Ohrengeier in Namibia

10 Antworten · 3'824 Aufrufe · gestartet 26. Feb. 2018 von fotomatte
Bilder klein
Antworten
Themenstarter2'513 Beiträge · seit 200926. Feb. 2018 · #1
Hallo,

nachdem ich letzten Januar in der Etosha ein solches Glück gehabt habe mit brütenden und führenden Blue Cranes ( siehe das Extra-Kapitel in meinem Reisebericht "Just birds" ) und sich ein netter Kontakt daraus entwickelt hat mit Ann und Mike Scott, die das Kranichprojekt in Namibia betreuen, möchte ich über ein ähnliches Projekt berichten.

Es geht um Geier im Allgemeinen, und um Ohrengeier im Besonderen.

Ich habe dieses Mal den Süden und Westen von Namibia erkundet, und an einer frischtoten Oryx im Namib-Naukluft-Park habe ich einen Trupp von 21 Lappet-faced Vultures plus vier White-backed Vultures gefunden. Von den Ohrengeiern waren sieben Tiere mit auffälligen Plastikmarken an den Schwingen markiert. Etwas Internet-Recherche hat mich zu der Seite von www.vultures-namibia.com geführt, wo man getagte Vögel melden kann.
Ich konnte vier Vögel ablesen, drei Tags waren wegen zu grosser Entfernung und Luftflimmern nicht ablesbar.

Ich habe die Vögel gestern gemeldet, und heute eine mail bekommen zu den getagten Vögeln. So habe ich erfahren, daß ein Geier ( F 060 ) mittlerweile zehn Jahre alt ist.

Ich möchte euch also auf diesem Wege ermutigen, dass ihr markierte Vögel versucht abzulesen und zu melden, denn leider ist noch Vieles im Leben dieser Geier, die auch für die anderen Geierarten als "Leichenöffner" immens wichtig sind, noch immer unbekannt. Seit 2016 sind Ohrengeier bei der IUCN als endangered gelistet. In vielen Ländern wie Algerien, Tunesien oder Marokko und in der West-Sahara sind die Vögel ausgestorben oder ausgerottet worden. Unlängst haben die letzten Vögel in Jordanien und Israel das gleiche Schicksal erfahren, und in Ägypten und in Nigeria stehen die Ohrengeier kurz vor der Auslöschung.
Deshalb ist dieses Projekt in Namibia immens wichtig, denn hier geht es den Geiern noch vergleichsweise gut, wenn auch hier die Zahlen nicht als stabil anzusehen sind.
Immer noch kommt es zu Massentötungen durch Vergiftungen, aber auch Verluste durch Stromschlag an Überlandleitungen sowie Beunruhigungen besonders an touristisch frequentierten Orten wie etwa dem Tschauchab-Rivier ins Sossusvlei sind zu nennen.

Also, wenn markierte Geier gesehen werden, bitte melden.
Mein Artikel über die Blue Cranes letztes Jahr hat immerhin mindestens zwei Fomis dazu gebracht, Vögel zu melden.
Danke, AndreasG und Konni. Kann man nun im neuesten Jahresbericht nachlesen.


📎 NamibiaCraneNewsNo56,December2017-2.pdf



Anbei noch zwei Fotos "meiner" getagten Ohrengeier.


P1220524.jpg


P1220531.jpg



Viele Grüße,
Matthias
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
zuletzt bearbeitet 27. Feb. 2018
33,1k Beiträge · seit 200626. Feb. 2018 · #2
Hi zusammen,

als Ergänzung zum Beitrag:
- Tags von Geiern können hier online gemeldet werden: https://www.vultures-namibia.com/report-a-tag
- Das Bird Information System ist auch eine gute Quelle zum Thema: http://www.the-eis.com/atlas/?q=bird-information-system

Und wer ein Geierprojekte hautnah miterleben möchte, dem sei NARREC http://www.orusovo.com/narrec/home.htm ans Herz gelegt.

@Matthias: Das mit den Blue Cranes ist echt ein Highlight. Es gibt laut letzten Zahlen aus 2013 nur noch 16 Stück in Namibia (2009 waren es noch knapp 60).

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
425 Beiträge · seit 201826. Feb. 2018 · #3
Gute Abend Matthias und Christian,

zu den Blue Cranes habe ich eine Frage.
Sind diese Tiere nur in Namibia so selten geworden?
Im vergangenen Oktober sind wir von Kap Agulhas nach Oudtshoorn gefahren und haben viele Blue Cranes gesehen. Einige Male Gruppen von mehr als 20 Tieren.

Gruß Georg
4'528 Beiträge · seit 200726. Feb. 2018 · #4
Hallo Matthias,

das schaue ich mir mal in Ruhe an. Coole Sache und danke für den Post.
Das mit den wunderschönen Blue Cranes ist ja interessant. Wir habe auf unserer gerade zu Ende gegangenen Reise
am Kap ungewöhnlich viele Blue Cranes gesehen und uns gefreut. Schade, dass sie in Namibia wohl Probleme haben.

Am kap sieht man die Cranes ja fast immer auf landwirtschaftlichen Flächen oder direkt bei der Viehzucht.

