisen 🙂
Auf nach Swakopmund
Heute konnten wir etwas länger schlafen und wurden ganz natürlich von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Der Himmel war deutlich klarer als am Vortag, und das Rot der aufgehenden Sonne spiegelte sich in den Wolken wider. Ein herrlicher Anblick und einer dieser Momente, bei denen man kurz vergisst, dass man eigentlich noch im Bett liegen könnte.
Als wir uns schließlich auf den Weg zum Frühstück machen wollten, machten wir direkt an der Tür kehrt und griffen stattdessen zur Kamera. Nur etwa 50 Meter von unserem Bungalow entfernt stand ein Zebra. Ganz entspannt graste es vor sich hin, als wäre es das Normalste der Welt.
Dabei handelt es sich um eine Handaufzucht namens Spot. Das Zebra wurde von der Lodge aufgenommen, nachdem es direkt vor dem Gelände von einem Auto angefahren worden war. Trotz seiner Geschichte ist Spot kein Haustier geworden. Er bleibt ein Wildtier und zieht auf dem Gelände seine eigenen Bahnen.
Wir standen also da, machten ein paar Fotos und freuten uns über diesen unerwarteten Besuch. Dann bemerkte Spot uns. Langsam hob er den Kopf und setzte sich in Bewegung – direkt auf uns zu. Für einen kurzen Moment blieb er vor uns stehen und musterte uns. Wir überlegten bereits, ob wir vielleicht unbewusst gegen irgendein Zebra-Protokoll verstoßen hatten. Nach einigen Sekunden entschied er offenbar, dass wir harmlos genug waren, und zog gemächlich weiter. Einen besseren Start in den Tag kann man sich kaum wünschen.
Nach dem Frühstück beluden wir unseren Hilux und machten uns auf den Weg nach Swakopmund, wo wir die nächsten drei Nächte verbringen werden. Doch wie so oft in Namibia war der Weg mindestens genauso spannend wie das Ziel.
Zunächst führte uns die Strecke wieder durch die typische Savannenlandschaft. In der Ferne entdeckten wir Zebras, Oryx-Antilopen, Springböcke und Warzenschweine. Außerdem kreuzten Strauße und sogar eine Ludwigstrappe unseren Weg. In einigen Flussbetten floss aufgrund der Regenfälle der letzten Tage tatsächlich Wasser. Da unser Auto ohnehin bereits aussah, als hätte es an einer Schlamm-Weltmeisterschaft teilgenommen, fuhren wir einfach flott hindurch. Viel dreckiger konnte es ohnehin nicht mehr werden.
Unser erster Stopp war Solitaire, eine kleine Ansammlung aus Tankstelle, Bäckerei und einigen wenigen Gebäuden mitten im Nirgendwo. Berühmt wurde der Ort durch einen Schotten namens Moose McGregor, der hier frischen Apfelkuchen backte und Reisende mit Geschichten und seiner besonderen Art unterhielt. Leider verstarb er bereits 2014, doch sein Vermächtnis lebt in der Bäckerei und der besonderen Atmosphäre des Ortes weiter.
Wir deckten uns mit Apfelkuchen und anderem Gebäck ein, blieben aber nicht lange. Schließlich hatten wir einen abgelegenen Picknickplatz im Auge. Außerdem wollten wir endlich unseren eigenen Kaffee kochen – ein Projekt, das bislang von erstaunlich vielen kleinen Hindernissen begleitet worden war.
Während der Weiterfahrt veränderte sich die Landschaft zunehmend. Aus der Savanne mit ihren vereinzelten Bäumen wurde offenes Grasland. Wir hielten am Wendekreis des Steinbocks, der hier durch ein Schild markiert wird. An diesem Breitengrad steht die Sonne zur Sommersonnenwende im Dezember mittags senkrecht über den Köpfen der Menschen.
Danach führte die Straße durch beeindruckende Felsformationen und über mehrere Brücken, die Flüsse wie den Gaub Pass überqueren. Die Flussbetten waren jedoch trocken. Offenbar hatte der Regen diese Region noch nicht erreicht.
Schließlich erreichten wir unseren Rastplatz auf einer kleinen Anhöhe mit weitem Blick über die Ebene. Dank unserer neu erworbenen Streichhölzer gelang diesmal sogar das Wasserkochen ohne größere Zwischenfälle. So genossen wir Kaffee und die Köstlichkeiten aus Solitaire, während vor uns die scheinbar endlose Landschaft lag. In solchen Momenten merkt man, wie wenig man eigentlich braucht, um zufrieden zu sein.
Nach der Pause ging es weiter – kilometerlang auf nahezu schnurgeraden Straßen Richtung Küste. Wir hatten erwartet, dass die Landschaft nun wieder abwechslungsreicher werden würde. Doch das Gegenteil war der Fall. Die Vegetation wurde immer spärlicher, die Farben immer blasser. Die Umgebung erinnerte zunehmend an eine Wüste.
Die Straße hatte ihre besten Zeiten offenbar ebenfalls hinter sich. Offiziell durfte man hier zwar 100 km/h fahren, aber wer diese Geschwindigkeit dauerhaft durchhält, dürfte anschließend gute Chancen auf eine lebenslange Freundschaft mit einem Chiropraktiker haben.
Als wir schließlich Walvis Bay, die größte Hafenstadt Namibias, erreichten, bemerkten wir sofort, wo das Geld verdient wird. Die Straßen waren plötzlich in hervorragendem Zustand und teilweise komplett neu gebaut.
Besonders interessant war dabei die Verkehrsführung an den Baustellen. Statt Ampeln oder moderner Lichtsignalanlagen stehen hier Menschen am Straßenrand und regeln den Verkehr mit kleinen roten Fähnchen oder Schildern, die auf der einen Seite „Stop“ und auf der anderen „Go“ anzeigen. Erstaunlicherweise funktioniert das ausgesprochen gut.
Von Walvis Bay aus fuhren wir auf der Küstenstraße direkt am Atlantik entlang nach Swakopmund. Nach einem kurzen Fotostopp und einer ersten kleinen Rundfahrt durch die Stadt erreichten wir schließlich unser Hotel - The Stiltz.
Das gesamte Hotel steht auf Stelzen, und wir hatten das Glück, einen Bungalow am Rand der Anlage zu bekommen. Von dort aus bot sich ein fantastischer Blick auf den Atlantik und die Mündung des Swakop-Flusses. Besser hätte man es kaum treffen können.
Da das Hotel kein Abendessen anbietet, machten wir uns nach dem Ausladen noch einmal auf den Weg in die Altstadt. Dort kehrten wir im traditionellen Brauhaus ein. Auf der Speisekarte standen diesmal Zebra und Eland – eine kulinarische Erfahrung, die man vermutlich nicht jeden Tag macht.
Gut gesättigt und nach vielen Eindrücken fielen wir schließlich müde ins Bett. Hinter uns lag ein großartiger Reisetag voller besonderer Begegnungen, weiter Landschaften und unvergesslicher Ausblicke. Nun freuen wir uns auf einen ebenso ereignisreichen morgigen Tag in Swakopmund.
Teil 1120. Juli 2026
Wüste, Robben und mehr
Um 6:15 Uhr klingelte heute der Wecker, denn es stand eine Tour in die Namib-Wüste an, die dem Land Namibia ihren Namen gibt. Das Frühstück war bisher das beste, das wir auf unserer Reise genießen durften – mit einer viel zu großen Auswahl und für Diana sogar Pancakes und French Toast. Man hätte problemlos bis zum Mittagessen weiterfrühstücken können.
Wir standen pünktlich vor der Tür – typisch deutsch eben – und dann kam ... niemand. Ganze 15 Minuten warteten wir und ließen schließlich anrufen, denn mehrfach wurde betont, dass wir unbedingt pünktlich sein sollten, da die Touren hier pünktlich starten. Unser Guide musste allerdings nur noch auf ein anderes Paar warten und kam drei Minuten nach unserem Anruf vorgefahren.
Unser Guide war Chris Nel, der in Namibia mittlerweile als echte Legende gilt. Seit Jahrzehnten führt er Besucher durch die Namib und hat mit seinem Wissen, seinem Humor und seiner Begeisterung Generationen von Reisenden beeindruckt. Mit seiner supersympathischen Art zog er uns sofort in seinen Bann und erwies sich als wahres Unterhaltungstalent.
Wir fuhren in die nahegelegene Namib, wo er uns zunächst alles über Swakopmund, die Entstehung der Namib, den Aufbau der Dünen, die Nahrungskette und die verschiedenen Spuren im Sand erklärte. Anschließend ging er extrem engagiert zu Werke und machte sich auf die Suche nach den „Little Five“ der Wüste. Seine Erklärung dazu war einfach: Viel Wasser bedeutet große Elefanten, wenig Wasser bedeutet kleine Elefanten.
Den ersten Bewohner hatte er schnell gefunden: einen nachtaktiven Namib-Gecko, auch Schwimmfußgecko genannt. Tagsüber lebt er in einer selbst gegrabenen Höhle, denn seine Haut ist äußerst empfindlich gegenüber der Sonne. Weiter ging die Suche nach einer Schlange. Spuren gab es reichlich, aber keine Schlange ließ sich blicken. Wahrscheinlich hatte sie gerade frei oder war bereits im Wochenende.
Danach fanden wir einen Skink, eine beinlose Echse, die tagsüber unter dem Sand lebt. Er ist nahezu blind und ebenfalls hauptsächlich nachtaktiv. Außerdem entdeckten wir auf der Rückseite einer Düne eine äußerst flinke Schaufelschnauzen-Eidechse, auch Namib-Sandtaucher genannt, weil sie bei Gefahr förmlich im Sand verschwindet. Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie sehr Chris für diese Tour lebt und sie jedes Mal aufs Neue mit Leben füllt.
Er erklärte uns auch die vier Farben der Wüste. Besonders spannend ist das Schwarz: Dabei handelt es sich um eisenhaltige Mineralien wie beispielsweise Magnetit, das in Namibia vorkommt. Es ist magnetisch und schwerer als normaler Quarzsand und bleibt deshalb einfach liegen, während leichtere Bestandteile vom Wind weitergetragen werden.
Abgeschlossen wurde die Tour mit einer Rundfahrt über die Dünen und mehreren Fotostopps an spektakulären Aussichtspunkten. Die Dünenfahrt hatte dabei stellenweise fast etwas von einer Achterbahn – nur ohne Sicherheitsbügel und mit deutlich besserer Aussicht.
