Einfluss Jagd auf Conservancies

22 Antworten · 4'469 Aufrufe · gestartet 30. Sept. 2017 von travelNAMIBIA
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Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200630. Sept. 2017 · #1
Hi zusammen,

mehrfach kam hier im Forum die "Problematik" auf, ob bzw. wie viel die Trophäenjagd in sog. Conervancies den Menschen wirklich bringt. Dazu gab es jetzt gestern einen ganz schönen Artikel in der Wochenendbeilage der AZ. Zumindest in dieser einen Conservancy scheint die Trophäenjagd wohl sehr positiv zu wirken: http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:https://www.az.com.na/nachrichten/ein-tier-fr-viele-menschen/

Viele Grüße aus Windhoek
Christian

P.S. Nur als Info gedacht. Meinetwegen ist keine neue Diskussion Trophäenjagd, Jäger = Mörder notwendig 😉
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zuletzt bearbeitet 30. Sept. 2017
2'391 Beiträge · seit 201630. Sept. 2017 · #2
Danke, Christian. Hoffentlich werden sie nicht zu gierig. So hört es sich ja sehr positiv an. Mich wundert nur, dass Trophäenjäger ihre Trophäen im Dorf lassen.
Viele Grüße
Sandra
Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo seine Faust die Nase eines anderen trifft. 3 Generationen zum ersten Mal auf Pad, Namibia 2016: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/291659-3-generationen-auf-grosser-namibia-erstlingstour.html
2'516 Beiträge · seit 200930. Sept. 2017 · #3
Hallo,

den Artikel an sich will ich nicht kommentieren, aber die Bildunterschrift mit den Schädeln, die die "Trophäen"-jäger angeblich öfter zurück lassen, verleiten mich zu einem loriotschen "Ach".
Trophäenjäger, die die Trophäe zurück lassen. Eine solcherlei Erklärung lässt mich am restlichen "Gehalt" des Artikels doch eher zweifeln.

Viele Grüsse,
Matthias
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200630. Sept. 2017 · #4
Hi Matthias,
Trophäenjäger, die die Trophäe zurück lassen.
da hast Du absolut Recht. Fällt mir jetzt erst lauf. Das müssen gefundene Schädel oder von der Conservancy zum Eigengebrauch geschossenen Tiere sein. Kein Trophäenjäger lässt natürlich die Trophäe zurück... dann ist er ja kein Trophäenjäger. Es gibt aber wenige Ausnahmen, z.B. bei Elefanten, wo die Stoßzähne bei einigen Trophäenabschüssen nicht ausgeführt werden dürfen.

Viele Grüße
Christian
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16,9k Beiträge · seit 201230. Sept. 2017 · #5
travelNAMIBIA schrieb:Hi Matthias,
Trophäenjäger, die die Trophäe zurück lassen.
da hast Du absolut Recht. Fällt mir jetzt erst lauf. Das müssen gefundene Schädel oder von der Conservancy zum Eigengebrauch geschossenen Tiere sein. Kein Trophäenjäger lässt natürlich die Trophäe zurück... dann ist er ja kein Trophäenjäger. Es gibt aber wenige Ausnahmen, z.B. bei Elefanten, wo die Stoßzähne bei einigen Trophäenabschüssen nicht ausgeführt werden dürfen.
Ich meine, dass das auch für Hippozähne gilt.

Nicht jeder Jagdurlauber nimmt auch seine Trophäe mit.

1. kostet das Präparieren einer Montage einen Haufen Geld
2. der Papierkrieg
und
3. hat ja auch nicht jeder ein ausreichend großes Anwesen, um das Ding dann hinterher aufzuhängen.

Vielen reicht da das Erinnerungsfoto.

Von Manfred Gorn weiß ich, dass diese Stücke dann entweder im Land selbst bleiben oder auch für Museen in aller Welt präpariert werden. Beispielsweise wurde das Afrika Museum im Alpen-Wildpark Feld am See in Kärnten/Österreich mit solchen Stücken ausgestattet.

