Am Nachmittag hatten wir das Vergnügen, zusammen mit 2 lieben Schweizern, per Bootsauflug das Dorf Andranokoditra zu besuchen. Dieses liegt malerisch auf der anderen Seite des Canal de Pangalanes auf der Landzunge, die den Ozean und den Kanal voneinander trennt. Die Lage ist ein Traum, es ist wie im Paradies. Nur trügt die Idylle, denn die Menschen hier sind den Zyklonen besonders schutzlos ausgesetzt, die jedes Jahr über Madagaskar hinwegtoben. Man mag sich das nicht ausmalen, die Menschen verlieren oftmals all ihr Hab und Gut und sind in Lebensgefahr. Als wir fragen, waum man nicht robustere Häuser bauen könnte, bekommen wir als Antwort: so ist unsere Tradition.
Hier wird gerade das Dach einer Hütte gedeckt. Man verwendet wie fast überall die getrockneten Blätter der Ravenala.
Ein Dorfbewohner. Stop, ich muss mich korrigieren. Das war der Bürgermeister, der uns herumgeführt und alles gezeigt hat.
Der Bahnhof des Dorfes. Leider kommen hier schon lange keine Personenzüge mehr an. Aber ungefähr wöchentlich fährt wohl hier ein Güterzug nach Tamatave und die Menschen können ihre Ernten in die Stadt bringen.
Der Indische Ozean - ein Traum.
"Nun hat Papa schon wieder einen neuen Flicken auf unser Boot gemacht..."
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200910. März 2015 ·
Dieses Plakat erinnert uns daran, dass Malaria in diesem Teil des Landes allgegenwärtig ist. Man versucht offenbar, die Ausbreitung durch Imprägnierung der Häuser mit Insektenspray einzudämmen...
Vom einstigen Glanz eines Hotels ist nur noch dieses Schild geblieben:
Auf dem Weg von Irgendwo nach Nirgendwo...
hält vielleicht auch mal ein Zug in Andranokoditra:
Eine dünne Landzunge trennt den Canal des Pangalanes vom indischen Ozean. Hier muss man sich nur mit der ständigen Gefahr arrangieren, dass der nächste Zyklon alles kurz und klein haut. So heißt es eben jeden glücklichen Augenblick zu genießen...
Mit diesen winzigen Nussschalen fährt man hinaus aus Meer, um Fische zu fangen:
Und wenn die Schule vorbei ist...
spielt der FC Andranokoditra in der Kenwood-Arena:
Dorfidylle...
... und dieser Kühlschrank funktioniert höchstens noch in der gar nicht mehr so weit entfernten Antarktis:
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200913. März 2015 ·
Leider müssen wir heute das Lemurenparadies am Canal des Pangalanes verlassen... morgens früh weckt mich das weiche goldene Sonnenlicht und ich genieße den Sonnenaufgang am Strand:
Zum Abschied haben uns noch mal zwei tanzende Cocquerel-Sifakas beim Frühstück begrüßt...
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200913. März 2015 ·
Wir haben das Wassertaxi erst auf zwei Uhr Nachmittags bestellt, so haben wir noch ein bißchen Zeit, das Palmarium zu genießen. Dann heißt es leider Abschied nehmen und unser Wassertaxi brettert los, das GPS misst über 25 km/h und uns weht eine steife Brise um die Nase. Auf dem Canal des Pangalanes herrscht reger Verkehr und zum Anfang der Strecke, solange wir noch weit genug weg von Tamatave sind, bietet sich uns ein idyllisches Panorama:
Wir durchfahren auch öfter wieder diese breit angelegten Fischreusen:
Je näher wir der Hafenstadt Tamatave, heute Toamasina genannt kommen, desto ungemütlicher wird es. Die Nähe zur Stadt kündigt sich zunächst durch große Brücken über den Fluss an, dann werden die Dörfer am Rand immer chaotischer und dreckiger, überall liegt Müll herum und die Leute machen einen deutlich weniger entspannten Eindruck. Irgendwann fahren wir an riesigen Treibstofftanks und einer Anlage vorbei, die vermutlich das Kraftwerk ist. Die schmutzigen Dörfer sind jetzt regelrechten Slums gewichen, die direkt ans Wasser gebaut sind. Den schmalen bewohnten Uferstreifen trennt eine hohe, mit Stacheldraht bewerte Mauer im bewährten Walter-Ulbricht-Design vom restlichen Land ab. Wir verstehen nicht, warum die Leute am Wasser hinter einer solchen Mauer eingesperrt sind. Schließlich weitet sich der Kanal langsam auf, und wird zum Hafengelände, wo alte Pötte zusammengeschweißt vor sich hin rosten. Aus Löchern in den alten Pötten starren uns Kinder an und halten uns den ausgestreckten Mittelfinger entgegen.
