erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200910. Mai 2015 ·
Die vielen Lianen schlingen sich nicht nur um Bäume...
... sondern laden auch zum Turnen ein:
Andere Pflanzen könnten direkt aus einem Alien-Film kommen. Nicht zu tief bücken, sonst springt sie Dich an:
Das stetige Entstehen und Vergehen hinterlässt bizarre Formen:
Der erste ausgedehnte Marsch durch den Regenwald hat uns ganz schön zu schaffen gemacht. Einfach bewegt man sich hier nicht, jeder Schritt will überlegt sein:
... und so sind wir froh, wieder am Strand zu sein. Die Mittagspause haben wir uns verdient!
Zurück an unserem Camp entdeckt Josephe einen niedlichen, Igel-ähnlichen Tenrec:
der sichtlich erleichtert ist, als er sich wieder zurück ins Gebüsch verkrümeln darf.
Die französische 70+-Männergruppe auf der Terrasse macht sich lustig über uns, weil wir so geschafft aussehen und meinten "wir seien ja noch jung!". Zum Mittagessen gibt es Garnelen und als Nachtisch - man höre und staune - Mousse au Chocolat.
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200910. Mai 2015 ·
Nach dem Mittagessen sind wir erst mal todmüde und dösen auf der Veranda unserer kleinen Hütte, lesen in den mitgebrachten Madagaskar-Büchern und warten, dass die Hitze ein wenig nachlässt. Meine ersten Schnorchel-Versuche in der Antongil-Bucht zeigen nur Geröll und ein paar Seesterne. Dafür ist dann die Abendstimmung um so schöner:
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200916. Juni 2015 ·
Das Abendessen müssen wir uns natürlich erst verdienen, und so machen wir uns in der Dämmerung wieder auf den Weg in den Wald, um einigen nachtaktiven Waldbewohnern zu begegnen. Wie schon in Andasibe sehen wir auch hier wieder lauter orangefarbene Glühwürmchen durch die Dunkelheit huschen. Das ergibt natürlich keinen Sinn, Glühwürmchen sind grün! Außerdem verwundert es, dass sie immer paarweise nebeneinander herfliegen, und das in perfekter Formation, ohne ihren Abstand zu verändern. 😏
Tatsächlich sind es Mausmakis, die im Schein unserer Stirnlampen zurück funkeln, während sie wieselflink durchs Unterholz hüpfen. So richtig zu sehen bekommen wir keinen, dafür aber ein paar wunderschöne sportive lemurs oder Wolllemuren mit 3 L, die sich auch ein bißchen Zeit für uns nehmen und nicht gleich beim ersten Taschenlampenstrahl davonhüpfen:
Hier sieht man schön das Prinzip der konvergenten Evolution - egal ob Kalt- oder Warmblüter, den Schwanz parkt man am besten, indem man ihn platzsparend zu einer Spirale aufrollt:
Beim Abendessen hat man wohl extra an uns Berliner gedacht und leckere Bouletten serviert, die nur noch äußerlich sehr entfernt an ihre deutschen Pendants erinnern und deutlich leckerer und schärfer sind.
Als Nachtisch kriegen wir wieder Banane, diesmal schwimmt sie glücklicherweise nicht in brennendem Alkohol, sondern ist nur mit Tapetenkleister Karamelsoße garniert. Mal sehen, vielleicht kriegen wir das Ding auch mal roh, so schmeckt es am besten. Ein THB und ein Toaka Gasy mit Ingwer-Vanille-Aroma lassen den Abend ausklingen, begleitet vom Brüllen der Varis im Wald... und das klingt ungefähr so:
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200916. Juni 2015 ·
Am nächsten Morgen werden wir dann erst mal mit Spinnweben begrüßt 😉 :
Die dritte ist eine alte Bekannte, die wir schon vor zwei Jahren im Ialatsara-Wald gesehen hatten - eine gasteracantha oder kite spider.
