Bilder einer Äthiopienreise

Reisebericht 91 Antworten · 23,1k Aufrufe · gestartet 14. März 2018 von Gu-ko
Themenstarter275 Beiträge · seit 201418. März 2018 · #21
Lollo schrieb:Hallo Gu-Ko,
Aus kaum einem anderen Land, von über 70 bereisten Staaten dieser Welt, sind wir ratloser zurückgekommen.
LG
Lollo
Hallo Lollo,
den Satz kann ich nachfühlen, auch wir haben Äthiopien mit zwiespältigen Gefühlen bereist.
Grüße
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201418. März 2018 · #23
Addis Abeba - Bahir Dar (Lake Tana)



Unser erstes Ziel war Bahir Dar am südlichen Ufer des Tanasees. Bahir Dar, die drittgrößte Stadt des Landes, ist für ihre christlich-orthodoxen Klöster bekannt und gehört zu den touristischen Zielen des nördlichen Äthiopiens. Nur 30 km südlich von Bahir Dar befinden sich zudem die Tisissat-Wasserfälle des blauen Nil.

Von Addis Abeba fahren täglich Direktbusse nach Bahir Dar. Ist man in Afrika mit Bussen unterwegs, muss man oft gnadenlos früh aufstehen. Zumindest Langstreckenbusse fahren gerne um 5 Uhr morgens ab, d.h. ab 4.30 Uhr ist Boarding.

So auch der Ethio-Bus. Diese Buslinie gilt als eine der besseren Busgesellschaften Äthiopiens. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist die Abfahrt im Stadtzentrum (Meskel Square). Das ersparte uns frühmorgens auf dubiosen Busbahnhöfen in dubiosen Stadtrandbezirken herumirren zu müssen.

Die Strecke ist 560 km lang und die Fahrt dauert neuneinhalb Stunden. Im Bus kann man zwar entspannt die wunderschöne Landschaft betrachten, aber einfach mal anhalten und fotografieren, geht nicht. Trotzdem versuchte ich aus dem fahrenden Bus heraus, ein paar Fotos zu schießen. Verschmutzte Fensterscheiben sowie Geschwindigkeit und Erschütterungen des Buses machen es nicht leicht, brauchbare Bilder zu bekommen.

Die Straße windet sich durch eine grüne, bergige Landschaft. Dünne Wasserfälle stürzen über schroffe Felswände. Wir überqueren den blauen Nil, der eindeutig braun ist. Wiesen und Strassenränder leuchten gelb von den Blüten der Meskel Blumen.


Der Blaue Nil ist braun


Meskel Blumen vergolden die Landschaft


Unterwegs


Unterwegs


Unterwegs


Kaffeepause


Kurz vor Bahir Dar



Bahir Dar – Tanasee



Der Tanasee ist Afrikas höchstgelegener (1.786m ü. d. Meeresspiegel) und Äthiopiens größter See. Er ist ca. 70 km lang und bis zu 65 km breit und hat eine Fläche von über als 3.000 km².

Bahir Dar, die Stadt am Tanasee, wird in Reiseführern und Reiseberichten gerne als die schönste Stadt Äthiopiens beschrieben, oder sogar als "äthiopische Riviera" beschwärmt. Soviel Lob weckt natürlich Erwartungen.

Als wir aus dem Bus stiegen fanden wir uns in einer lebendigen, quirligen Stadt wieder. Die Straßen mit knatternden Tuk-Tuks vollgestopft, Menschen strömten unablässig durch die von Restaurants, kleinen Läden und Cafes gesäumten Hauptstrassen.

Es gab jede Menge Hotels in allen Preislagen. In kleinen Saftläden bekam man leckere Fruchtäfte aus Papaya, Avocado, Mango, Banane etc. Die Früchte wurden im Mixer pürriert und als Fruchtmus im Glas serviert. Lecker, lecker, lecker…

Und tatsächlich gab es ein paar palmenbestandene Straßenabschnitte und Grünflächen am Seeufer, die man mit viel Wohlwollen als Alleen bezeichnen könnte. Unter den staubigen Palmen dieser ‚Alleen‘ saßen viele, teils aggressiv auftretende Bettler, was den Spaß am flanieren nicht gerade erhöhte. Wenn wir kein Geld gaben riefen sie Schimpfworte hinter uns her, die wir zwar nicht wörtlich verstanden da auf Amharisch, den Tonfall jedoch schon.

