Reisebericht

Bilder einer Äthiopienreise

von Gu-ko · begonnen 14. März 2018 · 20 Teile

Teil 114. März 2018

Bilder einer Äthiopienreise
Ein Reiseberichte hauptsächlich in Bilder

Von September bis Mitte Oktober 2017 reisten meine Frau und ich für knapp sechs Wochen durch Äthiopien und Kenia. Schwerpunkt der Reise war Äthiopien (4 Wochen). Nach Kenia wollten wir diesmal nur, um, neben einem kurzen Familienbesuch, ein noch paar Tage nahe Mombasa an den Stränden des indischen Ozeans abzuhängen.

Äthiopien, wenn auch keine klassische Touristendestination, bietet landschaftlich sowie kulturell einige Highlights, die in Afrika und vielleicht weltweit einmalig sind. Das Land gehört zu den ältesten Zivilisationen der Welt, vergangenen Dynastien haben zahlreiche historische Stätten mit Kirchen, Schlössern, Burgen und Palästen hinterlassen.


Felsenkirche in Lalibela


Danakil Depression - Dallol

Absolut faszinierend ist die Danakil Depression, eine abgeschiedene und unwirtliche Salzwüste in der Afar-Region im Nordosten des Landes in Grenznähe zu Eritrea mit ihren Salzseen, vulkanischen Aktivitäten und den Salz-Karawanen der Afar.

In den letzten Jahren muss sich das herumgesprochen haben. Vor allem an den kulturellen ‚Must-Sees“ wie Gonder und Lalibela, begegneten wir internationalen Reisegruppen, aber auch reichlich Individualreisenden, Backpacker, Flashpacker und wie sie sich alle nennen. Auffallend viele kamen aus Israel, aber auch aus China, Europa und den USA.


1st Level Bus

Es gibt aber auch Aspekte unserer Reise, die zwiespältige Gefühle hinterlassen haben. Das hat mit der Mentalität vieler Äthiopier zu tun, denen wir täglich begegneten.

Wir sind in den letzten 10 Jahren durch etliche Länder Ostafrikas gereist. Immer selbst organisiert, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ohne strikte Planung des Reiseverlaufes. Bei dieser Art zu reisen ist man oft auf die Hilfe unbekannter Menschen angewiesen, Taxifahrer, Passanten auf der Straße oder Herumlungerer in Busbahnhöfen. Dabei begegneten uns die Menschen fast immer freundlich, respektvoll und hilfsbereit. Ganz selten gab es mal den Versuch zu betrügen, oder unsere Unwissenheit als Fremde auszunutzen, oder sonstige Unfreundlichkeiten. Auch offene oder gar aggressive Bettelei hielt sich in engen Grenzen.

Anders in Äthiopiern. Betteln und Betrügen ist hier Volkssport. Aber es ist nicht das Betteln an und für sich, was nervt, es ist die penetrante, manchmal aggressive Haltung, die viele Äthiopier gegenüber Ausländern an den Tag legen:

„You are rich - „give me money, give me, give me …“

Braucht man eine Auskunft, oder fragt auf dem Busbahnhof nach einem Bus, hat man plötzlich einen selbsternannten ‚Guide‘ am Hals, der einem penetrant mit Geldforderungen verfolgt. Das erste was wir lernen mussten, war vor jeder Busfahrt den Fahrpreis auszufeilschen. Trotzdem versuchte die Bus-Crew später über erfundene Ferenji-Gebühren nachzukassieren. Unangenehm empfand ich auch, dass die anderen Fahrgäste diese Betrügereien schweigend verfolgten, manche breit grinsend, als würden sie das Schauspiel genießen. Diese Vorkommnisse führten immer wieder zu unangenehmen Situationen und das waren leider keine Einzelfälle.

Selbst kleinste Kinder laufen „You china(*), give me sweets, give me money“ schreiend dem Ferenji hinterher. Und wenn es nichts gibt, fliegen schon mal Steine.

(*) Durch die starke Präsenz Chinas werden hellhäutige Ausländer gelegentlich als "China" betitelt 😉

Natürlich waren nicht alle Äthiopier von der unangenehmen Sorte. Vor allem diejenigen, die im Tourismus arbeiten, Reiseveranstalter, Hotelangestellte, Fahrer, etc. erlebten wir als äußerst hilfsbereite und freundliche Menschen. Ich vermute, wenn man in einer Reisegruppe unterwegs ist, wird man mit dem Straßen-Pöbel wenig konfrontiert. Als Individualreisender muss man alles selber organisieren und man ist auf die Hilfe fremder Menschen angewiesen. Da zeigen sich die Unterschiede.

Insgesamt würde ich meine subjektiven zwischenmenschlichen Erfahrungen wie folgt zusammenfassen: In allen anderen Ländern Ostafrikas waren die Menschen, denen wir auf der Straße begegneten, freundlicher, hilfsbereiter und angenehmer als in Äthiopien.

Reiseverlauf


Unsere Tour führte uns von Addis Ababa zu den Klöstern am Lake Tana, zu den Tisissat-Wasserfällen des Blauen Nils, weiter zu den Burgen von Gonder, den Simen-Mountains, zu den Felsenkirchen von Lalibela, nach Mekele und von dort im Geländewagen durch die Danakil Depression, einer extrem heißen und trockenen Salzwüste. Wir besuchten die Salzkarawanen der Afar, die Schwefelfelder der Dallol-Senke und stiegen auf den aktiven Erta Ale Vulkan.

Dann zurück über Addis in den Süden. Unseren ursprünglichen Plan, über Land (bei Moyale) nach Kenia weiterzureisen, mussten wir ca. 300 km vor der kenianischen Grenze aufgeben. In Konso (Südäthiopien) erfuhren wir, dass Aufgrund von Stammeskonflikten im Grenzgebiet alle Straßen ab Yabelo Richtung Grenzübergang Moyale gesperrt und sämtlicher Busverkehr eingestellt worden war. Uns blieb nichts Anderes übrig, als nach Addis zurückzufahren und von dort nach Nairobi zu fliegen.
Teil 216. März 2018

Addis Abeba – Meskel Square

Addis Abeba

Die meisten Äthiopienreisen dürften in Addis beginnen. Durch die Höhenlage (2000m) ist das Klima angenehm für Europäer. Tagsüber warm, nachts eher kühl. Zumindest war das im September so. Wir verbrachten drei Tage in der Stadt. Eigentlich wollten wir schon am zweiten Tag Richtung Bahir Dar weiterfahren, aber es gab so kurzfristig keine Bustickets mehr in den Langstreckenbussen.

Addis wirkte auf mich zunächst ausgedehnt und unübersichtlich. Unser Hotel (North Addis Hotel) lag etwas außerhalb des Zentrums und so mussten wir oft längere Strecken zurücklegen um unsere Ziele in der Stadt zu erreichen. Mit den blauweißen Taxis kommt man relativ preiswert in der Stadt herum. Man könnte für ein Zehntel des Taxipreises auch einen der zerbeulten Toyota Minibussen nehmen, aber wir zogen die die bequemere Variante vor.

Unsere Fahrten entlang staubiger Straßen führten durch Stadtviertel mit gesichtslosen Häusern und heruntergekommenen Fassaden. Dazwischen immer wieder ausgedehnte Brachflächen, auf denen sich, umgeben von Gestrüpp und Schutt, ärmliche Häuser und Bauruinen drängten.

