ErikaThemenstarter2'338 Beiträge · seit 200714. März 2015 · #1Hallo zusammen
Das Verstümmeln und Abschlachten von Albinos nimmt in Tansania kein Ende. Lest bitte selbst.
Mir fehlen einfach die Worte. 🙁
http://www.srf.ch/news/international/tansania-geht-gegen-uebergriffe-auf-albinos-vorhttp://www.nzz.ch/newsticker/albino-in-tansania-hand-abgehackt-1.18498066Das ist für Tansania ein ganz, ganz hässliches und äusserst peinliches Thema.
Viele Grüsse
Erika
Jambotessy2'610 Beiträge · seit 200714. März 2015 · #2Hallo Erika,
du hast vollkommen Recht, ein sehr trauriges Thema in der heutigen Zeit. Leider ist dies ein "Relikt" der alten Traditionen. Sehr, sehr traurig, diese armen Menschen!
Grüße
Jambotessy
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise.
(Sprichwort der Ovambo)
1x Togo + Benin (mit TUI), 1x Ruanda + Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 23 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe, Sambia, Südafrika/ 17x mit dem Dachzelt und 6x ohne Dachzelt)
bongolander408 Beiträge · seit 201414. März 2015 · #3Aber alleine Tansania bzw. deren Menschen anzuzeigen ist falsch, denn das gibt es in allen diesen Ländern, Kongo, Malawi, Uganda und wie sie alles heissen mögen. Das ist genau so wie mit FGM, Beschneidung der Frauen, das wurdeseit Menschengedenken praktiziert, und das aus einer so traditionellen Gesellschaft wie zum Beispiel in Tansania, das kann Generationen dauern. Und jetzt kommt noch dazu, haltet Euch an, laut eines Zeitungsartikel sind Menschen bereit, bis zu 75,000 USD für diese ekligen Sachen zu bezahlen. Inzwischen geht es nicht mehr nur auf Albinos, sonder auch auf hellhäutigere Menschen. Und Tansania das Todesurteil (steht auf dieses Verbrechen) vollstrecken würde, dann kommen all die Gutmenschen aus den Industrieländern mit der Ächtungskeule herangetobt und wollen Boykott und wasweissichnochwas. Ist ein Wahnsinn durch die Zauberdoktoren noch geschürt.
Johannes
The Schimann Family - Man kommt als Gast und geht als Freund
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200614. März 2015 · #4Jambotessy schrieb:Leider ist dies ein "Relikt" der alten Traditionen.
... Aberglaube wäre vielleicht ein besseres Wort als Tradition gewesen.
Hast Du vermutlich auch so gemeint ...
Ich habe von solchen Dingen 2003 in Kamerun erfahren. Da hat man nicht "nur" mal einen Arm abgehackt, sondern die Menschen wurden zerstückelt und man hat ihnen die Organe entfernt.
Überhaupt waren Aberglaube und daraus folgende seltsame Bräuche überall noch gang und gäbe. Ich habe einen ganzen Tag bei zwei Totenfeiern verbracht und für unsere Augen sehr seltsame Dinge erlebt.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
LEleserGast14. März 2015 · #5Auch im SA kommt so was vor. Im Marikana-Hearing z. B. wurde berichtet, dass ein getöteter Wachmann zu Muti verarbeitet wurde. Ansonsten weiß kein Mensch wie oft so was passiert.
Das Pendant dazu aus unserem eigenen Kulturkreis ist der illegale (kriminelle) Organhandel. Die Palette reicht von Straßenkindern ohne Augäpfel bis zu „Verschwundenen“ oder wegen Straftaten Exekutierte, welche alle „totalverwertet“ werden.
leser
_Matthias_284 Beiträge · seit 201414. März 2015 · #6Das ist ohne Zweifel eine schlimme Sache, aber, nach dem Zeitungsbericht, geht die tansanische Regierung dagegen vor, und auch wenn jedes Opfer schrecklich ist, sind 100 Ermordete in 10 Jahren, also 10 pro Jahr jetzt nicht so viele. Laut Artikel trifft die Krankheit jeden 1500sten in Tansania, das wären bei ca 50Mio Einwohner über 33000 Albinos in Tansania.