Nervig waren die vielen Schlepper und Guides, die vor allem in Hafennähe herumlungerten, uns alle paar Meter anquatschten, um ihre teils abstrus überteuerten Bootsfahrten oder Ausflüge zu verkaufen.

Injera

Jeder Reisende wird in Äthiopien mit Injera konfrontiert. In praktisch allen Reataurants steht Injera auf der Speisekarte und, oftmals nichts anderes. Injera ist das äthiopische Nationalgericht schlechthin. Äthiopier essen Injera überall und ständig, mindestens drei Mal am Tag, am liebsten schon als Frühstück.

Da es in Bahir Dar reichlich Restaurants gab, suchten wir uns ein Restaurant aus, das den Eindruck machte, als könnten sie kochen. Wir bestellten Injera mit Gemüse und Fleisch. Die Köchin fragte uns, ob wir das Fleisch roh oder gekocht haben wollten, wir haben uns dann für die gekochte Variante entschieden… 😉

Grundlage dieses Gerichtes ist ein säuerlicher, schwammartiger Teig in Form eines Fladens, manchmal auch zusammengerollt. Dazu gibt es je nach Wunsch verschiedene Gemüse-Curries, Soßen und Fleisch. Gegessen wird mit der Hand. Man reißt ein Stück vom Injera ab, nimmt damit die Curries auf und steckt sich das Ganze in den Mund. Was mit einem Chapati ganz gut funktioniert, ist mit Injera nicht so einfach. Da der Teig sehr weich ist, saugt er sich schnell mit Flüssigkeit voll und fällt dann auseinander.

Das Injera mit dem säuerlichen Geschmack und der wabbligen Konsistenz war für mich keine Liebe auf den ersten Biss. Ich würde nicht sagen, dass das Ganze schlecht schmeckte, aber sicherlich gewöhnungsbedürftig. Ich habe auf unserer Reise noch öfters Injera gegessen, aber so richtig konnte ich mich mit dem Sauerteig nie anfreunden.

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4'129 Beiträge · seit 200812. Apr. 2018 · #24
Hallo, Gu-ko,
vielen Dank für deine ausdrucksstarken Bilder und deine authentischen Reisegeschichten. Wir genießen es immer wieder „mit dir zu reisen“. Ein Genuss!

Stehen die gelben Meskel Blumen in irgendeiner Weise in Bezug zu den großen Meskel Celebrations?

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
1'059 Beiträge · seit 200612. Apr. 2018 · #25
Hey Gu-ko

Das ist ja total an mir vorbei gegangen, dass du wieder einen neuen Bericht angefangen hast. Aber jetzt habe ich ihn ja entdeckt und die ersten Kapitel schon nachgelesen.

Logo, dass ich bei dir auch wieder dabei bin!

Bis jetzt stand Äthiopien noch nicht sehr weit oben auf meiner "To do"-Liste, aber mal schauen, ob es nach deinem Bericht anders ausschaut. 🙂

Liebe Grüsse
Sam
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201414. Apr. 2018 · #26


Zu den Klöstern vom Tana See

Die Inseln des Tana Sees sind für ihre Klöster und Kirchen berühmt. Diese stammen teilweise aus dem 14. Jahrhundert und werden noch heute von Mönchen bewohnt. Manche dürfen besucht werden, manche nur von Männern, manche gar nicht.

Üblicherweise macht man eine Bootstour zu den Inseln und/oder zu den am Seeufer liegenden Klöstern. Die auf der Halbinsel Zeghe liegenden Klöster kann man auch mit dem lokalen Bus erreichen, der mehrmals am Tag die Strecke fährt. Das kann jedoch ein langwieriges Unternehmen werden, da der Bus erst fährt, wenn er voll ist.

Wir entschieden uns für das Boot. Am nächsten Vormittag schaukelten wir im Schritttempo durch das milchig-braune Gewässer. Mit uns im Boot ein zufällig zusammengefügtes Grüppchen Klosterinteressierter. Darunter mehrere Israelis, ein Inder, zwei Äthiopier, eine Kenianerin und ein Deutscher.