Weite Teile der Stadt wirken wie eine einzige riesige Dauerbaustelle. Auch in Zentrumsnähe, also der Gegend um den Meskel Square, wird fleißig gebaut. Inmitten von Schlammfeldern stehen halbfertige Prestigeobjekte, Hochhäuser, Einkaufszentren, Wohnblocks. Drumherum einfache Häuser mit rostigen Wellblechdächern. Finanziert und gemanaged wird dieser Bauboom von China.

Das Zentrum um den Meskel-Square wirkt modern und weitläufig. Hier befinden sich Banken, Büros der Fluglinien und die besseren Busgesellschaften. Von dem großen Parkplatz fahren frühmorgens die modernen Überlandbusse der Ethio-Buslinie ab.

Auch wenn Addis Abeba wörtlich übersetzt "neue Blume" heißt, viel Schönheit konnte ich nicht erkennen.


Addis – Meskel Square – Hinten die grünen Ethio-Busse


Addis – Meskel Square – Rechts die Trasse der neuen Stadtbahn


Addis - Zentrum


Addis – Street


Addis – Meskel Square

In den zentralen Geschäftsstraßen sollte man vorsichtig unterwegs sein. Es treiben sich Taschendiebe herum. Oft sind es Kinder oder Jugendliche, die in kleinen Gruppen unterwegs sind. Als Tourist ist man natürlich eine begehrte Beute. Gleich bei unserem ersten Stadtrundgang wurden wir von einer Gruppe Jugendlicher belästigt, die uns immer wieder von verschiedenen Seiten bedrängten. Letztendlich konnten wir sie ohne Schaden loswerden, angenehm war die Begegnung trotzdem nicht. Dass das kein Einzelfall war, bestätigten uns später andere Reisende, die ähnliche Erlebnisse auf den Straßen von Addis hatten.


Addis


Addis


Addis - Die äthiopische Jahreszählung läuft der unseren 7 Jahre und 8 Monate hinterher


Addis - Street

Da die Stadt nicht allzu viel zu bieten hatte, und wir einen Wartetag rumbringen mussten, besuchten wir einige Museen und Kirchen. Darunter auch das Nationalmuseum, wo man zwischen allerlei mehr oder weniger interessanten Exponaten, auch eine originalgetreue Replik von Lucys Gebeinen bewundern kann. Auch das sog. ‚Lucy Baby‘, ein 3,3 Millionen Jahre altes Kinderskelett, wird ausgestellt. Diese vormenschlichen Skelette (Australopithecus Afarensis) wurden in der Wüstenregion Afar im Nordosten Äthiopiens gefunden. Da wollen wir noch hin. 🙂


Selam - Lucy's baby

Hat man noch nicht genug Gebeine gesehen, bietet sich ein Besuch des Red Terror Memorial Museum an, wo, neben diversen Folterinstrumenten und Fotografien, die originalen Schädel und Knochen der Terroropfer des marxistischen Derg-Regimes (ca. 1974) in Schaukästen ausgestellt sind.


Addis – Red Terror Martyrs Memorial Museum


Addis – Red Terror Martyrs Memorial Museum


Addis – Red Terror Martyrs Memorial Museum

Die St.-Georgs-Kathedrale ist ein äthiopisch-orthodoxes Kirchengebäude in traditioneller achteckiger Form. Leider waren Kirche und das angeschlossene Museum geschlossen, als wir sie besuchten.


Addis – Saint George's Cathedral


Addis – Saint George's Cathedral

to be continued... 🙂
Teil 318. März 2018
Addis Abeba - Bahir Dar (Lake Tana)



Unser erstes Ziel war Bahir Dar am südlichen Ufer des Tanasees. Bahir Dar, die drittgrößte Stadt des Landes, ist für ihre christlich-orthodoxen Klöster bekannt und gehört zu den touristischen Zielen des nördlichen Äthiopiens. Nur 30 km südlich von Bahir Dar befinden sich zudem die Tisissat-Wasserfälle des blauen Nil.

Von Addis Abeba fahren täglich Direktbusse nach Bahir Dar. Ist man in Afrika mit Bussen unterwegs, muss man oft gnadenlos früh aufstehen. Zumindest Langstreckenbusse fahren gerne um 5 Uhr morgens ab, d.h. ab 4.30 Uhr ist Boarding.

So auch der Ethio-Bus. Diese Buslinie gilt als eine der besseren Busgesellschaften Äthiopiens. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist die Abfahrt im Stadtzentrum (Meskel Square). Das ersparte uns frühmorgens auf dubiosen Busbahnhöfen in dubiosen Stadtrandbezirken herumirren zu müssen.

Die Strecke ist 560 km lang und die Fahrt dauert neuneinhalb Stunden. Im Bus kann man zwar entspannt die wunderschöne Landschaft betrachten, aber einfach mal anhalten und fotografieren, geht nicht. Trotzdem versuchte ich aus dem fahrenden Bus heraus, ein paar Fotos zu schießen. Verschmutzte Fensterscheiben sowie Geschwindigkeit und Erschütterungen des Buses machen es nicht leicht, brauchbare Bilder zu bekommen.

Die Straße windet sich durch eine grüne, bergige Landschaft. Dünne Wasserfälle stürzen über schroffe Felswände. Wir überqueren den blauen Nil, der eindeutig braun ist. Wiesen und Strassenränder leuchten gelb von den Blüten der Meskel Blumen.


Der Blaue Nil ist braun


Meskel Blumen vergolden die Landschaft


Unterwegs


Unterwegs


Unterwegs


Kaffeepause


Kurz vor Bahir Dar



Bahir Dar – Tanasee



Der Tanasee ist Afrikas höchstgelegener (1.786m ü. d. Meeresspiegel) und Äthiopiens größter See. Er ist ca. 70 km lang und bis zu 65 km breit und hat eine Fläche von über als 3.000 km².

Bahir Dar, die Stadt am Tanasee, wird in Reiseführern und Reiseberichten gerne als die schönste Stadt Äthiopiens beschrieben, oder sogar als "äthiopische Riviera" beschwärmt. Soviel Lob weckt natürlich Erwartungen.

Als wir aus dem Bus stiegen fanden wir uns in einer lebendigen, quirligen Stadt wieder. Die Straßen mit knatternden Tuk-Tuks vollgestopft, Menschen strömten unablässig durch die von Restaurants, kleinen Läden und Cafes gesäumten Hauptstrassen.

Es gab jede Menge Hotels in allen Preislagen. In kleinen Saftläden bekam man leckere Fruchtäfte aus Papaya, Avocado, Mango, Banane etc. Die Früchte wurden im Mixer pürriert und als Fruchtmus im Glas serviert. Lecker, lecker, lecker…

Und tatsächlich gab es ein paar palmenbestandene Straßenabschnitte und Grünflächen am Seeufer, die man mit viel Wohlwollen als Alleen bezeichnen könnte. Unter den staubigen Palmen dieser ‚Alleen‘ saßen viele, teils aggressiv auftretende Bettler, was den Spaß am flanieren nicht gerade erhöhte. Wenn wir kein Geld gaben riefen sie Schimpfworte hinter uns her, die wir zwar nicht wörtlich verstanden da auf Amharisch, den Tonfall jedoch schon.

Nervig waren die vielen Schlepper und Guides, die vor allem in Hafennähe herumlungerten, uns alle paar Meter anquatschten, um ihre teils abstrus überteuerten Bootsfahrten oder Ausflüge zu verkaufen.