Eigentlich hätte das für einen Tag vollkommen gereicht, aber wir wollten den Sonntag nutzen und noch zum Schiffswrack Zeila sowie zur Robbenkolonie am Cape Cross fahren, knapp 140 Kilometer nördlich von Swakopmund.
Auf der Fahrt hielten wir zunächst kurz am Wrack, doch nachdem wir die wegelagernden Strandverkäufer gesehen hatten, beschlossen wir, später noch einmal zurückzukommen. Der Rückzug erschien uns taktisch sinnvoller als andauernde nervige Versuche etwas zu verkaufen.
Also fuhren wir weiter zur Robbenkolonie, wo je nach Jahreszeit zwischen 80.000 und 200.000 Südafrikanische Seebären leben. Damit handelt es sich um die größte Kolonie dieser Art weltweit. Über einen Holzsteg kann man den Tieren sehr nahe kommen und fantastische Fotos machen. Allerdings sollte man keine allzu empfindliche Nase haben, denn so viele Tiere produzieren auch entsprechend viele Gerüche – und nicht alle davon erinnern an ein Parfümgeschäft.
Für uns war es dennoch herrlich, beinahe allein mit diesen Tieren zu sein und sie beim Jagen, Streiten, Kuscheln oder einfach nur Schlafen zu beobachten. Besonders die jungen Robben sorgten mit ihren Rangeleien immer wieder für Unterhaltung.
Entlang der Straße standen außerdem immer wieder kleine Verkaufsstände auf Vertrauensbasis, an denen große Salzkristalle aus den umliegenden Salzpfannen angeboten wurden. Die teilweise erstaunlich klaren Kristalle entstehen durch die Verdunstung des Meerwassers und reichen von kleinen Souvenirs bis zu beeindruckenden Brocken von mehreren Kilogramm Gewicht.
Auf dem Rückweg hielten wir zudem an einer Gedenkstätte für eine deutsche Familie, die hier im Jahr 2014 tragisch bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.
Schließlich stand noch der zweite Versuch am Wrack der Zeila aus. Die Zeila ist ein ehemaliger Fischtrawler, der im Jahr 2008 während eines Schleppvorgangs vor der Küste strandete. Seitdem liegt das Wrack nur wenige Meter vor dem Strand und zählt zu den bekanntesten Fotomotiven der Skelettküste.
Diesmal hatten wir Glück. Die Verkäufer hatten inzwischen offenbar Feierabend und warteten bereits an der Straße auf eine Mitfahrgelegenheit. Nur einer war am Strand zurückgeblieben, wirkte aufgrund seiner Unterzahl jedoch deutlich weniger entschlossen und zog nach einigen deutlichen Worten schnell von dannen. So konnten wir in Ruhe Fotos vom Wrack machen und mit der Drohne einige beeindruckende Aufnahmen anfertigen. Das rostige Schiff vor der rauen Küstenlandschaft wirkte dabei fast wie eine Filmkulisse.
Zurück in Swakopmund gingen wir noch direkt am Strand im The Tug essen – es war sehr gut besucht aber vor allem ausgesprochen lecker. Nach diesem langen und ereignisreichen Tag fiel es uns schließlich nicht schwer, viel zu spät, aber sehr zufrieden ins Bett zu fallen.
Teil 1221. Juli 2026
Ab aufs Meer
Nach dem Aufstehen gab es erst einmal einen prüfenden Blick nach draußen, denn wir wollten heute eine Tour mit dem Katamaran unternehmen. Der Horizont war kaum sichtbar, da der für diese Region typische Morgennebel über der Küste hing. Naja, erst einmal Frühstück – die Sonne würde den Nebel schon vertreiben.
Und genauso kam es. Auf dem Weg zum Hafen begann sich der Nebel zu lichten, und bei Fahrtbeginn war er schließlich komplett verschwunden. Wir hatten tolle Sicht bei strahlendem Sonnenschein. Zum Aufwärmen gab es an Bord erst einmal einen Sherry, der auch direkt ordentlich durchwärmte – vor allem, wenn man davon zwei trinken durfte, weil ein Reisender keinen Alkohol trinkt. Wissenschaftlich nicht belegt, aber gefühlt stieg die Außentemperatur danach um mindestens fünf Grad pro Sherry.
Zuerst kam eine Pelikandame an Bord, die sich bereitwillig für Fotos zur Verfügung stellte und im Gegenzug mit Fisch belohnt wurde. Sogar streicheln durfte man sie. Man glaubt gar nicht, wie weich sich das Gefieder anfühlt.
Danach kam eine Kap-Pelzrobbe an Bord, die ebenfalls für Fotos posierte. Berühren durfte man sie allerdings nicht, da sie an diesem Morgen etwas nervös wirkte. Wahrscheinlich hatte sie noch keinen Sherry bekommen oder war einfach mit der falschen Flosse zuerst aufgestanden.
Anschließend fuhren wir zur Kolonie, wo wir wieder auf die bekannten Südafrikanischen Seebären trafen. Danach ging es etwas weiter aus der Bucht hinaus zum klassischen Whale Watching. Also: ganz viel warten und hoffen, dass ein Wal seine typischen zwei Atemzüge macht, bevor er wieder in die Tiefe gleitet. Während wir warteten, zog noch eine Schule Delfine vorbei und sorgte für Unterhaltung. Schließlich hatte auch der Wal ein Einsehen und zeigte sich nur wenige Meter vom Boot entfernt.
Glücklich machten wir uns anschließend auf den Rückweg, wo wir mit Champagner, Austern und weiteren kleinen Snacks verwöhnt wurden. Kurz vor dem Hafen kam dann noch einmal ein Pelikan an Bord und zum krönenden Abschluss eine Robbe, die so zutraulich war, dass man sogar mit ihr kuscheln konnte. Wow, was für ein Erlebnis! So viel Nähe zu Wildtieren erlebt man schließlich nicht alle Tage.
Den Rest des Tages hatten wir deutlich ruhiger geplant. Die Wäsche lag bereits frisch gewaschen und perfekt gefaltet auf unserem Zimmer, und die Jungs vom Hotel boten uns an, für ein kleines Trinkgeld den Wagen zu waschen. Das nahmen wir natürlich gerne an, denn wer fährt schon freiwillig mit einem staubigen Auto durch die Gegend?
Nachdem das Auto wieder glänzte, fuhren wir in die Innenstadt von Swakopmund und schauten uns ein wenig in den vielen Souvenirshops um. Hier stellte sich wieder die gleiche Frage wie in jedem Urlaub: Brauchen wir das wirklich? Die Antwort lautete natürlich wie immer: wahrscheinlich nicht – gekauft wurde es trotzdem.
Auch ein kleiner Ausflug zum Jetty, also der Seebrücke, durfte nicht fehlen. Das Restaurant dort hatte allerdings noch nicht geöffnet, und die gesamte Mannschaft kam gerade erst zur Arbeit. Man ist immer wieder erstaunt, wie viel Personal hier in einem Restaurant beschäftigt ist. In Deutschland könnte man mit derselben Mannschaft vermutlich drei Lokale betreiben und hätte immer noch Reserven für die Urlaubsvertretung.
Besonders positiv fällt uns bisher die Freundlichkeit der Menschen auf. Egal wo wir waren, wurden wir offen und herzlich begrüßt. Die Menschen interessieren sich dafür, was man macht, woher man kommt und wie einem das Land gefällt. Und wenn man eine Frage hat, wird sofort geholfen. Heute gab es beispielsweise ganz nebenbei ein ehrliches Lob für Dianas Frisur. So etwas erlebt man nicht jeden Tag und es zaubert einem direkt ein Lächeln ins Gesicht.
Abschließend waren wir heute noch im Ankerplatz essen. Es gab ein speziell paniertes Hähnchenschnitzel – schön mit Kräutern und Gewürzen verfeinert – sowie Kapana, frisch auf dem Holzkohlegrill zubereitetes Rindfleisch, das traditionell mit Chilisalz gewürzt wird. Sehr lecker und definitiv eine Empfehlung.
Bevor wir zurück ins Hotel fuhren, machten wir noch einen kurzen Stopp bei Spar, wo wir die große Auswahl bestaunten und für die kommenden Tage einkauften.
5 Uhr, der Wecker klingelt. Es heißt wieder aufstehen, denn heute wollen wir früh los zur nächsten bereits gebuchten Aktivität. Pünktlich um 6:15 Uhr werden wir abgeholt und zunächst zu einem Sammelplatz gefahren. Von dort geht es mit weiteren Teilnehmern hinaus aus Swakopmund – und damit hoffentlich auch hinaus aus dem Nebel.
Leider meint es dieser heute besonders gut mit seiner Anwesenheit und wir müssen deshalb extrem weit fahren. Am Ende sind wir bestimmt 60 Kilometer ins Landesinnere gefahren. Aber dort waren wir endlich angekommen: am Startplatz. Denn heute ging es mit dem Heißluftballon hoch hinaus.
Wir durften bei den Vorbereitungen für den Start zusehen und haben die hektischen, aber perfekt koordinierten Handgriffe ganz genau mitverfolgt. Als es schließlich hieß: „Los, jetzt schnell alle rein!“, stiegen wir auf unsere vorab zugewiesenen Plätze und schon ging es hinauf in die Luft.
Ein herrlicher Blick über die Namib, die fernen Berge sowie die zahlreichen Flussläufe und Höhlen war die Belohnung. Mit durchschnittlich 12 km/h glitten wir durch die Luft und erreichten eine Höhe von etwa einem Kilometer über dem Boden. Leider war der Flug nach rund 30 Minuten schon wieder vorbei, denn wir näherten uns immer mehr einer Uranmine – und die möchten vermutlich keinen Heißluftballon als neuen Mitarbeiter auf dem Werksgelände begrüßen.
Anschließend gab es ein leckeres Frühstück mit Eiern, Gemüse und Früchten aus dem eigenen Garten. Dazu wurde ein spezielles Biltong-Gewürz gereicht, das wir beim Frühstück bisher noch nie gesehen hatten. Natürlich wurde es trotzdem probiert – wissenschaftliche Feldforschung muss schließlich sein.
Danach bekam jeder Teilnehmer eine Urkunde als Beweis dafür, dass er diesen Flug erfolgreich gemeistert hat.