Manchmal sahen wir Wasservögel, Pelikane oder ähnliches. Es soll auch Hypos geben, gesehen haben wir keine. Interessant sind die Papyrusboote, die von Bauweise und Aussehen denen ähneln, die ich am Titicacasee in Peru gesehen habe.


Tanasee


Papyrusboot am Tanasee

Entos Eyesu Monastery

Wir steuerten auf eines der Eilande zu, die wie kleine, grüne Hügel aus dem Wasser ragten. Unser erstes Kloster, Entos Eyesu Monastery, lag auf einer lauschigen Insel, etwa eine halbe Bootsstunde von Bahir Dar entfernt.


Tana See – Klosterinsel Entos Eyesu Monastery

Vom Bootsanleger stiegen wir einen schmalen Pfad zu einem unscheinbaren Gebäude empor. Auf halbem Wege wurden wir in ein Steinhäuschen gebeten. Dort erklärte uns eine Frau in Nonnentracht einiges auf Amharisch. Wir rätseln noch heute, was sie uns sagen wollte.

Vor dem Betreten des eigentlichen Heiligtums muss man, wie bei Heiligtümern üblich, die Schuhe ausziehen. Ein Kloster-Guide mit Zeigestock erklärte uns die Bedeutung der Wandmalereien. Diesmal auf Englisch, aber mit so viel amharischem Dialekt, dass ich es bald aufgab, seinen Worten zu folgen.

Die Gemälde zeigten Szenen aus der christlichen Mythologie, Jesus, Apostel, Heilige und viele blutige Szenen. Die leuchtend bunten Farben sahen so frisch aus, als wären sie gerade gemalt. Auch wenn die bunten Bilder durchaus betrachtenswert waren, war ich etwas enttäuscht, hier war nichts älter als ein paar Jahre.


Die Bilder des Entos Eyesu Monastery sind knallig-bunt


Entos Eyesu Monastery


Entos Eyesu Monastery

Halbinsel Zeghe - Kloster Azwa Mariam
Sehenswerter war das zweite Kloster, das wir besuchten, Azewa Mariam. Das Hauptgebäude, ein grasbedecktes Rundhaus, wirkte außen schlicht, beeindruckte aber im Inneren mit uralten Malereien, die zum großen Teil aus dem 14. Jahrhundert stammten.

Ein überdachter Rundgang umschloss das Kircheninnere. Nur wenig Licht drang in dünnen Streifen durch eine Bambuswand ins Innerste. Mit seinen im Halbdunkel verborgenen, Jahrhunderte alten Malereien, ein beeindruckender, mystischer Ort.


Azwa Mariam


Azwa Mariam


Rundgang um das Kircheninnere




Ein Guide erklärt den Besuchern die Geschichte der Kirche und der Malereien














Am Bootanlegeplatz vertreiben sich die Kids die Zeit auf ihre Weise.
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zuletzt bearbeitet 29. Juli 2020
Themenstarter275 Beiträge · seit 201414. Apr. 2018 · #27
Zu den Tisissat-Wasserfällen des Blauen Nil (Blue Nile Falls)

Um zu den Wasserfällen zu gelangen, muss man etwa 30km schlechte bis sehr schlechte Straße zurücklegen. Vor allem wenn es geregnet hat, sind weite Teile der Piste verschlammt und mit normalen PKWs nur schwer zu passieren.

Zu den Wasserfällen, bzw. zum nahegelegenen Dorf Tis Issat fährt ein lokaler Bus. Das ist, vor allem in der Regenzeit, eine zeitaufwändige Tour und da wir die Wasserfälle noch am selben Tag besuchen wollten, buchten wir die Tour in einem privaten Minibus.


Lokal Bus zum Dorf Tis Issat

Auch in privaten Minibussen ist man nicht vor allen Widrigkeiten geschützt. Wenige Kilometer hinter Bahir Dar gab das Fahrzeug den Geist auf.

Der Fahrer forderte per Handy ein Ersatzfahrzeug an:

"New car is coming in ten minutes from Bahir Dar"

Wir setzten uns auf ein Mäuerchen am Straßenrand und schauten zu, was so an uns vorbeizog. Ein Bus, ein Tuktuk, noch ein Tuktuk, ein Maultierkarren, etwas Undefinierbares, wieder ein Tuktuk, mit Bündeln beladene Frauen, mit Stöcken bewaffnete Männer, eine Gruppe kichernde Kinder ...













