Etosha - alles Fake?

32 Antworten · 3'249 Aufrufe · gestartet 20. Nov. 2023 von trsi
Bilder klein
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Themenstarter708 Beiträge · seit 201520. Nov. 2023 · #1
Liebe Fomis,

gegen Ende Oktober war ich wieder einmal im Etosha. Bei Namutoni fielen mir zwei Filmteams auf, ein Auto stand am Wasserloch Chudop und eins kurz nach dem Camp Richtung Osten. Sie hatten vor sich auch Tarnzelte aufgebaut und blieben über Nacht draussen. Leider habe ich nicht geschaut, was es für ein Filmteam war.

Gegen Morgen war Löwengebrüll zu hören. Ich konnte es kaum erwarten, mit Sonnenaufgang loszufahren. Und tatsächlich! Da waren kurz nach dem Camp zwei junge Löwenmännchen bei einem Riss ... und beim näheren Hinschauen sahen wir, dass es eine Giraffe war. Wow! Weitere Löwen waren nicht zu sehen, aber vielleicht hatten die sich weit in den Busch verzogen. Ich wunderte mich trotzdem etwas, nur die zwei jungen Männchen zu sehen. Dann entdeckten wir, dass das Auto des einen Filmteams noch am gleichen Ort stand mit bester Sicht auf den Riss. Da wunderte ich mich schon etwas mehr ... ob es tatsächlich so einen Zufall geben kann? Ich machte ein paar erste Bilder. Nachdem ich für weitere Bilder eine etwas andere Perspektive einnahm, sah ich: Die Giraffe ist kopflos! Ein sauberer Schnitt, der obere Teil fehlte gänzlich.

Desillusioniert packte ich meine Kamera wieder ein ... ich muss wohl davon ausgehen, dass die Giraffe irgendwo gejagd und für die Filmaufnahme hingelegt wurde.

Kann da jemand mehr dazu sagen?

VG trsi


Löwe1.jpg



Löwe2.jpg
Meine Afrikaerfahrungen: 2003 Tunesien und Libyen (2 Wochen) ¦ 2009 Namibia & Botswana (3 Wochen) ¦ 2011 Nambia, Sambia & Botswana (7 Wochen) ¦ 2016 Namibia & Botswana (4 Wochen) ¦ 2018 Kamerun (12 Tage) ¦ Namibia & KTP (5 Wochen) ¦ 2019 Uganda & Tansania (5 Wochen) ¦ 2020 Namibia (3 Wochen) ¦ 2021 Tansania (2 Wochen) ¦ Namibia (6 Wochen) ¦ 2022 Sabbatical in Namibia und Kapstadt (6.5 Monate) ¦ 2023 Namibia (2x 3 Wochen) ¦ 2024 Namibia (3 Wochen) ¦ 2025 Namibia & KTP (6 Wochen) ¦ 2026 Namibia (3 Wochen)
33,1k Beiträge · seit 200621. Nov. 2023 · #2
Hallo trsi,

hast Du Datum, ungefähre Uhrzeit und den genauen Ort für mich? Ich frage dann gerne beim MEFT nach.

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Themenstarter708 Beiträge · seit 201521. Nov. 2023 · #3
Hallo Christian,

es war am Dienstag, 24. Oktober. Meine Bilder entstanden zwischen 6.40 und 6.50 Uhr, ca. 300-500 m östlich vom Camp Namutoni, von der Hauptstrasse aus in Fahrtrichtung links.

Ich bin gespannt, danke fürs Nachfragen!

VG trsi
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33,1k Beiträge · seit 200621. Nov. 2023 · #4
Danke, ich frage beim MEFT nach.

Viele Grüße
Christian
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33,1k Beiträge · seit 200621. Nov. 2023 · #5
Ich habe noch kein Feedback von MEFT, aber einem Tourguide nach ist die Giraffe einen Tag früher verendet und vermutlich wurde der Kopf von Naturschutzbeamten bzw. der Giraffe Conservation aus wissenschaftlichen Gründen abgetrennt, um z. B. die Todesursache festzustellen. Aber mal sehen, was das MEFT dazu sagt.