Am Ufer wartet Aina, unser Fahrer, auf uns und bringt uns zum Joffre Hotel im Stadtzentrum. Wir kriegen ein ordentliches, aber nicht besonders gemütliches und stockfinsteres Zimmer. Aus irgend einem Grund lassen sich die Fensterläden nicht öffnen, und so kommt praktisch kein Licht von außen herein. Die ratternde und scheppernde Klimaanlage kämpft nachts mit ihrem Lärm gegen das Straßenfest direkt vorm Hotel an, dessen Geräuschkulisse mich an die Open-Air-Festivals im Sommer in Norddeutschland erinnert. Madagassen und Techno? Zu gerne hätte ich mir dieses bizarre Panoptikum angeschaut, aber die Müdigkeit gewinnt. Hätten wir doch nur das Zimmer mit Blick zum Innenhof genommen. Bein Einschlafen sehnen wir uns nach den flauschigen Lemuren im Palmarium und dem Relaxen am Canal des Pangalanes. Naja, übermorgen geht es wieder in die Wildnis, diesmal richtig...
Die Bootsfahrt nach Tamatave hätte für mich sehr schön sein können, wenn ich nicht so sehr gefroren hätte im Fahrtwind. Irgendwann wollte ich nur noch ankommen. Im Hotel fühlte ich mich dann total heiß und angeschlagen. Zum Abendessen konnte ich kaum etwas zu mir nehmen. Zurück im Hotelzimmer habe ich die Temperatur gemessen und hatte Fieber. Einfach so. Ohne irgendwelche Symptome. Ich konte mir allenfalls ein kleines Verdauungsproblem vorstellen... Ich schlief früh ein und am nächsten Morgen war der Spuk vorbei. Naja fast. Das Fieber war weg und ich hab mich allenfalls noch etwas matt gefühlt. Wir zogen unser Tagesprogramm durch. Heute ging es mit Aina zu einem kleinen Zoo etwas außérhalb der Stadt - nach Ivoloina.
Es handelt sich zum einen um eine Erholungseinrichtung, die auch Einheimische besuchen, zum anderen werden hier Madagassen in "environmental education programs" ausgebildet. Man versucht in diesem Schutzgebiet, den Wald Stück für Stück wieder aufzuforsten. Es gibt viele freilebende Lemuren, leider sind jedoch auch einige Tiere in Gehegen eingesperrt. Und das ist ein kein so schöner Anblick. Ich werde dazu keine Fotos posten. Auf unsere Nachfrage sagte man uns, der Wald ist z.Z. noch nicht groß genug für alle Tiere, aber nach und nach sollen alle Tiere ausgewildert werden. Hm, kann man das glauben?
Na, wen haben wir denn da? Unser erster Schwarweißer Vari auf dieser Reise!
Und er ist nicht allein.
Wir sehen auch viele Reptilien und Amphibien. Hier stört es uns weniger, sie in abgegrenzten Arealen anzutreffen, so haben sie doch sehr viel Platz.