Nach einer halben Stunde sagte unser Fahrer zum dritten Mal:

"New car is coming in ten minutes from Bahir Dar"

Ich fand es eigentlich ganz interessant an dieser staubigen Straße zu sitzen, aber die Sonne stand bedenklich tief und die Zeit zum Besuch der Wasserfälle wurde immer knapper.

Eine Stunde und mehreren "New car is coming in ten minutes from Bahir Dar" später kam das Ersatzfahrzeug. Die Straße wurde zunehmend schlechter, tiefe Fahrrillen und verschlammte Abschnitte forderten die Fahrkünste des Drivers. Wir kamen nur langsam voran und als wir schließlich ankamen, war es schon kurz vor dunkel.

Vom Dorfes aus mussten wir noch einen Fluss per Boot überqueren und etwa eine halbe Stunde zu den Fällen laufen. Eine Schar Kinder und Jugendliche begleiteten uns auf dem Weg, manche wollten etwas verkaufen, andere wollten uns über schlüpfrige Stellen helfen.

Als wir endlich die Wasserfälle erreichten, zuckten erste Blitze über den abendlichen Wolkenhimmel. Wir hatten Glück, die Blue Nile Falls zeigten sich von ihrer besten Seite, tosende Wassermassen stürzten eindrucksvoll in dunstige Täler.







Auf dem Rückweg fing es kräftig zu regnen an und im Nu verwandelten sich alle Wege in knöcheltiefe Schlammpfade. Blitze zuckten gespenstisch um uns herum, als wir in der Dunkelheit zurückstolperten. Total durchnässt und schlammbespritzt erreichten wir das Dorf und unser Fahrzeug. Die Dorfjugend hatte sich längst verzogen.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201429. Apr. 2018 · #28


Gonder
"Gonder (amharisch ጎንደር gondär, auch Gondar) ist eine Stadt in Äthiopien in der Region Amhara. Sie hat etwa 342.000 Einwohner (Schätzung 2016). Die Region ist gebirgig, die Stadt liegt auf 2133 m Höhe. In den Bergen nördlich von ihr entspringt ein Fluss, der lange als die Quelle des Blauen Nils betrachtet wurde.
Von 1636 bis 1855 war Gonder die äthiopische Hauptstadt. Von Kaiser Fasilides gegründet, war Gonder die erste permanente Hauptstadt seit den antiken Zeiten von Aksum und Lalibela.
In Gonder finden sich Schlösser und zahlreiche Kirchen. Trotz des Bombardements der Briten im Befreiungskampf von 1941 blieben die meisten Bauten von Gonder gut erhalten.
Gonder verfügt über eine Universität und einen Flughafen."

Quelle: Wikipedia


Gonder

Gonder

Neben Axum und Lalibela ist Gondar das bedeutendste religiöse Zentrum des Landes und gehört zu den Orten, die man auf einer Äthiopienreise nicht auslassen darf.

Von Bahir Dar am Lake Tana nach Gonder führt eine gut ausgebaute Straße. Wir legten die vierstündige Strecke in einem Minibus recht komfortabel zurück. Ein bisschen nervig war nur, dass der Minibus gute zwei Stunden in Bahir Dar herumkurvte um Fahrgäste aufzusammeln, bis endlich der letzte Platz voll war. Aber wir sind in Afrika und da ist das normal.

Das Busbahnhofsviertel in Gondar wirkt ziemlich chaotisch, als wir dort ausstiegen. Sofort wurden wir von einer Gruppe Jugendlicher und junger Männer umlagert, die von allen Seiten Taxis, Hotels oder Dienstleistungen als Gepäckträger oder Guides anboten. In typisch äthiopischer Weise umlagerten sie uns penetrant und als wir ablehnten und Richtung Hauptstraße gingen, versuchte einer der Jungs den Reisverschluss am Rucksack meiner Frau zu öffnen. Ähnliches ist uns schon in Bahir Dar passiert, wo aggressive Bettler versuchten sich an unseren Rucksäcken zu vergreifen.