Viele Grüße
Christian
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16,9k Beiträge · seit 201221. Nov. 2023 · #6
Für schöne Bilder von der ultimativen Safari hilft man gerne etwas nach. 😎
Man hat einfach keine Zeit sich stundenlag auf Pirschfahrt zu begeben oder selbst auf die Lauer zu legen.
Hier eine Aufnahme aus einen PG aus Südafrika (eigenes Foto!):


Südafrika.JPG



LG
Logi
925 Beiträge · seit 201621. Nov. 2023 · #7
Ködern bzw. Baiting ist in der Wildlife-Fotografie (und auch im Film) weit verbreitet. Davon kann man halten was man möchte und es wird auch zum Teil kritisch diskutiert (meines Erachtens aber viel zu wenig bzw. zu selten). Fakt ist, viele bekannte Wildlife-Bilder (vor allem bei Vögeln) wäre ohne Köder nie entstanden. Auch entsprechende Wettbewerbe schließen meines Wissens so etwas nicht aus. Die Grenze ist ja auch sehr fließend. Man könnte bei strenger Betrachtung bereits das anbieten eines künstlichen Wasserlochs oder einer Vogeltränke darunter subsumieren.

Ich halte hier Christians Vermutung auch für viel wahrscheinlicher. Warum sonst sollte man eine (anderswo erlegte) Giraffe köpfen?
Reiseberichte: SA-KTP-NAM 2017 - Uganda 2018 - Elternzeit 2 M. Südafrika 2022 - Elternzeit 3 M. SA/NAM 2024 Teil I, Teil II, Teil III - SA KNP + KZN 2025
1'096 Beiträge · seit 200921. Nov. 2023 · #8
Ich war kurz vorher in Namutoni (19.-22.10.) und habe die Filmteams dort auch angetroffen.
Wir haben uns mit einigen sehr nett unterhalten und insbesondere ein Team stand mehrere Tage nahezu den ganzen Tag bei Klein Okevi und wartete auf jagende African Wildcats. Die haben mir alle einen „integeren“ Eindruck und zudem stundenlang in der Hitze im Auto ausgeharrt. Ich glaube nicht so recht an die Inszenierungsnummer. Mglw. wurde hier lediglich eine Gelegenheit genutzt. Halte ich nicht für verwerflich.

Liebe Grüsse
Guido
Themenstarter708 Beiträge · seit 201521. Nov. 2023 · #9
Danke, Christian, das klingt nach einer plausiblen Erklärung! Es ist schön, dass es nicht Fake ist, wie ich befürchtete.

Zur allgemeinen Diskussion: Es ist mir durchaus bewusst, dass zumindest bei einigen eindrücklichen Aufnahmen nachgeholfen wurde. Die Grenze mag da fliessend sein, doch ist es für mich schon ein Unterschied, ob ich bewusst einen Köder lege oder einfach an einem künstlichen Wasserloch stehe und warte. Je natürlicher, umso lieber, daher meide ich auch Game Reserves, die mit Fütterung, Peilsendern und dergleichen arbeiten oder Tiere beherbergen, die da nicht vorkommen. Aber jedem nach seinem Geschmack. Das ganz wilde findet man ja nicht mehr an allzu vielen Orten.

Ich hätte es aber unsäglich gefunden, wenn tatsächlich eine irgendwo geschossene Giraffe (der Kopf könnte ja auch fehlen, weil sie aus Trophäenjagd stammt) in einem Nationalpark als Köder für Aufnahmen gelegt würde. Dem ist ja nun wohl nicht so ... und meine kleine Welt ist diesbezüglich wieder in Ordnung 😉