LG
Logi
zuletzt bearbeitet 30. Sept. 2017
2'516 Beiträge · seit 200930. Sept. 2017 · #6
Hallo,

zu den Elefanten: es gibt Trophy Bull Abschüsse ( entsprechend teuer ), da geht selbstverständlich die Trophäe ( das Elfenbein ) in den Besitz des Jägers über. Diese kann er bei Vorliegen einer CITES-Bescheinigung auch ausführen. Dann gibt es Abschüsse von sogenannten Problemtieren, diese Abschüsse sind deutlich preiswerter, die Trophäe verbleibt aber im Land. Und dann gibt es in einigen Ländern auch Jagden auf sogenannte "tuskless bulls", also stosszahnlose Elefanten. Diese Jagden sind deutlich günstiger, aber es gibt halt auch keine Trophäe ( die Zeiten, wo man sich ausgehöhlte Füsse als Schirmständer oder ähnlich geschmackloses ins Raucherzimmer gestellt hat, sind hoffentlich vorbei ).

zu den Hippos: gerade die Hauer, also die Eckzähne, gelten als Trophäe, sind relativ klein ( im Vergleich zum restlichen Koloß ) und somit problemlos aufzusetzen, ähnlich wie beim Gewaff von Sauen.

Das Präparieren ("Ausstopfen") von Trophäentieren kostet, im Vergleich zu den Ausgaben der gesamten Auslandsjagd, den geringsten Teil. Den Papierkrieg übernimmt die Reiseagentur/ der Vermittler, und für den Transport gibt es spezialisierte Agenturen. Und den Auslands/ Grosswildjäger möchte ich sehen, der keine Trophy Hall sein Eigen nennt. Aus deren Nachlässen übrigens speisen sich sehr oft dann solche Ausstellungen in Museen.

Viele Grüsse,
Matthias
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
16,9k Beiträge · seit 201230. Sept. 2017 · #7
fotomatte schrieb:Und den Auslands/ Grosswildjäger möchte ich sehen, der keine Trophy Hall sein Eigen nennt.
Nun, offenbar verkehren wir dann eher in unterprivilegierten Kreisen. Das kann gut sein.

In unserem Bekanntenkreis nennt niemand ein Schloß/Burg/Landgut mit inkludierter Trophy Hall sein eigen.

LG
Logi
5'538 Beiträge · seit 200801. Okt. 2017 · #8
Danke, Christian, dass Du diesen Artikel mal eingestellt hast. Bestimmt ist diese Conservancy ein Musterbeispiel, aber wir haben alle mal angefangen, irgendetwas irgendwo abzugucken (z. B. als Kleinkind bei der Mutter). Hoffen wir, dass viele andere Conservancies hier abgucken. Das könnte viel zum wirtschaftlichen Aufschwung in den Dörfern beitragen und die Diskussion über Sinn und Unsinn der Jagd etwas beruhigen.

Liebe Grüße
Gerd
Gast01. Okt. 2017 · #9
Hallo,
Gerd1942 schrieb:wir haben alle mal angefangen, irgendetwas irgendwo abzugucken (z. B. als Kleinkind bei der Mutter). Hoffen wir, dass viele andere Conservancies hier abgucken. Das könnte viel zum wirtschaftlichen Aufschwung in den Dörfern beitragen und die Diskussion über Sinn und Unsinn der Jagd etwas beruhigen.
Wenn Du drüber nachdenkst, kannst du nicht zu diesem Schluss kommen und das hat nichts mit verbohrter Ideologie sondern rein mit wirtschaftlichen und ökologischen Fakten zu tun. Und auch wenn der 37. Aufguß des Themas nervt: Ich will Schönfärberei nicht unwidersprochen stehen lassen.

1. Es gibt Conservancies, in den Trophäenjagd aktuell die Haupteinnamequelle ist. Die Trophäenjagd komplett zu verbieten, ohne die Einnahmen zu substituieren, hätte dort aktuell negative Auswirkungen für Tiere und Naturschutz. Das stellen nur militante Jagdgegner in Frage, die die Fakten nicht auf ihrer Seite haben. Soweit Zustimmung.