Das Gelände ist tatsächlich sehr schön, es gibt Wanderwege um einen kleinen See herum und es tut mir gut, heute einfach mal ohne große Anstrengung herumzuspazieren. Nach ein paar salzigen Keksen am Nachmittag geht es mir schlagartig wieder gut. Was war das nur mit dem Fieber gestern abend?
Hier kann man sich eine ordentliche Portion Grün abholen!
Diese Brücke ist intakt. Die letzte leider nicht mehr, so das wir den ganzen Weg, der eigentlich ein Rundweg ist, zurücklaufen müssen. Junge Madagassen hangeln sich über die Brückenreste ans Ziel, wir trauen uns das nicht mit der Kameraausrüstung. Rückzu geht es natürlich viel schneller, weil wir nur noch halb so viele Bilder machen... 😗
Ein Bild muss ich Euch nochmal zeigen, auch wenn ich mich wiederhole. Leider bleibt dieses Aye Aye auf dem Shirt meines Mannes das einzige, das wir hier im Ivoloina Park sehen. Erkennt Ihr es?
Das Fingertier!
Es ist natürlich nachtaktiv und uns war es nicht vergönnt, dass es seine Höhle verläßt.
Freunde von uns waren zum Jahreswechsel in Ivoloina und sie hatten Glück, übermäßiges Glück! Hallo Natalie, Ich denke, Du bist mir nicht böse, wenn ich Deine Fotos hier poste. Man muss dieses reizende Tierchen einfach mal zeigen! Es ist so häßlich, dass es schon wieder total süß ist! Wir sind große Fans.
Erwähnte ich schon, dass wir uns ein Plüsch-AyeAye mitgebracht haben???? 😛 🤩
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200914. März 2015 ·
Das Schöne daran ist, dass die Pflanzen sich selbst überlassen sind und somit auch beim Verwelken bizarre Formen schaffen:
Vielleicht noch ein kleines Fazit zu Ivoloina: es ist ein netter kleiner Zoo mit See und einem schönen Rundweg drumherum (auch wenn er wegen einer kaputten Brücke nicht voll begehbar ist), aber nur deswegen lohnt es sich nicht, nach Toamasina zu fahren. Die Hafenstadt ist ansonsten ziemlich furchtbar, wie Hafenstädte nun mal so sind. Wenn man dort auf dem Weg zum Masoala-Nationalpark Zwischenstation macht, lohnt sich der Besuch in Ivoloina allemal...
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200915. März 2015 ·
Auf dem Rückweg zum Hotel werden wir noch Zuschauer eines Heimspiels des FC Toamasina in der Hafen-Arena:
In der Nacht haben wir trotz fehlendem Straßenfest wieder schlecht in der düsteren Kammer geschlafen und sind froh, als es endlich Morgen wird. Eine klapprige Anordnung von Fahrzeugbauteilen, die mal ein Peugeot 205 war (das Modell, welches meine Generation schon während der Abiturzeit schon runtergeschrubbt hat) holt uns vor dem Hotel ab und bringt uns zum Flughafen. Wir sind sehr früh da und müssen uns noch eine Weile gedulden. Als wir endlich einchecken können, kommt das, was wir befürchtet haben aber wo wir immer dachten, wir kommen drum herum 😮 – alles wird gewogen, einschließlich uns selbst. Erst die großen Taschen, die waren nur ein bißchen zu schwer. Dann mein Fotorucksack, der mit stolzen 13kg die zulässige Masse fast um 100% überschreitet. Dann ich selber, da meckern sie komischerweise aber nicht. Am Ende werden wir zur Kasse gebeten und müssen für das Übergepäck blechen. Uns rutscht der Magen in die Hose und voller Entsetzen zählen wir die Nullen hinter der zwei auf der Quittung. Es sind vier. Zwanzigtausend Ariary!!! Das muss man sich mal reinziehen. Ok ok, es sind etwa sechs Euro 😗 und erleichtert bezahlen wir, holen unsere Bordkarte ab und gehen durch die – haha – Sicherheitskontrolle, natürlich mit Handgepäck. Diese besteht aus einem Metalldetektor, bei dem der Stecker nicht mal in der Steckdose war. Aber wir müssen durch. Vorschrift ist Vorschrift. Wenn er angeschaltet gewesen wäre, hätte es mit meinem Fotorucksack wahrscheinlich die Sicherung herausgehauen oder ich hätte einen EMP ausgelöst. So warten wir gespannt, wann unser fliegendes Buschtaxi ankommt. Da kommt sie schon, unsere Twin-Otter. Mit dem Geräusch einer zornigen Hummel schwebt sie herein und rollt sportlich heran, ähnlich wie wir das damals in Tulear erlebt hatten.