VG trsi
Meine Afrikaerfahrungen: 2003 Tunesien und Libyen (2 Wochen) ¦ 2009 Namibia & Botswana (3 Wochen) ¦ 2011 Nambia, Sambia & Botswana (7 Wochen) ¦ 2016 Namibia & Botswana (4 Wochen) ¦ 2018 Kamerun (12 Tage) ¦ Namibia & KTP (5 Wochen) ¦ 2019 Uganda & Tansania (5 Wochen) ¦ 2020 Namibia (3 Wochen) ¦ 2021 Tansania (2 Wochen) ¦ Namibia (6 Wochen) ¦ 2022 Sabbatical in Namibia und Kapstadt (6.5 Monate) ¦ 2023 Namibia (2x 3 Wochen) ¦ 2024 Namibia (3 Wochen) ¦ 2025 Namibia & KTP (6 Wochen) ¦ 2026 Namibia (3 Wochen)
1'127 Beiträge · seit 202221. Nov. 2023 · #10
In RSA ist Anfüttern so (ur)alt wie der hochpreisige Safaritourismus, der nichts dem Zufall überlässt. Der kleine Bruder des Anfütterns ist das Anwässern. Anders ist mancherorts ganzjährig attraktiver Tourismus nicht möglich, wobei KNP GsD schon die Bremse gezogen hat.
Grüße
So wurde doch vor einiger Zeit hier davon geschwärmt, dass es irgendwo im Greater Kruger quasi Leopardensichtungsgarantie gibt, weil auf engem Raum zwei ausgewachsene Männchen leben. Ein Schelm……….
zuletzt bearbeitet 22. Nov. 2023
88 Beiträge · seit 202022. Nov. 2023 · #11
Ungeachtet des konkreten Falls: ein Filmteam ist teuer.
Naturfilme hingegen sind eher selten Kassenschlager.
Da mag sich jeder selbst seine Kalkulation aufmachen.
2'319 Beiträge · seit 201122. Nov. 2023 · #12
Hi,

ist bekannt, wie der bunte Hund.

Gib dem Affen Zucker.... War da nicht mal etwas Ähnliches?!??!!?

Alm
1'678 Beiträge · seit 200722. Nov. 2023 · #13
@Buitepos, ALM: Ihr raunt hier herum. Könnt ihr das vielleicht etwas konkretisieren?
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
6'369 Beiträge · seit 201123. Nov. 2023 · #14
Hoi zämä

Filmteams mit hingelegten Giraffenkadaver. Lodges mit Fütterungsbaum für Leoparden, Wüsten- und Halbwüstengebiete mit künstlichen Wasserstellen...
Für mich gibts da wenig Unterschied, ich verzichte auf all das gerne und geh lieber an Orte wo das nicht notwendig ist.
Klar war ich z.B. auch schon in Botswanas Nxai Pan National Park oder in der Ngulia-Lodge im Tsavo West, aber das 'Naturerlebniss' war halt auch dem entsprechend.
Wenns halt da ist wo man durchkommt ists halt da, aber mein Ziel war so was nie und wirds nie sein.
Ist auch einer der Gründe weshalb mich Namibia nicht so sehr reizt wie Ostafrika es tut.
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
zuletzt bearbeitet 23. Nov. 2023
925 Beiträge · seit 201623. Nov. 2023 · #15
Das ist doch in Ostafrika nicht viel anders. Auch dort gibt es künstliche Wasserlöcher (jedenfall z.B. in Tsavo, Ruaha - wahrscheinlich noch in deutlich mehr NPs) und in der Vergangenheit z.T. sogar Fütterung in Notzeiten (z.B. Tsavo) oder an den einigen Lodges. Professionelle Filmer/Fotografen werden zudem dort auch sicher diesselben "Tricks" anwenden wie überall auf der Welt.

Die vorgeblich "reine" Natur (was auch immer das sein soll) gibt es in einer Menschendominierten Welt nun einmal nicht.
Reiseberichte: SA-KTP-NAM 2017 - Uganda 2018 - Elternzeit 2 M. Südafrika 2022 - Elternzeit 3 M. SA/NAM 2024 Teil I, Teil II, Teil III - SA KNP + KZN 2025
Gast23. Nov. 2023 · #16
Ich oute mich mal: Ich stell auch oft auf der campsite ein Schälchen Wasser für die putzigen Vögelchen auf oder mach mal kurz den Wasserhahn auf, damit sich die Vogerl laben können. Und mit dem Smartphone filmen tu ich auch dabei 😉
Chris
Gast23. Nov. 2023 · #17
In 2-3 Jahren ist dann eh alles egal, weil KI dann so gut ist, dass man zwischen real, manipuliert und künstlich generiert gar nicht mehr unterscheiden kann. 😵 Dall-E von OpenAI liefert für den String "lion in Etosha eating a buffalo" heute zum Beispiel sowas.


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Die Komposition ist noch etwas übertrieben (zu viele Löwen, Vögel im Bild usw). Aber viele Details (Licht, Haare, ...) sind schon ziemlich stimmig. Mit Tiefenunschärfe usw. sogar ein gewisser künstlerischer Ansatz. 😄 Daraus ein Video zu machen, braucht dann nur noch mehr Rechenleistung. In bezug auf Wildlife ist das alles harmlos. In anderen Aspekten werden wir alle uns sehr anpassen müssen. Wir sind von der Evolution darauf getrimmt, dem was wir sehen, eine hohe Authentizität beizumessen. Die ist nicht mehr gegeben. Das wird schwer.