Nach der aufregenden Morgenaktivität sind wir wieder auf die Straße zurückgekehrt und verließen das schöne, aber auch sehr kühle Swakopmund. Entlang der bereits erwähnten Minen fuhren wir immer weiter Richtung Erongo. Je weiter wir uns vom Nebel entfernten, desto wärmer wurde es. Endlich hatten wir die warme Zone Namibias erreicht und durften uns heute über Spitzenwerte von 24 Grad freuen. Perfekte Bedingungen für einen Roadtrip, vor allem weil auch der blaue Himmel mitspielte.
Als wir die karge Namib hinter uns gelassen hatten, veränderte sich die Landschaft erneut und wandelte sich zu einer dichten Dornstrauchsavanne. Hier wird es auf jeden Fall deutlich schwieriger, Tiere zu entdecken als im weit einsehbaren Grasland des Südens.
Der erste Stopp auf unserer Reise war die Spitzkoppe, die oft auch als das Matterhorn Namibias bezeichnet wird. Die markante Granitformation ragt rund 700 Meter aus der umliegenden Ebene empor und zählt zu den bekanntesten Naturwahrzeichen des Landes.
Zuerst kletterten wir zu einem Spot namens Rock Pool, in dem sich nach Regenfällen Wasser wie in einem natürlichen Swimmingpool sammelt. Tatsächlich befand sich sogar noch etwas Wasser im Becken, auch wenn es für ausgedehnte Schwimmversuche wohl kaum gereicht hätte.
Anschließend wanderten wir weiter zum Wahrzeichen der Spitzkoppe: dem Arch. Dieser natürliche Felsbogen entstand über Millionen von Jahren durch Verwitterung und Erosion, bei denen Wind, Wasser und starke Temperaturschwankungen den Granit formten. Hier waren wir nach kurzer Zeit vollkommen allein und konnten die Atmosphäre in aller Ruhe genießen sowie unzählige Erinnerungsfotos machen. Vermutlich hätten wir noch weitere hundert Bilder geschossen, ohne dass man später einen Unterschied erkannt hätte.
Von der ganzen Kletterei hungrig geworden, machten wir eine kurze Pause auf einer verlassenen Campsite. Wir schmierten uns leckere Wurstbrote – mehr braucht man ehrlich gesagt nicht zum Glücklichsein – und tranken erneut unseren selbstgemachten Kaffee.
Ein Vogel beobachtete uns neugierig und nahm freudig das ihm angebotene Brotstück entgegen. Teilen gehört auf einer solchen Reise eben auch dazu. Zumindest solange der Vogel nicht plötzlich Anspruch auf das komplette Mittagessen erhebt.
Bei der Anfahrt zur Spitzkoppe hatten wir einige sehr arme Kinder gesehen, die versuchten, selbst gebastelte Souvenirs an Touristen zu verkaufen. Wir konnten damit zwar nichts anfangen, hatten aber noch Wasserflaschen, Obst und Nüsse dabei, die wir unter den Kindern verteilten. Wir denken, dass dies sinnvoller ist als Geld und sie die Sachen mit Sicherheit gut gebrauchen konnten.
Danach ging es zum nächsten und letzten Stopp des Tages: unserer Lodge am Hohenstein. Der Hohenstein ist mit 2.319 Metern der höchste Berg des Erongo-Gebirges und prägt die Landschaft der Region schon aus großer Entfernung.
Bei der Einfahrt zur Lodge begegneten wir bereits den ersten Bewohnern und wurden von einer kleinen Gruppe Springböcke begrüßt. Am Haupthaus angekommen, staunten wir nicht schlecht, denn alles war sehr modern eingerichtet und wieder komplett anders als die bisherigen Unterkünfte.
Das hauseigene Wasserloch war gerade von einer Gruppe Affen besetzt, doch nachts sollten wir sogar Zebras hören. Das Zimmer war deutlich größer, als wir es tatsächlich benötigten. Allein das Badezimmer war locker so groß wie unser Wohnzimmer. Auch die Terrasse fiel entsprechend großzügig aus. Wir erfuhren später, dass wir einen Teil der Familienzimmer erhalten hatten und diese natürlich etwas geräumiger geplant sind.
Wir entspannten zunächst im herrlichen Abendlicht und machten uns anschließend vor dem Essen frisch. Das Essen war leider nur teilweise etwas für uns, denn es war eher im Fine-Dining-Stil angerichtet und passte damit nicht ganz zu unseren Vorlieben. Geschmeckt hat es trotzdem und die Qualität war in jedem Fall hervorragend. Aber wie gesagt: Ein gutes Wurstbrot spielt für uns kulinarisch durchaus in der Champions League.
Nach dem Essen sangen und tanzten die Mitarbeiter noch einige Lieder für uns. Das war einfach wunderschön anzusehen und anzuhören und bildete den perfekten Abschluss eines erneut großartigen Tages.
Heute hieß es Abschied nehmen vom Erongo, einer der landschaftlich beeindruckendsten Regionen Namibias. Das Erongo-Gebirge entstand vor Millionen von Jahren durch vulkanische Aktivitäten und beeindruckt heute mit seinen markanten Granitformationen, die wie von einem Riesen zwischen die Landschaft geworfen wirken.
Natürlich fahren wir nicht, ohne vorher noch einen Kaffee auf der Terrasse mit Blick auf die Natur zu genießen. Dabei fiel uns die vielfältige Vogelwelt erneut auf – nur nahmen wir uns heute endlich einmal die Zeit, einige der gefiederten Bewohner vor die Kamera zu bekommen. Auch oben am Restaurant hatten wir einen tollen Ausblick und entdeckten Springböcke, Kuhantilopen und ein einzelnes Gnu. Eine Gruppe Perlhühner erfrischte sich derweil am Wasserloch, während wir gemütlich unser Frühstück genossen. Besser kann ein Tag eigentlich kaum beginnen und wir waren ein wenig traurig, dass wir nicht noch einen Tag auf Hohenstein Lodge verbringen konnten.
Dann ging es los auf einen eigentlich ruhigen Fahrtag. Für die recht kurze Strecke hatten wir nicht viel eingeplant, doch am Ende wussten wir nicht so recht, wo die Stunden geblieben waren. Naja, ein kleiner Teil davon ging für einige Drohnenaufnahmen drauf – aber Spaß muss schließlich sein. Außerdem wäre es nahezu fahrlässig gewesen, diese Landschaften nicht aus der Luft festzuhalten.
Wir fuhren heute durch wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Landschaften. Mal durch weite Steppen mit einzelnen Bäumen, dann wieder durch enge Dornstrauchsavannen. Diese wurden von felsigen Gebieten mit beeindruckenden Gesteinsformationen links und rechts der Straße abgelöst. Hinzu kamen zahlreiche Flussdurchfahrten, die teilweise tiefe Schneisen in die Fahrbahn gerissen hatten und uns immer wieder zu starken Bremsmanövern zwangen. Unser Auto hatte vermutlich mehr Auf und Ab als manche Achterbahn.
Im Gegensatz zum Süden des Landes bemerkten wir, dass der Norden wesentlich stärker besiedelt ist. Entlang der Straßen reihten sich immer wieder kleine Hütten aneinander, und wir begegneten Angehörigen verschiedener Volksgruppen, darunter den Herero und den Damara. Vor allem die Frauen der Herero waren mit ihrer traditionellen Tracht ein besonderer Blickfang. Angehörige der Himba sahen wir ebenso; ihre mit einer rötlichen Ockerpaste eingeriebene Haut und die kunstvoll geflochtenen Frisuren machten sie unverwechselbar.
Auch das Gebiet rund um den Brandberg durchquerten wir. Der Brandberg ist mit 2.573 Metern der höchste Berg Namibias und beherbergt zahlreiche Felsmalereien, darunter die berühmte „Weiße Dame“.
Schließlich besuchten wir ganz in der Nähe unserer Unterkunft den Versteinerten Wald. Die dort liegenden Baumstämme sind rund 260 Millionen Jahre alt und wurden vermutlich durch gewaltige Fluten aus dem heutigen Angola hierher transportiert. Besonders faszinierend ist, dass das Holz im Laufe der Jahrmillionen vollständig versteinert wurde und dabei seine ursprüngliche Struktur erstaunlich gut erhalten blieb.
Schon spannend, diese uralten Bäume zu sehen, die nun dort in der Erde liegen. Auch die berühmte Welwitschie sahen wir endlich. Die Welwitschie gilt als eine der außergewöhnlichsten Pflanzen der Welt und kann über 1.000 Jahre alt werden – einzelne Exemplare sollen sogar ein Alter von bis zu 2.000 Jahren erreichen. Wir hatten schon fast geglaubt, sie sei eher ein Mythos als eine echte Pflanze.
Der Junge, der uns führte, wusste erstaunlich viel. Seine Familie wurde offenbar von der Regierung damit beauftragt, Besucher durch das Gebiet zu führen, und erhält dafür ein monatliches Gehalt. Die Eintrittsgelder müssen sie allerdings an den Staat abführen. Einen kleinen Nebenverdienst erzielen sie durch den Verkauf von Steinen und selbst hergestelltem Schmuck. Insgesamt wirkt das Leben dort dennoch recht bescheiden.
An der Unterkunft, dem Twyfelfontein Adventure Camp angekommen, staunten wir nicht schlecht. Wir hatten ein Zelt gebucht, doch das, was uns erwartete, konnte man eher als Glamping bezeichnen. Die Unterkunft war wunderschön und für ein Adventure Camp überraschend luxuriös. Bei unserer Ankunft wurden wir direkt auf das Sonnendeck auf einem nahegelegenen Hügel hingewiesen, von dem man einen besonders schönen Blick auf den Sonnenuntergang haben sollte. Also machten wir uns pünktlich auf den Weg nach oben.
Auf dem Weg begegneten wir den für die Region typischen riesigen Grillen, die zwar völlig harmlos für Menschen sind, aber dennoch aussehen, als hätten sie direkt eine Nebenrolle in einem Horrorfilm ergattert. Weniger Glück hatte allerdings eine dieser Grillen, als ihr ein Skorpion begegnete. Für den Skorpion war es ein erfreuliches Abendessen – für die Grille hingegen endete die Begegnung eher ungünstig.
Es wurde nicht zu viel versprochen. Vom Sonnendeck hatten wir einen fantastischen Blick über die Landschaft und konnten beobachten, wie die Sonne glutrot hinter den Bergen verschwand. Einer dieser Momente, bei denen plötzlich alle still werden und selbst die Kamera für ein paar Sekunden Pause hat.
