Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201518. Mai 2024 ·
3. Februar - Geduld zahlt sich nicht immer aus. Aber meistens!
Das Räumungskommando arbeitet heute morgen schon wesentlich ruhiger als gestern. Trotzdem bin ich gefühlt zwei Stunden bevor ich aufstehen müsste bereits wach. Petra versichert mir zwar, sie würde morgen erst eine halbe Stunde vor mir aufstehen, aber meine Empfindung ist da irgendwie anderer Meinung. Egal, nicht ärgern - ein wunderbarer Tag steht uns bevor! Sakadja ist immer sehr aufmerksam und hört sofort, wenn unser Reißverschluss vom Zelt aufgeht und zack steht er mit Taschenlampe bereit und begleitet uns. Wobei eigentlich eher Petra alleine, die kriegt voraus geleuchtet und ich bahne mir hinter den beiden meinen Weg. Von ihm lernen wir heute "Guten Morgen" Auf Swaheli "Habari za asubuhi". Was hat er einen Spaß, dass er uns etwas beibringen kann!
Heute hat es einen bestimmten Grund, dass wir wieder erst um 6:20 Uhr losfahren, denn wir werden den Talek crossen und das Rekero Crossing ist nicht weit vom Camp. Allerdings muss es dafür wenigstens etwas hell sein. So stehen wir vor dem Fluss, der die letzten beiden Male so friedlich vor sich hin floss und heute einfach Massen von Regenwasser vor sich hin spült. Petra steht die Angst ins Gesicht geschrieben, sie schließt während der gesamten Durchfahrt die Augen. Auch mir ist mulmig, denn es ist lange her als George zuletzt hier durch ist. Das Wasser steht so hoch, man müsste sich nicht weit strecken, um die Hand reinzuhalten. Auch machen sich die Wassermassen im Auto ganz schön bemerkbar. Wir atmen auf als wir auf der anderen Seite die Böschung hinauffahren. Jetzt kann Petra auch wieder die Augen öffnen. Von hier aus ist es nur ein Katzensprung zu dem Platz, wo Bahatis Jungen das erste Mal gesehen wurden vor ein paar Wochen. Ein Dik Dik demonstriert uns allerdings, dass hier keine Gefahr zu erwarten ist, ergo der Bau ist verlassen. Wir fahren zu einem anderen Bau, wo sie vor zwei Tagen gesehen wurden und positionieren unser Auto. Es handelt sich um einen verlassenen Termitenhügel und George ist nicht sicher, ob sie noch hier sind. Auf dem Boden sieht man deutliche Spuren, wo Bahati die Kleine gesäugt haben muss, denn das Gras ist platt gelegen. Jetzt heißt es Warten.
Die Sonne dringt heute wieder nur sehr langsam durch die diesige Nebelwand, was uns nicht besonders in die Karten spielt, sollten die Kleinen wirklich hier sein. Denn diese kommen erst mit der wärmenden Sonne nach draußen. Wir warten und warten. Nach und nach kommen auch andere Fahrzeuge, die aber nicht die Zeit oder Geduld aufbringen, da es keine Garantie gibt. Wenn man noch zwei Wochen Mara vor sich hat, so wie wir, ist es nicht schwer, lange auf eine bestimmte Situation zu warten, denn wir werden noch genug erleben.
Als George gegen fast 10 Uhr sehr sicher ist, dass der Bau leer steht, entscheiden wir uns für ein Frühstück. Bahati hat ihr Revier dort, wo der Olare (links) in den Talek fließt und genau hier haben wir nun im dritten Jahr in Folge eine Frühstückspause. Ich weiß noch, wie bestialisch es 2021 hier aufgrund der Hippos gestunken hat und wir trotzdem genüsslich unser Frühstück verputzt haben.
Nach der Stärkung schauen wir noch einmal am Bau vorbei, aber hier tut sich noch immer nichts. Also entscheiden wir uns für den Rückweg. Bis zum Rekero Crossing ist es nicht weit und nun betrachten wir das Ganze im Hellen. Trotzdem ist es Petra noch immer nicht möglich, die Augen zu öffnen während der Durchfahrt. Mitten im Fluss gibt es einen Ruck unterm Auto und wir fürchten für einen kurzen Moment, festzusitzen. Aber nicht mit George. Der bugsiert uns pfeifend durch diesen "shit of a fly".
Hier sieht man ganz gut, wie hoch das Wasser steht. Unsere Füße wurden auf jeden Fall nass 😄
Allerdings wartet nach der Ausfahrt eine Überraschung, denn das Auto hört sich gar nicht gesund an. George parkt so, dass er einen Blick drunter werfen kann und da sehen sogar wir, dass hier was gebrochen ist. Was genau, haben wir bis heute nicht gerafft, aber es stand definitiv in Verbindung mit dem rechen hinteren Stoßdämpfer. Wie George immer gerne sagt "finished".
Unser einer aus Deutschland denkt bei sowas gerne mal dran, dass die Reparatur ewig dauert, aber Stoßdämpfer gehören ja hier zum täglichen Geschäft. George setzt uns im Camp ab und düst nach Talek. Er versichert uns, dass die Reperatur kein Problem sein und wir heute Mittag wieder starten können.
Also machen wir das Beste draus und genießen die Pause im Camp. Zum Lunch gibt's Salat, Nudeln und Fischfrikadellen - extrem lecker, vor allem der Erdbeerquark als Dessert.
Um 15:30 Uhr trinken wir noch einen Nachmittagskaffee und machen uns mit repariertem Auto wieder auf den Weg zu neuen Abenteuern. Kurz nach dem Camp läuft uns tatsächlich ein Serval vors Auto, aber trotz aller Bemühungen seitens George ist das Gras einfach zu hoch und wir lassen ihn recht schnell wieder weiter ziehen. Wir fahren ohne wirkliches Ziel ein wenig durch die Gegend, bis George eine Nachricht erhält. Wieder kann man anhand seines Fahrstils erahnen, dass es ein bestimmter Vertreter der Big 5 sein könnte. Und wir liegen richtig - er verrät mir, dass die Leopardin Luluka seit Wochen endlich mal wieder gesehen wurde. Sie kennen wir noch von 2021 - also nichts wie hin! um 16:45 Uhr erreichen wir unser Ziel - einen Busch mit vielen Autos drumherum. Ohje... Und wie Sie sehen, sehen Sie nichts.