Doch dann entdeckt unser Guide Josephe etwas winziges Braunes im Laub:
Ein zierliches Brookesia Zwergchamäleon,
das man sich angesichts der zerbrechlichen Erscheinung kaum in die Hand zu nehmen traut. Nicht auszudenken, wieviele davon unter dem Laub, durch das wir hindurch laufen, Unterschlupf suchen 😮
Richtig entzückt sind wir dann, als wir unsere rotbraunen Flauschbälle begrüßen können und sie uns mit ihren gelben Kulleraugen anstarren:
Ich hätte auch noch ein paar Regenwald-Impressionen für Euch.
Unsere geliebten Roten Varis.
Wir hatten wieder einmal viele Höhenmeter zurückgelegt. Hier erwartet uns beim Abstieg aus dem Wald ein phantastischer Blick über die Antongilbucht hinweg auf das madagassische Festland.
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200923. Juni 2015 ·
Wir haben natürlich noch nicht fertig an diesem Tag. Da hätten wir z.B. einen Vanga mit blauem Schnabel (Euryceros prevostii):
oder einen Madagascar Coucal (Centropus toulou)
der es sich praktischerweise in einem Vogelnestfarn gemütlich gemacht hat.
Strandidylle nach anstrengendem Marsch durch den Regenwald:
An diesem Abend bekommen wir noch eine kleine Führung zum Staudammprojekt. Ein altgedienter EDF-Mitarbeiter, der mit seinen paar Brocken Englisch das ausgleichen kann, was ich nicht Französisch kann, erklärt uns, dass hier pensionierte Ingenieure des Energiekonzerns EDF und Helfer von Energie Sans Frontieres ein kleines Wasserkraftwerk bauen, das in seiner finalen Ausbaustufe immerhin 2KW Strom liefern wird, davon die Hälfte an die Arol-Lodge und die andere Hälfte an das Dorf, für die Beleuchtung der Wege und Häuser.
Das hier ist der kleine Wasserfall, um den es geht:
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200913. Juli 2015 ·
Nachdem wir schon langsam den (Regen-)Wald vor lauter (Avatar-)Bäumen nicht mehr sehen können, erwartet uns am nächsten Tag ein ganz anderer Trip – mit dem schönen Motorboot-Flitzer, der uns von Maroantsetra nach Masoala gebracht hat, düsen wir diesmal ein Stück nach Süden, wo wir an einem traumhaften Sandstrand anlanden und nebenan eine Ansammlung bizarrer Felsformationen im flachen Wasser finden, die wie versteinerte Knochen riesenhafter Geschöpfe aussehen:
Unser Boot im Hintergrund, im Vordergrund ein Dinosaurierfuß:
Tsingys im Kleinformat:
Hinter den Felsen beginnt der Sekundärwald – nach der Kolonialzeit war der originale Regenwald an dieser Stelle verschwunden, nachdem das Land sich selbst überlassen war, hat sich die Natur den Küstenstreifen zurück erobert.
Erstaunlich, was das Leben für Nischen bevölkert:
Nach der Flut bleiben in den Steinen überall kleine Tümpel zurück:
Dieser Frosch hat es sich in einem Pandanus-Blatt gemütlich gemacht:
Und das hier ist kein herab gefallener Ast, sondern eine Stabheuschrecke:
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200914. Aug. 2015 ·
Wir haben an der Küste noch einige Zeit im schnorchelnd im Wasser verbracht (Videos dazu gibt's später noch!) und fahren dann am späten Nachmittag zurück und besuchen noch das Nachbardorf Ambodiforaha:
Das hier wollte mal ein großes Boot werden...
hier ein kleines:
Häuser direkt am Strand:
Abendstimmung über der Antongil-Bucht:
Und hier die Schule, 2007 eröffnet:
Und hier holen wir uns den dringend benötigten Nachschub für Zuhause, denn wir sind ja schließlich da gelandet, wo der Pfeffer wächst – nicht nur wir freuen uns über das Geschäft 🤩
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200920. Sept. 2015 ·
Nachdem wir durch die vielen Märsche bergauf und bergab schon etwas fitter geworden sind, dürfen wir diesmal selber paddeln - in einem nicht ganz so robusten Einbaum in die Mangrovensümpfe im Tampolo Marine Park.
Der Ortlieb - unverwechselbares Erkennungsmerkmal der Knäckebrot-Expedition:
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200922. Sept. 2015 ·
Dann senkt sich die Nacht über die Antongil-Bucht:
Am nächsten Tag heißt es dann früh aufstehen, wir werden noch einen Zwischenstopp auf der Insel Nosy Mangabe für eine Nacht einlegen, bevor es zurück nach Maroantsetra geht... mit unserer motorisierten de luxe Nussschale geht es dann hinaus auf die raue See. Zwei Meter hohe Wellen schaukeln das Boot unerbittlich durch, Moose sitzt auf dem Boden, ich behalte lieber Blickkontakt zum Horizont. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben sowohl wir als auch die Besatzung und unsere Ausrüstung die Fahrt überstanden. Am Parkeingang begrüßt uns erst ein nicht ganz korrektes Bild eines schwarzweißen Varis,
dann jedoch kommen auch die Originale zum Vorschein:
Wir grüßen sie von ihren Artverwandten von nebenan...
Auch hier treffen wir wieder die winzigen Brookesia-Chamäleons aus. Josephe findet sie für uns, wir hätten da nicht die geringste Chance:
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200923. Sept. 2015 ·
Im Wald auf Nosy Mangabé entdecken wir eigenartig geisterhaft verformten Pflanzen
und fallen gelassene, versteinerte Riesengehirne
Avatar-Bäume in allen Farben und Schattierungen:
... deren Wurzeln sich wie riesige Krallen in der Erde festklammern:
und seltsame Früchte, die man besser hängen lässt:
Josephe macht sich jedes Mal einen Spaß, uns ein Gebiet von ca. 10m² zu zeigen und uns aufzufordern, den dort versteckten Uroplatus zu finden. Meistens finden wir die Geckos nicht, dafür sind sie einfach zu gut getarnt:
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200923. Sept. 2015 ·
Abends grinst uns noch dieser lustige Frosch aus einer Baumhöhle an:
und am nächsten Morgen müssen wir wieder früh raus, damit wir unseren Weiterflug nach Toamasina erwischen. Das hier ist unsere von Krabbeltieren halbwegs frei gebliebene Unterkunft:
Wir verlassen die Bucht von Antongil und fahren auf Maroantsetra zu. Es tauchen Boote auf, Häuser, Autos. So etwas ähnliches wie Zivilisation hat uns wieder, nach einer Woche im Regenwald von Masoala. Wir gehen direkt gegenüber vom Büro von Chez Arol an Land und bleiben dort noch ein paar Minuten, unterhalten uns mit Olivier, dem französischen "OL"-Teil von Arol. Olivier erklärt uns, dass ihm dieses Projekt eine Herzensangelegenheit ist, seit er vor vielen Jahren selbst als Tourist Masoala bereist hat. Ein Regenguss hatte seine Kamera funktionsunfähig gemacht, da kam ihm die Idee, eine Unterkunft zu bauen, wo man sich und seine Ausrüstung wieder trocknen kann. Die Arol Lodge ist über viele Jahre hinweg entstanden, beginnend mit einer einzigen Hütte. Olivier meint, wenn es keine Besucher hier gäbe, wäre der Masoala-Regenwald längst hinüber, einschließlich der Lemuren. Die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, ist das einzige, was ihn schützt. Auch die Stromversorgung für die Bewohner von des Dorfes neben der Lodge basiert auf einem Vertrag: wer Lemuren jagt, bekommt die Lampe ausgebaut, und für die kann man nicht so einfach Ersatz besorgen...
Wir bedanken uns für den erlebnisreichen Aufenthalt, verabschieden uns und werden dann in einem abenteuerlichen Gefährt, an dem alles fehlt, was nicht unbedingt zum fahren, lenken und bremsen nötig ist, zum Flughafen gebracht. Wir haben viel Zeit und auf diesem Flughafen ist nicht gerade viel los. Josephe bleibt noch bei uns, bis wir abfliegen. Während wir so gelangweilt durch das Flughafengebäude schlendern, spricht uns ein Madagasse an und will wissen, wo wir herkommen.
"Allemagne" antworte ich pflichtbewusst. Es entsteht ein Dialog zwischen drei Paralleluniversen: seinem, meinem, wo ich jetzt bin und dem, wo ich herkomme:
Madagasse: "Ahhh. Champs Elysées Erdferkel!"
Ich frage mich, was er von mir will. Vielleicht hält er mich für einen Spion und das ist irgend ein Geheimcode. Woher zum Teufel weiß der meinen Namen aus dem Forum?!?
Ich starre ihn ratlos an.
Madagasse: "Champs Elysées Erdferkel!"
Ich denke mir, vielleicht hat er was durcheinander gebracht. Die Champs Elysées ist eine Straße in Paris.
"B-E-R-L-I-N" erkläre ich vorsichtshalber.
Madagasse: "Oui Oui! Champs Elysées Erdferkel!"
Meine Vermutung, er meine damit eine Straße, hat sich damit wohl nicht bestätigt. Ich starre ihn wie einen Außerirdischen an und er hält mich wahrscheinlich für total beschränkt. Langsam sickert der Wortbrei durch meine Gehirnwindungen...
Madagasse: "Schohngseliährohngschellamärköll?"
Bei Moose fällt offenbar zuerst der Groschen.
Madagasse: "Schohngseliährohngschella..."
Moose: "Ach sooooo!!!"
Madagasse: "Mär-köll". Jetzt sehr deutlich, damit es auch der letzte Dösbaddel versteht.
Mär-köll! Jäh werde ich aus der Traumwelt des Regenwaldes von Masoala gerissen. Vor meinem inneren Auge lösen sich die Avatar-Bäume auf und es entsteht eine uckermärkische Landschaft voller Windräder. Grauer Himmel, Nieselregen. Unter einer Trauerweide steht eine Frau im Hosenanzug und faltet ihre Hände zu einer Raute. Angela Merkel ist im Moment so weit entfernt wie Anchorage, Archangelsk oder Andromeda. Außerdem ist es mir wurst, welches Schohngseldingsbums uns gerade regiert, Hauptsache möglichst wenig, dann kann es nicht so viel Schaden anrichten. Hätte er doch nur Beckenbauer genommen. Der regiert wenigstens nicht. Wenigstens hat er nicht diesen schnauzbärtigen Diktator genannt.
Etwas beschämt darüber, dass er so gut informiert ist, erkläre ich ihm, dass ich im Urlaub bin und man da nicht an solche Sachen denkt. Das wundert ihn dann doch sehr.
So hatten wir noch unseren Spaß mit babylonischer Sprachverwirrung, wie damals vor zwei Jahren mit dem "Maîre du village".
Wir werden zum Check-In aufgerufen und dürfen wieder uns selbst und unser ganzes Gepäck wiegen. Bei mir zeigt die Waage 4kg weniger als vor dem Hinflug an :-D und das trotz Vollpension und jeden Abend ein THB. War ja auch ein anstrengendes Trainingsprogramm, das Josephe mit uns durchgezogen hat...
Am Ende kommt endlich unsere Twin Otter angerollt, die uns bald wieder in den Moloch Toamasina bringen wird, bevor es weiter nach Sainte Marie gehen wird.
PS: für die nicht das Französischen Mächtigen: mit "Schohngseliär" ist natürlich "Chancellière" gemeint, die Kanzlerin.