Wir schnappten uns ein Tuk-Tuk und ließen uns durch die quirligen Strassen zum L-Shape Hotel bringen. Das ist ein recht nettes Budget-Hotel, wir bekamen ein Zimmer mit Balkon für 230 Birr.

Die Hauptattraktion Gondars sind die zahlreichen mittelalterliche Burgen und Schlösser, die so zwischen 1600-1800 von den jeweils regierenden Kaisern errichtet wurden. Darüber hinaus gibt es noch Kirchen, Klöster und andere Heiligtümer.
Der Palastbezirk Fasil Ghebbi befindet sich in der Stadtmitte Gondars und ist somit leicht zu erreichen. Vom L-Shape Hotel aus könnte man hinlaufen, wir nehmen jedoch eins der allgegenwärtigen Tuk-Tuk’s.

Die burgartig gebauten Schlösser sind tatsächlich erstaunlich. Portugiesische, indische, arabische sowie äthiopische Baustile vermischen sich in den Gebäuden auf dem etwa 7.000 m² umfassenden Komplex.

Mein erster Gedanke war: Etwas Vergleichbares habe ich in Afrika noch nie gesehen!


Palastbezirk Fasil Ghebbi























Das Kloster Debre Berhan Selassie
(Kloster der Dreieinigkeit auf dem Berge des Lichts)

Das Kloster wurde von Kaiser Iyasu um 1694 gegründet. Es ist bekannt für seine Wandmalereien, die zu den schönsten Äthiopiens gehören sollen.

Mit einem Tuk-Tuk kommt man schnell vom Stadtzentrum zum Kloster. Auch wenn man für Kirchen und Klöster nicht so viel übrig hat, lohnt sich ein Besuch. Der Raum mit den Wandmalereien ist ist dunkel, lediglich durch die halbgeöffneten Türen dringt etwas Tageslicht ins Innere.


Kloster Debre Berhan Selassie






Über hundert geflügelte Engelsköpfe beobachten den Besucher von oben



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Themenstarter275 Beiträge · seit 201429. Apr. 2018 · #29
Simien Mountains National Park

Irgendwann hat man genug Klöster, Kirchen und Schlösser gesehen, genug von quirligen Städten, hupenden Autos und knatternden Tuk-Tuks. Wir beschlossen spontan einen Tag in den Simien Mountains zu verbringen.

Von Gonder aus werden überall Tages- und Mehrtagestouren in den Nationalpark angeboten. Da wir am übernächsten Tag weiter Richtug Lalibela fliegen wollten, und das Flugticket schon gekauft hatten, buchten wir bei einem lokalen Reiseveranstalter lediglich eine eintägige Tour.


Auf dem Weg in die Simien Mountains

Von Gonder bis zum Parkeingang fährt man etwa zweieinhalb Stunden. Wir starteten um 8 Uhr, da es einige Verzögerungen gab, errichten wir den National Park erst gegen Mittag. Unser Grüppchen bestand aus fünf Personen, darunter ein Guide und ein bewaffneter Begleiter, der für unsere Sicherheit sorgen sollte.

Den ganzen Morgen war wunderschönes Wetter, kein Wölkchen am Himmel, aber genau zu dem Zeitpunkt, als wir unsere Wanderung im Park begannen, zog dichter Nebel auf.


Am Parkeingang war noch herrliches Wetter…


…kurz darauf nur noch Nebel.




An den Aussichtspunkten soll man eine phantastische Fernsicht haben, sagte unser Guide… 😉


Immer gut bewacht... 😉







Dann haben wir doch noch Glück. Plötzlich taucht eine Herde Dscheladas (Blutbrustpaviane) aus dem Nebel auf. Männchen, Weibchen und viele Jungtiere.

Diese Tiere gibt es nur in Äthiopien in den Simien Mountains. Sie sind friedlich und uns gegenüber nicht scheu. Sie verbringen ihre Zeit hauptsächlich mit grasen. Die Männchen haben eindrucksvolle Mähnen, die Weibchen sind unscheinbarer.

Wir mischen uns vorsichtig unter die Herde, ohne die Tiere zu stören. Die beachten uns kaum, lediglich wenn wir einem Tier zu nahe kommen, dreht es sich um und zeigt uns seinen Rücken.