Aber wir wären ja nicht wir, wenn wir nun nicht all unsere Geduld zusammen nehmen würden. Haben wir ja heute Morgen schon geübt. Im Inneren des Busches ist zumindest ab und zu mal ein Fleck auszumachen und gelegentlich hören wir das Knacken von Knochen. George ist sich ziemlich sicher, dass sie ihre Beute bald in sichere Höhe bringen will. Wir schauen uns um und die nächsten Bäume stehen relativ weit weg. "She will come" - meint George nur gelassen. Das Rangieren um uns herum blenden wir aus und warten. Nach 45 Minuten kommt Bewegung in die Sache und urplötzlich steht sie da in ihrer vollen Pracht - Luluka, die mit 7 Jahren noch immer in der Blüte ihres Lebens steht. Schwer zu schleppen hat sie nicht, denn sie hat bloß ein kleines Steinböckchen erwischt. Das erste, das wir in der Mara sehen, leider mehr tot als lebendig.
Sie entscheidet sich irgendwann zur Freude aller für den einfachen Weg, der nicht durchs hohe Gras führt, denn hier wären Bilder undenkbar. Bis sie den Baum erreicht dauert es nur wenige Minuten.
Mit einer gekonnten Leichtigkeit und Leoparden-typischer Eleganz schwingt sie sich am Baum hinauf und verstaut ihre Beute in der Speisekammer der Natur. Ich filme - Petra fotografiert und was bin ich stolz auf sie, dass sie endlich die richtigen Einstellungen ihrer Kamera gefunden hat!
Eine ganze Stunde bis Sonnenuntergang können wir sie nun beim Ausruhen im Baum beobachten bis sie uns tatsächlich auch nochmal den Gefallen tut und herunter kommt. Da ist es allerdings schon sehr schwierig, gute Bilder zu bekommen. Die meisten Autos sind weg und wir sind nur noch eine Handvoll Leute, die ihre Anwesenheit genießen.
Wir würden morgen früh direkt wieder hier her kommen, jetzt haben wir ein festes Ziel. Im Dunkeln geht es zurück ins Camp wo ich mir heute einen doppelten Gin Tonic genehmige, der aber auch irgendwie nicht richtig zischt. Egal, Hauptsache er knallt 😄 2023 waren wir ein wenig auf Leo-Entzug in der Mara und freuen uns heute umso mehr! Nach einem leckeren Abendessen fallen wir in die Betten.
Hallo Laura, da sind deiner Mama aber ganz tolle Aufnahmen gelungen! Ich staune immer wieder, wie gut ihr die Tiere alle kennt. Sogar mit Namen, unglaublich! Bei der Wasserdurchfahrt hätte ich auch den Atem angehalten! Liebe Grüsse Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
Sehr schöne Bilder von Luluka. Die kenne ich auch von 2021 aber da hatte sie einen Sohn bei sich. Kennst du den auch? Mit einer Garage in Talek machten wir damals ja auch Bekanntschaft und die waren sehr schnell mit der Reparatur, bei euch ja auch. Ich denke die Jungen von Bahati werdet ihr noch sehen. Sind das wirklich Petra’s Bilder oder Ausschnitte von deinen Videos? Liebe Grüsse von Katrin
Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201519. Mai 2024 ·
Liebe Caroline,
vielen Dank für dein Lob! Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich kenne die Tiere 😄 Es gibt eine Leopardin in der Mara namens Faulu, sie erkenne ich tatsächlich am Aussehen, die ist aber in eine der Conservancies abgewandert. Sie haben wir 2021 als Jungtier mit ihrer Mama gesehen und sie hat das wohl hübscheste Leo-Gesicht, das es gibt! Auch Bahatis Revier kenne ich mittlerweile ganz gut, aber ansonsten muss ich George fragen, wen wir da gerade vor uns haben.
Liebe Kathrin,
das müsste Jilimie gewesen sein, den haben wir aber leider nicht gesehen, ich glaube, der war im November 2021 schon recht unabhängig von seiner Mutter. Wir werden die Reparatur noch einmal brauchen und froh sein, dass sie auch in die Mara rausgefahren kommen! Die Bilder, wo sie vom Baum klettert sind Petras Aufnahmen, ISO musste sehr hoch eingestellt werden, daher auch das krisselige Gras. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nicht mal wirklich meine ganzen Videoaufnahmen durchgeschaut habe - wird unbedingt Zeit!
Liebe Annick,
auch dir vielen Dank! Die Durchfahrt wird noch ein einige Male im Bericht auftauchen. Ob der Talek gestiegen oder gesunken war, merkte man immer daran, ob die Füße leicht nass wurden oder nicht 😄
Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201520. Mai 2024 ·
4. Februar - Ein Tag voller Überraschungen
Dieser Morgen ist schon eher ein Morgen, wie wir ihn kennen. In aller Herrgottsfrüh um halb 6 starten wir und kennen natürlich bloß ein Ziel: Luluka. Wir benötigen eine dreiviertel Stunde, bis wir ihren Baum erreichen und sie leider als erstes Auto aufwecken, denn George hatte sie fest im Baum vermutet. Sie aber liegt im nassen Gras, das vom Morgentau überzogen wird und ruht hier. Es steht die Vermutung im Raum, dass sie ein oder zwei Cubs hat aufgrund ihrer Zitzen, allerdings gibt es dazu sonst noch keine Hinweise. Langsam färbt sich der Himmel orange, aber die Sonne wird erst in 20 Minuten aufgehen.
George positioniert uns perfekt am Baum, denn er weiß wieder mal mehr als wir - sie wird gleich hochsteigen. Das ist zu dunkel für meine Kamera sage ich mir. Jedoch würde ich es mehr bereuen, es nicht wenigstens versucht zu haben. Plötzlich geht alles ganz schnell - sie schaut ein, zwei mal nach oben und schon springt sie, an Eleganz kaum zu überbieten, den Stamm hinauf und liefert uns einen wundervollen Once-in-a-lifetime-Moment (kleiner Spoiler, es wird noch einen twice-Moment geben).
Ich konnte das Ganze tatsächlich filmen und bin ganz aus dem Häuschen! Hier reicht es zumindest für drei Screenshots aus dem Video.
George fährt er ja normalerweise nicht grundlos von einer solchen Sichtung weg. Andererseits wird es hier spätestens nach Toröffnung von Fahrzeugen wimmeln und wir sollten uns diesen wundervollen Moment einfach als diesen bewahren, denn wir durften ihn fast ganz alleine genießen. Also setzen wir recht schnell unsere Fahrt fort.
Es vergehen keine 10 Minuten und plötzlich stecken wir schon wieder fest. Trotz ein paar Tagen völliger Trockenhet ist der Boden teilweise noch immer überschwemmt und genau wie vorgestern fährt George sich natürlich nicht mit den Reifen fest, sondern setzt in der Mitte der Fahrspuren auf, weil man nicht einschätzen konnte, wie tief die Rillen ausgefahren sind. Hilfe ist schnell am Start, denn Big John, ein Freund von George, hatte den selben Plan wie er. Gekonnt wird der Cruiser rausgezogen und wir können weiterfahren.
