Unterwegs in den 1970er Jahren

552 Antworten · 100k Aufrufe · gestartet 24. Juli 2011 von wernerbauer
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2’338 Beiträge · seit 200728. Sept. 2011 ·
Hallo zusammen

Werner schrieb:
Anscheinend hat der Motor im Bus besser „Luft gekriegt“, sonst hätte es Erika nie bis nach Hause geschafft (siehe Bericht von Erika weiter oben).


Na gut, ganz ohne Panne lief unsere Reise auch nicht ab. 10 Tage bevor unser Schiff von Mombasa nach Bombay startete, wollten wir noch ins nördlich von Mombasa liegende Malindi fahren. Zirka auf halber Strecke, als wir gerade einen Fluss mit steiler Böschung überquert hatten, machte der VW-Motor grauslige Geräusche 🤢 . Wir hielten sofort an und warteten auf unsere Freunde, die irgendwann eintrudelten. Mein Freund wollte unseren Bernern demonstrieren, wo komisch der Motor tönte und startete nochmals. Dann hörte man einen letzten Knall und still war’s 😕 . Der Motor hatte blockiert, weil er zu heiss geworden war, was man nirgends auf einer Anzeige sehen konnte. Es hiess immer, ein VW-Motor könne nicht überhitzen, was eindeutig falsch war. Nun musste uns unser Freund mit seiner alten, schwachen Kiste nach Mombasa zurück schleppen. An diversen Steigungen halfen jeweils bis zu 30 Einheimische, den Wagen hochzuschieben. Die Kupplung des Abschleppwagens stank mit der Zeit fürchterlich.

Wir stellten uns wieder in Kenyatta Beach hin und berieten uns mit anderen Afrika-Fahrern. Ein Oesterreicher schlug uns vor, einen ihm bekannten Mechaniker von der Hafen-Feuerwehr zu besuchen, um ihn zu fragen, ob er den Motor reparieren könne. Gesagt, getan. Der Mann, ein Inder, kam zu uns an den Strand, baute dort den Motor aus, suchte bis fast hoch nach Nairobi die nötigen Bestandteile zusammen und nach vier Tagen konnte der Motor wieder am Strand eingebaut werden. Unsere Freude war riesig, als er beim ersten Versuch gleich ansprang 🤩 . Die Überfahrt nach Indien war gerettet. Wären wir nicht noch das Stück in Richtung Malindi gefahren, hätte der Motor erst in Indien blockiert und dann hätten wir alt ausgesehen, da der VW damals in Indien absolut unbekannt war. Er hielt die ganze restliche Reise durch, verbrauchte jedoch ziemlich viel Oel.

Obwohl es hier um Afrika geht, möchte ich euch doch noch erzählen, wie es unserem Freund Klaus mit seinem VW-Käfer erging. Das Wägelchen hatte durch Afrika nirgends Probleme gemacht, aber kaum in Indien angekommen, ging der Schaltfinger kaputt. Ein Mechaniker konnte das Teil jedoch komplett originalgetreu nachbauen, das Problem war somit gelöst. Da sich wieder mal die Inder mit den Pakistanis in den Haaren lagen, wurde man vor die Wahl gestellt, entweder innerhalb eines Monats Indien zu verlassen oder abzuwarten, bis der Krieg vorbei ist. Die Berner und wir entschlossen uns für die erste Variante, Klaus für die zweite. Er wollte in den Süden nach Goa fahren um dort zu warten, bis der Krieg vorbei ist.

Erst, als wir wieder in der Heimat waren, erfuhren wir, wie es ihm ergangen war. Nachdem die Luft wieder rein war, das heisst, der Krieg beendet (Inder gewonnen), fuhr Klaus weiter und erreichte schlussendlich Kabul (Afghanistan). Der Käfer hatte einen Motorenschaden. Einige Afghanen boten ihm an, den Wagen zu reparieren und Klaus bei sich wohnen zu lassen. Durch ein Fenster konnte er beobachten, wie immer mehr Teile ausgebaut, aber nichts mehr eingebaut wurde. Plötzlich hatte er die Gewissheit, dass sein Käfer verloren war. Nach einigen Tagen packte er bei Nacht und Nebel seine Sachen zusammen und haute ab. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln 😄 (man stelle sich das mal vor!) fuhr er bis nach Oesterreich und war schlussendlich fast zur selben Zeit daheim wie wir 😄 .