Ein erste Sichtkontrolle ergibt, dass noch alle wichtigen Bauteile dran sind. Nicht einmal die Lackierung weist Makel auf. Wir dürfen einsteigen. Mit dabei ist eine rüstige alte Oma, die noch mit großem Tamtam von der Familie auf dem Flughafen verabschiedet wird. Sie ist klapperdürr und mit ihren augenscheinlich 99 Jahren (wahrscheinlich sind es in Wirklichkeit 66) begibt sie sich furchtlos an Bord und findet problemlos auf dem schmalen Sitz ihren Platz. Bei mir ist das anders, eine Hinterbacke muss frei schwebend im Gang Platz nehmen. Das Interieur der Twin Otter strahlt, obwohl das Flugzeug ein Westprodukt ist, strammen DDR-Charme aus, irgendwo zwischen Tatra-Straßenbahn und Ikarus-Bus, aber ohne Halteschlaufen.
Das Anlassen der Triebwerke und ist erstaunlich unspektakulär, wir rollen los und nach einer Startstrecke, die gefühlt in einen Großstadt-Vorgarten gepasst hätte, heben wir ab. Kürzer geht's nur noch mit einem Hubschrauber. Jetzt, wo die Kiste unter Beweis gestellt hat, dass sie fliegt, lehnen wir uns entspannt in unseren Sitzen zurück, bzw. wir würden es tun, wenn wir könnten, denn die Rückenlehnen sind sehr kurz.
Dank der dünnen Kabinenwand habe ich GPS-Empfang und messe 290km/h Reisegeschwindigkeit.
Dieses Bild zeigt die effiziente Verstauung von Fracht und Gepäck. Hier hat sich übrigens auch der Fehlerteufel 😈 eingeschlichen. Wer findet ihn?
Über den Wolken...
Moose hatte ja ziemlichen Bammel vor diesem Flug aber ich hatte aus meiner Kindheit noch die Shuttle-Flüge in Nigeria zwischen Kano und Kaduna in Erinnerung, in dieser elenden Dornier Skyservant, wo einem von dem Gekreische der primitiven Kolbenmotoren fast die Zähne ausgefallen sind. Dagegen ist so eine Twin Otter mit ihren Turboprops schon Luxus.
Im SturzSinkflug beschleunigen wir dann noch mal kurz auf 320 Sachen und nach einer scharfen Rechtskurve visiert der Pilot schon die Landepiste an und setzt mit einem satten Rumms in Maroantsetra auf. Elegant wie mit einem Sportwagen schlenkert er um die Kurve und kommt vor der Ankunftshallebaracke zum stehen. Es riecht nicht mehr nach stickiger Hafenstadt, sondern nach Wildnis. Wir falten unsere zerknautschten Körper auseinander und torkeln erleichtert die GangwayKlapparatur herunter aufs Rollfeld. Auch die Oma hat den Flug hervorragend überstanden, wahrscheinlich auch dank der Schweizer Mitreisenden, die sie dank ihrer Französischkenntnisse aufmuntern konnten.