Was genau Geoges Plan war, werden wir nie erfahren, denn es scheint so, als hätte sich dieser zerschlagen. Jedoch laufen uns kurz nach Sonnenaufgang zwei Löwinnen des Lookout Prides über den Weg, gefolgt von einer Hyäne. Sie halten ganz offensichtlich nach Beute Ausschau und entdecken tatsächlich eine Gruppe Hartebeester in der Ferne. Man merkt schnell, dass sie sehr interessiert scheinen und in den Jagdmodus übergehen.
Wir suchen uns einen Weg, von wo aus wir die Hartebeester gut im Blick haben und wieder geht alles viel schneller als man denkt. Zwischen Entdecken und dem Kill vergehen gerade einmal 15 Minuten, obwohl die Löwinnen noch so weit weg schienen. Glücklicherweise halte ich mit der Kamera drauf und fange die Jagd ein. Die erste Löwin bringt die Herde in Aufruhr, die zweite macht das Ziel aus und verfolgt ein Kalb, bis sie es erwischen kann. Unglaublich, wie sie durch das hohe Gras rennt. Auch hier gibt's leider nur Videoausschnitte.
Diese Löwin scheucht die Herde auf
und die zweite hat ihr Ziel ausgemacht.
So schnell ist ein junges Leben beendet. Aber das ist die Natur. Einer stirbt, damit andere weiterleben können. Bei dem hohen Gras, in dem sie sich nun befinden, machen Bilder leider keinen Sinn und wir lassen sie nach einer Weile in Ruhe fressen. Seht ihr das Glitzern des Morgentaus? DAS liebe ich so sehr in der Mara!
Langsam nähern wir uns dem Lookout und es gibt mittlerweile befestigte Hauptstraßen, die wir letzten März so noch nicht gesehen haben. Am Lookout Hill angekommen entdecken wir den Rest des Rudels und hier befinden sich gerade auch alle Rudelmitglieder auf Lauerstellung. Wir halten genug Abstand und warten gebannt, was passiert. Auch hier stehen ein paar Hartebeester und haben die Löwen noch nicht entdeckt. Sie schleichen sich immer wieder ein kleines Stück näher ran und warten. Das Gras ist hier nicht flächendeckend so hoch wie bei den anderen beiden Löwinnen, die es dadurch leichter hatten, nicht entdeckt zu werden. Irgendwann schnauft eine der Antilopen laut und ihre Deckung ist leider aufgeflogen. Schade! Eine der Löwinnen tut uns allerdings den Gefallen und platziert sich malerisch auf einem Termitenhügel.
Nach diesem unglaublichen Start am Morgen machen wir uns nun erstmal auf direktem Weg zu einer Stelle am Mara River, die wir noch gut kennen - einer unserer Lieblingsspots zum Frühstücken.
Danach lassen wir es entspannt angehen und beobachten eine große Gruppe Paviane. Wären die bloß nicht so foto scheu. Schöne Aufnahmen sind mir hier noch nie gelungen.
Auch einen Raubadler können wir entdecken.
George erspäht im hohen Gras ein Löwenmännchen - nichts wie hin! Es handelt sich um Olchore, der gerade ordentlich in Honeymoon-Stimmung ist mit einer Löwin seines Lookout Prides. Sein Partner Kijana liegt nicht weit von ihm, ihn entdecken wir auch nur, weil er mal den Kopf anhebt. Ansonsten ist er unsichtbar. Wieder mal eine Situation, die zeigt, dass immer und überall etwas im hohen Gras lauern kann, ohne dass man damit rechnet.
Wir warten zwei, drei Akte ab und dann wird es uns mit dem erhöhen Aufkommen an Fahrzeugen und lachenden Menschen zu viel. Wenn wir schon mal hier sind, will ich gerne das neu gebaute Toilettenhäuschen anschauen, was wirklich überfällig war! Ich weiß noch, wie es an manchen Ecken oben auf dem Lookout ausgesehen hat...
Hier auch übrigens mal ein Bild unseres rollenden Wohnzimmers, wie wir es immer gerne nennen. Der Klapphocker war die beste Idee überhaupt, so lässt es sich nämlich auch als nicht so groß gewachsene Person schön aus dem Dachfenster schauen und vor allem gut filmen und fotografieren.
Ohne ein richtiges Ziel geht es weiter. Eine ganze Stunde vergeht ohne ein einziges Tier zu finden. Gegen Mittag entdecken wir eine große Autoansammlung. George fragt, ob wir uns einreihen wollen, denn das Rongai Rudel ist im Anmarsch. Wir bejahen, da wir sehen, wie diszipliniert alle in einer Reihe auf den Wegen stehen. In der Ferne können wir trotz hohem Gras die fast 20 Löwen entdecken und einer fällt mir besonders ins Auge - Lorkulop ist nach fast einer Woche wieder bei ihnen nachdem er und sein Bruder einen Konflikt mit den Sankai Boys hatten. Oloimina ist aber komischerweise noch nicht wieder zum Rudel zurückgekehrt. Lorkulop erkennt man von weitem an seiner sehr dunklen Mähne. Die beiden Black Rockers sehen sich nicht besonders ähnlich. Das Rudel steuert tatsächlich direkt auf uns zu und alle laufen wie selbstverständlich durch die vielen Autos hindurch.
Auch Olonkera darf nach wie vor beim Rudel bleiben.
Lorkulop posiert für einen kurzen Moment imposant auf einem kleinen Hügel, aber das Licht versaut hier leider alles. Durch relativ starke Bearbeitung kann ich aber wenigstens noch ein bisschen was rausholen. Noch immer hat das Rudel keine Beute gemacht.
Gegen 13 Uhr erreichen wir das Camp und es gibt unheimlich leckere Quiche mit Salat und danach Mango Mousse. Genau das Richtige für einen heißen Tag. Seit wir hier sind, steigen die Temperaturen wieder ordentlich an und ich habe schon wieder falsch gepackt. Letztes Jahr hatte ich zu wenige Klamotten für kältere Tage, diesmal zu wenige Klamotten für richtig heiße Tage, da die Temperaturen vor unserem Urlaub immer so bei 24 Grad lagen.
Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201522. Mai 2024 ·
4. Februar - Ein Tag voller Überraschungen Fortsetzung
Nach einer kurzen Mittagsruhe geht es weiter und keine 15 Minuten vom Camp entfernt entdecken wir einen männlichen Geparden, der gerade im Pirschmodus ist - aufregend! Wir sind die einzigen hier und es dauert nicht mal 5 Minuten, bis er los sprintet. Leider entdeckt die Thomson Gazelle ihn rechtzeitig und entkommt. Er sieht extrem hungry aus, meint George, und wird garantiert weiter nach Beute Ausschau halten. Natürlich folgen wir ihm. Zunächst aber muss er sich im Schatten von der unheimlich großen Anstrengung erholen.