Liebe Grüße
Carsten
Profilseite mit 28 Reiseberichten südliches Afrika sowie Kenia, Bangkok Kambodscha, Marokko und Lofoten Vesteralen
33,1k Beiträge · seit 200626. Feb. 2018 · #5
Hi Georg,

das vom "SA Crane Count" sollte Deine Frage beantworten: "The Blue Crane, South Africa’s national bird is a near-endemic to South Africa with only a small isolated population occurring in Namibia,...".

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Themenstarter2'513 Beiträge · seit 200927. Feb. 2018 · #8
Hallo,

freut mich sehr, dass auch die bei "normalen" Touris nicht soo favorisierten Geier hier eine positive Resonanz hervor rufen.

@ Christian : Gottlob stimmen die "neuesten" Zahlen aus 2013??? nicht, siehe den Newsletter. Aber nach wie vor bleiben die Blue Cranes in Namibia eine akut bedrohte Art, auch wenn letztes Jahr immerhin sechs Jungvögel flügge geworden sind, darunter "meine" Zwei aus Salvadora. Das wird im Moment auf den guten Regen letztes Jahr geschoben. Hoffentlich regnet es dieses Jahr noch viel und ausgiebig.

Das Bird Information System ist leider nicht auf dem aktuellen Stand, aber trotzdem ganz interessant, um sich einen Überblick zu einzelnen Arten zu verschaffen.

Danke für deine Ergänzungen.

@ Drechselschorsch : Blue Cranes brüten nur in Südafrika, und eben in sehr geringer Zahl die isolierte Population in Namibia.

@ casimodo : Hi Carsten, danke fürs Interesse.

@ Eulenmuckel : Hallo Uwe, das freut mich sehr, dass du die Vögel gemeldet hast. Meine Bilder stammen auch von der Blutkoppe, naja, aus der Nähe.

@ Daxiang : Hi Konni, vielleicht beim nächsten Mal. Und es geht nicht nur um Ohrengeier, die Weissrückengeier werden auch getagt und gelten ebenfalls als endangered. Also Augen auf, macht ihr sowieso, ich weiss. 😉

Viele Grüße,
Matthias
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
33,1k Beiträge · seit 200627. Feb. 2018 · #9
Hi Matthias,
Gottlob stimmen die "neuesten" Zahlen aus 2013??? nicht, siehe den Newsletter.
spielst Du auf den Crane Census gleich im ersten Beitrag an. Da hätten sie nur mal schreiben sollen von welcher Kranichart sie sprechen. "Blue Crane" wird erst sehr viel weiter unten erwähnt, aber vermutlich sind die gemeint?

Es gibt ja drei Arten in Namibia:
- Südafrika-Klunkerkranich (Balearica regulorum): <5 in 2013, 50 in 2009
- Paradieskranisch (Anthropoides paradisea) "Blue Crane": 60 in 2009, 16 in 2013, 13+6 in 2017 (?)
- Klunkerkranich (Bugeranus carunculatus): 19 in 2013, 300 in 2009

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
zuletzt bearbeitet 27. Feb. 2018
Themenstarter2'513 Beiträge · seit 200927. Feb. 2018 · #10
??? 🙄 😵

wer ist Markus? Und was ist ein Südafrika-Klunkerkranich?
Ich finde, dass der Newsletter sehr gut aufgeschlüsselt ist und zu allen drei Arten genaue, neue Zahlen liefert. Na ja, grade nochmal nachgeschaut, vom Kronenkranich gibt es keine Nachrichten, da keinerlei Sichtungen.
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
zuletzt bearbeitet 27. Feb. 2018
16,9k Beiträge · seit 201222. Okt. 2024 · #11
Ich stelle es mal hier mit dazu:

Vulture census takes flight with aerial survey

Geierzählung beginnt mit Flugaufnahme: Zwei Überwachungsflugzeuge im Einsatz
Aufgrund von Wilderei, Vergiftungen und anderen Gefahren durch die kommerzielle Landwirtschaft ist die Vogelpopulation drastisch zurückgegangen.
Ende dieses Monats wird eine Luftaufnahme der Geierpopulation in der westlichen Namib – vom Swakop-Fluss im Norden bis zum Namibrand-Gebiet im Süden – durchgeführt. ...
...
Peter Bridgeford, ein pensionierter Naturschutzbeamter, war 1991 ein wichtiger Initiator des Projekts Vultures Namibia. Er sagte, das Projekt habe Anfang der 2000er Jahre mit der Luftüberwachung begonnen.
In guten Jahren konnten in dem Gebiet zwischen 80 und 100 Brutpaare entdeckt werden, aber seit der Dürre im Jahr 2021 wurden nur noch etwa 40 Brutpaare pro Jahr gezählt. Dies liegt am Mangel an ausreichend Nahrung, beispielsweise an Kadavern von Oryx- und Zebras, sodass die Vögel sehr weit fliegen müssen, um Nahrung zu finden. ...
...
Der Ohrengeier ist besonders gefährdet. ...
Die Brutgebiete der Ohrengeier konzentrieren sich auf das Zielgebiet der Untersuchung. Sie besetzen bestehende Nester und bauen in diesem Gebiet jedes Jahr neue Nester. Die Jungvögel bleiben nach dem Schlüpfen etwa fünf Monate in ihren Nestern, bis sie selbst flugbereit sind. Weibliche Erwachsene legen nur ein Ei pro Jahr und beide Elternteile versorgen das Junge abwechselnd. ...


LG
Logi