Oh Mist, wenn da nicht zuvor noch dieser Flug mit der Twin Otter wär... Leider hatte ich den Reisebericht von Nana76 gelesen... 🤩 Leute OHNE Flugangst können ihre Erlebnisse hier nachlesen:
Mir geht diese Geschichte einfach nicht aus dem Kopf! Blödes Kopfkino aber auch. Auf dieser Reise haben wir aber auch wirklich merkwürdige Transfers geplant. Dies ist Nummer 1. Und ich habe sonst wirklich keine Angst vorm Fliegen! Aber wer nach Masoala will, kommt hier um die Air Madagascar kaum drum herum. Welche Alternativen gibt es? Also da wär die Fahrt mit einem Allradfahrzeug auf einer nicht mehr existenten Straße mit noch weniger existenten Brücken über sehr wohl existierende Flüsse. Sicher ein tolles Abenteuer, wenn man viel Zeit und viel Geld hat und wo der Weg das Ziel ist. Dann gäbe es die Möglichkeit, mit einer Art Fähre dort hoch nach Maroantsetra zu fahren, immer an der Küste entlang ab Soanirana Ivongo nördlich von Taomasina. Tja, wenn man richtige Infos im Internet finden würde, vielleicht hätten wir uns drauf eingelassen. So wußten wir nichts über Pünktlichkeit, exakte Dauer, Abfahrtzeiten... Dann gibt es von der Luxus-Herberge "Masoala Forest Lodge" den kleinen aber netten Service eines "Fly-Inn"-Stay mit Privatjet, für den ganz schmalen Geldbeutel aber eher nicht zu empfehlen... Naja, es blieb für uns schließlich die Air Madagascar übrig...
Mein Mann war mir auch nicht unbedingt eine Hilfe, in dem er immer wieder versicherte, als Kind in Nigeria sei er gaaanz andere Sachen geflogen. Wo nimmt der Mann bloß immer diese Ruhe her? Ich war ein Nervenbündel. Auch nicht hilfreich zur Beruhigung war das -uns im Vorfeld schon durchaus bewußte- Übergepäck. Die Frau am Check In tat aber auch wirklich vorwurfsvoll, als würden wir grad ein Staatsverbrechen begehen, weil wir soviel Gepäck mitnehmen wollen. Ich seh den erhobenen Zeigefinder noch immer vor mir und ich dachte nur, oh weh, das wird teuer! Naja, die 6 Euro waren dann die gerechte Strafe für uns. 😗
Was soll ich sagen, der Flug ging problemlos über die Bühne. Die als sehr unpünktliche Air Madagascar hob pünktlich ab und landete ebenso pünktlich an unserem Ziel. Uff, das wär schon mal geschafft.
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200921. März 2015 ·
In der Ankunftshalle erwartet uns ein ein sportlicher junger Mann (gibt es so etwas wie Madagascar Special Forces?) mit einem Pappschild, auf dem unsere Namen stehen. Er heißt Josephe, begrüßt uns erst auf Englisch, wechselt dann aber zu einem gebrochenen Deutsch, welches einen eigenartigen Ak(ch)zent aufweist, dessen Herkunft erst klar wird, als uns einfällt, dass der Züricher Zoo bei der Förderung des Masoala-Nationalparks ja seine Hände im Spiel hat 😗
Seinem Ruf als TÜV-Freakshow wird dieses Land auch hier wieder gerecht – das Auto ist diesmal ein Peugeot Dreihundertirgendwas, der mit einem letzten Rest an Schweißnähten behelfsmäßig zusammen gehalten wird. Er bringt uns zusammen mit Josephe sicher zum Hafen von Maroantsetra, wo wir von Olivier Fournajoux begrüßt werden, einem der beiden Gründer der Ecolodge Chez Arol. Er erklärt uns die Basics, wie unsere Ausflüge und die Grundversorgung im Regenwald in den nächsten Tagen ablaufen werden. Seine aufgeräumte und unkomplizierte Art ist uns sehr sympathisch und wir fühlen uns gleich bestens aufgehoben, wenngleich beim Anblick der mit wuchtigen Außenbordmotoren ausgestatteten Nußschale aus Fiberglas, auf der wir über die Antongil-Bucht gebracht werden sollen, gleich die Knie ein wenig weicher werden.