Er findet keine Ruhe und macht sich auf den Weg zu einer kleinen Wasserstelle, die noch vom großen Regen gefüllt ist. Er hat enormen Durst und wir folgen ihm weiter.
Wir befinden uns in der Nähe vom Talek Fluss und auf dieser Seite ist leider gerade absolut keine Beute auszumachen. Er beobachtet die Impalas in Bahatis Revier und überlegt anscheinend, ob es sich lohnt, den Fluss zu durchqueren.
Während wir ihn beobachten ist George plötzlich komplett aus dem Häuschen: Rhino!!! Hier? Genau deswegen ist er so aus dem Häuschen, denn hier findet man normal keine Nashörner. Wir fahren zu den Büschen am Flussufer, zwischen denen wir es vor 5 Minuten noch entdecken konnten, aber es ist wie unsichtbar. Die Büsche sind nicht besonders dicht und doch scheint der Koloss verschwunden zu sein. Es dauert einige Zeit, aber Georges Augen entgeht nichts. Die ältere Kuh lässt sich kurz zwischen dem Geäst blicken und es reicht immerhin für zwei schöne Bilder. Aber die Sichtung hat sich natürlich schnell herum gesprochen, sodass nun mehr Autos im Anmarsch sind. Das ist ihr zu viel und sie verschwindet wieder.
Wir signalisieren George, dass wir sie in Ruhe lassen wollen und fahren zurück zum Geparden. Von dort aus beobachten wir, wie die vielen Autos um die Büsche herum fahren und finden das gar nicht toll. Die Kuh tut uns in dem Moment richtig leid. Der Gepard hat mittlerweile eine kleine Herde Impalas entdeckt und beobachtet sie gespannt. Durch die mittlerweile tiefer stehende Sonne bekommen wir unheimlich schöne Aufnahmen.
Als George sich ziemlich sicher ist, dass er einen erneuten Jagdversuch starten wird, positionieren wir uns in der Nähe der Impalas, die den Braten bis jetzt noch nicht gerochen haben.
Irgendwann fängt eines der Tiere an zu schnauben und die Chance ist verpasst. Der Gepard zieht sich in die Büsche zurück - das denken wir zumindest. George fährt um die Büsche herum, denn auf der anderen Seite stehen drei einzelne Impalas und das Gras ist etwas höher. Dadurch hat er bessere Chancen, näher ran zu kommen. Eine Weile weiß niemand so wirklich, wo er sich gerade aufhält, ich halte mit der Kamera permanent auf die Impalas und dann geht alles ganz schnell. Ein Warnruf, alle drei laufen in verschiedene Richtungen, der Geprad irgendwie geradeaus durch und bleibt weiterhin hungry. Hier wieder nur zwei verwackelte Video-Ausschnitte:
Wir machen uns auf den Heimweg und erreichen schon nach wenigen Minuten unser Camp. Auch heute zischt mein Gin Tonic nicht so wirklich und ich stelle fest, dass das Tonic Water abgelaufen ist... Irgendwas ist ja immer.
Nach einem leckeren Abendessen widmen wir uns wie immer dem Aussortieren und Sichern der Bilder und ich noch ein bisschen Social Media. Gegen 22 Uhr höhren wir draußen plötzlich Tumult. Jemand rennt um unser Zelt herum und ein Tier läuft dort ebenfalls. Was war das denn nun?! Wir werden es heute nicht mehr erfahren.
Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201527. Mai 2024 ·
5. Februar - Mit dem Rongai Rudel mitfiebern
Nach dem Aufstehen und Fertigmachen wollen wir von William, einem der Nachtwächter erstmal wissen, was hier gestern Abend spät abging und uns wird mal wieder bewusst, warum man hier nachts wirklich nicht alleine herumlaufen sollte - ein Hippo hat sich ins Camp verirrt. Da wäre ich wohl auch so gerannt...
Schaut euch mal dieses wunderschöne Farbenspiel eine Stunde vor Sonnenaufgang an!
Da George unser erstes Ziel, den Gepard von gestern, nicht weit weg vermutet, wird gemütlich Kaffee getrunken und um 6:10 Uhr machen wir uns langsam auf den Weg zu unserer ersten Ganztagestour. Leider suchen wir vergeblich, denn das Männchen scheint auf der Suche nach Nahrung weiter gezogen zu sein. Immerhin haben finden wir ein schönes Motiv für eine Gegenlichtaufnahme - ein Sekretär in der Morgenröte.
Wir geben die Suche auf und treffen auf ein paar Elefanten in friedlichster Morgenstimmung und schönstem Licht.
Dieser Reiher mit Spiegelung entgeht uns auch nicht.
Und heute sind wir wieder mal dran, jemanden aus dem Schlamassel zu ziehen.
Wir fahren wieder in die Richtung des Rongai Prides und es dauert nicht lange, bis wir sie anhand einer großen Autoansammlung finden. Das Rudel kommt allmählich in die Gänge und beim Strecken fällt auf, wie dünn und ausgehungert sie mittlerweile sind. Auch ist nur noch eins der Cubs von unserem ersten Abend beim Rudel, das Zweite hat es wohl nicht geschafft. Sie hungern seit mindestens fünf Tagen und ein Ende ist erstmal nicht in Sicht.
Hier fährt gerade ein Ballon über uns.
Von Oloimina hat man nach wie vor nichts gehört, nur Lorkulop ist, wie bereits gestern, hier beim Rudel. Da es uns zu viele Autos sind, entscheiden wir uns lieber erstmal für's Frühstück, aber hier sind irgendwie auch schon alle guten Plätze belegt. Wir halten neben einem Busch und ich rette erstmal eine Stabheuschrecke von unserem Kühlernetz. Jedes andere Insekt hätte ich wohl angeekelt abgeschüttelt, aber die hier bewegen sich so langsam, dass sie richtig faszinierend sind und gar nicht eklig.
Als wir fast fertig sind mit Frühstücken, mahnt George zur Eile - keine Ahnung, was nun schon wieder im Busch ist, aber sowas macht er nicht ohne Grund. Wir steigen ins Auto und er verrät uns, dass Luluka wieder gesehen wurde. Die Freude ist groß - hält allerdings nicht lange an, denn die Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet und wir befinden uns hier an der Hauptstraße zwischen Gate und Lookout Hill. Wir reihen uns gar nicht erst in die Kolonne ein, die Stück für Stück versucht, so zu fahren, dass die Leute einen Blick auf die Leopardin werfen können, denn sie liegt sowieso in einem Busch. Wir warten, bis um die Mittagszeit vielleicht etwas Ruhe einkehrt und sich der Andrang etwas lichtet. Während wir warten, entdecken wir plötzlich ein bekanntes Gesicht - zugegeben, nachdem George uns drauf hinweist. Dominic, der uns am Flughafen abgeholt hat, fährt gerade mit Gästen durch die Mara und wir begrüßen uns herzlich.