„Der Dschelada oder Blutbrustpavian (Theropithecus gelada) ist eine sehr seltene Primatenart aus der Unterfamilie der Backentaschenaffen in der Familie der Meerkatzenverwandten. Er ist eng mit den Pavianen verwandt.
Das auffälligste Merkmal der Dscheladas ist ein roter, haarloser Fleck auf der Brust. Dieser ist bei Männchen sanduhrförmig und in der Brunftzeit leuchtend rot, bei Weibchen bildet sich dort während des Östrus eine Reihe roter Warzen.
Dscheladas bewohnen ausschließlich das Hochland von Äthiopien. Ihr Lebensraum sind gebirgige Grasflächen in einer Höhe von 2200 bis über 4400 Metern Seehöhe.“
Quelle: Wikipedia



Eine Herde Dscheladas kreuzt unsere Wege



















Als wir den Simien-National Park am späten Nachmittag verlassen, hat sich der Nebel teilweise verzogen und wir bekommen noch einen kleinen Eindruck von der tollen Landschaft, die sich den ganzen Tag im Nebel versteckt hatte.


Simien Mountains

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zuletzt bearbeitet 29. Apr. 2018
8'703 Beiträge · seit 201029. Apr. 2018 · #30
Hallo Gu-ko,

da ich gerade ein bisschen an die Couch gefesselt bin, habe ich endlich mal Muse, deinen Bericht in Ruhe anzuschauen. Deine Fotos von Landschaften, Menschen und Tieren sind so eindrucksvoll, dass man nicht einfach durchscrollen sollte....auch lohnt es sich, den Text zu lesen 🙂 !

Aktuell musste ich an dieser Stelle lachen 🤪 , wobei ich die Affenfotos an sich natürlich auch toll finde:






Vielen Dank für die virtuelle Reise - LG Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
zuletzt bearbeitet 29. Apr. 2018
725 Beiträge · seit 201730. Apr. 2018 · #31
Ich lese seit einiger Zeit still mit, aber nun muss ich mich zu Wort melden.

Ich bin ganz geflasht, von den Eindrücken, die Du hier zeigst. Vor allem von den Burgen, die hätte man dort sicherlich nicht erwartet.

Alle Deine Bilder bringen mir ein Land vor Augen, das ich persönlich nie bereisen würde, aber Deinen Bericht verschlinge ich, denn solch einen tollen Reisebericht habe ich noch nicht gelesen.

Auch Respekt, das Ihr dieses Land bereist habt. 🙂
Gruß Gabriele (Reisebericht 1. Namibia Reise 2022 / Süden) http://www.stenders-reisen.de/Namibia%202022/Namibia_2022.html
111 Beiträge · seit 201201. Mai 2018 · #33
Hallo GuKo,
vielen Dank für deinen Bericht und die tollen Fotos! Ich habe schon sehr viel Interessantes über Äthiopien gehört und gesehen. Leider gibt es dann aber auch immer die unschönen Erlebnisse, wie du sie schilderst. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich für uns auch eines Tages die Möglichkeit das Land zu bereisen. Bis dahin lauschen wir noch gespannt euren Erzählungen und freuen uns schon auf die nächste Etappe 🙂
Liebe Grüße
Senta
Themenstarter275 Beiträge · seit 201401. Mai 2018 · #34
Schneewie schrieb:

Alle Deine Bilder bringen mir ein Land vor Augen, das ich persönlich nie bereisen würde, aber Deinen Bericht verschlinge ich, denn solch einen tollen Reisebericht habe ich noch nicht gelesen.

Auch Respekt, das Ihr dieses Land bereist habt. 🙂
Danke, das freut mich. 🙂
ich hatte auch nie vor Äthiopien zu bereisen, aber als ich dann Bilder der Danakil Depression und von Lalibela und Gonder sah, spürte ich das dringende Bedürfnis, das einmal selber zu sehen. und es hat sich gelohnt!
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201401. Mai 2018 · #35
Champagner schrieb:Hallo Gu-ko,