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
4’132 Beiträge · seit 200828. Sept. 2011 ·
Hier noch einen kleine alte Reisegeschichte:


Elefanten im Liwonde NP (Malawi)

Ende der 80ger wurde von häufiger Wilderei im Liwonde NP berichtet. Und da wir kleine Schisser sind, waren wir nicht so sicher, ob wir den Park besuchen wollten, denn dort, wo Elefanten aus der Herde gewildert wurden, ist nicht gut Kirschen essen mit den Grauen. Allerdings machten wir uns noch mehr Gedanken, wohlmöglich auf Wilderer zu treffen. Dann wieder hörten wir, dass es schon ginge, wenn man auf großen Abstand zu den traumatisierten und z.T. aggressiven Elefanten achtet.
Also fuhren wir in den Park, in der Hoffnung, dass unser lahmes Auto schneller sei, als ein Elefant und der Gewissheit, dass unser Auto mindestens doppelt so groß ist, wie ein Elefant...
Am Gate konnten wir an den Eintragungen sehen, dass ein weiteres Fahrzeug im Park war. Eine Parkkarte hing nur im Office am Gate, also machten wir uns selbst eine und pausten die Karte ab (die haben wir übrigens immer noch).
Wir fuhren die Wege durch lichten Wald, vorbei an kleinen Tümpeln – eine verwunschene Gegend. Plötzlich Elefanten. Beide Seiten hielten inne. Die Elefanten rannten weit vor uns über den Weg an den Rand der kleinen Lichtung, wir stoppten den Motor. Sie trompeteten, wedelten mit den Ohren, warfen die Köpfe hin und her und stellten sich im Halbkreis in Formation: Die Köpfe uns entgegen, teils erhoben, teils gesenkt, die Jungen hinter sich schützend. Sie waren ca. 30 m von uns entfernt.
Wir blieben startbereit und beobachteten die kleine aufgeregte Herde. Die wohl 15 Elefanten beruhigten sich nicht. Im Gegenteil, sie verhielten sich unglaublich verstört. Wiederholt machten einige von ihnen kurze Ausfälle und kehrten nach einigen Metern wieder um. Bis dann ein Halbwüchsiger seinen Ausfall trompetend fortsetzte und mit enormer Geschwindigkeit auf uns zu rannte. Wir fuhren sofort los, auch wenn wir in unserem 13Tonner nicht wirklich in Gefahr waren. Der Elefant verfolgte uns trompetend mehrere Hundert Meter. Immer, wenn er langsamer wurde und wir stoppten, setzte er nach, bis wir endgültig das Feld räumten.
Auch wenn wir damals deutlich größer waren als der halbwüchsige Elefant, der uns angriff: Wir würden niemals testen, wie weit so ein Ele geht.
Der Park war wunderschön und sehr vogelreich. Es gab Wiesen voller blühender Lilien und Orchideen. Eine kleine Herde Rappenantilopen, aber sehr scheu, ansonsten gab es wenig Wild, einige Hippos im Fluss - und eine Rappenantilope, die Wilderern entkommen war, - ziemlich fest hing die Schlinge noch um ihren Hals, den Rest Draht zog sie hinter sich her...

Gruß lilytrotter


Gern würd ich mal einige Bilder einstellen, aber unsere alten Dias sind nicht digitalisiert und haben über die Jahre auch leider einige Schäden (Pilze) insbesondere die 6x6, die hinter Glas sind. Das wird noch viel Arbeit die Bilder zu retten, wenn wir denn mal Zeit dafür haben...
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
4’132 Beiträge · seit 200829. Sept. 2011 ·
Noch ein paar alte Reisegeschichten.


Die lästigen Devisenerklärungen

Devisenerklärungen waren in Afrika eigentlich an jeder Grenze auszufüllen, wir reisten mit Traveller Cheques und Cash in DM, US Dollar und Italienischen Lire. CC – kannte niemand.

Da die Reisekasse knapp war, machte man sich schon ziemlich genau Gedanken, über das „Was“ und „Wie lange“, - (von großem Vorteil war dabei, zu wissen, wie teuer z.B. der Treibstoff sein würde, usw.), damit man sein Risiko der „Devisenverschwendung“ möglichst gering hielt. Wichtig aber war vor Allem, dass man IMMER eine glaubwürdige kleine Geldsumme offiziell tauschte! – Auch wenn es in den meisten Ländern einen regen Devisen-Schwarzmarkt gab.

Also wurde vor jedem Grenzübertritt gezählt, doppelte Buchführung gemacht, damit man eine saubere Devisenerklärung vorweisen konnte - und es wurde gleichzeitig geplant und überschlagen was man im nächsten Land wohl brauchen würde + eine kleine Sicherheitsreserve, die dann zum Schluss für Souvenirs ausgegeben werden konnte – wenn da nix ging, musste man eben später versuchen, lokale Restbestände an entgegenkommende Reisenden zu tauschen, worauf man sich aber nicht verlassen konnte.