Luluka wechselt zwischendurch zwar mal den Busch, aber so wirklich bekommen wir sie nicht zu Gesicht und auch die Masse an teils sehr nervigen Fahrzeugen wird nicht weniger, also entschließen wir uns, weiterzufahren. Hier ein ehrliches Bild der Situation.
Kurz vor unserer Lunch Pause finden wir zwei Löwinnen des Survey Prides dösend unter einem Baum liegen.
Hier ist augenscheinlich erstmal nichts zu erwarten und wir fahren immer weiter Richtung Sand River. George hat schon ein schlechtes Gewissen, da vor allem Petra die Gegend am Sand River entlang so liebt, aber es ist einfach noch zu schlammig und damit zu riskant, hier großartig am Ufer entlang zu fahren. Immerhin sehen wir auf der anderen Seite einen Elefantenbullen und entscheiden uns, unter einem Leberwurstbaum Lunch zu essen. George versichert uns, dass der Regen in der Ferne nicht zu uns käme...
Denkste! Wir beeilen uns mit dem Essen und schaffen es gerade noch so, alles ins Auto zu packen, bevor der Schutt runter kommt. Jetzt ist es erst recht tricky, hier wieder weg zu kommen ohne stecken zu bleiben. Allerdings ist die ganze Show bereits nach einer viertel Stunde schon wieder vorbei und die Sonne strahlt erneut.
Der Rückweg führt uns wieder bei den beiden Löwinnen vorbei, die mittlerweile erfolgreich Beute gemacht haben - nichts wie hin! Sie konnten ein kleines Warzenschwein schnappen, das proportional gesehen aber eher als Snack dient. Das ist auch der Grund, warum die Löwinnen ewig lange in genau dieser Position verharren, denn sobald eine loslassen würde, würde die andere sich das Schweinchen schnappen. Vor allem die vordere atmet sehr schwer nach dem anstrengenden Sprint für die Jagd. Nach etwa 10 Minuten beginnt die eine der beiden zu fressen und die andere will noch immer nicht loslassen. Kaum zu glauben, dass dies eine ganze halbe Stunde noch so geht, bis die beiden ihre Mahlzeit innerhalb von Sekunden in zwei Teile reißen und im hohen Gras verschwinden.
Die beiden Adler in unmittelbarer Nähe hoffen noch auf ein paar Reste.
Am Nachmittag heißt es auf einmal, der Rongai Pride hätte Büffel erspäht, dem wollen wir natürlich nachgehen. Und tatsächlich, das Rudel hat die Herde endlich gefunden, allerdings ist eine solche Jagd mehr als riskant. Zunächst sind sie sowieso noch viel zu weit weg von den Büffeln und es gelingen mir schöne Portraits vom Boss Lorkulop. Er entwickelt sich zu meinem Lieblingslöwenmann - fragt mich nicht warum. Ich finde sein Aussehen ist sehr von Charakter geprägt und hat für mich einen hohen Wiedererkennungswert. Außerdem wurde die Geschichte von ihm und seinen Brüdern verfilmt. Und bei meinen letzten Recherchen stellte sich heraus, dass wir ihn und Oloimina bereits 2021 kurz trafen als Lorkulop noch ein Senderhalsband trug und ich noch nicht nach den Namen der Tiere fragte.
Während das Rudel sich alle paar Meter ausruhen muss und wir warten, bemerke ich eine kleine Eidechse in einem Erdloch neben unserem Auto.
Wir bleiben bis fast Sonnenuntergang bei ihnen und ich wünsche ihnen so sehr, dass sie endlich Beute machen. Auch wenn wir es nicht mehr mitbekommen sollten.
Lorkulop und Olonkera
Irgendwann machen wir uns auf den noch recht langen Rückweg und hoffen einfach auf morgen früh.
Zurück im Camp gibt es mittlerweile frisches Tonic, das aber zu lange im Cooler war und eher noch als Eiswürfel dient. Ich verzweifle hier noch 😄
Liebe Laura, frisch zurück von Galapagos bin ich Euch noch schnell nachreist! Was für ein Unterschied zwischen der Nahrungsfülle im November bei uns und Nahrungsnot nur drei Monate später bei Euch! Umso erstaunlicher, dass die Mara zu allen Zeiten phantastische Sichtungen bereit hält! Vielen Dank für Deinen tollen Bericht! VG Elke
www.fotognu.de
Haustierfotografie gegen eine Spende für den Tierschutz
Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201529. Mai 2024 ·
Liebe Elke,
schön, dass du auch dabei bist! Wir haben die Mara mittlerweile in drei unterschiedlichen Monaten (November, Februar und März) gesehen. Aber der Februar war diesmal eben auch eine Ausnahme, denn normalerweise ist das eine super Zeit für Tierbeobachtung. Wäre nicht im Januar so viel Regen gefallen, wäre die Situation wieder eine ganz andere gewesen. Da steckt man eben nicht drin. Klar, wir haben uns in dem Fall mehr auf die Raubkatzen konzentriert, aber die Freude über Huftiere war dann umso größer, wenn wir welche getroffen haben. Aber halt nicht ein Gnu und nur vier Zebras 😄
So, nun bin ich auch dabei! Zwar etwas spät, aber unsere Reise durch Spanien und Portugal hat mich fünf Wochen vom Forum ferngehalten. So vieles habt ihr gesehen, unglaublich, wie viele Katzen ihr angetroffen habt! Auch herzliche Gratulation zum 10 jährigen Jubiläum eurer Afrikareisen! Ihr scheint ein tolles Gespann zu sein! Unsere erste Reise ins südliche Afrika war 2006! Sagenhaft, wie die Zeit vergeht.
Ich freue mich auf die Fortsetzung! Liebe Grüße, Sue
Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201501. Juni 2024 ·
Liebe Sue,
besser spät als nie, aber verpassen kann man hier ja zum Glück nichts 🙂 Tatsächlich waren dieses Jahr eher die Huftiere die Highlights, da diese sich sehr rar gemacht haben. Ich merke, dass ich Gnu- und Zebra-Entzug habe.
Du sagst es, die Zeit rennt. Auch wenn Kenia wahrscheinlich nicht mehr unser Ziel sein wird und Namibia nach zwei Jahren auch wieder die Preise angezogen hat... Wann, wenn nicht jetzt. Solange man gesund ist und es sich irgendwie leisten kann, machen wir das noch zusammen.
Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201502. Juni 2024 ·
6. Februar - So kennt und liebt man die Mara
Unser heutiges Ziel erfordert einen recht langen Anfahrtsweg und dementsprechend starten wir in aller Früh um 5:40 Uhr. Die Richtung verrät mir entweder Rongai Pride oder Survey Pride. Irgendwann erblicken wir den Survey Hill, wo der Survey Pride seine jüngsten Mitglieder großzieht und erkennen direkt, warum George so früh losfahren wollte. Wir sind zum Sonnenaufgang noch die einzigen hier und die Kleinen werden pünktlich nach unserer Ankunft ganz schön munter. Die beiden Papas Oloborani und Orkirikoi sind auch bei der kleinen Familie.