Grüße
1'680 Beiträge · seit 200723. Nov. 2023 · #18
mitglied19210 schrieb:In 2-3 Jahren ist dann eh alles egal, weil KI dann so gut ist, dass man zwischen real, manipuliert und künstlich generiert gar nicht mehr unterscheiden kann. 😵 Dall-E von OpenAI liefert für den String "lion in Etosha eating a buffalo" heute zum Beispiel sowas.
na dann finde den Fehler 🤪 😄
lG und bleibt gesund! M@rie M@rie's on the road again - Namibia-Botswana 2012 "Es kommt nicht darauf an, ob du gewinnst oder verlierst, es kommt nur darauf an nicht aufzugeben!" ~ "It always seems impossible until it is done." Nelson Mandela ~
zuletzt bearbeitet 23. Nov. 2023
16,9k Beiträge · seit 201223. Nov. 2023 · #19
M@rie schrieb:
mitglied19210 schrieb: "lion in Etosha eating a buffalo"
na dann finde den Fehler 🤪 😄
Ach, die haben sich doch nur an der neuen ARD Reisedokumentation ...

Bei YouTube ansehen ↗



... ein Beispiel genommen. 😛

Der deutsche Qualitätsjournalismus berichtet auch hier wieder Erstaunliches. 😗

LG
Logi
88 Beiträge · seit 202023. Nov. 2023 · #20
Konkretisieren lässt sich nichts ohne einen konkreten Fall, und zu dem hier angesprochenen kann ich nichts beitragen.

Meine Anmerkung, dass Filmteams teuer, Naturfilme aber nicht unbedingt Kassenschlager sind, soll nur auf die finanzielle Logik hinter diesem Business hinweisen. Ein Naturfilmer muss auch seine Rechnungen bezahlen, er muss auch essen, hat vielleicht eine Familie zu ernähren, will vielleicht irgendwann mal eine auskömmliche Rente haben. Insofern ist auch nichts verwerflich daran, wenn er Geld verdienen will. Also warum sollte er nicht Gelegenheiten ergreifen, das Entstehen beeindruckender Aufnahmen ein wenig zu beschleunigen?

Es ist ja nicht so, dass man irgendwo im südwestlichen Afrika ernsthaft unberührte, freie Natur bestaunen könnte.
Ganz Namibia, Südafrika, Botswana sind Kulturlandschaften, die seit Jahrhunderten von Menschen gestaltet werden.
Selbst die Wildtiere, die du hier in Namibia siehst, gehören zum Teil nicht hierher, sondern wurden von Menschen eingeschleppt.
Waterbuck in Namibia? Der gehört nach Tansania, Mosambik, Simbabwe.
Letschwe im Khomas Hochland? Gehört in den Caprivi, Kavango-Delta, Angola, Sambia, Kongo.
Nyala? Mosambik.
Selbst Giraffen gehören nicht unbedingt ins bergige Khomas-Hochland. Wenn du also in den Daan Viljoen Nationalpark bei Windhoek gehst, siehst du dort „Zootiere“.

Und wenn du ins „unberührte“ Damaraland fährst, um im Huab-Rivier den „wilden“ Wüstenelefanten nachzuspüren, wo findest du die Tiere dann? In der Nähe der Bohrlöcher von De Riet und Doro Nawas, komfortabel gelegen ziemlich genau in der Mitte zwischen den Lodges Twyfelfontein, Mowani, Camp Kipwe, etc. pp. ff.

Die Nationalparks in Afrika sind Zoos, da braucht man sich keiner Illusion hingeben.
Es sind allerdings die artgerechtesten und schönsten Zoos der Welt.
Von den ganzen privat geführten „Conservancies“, die „Tiere aufnehmen, um sie freizulassen“, brauchen wir wohl gar nicht erst anfangen.

Ich will all das im Übrigen auch nicht schlecht machen, nur sollte man nach meinem Dafürhalten ehrlich damit umgehen, dass Tierschutz in Afrika (auch) ein Geschäft ist, in dem eine Rhino-Kuh mit Baby 2 Millionen Rand kosten kann, während sie ohne Kalb für 250.000 gehandelt wird.
Honi soit qui mal y pense