Beim Abstieg sahen wir bereits die Köchin am Braai – dem namibischen Begriff für Grillen – stehen, die unser Abendessen frisch zubereitete. Da ließen wir uns nicht lange bitten und nahmen nach einer kurzen Pause am Lagerfeuer gerne Platz, um das ausgezeichnete Essen zu genießen.
Während des Essens kam schließlich auch unser Guide für den nächsten Tag an unseren Tisch und erklärte uns alles Wichtige für den bevorstehenden Ausflug. Wir hatten für den Vormittag eine Tour gebucht – aber dazu morgen mehr.
Teil 1524. Juli 2026
Wir suchen die Wüstenelefanten
Es klingelt der Wecker, und draußen ist noch alles stockdunkel. Aber nur der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm. Also machen wir uns im mittlerweile ziemlich kalten Zelt fertig. Dabei entdecken wir eine Spinne und beschließen spontan, ab sofort einen gaaaanz großen Bogen um den Stuhl zu machen, unter dem sie verschwunden ist. Man muss schließlich nicht jedes Abenteuer unnötig herausfordern. Sie soll aber ungefährlich sein.
Beim Frühstück wird schnell klar, dass wir keineswegs die Einzigen sind, die heute früh aus den Federn mussten. In jedem Gesicht sieht man eine Mischung aus Müdigkeit und riesiger Vorfreude. Um kurz vor 8 Uhr sind wir tatsächlich die Letzten am Safarifahrzeug. Daran erkennt man sofort, wie gespannt alle sind und endlich loswollen. Die Blicke, die man uns zuwirft, als wir erst einmal ganz entspannt unsere Kameras aus dem Auto holen, nehmen wir gelassen. Schließlich gilt auch: Wer viel zu früh kommt, muss warten.
Kurz stellt sich Anton, unser Guide, noch einmal vor, und schon geht es los. Weit kommen wir zunächst nicht, denn der Morgennebel ist heute ungewöhnlich dicht. Also drehen wir um und fahren hinter den Berg, wo die Sicht deutlich besser ist. Von dort geht es hinunter in den Huab.
Der Huab ist derzeit trocken, führt aber während der Regenzeit im März und April Wasser. Dadurch gibt es entlang des Flussbettes einen vergleichsweise hohen Grundwasserspiegel, von dem die vielen Bäume und Sträucher profitieren. Genau deshalb führt uns unser heutiger Game Drive hierher: auf die Suche nach den berühmten namibischen Wüstenelefanten.
Streng genommen handelt es sich nicht um eine eigene Elefantenart, sondern um afrikanische Savannenelefanten, die sich über Generationen an die extrem trockenen Bedingungen angepasst haben. Sie legen deutlich größere Strecken auf der Suche nach Nahrung und Wasser zurück, können längere Zeit mit wenig Wasser auskommen und wirken oft etwas schlanker als ihre Verwandten in wasserreicheren Gebieten.
Auf unserer Suche fahren wir kreuz und quer durch das Flussbett. Anton erklärt uns die Spuren, die wir in Form von Fußabdrücken und Dung entdecken, und erzählt viel über das Verhalten der Tiere. Die Elefanten wechseln regelmäßig die Flussseiten, fressen nie ganze Bereiche kahl und hinterlassen wichtige Nahrungsquellen wie die Früchte der Kameldornbäume für schlechtere Zeiten. Fast könnte man meinen, sie hätten einen besseren Nachhaltigkeitsplan als manche Menschen.
Etwa 30 Minuten lang fahren wir hin und her. Manchmal geht es wieder ein Stück zurück, und immer wieder steigt Anton aus, um die Spuren genauer zu lesen. Für uns sieht alles nach Sand aus, für ihn offenbar wie eine Tageszeitung.
Und dann stehen sie plötzlich da.
Siebzehn Elefanten. Friedlich fressend im und am Rand des Flussbettes.
Wir können unser Glück kaum fassen. Wir haben sie tatsächlich gefunden – und das sogar deutlich schneller als erwartet. Zur Gruppe gehört ein großer Bulle sowie ein jüngerer Rivale, der sofort daran erinnert wird, wer hier das Sagen hat. Außerdem sind zwei kleine Jungtiere dabei, etwa zwei und sechs Jahre alt. Ihr drolliges Verhalten zwischen Trinken, Rangeln, Kuscheln und Ausruhen ist einfach herrlich anzusehen.
Wir bleiben bestimmt eine Stunde bei der Herde und positionieren uns immer wieder neu, damit wir jedes Mitglied der Gruppe beobachten können. Manchmal macht uns ein Elefant auch sehr deutlich klar, dass wir besser aus seinem Weg gehen sollten. Doch Anton reagiert stets ruhig und erklärt uns dabei jede Menge Wissenswertes über die Tiere. Teilweise sind wir nur wenige Meter von den sanften Riesen entfernt – ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Schließlich fahren wir weiter. Einerseits wollen wir die Elefanten wieder in Ruhe lassen, andererseits hoffen wir, noch eine zweite kleinere Gruppe zu finden.
Unterwegs scherzen wir noch, dass jetzt eigentlich nur noch Giraffen fehlen würden. Und ungelogen: Keine fünf Minuten später ruft ein Mitfahrer plötzlich: „Giraffe rechts!“
Offenbar hatte das Safari-Universum beschlossen, heute besonders großzügig zu sein.
Anton manövriert das Fahrzeug geschickt durch das Buschwerk, sodass wir die Tiere beobachten können. Vier Giraffen haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen. Allesamt Männchen, angeführt von einem älteren Bullen, dessen dunklere Färbung deutlich erkennbar ist.
Wahnsinn – Elefanten und Giraffen an einem einzigen Vormittag!
Auch hier verbringen wir rund 30 Minuten. Die Giraffen sind allerdings deutlich scheuer als die Elefanten und verschwinden immer wieder hinter Büschen, als würden sie Verstecken spielen.
Anschließend geht es weiter zu unserem Picknickplatz. Dort vertreten wir uns kurz die Beine und werfen einen Blick auf die zahlreichen Spuren rund um das Wasserloch. Jeder ist gespannt, was uns auf dem Rückweg zur Lodge noch erwarten wird.
Kaum sind wir wieder losgefahren, steht plötzlich die kleinere Elefantengruppe direkt vor uns. Fünf Tiere ziehen über die Savanne und graben die Wurzeln von Gräsern aus. Diese enthalten besonders viele Nährstoffe und speichern zudem Feuchtigkeit.
Wow!
Damit haben wir fast alle Elefanten der Gegend gesehen. Nur der große Alpha-Bulle scheint heute andere Pläne zu haben und hält sich irgendwo außerhalb unseres Sichtfeldes auf.
Auch bei dieser Gruppe bleiben wir noch einmal etwa eine halbe Stunde, bevor wir durch die wunderschöne Savanne zurück zur Lodge fahren.
Dort wartet bereits ein kleines Mittagessen auf uns. Es gibt belegte Sandwiches mit Salat – nichts Spektakuläres, aber frisch, lecker und genau das Richtige nach diesem ereignisreichen Vormittag.
Danach geht es weiter zur nächsten Lodge, und Diana darf erneut ihre Fahrkünste unter Beweis stellen. Die Strecke führt ständig auf und ab wie eine Achterbahn. Doch sowohl Fahrerin als auch Fahrzeug meistern die Herausforderung souverän. Die Gegend sowohl wunderschön als auch abwechslungsreich und erinnerte ein wenig an alte amerikanische Filme.
Kurz vor der Lodge gibt es schließlich einen Fahrerwechsel. Der Anstieg vom Grootberg Pass hinauf zur Gootberg Lodge ist extrem steil und sollte nur mit Allradantrieb im Low-Range-Modus befahren werden. Immerhin müssen auf nur 600 Metern Strecke rund 100 Höhenmeter überwunden werden – das entspricht einer Steigung von etwa 17 Prozent und die sagen wir mal Straße ist in einem durchschnittlichen afrikanischen Zustand. Da merkt selbst das Auto, dass es arbeiten muss.
Oben angekommen werden wir mit einem fantastischen Blick über das Klip River Valley belohnt. Die Lodge und die kleinen Bungalows schmiegen sich entlang der Klippenkante und sind wunderschön im traditionellen afrikanischen Stil gestaltet.
Jetzt heißt es erst einmal entspannen und die Eindrücke des Tages wirken lassen. Denn morgen klingelt der Wecker erneut früh: Um 7 Uhr geht das nächste Abenteuer bereits weiter.
Teil 1627. Juli 2026
Elefanten Tracking
8, 7, 6 – das ist kein neuer Geheimcode der Jugend, sondern die Abfahrtszeiten unserer gebuchten Touren, die praktischerweise auch noch alle an aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden. Nachdem wir gestern bereits um 8 Uhr bei dichtem Nebel gestartet waren, ging es heute schon um 7 Uhr los – also noch vor Sonnenaufgang. Die Erwartungen waren allerdings eher gedämpft, denn die Teilnehmer derselben Tour hatten am Vortag überhaupt keine Elefanten gefunden und waren ohne Erfolgserlebnis zur Lodge zurückgekehrt.
Nach einem kleinen Frühstück liefen wir zum bereits wartenden Truck und staunten nicht schlecht: Wir waren die einzigen Gäste. Guide und Fährtenleser standen also exklusiv zu unserer Verfügung. Die anderen vier Teilnehmer hatten aufgrund der enttäuschenden Erfahrungen der gestrigen Gruppe lieber umgebucht. Wir dagegen dachten uns: Irgendjemand muss den Elefanten ja heute Hallo sagen. Schöner Nebeneffekt: Unsere Tour wurde dadurch zur privaten Safari.
Pünktlich ging es den Berg hinunter und hinein in die 3.364 Quadratkilometer große Khoadi Hoas Conservancy (4x so groß wie Berlin), zu der auch unsere Lodge gehört. Die Conservancy ist ein von der lokalen Bevölkerung verwaltetes Schutzgebiet, das Naturschutz und nachhaltigen Tourismus miteinander verbindet. Durch die Einnahmen aus dem Tourismus profitieren die Gemeinden direkt vom Schutz der Tierwelt, wodurch unter anderem auch Wüstenelefanten und andere Wildtiere ihren Lebensraum behalten.
Unser erster Halt war das Rangerbüro. Dort holten wir aktuelle Informationen über die letzten Sichtungen der Elefanten ein, um das Suchgebiet etwas eingrenzen zu können. Danach begann die eigentliche Arbeit: das Tracken – also das Lesen und Verfolgen von Spuren.