Ratzfatz ist unser Gepäck verstaut. Eine Köchin kommt mit ins Boot, essensmäßig waren wir auf dieser Reise ja bisher sehr gut aufgehoben, da freuen wir uns schon, nicht alleine von Reisklumpen leben zu müssen.
Nach einem unspektakulären Ablegemanöver gleiten wir dann sanft durch den Hafen, sehen durchaus gut erhaltene große Boote, vielleicht fahren von denen auch welche ab Toamasina, als Alternative zum Inlandsflug. Leider haben wir das nie zuverlässig herausfinden können, und so gönnten wir uns das Twin Otter Abenteuer.
Nachdem wir die Mündung des Antainambalana Flusses, der auch das Hafenbecken bildet, passiert haben, heißt es gut festhalten und der Kapitän holt alles raus, was die beiden Motoren hergeben und so brettern wir laut GPS mit knapp 30km/h durch die Bucht:
Unsere Bootsfahrt über die Antongilbucht dauerte bei sehr ruhiger See ca. anderthalb bis 2 Stunden. Es war stark bewölkt und es regnete auch ein-, zweimal. Willkommen im Regenwald Masoala, hier soll es ja bekanntlich jeden Tag regnen... Zuerst einmal nahm das Boot direkten Kurs auf die kleine Insel Nosy Mangabe, noch recht nah dem Festland bei Maroantsetra, hier werden wir in einer Woche auf dem Rückweg eine Nacht im Zelt verbringen. Dann ging es weiter auf dem kürzesten Weg zur Chez Arol Lodge, weiter südlich auf der Masoala-Halbinsel. Endlich ankommen - wir sind heute schon früh auf den Beinen gewesen.
Uns erwartet eine kleine, einfache Hütte, unser Heim für 6 Nächte.
(Die Fotos habe ich an einem späteren Tag gemacht, als wir uns schon mehr eingerichtet hatten.)
Wir ruhen uns einige Zeit aus, bekommen ein sehr schmackhaftes Mittagessen, und betreten zum ersten Mal den den Regenwald mit Josephe... 🤩 Und natürlich sehen wir gleich an unserem ersten Tag vor Ort unsere flauschigen, roten Lieblinge - die Roten Varis. Die Bäume sind hier im Primärwald sehr hoch, die Tiere demzufolge sehr weit weg und nicht leicht zu fotografieren. Ich habe die Lemuren also etwas herausvergrößert... 😗
Sie können wunderbare Konzerte mit ihren Rufen veranstalten.
Danach muss man sich natürlich wieder ein bißchen ausruhen...
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200929. März 2015 ·
Kurz nachdem wir mit dem Boot angelandet hatten, wurden wir an Land übrigens von einer Ringelschwanz-Manguste begrüßt, in Vari-Rot.
An unserer Hütte werden wir schon freundlich begrüßt:
Bei der nachmittäglichen Regenwaldwanderung begegnen uns nicht nur die ersten roten Varis, sondern auch andere merkwürdige rote Kreaturen:
Das sind aber auch die einzigen roten Farbtupfer... ansonsten sind wir von einem Überfluss an Grün- und Brauntönen umgeben.
Viele der Bäume haben mächtige Luftwurzeln:
Die Chamäleons haben wir fast genauso lieb wie die Lemuren... wenn sie sich nur nicht immer so perfekt verstecken würden:
Auf diesen unwegsamen Wegen werden wir uns die nächsten Tage bewegen:
Abends herrscht dann auf der großen Terrasse, wo wir zum Essen hinkommen, großes Gedränge. Olivier hatte uns schon in Maroantsetra vorgewarnt, dass eine Gruppe von Ingenieuren hier wohnt, um eine rudimentäre Stromversorgung aufzubauen. Bis auf wenige Ausnahmen sind das alles rüstige Rentner, der eine oder andere würde fast als Gerard Depardieu durchgehen, alles ehemalige EDF-Mitarbeiter, die als Freiwillige Helfer hier arbeiten.