da ich gerade ein bisschen an die Couch gefesselt bin, habe ich endlich mal Muse, deinen Bericht in Ruhe anzuschauen. Deine Fotos von Landschaften, Menschen und Tieren sind so eindrucksvoll, dass man nicht einfach durchscrollen sollte....auch lohnt es sich, den Text zu lesen 🙂 !
Danke, ich freue mich über jeden Kommentar, da weiß ich, dass jemand mitliest. 😉
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201401. Mai 2018 · #37
janphillip schrieb:Hallo GuKo,
vielen Dank für deinen Bericht und die tollen Fotos! Ich habe schon sehr viel Interessantes über Äthiopien gehört und gesehen. Leider gibt es dann aber auch immer die unschönen Erlebnisse, wie du sie schilderst. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich für uns auch eines Tages die Möglichkeit das Land zu bereisen. Bis dahin lauschen wir noch gespannt euren Erzählungen und freuen uns schon auf die nächste Etappe 🙂
Liebe Grüße
Senta
Die unschönen Erlebnisse haben uns tatsächlich einen Teil der Reisefreude geraubt, als wir dann die letzten zwei Wochen in Kenia warten, war das fast wie ein Aufatmen. Trotzdem war die Reise eine der faszinierendsten, die ich in Afrika gemacht habe.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201404. Mai 2018 · #38

In Gonder erinnert sogar der Flughafen an eine Burg… 😉

Gonder - Lalibela

Die Verbindungen mit Öffentlichen Verkehrsmitteln, von Gonder nach Lalibela, waren zu umständlich. Deshalb buchten wir kurzerhand einen Flug. Mit dem Bus hätten wir für die rund 350 km fast zwei Tage (mit Übernachtung in Gashena oder Weldya) unterwegs sein müssen, der Flug dauerte gerade mal 30 Minuten.

Äthiopische Inlandsflüge sind nicht teuer und bei den langen Strecken durchaus eine Alternative. Unser Flug kostete ca. 70 USD/Person. Wenn man mit Ethiopien Airlines nach Äthiopien gekommen ist, bekommt man sogar 50% Rabatt auf den regulären Preis.











Aus der Luft kann man sehr gut sehen, wie bergig und unwegsam dieser Teil Äthiopiens ist. Es ist noch nicht allzulange her, da dauerte so eine Reise mehrere Wochen.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201404. Mai 2018 · #39
Lalibela



„Lalibela (amharisch ላሊበላ lalibäla) oder Neu-Jerusalem (früher Roha) ist eine heilige Stadt und Wallfahrtsort in Äthiopien. […] Der Ort liegt 2500 Meter hoch und hat 8484 Bewohner (Volkszählung 1994), die fast vollständig äthiopisch-orthodoxe Christen sind.
Lalibela ist weltweit bekannt für die elf monolithischen Kirchen, die – überwiegend mehrgeschossig – in rote Basaltlava gemeißelt sind. Die Kirchen entstanden beginnend mit der Regentschaft von Kaiser Gebra Maskal Lalibela, auch bekannt unter dem Namen Heiliger Lalibela (ein Mitglied der Zagwe-Dynastie) im 12./13. Jahrhundert.

Wahrscheinlich wurde insgesamt 100 Jahre an der Anlage gebaut. […] Seit 1978 zählen diese Kirchen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Lalibela hat eine lange christliche Tradition der äthiopisch-orthodoxen Kirche und ist ein Pilgerort für viele Christen.“
Quelle Wikipedia


Äthiopien hat einige Orte, die weltweit einmalig sind. Die Felsenkirchen von Lalilbela gehören zweifelsohne dazu.

Das Städtchen selbst ist eher unscheinbar und abgesehen von der grandiosen Landschaft die Lalibela umgibt, hätte es touristisch nicht allzuviel zu bieten. Wären da nicht die berühmten Felsenkirchen…

Als wir Lalibela besuchten, waren Stadt und vor allem die heilige Stätten voller weißgekleideter Pilger, die aus allen Landesteilen herbeiströmten.


Pilger kommen aus allen Landesteilen nach Lalibela



Die Felsenkirchen

Der Eintritt zu den Felsenkirchen ist mit 50 USD pro Person recht saftig. Dafür darf man das Gelände zwar fünf Tage hintereinander besuchen, in der Regel reichen aber zwei Tage gut aus, alles zu besichtigen.

Im Bereich des Ticketoffice lungerten mehr oder weniger aufdringliche Guides herum, die uns sofort belagerten. Da wir von äthiopischen Guides ein wenig die Nase voll hatten, und die Kirchen lieber in Ruhe selbst erforschen wollten, schickten wir sie weg.