Schon bald fanden wir relativ frische Fußspuren der Herde. Besonders gut konnte man erkennen, dass ein ganz kleiner Elefant dabei war. Von da an ging es über teils ordentliche Feldwege, meistens jedoch über Pisten, die eher an Sand- und Geröllfelder erinnerten als an Straßen. Unser Guide schien dabei der festen Überzeugung zu sein, dass Stoßdämpfer dazu da sind genutzt zu werden. In teilweise halsbrecherischem Tempo näherten wir uns dem vermuteten Aufenthaltsgebiet.
Die erste Vermutung war ein Bergplateau, auf das sich die Elefanten gerne zurückziehen. Doch weder die befragten Farmer noch die zufällig angetroffenen Small Miner – Männer, die in mühsamer Handarbeit ohne Maschinen nach Edel- und vor allem Halbedelsteinen suchen – hatten in den vergangenen Tagen Elefanten gesehen. Also hieß es: Spuren neu bewerten, Hinweise kombinieren und den Instinkten des Fährtenlesers vertrauen.
Das neue Ziel war ein abgelegenes Dam – ein Wasserreservoir, das sich in der Regenzeit mit Wasser füllt. Kurz vor dem Becken dann plötzlich der erste Hoffnungsschimmer: eine ganz frische Spur. Der Boden war noch feucht – und zwar auf eine Weise, die nur ein Elefant hinterlassen kann. Wenige Meter weiter lag frischer Dung. Jetzt stieg die Spannung schlagartig.
Der Fährtenleser stieg aus und machte sich zu Fuß auf die Suche, während wir auf einer Anhöhe am Wasserreservoir warteten. Plötzlich herrschte völlige Stille. Niemand sagte ein Wort. Selbst wir wagten kaum zu atmen, als würde jedes Geräusch die Elefanten kilometerweit verscheuchen. Dann knackte endlich das Funkgerät. Der erlösende Funkspruch.
Sofort setzten wir uns wieder in Bewegung. Mit der angegebenen Richtung konnten wir die Elefanten gar nicht mehr verfehlen. Tatsächlich liefen sie etwa 200 Meter entfernt an einem Berghang entlang. Ein unbeschreibliches Erlebnis. Während gestern die Chancen auf eine Sichtung praktisch gegen null gegangen waren, war es heute das Können unserer beiden Begleiter, das uns zum Erfolg führte.
Zusätzlich hatten wir unglaubliches Glück. Der Bergrücken, an dem die Herde mit etwa 15 bis 17 Elefanten entlangzog, führte immer näher an unseren Fahrweg heran. Zunächst konnten wir die Tiere parallel begleiten, bevor sie schließlich direkt unseren Weg kreuzten. Näher kommt man wilden Wüstenelefanten in dieser weitläufigen Gegend wohl kaum.
Selbst unser Guide war völlig begeistert. Er machte unzählige Fotos und kletterte sogar auf das Dach des Trucks, um besser erkennen zu können, wohin die Herde weiterzog. Dabei entdeckten wir auch die beiden jüngsten Mitglieder der Gruppe – etwa vier Monate alte Elefantenbabys, die vorher im dichten Busch verborgen gewesen waren. Wie sie mit ihren viel zu kurzen Beinchen der großen Mama hinterhertapsten, war einfach herzallerliebst. Spätestens in diesem Moment war jeder Gedanke an das frühe Aufstehen vergessen.
Nachdem die Herde im dichten Busch verschwunden war und dort offenbar ihren Fressplatz erreicht hatte, meldete sich auch unser eigener Hunger. Also verabschiedeten wir uns von den Elefanten und fuhren zu einem wunderschönen Rastplatz unter einem riesigen, uralten Kameldornbaum.
Dort wartete ein Mittagessen, das sich sehen lassen konnte: Hühnchen mit Chilisauce, eingelegtes Wildfleisch, verschiedene Salate, frisches Brot und gekühlte Getränke. Herz, was willst du mehr? Vielleicht nur noch Elefanten beim Essen – aber man soll ja nicht gierig werden.
Gut gestärkt machten wir uns anschließend auf den Rückweg zur Lodge. Den Rest des Tages ließen wir diesmal ganz entspannt am Pool ausklingen und nutzten die Gelegenheit, einige Fotos von den Vögeln zu machen, die immer wieder zum Trinken oder Baden vorbeikamen. Sie schienen genau zu wissen, wie fotogen sie waren, und posierten geduldig für die Kamera – perfekte Motive, die den entspannten Nachmittag wunderbar abrundeten.
Schließlich wartet morgen schon die nächste frühe Tour auf uns. Und wer weiß – vielleicht hält Namibia ja noch die nächste Überraschung bereit.
Teil 1728. Juli 2026
Auf der Nashorn-Spur
Früh um 6 Uhr standen sechs wagemutige Entdecker, unser Guide und zwei Fährtenleser bereit. Ihr Ziel: eines der freilaufenden Spitzmaulnashörner ohne Tracker nur mit den Spuren am Boden aufzuspüren. So ging es bei noch völliger Dunkelheit zunächst von der Lodge hinunter ins Tal und anschließend auf einem kleinen, sich windenden Pfad Richtung Wasserstelle in der Conservancy, um dort nach ersten Spuren zu suchen.
Anfangs bemerkten wir die Kälte kaum. Doch je tiefer wir in die Täler vordrangen, desto dichter wurde der Nebel. Mit der Feuchtigkeit kroch auch die Kälte langsam, aber unerbittlich durch jede Kleidungsschicht. Da half nur das bewährte Zwiebelprinzip: Shirt, Pullover, mehrere Jacken und zum Schluss noch ein Poncho. Irgendwann sahen wir vermutlich aus wie wandelnde Kleiderschränke – aber immerhin warme.
Nach etwa 75 Minuten Fahrt legte unser Guide plötzlich eine Vollbremsung hin. Mitten auf dem Weg war eine sehr frische Nashornspur zu erkennen. Das Glück schien uns also weiterhin hold zu sein.
Nachdem alle ausgestiegen waren und wir die Spuren gemeinsam analysiert hatten, wurde entschieden, dass die beiden Fährtenleser der Spur zu Fuß folgen, während wir mit dem Fahrzeug strategisch Position beziehen sollten, um auf ihre Informationen reagieren zu können.
Wir wünschten ihnen viel Erfolg und fuhren im dichten Nebel davon – allerdings nur für fünf Minuten. Wenige Meter neben unserem Fahrzeug tauchte plötzlich ein Schabrackenschakal aus dem hohen Gras auf und kam zielstrebig auf uns zu. Er posierte geradezu, als wolle er dem gesuchten Nashorn die Show stehlen. Natürlich wurde er als erstes Tier des Tages ausgiebig fotografiert.
Dann kam der erste Funkspruch: Das Nashorn hatte seine Richtung geändert, wir sollten umkehren.
Also wieder zurück. Am ursprünglichen Platz wartete der Schakal tatsächlich noch immer auf uns und wirkte fast beleidigt, dass wir diesmal ohne Fotos an ihm vorbeifuhren.
Kurz bevor wir unsere Position erreichten, kam bereits der nächste Funkspruch: Das Nashorn hatte erneut die Richtung geändert und war über die Hügelkette in ein anderes Tal gelaufen. Offenbar hatte es seinen eigenen Plan – und wir kannten ihn definitiv nicht.
Also wieder wenden, unterwegs die beiden Fährtenleser einsammeln und ins nächste Tal fahren. Dort fanden wir erneut frische Spuren des gesuchten Nashorns und setzten die beiden wieder ab, damit sie ihre Suche fortsetzen konnten.
Für uns ging es auf eine kleine Anhöhe, wo wir eine erste Rast einlegten. Dort entdeckten wir mehrere Giraffen. Eine stand etwas weiter entfernt, eine zweite dagegen fast direkt vor uns und ließ sich im wunderschönen Morgenlicht hervorragend fotografieren. In der Ferne waren außerdem zwei Elefanten zu erkennen. Dass wir ihnen später noch deutlich näher kommen würden, wussten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Also wurden erst einmal fleißig weitere Fotos gemacht.
Nach kurzer Zeit meldeten sich die Fährtenleser erneut. Das Nashorn war am Flussbett entlanggelaufen und musste eigentlich direkt an unserer Position vorbeigekommen sein. Unser Guide machte sich sofort auf die Suche nach Spuren, fand im Flussbett jedoch nichts.
Mittlerweile waren bereits zwei Stunden vergangen, seit wir die erste Spur entdeckt hatten. Langsam machte sich Ungeduld breit – ausgerechnet bei einem der scheuesten Tiere Afrikas keine besonders hilfreiche Eigenschaft.
Inzwischen waren auch die Temperaturen deutlich gestiegen. Wir trafen uns kurz mit unseren Fährtenlesern, die von ihren bisherigen Erkenntnissen berichteten. Gleichzeitig konnten sie endlich ihre warmen Kleidungsschichten ausziehen und ihre Wasservorräte auffüllen. Wie viele Kilometer sie bis dahin bereits über felsiges und unwegsames Gelände zurückgelegt hatten, konnten wir nur erahnen. Einige dürften es aber ganz sicher gewesen sein.
Anschließend machten sie sich erneut auf den Weg. Sie berichteten, dass das Nashorn das Flussbett verlassen hatte und unser Guide deshalb dort keine Spuren finden konnte. Cleveres Tier – aber unsere Fährtenleser waren mindestens genauso clever.
Wir fuhren langsam weiter und legten bei den zuvor entdeckten Elefanten eine weitere Pause ein. Gemütlich standen sie auf einem Hügel und fraßen. Gemeinsam mit unserem Guide stiegen wir sogar aus und liefen ihnen vorsichtig ein Stück entgegen, um eine bessere Sicht zu haben. Diesen beeindruckenden Tieren so nahe zu sein, war ein ganz besonderes Erlebnis.
Als wir zum Fahrzeug zurückkehrten, warteten bereits neue Informationen auf uns. Das Nashorn war entweder in unsere Richtung in eine Senke am Flussbett gelaufen – das wäre die gute Nachricht – oder über die nächste Anhöhe in das dahinterliegende Tal verschwunden. Das wäre die schlechte Nachricht gewesen, denn dann hätten wir mindestens eine halbe Stunde wieder zurückfahren müssen, um ins nächste Tal zu kommen.