Die Kleinen toben, was das Zeug hält und ich bin überrascht, dass meine Kamera die schnellen Bewegungen bei noch so schwachem Licht doch ganz gut einfangen kann. Uns geht das Herz auf als sogar Orikirikoi mit den Cubs richtig zu spielen beginnt! Die schönsten Szenen sind als Video festgehalten und landen in meinem Film.
Irgendwann setzt sich das Rudel in Bewegung hier kommt wieder Georges Ehrgeiz durch, uns für die beiden Paschas bestens zu positionieren. Orkirikoi ist im Marsh geboren und der Sohn vom Six Pack Male Chongo. Er ist wirklich ein Brocken und hat eine außergewöhnliche Größe erreicht. Aufgrund einer Verletzung wurde ihm vor einiger Zeit die Mähne geschoren.
Über Oloborani weiß ich leider nichts. Die beiden seien wohl keine Brüder heißt es. Seit einigen Wochen ist er aber verschwunden und Orkirikoi regiert das Rudel alleine. Keine guten Voraussetzungen, ein Rudel zu beschützen und zu halten. Auch die Anzahl der Cubs ist mittlerweile leider gesunken. Letztens wurde eine der Löwinnen dabei beobachtet, wie sie eins auffraß. Bei Löwen tatsächlich nichts ungewöhnliches. Über die Hintergründe kann man aber nur spekulieren.
Sie bewegen sich nicht weit vom Hügel weg und eine der Löwinnen kramt einen Hasenkadaver aus dem hohen Gras hervor, den die Kleinen weiter abnagen. Die stolzen Papas sind natürlich als Bodyguards dabei.
Es ist einfach eine Freude, Zeit mit dieser kleinen Familie verbringen zu können. Nach über einer Stunde erst ist es Zeit für sie, wieder die Büsche aufzusuchen und die Show ist beendet.
Uns begegnen noch ein paar Elefanten und dank dem stark bewölkten Himmel spielt das Licht trotz Uhrzeit immer noch gut mit.
Wir frühstücken mit Blick auf die Herde, wodurch es ja bekanntlich noch besser schmeckt!
Der Rongai Pride ist nicht weit entfernt und war noch immer nicht erfolgreich auf Jagd. Die Büffel sind weit und breit nicht mehr zu sehen und das Rudel scheiterte wohl an deren Herdenverband. Lorkulop hat sich ein schattiges Plätzchen gesucht und stillt dort seinen großen Durst. Bei einer solch langen Fress-Pause müssen Löwen unheimlich viel Wasser zu sich nehmen. Übrigens bedeutet sein Name in etwa "laufende Nase", wie man hier im Bild auch sieht. Dieses Problem hatte er schon in jungen Jahren.
Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201510. Juni 2024 ·
6. Februar - So kennt und liebt man die Mara Fortsetzung
Weiter geht die Fahrt und wir bitten George, dorthin zu fahren, wo auch mal abseits der Katzen ein paar Huftiere anzutreffen sind, da diese gerade sehr rar sind. George wäre nicht George, wenn er nicht genau wüsste, was wir gerade gerne sehen würden. Auf einer großen Grasebene findet sich neben einigen Thomson Gazellen eine riesige Herde Grant Gazellen - meine Favoriten. Ich freue mich sehr!
Das war aber noch nicht alles. Auf einer weiteren Ebene, wo das Gras nicht mehr so hoch ist, kommen wir uns vor, wie in einer Oase. Eland, Thommys, Wasserböcke, Hartebeester, Topis, Warzenschweine... Und dann teilweise auch noch mit so wunderschönen Hintergründen.
Wir fahren ein wenig am Talek entlang und George zeigt uns zwei Crossing Punkte, die mittlerweile durch den Regen nicht mehr passierbar sind.
Kurz vor dem Rekero Crossing finden wir noch die drei Sankai Brüder, die vollgefressen im dichten Busch liegen. Wir wundern uns, wie sie sich mit diesen Bäuchen überhaupt noch dort rein schaffen konnten, sie müssen kurz vorm Platzen sein.
Danach geht es durch den Talek und wir suchen ein wenig das Revier von Bahati ab. Hoffnung keimt auf als wir ein anderes Fahrzeug an einem der Büsche sehen, aber es ist "nur" ein Gepard, der sich hier ausruht und den wir noch nicht mal richtig zu Gesicht bekommen. Wir entscheiden uns, hier in der Nähe eine Lunch Pause zu machen.
Danach geht es dieses Jahr erstmals auch durch den Olare, dessen Durchfahrt gerade von einem Bagger "repariert" wird. Das gibt Petra gleich ein besseres Gefühl - kann uns doch im Notfall direkt jemand retten, sollten wir stecken bleiben. Wir fahren nun zum Lorian Camp, das wir uns gerne mal ansehen wollten. Es liegt in einem kleinen Wald und direkt am Rande des Olare. Es gefällt uns hier wirklich gut, uns wird sogar Kaffee und Kuchen angeboten und die indischen Besitzer sind sehr gastfreundlich. Leider habe ich null komma null Bilder gemacht.
Auf der Weiterfahrt merken wir plötzlich, wie George Gas gibt. Seinem Fahrstil nach zu urteilen, dürfte es spannend werden. Mitten in der Mittagshitze treffen wir tatsächlich endlich auf Bahati, die Königin des Talek Flusses, die wir die letzten beiden Urlaube vergeblich gesucht hatten. (Und nochmal: Ich hätte mich über jeden anderen Leo genauso gefreut und nicht nur, weil es sich genau um diese Leopardin handelt). Zugegeben, es ist schon cool, sie endlich mal live zu sehen, nachdem man sie in ein paar Folgen der Serie "Big Cat Tales" bereits verfolgen konnte.
Sie befindet sich tatsächlich im Jagdmodus und wir sind mit nur einem weiteren Fahrzeug hier. Die Chancen stehen gut als sie sich an eine Impalaherde anpirscht.
Wie gebannt beobachten wir in sicherer Entfernung die Situation und drücken vor allem wegen ihrer beiden Cubs die Daumen, dass sie Erfolg haben wird. Dann geht wie immer alles ganz schnell! Sie sprintet los, die Impalaherde schreckt auf und alle sind in den Büschen verschwunden. Wir warten noch kurz und fahren dann in ihre Richtung. Jetzt geht die Suche los. Die Sichtung hat sich mittlerweile definitiv herum gesprochen und weitere Autos rollen an. Immerhin erst jetzt, sodass keiner die Jagd stören konnte. Alle Guides suchen ewig lange die Büsche ab, aber Bahati ist verschwunden. Irgendwann entdeckt sie jemand am Flussufer und sie überquert den Talek. Ihre Jagd war somit leider misslungen.