Nachdem wir die 100 USD Eintritt bezahlt hatten, reihten wir uns in den Pilgerstrom ein. Vom Haupteingang erreicht man zunächst Bete Medhane Alem (Welterlöser-Kirche), die als die größte monolithische Kirche der Welt gilt. Wie einige andere Kirchen auch, wurde sie mit Unterstützung der UNESCO überdacht. Auch wenn es gegen Verwitterung hilft, schön sieht es nicht aus.



Die elf Felsenkirchen sind in eine Nord- und eine Ostgruppe unterteilt. Etwas abseits im Westen liegt die für mich faszinierendste Kirche, die kreuzförmige Bete Gyorgis.

Die einzelnen Gebäude befinden sich in einem weitläufigen Gelände, verbunden durch steinige Wege, teils schmalen Durchgängen, dunklen Verbindungstunnels, steilen Treppen. Wenn man sich nicht auskennt, kann dieses Labyrinth aus Licht und Schatten gelegentlich etwas verwirrend erscheinen. Aber es ist nicht wirklich schwer, sich ohne Guide zu orientieren. Man folgt einfach den Pilgerströmen oder den kleinen Reisegruppen.

Vor den Eingängen zu den Gebäuden türmten sich Berge von Schuhen, Sandalen und Schlappen. Innen umfängt einen erst einmal Halbdunkel und penetranter Schweißfuß-Geruch. Manchmal sickerte etwas Tageslicht durch kleine Fenster, manchmal verbreiteten nackte Glühlampen schummriges Licht. Eng wurde es, wenn mit Selfiesticks bewaffnete Pilgergruppen in die engen Gebäude drängten, um sich dort, vor den Heiligenbildern zu fotografieren.


Bete Medhane Alem


Bete Medhane Alem


Pilger - Bete Medhane Alem




Bete Aba Libanos




Im Inneren herrscht reges Gedränge


Selfie mit Jesus 😉










Schuhwächter














Manchmal muss man dunkle Gänge und steile Aufstiege bewältigen um in die nächste Kirche zu kommen.







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zuletzt bearbeitet 10. Aug. 2018
Themenstarter275 Beiträge · seit 201404. Mai 2018 · #40
Bete Gyorgis

Am beeindruckendsten war für mich Bete Gyorgis. Wir besuchten sie gleich zweimal, einmal am ersten Tag unserer Besichtigung und dann noch einmal am nächsten Morgen, kurz nach Sonnenaufgang.

Die Kirche liegt etwas westlich der beiden anderen Gruppen, d.h. man muss ein Stückchen laufen um hinzukommen. Zusammen mit hunderten äthiopisch-orthodoxe Christen pilgerten wir eine staubige Straße hinunter zu einem der größten Heiligtümer Lalibelas.

Bete Gyorgis hat die Form eines (dreifach verschachtelten) griechischen Kreuzes, das senkrecht in den Felsen gemeißelt wurde. Die Oberseite ist ebenerdig, der Eingang liegt ca. 11m unterhalb der Oberfläche.

Der Besuch von Bete Gyorgis war ein echtes „Wow“-Erlebnis. Als ich am Rand der Felsenkante stand und auf dieses geniale Bauwerk blickte, war mein erster Gedanke: ‚Unglaublich, so etwas habe ich noch nie gesehen‘.

Wir umrundeten erstmal das Gebäude von oben. Die Felswände fallen fast senkrecht herab. Wenn man nicht schwindelfrei ist, hält man besser etwas Abstand zur Kante, oder kriecht auf allen Vieren bis zum Rand. Tief unten sahen wir Pilger und Priester umherwuseln. Etwas abseits, konzentriert in heiligen Schriften lesende Gläubige, die in der morgendlichen Sonne saßen.

Es fand gerade eine Messe, oder Zeremonie statt, Würdenträger in festlicher Kleidung stolzierten über den Vorplatz der Kirche und verschwanden im Inneren.


Bete Gyorgis








Der Eingang








In den ruhigeren Zonen, um die Kirche herum, beten und meditieren Gläubige.










Im Inneren von Bete Gyorgis






Zum Schluss noch ein Gruppenfoto 😉
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zuletzt bearbeitet 10. Aug. 2018