2. Trophäenjagd kann und wird nicht die Lösung sein, damit die Conservancies langfristig und nachhaltig funktionieren. "Wir haben alle mal angefangen" impliziert, dass man das alles steigern kann. Man kann Trophäenjagd aber eben nicht in großem Maßstab skalieren. Man kann nicht dieses Jahr 3 Elefanten schießen, nächstes Jahr 5 und in 10 Jahren dann 100 Elefanten. Das gibt das Ökosystem nicht her. Und selbst wenn man es so steigern könnte: Bei hunderten Elefanten wäre die Exklusivität weg und der Preis pro Elefant würde stark sinken. Man wird nie ein Vielfaches der aktuell 3 Elefanten schießen können. Und deswegen wird man auch die Jagdeinnamen nicht vervielfachen können.

3. Die Bamumu-Conservany erzielt pro Monat umgerechnet 2 EUR pro Einwohner durch die Trophäenjagd. Siehe 1.: Das ist besser als 0 EUR. Aber es reicht nicht ansatzweise für ein Auskommen. Es wird auch nicht reichen, damit die Menschen langfristig das Zusammenleben mit den gefährlichen Wildtieren akzeptieren oder so gar ein Minimum an Wohlstand erreichen. Und sehr viel steigerbar ist das eben definitiv nicht. Siehe 2.

4. Andere Conservancies können sich da nichts abschauen. Die Hälfte der Einnahmen der Bamumu-Conservancy kommt aus der Trophäenjagd auf Elefanten (3 Elefanten a 200.000 NAD plus 9 Büffel a 75.000). Die Bamumu-Conservancy liegt direkt am Chobe an der Grenze zu Botswana in einer elefanten- und büffelreichen Gegend. Die Mehrheit der anderen Conservancies hat diese Elefanten- und Büffelmassen nicht und deshalb auch keine Chance, diese Einnahmen zu replizieren. Weil die Bamumu-Conservancy in einer so tierreichen Gegend liegt, wäre sie eigentlich prädestiniert, dort mehrere Lodges zu bauen, was die Einnahmen aus der Trophäenjagd garantiert um ein Vielfaches übertreffen würde. Siehe 5. Aktuell hat die Bamumu-Conservancy 0 Einnahmen aus Fototourismus. Keine Campsite, kein gar nichts.

5. Es ist grundfalsch auf einzelne Conservancies zu schauen und dann zu pauschalisieren. Sonst kann man den Spieß umdrehen und dann sieht die Trophäenjagd wieder jämmerlich aus. Die Bamumu-Conservancy erzielt heute wie gesagt 2 EUR pro Einwohner und Monat mit der Trophäenjagd. Die Torra-Conservancy erzielt in einer sehr viel tierärmeren Gegend heute schon ca. 25 EUR pro Monat und Einwohner durch Fototourismus.

Das Fazit ist und bleibt: Der wirtschaftliche Beitrag der Trophäenjagd ist absolut betrachtet winzig - trotzdem ist das heute in einigen Conservancies die Haupteinnahmequelle. Weil Trophäenjagdeinnahmen kaum skalierbar sind, kann Trophäenjagd maximal für einige Jahre eine Übergangsmaßnahme darstellen, um in Conservancies ohne Fototourismus anfangs überhaupt ein paar Einnahmen zu erzielen. Conservancies langfristig auf Trophäenjagd auszurichten, ergibt keinen Sinn.

Um mit etwas Positivem zu schließen: Das MET plant die Schaffung einer Tourism Development Bank, die eben u.a. in Conservancies den Bau von Lodges finanzieren soll. Denn momentan scheitert das vor allem an der Finanzierung. Wenn man
A trotz Finanzkrise das Geld dafür findet,
B kompetentes, korruptionsarmes Personal für die Bank findet und
C das mit der Vermittlung von Knowhow in den Conservancies verbindet,
dann kann das meines Erachtens für Namibia ein Riesenschritt in die richtige Richtung sein. Das wäre ein bisschen wie die KfW-Bank in Deutschland, die unter dem Strich sehr erfolgreich ist, wenn es um die Erreichung von wirtschafts- und umweltpolitischen Zielen in Deutschland geht und um die uns viele Länder beneiden.

