BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200609. März 2026 · #1
Hallo zusammen,
hier folgt in Kürze ein Reisebericht von einer früheren Radreise durch ein Land, das nie auf meiner Wunschliste stand, welche aber dennoch sehr spontan zustande kam und wie so oft in meinem Leben spielten dabei eine Reihe Zufälle eine Rolle.
Im Herbst 2005 druckte eine dänische Zeitung eine Serie von Mohammed-Karikaturen, woraufhin in der islamischen Welt eine Reihe von gewalttätigen Ausschreitungen stattfanden. Alleine in Nigeria kamen dabei innerhalb weniger Tage über 120 Menschen ums Leben. Im Januar 2006 wurden einer arabischen Zeitung weitere Karikaturen zugespielt, die angeblich aus der gleichen Quelle kämen (was jedoch nicht stimmte). Jetzt eskalierte die Lage völlig.
Ich hatte seinerzeit noch eine kleine private Website und ich war sporadisch in einem MTB-Forum aktiv. Anfang März bekam ich ein Mail von einer Britta aus dem erwähnten MTB-Forum, die mich fragte, ob ich nicht spontan mit nach Jordanien kommen wolle. Sie hatte sechs interessierte Reisepartner, die alle der Reihe nach aus Angst vor Unruhen absprangen und auf meiner Homepage hatte sie gelesen, dass ich auch Radreisen mache.
Ich hatte, vom Zufall bereits akribisch vorbereitet, noch Resturlaub aus dem Vorjahr und das Auswärtige Amt berichtete, dass die Lage in Jordanien entspannt sei. Ich signalisierte Interesse und wir telefonierten mal. Während ich keinerlei Ahnung hatte vom Land und ihr das natürlich auch sagte, meinte sie, das wäre kein Problem, da sie sich ja schon seit Monaten drum gekümmert habe und zudem seit drei Jahren Arabisch lerne. Das sollte sich später manchmal noch als hilfreich rausstellen.
Sie hatte über irgendwelche Kontakte 10 kg zusätzliches Freigepäck für den Flug bekommen, eine Unterkunft am Zielort und einen Transport dorthin organisiert. Jetzt klingen 30 kg Freigepäck erst mal ganz ordentlich, aber wenn man 18 kg fürs verpackte Fahrrad und dazu Zelt, Schlafsack und Isomatte abzieht, bleibt davon nicht mehr allzu viel übrig. Egal, es reichte.
Am Flughafen sahen wir uns Anfang April zum ersten Mal, erkannten uns aber auf Anhieb. So viele Passagiere mit Fahrrädern standen beim Check-In ja nicht rum. Außer uns waren es genau null und ich habe extra nochmal nachgezählt.
Um der Reise unvoreingenommen, offen, neugierig und gewohnt ahnungslos wie fast immer entgegenzutreten, hatte ich mich auch zwischenzeitlich nicht weiter informiert. So weit also erst einmal ein ganz normaler Reiseauftakt …
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
hansilein181 Beiträge · seit 202009. März 2026 · #2
Hallo Wolfgang, das klingt ja wieder nach ein spannendes und kurweiliges Lesevergnügen.Bin gerne dabei
utaeleonore601 Beiträge · seit 202209. März 2026 · #4
Jordanien steht auf meiner Reise Bucket List... vermutlich noch lange. Also lese ich gerne mit
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200610. März 2026 · #5
Eine Info noch vorab:
Britta ist blond und wer als blonde Frau schon mal in islamischen Ländern (es ist natürlich nicht in allen Ländern so) unterwegs war, hat möglicherweise die Erfahrung gemacht, ständig angebaggert zu werden. Das muss natürlich nicht so sein, aber es ist auch nichts, was einen überraschen sollte.
Wir geben uns als Ehepaar aus, um diese Situationen zu minimieren, doch das klappt nicht. „ihr tragt keinen Ehering“, heißt es und Britta wird selbst in meiner Gegenwart weiter fleißig angebaggert. Ab dem nächsten Tag sind wir Geschwister. Das funktioniert. Sobald sie einem lästigen Typen sagt, ich sei ihr Bruder, ist sofort Ruhe. Das klappt sogar, wenn wir tagsüber mal getrennt unterwegs sind.
Abgesehen davon lernen wir die Jordanier auf der Reise als durchweg nette, hilfsbereite und gastfreundliche Menschen kennen. Von einigen dieser Begegnungen wird hier noch zu lesen sein.