So Aussagen wie "Das ist für Tansania ein ganz, ganz hässliches und äusserst peinliches Thema." kann ich zwar als spontane Reaktion verstehen, aber in Deutschland werden pro Woche 3 Kindern von ihren eigenen Eltern getötet (
http://www.zeit.de/2014/37/yagmur-prozess/seite-3), wie hässlich und peinlich ist das denn für Deutschland?
Tansania unternimmt doch etwas und ignoriert das Problem nicht, das ist doch positiv und nicht peinlich.
Das die Vollstreckung der Todesstrafe helfen würde halte ich für falsch, wie will man den Respekt vor Menschenleben erhöhen, wenn man selbst mordet? Sonst gibt es in ein paar Jahren Zeitungsartikel über Hingerichtet, denen fälschlicherweise unterstellt wurde Heiler oder Zauberer zu sein.
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bongolander408 Beiträge · seit 201414. März 2015 · #7Naja, eines ist in gewisser Hinsicht richtig, dieses Problem kommt hoch, weil es die ganze Brutalität zur Schau stellt. Natürlich könnte man auch sagen, ohne etwas beschönigen zu wollen, im Hinblick auf die Ermordung von Albinos ist die Zahl derer, die durch Irre Fahrweise eines sich übernehmenden Lkw- oder Busfahrers auch in gewisser Hinsicht ermordet werden, relativ gering. Angeblich sind seit 2000 etwas über 70 Albino brutal ermordet worden. In einem einzigen Busunfall (zB vor drei Tagen nahe Mbeya) sterben 40 oder 50 Menschen, und solche Unfälle ereignen sich etwa 2 bis dreimal im Monat.
Dass ich nicht falsch verstanden werde, man kann Tote nicht gegen Tote aufrechnen, jeder Mensch ist wertvoll und hat verdient, sein Leben, wie es ihm gegeben wurde, zu leben.Aber es ist für die Regierung auch eine willkommene Ablenkung von der Tatsache dass sie unfähig ist, Recht und Ordnung überall zu implementieren. Ob im Strassenverkehr, im Zusammenleben der Menschen oder in den Familien.
Johannes
The Schimann Family - Man kommt als Gast und geht als Freund
Butterblume3'700 Beiträge · seit 200914. März 2015 · #8Liebe Erika,
auf jeden Fall gibt dein Hinweis etwas tiefere Einblicke in dieses beliebte Reiseland abseits der üblichen seichten Informationen.
Und da dies ja hier ein Afrika- und kein Deutschland-Forum ist, bin ich sehr dankbar für solche Links. Meine Meinung zum Thema bilde ich mir dann selbst ohne sie hier öffentlich im Forum zu diskutieren.
Herzlichen Dank und Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit
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Jambotessy2'610 Beiträge · seit 200714. März 2015 · #9Hallo Wolfgang,
ja du hast Recht, "Aberglaube" wäre das richtige Wort gewesen!
Danke Jambotessy
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise.
(Sprichwort der Ovambo)
1x Togo + Benin (mit TUI), 1x Ruanda + Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 23 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe, Sambia, Südafrika/ 17x mit dem Dachzelt und 6x ohne Dachzelt)
_Matthias_284 Beiträge · seit 201414. März 2015 · #10bongolander schrieb:Aber es ist für die Regierung auch eine willkommene Ablenkung von der Tatsache dass sie unfähig ist, Recht und Ordnung überall zu implementieren. Ob im Strassenverkehr, im Zusammenleben der Menschen oder in den Familien.
Aber das trifft doch auf jede Regierung weltweit zu, sonst gäbs ja Länder ohne Verbrechen.
Es ist ja auch ok, dass das Thema hier behandelt wird und Misstände offen benannt werden. Man sollte halt nur nicht vergessen, dass auch zuhause nicht alles so toll und vieles hässlich und peinlich ist.