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 01. Okt. 2017
5'538 Beiträge · seit 200801. Okt. 2017 · #10
Hallo Guido,

1. Man kann Trophäenjagd aber eben nicht in großem Maßstab skalieren. Man kann nicht dieses Jahr 3 Elefanten schießen, nächstes Jahr 5 und in 10 Jahren dann 100 Elefanten. Das gibt das Ökosystem nicht her.
da gebe Dir uneingeschränkt Recht. Wenn ich gesagt habe, dass wir alle mal angefangen haben..........dann bezog und bezieht sich das auf Lernen. Und ich finde es beispielhaft, wie diese Conservancy schonend mit ihren Resourcen umgeht. Da steht nichts von "ungebremster" Ausweitung. Ich finde es auch beispielhaft, dass das Geld aus der Jagd sinnvoll in die Infrastruktur investiert und nicht mehr verkonsumiert wird.
2. Die Mehrheit der anderen Conservancies hat diese Elefanten- und Büffelmassen nicht und deshalb auch keine Chance, diese Einnahmen zu replizieren.
Richtig - natürlich kann man nur über die Resourcen reden, die man in den unterschiedlichsten Gegenden auf unterschiedlichste Art und Weise vorfindet. In anderen Conservancies ist es z. B. die Antilopenjagd.
3. Die Torra-Conservancy erzielt in einer sehr viel tierärmeren Gegend heute schon ca. 25 EUR pro Monat und Einwohner durch Fototourismus.
Ja, ich habe von Jagd gesprochen, weil der Artikel über die mit der Jagd verbundenen Erfolge berichtete. Aber wir können meine Aussage auch gerne ausweiten auf Fotografie etc. Es geht mir darum - siehe oben - dass die vorhandenen Resourcen sinnvoll genutzt werden und nicht durch "Überbewirtschaftung" zerstört werden. Und man kann auch die tierarmen, aber landschaftlich wunderschönen Gegenden durch Überbewirtschaftung zerstören. Sie das ungebremste Wachstum von immer neuen Lodgen in der Namib. Was hier durch den Massentourismus unwiderbringlich zerstört wird, das lässt sich mit den Mehreinnahmen aus diesem Tourismus meines Erachtens nicht ausgleichen. In 20, 30 oder meinetwegen 40 Jahren ist dieser Boom vorbei - was bleibt sind zerstörte Landschaften. Und es dauert garantiert Jahrzehnte länger, bis diese Landschaften sich erholt haben, als es dauert, einen Tierbestand wieder nach vorne zu bringen.

Du siehst, man kann für jedes Argument ein Gegenargument bringen. Es ist (fast) alles nur eine Frage des Standpunktes und der mehr oder weniger feinsinnigen Begründung des eigenen Standpunktes. Und da bist Du mir in jedem Fall überlegen. Das muss ich neidlos anerkennen.

Liebe Grüße
Gerd
Gast01. Okt. 2017 · #11
Hallo Gerd,
Gerd1942 schrieb:Wenn ich gesagt habe, dass wir alle mal angefangen haben..........dann bezog und bezieht sich das auf Lernen. Und ich finde es beispielhaft, wie diese Conservancy schonend mit ihren Resourcen umgeht. Da steht nichts von "ungebremster" Ausweitung. Ich finde es auch beispielhaft, dass das Geld aus der Jagd sinnvoll in die Infrastruktur investiert und nicht mehr verkonsumiert wird.
Ah OK. Ich hatte Dich so verstanden, dass diese Conservancy beispielhaft für die angeblich so positiven Wirkungen der Trophäenjagd ist. Danke für die Klarstellung. Dem kann ich mich weitgehend anschließen.
Gerd1942 schrieb: In anderen Conservancies ist es z. B. die Antilopenjagd.
Wie Du selbst weißt, ist das für die Trophäenjagd nicht so sonderlich lukrativ. Je nach Antilopenart bringt das 50-400 EUR pro Tier. Auch das lässt sich eben nicht großartig skalieren. Man kann nicht tausende davon wegballern, um signifikante Einnahmen zu erzielen. Der große Vorteil der Trophäenjagd ist, dass sie null Investitionen braucht und man aus dem Stand damit Einnahmen erzielen kann. Insofern ist das attraktiv, um in den Conservancies anfangs überhaupt Einnahmen durch Wildtiere zu erzielen. Aber das Potential der Trophäenjagd ist eben auch begrenzt und deswegen kann das kein langfristiges, nachhaltiges Modell für die Conservancies sein. Man kann den Elefanten oder Löwen tausende Male angucken, aber eben nur ein einziges Mal erschießen. Das würde sich nur dann ändern, wenn es nicht tödliche Formen der Trophäenjagd gäbe: z.B. mit einem Betäubungsgewehr gejagt wird und die Trophäe dann ein paar Fotos mit dem "geschossenen" Tier darstellen. Daran sind die edlen Trophäenjäger, denen es nach eigener Aussage bei der Jagd ja gar nicht um das Töten von Tieren sondern um Spannung, Sport und Naturschutz geht, aber komischerweise überhaupt nicht interessiert.
Gerd1942 schrieb: Sie das ungebremste Wachstum von immer neuen Lodgen in der Namib. Was hier durch den Massentourismus unwiderbringlich zerstört wird, das lässt sich mit den Mehreinnahmen aus diesem Tourismus meines Erachtens nicht ausgleichen. In 20, 30 oder meinetwegen 40 Jahren ist dieser Boom vorbei - was bleibt sind zerstörte Landschaften. Und es dauert garantiert Jahrzehnte länger, bis diese Landschaften sich erholt haben, als es dauert, einen Tierbestand wieder nach vorne zu bringen.
Worin genau besteht denn da der große Landschaftsschaden, der auf Jahrzehnte nicht zu reparieren ist? Sicher ist der Tourismus und die Zahl der Lodges da stark gewachsen und mir ist das Sossusvlei zu voll. Aber ich sehe nicht, dass da nun Zehntausende querbeet offroad fahren und die ganze Landschaft zerstören?

Die Bamumu-Conservancy ist 556 km² groß, hat ca. 50km Uferlinie am Chobe. 5 Kleine Lodges a jeweils nur 10 Zimmer und 60% Auslastung unterstellt sowie nur 100 EUR/Person/Tag. Ergibt eine Tourismusdichte von einem Touristen auf 10 Quadratkilometer. Und es ergibt Einnahmen von über 2.000.000 EUR pro Jahr vs. heute 50.000 EUR (800.000 NAD) durch Trophäenjagd. Und um auf Deine Antilopenjagd zurück zu kommen: Um damit 2 Mio. EUR an Einnahmen zu erzielen, müsste man ca. 10.000 pro Jahr wegschießen. In welcher Conservancy geht das?
Gerd1942 schrieb:Du siehst, man kann für jedes Argument ein Gegenargument bringen.
Nein. Ich sehe nicht, dass Du auch nur eine einzige Zahl von mir entkräftet hast. Es geht nicht darum, wer die hübscheren Sätze schreibt. Es geht um harte Fakten, Zahlen, Statistiken. Und die meisten meiner Zahlen sind von NACSO. Einer Organisation, die die Trophäenjagd ausdrücklich befürwortet und fördert. Würde ich Zahlen von reinen Jagdgegnern verwenden, dann würde die Trophäenjagd im Vergleich noch viel schlechter abschneiden.

Und dann doch noch einen Schuss Ideologie: Wir sagen heute nicht mehr Neger und betrachten Schwarze anders als vor 100 Jahren nicht mehr als drittklassige Untermenschen. Wissen und Ethik der Menschheit entwickeln sich nämlich trotz aller Rückschläge weiter. Die Trophäenjagd ist (genauso wie z.B. die Massentierhaltung) heute ethisch nicht mehr vertretbar. Aus purem Spaß als Freizeitbeschäftigung Tiere abknallen? Im 21. Jahrhundert? Man wird das abschaffen. Ob in 10 oder 20 Jahren weiß ich nicht, aber man wird das lösen und die Trophäenjagd hat so keine Zukunft. Aber siehe Anfang: Ich akzeptiere, dass das Stand heute für einige Conservancies noch eine wichtige oder die wichtigste Einnahmequelle ist und das Verbote ohne Alternativen keine Lösung sind. Aber Aussagen in der Richtung, das Trophäenjagd eine (dauerhaft) tragfähige Basis für das Conservancy-Modell ist und entsprechend gefördert werden müsste, gehören in die Kategorie Fake-News. Kann man nicht stehen lassen.

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 01. Okt. 2017
Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200601. Okt. 2017 · #12
Hi Guido,
ich glaube der von Dir angesprochene Aspekte "Geld ohne große Investitionen" ist erst einmal für den Anfang ein sehr wichtiges (das?) Argument. Die Kommunalgebiete sehen sofort was sie bekommen und erkennen von Tag 1 an den "Wert" eines Wildtieres. Ich fürchte (was natürlich auch an Bildung, Aufklärungsarbeit etc liegt), dass normaler Tourismus diesen Effekt der Werterkennung nicht so schnell mit sich bringen wird/kann. Da muss eben schon um zwei Ecken gedacht werden 😉 Das mittel- bis langfristig die Trophäenjagd nur ein Teil der Einnahmen von Conservancies ausmachen kann, da sind wir uns glaube ich alle einig. Die Zahlen, die Du ja auch dargelegt hast, sprechen da eine deutliche Sprache. Die Mischung wird es im Endeffekt (wann das auch immer sein wird) machen.
Die Bamumu-Conservancy ist 556 km² groß, hat ca. 50km Uferlinie am Chobe. 5 Kleine Lodges a jeweils nur 10 Zimmer und 60% Auslastung unterstellt sowie nur 100 EUR/Person/Tag. Ergibt eine Tourismusdichte von einem Touristen auf 10 Quadratkilometer. Und es ergibt Einnahmen von über 2.000.000 EUR pro Jahr
Das scheint aber (ich weiß leider nicht warum), nicht so einfach zu sein. Viele die in Conservancies ihre Lodges erbaut haben (v.a. die im Caprivizipfel können davon ein Lied singen oder zuletzt nun Hobatere/Etosha Roadsite oder !Xaus Lodge im südafrikanischen KTP...) haben mehr Ärger als Freude. Wir hatten bei Hitradio Namibia im "Tourismustreff" kürzlich etwas zu dem Thema: "Die Hai||om um den Etosha-Nationalpark konnten die vor mittlerweile fünf Jahren zugestandene Konzession für eine touristische Entwicklung nicht nutzen. Es habe sich bisher kein Investor gefunden. Die Vergabe von Konzessionen an traditionelle Gemeinschaften soll diesen ein Stück vom Tourismusboom in Namibia zugestehen. Das traditionelle Siedlungsgebiet der Hai||om ist der heutige Etosha-Nationalpark. Das Konzessionsgebiet befinde sich auf vom Staat aufgekauften Farmen am Südrand des Nationalparks. Interne Machtkämpfe in der Gemeinschaft hätten dazu beigetragen, dass das Konzessionsgebiet bisher keinerlei Einnahmen generiert habe. Die Laufzeit betrage insgesamt 25 Jahre."

Viele Grüße aus Windhoek (gestern der erste gute Regen)
Christian
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5'538 Beiträge · seit 200801. Okt. 2017 · #13
Hallo Guido,

Du weißt bestimmt aus früheren Diskussionen über dieses Thema, dass ich kein Jäger bin, aber dass ich viele Freunde habe, die nicht nur einfach Tiere abknallen, sondern die in erster Linie Heger und Pfleger sind. Deswegen mache ich auch immer wieder den Fehler, mich bei solchen Themen zu Wort zu melden und um Ausgleich bemüht bin. Denn - das wirst Du auch wissen - 90 % unserer Entscheidungen sind "Bauch"-Entscheidungen, die wir nur nachträglich mit rationalen Argumenten zu unterlegen versuchen. Und deshalb werde ich auch nie mit Dir in diesem Punkt einer Meinung sein. Ich akzeptiere Jäger und deren Gefühle - von den seltenen Ausnahmen der Abknaller abgesehen, die ich auch verurteile.

