Hallo,
Gerd1942 schrieb:wir haben alle mal angefangen, irgendetwas irgendwo abzugucken (z. B. als Kleinkind bei der Mutter). Hoffen wir, dass viele andere Conservancies hier abgucken. Das könnte viel zum wirtschaftlichen Aufschwung in den Dörfern beitragen und die Diskussion über Sinn und Unsinn der Jagd etwas beruhigen.
Wenn Du drüber nachdenkst, kannst du nicht zu diesem Schluss kommen und das hat nichts mit verbohrter Ideologie sondern rein mit wirtschaftlichen und ökologischen Fakten zu tun. Und auch wenn der 37. Aufguß des Themas nervt: Ich will Schönfärberei nicht unwidersprochen stehen lassen.
1. Es gibt Conservancies, in den Trophäenjagd aktuell die Haupteinnamequelle ist. Die Trophäenjagd komplett zu verbieten, ohne die Einnahmen zu substituieren, hätte dort aktuell negative Auswirkungen für Tiere und Naturschutz. Das stellen nur militante Jagdgegner in Frage, die die Fakten nicht auf ihrer Seite haben. Soweit Zustimmung.
2. Trophäenjagd kann und wird nicht die Lösung sein, damit die Conservancies langfristig und nachhaltig funktionieren. "Wir haben alle mal angefangen" impliziert, dass man das alles steigern kann. Man kann Trophäenjagd aber eben nicht in großem Maßstab skalieren. Man kann nicht dieses Jahr 3 Elefanten schießen, nächstes Jahr 5 und in 10 Jahren dann 100 Elefanten. Das gibt das Ökosystem nicht her. Und selbst wenn man es so steigern könnte: Bei hunderten Elefanten wäre die Exklusivität weg und der Preis pro Elefant würde stark sinken. Man wird nie ein Vielfaches der aktuell 3 Elefanten schießen können. Und deswegen wird man auch die Jagdeinnamen nicht vervielfachen können.
3. Die Bamumu-Conservany erzielt pro Monat umgerechnet 2 EUR pro Einwohner durch die Trophäenjagd. Siehe 1.: Das ist besser als 0 EUR. Aber es reicht nicht ansatzweise für ein Auskommen. Es wird auch nicht reichen, damit die Menschen langfristig das Zusammenleben mit den gefährlichen Wildtieren akzeptieren oder so gar ein Minimum an Wohlstand erreichen. Und sehr viel steigerbar ist das eben definitiv nicht. Siehe 2.
4. Andere Conservancies können sich da nichts abschauen. Die Hälfte der Einnahmen der Bamumu-Conservancy kommt aus der Trophäenjagd auf Elefanten (3 Elefanten a 200.000 NAD plus 9 Büffel a 75.000). Die Bamumu-Conservancy liegt direkt am Chobe an der Grenze zu Botswana in einer elefanten- und büffelreichen Gegend. Die Mehrheit der anderen Conservancies hat diese Elefanten- und Büffelmassen nicht und deshalb auch keine Chance, diese Einnahmen zu replizieren. Weil die Bamumu-Conservancy in einer so tierreichen Gegend liegt, wäre sie eigentlich prädestiniert, dort mehrere Lodges zu bauen, was die Einnahmen aus der Trophäenjagd garantiert um ein Vielfaches übertreffen würde. Siehe 5. Aktuell hat die Bamumu-Conservancy 0 Einnahmen aus Fototourismus. Keine Campsite, kein gar nichts.
5. Es ist grundfalsch auf einzelne Conservancies zu schauen und dann zu pauschalisieren. Sonst kann man den Spieß umdrehen und dann sieht die Trophäenjagd wieder jämmerlich aus. Die Bamumu-Conservancy erzielt heute wie gesagt 2 EUR pro Einwohner und Monat mit der Trophäenjagd. Die Torra-Conservancy erzielt in einer sehr viel tierärmeren Gegend heute schon ca. 25 EUR pro Monat und Einwohner durch Fototourismus.
Das Fazit ist und bleibt: Der wirtschaftliche Beitrag der Trophäenjagd ist absolut betrachtet winzig - trotzdem ist das heute in einigen Conservancies die Haupteinnahmequelle. Weil Trophäenjagdeinnahmen kaum skalierbar sind, kann Trophäenjagd maximal für einige Jahre eine Übergangsmaßnahme darstellen, um in Conservancies ohne Fototourismus anfangs überhaupt ein paar Einnahmen zu erzielen. Conservancies langfristig auf Trophäenjagd auszurichten, ergibt keinen Sinn.
Um mit etwas Positivem zu schließen: Das MET plant die Schaffung einer Tourism Development Bank, die eben u.a. in Conservancies den Bau von Lodges finanzieren soll. Denn momentan scheitert das vor allem an der Finanzierung. Wenn man
A trotz Finanzkrise das Geld dafür findet,
B kompetentes, korruptionsarmes Personal für die Bank findet und
C das mit der Vermittlung von Knowhow in den Conservancies verbindet,
dann kann das meines Erachtens für Namibia ein Riesenschritt in die richtige Richtung sein. Das wäre ein bisschen wie die KfW-Bank in Deutschland, die unter dem Strich sehr erfolgreich ist, wenn es um die Erreichung von wirtschafts- und umweltpolitischen Zielen in Deutschland geht und um die uns viele Länder beneiden.
Beste Grüße
Guido