Das Gebiet, in das sie nun verschwindet, ist für Autos nicht passierbar und alle geben auf. Es war trotzdem eine schöne Begegnung und auch auf dem Heimweg zum Camp werden wir nicht enttäuscht.
Die Sankai Boys haben sich mittlerweile - wie auch immer - aus den Büschen geschleppt, nur um im hohen Gras weiter ihr Food-Koma zu bewältigen.
Was uns aber bisher jeden Abend enttäuscht hat, ist der Sonnenuntergang. Werden wir wenigstens einen schönen erleben diesmal? Jeden Abend verschwand die Sonne bisher in einer dichten Wolkendecke. Um 19 Uhr sind wir zurück im Camp, machen uns frisch und trinken einen Absacker am Lagerfeuer. Heute ist mir ausnahmsweise mal nach einem Bier, davon ist aber nur eins kalt, weil Petra abends immer eins trinkt. Okay, dann wieder Gin Tonic, immerhin nicht gefroren.
Zum Abendessen gibt es eine leckere Butternusssuppe. Suppen kann der Koch hier definitiv, man schmeckt immer deutlich, was drin ist. Dann gibt es noch Gemüse und Bolognese mit Reis - Nudeln waren gerade aus, hat man zu spät festgestellt - That's Africa...
ich oute mich jetzt mal als stille Mitleserin 🙂 . Wir waren im September/Oktober für 9 Nächte das zweite Mal (nach 2018) in der Mara und ich finde es immer wieder schön neuere Bilder von den Tieren, sprich den Katzen zu sehen, denen auch wir begegnet sind. Wir würden auch gerne noch einmal in die Mara reisen und aufgrund der neuen Preisentwicklung sicher nicht mehr im September, sondern wenn dann auch eher im Februar. Deine Bilder gerade auch mit den nassen Tieren gefallen mir wirklich gut - ist auch mal was anderes - der Nachteil dabei ist natürlich der Regen und das oft fehlende Licht 😵. Aber wie schon gesagt, nichts desto trotz sind dir dabei viele schöne Bilder gelungen. Und ich kann berichten, dass wir einen wirklich schönen Sonnenuntergang im September/Oktober leider auch nicht hatten. Da hat es sich häufig abends zugezogen und auch abends mal geregnet- hat.
Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201519. Juni 2024 ·
Liebe Susi,
danke für deinen Kommentar! Die Preisentwicklung ist bei fast allen, mit denen man drüber spricht der Hauptgrund, von einer Reise abzusehen. Ich finde das alles sehr schade und sehe aber auch nicht ein, die Anzahl an Tagen zu reduzieren, um für eine Woche so viel wie für sonst 2 Wochen zu bezahlen. Zumal nach unseren drei Reisen nun definitiv der November der beste Monat war meiner Meinung nach. Es wird darauf hinauslaufen, dass Januar und Februar als Konsequenz jetzt die vollen Monate werden.
Der Regen an sich macht mir nicht viel aus, ich liebe die Stimmung. Auch der fehlende Sonnenschein ist oft eher von Vorteil für's Fotografieren.
Leider geht es hier gerade nicht so zackig weiter, wie ich es geplant habe, da momentan wichtigere Angelegenheiten Aufmerksamkeit fordern, aber ich nehme mir vor, aber heute wieder ohne großen Abstände zu posten.
Flash2010 schrieb: Es wird darauf hinauslaufen, dass Januar und Februar als Konsequenz jetzt die vollen Monate werden.
Das fürchte ich leider auch. Wobei es natürlich auch genug Gäste (Amis, Inder etc.) gibt, die auch die neuen Preise aus der Portotasche zahlen können. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Wir sind sonst sehr viel in Südafrika im KTP unterwegs. Wir hatten dort meist auch sehr schöne Sichtungen - natürlich lange nicht die Vielfalt an Tieren wie man sie in der Mara findet, da ist die Mara einfach unvergleichlich, auch landschaftlich - aber dafür zu einem erheblich günstigeren Preis.
Flash2010 schrieb: Der Regen an sich macht mir nicht viel aus, ich liebe die Stimmung. Auch der fehlende Sonnenschein ist oft eher von Vorteil für's Fotografieren.
Tagsüber defintiv. Die Bilder von den kleinen spielenden Löwen sind mega, da hätte zu viel Licht gestört. Aber wenn das schöne Morgen- und das schöne Abendlicht fehlen, weil es bewölkt ist, dann ist das schon schade. Wir hatten einen Abend solch einen Starkregen, da fehlte nicht nur das Licht, da war auch an Fotografieren nicht zu denken. Aber wie das Wetter ausfällt, weiß man ja Gott sei Dank nicht vorher. Jedes Jahr ist anders, das haben wir jetzt schon bemerkt, nachdem wir zweimal zu einer doch sehr ähnlichen Zeit (einmal Ende September/Anfang Oktober, einmal Ende Oktober) in der Mara waren. In 2018 haben wir sogar Ende Oktober noch etwas von der Migration mitbekommen, die Mara war noch voll mit Gnuherden und Zebras. Letztes Jahr Ende September haben wir kaum noch Gnus gesehen.
So, nun aber genug gesabbelt. Ich freue mich schon auf weitere Bilder von Dir.
Flash2010Themenstarter1'425 Beiträge · seit 201519. Juni 2024 ·
7. Februar - Heute liegt der Fokus ganz woanders
Unser Morgen startet heute ohne ein festes Ziel, aber mit einem schönen Sonnenaufgang!
Kurz darauf begegnen wir den drei Sankai Brüdern, die nun halbwegs verdaut haben und wieder beweglicher sind. Leider ist das Licht schlecht und es reicht nur für ein Bild von Lemoniko, für mich der Schönste der drei, der aber leider auf zwei Beinen humpelt.
Danach verbringen wir einige Zeit bei einer kleinen Elefantenfamilie. Gerade das kleinste Mitglied entzückt uns hier, da es gerne mit seinen Cousins und Cousinen spielen will und sich immer wieder in den Vordergrund drängelt.
Und schon geht es weiter mit dem Rekero Pride, deren Löwinnen durchs hohe Gras streifen auf der Suche nach Beute. Auch hier ist nur noch ein Junges am Leben und das zeigt, wie schwer die Raubkatzen es momentan haben.
Ich liebe einfach die Bilder morgens im noch nassen Gras!
Als sie sich ablegen, machen wir uns auf die Suche nach einem schönen Frühstücksplatz. Vorher zeigt George uns noch eine der Brücken am Rongai Fluss, die den Wassermassen weichen musste.
Auf der Weiterfahrt gibt es auch noch das ein oder andere schöne Motiv.