Auf der Hütte haben wir keine Steckdose, und hier an der Bar gibt es eine einzige Mehrfachsteckdose, auf die mehrer andere Mehrfachsteckdosen aufgesteckt sind, an denen die Leute ihre Handies und Kamera-Akkus aufladen. Für uns ist gerade noch ein Platz frei. Glücklicherweise sind unsere Kameras sehr genügsam, was den Stromverbrauch angeht und Handynetz haben wir hier sowieso nicht bzw. nur mit viel Glück, wenn man auf einen bestimmten Felsen klettert. Insofern kommen wir die nächsten Tage mit dieser "Stromversorgung" mit gerade so hin. Trotzdem würde ich nächstes Mal vielleicht ein Solar-Ladegerät mitnehmen...
Beim Abendessen rinnt das kühle THB meine durstige Kehle hinunter und im Wald brüllen die Varis. So soll es sein.
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200907. Apr. 2015 ·
In einem früheren Eintrag hatten wir ja schon eine kurzes Video zur Fahrt durch die Antongil-Bucht von Maroantsetra zur Arol Lodge, und hier kommt jetzt die Vollversion:
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200926. Apr. 2015 ·
Heute haben wir den Handyfelsen gefunden – drauf steigen, Arm mit Handy weit nach oben strecken und 🤩 juhuu - 2 Balken! Das reicht, um eine macht-Euch-keine-Sorgen-SMS an die liebe Verwandtschaft zu schicken.
Auf den Beinen sind wir seit 05:30 morgens, nach dem Frühstück geht es nach einem kurzen Stück Richtung Norden am Strand entlang...
... direkt in den Wald hinein, entlang an einem kleinen Bach, der Regenwasser aus den Bergen ins Meer leitet:
Wir staunen wieder über bizarre Pflanzen wie diesen Vogelnestfarn...
... und bunte Blütenpracht:
Am meisten beeindrucken uns die majestätischen großen Bäume mit ihren flachen Wurzeln, die uns an den Avatar - Film erinnern:
In Ermangelung biologischen Fachwissens nennen wir sie seitdem Avatar-Bäume.
Josephe fängt ein winziges Fröschlein im Unterholz – keine Angst, wir essen sowas nicht! 😈
Hier lauert eine Springspinne nach ihrem Frühstück:
Der "Weg" durch den Wald ist ganz schön anstrengend 😮 , aber die Begegnung mit unseren roten flauschigen Freunden will schließlich verdient sein...
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200929. Apr. 2015 ·
Vor den Erfolg haben die Varis den Schweiß gesetzt... wir müssen uns den Anblick unserer flauschigen Freunde hart verdienen, doch nach mühsamem Durchschlagen durchs Unterholz sehen wir die ersten buschigen schwarzen Schwänze aus dem Geäst baumeln und dann schauen uns auch die gelben Funkelaugen an, während das kehlige BRRR WRRR GRRR einen kalten Schauer den Rücken hinunter jagt:
Übrigens gibt es auch hier wie bei uns im Berliner Tierpark die Vari-Ante mit dem weißen Po-Ring am Schwanz-Ansatz, der Berliner Kollege heißt übrigens "Thorsten".
Entspannungsübungen auf dem Baum:
Achtung, Kollegen! Knäckebrote im Anmarsch!
Ihr wisst ja wie das läuft...
süüüß und knuddelich!!!
Doch auch diese weder süße noch knuddelige mobile Brauseschlauchgarnitur weckte unsere Aufmerksamkeit: