La LeonaThemenstarter2'779 Beiträge · seit 200701. Juli 2012 · #1
liebe Fomis in sehr kurzer Zeit haben wir hier verschiedene super tolle Reiseberichte zu unserer Unterhaltung zu lesen bekommen, ich sage Unterhaltung, weil das Leid unserer Reisefreunde ein Bestandteil dieser Unterhaltung ist. Einige von ihnen hatten üble Erfahrungen mit ihren Fahrern und weil ich seit über 25 Jahren in der Reisebranche tätig bin, kenne ich mich mit dem Thema Fahrer/Reiseleiter etwas aus und ich dachte mir ev. hilft zukünfitgen Reisenden meine kleine Wegleitung zum Thema.
Reiseleiter108 Beiträge · seit 201201. Juli 2012 · #2
Hallo Kollege
Sehr interessantes Thema und sehr gute Analyse die offensichtlich in vielen Ländern Afrikas gültig ist.
Driver ? Driver-guide? Driver und Guide? REiseleiter ? Lokale Guides?
Hier auf Madagaskar ist dein Wegleiter auch gültig und kann wahrscheinlich viele Enttäuschungen vermeiden. Ein Unterschied mit anderen Afrikanischen Ländern ist schon mal das man hier als Gast kaum die Möglichkeit hat selber zu fahren. Es gibt sehr wenig Angebote weil die Straßen meistens in sehr schlechtem Zustand sind und weil die Verkehrsbedingungen zu chaotisch für unerfahrene Europäer sind. Wenn man trotzdem selber Fahren möchte kostet die Automiete meistens mehr als wenn man ein Auto mit Fahrer mietet. Ein anderes großes Problem ist, wenn man als Ausländer in einen Unfall verwickelt ist kann es sehr kritisch werden weil immer der Ausländer schuldig ist und weil es zwar Versicherungspflicht gibt aber die Versicherungen zahlen nichts. Aus diesen und noch anderen Gründen kann ich auf Madagaskar nur vom selber fahren abraten.
Driver
Ich bin total mit deiner Beschreibung einverstanden, hier gibt es aber noch einen Lokalen Unterschied und zwar ob der Fahrer selbständig ist und sein eigenes Auto fährt oder ob er für eine Agentur fährt. Hier kommt es öfters vor das Agenturen nicht machbare Reisen verkaufen und einen Fahrer anheuern um die Gäste zu begleiten und da gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten: entweder der Fahrer fährt irrsinnige Strecken oder er erhält unterwegs einen fiktiven Anruf um eine Ausrede zu haben um einen Teil der Reise zu streichen und sie damit wieder machbar zu gestalten. Manche Fahrer haben im Laufe der Jahre auch sehr unangenehme Angewohnheiten bekommen. Diebstahl und Verschwendung von Kraftstoff (den hier in den meisten Fällen der Kunde bezahlt, Automiete wir ohne Kraftstoff berechnet) zum Beispiel. Viele einfache Driver nennen sich Driver-Guide obwohl sie keinesfalls die Fähigkeiten und die Ausbildung haben um als Reiseleiter tätig zu sein.
Driver-Guide
Manches was ich über die Fahrer geschrieben habe ist auch für diese Kategorie gültig, und es gibt nicht viel an deiner Beschreibung was hier anders wäre.
Driver und Guide
Hier wird der Fahrer seine Arbeit wie oben beschrieben ausführen, er kümmert sich ausschließlich ums Fahren und den guten Zustand des Fahrzeuges, der Guide kümmert sich um die Logistik und um die Gäste. Hier gibt es meiner Meinung noch einen Unterschied zwischen Guide und Reiseleiter (Tour Leader). Der Reiseleiter übernimmt manchmal auch die gesamte Logistik der Reise und muss daher oft in Madagaskar die gesamten Unterkünfte, Restaurants, Parkeintritte bezahlen.
• Ich würde noch diese Kategorie von Guides dazufügen:
Lokale Guides
Ich nehme an das diese Kategorie von Guides auch in den meisten anderen Ländern Afrikas tätig ist. Diese Guides sind in National und Privat Parks & Reservaten tätig, sind manchmal sprachlich oder von den Kenntnissen der Tiere und/oder Pflanzen sehr spezialisiert für den Biotope wo sie tätig sind.
Ich hoffe dass dein Eintrag viele Enttäuschungen erspart und ich bin immer bereit ausführlichere Ratschläge zu diesem Thema zu geben
La LeonaThemenstarter2'779 Beiträge · seit 200701. Juli 2012 · #5
@Reiseleiter, danke auch an dich für die sehr wertvollen und Destinations-spezifischen Ergänzungen! Das war genau mein Wunsch! @Annick, danke, das ist die Idee @Joerg, dieses Gefühl habe ich nicht, es ist meines Erachtens ein SELBSTFAHRER Forum, und die mitschreibenden GUIDES sind ein wertvoller Bestandteil dieses Forums, und manches Fomi greift auf die RL Dienste hier zurück soweit ich weiss.;)
Es wäre mir nie in den Sinn gekommen diese "Wegleitung" einzustellen in einem reinen Nur-Namibia-Forum. Denn gerade Namibia ist ein super geeignetes Reiseland für Selbstfahrer. Was selbstverständlich nicht ausschliesst dass manch ein Reisender lieber geführt unterwegs sein möchte. Es geht hier nicht darum pros und kontras aufzulisten.