Jetzt fahren wir Richtung Talek, halten aber auf dem Parkplatz des Fig Tree Camps und George meint nun, wir sollen alle Wertsachen mitnehmen und über die Campbrücke gehen. Auf der anderen Seite würde ein anderes Auto auf uns warten. Erst nach einiger Zeit checken wir, dass sein Auto hier noch einmal repariert wird. Also einmal durch's Camp, das uns schwer beeindruckt. Allerdings wollen wir nicht wissen, was das hier kostet!
Wir fahren heute nach Talek in die Schule, DAS Highlight für Petra, waren doch im letzten Jahr unserer Reise Ferien. Zunächst aber fahren wir zu George nach Hause und halten auf dem Weg dorthin an einer recht neuen Schule. Hier sammeln wir seinen zweit jüngsten Sohn direkt ein, statten aber den Klassen vorher noch einen Besuch ab. Diese Schule wurde durch einen Verein und private Spenden gebaut. Dass sie nicht staatlich ist, sieht man. Die Gruppengrößen sind überschaubar und die Klassenräume gut ausgestattet. Petra wird herzlichst von den Kleinsten empfangen.
Wir hatten zuhause Stifte gekauft, die wir in der Primary School verteilen wollten, packen aber hier schon ein paar Päckchen aus. Die Lehrer wollen, dass Petra sie verteilt und die Kinderaugen strahlen.
Wenn es nach Petra ginge, könnten wir sie einfach hier lassen. Aber bei George zuhause wartet ja auch noch Jacklyn, unser Patenkind, auf uns. George baut gerade ein neues Haus, das er uns stolz zeigt. Little Max, sein kleinster Sohn, hatte im letzten Jahr bei Petras Anblick einen Schreianfall. Der Kleine kann mittlerweile laufen und kommt auf uns zu. Ich gehe in die Hocke, er stapft fröhlich auf mich zu, hebt vor mir die Arme, ich strecke nur ganz vorsichtig meine Hände aus, er kriegt wieder den Schock für's Leben und rennt schreiend davon. Nein, er kennt nach wie vor keine weißen Menschen 😄
Jetzt packen wir aber erstmal die Mitbringsel aus und der kleine Jimmy freut sich sehr darüber. Die beiden älteren Jungs sind in der Boarding School.
Dann gehen wir rüber zum alten Haus und begrüßen Jacklyn und ihre Mama herzlich, die sich auch sehr über unser Wiedersehen freuen. Jacklyn kann wieder ein wenig mehr Englisch sprechen und übersetzt ihrer Mama alles. Aus Dankbarkeit schenken sie uns noch eine Kleinigkeit und wir übergeben ihnen auch unsere Mitbringsel. Vor allem über eine bedruckte Tasse mit einem Bild aus dem letzten Jahr freuen sie sich unheimlich. Sowas gibt es ja hier gar nicht. Auch die ausgedruckten Bilder kommen immer überall sehr gut an.
Nach einem Massai Tee im alten Haus mit Georges Frau machen wir uns auf den Weg nach Talek. Auch hier sind die Straßen ordentlich weggespült worden und ich will nicht wissen, wie es hier vor zwei Wochen noch ausgesehen haben muss. Wir biegen ab in die Talek Primary School und der Rektor begrüßt uns freundlich. Man kennt sich noch von 2021 und er bedankt sich sehr für die Spende vom letzten Jahr. Dieses Jahr hatten wir erstmal keinen Aufruf gestartet, da wir beim letzten Mal nicht die erhoffte Übergabe der Tische und Stühle denjenigen zeigen konnten, die so großzügig gespendet haben, da die Schule geschlossen war. Das holen wir jetzt nach.
Als die Kinder uns entdecken, gibt es kein Halten mehr. Wir gehen in einen der Klassenräume und sie singen für uns und wollen ganz viele Bilder machen.
Draußen hat jeder von uns etwa 10 Kinder an einer Hand hängen und Petra muss sich irgendwie einen Weg in Gideons Klassenraum bahnen, unser zweites Patenkind. In seiner Klasse stehen die gespendeten Stühle und Tische und der Rektor spricht sich dafür aus, was Gideon für ein guter Schüler sei. Da freuen wir uns doch!
Ich bin derweil draußen damit beschäftigt, nicht niedergerissen zu werden und irgendwann entdeckt eins der Kinder mein Zungenpiercing. Jetzt gehts erst richtig los, denn das kleine Mädchen deutet an, ich solle mal die Zunge raus strecken und so schnell kann ich nicht gucken, da holt jeder seine Freunde, die das auch unbedingt sehen müssen. Von lautem Lachen bis zum puren Entsetzen sind alle möglichen Reaktionen dabei und ich komme nicht mehr aus der Situation raus. Keine Ahnung, wie vielen Kindern ich hier die Zunge raus strecken musste 😄
Irgendwann reißen wir uns dann los, auch wenn Petra am liebsten hier bleiben würde. Wir fahren noch auf den Markt, um Ananas und Mangos zu kaufen. Leute, die Mangos... Ich hätte mich ja nur noch davon ernähren können den ganzen Urlaub über!
Danach geht es zurück zum Fig Tree Camp und wir fahren nicht allzu weit um eine recht späte Lunch-Pause zu machen - unter einem Baum, der in den nächsten Tagen noch interessant werden wird 😉
Wir fahren noch einmal bei den Sankai Boys vorbei, aber hier ist leider keine Action zu erwarten.
Den Rest des Tages verbringen wir beim Rekero Pride, bei dem aber nicht viele Bilder entstehen aufgrund des hohen Grases, in dem sie faul rumliegen.
Heute bitte ich George eine Stunde bevor wir ins Camp zurück kommen, Chronix zu schreiben, er möge bitte JETZT das Tonic kalt stellen. Das funktioniert tatsächlich - endlich ein perfekter Gin Tonic, langsam läuft's - Prost und Lala Salama!
Aber was die Schulbesuche angeht hab ich seit wir das in Uganda mal gemacht haben immer ein eher negatives Gefühl dabei. Klar haben die Touris Freude daran wenn die Kinder für sie singen und tanzen und sie an die Hand nehmen. Aber wäre es für die Kinder nicht besser wenn der Unterricht nicht gestört werden würde, so dass man als Besucher hinten im Raum den Unterricht erleben könnte? Auch bei den Geschenken ists schwirig, solange sie wenn möglich im Urlaubsland eingekauft werden hats ja noch eine Unterstützung für die Wirtschaft und produziert auf dem Flug weniger Abgase (ja, das mein ich ernst). Aber kommts immer bei den Kindern an? Man liest und hört immer wieder dass Geschenke eingesammelt und verkauft werden, und das nicht zwingend zum Wohl der Schulgemeinschaft. Vor allem in viel besuchten Schulen soll das vorkommen.