Und weil wir da nie auf einen Punkt kommen werden - ich bezweifle die Aussagekraft von Statistiken, weil jeder sie von seinem Standpunkt aus interpretiert - beende ich für mich diese kleine Diskussion.

Liebe Grüße
Gerd
544 Beiträge · seit 201401. Okt. 2017 · #14
Moin,

zum Thema Jagd- oder Ökotourismus in den Conservancies hat auch Robin Naidoo vom WWF eine Studie veröffentlicht.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/cobi.12643/abstract

Ich gebe zu, dass ich die nicht komplett gelesen habe, aber die Zusammenfassung, die vielleicht auch der eine oder andere FoMi im Geo Special 'Namibia/Botswana' gelesen hat, war, dass sich beide Tourismusarten gut ergänzen und es ohne die Einnahmen aus dem Jagdtourismus düster aussehen würde.

Gruß,
Henning
1'166 Beiträge · seit 200801. Okt. 2017 · #15
Hallo Guido,

Umsatz ist aber nicht gleich Gewinn. Daher "hinkt" dein Zahl von 2.000.000 ein wenig. Eine Conservancy erhält ca. 10-15% vom Umsatz einer privat betriebenen Lodge (Die Umsatzrendite bei einer von der Conservancy selbst betiebenen Lodge dürfte auch nicht höher ausfallen). Bezogen auf dein Beispiel (ob fünf Lodges nicht zu hoch gegriffen ist, sei mal dahin gestellt) wären das also 200.000 bis 300.000 EUR zzgl. diverser Arbeitsplätze.

Private Investoren lassen sich nur bei entsprechender Rechtssicherheit finden (auch wenn es etliche andere Beispiele gibt). Das heißt, dass der Betrieb der Lodge nicht vom Gutdünken der Conservancy abhängen sollte/darf.

Viele Grüße
Axel
Solo die zweite 04/19 - Namibia-Teil Kalahari/Nordwest Nam (April/Mai 2018) - Botswana / Kalahari/Nordwest Nam (April/Mai 2018) - Namibia Rastlos durchs Kaokoveld und Damaraland ... (2017) Stippvisite im Damaraland und Kaokoveld (2016)
Gast01. Okt. 2017 · #16
Hallo Gerd,
Gerd1942 schrieb:aber dass ich viele Freunde habe, die nicht nur einfach Tiere abknallen, sondern die in erster Linie Heger und Pfleger sind.
Wenn Sie in erster Linie Heger und Pfleger sind, warum reicht dann nicht der "Abschuss" mit dem Betäubungsgewehr? Das Anpirschen, der "Thrill"/die Spannung, das Erleben der Natur etc.: Alles wäre gleich. Nur das der Löwe oder was auch immer am Ende nicht tot ist? Für mich gibt es da eine Diskrepanz zwischen Aussagen und Handeln.
Gerd1942 schrieb:ich bezweifle die Aussagekraft von Statistiken, weil jeder sie von seinem Standpunkt aus interpretiert
Entschuldigung, aber so kann mich nicht diskutieren. Man kann jede Statistik in Frage stellen, aber nur wenn man andere Zahlen oder sehr starke Indizien hat, das sie falsch sind. Sie einfach nur so in Frage zu stellen, weil sie einem nicht passen oder wegen "Bauchgefühl" das geht nicht. Wenn wir nicht auf Basis von Fakten und Statistiken diskutieren und entscheiden, dann haben wir das, was Trump in den USA macht. Und wie gesagt: Die Zahlen stammen fast alle von Jagd-Befürwortern.
aos schrieb:Umsatz ist aber nicht gleich Gewinn.
Nein natürlich nicht. Die Lodge hat auch ein paar Kosten. Deine 10-15% sind aber genauso falsch und die Rechnung ist in der Praxis komplizierter. U.a. schaffen 5 Lodges auch ca. 100 Jobs eben vor allen für die Locals. Die Trophäenjagd auf 3 Elefanten und 9 Büffel im Jahr schafft dagegen für 10 Wochen im Jahr 2 Hilfsjobs. Dann sprach ich ja schon die Tourism Development Bank als guten Ansatz an. Die wird eben darauf zielen, dass Lodges usw. den Conservancies/Communities gehören und nicht immer Investoren außerhalb der Conservancy.