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ErikaThemenstarter2'338 Beiträge · seit 200715. März 2015 · #11Hallo zusammen
Bongolander schrieb: Und jetzt kommt noch dazu, haltet Euch an, laut eines Zeitungsartikel sind Menschen bereit, bis zu 75,000 USD für diese ekligen Sachen zu bezahlen
Das bedeutet doch, dass diese zu Glücksbringern verarbeiteten menschlichen Bestandteile von einer „zivilisierten“, gut verdienenden Bevölkerungsschicht erworben werden, und nicht wie man annehmen müsste, von den einfachen, unaufgeklärten Menschen.
Matthias schrieb:aber in Deutschland werden pro Woche 3 Kindern von ihren eigenen Eltern getötet (www.zeit.de/2014/37/yagmur-prozess/seite-3), wie hässlich und peinlich ist das denn für Deutschland?
Das ist ein total anderes Thema und hat mit dem Abschlachten von Albinos überhaupt nichts zu tun.
Viele Grüsse
Erika
Swakop19522'664 Beiträge · seit 201215. März 2015 · #12Nur Johannes hat es richtig eingeschätzt.
Die Ursache ist die Macht der Zauberdoktoren, und die reicht bis in die oberen Ebenen der afrikanischen Staaten, wo selbst die Politiker eine höllische Angst vor ihnen haben.
Es geht kein Weg drum herum, nicht einmal mit der Todesstrafe, als die Zauberdoktoren bloß zu stellen und so ihre Macht zu brechen.
Und das geht nicht anders, als sie physisch anzugehen und ihnen ihre Zaubermittel und alles, was sie unter der Kleidung oder Umhängen tragen, vor möglichst vielen Zuschauern zu entreißen und zu zerstören.
Sobald sie dieses Zauberknochen, -wurzeln oder sonstige Dinge nicht mehr um den Hals tragen, und dem Zerstörenden nichts passiert, sind sie entzaubert und verkriechen sich, weil die die Gemeinschaft mit ihren Zaubereien nicht mehr terorrisieren bzw. einschüchtern "können". Keiner wagt sie anzugehen weil niemand weiß wie weit deren Macht reicht. Da ist Todesangst.
Ich habe als kleiner Junge mal eine solche Entzauberung mit erlebt. Mein Vater hatte einen solchen Zauberdoktor unbewußt eingestellt, und es kamen Arbeiter hinten herum angstschlotternd zu meinem Vater und sagten ihm dieses, weil die von dem Mann richtig terrorisiert wurden und sie Angst vor seinem Zauber und Giften hatten.
Nun mußte er die Arbeiter schützen, und er entriß dem Zauberdoktor eines Tages seine Knochen, Giftbehälter etc. die er um den Hals trug bei passender Gelegenheit, als dieser sich mit ihm anlegte und ihm drohte.
Er zertrampelte alles am Boden, und der Zauberdoktor verschwand übel schimpfend im Busch und wurde von uns nie wieder gesehen.
Die Arbeiter warnten meinen Vater, daß er uns wohl verzaubern und umbringen würde. Als wir aber nach mehreren Tagen noch am Leben waren, war der ganze "Zauber" und die Angst unter den Arbeitern wie weggeblasen.
Mein Vater machte kurzen Prozeß, weil die Polizei da machtlos war, und in den Jahren davor zwei Mädchen die bei uns im Haushalt arbeiteten durch solche Medizinmänner umgebracht worden waren, und er die Problematik bestens kannte.
Auch der christliche Glaube hat es bis heute nicht geschafft, diesen Aberglauben bezüglich der Witch Doctors zu verdrängen. In Südafrika sind sie zum Teil noch aufgewertet worden, und es ist sehr sehr schwer zwischen den Witch Doctors und den Traditional Healers zu unterscheiden.
Im Übrigen ist das keine Erscheinung nur in Tanzania, sondern in ganz Afrika südlich der Sahara. Nam ist gottseidank davon bisher verschont geblieben. Der Bischof Kameeta, der in Karibib zu Schule ging, ist ja dort einer der bekannteren "Albinos" der sogar den Aufstieg geschafft hat.