Injera

Jeder Reisende wird in Äthiopien mit Injera konfrontiert. In praktisch allen Reataurants steht Injera auf der Speisekarte und, oftmals nichts anderes. Injera ist das äthiopische Nationalgericht schlechthin. Äthiopier essen Injera überall und ständig, mindestens drei Mal am Tag, am liebsten schon als Frühstück.

Da es in Bahir Dar reichlich Restaurants gab, suchten wir uns ein Restaurant aus, das den Eindruck machte, als könnten sie kochen. Wir bestellten Injera mit Gemüse und Fleisch. Die Köchin fragte uns, ob wir das Fleisch roh oder gekocht haben wollten, wir haben uns dann für die gekochte Variante entschieden… 😉

Grundlage dieses Gerichtes ist ein säuerlicher, schwammartiger Teig in Form eines Fladens, manchmal auch zusammengerollt. Dazu gibt es je nach Wunsch verschiedene Gemüse-Curries, Soßen und Fleisch. Gegessen wird mit der Hand. Man reißt ein Stück vom Injera ab, nimmt damit die Curries auf und steckt sich das Ganze in den Mund. Was mit einem Chapati ganz gut funktioniert, ist mit Injera nicht so einfach. Da der Teig sehr weich ist, saugt er sich schnell mit Flüssigkeit voll und fällt dann auseinander.

Das Injera mit dem säuerlichen Geschmack und der wabbligen Konsistenz war für mich keine Liebe auf den ersten Biss. Ich würde nicht sagen, dass das Ganze schlecht schmeckte, aber sicherlich gewöhnungsbedürftig. Ich habe auf unserer Reise noch öfters Injera gegessen, aber so richtig konnte ich mich mit dem Sauerteig nie anfreunden.

Teil 414. Apr. 2018


Zu den Klöstern vom Tana See

Die Inseln des Tana Sees sind für ihre Klöster und Kirchen berühmt. Diese stammen teilweise aus dem 14. Jahrhundert und werden noch heute von Mönchen bewohnt. Manche dürfen besucht werden, manche nur von Männern, manche gar nicht.

Üblicherweise macht man eine Bootstour zu den Inseln und/oder zu den am Seeufer liegenden Klöstern. Die auf der Halbinsel Zeghe liegenden Klöster kann man auch mit dem lokalen Bus erreichen, der mehrmals am Tag die Strecke fährt. Das kann jedoch ein langwieriges Unternehmen werden, da der Bus erst fährt, wenn er voll ist.

Wir entschieden uns für das Boot. Am nächsten Vormittag schaukelten wir im Schritttempo durch das milchig-braune Gewässer. Mit uns im Boot ein zufällig zusammengefügtes Grüppchen Klosterinteressierter. Darunter mehrere Israelis, ein Inder, zwei Äthiopier, eine Kenianerin und ein Deutscher.

Manchmal sahen wir Wasservögel, Pelikane oder ähnliches. Es soll auch Hypos geben, gesehen haben wir keine. Interessant sind die Papyrusboote, die von Bauweise und Aussehen denen ähneln, die ich am Titicacasee in Peru gesehen habe.


Tanasee


Papyrusboot am Tanasee

Entos Eyesu Monastery

Wir steuerten auf eines der Eilande zu, die wie kleine, grüne Hügel aus dem Wasser ragten. Unser erstes Kloster, Entos Eyesu Monastery, lag auf einer lauschigen Insel, etwa eine halbe Bootsstunde von Bahir Dar entfernt.


Tana See – Klosterinsel Entos Eyesu Monastery

Vom Bootsanleger stiegen wir einen schmalen Pfad zu einem unscheinbaren Gebäude empor. Auf halbem Wege wurden wir in ein Steinhäuschen gebeten. Dort erklärte uns eine Frau in Nonnentracht einiges auf Amharisch. Wir rätseln noch heute, was sie uns sagen wollte.

Vor dem Betreten des eigentlichen Heiligtums muss man, wie bei Heiligtümern üblich, die Schuhe ausziehen. Ein Kloster-Guide mit Zeigestock erklärte uns die Bedeutung der Wandmalereien. Diesmal auf Englisch, aber mit so viel amharischem Dialekt, dass ich es bald aufgab, seinen Worten zu folgen.

Die Gemälde zeigten Szenen aus der christlichen Mythologie, Jesus, Apostel, Heilige und viele blutige Szenen. Die leuchtend bunten Farben sahen so frisch aus, als wären sie gerade gemalt. Auch wenn die bunten Bilder durchaus betrachtenswert waren, war ich etwas enttäuscht, hier war nichts älter als ein paar Jahre.


Die Bilder des Entos Eyesu Monastery sind knallig-bunt


Entos Eyesu Monastery


Entos Eyesu Monastery

Halbinsel Zeghe - Kloster Azwa Mariam
Sehenswerter war das zweite Kloster, das wir besuchten, Azewa Mariam. Das Hauptgebäude, ein grasbedecktes Rundhaus, wirkte außen schlicht, beeindruckte aber im Inneren mit uralten Malereien, die zum großen Teil aus dem 14. Jahrhundert stammten.

Ein überdachter Rundgang umschloss das Kircheninnere. Nur wenig Licht drang in dünnen Streifen durch eine Bambuswand ins Innerste. Mit seinen im Halbdunkel verborgenen, Jahrhunderte alten Malereien, ein beeindruckender, mystischer Ort.


Azwa Mariam


Azwa Mariam


Rundgang um das Kircheninnere




Ein Guide erklärt den Besuchern die Geschichte der Kirche und der Malereien














Am Bootanlegeplatz vertreiben sich die Kids die Zeit auf ihre Weise.
Teil 514. Apr. 2018
Zu den Tisissat-Wasserfällen des Blauen Nil (Blue Nile Falls)

Um zu den Wasserfällen zu gelangen, muss man etwa 30km schlechte bis sehr schlechte Straße zurücklegen. Vor allem wenn es geregnet hat, sind weite Teile der Piste verschlammt und mit normalen PKWs nur schwer zu passieren.

Zu den Wasserfällen, bzw. zum nahegelegenen Dorf Tis Issat fährt ein lokaler Bus. Das ist, vor allem in der Regenzeit, eine zeitaufwändige Tour und da wir die Wasserfälle noch am selben Tag besuchen wollten, buchten wir die Tour in einem privaten Minibus.


Lokal Bus zum Dorf Tis Issat

Auch in privaten Minibussen ist man nicht vor allen Widrigkeiten geschützt. Wenige Kilometer hinter Bahir Dar gab das Fahrzeug den Geist auf.

Der Fahrer forderte per Handy ein Ersatzfahrzeug an:

"New car is coming in ten minutes from Bahir Dar"

Wir setzten uns auf ein Mäuerchen am Straßenrand und schauten zu, was so an uns vorbeizog. Ein Bus, ein Tuktuk, noch ein Tuktuk, ein Maultierkarren, etwas Undefinierbares, wieder ein Tuktuk, mit Bündeln beladene Frauen, mit Stöcken bewaffnete Männer, eine Gruppe kichernde Kinder ...













Nach einer halben Stunde sagte unser Fahrer zum dritten Mal:

"New car is coming in ten minutes from Bahir Dar"

Ich fand es eigentlich ganz interessant an dieser staubigen Straße zu sitzen, aber die Sonne stand bedenklich tief und die Zeit zum Besuch der Wasserfälle wurde immer knapper.