Ich habe einen Trend festgestellt, viele Fomis entdecken auf einer Reise durch Namibia, Südafrika oder Botswana ihre Afrikaliebe und nach ein paar Reisen suchen sie dann allmählich Neuland. Immer mehr Reiseberichte zeugen davon: Tanzania, Kenia, Uganda, Zambia, Ruanda, etc... wir haben auch Mitglieder die waren kürzlich in Angola, Gabon und nun auch wieder Zimbabwe.
Manchmal höre ich bei den Selbstfahrern, ich rede jetzt mal nur von Ostafrika, so einen leichten Ton von "ich bin was besseres als der Normaltouri" raus. Sicher hat es deutlich mehr Abenteuercharakter, alleine zu fahren, aber vom Wissen und den Erfahrungen eines guten Guides zu profitieren, hat auch was. Dafür bezahlt man ja schließlich. Und auch dafür, nicht die Verantwortung für alle möglichen unvorhersehbaren Dinge (Pannen, Unfälle) zu haben. Das kann dann schnell ein Vielfaches von dem kosten, was man sparen wollte. Wir hatten auf unseren Safaris einen Guide, der gleichzeitig Fahrer war. Wir hatten Glück mit ihm und das Auto war in einem Topzustand. Oft genug haben wir aber gehalten, um bei Pannenautos nachzufragen, ob Hilfe benötigt wird. Das Hauptargument der Selbstfahrer ist sicher die Unabhängigkeit. die hat man aber auch mit Guide, vorausgesetzt, es sind keine anderen Gäste mit im Auto. Ich würde in Tansania und Kenia immer einen Guide nehmen, wovor ich aber eher nichts halte - Fahrer und Guide. Die sind dann eventuell mehr mit sich beschäftigt und reden zuviel untereinander, worunter die Aufmerksamkeit leidet. LG Ina
Hallo baobab2, du schriebst bezüglich Trinkgeld für den Fahrer/Guide:
2012 5-10 Dollar pro Gast und Tag.
Das ist wahrhaftig fürstlich, wenn man bedenkt, dass ein Arzt in Tansania keine 1‘000 U$ pro Monat verdient.
Klar, dass dieser Betrag gerne empfohlen wird, aber er ist jenseits von Gut und Böse. Nimmt man einen Schnitt von 7.50 U$ pro Tourist und Tag, sind das bei vier Safarigästen pro Tag 30 U$, bei einer 5-Tage-Woche 600 U$ pro Monat nur Trinkgeld!!!!!. Hinzu kommt ja dann noch der Lohn des Reiseveranstalters an den Guide/Fahrer.
Glücklicherweise müssen wir uns mit der Trinkgeldfrage nicht rumschlagen, da wir Selbstfahrer sind. Kein Wunder, dass in Tansania bei diesen Traumlöhnen fast Jeder ein Guide werden will 😄 .
La LeonaThemenstarter2'779 Beiträge · seit 200701. Juli 2012 · #10
hallo Guido Trinkgeld ist immer ein grosses Thema, denn der Gast will ja die erhaltenen Leistungen ZUSÄTZLICH belohnen.
Wir wissen dass in vielen Ländern die Arbeitgeber im Tourismussektor bewusst niedrige Löhne bezahlen (verglichen mit dem Normaleinkommen im Lande) weil sie genau wissen dass die Trinkgelder ein grosser Bestandteil des Einkommens ausmachen. Dies gesagt zum Teil 2): Ein Gast auf einer overland Tour (mit einem Verkaufspreis von 2000 Euronen im Reisebüro Z.B. durch Tanzania) wird andere Trinkgeldempfehlungen erhalten als der Gast der eine private Reise für nur zwei Personen bucht. Wenn bei 10 overlandern jeder 2 usd pro Tag zahlt ist das genausoviel wie wenn Herr und Frau sowieso je 10 usd zahlen. In beiden Fällen hat der driver-guide seine Leistungen zur Zufriedenheit der Kunden erbracht und nimmt 20 usd pro Tag nach Hause. Es ist nicht so dass ich nun dafür bin einem driver-guide automatisch pro Tag 20 usd zu zahlen, dieses Beispiel diente nur zur Veranschaulichung.
Es ist zudem nicht dasselbe wenn man dem Guide eine 100 Dollar Note zum Abschluss am Flugahfen unpersönlich ins Hemd steckt und ihm nicht mal in die Augen schaut, als ob man ihm ein kleines Dankeschönkärtchen (auf Hotelpapier falls keine Postkarten aus der Heimat verfügbar) schreibt und ihm das couvert mit dem Geld mit einer kleinen Dankeschönansprache zu einem geeigneten Zeitpunkt am Ende der Reise übergibt. Auch wenn dann in diesem Umschlag weniger Geld ist, wird der MENSCH viel glücklicher und befriedigter sein.
gruss leona
Gruss Leona
baobab2195 Beiträge · seit 200901. Juli 2012 · #11
Hallo Erika,
du hast recht, es klingt nach einem Traumeinkommen für den Fahrer. Ich glaube aber, dass der überwiegend vom Trinkgeld lebt. Hat einer erst den "Traumjob", ernährt er eine Großfamilie oder das halbe Heimatdorf davon, damit Neider nicht auf Ideen kommen. Außerdem gibt es so viele Fahrer, dass der einzelne nicht so viele Touren hat, das Gehalt in der übrigen Zeit ist sehr gering. Es ist auch nur eine Empfehlung seitens des Reise- und Safariveranstalters. Es bleibt jedem selbst überlassen, wie viel er geben möchte. Prinzipiell soll das Trinkgeld ja erst am Ende der Reise übergeben werden, so dass man nicht befürchten muss, weniger zuvorkommend behandelt zu werden, weil der Fahrer mit dem Trinkgeld nicht zufrieden ist.