Wir entschieden uns für Optimismus und hofften, dass das Nashorn die Senke gewählt hatte. Also fuhren wir tiefer ins Tal, jederzeit bereit, auf den nächsten Funkspruch zu reagieren.
Unterwegs entdeckten wir die nächsten Tiere: mehrere Bergzebras, die in dieser Gegend ebenfalls ausgesprochen selten sind. Langsam hatten wir das Gefühl, dass die Glücksfee heute Überstunden machte.
An unserem Warteplatz zeigte sich dann noch ein weiterer Bewohner des Himmels: ein majestätischer Klippenadler.
Und dann kam endlich der erlösende Funkspruch:
„Nashorn direkt in der Senke. Keine 200 Meter entfernt."
Um das Tier nicht zu verscheuchen, verzichteten wir auf das Auto und gingen in ruhigem Gänsemarsch hinter unserem Guide her. Etwa auf halber Strecke hatte er Sichtkontakt zu den Fährtenlesern und stimmte sich mit Handzeichen ab.
Plötzlich das Kommando: „Schnell den Hügel hoch! Das Nashorn kommt auf uns zu!“
Also ging es im Eiltempo rund 50 Meter bergauf, damit das Tier uns nicht wittern konnte.
Kaum oben angekommen, folgte schon das nächste Kommando:
„Es hat wieder gedreht! Alle wieder runter!“
In diesem Moment kam sich unsere Gruppe eher wie Teilnehmer eines etwas chaotischen Fitnessprogramms als wie Safari-Gäste vor.
Also wieder hinunter, vorsichtig an den Rand des Flussbetts – und dann stand es da.
Etwa 200 Meter entfernt: ein Schwarzes Nashorn, auch Spitzmaulnashorn genannt. In diesem Gebiet leben lediglich acht Exemplare.
Spitzmaulnashörner gehören zu den am stärksten bedrohten Großsäugern Afrikas. Anders als Breitmaulnashörner ernähren sie sich überwiegend von Blättern, Zweigen und Sträuchern, die sie mit ihrer charakteristischen spitzen Oberlippe greifen.
Was für ein unglaubliches Erlebnis und was für ein Tag!
Insgesamt viereinhalb Stunden waren wir diesem seltenen und faszinierenden Tier gefolgt, und nun stand es endlich vor uns. Es handelte sich um einen knapp sechs Jahre alten Bullen namens Herrmann. Er wurde in dieser Gegend geboren und wirkte zunächst etwas unruhig, da er unsere für ihn ungewohnten Geräusche wahrnahm. Zu seinem Schutz war ihm das Horn gekürzt worden, was gut zu erkennen war. Da er hier keine natürlichen Feinde hat, beeinträchtigt ihn das im Alltag kaum, erschwert Wilderern jedoch ihre verbrecherischen Machenschaften erheblich.
Etwa 30 Minuten blieben wir bei Herrmann und genossen jede einzelne Minute. Natürlich entstanden dabei unzählige Fotos – vermutlich mehr, als Herrmann jemals freiwillig unterschrieben hätte.
Beim anschließenden Picknick war die Stimmung entsprechend hervorragend. Alle waren voll des Lobes für die beeindruckende Arbeit unserer beiden Fährtenleser. Ohne sie hätten wir Herrmann wohl niemals gefunden.
Nach dem Essen ging es wieder ins Auto und anschließend noch knapp zwei Stunden durch vier oder fünf verschiedene Täler zurück zur Lodge. Erst jetzt wurde uns bewusst, welche Strecke wir tatsächlich zurückgelegt hatten – und wie viele Kilometer unsere beiden Fährtenleser zu Fuß bewältigt haben mussten.
Bei einer Tasse Kaffee ließen wir diesen außergewöhnlichen Tag noch einmal Revue passieren, bevor wir unser letztes Abendessen in dieser Lodge genossen, die sich inzwischen fast wie ein zweites Zuhause anfühlte.
Morgen heißt es jedoch Abschied nehmen, denn unsere Reise führt uns weiter in den Etosha-Nationalpark.
Teil 1829. Juli 2026
Auf in den Etosha
Heute hieß es Abschied nehmen von der Grootberg Lodge und den vielen schönen Erinnerungen. Gleichzeitig stand aber auch ein entspannter Fahrtag auf dem Programm – inklusive Ausschlafen. Der Wecker klingelte deshalb erst um 7 Uhr, das Frühstück war für 8 Uhr geplant. Eigentlich wollten wir das Frühstück in aller Ruhe genießen, doch die Vorfreude auf das tierische Highlight unserer Reise war einfach zu groß. Also brachen wir doch etwas früher auf, denn unser Ziel war der berühmte Etosha-Nationalpark.
Doch wie heißt es so schön: Vor das Vergnügen haben die Götter die Kilometer gesetzt. Also fuhren wir durch das wunderschöne Namibia, das inzwischen tagsüber angenehme 25 bis 29 Grad erreichte. Zunächst ging es den Pass hinunter und anschließend über eine gut befahrbare Gravel Road. Schon nach kurzer Zeit huschte ein kleines Steinböckchen über die Straße und verschwand blitzschnell im dichten Busch. Willkommen zur ersten Wildtiersichtung des Tages – der Auftakt war gemacht.
Kaum hatten wir unseren Blick etwas geschärft, entdeckten wir wenig später eine Riesentrappe. Leider kamen wir ihr etwas zu nahe, sodass sie uns mit sichtbar schlechter Laune davonflog. Vermutlich stand unser Name danach auf ihrer persönlichen Liste unerwünschter Touristen.
Weiter ging die Fahrt, und eigentlich waren wir schon fast an unserem geplanten Tankstopp angekommen, als wir erneut kräftig bremsen mussten. Nur etwa zehn Meter neben der Straße stand hinter einem Zaun eine Gruppe Giraffen zwischen den Büschen. Zunächst machten wir die obligatorischen Fotos, bis wir bemerkten, dass sich mitten in der Gruppe eine winzige Giraffe befand. Damit war unser Ehrgeiz geweckt. Durch geduldiges Parallelfahren versuchten wir, ein schönes Bild von Mutter und Kind zu bekommen. Ein entgegenkommendes Auto schien zunächst ebenfalls anhalten zu wollen, fuhr dann aber einfach weiter. Offenbar gehören Giraffen für manche Menschen zum Alltag – für uns definitiv nicht. Nach rund 15 Minuten Geduld wurden wir schließlich mit einigen wunderschönen Aufnahmen belohnt.
Der Tankstopp in Kamanjab war dann mit dem Auffüllen unserer Wasservorräte und dem freundlichen Abwehren zahlreicher Händler verbunden. Nur dem Verkäufer der geschnitzten Schlüsselanhänger aus Makalani-Nüssen konnten wir nicht widerstehen. Immerhin handelten wir den Preis erfolgreich herunter – schließlich gehört Feilschen hier fast schon zum guten Ton.
Anschließend ging es zunächst über Asphalt, später wieder über Nebenstraßen weiter. Nach einem weiteren kurzen Tankstopp kurz vor dem Parkeingang – inklusive Bäumen voller riesiger Papayas und einem Baum, der aussah, als hätte ihn jemand komplett mit Schmetterlingen dekoriert – standen wir endlich vor dem Etosha-Nationalpark.
Der Etosha-Nationalpark gehört mit seinen rund 22.000 Quadratkilometern zu den größten Nationalparks Afrikas. Zum Vergleich: Er ist deutlich größer als das deutsche Bundesland Hessen und etwa so groß wie Rheinland-Pfalz und das Saarland zusammen.
Am Eingang wurden zunächst die üblichen Fragen gestellt: Feuerwaffen dabei? Woher kommen sie? Wie lange bleiben sie im Park? Anschließend unterschrieben wir noch die Hinweise zum Seuchenschutz. Alles darf in den Park eingeführt werden, Fleisch und andere tierische Produkte dürfen allerdings nicht wieder hinaus. Danach nahm eine ausgesprochen resolute Beamtin unsere Daten auf und schickte uns zum Bezahlen in unser Camp weiter.
Bevor wir jedoch dorthin fuhren, machten wir noch einen kurzen Abstecher zum ersten Wasserloch. Dort wurden wir direkt von Springböcken, Oryx-Antilopen und einem Warzenschwein begrüßt. Auf dem weiteren Weg begegneten uns außerdem Impalas, eine Warzenschwein-Mama mit ihren zwei Frischlingen und mehrere Gnus. Wahnsinn – und das alles auf den ersten Kilometern im Park.
Im Camp Okaukuejo angekommen warteten zunächst zwei Warteschlangen auf uns: eine zum Bezahlen des Parkeintritts und eine zweite für die Ausgabe der Schlüssel. Typisch staatliche Verwaltung – zu wenig Personal für viel zu viele Besucher. Rund 30 Minuten später hielten wir endlich unseren Schlüssel in den Händen.
Dann folgte die wohl größte Überraschung des Tages: Unser Chalet lag direkt am berühmten Wasserloch und vom Balkon hatten wir einen freien Blick auf die Wasserstelle, an der gerade mehrere Zebras tranken. Besser kann man wohl kaum begrüßt werden.
Eigentlich hätten wir den Rest des Tages einfach dort sitzen bleiben können. Aber irgendwie waren wir viel zu neugierig. Also beschlossen wir, noch eine kleine Runde zu drehen und drei weitere Wasserlöcher anzufahren.
Das erste war leider komplett trocken – entsprechend war dort auch kein einziges Tier zu sehen. Das zweite (Okondeka) hingegen war einfach spektakulär. Giraffen, Gnus, Springböcke und Strauße standen gemeinsam am Wasser, und wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Am liebsten hätten wir dort den ganzen Nachmittag verbracht.
Da der Park jedoch pünktlich schließt, mussten wir langsam zurückfahren. Eigentlich wollten wir noch ein drittes Wasserloch besuchen, doch das schien sich erfolgreich vor uns zu verstecken. Wahrscheinlich hatte es früher Feierabend gemacht.
Auf einer anderen Strecke fuhren wir schließlich zurück zum Camp und entdeckten unterwegs Grautokos, einen Gleitaar, Weißflügeltrappen, Schakale und viele weitere Tiere. Man wusste irgendwann gar nicht mehr, wohin man zuerst schauen sollte.
Zurück im Camp gingen wir direkt zu unserem traumhaften Chalet – keine Sekunde zu früh. Gerade traf eine größere Elefantengruppe ein und marschierte zielstrebig zum Wasserloch.
Nachdem sie ihren Durst gestillt hatte, näherten sich zwei Spitzmaulnashörner vorsichtig der Wasserstelle. Das gefiel jedoch zwei stattlichen Elefantenbullen überhaupt nicht. Sie stürmten förmlich nach vorne und machten unmissverständlich klar, wer hier Vorfahrt am Wasserloch hatte. Die Nashörner warteten geduldig in sicherem Abstand und kamen erst trinken, als die Dickhäuter fertig waren. Afrikanische Verkehrsregeln – wer größer ist, fährt beziehungsweise trinkt zuerst.
Leider mussten wir uns von diesem Naturschauspiel losreißen, denn wir hatten einen Tisch im Restaurant reserviert. Rückblickend wäre es besser gewesen, einfach auf dem Balkon zu bleiben.
Das Abendessen entwickelte sich nämlich zur mit Abstand schlechtesten Erfahrung unserer gesamten Reise. Der Service war völlig überfordert. Teilweise kam das Essen vor den Getränken, die Hälfte der ohnehin nur sieben Gerichte war nicht verfügbar, und das Essen, das schließlich serviert wurde, war bereits kalt und kaum genießbar. Selten waren wir so froh, als das Abendessen endlich vorbei war.
Etwas enttäuscht liefen wir zurück zu unserem Chalet und beschlossen, uns kurzerhand ein Wurstbrot zu schmieren. Doch kaum hatten wir das Messer in der Hand, blieb uns fast die Luft weg: Zwei Nashörner standen bereits am Wasserloch und warteten scheinbar nur darauf, dass wir endlich zurückkehrten.
Also nahmen wir wieder auf unserem Balkon Platz. Im Laufe des Abends kamen Oryx-Antilopen, Giraffen, Hyänen, Springböcke und Zebras vorbei. Kurz bevor wir – eigentlich widerwillig – schlafen gehen wollten, erschienen sogar vier Nashörner gleichzeitig. Allerdings schienen sie sich nicht besonders gut zu verstehen, denn immer wieder kam es zu kleineren Rangeleien um den besten Platz am Wasser.
Ein herrlicher Abschluss eines fantastischen Tages. Das Desaster im Restaurant war längst vergessen. Stattdessen gingen wir mit unzähligen Tierbildern im Kopf ins Bett – und träumten wahrscheinlich von noch viel mehr davon.
P.S. Als ich das hier gerade alles hochladen schaue ich noch einmal vom Bett auf und sehe einen großen Elefantenbullen am Wasserloch steht und ein Nashorn was badet. Wahnsinn.
Teil 1931. Juli 2026
Olifantsrus und große Überraschungen
Die Nacht war unruhiger als gedacht. Irgendwie schaut man jedes Mal, wenn man auch nur halbwegs wach wird, automatisch nach draußen, um bloß nichts am Wasserloch zu verpassen. So konnten wir in der Nacht unter anderem mehrere Nashörner, Giraffen und Elefanten am Wasserloch beobachten. Viel Schlaf war zwar nicht drin, aber wer braucht schon Schlaf, wenn direkt vor der Terrasse Afrikas Tierwelt auftritt?
Dennoch sollte es am Morgen wieder auf Tour gehen, denn einfach nur dasitzen und sich berieseln lassen kann schließlich jeder. Eine Frage stellte sich allerdings noch: Was sollten wir frühstücken? Wir hatten zwar die Möglichkeit, im Camp zu essen, aber das hätte bedeutet, noch einmal das Restaurant vom Vorabend aufzusuchen. Wir hatten noch drei Milchbrötchen übrig und beschlossen, dass diese fürs Erste reichen mussten. Ein kurzer Blick ins Restaurant bestätigte unseren Entschluss: Die Auslage war nahezu leergeräumt.
Um 8:00 Uhr standen wir schließlich im Kiosk des Camps und wollten etwas Einfaches für den Abend besorgen – Ravioli aus der Dose oder Ähnliches. Noch einmal wollten wir auf keinen Fall im Restaurant essen. Doch trotz der vielen Camper gab es tatsächlich keinerlei Fertiggerichte in Dosen. Also musste Plan B herhalten. Wir kauften frisches Toastbrot, Fleischwurst, Gurke und Feta und wollten uns daraus am Abend mit dem Campingkocher etwas Leckeres zaubern. Für unterwegs mussten Toast mit Landjägern, die erstaunlich ähnlich wie in Deutschland schmecken, und Kabanossi reichen.
Also ging es los. Unser Ziel war das etwa 128 Kilometer westlich gelegene Nachbarcamp Olifantsrus, das ausschließlich über Campingplätze verfügt. Zwar führt die Strecke auf demselben Weg hin und zurück, doch unser Plan war, unterwegs die interessantesten Wasserlöcher auszukundschaften und diese auf der Rückfahrt erneut anzufahren. Außerdem hofften wir darauf, dass dieselben Orte am Morgen ganz anders wirken als am Nachmittag.
Laut unserer frisch gekauften Karte des Nationalparks lagen auf der Strecke zahlreiche Wasserlöcher – beste Voraussetzungen für spannende Tierbeobachtungen. Zunächst fuhren wir nach Norden zu dem Wasserloch Okondeka, an dem wir am Vorabend so viel gesehen hatten. Diesmal herrschte dort allerdings gähnende Leere. Offenbar waren wir einfach zu spät dran. Also ging es weiter Richtung Westen, immer der einzigen und damit auch Hauptstraße folgend.
Das erste Wasserloch Adamax war komplett versandet, beim zweiten Grunewald gab es ebenfalls kein Wasser mehr und selbst der angekündigte Gespensterwald wirkte eher wie ein Wald mit etwas schlechtem Marketing. Dafür begegneten uns entlang der Straße zahlreiche Tiere. Mehrere Vogelarten wurden ebenso begeistert fotografiert wie eine Zebraherde mit Jungtieren, deren Fellmuster deutlich brauner und flauschiger wirkte als das der Erwachsenen. Besonders niedlich waren drei Borstenhörnchen, die offenbar überzeugt waren, dass vollständige Bewegungslosigkeit sie für uns unsichtbar machte. Der Plan ging allerdings nur mäßig auf.
Am ersten Rastplatz durften wir ein Toilettenhäuschen besichtigen, das erst in diesem Jahr mit Unterstützung der deutschen Regierung eröffnet worden war. Leider funktionierte die Spülung bereits nicht mehr. Da stellt sich schon die Frage, was solche Hilfe bringt, wenn sich anschließend niemand mehr um den Erhalt kümmert. Immerhin profitierten die Webervögel davon: Das langsam auslaufende Wasser sammelte sich in einer Plastikschale, aus der sie ausgiebig tranken. Direkt daneben hing ein beeindruckend großes Webernest, an dem fleißig weitergebaut wurde.
Positiv war außerdem, dass am Rastplatz Informationstafeln aufgestellt worden waren. Auf einer davon waren tatsächlich alle aktuell in Betrieb befindlichen Wasserlöcher eingezeichnet. Warum schafft es die Parkverwaltung nicht, diese Informationen auch auf der offiziellen Karte entsprechend zu aktualisieren oder waren wir zu blöd die Karten zu lesen? Nun wussten wir auf jeden Fall genau, welche Wasserstellen sich lohnten.
Am nächsten Wasserloch erwarteten uns zahlreiche Zebras und Springböcke. Direkt daneben befand sich ein Rastplatz mit einer kleinen Aussichtsplattform, an der wir auf dem Rückweg noch einmal halten wollten, da die Sonne momentan ungünstig stand. Außerdem lag dort der riesige Schädel eines Elefanten – ein beeindruckender Anblick, der einem erst richtig bewusst machte, welche gewaltigen Tiere hier unterwegs sind.
Auf der Weiterfahrt kamen wir an einem verlassenen LKW vorbei, der schräg auf der Fahrbahn stand. Vermutlich hatte das Fahrzeug einen Defekt und wartete nun irgendwo mitten im Nirgendwo geduldig auf Rettung. Keine schlechte Kulisse für einen Abenteuerfilm.
Das nächste Wasserloch (Teespoet) verpassten wir irgendwie, sodass wir direkt am letzten Wasserloch (Tobieroen) vor unserem Zwischenziel ankamen. Dort herrschte reges Treiben: Oryxantilopen, Zebras, Gnus und natürlich zahlreiche Springböcke hatten sich rund um das Wasser versammelt.
Im Olifantsrus Camp angekommen, schauten wir uns zunächst in Ruhe um. Das Camp ist das jüngste Camp im Etosha-Nationalpark und richtet sich ausschließlich an Camper, wodurch es deutlich ruhiger wirkt als die größeren Restcamps. Besonders sehenswert ist der historische Schlachthof, der noch aus den 1960er-Jahren stammt. Damals wurden hier Tiere u.a. auch Elefanten verarbeitet, um die Mitarbeiter des Parks zu versorgen – heute erinnern die restaurierten Gebäude und Informationstafeln an dieses Kapitel der Parkgeschichte und zeigen eindrucksvoll, wie sich der Naturschutz im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.
Das eigentliche Highlight des Camps war jedoch der Lookout Point, von dem aus man einen hervorragenden Blick auf das Wasserloch hatte. Gerade als wir ankamen, spazierten einige Zebras gemütlich heran, tranken in aller Ruhe und zogen anschließend ebenso entspannt wieder weiter. Toll.
Langsam machten wir uns wieder auf den Rückweg. Vor Sonnenuntergang mussten wir schließlich zurück im Camp sein, denn die Tore schließen pünktlich. Außerdem weiß man im Etosha-Nationalpark nie, was unterwegs noch passiert – sei es eine spektakuläre Tiersichtung oder eine unerwartete Verzögerung. Da kann selbst eine Stunde Zeitpuffer schneller verschwinden, als einem lieb ist.
Schon bald erreichten wir wieder das erste Wasserloch Tobieroen. Dort spielte sich ein kleines Schauspiel ab. Mehrere große Zebraherden standen am Wasser, doch zwei oder drei Hengste hatten offenbar beschlossen, ihre Meinungsverschiedenheiten direkt auszutragen. Es wurde gejagt, gebissen, getreten und gerauft. Fast wirkte es, als hätte jemand den Startschuss für die Zebra-Bundesliga gegeben. Es war herrlich, diesem Spektakel zuzusehen, und die schönsten Szenen landeten nicht nur auf der Kamera, sondern auch dauerhaft im Kopf.