Eine Stunde und mehreren "New car is coming in ten minutes from Bahir Dar" später kam das Ersatzfahrzeug. Die Straße wurde zunehmend schlechter, tiefe Fahrrillen und verschlammte Abschnitte forderten die Fahrkünste des Drivers. Wir kamen nur langsam voran und als wir schließlich ankamen, war es schon kurz vor dunkel.

Vom Dorfes aus mussten wir noch einen Fluss per Boot überqueren und etwa eine halbe Stunde zu den Fällen laufen. Eine Schar Kinder und Jugendliche begleiteten uns auf dem Weg, manche wollten etwas verkaufen, andere wollten uns über schlüpfrige Stellen helfen.

Als wir endlich die Wasserfälle erreichten, zuckten erste Blitze über den abendlichen Wolkenhimmel. Wir hatten Glück, die Blue Nile Falls zeigten sich von ihrer besten Seite, tosende Wassermassen stürzten eindrucksvoll in dunstige Täler.







Auf dem Rückweg fing es kräftig zu regnen an und im Nu verwandelten sich alle Wege in knöcheltiefe Schlammpfade. Blitze zuckten gespenstisch um uns herum, als wir in der Dunkelheit zurückstolperten. Total durchnässt und schlammbespritzt erreichten wir das Dorf und unser Fahrzeug. Die Dorfjugend hatte sich längst verzogen.
Teil 629. Apr. 2018


Gonder
"Gonder (amharisch ጎንደር gondär, auch Gondar) ist eine Stadt in Äthiopien in der Region Amhara. Sie hat etwa 342.000 Einwohner (Schätzung 2016). Die Region ist gebirgig, die Stadt liegt auf 2133 m Höhe. In den Bergen nördlich von ihr entspringt ein Fluss, der lange als die Quelle des Blauen Nils betrachtet wurde.
Von 1636 bis 1855 war Gonder die äthiopische Hauptstadt. Von Kaiser Fasilides gegründet, war Gonder die erste permanente Hauptstadt seit den antiken Zeiten von Aksum und Lalibela.
In Gonder finden sich Schlösser und zahlreiche Kirchen. Trotz des Bombardements der Briten im Befreiungskampf von 1941 blieben die meisten Bauten von Gonder gut erhalten.
Gonder verfügt über eine Universität und einen Flughafen."

Quelle: Wikipedia


Gonder

Gonder

Neben Axum und Lalibela ist Gondar das bedeutendste religiöse Zentrum des Landes und gehört zu den Orten, die man auf einer Äthiopienreise nicht auslassen darf.

Von Bahir Dar am Lake Tana nach Gonder führt eine gut ausgebaute Straße. Wir legten die vierstündige Strecke in einem Minibus recht komfortabel zurück. Ein bisschen nervig war nur, dass der Minibus gute zwei Stunden in Bahir Dar herumkurvte um Fahrgäste aufzusammeln, bis endlich der letzte Platz voll war. Aber wir sind in Afrika und da ist das normal.

Das Busbahnhofsviertel in Gondar wirkt ziemlich chaotisch, als wir dort ausstiegen. Sofort wurden wir von einer Gruppe Jugendlicher und junger Männer umlagert, die von allen Seiten Taxis, Hotels oder Dienstleistungen als Gepäckträger oder Guides anboten. In typisch äthiopischer Weise umlagerten sie uns penetrant und als wir ablehnten und Richtung Hauptstraße gingen, versuchte einer der Jungs den Reisverschluss am Rucksack meiner Frau zu öffnen. Ähnliches ist uns schon in Bahir Dar passiert, wo aggressive Bettler versuchten sich an unseren Rucksäcken zu vergreifen.

Wir schnappten uns ein Tuk-Tuk und ließen uns durch die quirligen Strassen zum L-Shape Hotel bringen. Das ist ein recht nettes Budget-Hotel, wir bekamen ein Zimmer mit Balkon für 230 Birr.

Die Hauptattraktion Gondars sind die zahlreichen mittelalterliche Burgen und Schlösser, die so zwischen 1600-1800 von den jeweils regierenden Kaisern errichtet wurden. Darüber hinaus gibt es noch Kirchen, Klöster und andere Heiligtümer.
Der Palastbezirk Fasil Ghebbi befindet sich in der Stadtmitte Gondars und ist somit leicht zu erreichen. Vom L-Shape Hotel aus könnte man hinlaufen, wir nehmen jedoch eins der allgegenwärtigen Tuk-Tuk’s.

Die burgartig gebauten Schlösser sind tatsächlich erstaunlich. Portugiesische, indische, arabische sowie äthiopische Baustile vermischen sich in den Gebäuden auf dem etwa 7.000 m² umfassenden Komplex.

Mein erster Gedanke war: Etwas Vergleichbares habe ich in Afrika noch nie gesehen!


Palastbezirk Fasil Ghebbi























Das Kloster Debre Berhan Selassie
(Kloster der Dreieinigkeit auf dem Berge des Lichts)

Das Kloster wurde von Kaiser Iyasu um 1694 gegründet. Es ist bekannt für seine Wandmalereien, die zu den schönsten Äthiopiens gehören sollen.

Mit einem Tuk-Tuk kommt man schnell vom Stadtzentrum zum Kloster. Auch wenn man für Kirchen und Klöster nicht so viel übrig hat, lohnt sich ein Besuch. Der Raum mit den Wandmalereien ist ist dunkel, lediglich durch die halbgeöffneten Türen dringt etwas Tageslicht ins Innere.


Kloster Debre Berhan Selassie






Über hundert geflügelte Engelsköpfe beobachten den Besucher von oben



Teil 729. Apr. 2018
Simien Mountains National Park

Irgendwann hat man genug Klöster, Kirchen und Schlösser gesehen, genug von quirligen Städten, hupenden Autos und knatternden Tuk-Tuks. Wir beschlossen spontan einen Tag in den Simien Mountains zu verbringen.

Von Gonder aus werden überall Tages- und Mehrtagestouren in den Nationalpark angeboten. Da wir am übernächsten Tag weiter Richtug Lalibela fliegen wollten, und das Flugticket schon gekauft hatten, buchten wir bei einem lokalen Reiseveranstalter lediglich eine eintägige Tour.


Auf dem Weg in die Simien Mountains

Von Gonder bis zum Parkeingang fährt man etwa zweieinhalb Stunden. Wir starteten um 8 Uhr, da es einige Verzögerungen gab, errichten wir den National Park erst gegen Mittag. Unser Grüppchen bestand aus fünf Personen, darunter ein Guide und ein bewaffneter Begleiter, der für unsere Sicherheit sorgen sollte.

Den ganzen Morgen war wunderschönes Wetter, kein Wölkchen am Himmel, aber genau zu dem Zeitpunkt, als wir unsere Wanderung im Park begannen, zog dichter Nebel auf.


Am Parkeingang war noch herrliches Wetter…


…kurz darauf nur noch Nebel.




An den Aussichtspunkten soll man eine phantastische Fernsicht haben, sagte unser Guide… 😉


Immer gut bewacht... 😉







Dann haben wir doch noch Glück. Plötzlich taucht eine Herde Dscheladas (Blutbrustpaviane) aus dem Nebel auf. Männchen, Weibchen und viele Jungtiere.

Diese Tiere gibt es nur in Äthiopien in den Simien Mountains. Sie sind friedlich und uns gegenüber nicht scheu. Sie verbringen ihre Zeit hauptsächlich mit grasen. Die Männchen haben eindrucksvolle Mähnen, die Weibchen sind unscheinbarer.