Gruß Wolfgang
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KarstenB2'397 Beiträge · seit 201110. März 2026 · #6
Moin Wolfgang,
ich freue mich schon auf einen weiteren, ungewöhnlichen und gewöhnlich humorvollen Bericht. Ja, Notlügen können das Reisen sehr erleichtern. Wir haben (vor allem in Asien) behauptet, dass unsere (nicht-existenten) Kinder bei den Großeltern wären - ich hatte die mitleidigen und abschätzigen Blicke, die mich trafen, irgendwann satt.
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200610. März 2026 · #7
Am nächsten Morgen geht’s gleich los. Jordaniens Hauptstadt Amman liegt fast 800 Meter hoch und es geht zunächst ein kleines Stückchen bergauf zum Berg Nebo. Hier starb Moses im zarten Alter von angeblich 120 Jahren. Von hier hat man eine Aussicht aufs sog. Gelobte Land, was zugegebenermaßen besser klingt als „bergige Kieswüste“.
Ein Auto überholt uns und fährt an den Straßenrand. Der Fahrer steigt aus und wartet auf uns. Er hat erkannt, dass wir Touristen sind, gibt uns die Hand und wünscht uns eine gute Reise. Nur deswegen hat er angehalten, steigt anschließend wieder ein und setzt seine Fahrt fort.
Nun geht es abwärts von über 800 Metern auf etwa 430 Meter unter dem Meeresspiegel zum Toten Meer. Nirgendwo anders auf der Welt kann man auf dem Festland eine so tiefe Stelle erreichen. Ich will ausprobieren, ob das stimmt, dass man sich hier wegen des hohen Salzgehalts einfach so aufs Wasser legen kann. Es ist total irre. Ich kann mich hier sogar seitwärts aufs Wasser legen, den einen Oberarm aufs Wasser, den Unterarm nach oben und den Kopf drauf ablegen. Das klappt allerdings immer nur so 1-3 Sekunden, bevor es mich wieder auf den Rücken dreht. Dennoch ist es ein lustiges Erlebnis, das ich so nie für möglich gehalten hätte.
Meine kurze Sporthose, die ich mangels Badehose verwendet habe, zeigt mir noch ein weiteres Phänomen. Sie fühlt sich hinterher an wie in Olivenöl eingeweicht. Außen am Gepäck befestigt braucht sie trotz Sonne und trockener Luft zwei Tage zum Trocknen. Danach ist sie so hart wie ein Stück Holz …
Gruß Wolfgang
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freshy3'883 Beiträge · seit 201110. März 2026 · #8
Nun bin ich auch zugestiegen und werde bis zum Ende des Trips nicht wieder aussteigen!
Danke Wolfgang für dieses weitere Abenteuer freshy
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200611. März 2026 · #9
Das Tote Meer ist echt eine lustige Sache, außer man will eigentlich einen Tauchurlaub am Roten Meer machen und verwechselt zwei Buchstaben. Dann ist es scheiße. Und zwischen „R“ und „T“ hat man sich schnell mal vertippt … 😉
Am Ende des Tages sind wir insgesamt etwa 1.250 Höhenmeter runter gefahren und diejenigen, die in der Schule aufgepasst haben, ahnen es bereits; Wenn man am tiefsten Punkt der Erde ist, dann geht es in jede Richtung immer nur bergauf. Damit ist klar – morgen ist erstmal Schluss mit lustig.
Aber zuvor ist zunächst Zeit, die Augenlider auf innere Verletzungen zu untersuchen und einen Platz zum Übernachten zu finden. Wir erreichen das Wadi (al) Mujib, das auch als Grand Canyon Jordaniens bezeichnet wird (und nebenbei das tiefstgelegene Naturschutzgebiet der Welt ist) und finden direkt am Ende des Canyons eine geeignete Stelle zum Übernachten. Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite ist ein Militärcamp und wir fragen, ob es ok ist, wenn wir gegenüber zelten. Das ist kein Problem, sagen sie.
Im Verlaufe des Abends wird es immer lauter und es klingt, als ob die sich im Camp ordentlich den Helm zulöten. Jetzt dürfen Moslems aus religiösen Gründen keinen Alkohol trinken, aber sie sind ja anders als Asiaten keine Schlitzaugen, sondern Schlitzohren und sehr erfindungsreich. In Jordanien gibt es einen Schnaps namens Arrak (ähnlich wie Ouzo). Den mischt man mit Wasser, woraufhin das eine weißlich trübe Mischung ergibt. Dies nennt man nun Kamelmilch und Kamelmilch ist nach dem Koran nicht verboten. Man kann sich damit nun aber prima den Helm zulöten.
Gruß Wolfgang
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Hallo Wolfgang, ich freue mich über deinen Bericht, ich war 2015 in Jordanien (als der Krieg in Syrien im vollen Gange war) und hatte damals viele Orte fast für mich "alleine". In Petra waren an den 2 Tagen an denen ich dort war nur ca. 100 weitere Gäste. (normal vorher ca. 6000 Touristen pro Tag) Ich habe Jordanien als schönes, sehenswertes und auch sicheres Reiseland in Erinnerung. Auf dem Berg Nebo und im oder besser auf dem Toten Meer war ich auch. Bin gespannt auf deine weiteren Reiseerlebnisse. LG Cora
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200611. März 2026 · #11
Hallo Cora,
Jordanien empfand ich auch als sehr entspanntes Reiseland mit super netten und hilfsbereiten Menschen. Vergleichbares habe ich wohl nur in Gambia und Kamerun erlebt, wobei in Gambia allerdings die Polizei das genaue Gegenteil war und das Reiseerlebnis erheblich trübte.
Jordanien war zu unserer Reisezeit wegen befürchteter Unruhen touristisch auch kaum frequentiert. Damals war in Petra auch fast niemand. Mit Menschenmassen müsste ich das auch nicht erleben.
Gruß Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200611. März 2026 · #12
Wadis sind im arabischen Raum das, was die Trockenflüsse oder Riviere in Namibia sind. Aufgrund der bergigen Topologie und der felsigen Umgebung sind das in Jordanien meist Canyons mit erheblichem Gefälle. Man will in Namibia schon nicht in so etwas geraten, wenn da Wasser läuft, aber in Jordanien geht das dann nochmal ganz anders zur Sache.
Normalerweise kann man das Wadi Mujib auf einer mehrstündigen Wanderung erkunden. Es gibt einen Weg, der seitlich an der Felswand befestigt ist. Vor unserer Reise gab es massive Regenfälle. Ob es dabei den Weg beschädigt hat oder man zeitweise unten läuft, wo jetzt Wasser steht, wissen wir nicht, jedenfalls ist der Weg gesperrt.
Auf der langen Steigung durch die Berge halten im Laufe des Tages zwei Fahrer von Pickups an und fragen, ob wir nicht lieber mitfahren wollen, denn die Steigung dauere noch lange. Wir bleiben auf den Rädern. Das folgende Foto beschreibt den Großteil des Tages.
In einem Dorf lädt uns ein Mann von der Straße weg zum Tee ein. Wir sitzen mit seiner Frau und einer ganzen Schar Kinder auf dem Fußboden. Britta bekommt eine Decke gereicht, um ihre Schultern und Beine zu bedecken. Als wir weiterfahren, fehlt ihr Tacho, den jemand geklaut hat. Etwa eine Stunde später überholt uns unser Gastgeber von vorhin mit dem Auto, hält uns den Tacho vor die Nase, entschuldigt sich und sagt, den habe er eben bei einem seiner Kinder entdeckt.
Kurz vor unserem heutigen Zielort passieren wir eine Schafherde, die rechts der Straße oberhalb einer höheren und steilen Böschung friedlich vor sich hin grast. Weniger friedlich kommt urplötzlich ein großer zotteliger Hirtenhund mit wütendem Gekläffe die Böschung hinab auf mich zugestürmt. Aus Reflex „belle“ ich so laut ich kann zurück. Es muss furchteinflößend geklungen haben, denn der Hund ist auf der Stelle ruhig und will panisch zurückrennen. Am steilen Hang findet sein Vierbeinantrieb auf dem losen Schotter keinen Halt und er rennt sekundenlang auf der Stelle. Diese Situation hätte ich selbst gerne nochmal auf Video gesehen. Der Schäfer steht am linken Fahrbahnrand und hält sich inzwischen vor Lachen den Bauch. Er entschuldigt sich dafür, dass er nicht aufgepasst habe, weil er durch ein Gespräch mit einem Bekannten abgelenkt war.
In der nächsten Kleinstadt finden wir eine feudale Unterkunft. Angesichts eurer Fotos der häufig erbärmlichen Räumlichkeiten eurer ärmlichen Unterkünfte möchte ich hier nicht großspurig herumprotzen mit Bildern unseres luxuriösen Schlafgemachs im Westflügel dieses pompösen Palasts. Ihr würdet vor Neid platzen und wer muss die Sauerei dann am Ende wieder aufwischen? Ja, eben …
Ich glaube, keiner von euch wäre dort abgestiegen, aber als Radfahrer ist man nicht so wählerisch. Vor allem, wenn man keine Wahl hat. Eigentlich scheint das Hotel die Privatwohnung einer 3er-WG zu sein, die ein Zimmer vermietet. Dusche und WC wird gemeinsam genutzt. Egal, passt für uns.
Gruß Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200612. März 2026 · #13
Am nächsten Morgen finden wir am Ortsausgang einen kleinen Laden und wir treten ein, um schnell eine Cola zu kaufen, doch „schnell“ ist hier nicht. Der Ladenbesitzer und sein Mitarbeiter haben sich in einer Ecke des Ladens auf dem Fußboden zum Frühstück niedergelassen und bitten uns dazu. Es gibt Tee und Fladenbrot und dazu etliche Schälchen mit Beilagen – Schafskäsecreme, Knoblauchcreme, Hummus, Oliven, Feigen, Datteln, frische Kräuter und anderes mehr. So dauert der Kauf je einer Flasche Cola schnell mal eine halbe Stunde oder mehr.
Heutiges Tagesziel ist das historische Dana Village (Fotos dazu im nächsten Teil). Die Strecke ist wie gewohnt bergig und führt durch ebenfalls übliche Geröllwüste.
Es dämmert bereits und wir sind noch ziemlich entfernt. Als sich bei dem spärlichen Verkehr ein Kleinlaster nähert, halte ich ihn an und frage, ob er uns nach Dana Village mitnehmen könne. Macht er, fährt extra einen kleinen Umweg und als er uns bei einsetzender Dunkelheit absetzt, hole ich mein Portemonnaie raus und frage, was er für seine Hilfe haben möchte. Er schüttelt den Kopf und schenkt uns von seiner Ladung jeweils noch eine Flasche Bananenmilch.
Britta hatte hier vorab per Mail aus Deutschland schon eine Unterkunft reserviert (wusste ich vorher nicht), was auch gut war, denn viele Unterkünfte gibt es hier nicht. Wir verbringen noch eine Weile auf der Dachterrasse der Unterkunft, bevor wir uns in die stabile Seitenlage begeben.
Gruß Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200613. März 2026 · #14
Am nächsten Tag erkunden wir zunächst die Umgebung von Dana Village mit dem Rad. Ich würde sie als bergig und steinig beschreiben.
Britta setzt sich anschließend auf die Dachterrasse in der Hoffnung, einen Gesprächspartner zu finden, um ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Ich laufe ein wenig durch das Dorf, welches in der heutigen Form vor etwa 500 entstand und von Beduinen aus Palästina erbaut wurde. Die heutigen Bewohner sind meist Nachfahren von Siedlern aus dem Osmanischen Reich. An der Stelle des Dorfes gab es jedoch bereits 4.000 v. Chr. die erste Siedlung.
Die Steine der Häuser wurden ursprünglich ohne Mörtel verfugt. Stattdessen hat man wohl Lehm verwendet, was nach Regenfällen häufige Ausbesserungen nötig machte. Einige Häuser und Brücken sind verfallen, sollen aber wieder aufgebaut werden. Neu aufgebaute Häuser werden aber mit Mörtel verfugt.
Am nächsten Morgen verlassen wir Dana Village. Natürlich geht es gleich wieder ordentlich bergauf. Von oben sieht man die interessante Lage des Dorfes, das direkt an einem Abhang zum Wadi Dana liegt.
Auf dem weiteren Weg nach Petra passiert nichts Spektakuläres außer einem weiteren Beispiel jordanischer Gastfreundschaft. In einem Dorf sehen wir um die Mittagszeit einen Baum. Davon gibt es nicht allzu viele in Jordanien. Wir stellen uns einen Moment in den Schatten. Wir stehen kaum dort, als sich die Haustür des Hauses öffnet, vor dem der Baum steht. Heraus kommt eine Frau mit einem Tablett, auf dem eine Flasche Wasser, eine Karaffe Saft und zwei Gläser stehen. Die Jordanier überraschen uns jeden Tag wieder.
Wir finden eine Unterkunft in fußläufiger Entfernung zur Felsenstadt Petra, die wir uns die nächsten zwei Tage ausgiebiger anschauen wollen.
Gruß Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200615. März 2026 · #15
Wenn jemand „Jordanien“ hört, denkt er meist zunächst an die Felsenstadt Petra. Vor etwa 11.000 Jahren wurde die Region erstmals besiedelt, bevor einige hundert Jahre v. Chr. die Nabatäer kamen und die heutige Felsenstadt gründeten. Die Nabatäer waren sehr geschickt im Bau von Wasserleitungen. Sie zapften alle bekannten Quellen im Umkreis von 25 km an und bauten Leitungen nach Petra, das früher anders hieß, aber der genaue Name ist wohl gar nicht zweifelsfrei belegt.
Petra lag am Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenwege und so wurde hier mit allerlei Waren gehandelt – Seide aus China, Gewürze aus Indien, Silber- und Goldschmiedekunst aus Syrien, Weihrauch aus den arabischen Ländern, Perlen aus dem Roten Meer, Elfenbein aus Afrika und viele Waren fanden auch über die Türkei den Weg in die Mittelmeerländer.
Man erreicht Petra durch eine 1,5 km lange Schlucht, den Siq. Auch hier ist in die Felswand eine Wasserrinne eingeschlagen.
Direkt vom Ausgang der Schlucht blickt man frontal auf das bekannteste Bauwerk Petras, das Khazne al-Faraun oder „Schatzhaus des Pharaos“.
In Wirklichkeit war das nie ein Schatzhaus (spätere Beduinen vermuteten, dass dort ein Schatz versteckt sei), sondern eine Grabstätte. Um das Bauwerk mal aus einer anderen Perspektive zu fotografieren als Tausende Male zuvor, klettere ich auf einen Felsen. Das ist zwar verboten, denn wenn jemand runterfällt, will es ja hinterher immer keiner gewesen sein, aber ausnahmsweise habe ich heute mal einen ignoranten Tag und beschließe, das Verbotsschild erst nach dem Runterklettern zur Kenntnis zu nehmen. Danach befolge ich es auch prompt und klettere nicht wieder hoch.
Ein Großteil der Besucher kehrt danach schon wieder um. 3 km zu Fuß – das reicht ihnen für den Tag. Aber jetzt geht der Weg ja erst richtig los. Man erreicht ein Tal, in dem sich die damalige Stadt befand. Die Wohnhäuser der Nabatäer sind längst zerfallen, aber die Überreste eines Theaters stehen noch und ich sehe förmlich Graham Chapman aus „Das Leben des Brian“ vor mir, wie er mit seinem Bauchladen umherläuft und seine Waren anbietet: „Otternasen, Finkenlebern, Ozelotohrläppchen …“.
Die nach mehreren Erdbeben umgefallenen Säulen eines Tempels liegen noch dort und man fragt sich, wie die damals die tonnenschweren Steinscheiben 20 m hoch aufeinandergestapelt haben. Die riesigen Grabmäler, die in die Felsen geschlagen wurden, haben die Jahrtausende überdauert.
Läuft man vom damaligen Stadtzentrum noch mal 7-8 km den Berg hoch, erreicht man mit dem Ad Deir das größte Bauwerk Petras. Es war ursprünglich auch ein Grabmal, aber im Mittelalter siedelten sich hier Mönche an. Ad Deir wird daher auch Monastery oder Kloster genannt.
Was wie eine Eingangstür mit Stufe aussieht, täuscht. Alleine die Stufe ist so hoch wie ein erwachsener Mensch und die „Tür“ ist 8 m hoch. Die Urne auf dem Dach misst 9 m. Ich habe auch mal ein Foto mit Menschen davor reingestellt, damit man sich die Dimensionen überhaupt vorstellen kann.
Gruß Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200617. März 2026 · #16
Am nächsten Tag laufe ich nochmal bis ins damalige Stadtzentrum, verlasse dann aber die Wege und streife weiträumig querfeldein durch die Gegend. Auch hier stoße ich immer wieder auf Überreste der Vergangenheit. Es folgen hier noch einige Fotos von der Königswand im Stadtzentrum und von unterwegs im Gelände. Keine Ahnung, was ich da jeweils fotografiert habe. Hier stehen auch keine Verbotsschilder mehr, die das Rumklettern verbieten, weil sich hier ja niemand rumtreibt.
Das erste Verbotsschild sehe ich erst wieder, als ich den Mudhlim-Tunnel verlasse. Ich könnte schwören, es hing auf dem Hinweg noch nicht dort. „Betreten verboten, Lebensgefahr“, steht dort und eine Warnung vor Sturzfluten. Der Tunnel wurde von den Nabatäern in den Fels geschlagen, um nach heftigen Regenfällen die Wassermassen ins Wadi Mataha zu leiten und die Stadt vor Überschwemmungen zu schützen.
Gruß Wolfgang
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freshy3'883 Beiträge · seit 201117. März 2026 · #17
Herrjeh, ist das interessant und spannend. Leider werde ich dort nicht mehr hinkommen. Umso erfreulicher, dass du uns per Text und Fotos dorthin führst. Danke!
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200618. März 2026 · #18
Danke für Dein Interesse. Da ich ja ohne vorherige Infos startete, habe ich mir die größtenteils hinterher zusammengesucht. Dass Petra z.B. so groß ist, war mir nicht bekannt. Ich kannte zuvor nur Fotos vom „Schatzhaus“ und das wurde häufig als „Felsenkirche“ beschrieben, was ja genauso wenig stimmt.
Ich wusste auch nicht, dass das Land so bergig und derart karg ist und dass in der Wüste des Wadi Rum Pilze wachsen. Davon dann u.a. im nächsten Teil …
Gruß Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200618. März 2026 · #19
Am nächsten Tag geht es weiter zum Wadi Rum, einem landschaftlichen Highlight Jordaniens. Der durchschnittliche Unterschied zwischen Tageshöchst- und -tiefsttemperatur liegt hier angeblich bei über 30 Grad.
Wir passieren einen Reifenfachhandel irgendwo im Nirgendwo ...
.. und erreichen irgendwann Wadi Rum. Ein Hinweisschild weist auf irgendwas hin. Hinweisschilder sind oft sehr hilfreich.
Dieses hier nicht so sehr, doch Britta hat sich ja lange vorbereitet und scheint zu wissen, wohin der Weg führt. Wir biegen ab und erreichen ein Zeltcamp, welches touristisch genutzt wird. Etwa 6-8 Touristen sind auch dort. Wir übernachten dort und nehmen am abendlichen Büffet teil. Der Weg zum Camp ist sandig, aber nicht tief und lässt sich mit dem Rad gut fahren. Tiefsand mit dem Rad ist ja nicht möglich und übelst anstrengend zu schieben.
Ich laufe noch ein wenig durch die Gegend und mache ein paar Fotos, während Britta im Camp bleibt und derweil eine Halbtagestour in die Wüste für den nächsten Tag ausmacht. Während meines kleinen Ausflugs entdecke ich einen Felsen, der an einen Löwenkopf erinnert, einen einsamen kleinen Baum und sogar einen Pilz. In der Wüste des Wadi Rum gibt es tatsächlich Pilze aus der Familie der Stäublinge wie den Tintlingsstäubling, den Stelzenstäubling, Sand-Ständerstäubling und andere. Pilze in der Wüste … was sich die Natur nicht alles ausdenkt.
Britta möchte die Nacht im Freien auf der Düne nebenan verbringen und bittet mich, mitzukommen. Der Leiter des Camps wurde im Laufe des Abends wohl etwas aufdringlich und sie befürchtet, sie könne vielleicht in der Nacht Besuch bekommen, wenn sie alleine dort übernachtet, Der Blick von unserer Schlafstätte aufs Camp.
Die Sonne wird ausgeknipst und es wird saukalt. Ich schlafe normalerweise nur in Unterhose im Schlafsack. Das ging auch bei Frost in der Arktis, aber hier empfindet man es wegen des krassen Temperaturwechsels noch extremer. Ich muss mir Fleecepulli und -hose überziehen.
Gruß Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200619. März 2026 · #20
Wir steigen hinab zum Frühstück, Der Leiter des Camps begrüßt uns und entschuldigt sich für sein Verhalten am Vorabend gegenüber Britta. Er habe wohl zu viel „Kamelmilch“ getrunken.
Nach dem Frühstück kommt ein Fahrer mit einem 4x4 für die Tour in die Wüste. Auf diese Weise bekommen wir Ecken zu sehen, die wir mit dem Fahrrad nicht hätten erreichen können. Das Wadi Rum ist erstaunlich bergig und es gibt viele interessante Felsformationen und auch Felszeichnungen.
Ich laufe am Nachmittag noch ein wenig in der näheren Umgebung herum und wir übernachten wieder auf der Düne.
Gruß Wolfgang
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