Wenig später fanden wir nun auch das zuvor verpasste Wasserloch Teespoet. Der große Brand von 2025 hatte hier deutliche Spuren hinterlassen. Umso schöner war es zu sehen, dass das Leben langsam zurückkehrte und die Springböcke das Wasserloch bereits wieder gut angenommen hatten.
Unser Zeitpuffer betrug immer noch etwa 45 Minuten. Auffällig war allerdings, dass wir seit der Abfahrt aus Olifantsrus keinem einzigen anderen Fahrzeug mehr begegnet waren. Es fühlte sich an, als hätten wir den gesamten Nationalpark plötzlich für uns allein.
Dann kam der Moment, der uns fast den Atem raubte. An nächsten Wasserloch standen sechs ausgewachsene Elefantenbullen und tranken – keine zwanzig Meter von uns entfernt. Wir waren völlig allein mit diesen gewaltigen Tieren. Es war einfach überwältigend. Eine ganze Weile beobachteten wir ihr ruhiges Trinken, ihr gegenseitiges Schubsen und die kleinen Rangeleien untereinander. Worte reichen kaum aus, um diesen Moment zu beschreiben.
Langsam wurde die Zeit allerdings knapp und wir beschlossen, unseren Puffer nicht weiter zu verkleinern. Schließlich wollten wir noch einmal an der Aussichtsplattform halten. Dort bot sich uns ein herrlicher Blick auf zahlreiche Tiere: Zebras, Springböcke, Giraffen und Gnus tummelten sich gemeinsam in der Ebene. Zufrieden machten wir uns schließlich auf den letzten Abschnitt und erreichten unser Camp tatsächlich noch zehn Minuten vor Schließung der Tore.
Nun hieß es: Abendessen. Wir brieten die Fleischwurst in der Pfanne auf dem Gaskocher an und servierten dazu Gurkensalat mit Feta. Ehrlich gesagt schmeckte dieses improvisierte Campingessen deutlich besser als alles, was wir am Vorabend im Restaurant bekommen hatten.
Am Wasserloch direkt vor unserem Bungalow spielte sich am Abend erneut ein beeindruckendes Schauspiel ab. Eine ganze Gruppe Elefanten machte das Wasserloch unsicher, und bis wir schließlich einschliefen, kamen noch viele weitere dazu. Außerdem erschienen mehrere Nashörner. Besonders schön war eine Nashornmutter mit ihrem Jungen, die sich schließlich sogar direkt am Wasserloch schlafen legten. Dazu gesellten sich Springböcke, Schakale, Hyänen und Warzenschweine.
Es fühlte sich an wie Kino – nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Hauptdarsteller echt waren und man lediglich das Popcorn vergessen hatte.
Teil 2003. Aug. 2026
Quer durch den Park
Abschied nehmen ist immer traurig. Doch wenn man morgens mit diesem Blick auf das Wasserloch aufwacht, fällt das Verlassen des Ortes gleich doppelt schwer.
Auch die vergangene Nacht hatte es wieder in sich. Mehrere Löwen lieferten sich ein lautstarkes Brüllkonzert, das von links nach rechts und wieder zurück durch die Dunkelheit hallte. Dieses tiefe Grollen sorgt jedes Mal für Gänsehaut, denn es klingt, als würde der Löwe direkt neben dem Bett stehen. Zum Glück blieb es beim Eindruck. Außerdem kamen wieder mehrere Nashörner, einige Elefanten und sogar Hyänen ans Wasserloch – ein würdiger Abschiedsgruß der afrikanischen Tierwelt.
Am Morgen ging es erneut ohne Frühstück los. Für die mindestens knapp vierstündige Fahrt quer durch den Park hatten wir lediglich zwei Stunden Zeitpuffer, weil wir den Park früher als eigentlich nötig verlassen mussten. Auf unsere höfliche Nachfrage, warum das so sei und ob es keine andere Möglichkeit gäbe, bekamen wir von der resoluten Dame am Gate lediglich die Antwort: „Weil ich es sage.“ Diskussion beendet. Manche Naturgewalten tragen eben Namensschild.
Zunächst mussten wir eine Umleitung fahren, weil die eigentlich gut erhaltene Hauptstraße asphaltiert wird. Warum, fragten wir uns immer wieder. Die Straße war in einem guten Zustand, passte perfekt zum Charakter des Parks und Schotter sorgt ganz nebenbei dafür, dass niemand zur Rallye ansetzt. Das Geld hätte man unserer Meinung nach lieber in die zahlreichen Nebenstraßen investieren sollen, auf denen man von einer Seite zur anderen geschüttelt wird, als säße man in einer überdimensionierten Cocktailmaschine.
Die eigens angelegte Umleitungsstrecke führte dann auch noch gekonnt an sämtlichen Wasserlöchern vorbei – also genau an den Orten, an denen man eigentlich sein möchte. Deshalb beschlossen wir kurzerhand, einen der holprigen Nebenwege zu nehmen. Der Zustand der Straße war zwar alles andere als komfortabel, dafür gab es wenigstens Wasserlöcher. Das erste war völlig verlassen, doch am zweiten wurden wir belohnt: Dort entdeckten wir gleich zwei neue Tiere für unsere Liste – zwei junge Kuduböcke samt passender Damen sowie einige Impalas.
Zurück auf der Umleitung ging es wenig später endlich wieder auf die ursprüngliche Strecke. Zum Glück blieb dieser Abschnitt offenbar verschont. Kurz darauf erreichten wir ein Wasserloch in der Nähe der Pfanne, an dem es nur so von Zebras wimmelte. Es müssen gut 200 Tiere gewesen sein. Als wir gerade weiterfahren wollten, kamen noch einige Gnus hinzu, um ihren Durst zu stillen. Ein beeindruckendes Schauspiel, bei dem man gar nicht wusste, wohin man zuerst schauen sollte.
Nach diesem Highlight wurden wir allerdings erneut auf eine Umleitung geschickt und erreichten schließlich das Camp Halali, auf dem Diana bereits einmal gecampt hatte. Wir liefen zum Wasserloch, an dem sich bei knapp 30 Grad Mittagshitze lediglich ein paar Perlhühner und einige Zebras eingefunden hatten. Verständlich – selbst die Tiere schienen beschlossen zu haben, dass man um diese Uhrzeit besser im Schatten bleibt. Einige Springböcke machen dies in Perfektion und nutzen selbst den Schatten der Dornenbüsche. Besser wenig Schatten als keiner.
Da wir bereits eine Stunde unseres Zeitpuffers verbraucht hatten, ging es bald weiter. Kurz bevor wir wieder ins Auto stiegen, tauchte ein alter Bekannter auf: der riesige Big Foot-Truck, der scheinbar gemütlich durch Afrika tourt und uns nun bereits zum dritten Mal begegnete. Langsam hatten wir den Verdacht, dass nicht wir ihm hinterherfuhren, sondern er uns.
Trotz der knappen Zeit entschieden wir uns noch für einen Abstecher zum Aussichtspunkt in der Pfanne. Dort darf man aussteigen und steht plötzlich mitten in der riesigen weißen Senke aus trockenem, steinhartem Ton und Salz. Die Weite ist beeindruckend und wirkt beinahe surreal. Ein paar Fotos mussten natürlich sein. Der geplante Kaffee fiel allerdings dem Zeitdruck zum Opfer – manchmal gewinnt eben doch die Uhr.
Anschließend fuhren wir zu einem wunderschön gelegenen Wasserloch mit zwei Aussichtspunkten. Gerade tranken dort zwei ausgewachsene Kudubullen mit ihren imposanten Hörnern, als in der Ferne eine Elefantenherde aus den Büschen auftauchte. Was für ein Anblick! Gleichzeitig fluchten wir innerlich über den immer größer werdenden Zeitdruck. Uns blieben nur noch etwa 15 Minuten Reserve, und wir wussten nicht, welche Nachzahlung bei einer Verspätung auf uns warten würde. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von den Dickhäutern.
Diese Entscheidung sollte sich allerdings sofort auszahlen. Kaum waren wir ein Stück weitergefahren, trotteten plötzlich vier rotbraune Gestalten über die Straße. Vollbremsung! Kameras hoch! Tatsächlich liefen vier Löwen direkt vor uns über den Weg – eine Löwin mit ihren drei Jungtieren. Gerade einmal 30 Sekunden später, und wir hätten dieses Erlebnis komplett verpasst. Solche Momente sind es, die einen ganzen Tag vergolden.
Natürlich hielten wir noch Ausschau nach den Löwen - knappe Zeit hin, Strafe her-, doch im hohen Gras verschwanden sie innerhalb weniger Augenblicke. Stattdessen entdeckten wir eine kleine Elefantengruppe mit einem Jungtier. Während sie hinter unserem Auto den Weg überquerte, wurde die Herde plötzlich ungewöhnlich aufgeregt. Wir dachten schon, wir hätten etwas falsch gemacht. Doch der wahre Übeltäter war ein Strauß, der offenbar beschlossen hatte, die Vorfahrtsregeln großzügig auszulegen. Das kam bei den Elefanten überhaupt nicht gut an, und der Vogel suchte äußerst zügig das Weite. Vermutlich hatte er seinen persönlichen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt.
Durch diesen zusätzlichen Stopp lagen wir nun endgültig hinter unserem Zeitplan und mussten die verlorenen Minuten wieder aufholen. Das gelang erstaunlich gut, sodass wir am Ende sogar noch zwei kleinere Wasserlöcher besuchen konnten. Dort warteten Giraffen, Springböcke, Impalas und sogar ein junger Gaukler auf uns.
Schließlich erreichten wir das Gate knapp fünf Minuten vor Ablauf unserer erlaubten Zeit und konnten den Park ohne Strafgebühren verlassen – eine Punktlandung, wie sie spannender kaum hätte sein können.
Anschließend fuhren wir direkt zu unserer Lodge dem Onguma Bush Camp. Bereits auf der Zufahrtsstraße wurden wir von mehreren Giraffen und verschiedenen Vogelarten begrüßt, darunter auch Frankoline. Ein herrliches Fleckchen Erde Mitten in der Natur.
In der Lodge wurden wir herzlich empfangen und bezogen unser wunderschön eingerichtetes Zimmer. Zum Sonnenuntergang gingen wir schließlich noch einmal an das Wasserloch, wo wir bei traumhaftem Ausblick unser Abendessen genossen. Ein würdiger Abschluss eines langen, aufregenden und unvergesslichen Tages.