Wir mischen uns vorsichtig unter die Herde, ohne die Tiere zu stören. Die beachten uns kaum, lediglich wenn wir einem Tier zu nahe kommen, dreht es sich um und zeigt uns seinen Rücken.



„Der Dschelada oder Blutbrustpavian (Theropithecus gelada) ist eine sehr seltene Primatenart aus der Unterfamilie der Backentaschenaffen in der Familie der Meerkatzenverwandten. Er ist eng mit den Pavianen verwandt.
Das auffälligste Merkmal der Dscheladas ist ein roter, haarloser Fleck auf der Brust. Dieser ist bei Männchen sanduhrförmig und in der Brunftzeit leuchtend rot, bei Weibchen bildet sich dort während des Östrus eine Reihe roter Warzen.
Dscheladas bewohnen ausschließlich das Hochland von Äthiopien. Ihr Lebensraum sind gebirgige Grasflächen in einer Höhe von 2200 bis über 4400 Metern Seehöhe.“
Quelle: Wikipedia



Eine Herde Dscheladas kreuzt unsere Wege



















Als wir den Simien-National Park am späten Nachmittag verlassen, hat sich der Nebel teilweise verzogen und wir bekommen noch einen kleinen Eindruck von der tollen Landschaft, die sich den ganzen Tag im Nebel versteckt hatte.


Simien Mountains

Teil 804. Mai 2018

In Gonder erinnert sogar der Flughafen an eine Burg… 😉

Gonder - Lalibela

Die Verbindungen mit Öffentlichen Verkehrsmitteln, von Gonder nach Lalibela, waren zu umständlich. Deshalb buchten wir kurzerhand einen Flug. Mit dem Bus hätten wir für die rund 350 km fast zwei Tage (mit Übernachtung in Gashena oder Weldya) unterwegs sein müssen, der Flug dauerte gerade mal 30 Minuten.

Äthiopische Inlandsflüge sind nicht teuer und bei den langen Strecken durchaus eine Alternative. Unser Flug kostete ca. 70 USD/Person. Wenn man mit Ethiopien Airlines nach Äthiopien gekommen ist, bekommt man sogar 50% Rabatt auf den regulären Preis.











Aus der Luft kann man sehr gut sehen, wie bergig und unwegsam dieser Teil Äthiopiens ist. Es ist noch nicht allzulange her, da dauerte so eine Reise mehrere Wochen.
Teil 904. Mai 2018
Lalibela



„Lalibela (amharisch ላሊበላ lalibäla) oder Neu-Jerusalem (früher Roha) ist eine heilige Stadt und Wallfahrtsort in Äthiopien. […] Der Ort liegt 2500 Meter hoch und hat 8484 Bewohner (Volkszählung 1994), die fast vollständig äthiopisch-orthodoxe Christen sind.
Lalibela ist weltweit bekannt für die elf monolithischen Kirchen, die – überwiegend mehrgeschossig – in rote Basaltlava gemeißelt sind. Die Kirchen entstanden beginnend mit der Regentschaft von Kaiser Gebra Maskal Lalibela, auch bekannt unter dem Namen Heiliger Lalibela (ein Mitglied der Zagwe-Dynastie) im 12./13. Jahrhundert.

Wahrscheinlich wurde insgesamt 100 Jahre an der Anlage gebaut. […] Seit 1978 zählen diese Kirchen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Lalibela hat eine lange christliche Tradition der äthiopisch-orthodoxen Kirche und ist ein Pilgerort für viele Christen.“
Quelle Wikipedia


Äthiopien hat einige Orte, die weltweit einmalig sind. Die Felsenkirchen von Lalilbela gehören zweifelsohne dazu.

Das Städtchen selbst ist eher unscheinbar und abgesehen von der grandiosen Landschaft die Lalibela umgibt, hätte es touristisch nicht allzuviel zu bieten. Wären da nicht die berühmten Felsenkirchen…

Als wir Lalibela besuchten, waren Stadt und vor allem die heilige Stätten voller weißgekleideter Pilger, die aus allen Landesteilen herbeiströmten.


Pilger kommen aus allen Landesteilen nach Lalibela



Die Felsenkirchen

Der Eintritt zu den Felsenkirchen ist mit 50 USD pro Person recht saftig. Dafür darf man das Gelände zwar fünf Tage hintereinander besuchen, in der Regel reichen aber zwei Tage gut aus, alles zu besichtigen.

Im Bereich des Ticketoffice lungerten mehr oder weniger aufdringliche Guides herum, die uns sofort belagerten. Da wir von äthiopischen Guides ein wenig die Nase voll hatten, und die Kirchen lieber in Ruhe selbst erforschen wollten, schickten wir sie weg.

Nachdem wir die 100 USD Eintritt bezahlt hatten, reihten wir uns in den Pilgerstrom ein. Vom Haupteingang erreicht man zunächst Bete Medhane Alem (Welterlöser-Kirche), die als die größte monolithische Kirche der Welt gilt. Wie einige andere Kirchen auch, wurde sie mit Unterstützung der UNESCO überdacht. Auch wenn es gegen Verwitterung hilft, schön sieht es nicht aus.



Die elf Felsenkirchen sind in eine Nord- und eine Ostgruppe unterteilt. Etwas abseits im Westen liegt die für mich faszinierendste Kirche, die kreuzförmige Bete Gyorgis.

Die einzelnen Gebäude befinden sich in einem weitläufigen Gelände, verbunden durch steinige Wege, teils schmalen Durchgängen, dunklen Verbindungstunnels, steilen Treppen. Wenn man sich nicht auskennt, kann dieses Labyrinth aus Licht und Schatten gelegentlich etwas verwirrend erscheinen. Aber es ist nicht wirklich schwer, sich ohne Guide zu orientieren. Man folgt einfach den Pilgerströmen oder den kleinen Reisegruppen.

Vor den Eingängen zu den Gebäuden türmten sich Berge von Schuhen, Sandalen und Schlappen. Innen umfängt einen erst einmal Halbdunkel und penetranter Schweißfuß-Geruch. Manchmal sickerte etwas Tageslicht durch kleine Fenster, manchmal verbreiteten nackte Glühlampen schummriges Licht. Eng wurde es, wenn mit Selfiesticks bewaffnete Pilgergruppen in die engen Gebäude drängten, um sich dort, vor den Heiligenbildern zu fotografieren.


Bete Medhane Alem


Bete Medhane Alem


Pilger - Bete Medhane Alem




Bete Aba Libanos




Im Inneren herrscht reges Gedränge


Selfie mit Jesus 😉










Schuhwächter














Manchmal muss man dunkle Gänge und steile Aufstiege bewältigen um in die nächste Kirche zu kommen.







Teil 1004. Mai 2018
Bete Gyorgis

Am beeindruckendsten war für mich Bete Gyorgis. Wir besuchten sie gleich zweimal, einmal am ersten Tag unserer Besichtigung und dann noch einmal am nächsten Morgen, kurz nach Sonnenaufgang.

Die Kirche liegt etwas westlich der beiden anderen Gruppen, d.h. man muss ein Stückchen laufen um hinzukommen. Zusammen mit hunderten äthiopisch-orthodoxe Christen pilgerten wir eine staubige Straße hinunter zu einem der größten Heiligtümer Lalibelas.

Bete Gyorgis hat die Form eines (dreifach verschachtelten) griechischen Kreuzes, das senkrecht in den Felsen gemeißelt wurde. Die Oberseite ist ebenerdig, der Eingang liegt ca. 11m unterhalb der Oberfläche.

Der Besuch von Bete Gyorgis war ein echtes „Wow“-Erlebnis. Als ich am Rand der Felsenkante stand und auf dieses geniale Bauwerk blickte, war mein erster Gedanke: ‚Unglaublich, so etwas habe ich noch nie gesehen‘.

Wir umrundeten erstmal das Gebäude von oben. Die Felswände fallen fast senkrecht herab. Wenn man nicht schwindelfrei ist, hält man besser etwas Abstand zur Kante, oder kriecht auf allen Vieren bis zum Rand. Tief unten sahen wir Pilger und Priester umherwuseln. Etwas abseits, konzentriert in heiligen Schriften lesende Gläubige, die in der morgendlichen Sonne saßen.

Es fand gerade eine Messe, oder Zeremonie statt, Würdenträger in festlicher Kleidung stolzierten über den Vorplatz der Kirche und verschwanden im Inneren.


Bete Gyorgis








Der Eingang








In den ruhigeren Zonen, um die Kirche herum, beten und meditieren Gläubige.










Im Inneren von Bete Gyorgis






Zum Schluss noch ein Gruppenfoto 😉
Teil 1107. Mai 2018
Wenn man mal eine Pause von den kulturellen Strapazen 😉 braucht, ist das Restaurant Ben Abeba der ideale Ort in Lalibela. Es liegt etwas außerhalb auf einer windigen Anhöhe. Schon aus der Ferne erkennt man ein futuristisch wirkendes Gebäude mit mehreren Terrassen, die auf geschwungenen Wegen miteinander verbunden sind. Ein bisschen erinnerte mich das Gebäude an eine Raumstation.

Auch das Essen dort ist nicht schlecht, aber das Beste ist das grandiose 360° Panorama auf die umliegenden Berge. Ein wirklich cooler Ort!


Restaurant Ben Abeba


Panorama vom Restaurant Ben Abeba


Luftige Terrassen




Aussicht von der Sora Lodge
Teil 1207. Mai 2018
Lalibela - Mekele

Schon vor ein paar Tagen hatten wir per Email Kontakt mit ETT (Ethiopia Travel and Tours) aufgenommen. Dieser Tour Operator organisiert von Mekele aus mehrtägige Fahrten in die Danakil Depression. ETT bot uns einen kostenlosen Transfer von Lalibela nach Mekele an, wenn wir eine Tour bei ihnen buchen. Das nahmen wir natürlich gerne an.

Am nächsten Morgen holte uns ein Minibus von ETT vom Hotel ab. Es stiegen noch zwei weitere Deutsche zu, welche die gleiche Danakil-Tour machen wollten. Die nächsten fünf Tage bildeten wir quasi ein Team.

Die etwa sechsstündige Fahrt verlief ohne Probleme, meist auf guter Strasse.


Wieder unterwegs


Hier wird Injera gebacken


Unterwegs – Irgendwo zwischen Lalibela und Mekele


Bewaffnete Männer sind in Äthiopien keine Seltenheit.


Unterwegs – Irgendwo zwischen Lalibela und Mekele


Äthiopisches Haus – Irgendwo zwischen Lalibela und Mekele


Unterwegs – Irgendwo zwischen Lalibela und Mekele
Teil 1307. Mai 2018


Danakil Depression

Das Afar-Dreieck, auch Danakil-Senke oder Danakil Depression, ist eine etwa 175 000 Quadratkilometer große Tiefebene in Äthiopien, Eritrea und Dschibuti. Das Gebiet gilt als einer der menschenfeindlichsten Orte der Welt. Das liegt an der extremen Trockenheit und der ebenfalls extremen Hitze. Das Gebiet wird von den Afar besiedelt, die unter einfachsten Bedingungen leben und hauptsächlich vom Salzhandel leben.

Warum reist man also dort hin? Die meisten werden es aus einem, oder allen, der folgenden Gründe tun:

Besuch der Afar und deren Salzkarawanen. Die Afar bauen Salz in Blöcken ab, beladen ihre Kamele und ziehen in schier endlosen Karawanen Richtung Äthiopisches Hochland, um dort das Salz zu verkaufen.

Man hat die Chance, einen feuerspeienden Vulkan zu besteigen. Der Erta Ale ist einer der wenigen Vulkane weltweit, in dessen Caldera sich ein aktiver Lavasee befindet.

Eine absolut faszinierende Landschaft ist das Geothermalgebiet von Dallol mit seinen brodelnden Schwefelquellen und den Salz-Canyons.

Und natürlich die Faszination Wüste. Sich an einem der trockensten, heißesten und unwirtlichsten Orte der Erde zu befinden…
Genug Argumente für einen Besuch der Danakil Depression.

Lets Go 😎
Teil 1412. Mai 2018
Danakil



Unsere Danakil-Tour dauerte vier Tage und drei Nächte. Wir fuhren in einem Konvoi aus sechs bis acht Fahrzeugen, bewacht von dem obligatorischen bewaffneten Begleitschutz, bestehend aus Afar-Polizisten.

1. Tag
Nach dem Verlassen von Mekele (Mek’ele) durchquerten wir zunächst eine wilde, karge Berglandschaft. Die Straße war ausgezeichnet, die Luft angenehm kühl. Es gab kaum Verkehr und wir kamen nur an wenigen, kleinen Ansiedelungen vorbei. Dafür hatten wir immer wieder beeindruckende Ausblicke auf diese steinige, vegetationsarme Landschaft.



























Je tiefer wir kamen, umso mehr verschwand die karge Vegetation vor unseren Autofenstern, bis nur noch karges Gestein übrigblieb. Wir befanden uns in der Danakil-Senke, ca. 100 unter dem Meeresspiegel.
Teil 1512. Mai 2018
Und dann tauchen in der Ferne die ersten Salzkarawanen auf. Der Anblick der gemächlich dahinziehenden Tiere hatte etwas erhabenes, zeitloses. Wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Wir näherten uns dem Salzabbaugebiet der Afar.



















Bei extremen Temperaturen schlagen Arbeiter Salzplatten aus dem Boden, verladen sie auf Kamele und bringen die Platten auf einer langen Wanderung weit weg ins Äthiopische Hochland.

Später machten wir am Ufer eines flachen Salzsees halt. Es war später Nachmittag, die Sonne stand schon tief, als plötzlich weitere Salzkarawanen auftauchten. An der Spitze oft zwei oder drei Esel, dann der Karawanenführer und dahinter eine lange Reihe mit Salzplatten beladener Kamele. Die Abendsonne vergoldete die Danakli mit ihrem Licht, während eine Karawane nach der anderen an uns vorüberzog.

Fantastisch!














Salzsee

Wir übernachteten in einer kleinen Ansiedlung der Afar, unter freiem Himmel. Waschgelegenheit gab es keine, die Toilette war ein Steinfeld, etwas abseits der Hütten. Dafür gab es eine kleine Bar mit lauwarmem Bier. In dieser Region schon ein Luxus.



Teil 1614. Mai 2018
2. Tag
Dallol

Sonnenaufgang in Hamed Ela, Danakil Depression

Kurz nach Sonnenaufgang brachen wir Richtung Dallol auf. Um diese Zeit waren die Temperaturen noch angenehm, aber schon wenig später stieg das Thermometer wieder über 40°C, um die Mittagszeit waren es sogar 46°C. Unser Fahrzeug hatte zwar Aircondition, aber die schaffte es nicht, ein angenehmes Klima im Wageninneren zu erzeugen. So war es meistens die bessere Option, sich die heiße Wüstenluft durch die geöffneten Fenster um die Ohren wehen zu lassen. Allerdings gab es auch sehr staubige Streckenabschnitte und da mussten wir die Fenster schließen und mit der schwachen Klimaanlage leben.






Wüstenboden



Ich lasse mal Wikipedia erklären, was Dallol eigentlich ist:

„Dallol gilt als eines der außergewöhnlichsten Geothermalgebiete der Erde. Das Gebiet liegt in der Danakil-Depression im Nordosten Äthiopiens in Grenznähe zu Eritrea. In dieser schwer erreichbaren Gegend wurden die höchsten durchschnittlichen Jahrestemperaturen der Erde registriert.

Die letzte phreatische Explosion des Dallol fand 1926 statt und formte einen 30 m weiten Krater, seitdem beschränkt sich die Aktivität auf eine große Anzahl von heißen Salzwasserquellen. Das etwa 4 km² große Vulkangebiet erhebt sich ca. 30 m aus einer Salzebene, welche 120 m unter dem Meeresspiegel liegt.

Heißes Grundwasser löst beim Aufsteigen durch die 1000 m dicken Salz- und Anhydritschichten Mineralien auf, die an der Oberfläche wieder abgelagert werden. Dabei bilden sich verschiedenartigste Formen, welche an Korallenstöcke oder Hornitos erinnern. Die Ausfallprodukte erhalten durch Schwefel und verschiedene Kaliumsalze ihre charakteristischen Weiß-, Gelb- und Rotfärbungen.

Die Austrittstemperatur der Quellen beträgt ca. 70 °C, ein pH-Wert von unter 1 zeugt von extremem Säuregehalt. Die vulkanischen Gase lösen sich im Wasser, jedoch verdunstet das Wasser aufgrund der trockenen Luft und ihrer hohen Temperatur, zudem ist die Luft aufgrund der Gase selbst sauer.

An der Südwestflanke des Dallol erstrecken sich die sogenannten Salz-Canyons: durch Erosionsprozesse geformte, bis 40 m hohe Pfeiler. Das Magma liegt etwa 3000 bis 4000 Meter unter der Oberfläche.

Das Wort Dallol bedeutet in der Afar-Sprache Auflösung.“

Quelle: Wikipedia



Es gibt Orte, die scheinen, als wären sie nicht von dieser Welt, dieser gehört eindeutig dazu. So könnte es auf dem Mars oder einem anderen urzeitlichen Planeten aussehen.

Unser Weg zum Dallol führte über scharfkantiges Lavagestein. Die Luft war backofenartig aufgeheizt und voller übelriechender Schwefeldämpfe, die das Atmen erschwerten. Tatsächlich verspürten wir des Öfteren einen Hustenreiz und ein unangenehmes Brennen in Hals und Lungen.

Doch die Faszination die dieser Ort auslöste, war stärker als Hitze und ätzende Dämpfe. Dallol war ein einzigartiger Farbenrausch. Während die Gesteine der äußeren Regionen von Braun-, Rot- und Ockertönen dominiert wurden, schien das vulkanisch aktive Zentrum in grellen Gelb-, Grün- und Weißtönen geradewegs zu explodieren.

An vielen Stellen blubberte und zischte es, säurehaltige Minifontänen schossen aus engen Spalten. Smaragdgrüne Seen mit schwefelgelben Rändern kontrastierten mit leuchtend rotem Gestein. Eigenartige, korallenartige Gebilde, oft kreisrund angeordnet, verstärkten den surrealen Charakter der Landschaft.


































Die Salz-Canyons sind durch Erosionsprozesse geformte, bis 40 m hohe Pfeiler, südwestlich von Dallol.








Wasserloch in der Wüste - Unweit von Dallol
Teil 1725. Mai 2018
3. - 4. Tag

Abala (Aba'ala) - Erta Ale Vulkan

Die Nacht verbrachten wir in Abala, einer staubigen Kleinstadt am Rande der Afar Region. Wir quartierten in einem geräumigen Afar-Haus, diesmal aus Ziegelstein gebaut und mit schattigem Innenhof. Über mehrere Zimmer verteilt lagen Matratzen auf dem Fußboden. Immerhin gab es eine Dusche, wenn auch nur in Gestalt eines mit kaltem Wasser gefüllten Eimers. Richtig gut war das Essen, das uns die Leute kochten. So gut habe ich nie wieder in Äthiopien gegessen.

Wir nutzten den freien Nachmittag um ein wenig durch die staubigen Strassen von Abala zu schlendern. Abseits der Hauptstrasse waren die Strassen ungeteert, die Häuser meist einstöckig, der Boden von Plastikabfällen übersät. Kinder liefen hinter uns her und riefen mit ihren Vogelstimmen: „China, China“ und „China, give me sweets“

Impressionen aus Abala:
















„China, give me sweets“ 😉


Muh

Am nächsten Vormittag brachen wir Richtung Erta Ale auf. Unser Ziel war das Erta Ale Basislager, Ausgangspunkt für unsere Vulkanbesteigung.

Zunächst führte eine gut asphaltierte Strasse von Abala hinunter in die Tiefebene von Danakil. Waren die Temperaturen in der Höhe noch angenehm, stiegen sie beständig, während wir langsam an Höhe verloren. Gleichzeitig wurde die ohnehin karge Landschaft noch karger, noch steiniger, noch trockene und schließlich zur Lavawüste.





Nach ein paar Stunden Fahrt verließen wir die gute Strasse zugunsten einer staubiger Wüstenpiste. Zwischen einsamen Trockenbüschen standen einsame Kamele, die uns ausdruckslos hinterherstarrten. Am Horizont zeichneten sich die ersten Vulkanberge ab.













In einer kleinen Afar-Siedlung, die mitten im Nichts zu liegen schien, machten wir Halt. Unsere Guides mussten die Permits für die Weiterfahrt bestätigen lassen. Ohne die Erlaubnis der Afar dürfen Fremde das Gebiet nicht betreten. Natürlich ist diese Erlaubnis mit Kosten verbunden, wieviel wir genau bezahlen mussten, wollte uns aber niemand verraten. Während wir warteten, bestaunte uns eine Gruppe salz- und staubverkrusteter Kinder. Sie bettelten nicht, wirkten eher schüchtern und neugierig.


Erstaunlich, dass Menschen in dieser lebensfeindlichen Umwelt eine Grundlage zum Leben finden.







Die letzten Kilometer vor dem Basislager machte Lavageröll und Felsgestein das Fahren zur Kunst. Wir kamen nur im Schritttempo voran, es gab ein paar wirklich schwierige Passagen, die unser Fahrer jedoch gekonnt meisterte.













Das Basislager erreichten wir am späten Nachmittag. Verschwitzt, durchgeschüttelt und müde, doch voller Spannung auf das, was uns auf dem Gipfel des Vulkans erwarten wird.
Teil 1828. Mai 2018


Das Erta Ale Basislager bestand aus einigen strohgedeckten Steinhütten, in deren Schatten wir etwas Schutz vor der gleißenden Nachmittagssonne finden konnten. Außer uns Touristen waren noch die einheimischen Kamel- und Vulkanführer und natürlich die Kamele im Lager, deren Aufgabe es war, das Gepäck auf den Berg zu tragen. Etwas außerhalb, im Halbschatten eines Steinhaufens, saßen ein paar schläfrig wirkende Soldaten neben ihren Kalaschnikows, deren Aufgabe es wohl war, das Lagers zu beschützen.

Ganz grundlos ist diese Maßnahme nicht:
Dienstag, 05.12.2017 20:18 Uhr

In Äthiopien ist ein deutscher Urlauber überfallen und getötet worden. Das bestätigte das Auswärtige Amt. Das Verbrechen ereignete sich am Sonntag, während der Mann den Vulkan Erta Ale nahe der Grenze zum Nachbarstaat Eritrea bestieg.

Der etwa 600 Meter hohe Vulkan in der Danakil-Wüste zieht Touristen an, weil man dort vom Kraterrand aus einen brodelnden Lavasee beobachten kann. Ein örtlicher Tourguide sagte, bei dem Überfall seien der Deutsche getötet und ein äthiopischer Mitarbeiter eines Reiseunternehmens verletzt worden. Bislang sei unklar, wer hinter dem bewaffneten Angriff stecke. Im Verdacht stehen Milizen, die ihre Stützpunkte im nahen Eritrea haben.

Eritrea und Äthiopien haben zuletzt von 1998 bis 2000 gegeneinander Krieg geführt. Die Nachbarländer sind weiterhin verfeindet. Das Auswärtige Amt rät deshalb, Urlaubsreisen abseits der Hauptstrecken sollten vorsichtig abgewogen werden.

Im Januar 2012 ereignete sich am Vulkan ein Raubüberfall, bei dem unter anderem zwei Deutsche getötet wurden, weitere Urlauber wurden wochenlang festgehalten. Seither wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, unter anderem sind unterhalb des Vulkans und am Kraterrand Soldaten stationiert. © SPIEGEL ONLINE

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/aethiopien-deutscher-tourist-bei-ueberfall-getoetet-a-1181912.html








Der Aufstieg findet meistens in der Nacht statt, was einen davor bewahrt, von der gnadenlosen Sonne gegrillt zu werden.

Während die Sonne immer tiefer sank, wurden die Kamele beladen. Matratzen für die Übernachtung, Wasser und anderes Gerät.

Wir streiften noch ein bischen durch die Gegend, unterhielten uns mit Kamelen, beobachteten das Treiben im Lager. Endlich verschwand die Sonne hinter einer Wolkenwand am Horizont. Wir packten unsere Wasservorräte in den Rucksack und sobald es dunkel war, ging es los.


Wir unterhielten uns ein wenig mit den Kamelen 😉, die später unser Gepäck auf den Erta Ale trugen.



Teil 1928. Mai 2018
Der Aufstieg


Vollmond über dem Erta Ale

Vom Basislager bis zum Kraterrand braucht man, wenn man nicht allzu viele Pausen macht, etwa dreieinhalb Stunden.

Im Licht unserer Taschenlampen liefen wir, zunächst ebenerdig, eine Stunde über sandigen Boden. Die Lufttemperatur war in der Nacht immer noch warm, aber nicht mehr extrem. Das dunkle vulkanische Gestein strahlte eine deutlich spürbare Wärme ab, kein Wunder bei der intensiven Sonnenbestrahlung tagsüber.

In der Ferne sah man immer wieder den rötlichen Schein des Vulkanfeuers. Über uns war der Himmel sternenklar und wir hatten Glück, dass ein strahlender Vollmond die düstere Landschaft erhellte.

Dann ging es über Lavafelder stetig nach oben. Der Aufstieg war technisch recht einfach, es gab keine überdurchschnittlich schwierige oder steile Abschnitte. Lediglich auf das Lavageröll musste man aufpassen um nicht zu stolpern. Verglichen mit dem Nyiragongo Vulkan (D.R.Kongo), den ich 2016 bestieg und der ein ganz anderes Kaliber war, ist der Aufstieg zum Krater des Erta Ale fast ein Spaziergang.


Aufstieg zum Krater

Kurz vor dem Gipfel mussten wir anhalten. Wir sahen, nur noch durch ein letztes Lavafeld getrennt, glühende Gaswolken aus dem Berg lodern. Unser Vulkan-Guide erklärte, dass der Wind momentan ungünstig stünde und es wegen giftiger Dämpfe zu gefährlich wäre weiterzugehen.

Voller Ungeduld warteten wir etwa eine Stunde, bis das OK zum Aufbruch kam. Immer wieder wurde das Atmen durch die vulkanischen Dämpfe erschwert. Um mich herum in der Dunkelheit hörte ich die anderen hüsteln und husten.

Um direkt zum Kraterrand zu gelangen, mussten wir ein frisches Lavafeld überqueren. Dieses Lavafeld entstand im Januar 2017, als der Erta Ale eine beträchtliche Menge Lava ausspuckte. Dabei wurde ein Übernachtungslager in der Nähe des Kraterrandes zerstört.

Unser Guide ging voran und wir mussten hinter ihm in einer Reihe laufen. Unter den Sohlen knirschte es bei jedem Schritt und es bestand ständig die Gefahr irgendwo einzubrechen.


Am Kraterrand

Und dann standen wir plötzlich am Rand dieses mächtigen, brodelnden Kessels.

Welch überwältigender Anblick!

Unter uns kochte, glühte und dampfte es. Zeitweise war der Rauch so stark, dass man kaum etwas erkennen konnte. Dann lichtete er sich und man hatte freien Blick in das Inferno. Immer wieder wehten übelriechende, ätzende Gase aus dem Höllenschlund, die uns für Minuten das Atmen schwermachten. Unser Vulkan-Guide rief uns dann zu, wir sollten uns ducken oder flach auf den Boden legen.













Aber nicht nur der Spektakel im Krater war faszinierend, von hier oben konnten wir weit in die vom Vollmond beschienene Danakilebene blicken. Nirgendwo ein Zeichen von Leben oder Zivilsation, nur Sand, Steine und die düsteren Schatten ferner Berge. Wieder hatte ich das Gefühl, auf einem anderen Planeten, oder weit zurück in der Erdgeschichte zu sein.

Die Nacht verbrachten wir in einem Lager unter freiem Himmel, ein paar hundert Meter vom Krater entfernt. Man hatte das Geröll ein wenig auf die Seite geräumt und Matratzen auf den Boden gelegt. Während ich einschlief wehten immer wieder schweflige Dämpfe zu uns herüber.



Der Abstieg erfolgte frühmorgens, vor Sonnenaufgang.
Teil 2028. Mai 2018
Der Rest unserer Reise ist schnell erzählt. Wir fuhren zurück nach Mekele, von dort mit dem Bus am nächsten Tag nach Addis. Wir wollten jetzt so schnell wie möglich über Südäthiopien nach Kenia (Grenzübergang Moyale) fahren. Wir schafften es bis Konso, etwa 300km vor der Grenze, dann war Schluss. Alle Strassen gesperrt, keine Fahrzeuge durften sich der Grenze nähern. Wegen Stammeskonflikten. So kehrten wir nach Addis zurück und flogen von dort mit dem Flugzeug nach Kenia.

Danke fürs Mitlesen.
Ich hoffe mein bebilderter Reisebericht hat einigen Spaß gemacht, auch wenn es nicht Namibia war. 😉
Zur Diskussion mit allen 92 Beiträgen