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 01. Okt. 2017
5'538 Beiträge · seit 200802. Okt. 2017 · #18
Hallo Guido,

jetzt aber wirklich die letzte Antwort auf Deine Argumente. Ich kann die meisten von ihnen teilen, nur eines nicht. Das Du wirklich nur aus dem Verstand heraus argumentierst, glaube ich nicht. Es ist Allgemeinwissen, dass Du schon in jedem Führungs- und/oder Verkaufsseminar lernst, dass 90 % unserer Entscheidungen "Bauch"-Entscheidungen sind, die wir nur nachträglich mit rationalen Argumenten zu unterlegen versuchen. Und da beißt keine Maus einen Faden ab und magst Du noch so schöne Statistiken haben. Da siehst Du schon an der nachfolgenden Frage:

"Abschuss" mit dem Betäubungsgewehr?
warum nimmst Du gerade das Beispiel Löwen? Bei fast allen anderen Tieren gehört das Fleisch der Conservancy, die dafür weniger Tiere zum Verzehr abschießt. Selbst Elefanten kommen da noch auf den Tisch. Es ist wirklich nutzlos darüber zu streiten, denn Du hast auf jeden Topf einen Deckel und da können in diesem Topf noch so rationale Argumente sein. Aber die Mühe mache ich mir nicht, weil ich die Menschen beobachte und beobachte, was sie wie und warum tun. Das zeigt mir mehr, wo die Reise hingeht als statistische Gutachten.
Ein ganz anderes Beispiel zum Thema Bauch: Die Gutachten der fünf Wirtschaftsweisen basieren fast alle auf Statistiken. Trotzdem sind sie sich fast nie einige - die gehören nämlich verschiedenen Parteien an. Deshalb ist auch ein viel wichtigerer Indikator für die Zukunft die Statistik von IfO über die Stimmungslage in den Unternehmen. Auf welcher Statistik basiert denn die Stimmung? Aus der Bauchstatistik.

So und jetzt ist für mich endgültig Schluss mit der Haarspalterei in diesem Thread, die wir beide beim Thema Jagd immer wieder pflegen. Es gibt - und das bestreitet niemand - "Abknaller", die Töten schön finden. Aber mit denen gehe ich auch nicht in aller Herrgottsfrühe auf Pirsch und ich genieße mit den nicht den aufsteigenden Morgennebel und die aufgehende Sonne und ich helfe ihnen auch nicht bei der winterlichen Fütterung. Aber glaube mir bitte - Heger und Pfleger und Naturliebhaber - das ist und fühlt die Mehrheit der Jäger.

Liebe Grüße
Gerd
zuletzt bearbeitet 02. Okt. 2017
785 Beiträge · seit 200802. Okt. 2017 · #19
Hi,

Ich verstehe die Einwände gegen die Nutzung durch Jagd sowieso nicht da:

Die lokale Bevölkerung hat einen direkten Nutzen von den Erlösen aus der Jagt!

Die Quoten sind wohl so erstellt, dass hier von Nachhaltigkeit gesprochen werden kann! ( wird auch durch CITES überwacht )

Das Fleisch der geschossenen Tiere wird lokal verwertet und macht die Bäuche voll!

Auch sehe ich keinen Konflikt zu der gleichzeitigen Nutzung durch Tourismus, denn dies muss sich nicht ausschließen! ( Funktioniert ja auch in anderen Gebieten wie z.B. im Bwabwata National Park und auf zig Jagdfarmen die auch neben der Jagd touristisch genutzt werden )

Irgendwelche "Moralvorstellungen" von Personen die selbst in fernen Industrieländern und Wohlstand leben, die durch ihr direktes oder indirektes Handeln die Meere leer fischen, das Weltklima dauerhaft schädigen oder Nutztiere in Massenkäfigen halten, nützen der lokalen Bevölkerung recht wenig!!


Viele Grüße


Markus