Rechtzeitig vor jedem Grenzübertritt begann also die Märchenstunde: Was und wieviel geben wir an? Wichtig waren immer die 10.000 Lire! Das sah nach viel aus. Den „Rest“ verstecken, - schließlich musste man damit rechnen, dass man die Devisen vorzeigen und vorzählen musste. Auch wurden manchmal (manchmal auch nicht) genaue Fahrzeugkontrollen durchgeführt. Jeder Grenzübertritt war also ziemlich spannend.

Das ganze Gedöns hatte den Hintergrund, dass man Erstens, aus Sicherheitsgründen, nicht seine gesamten Devisen offenlegen wollte! Und Zweitens, dass man möglichst den Devisen-Schwarzmarkt nutzen wollte. Denn es ist ja nicht ganz unwichtig, ob man das Doppelte oder gar 7fache wie in der Bank bekommt,... (Die Adressen der sicheren Geldtauscher kursierten an den „Informationsbörsen“ und standen z.T. sogar in den praktischen englischen Backpacker-Reiseführern.)
Problematisch wurde es, wenn man länger bleib, als erwartet oder wenn man wesentlich mehr Geld ausgeben musste, als geplant, - dann waren fleißige Stunden mit feinster Klinge und Stift nötig, um die Summe nachträglich passend zu machen (deshalb hatte man bei der Einreise auch nach kurzer Zeit Summen gewählt, die rel. gut zu verändern waren).
Irgendwann wurde das zwar zur Routine, aber dadurch auch nicht schöner, - denn es blieb immer eine heikle Angelegenheit.

Im südlichen Afrika gab es quasi keinen Schwarzmarkt, bzw. lohnte sich der Stress nicht, denn der Unterschied war zu gering: Die Währungen waren stabil.

Der heutige Umgang mit Devisen und CC ist dagegen so wunderbar relaxt. In jedem größeren und oft sogar kleinen Ort findet man funktionierende Geldautomaten: EIN TOURISTEN-SCHLARAFFENLAND, sozusagen.



Devisenkontrolle im Zaire (Kongo)
Sept 86. Einige Kilometer hinter der Grenze, gabelten wir zwei französische Tramper auf. Studenten. Völlig naiv waren sie hier mitten im Nichts zu Fuß unterwegs. Eine Flasche Wasser und eine Rolle Kekse waren ihre komplette Wegzehrung. Wir fuhren mit ihnen einige Tage bis zur nächsten kleinen Stadt und hatten viel Zeit uns zu unterhalten, sie waren erst 2 Monate unterwegs - Tschernobyl war im Mai – „Becerel? – Qu’est-ce que c’est?“ – Nein, davon hatten sie noch nie gehört...
In Buta machten wir Pause und auch sie. Sie waren sehr anhänglich, der Komfort mit uns zu reisen und gleich mit versorgt zu werden gefiel ihnen sichtlich.
Auf einer Einkaufsfahrt im Ort nahmen wir sie auf, um gemeinsam zurückzufahren, zum Nachtplatz bei der evangelischen Mission. Plötzlich wurden wir von der Polizei angehalten und barsch aufgefordert, mitzukommen. Wir parkten das Auto, nahmen unsere Papiere und folgten den Anweisungen. In der Polizeistation verlangten sie unsere Devisenerklärung und den Nachweis des Geldes. Aha! Daher wehte der Wind. Wir erklärten, dass das alles noch im Fahrzeug läge, da wir soviel Geld nicht mit uns herumschleppen würden.
Tatsächlich mussten wir das Papier holen und unser Geld vorzählen! Zum Glück hatten wir zuvor einen geringen Betrag bei der kleinen Bank getauscht und konnten die Quittung vorweisen.
Unsere beiden Tramper nicht. Mehr noch, sie waren offensichtlich der Anlass, dass wir uns dieser Kontrolle unterziehen mussten: Sie hatten schwarz getauscht und – ein absolutes „NO DO“! – sie hatten sich vor Ort bei Einheimischen nach einem Geldwechsler durchgefragt! Wie blöd muss man sein!
Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege.
Sie hinterließen uns, Tramper-gemäß, einige Flöhe – das hatten wir jedes Mal, wenn wir Tramper zu Gast hatten. Und das war auch nicht verwunderlich, bei den Reisebedingungen zu Fuß.



Micky Maus Währung
Von Uganda haben wir damals nur sehr wenig mitbekommen. Es war zwar schon ruhig, nach dem Bürgerkrieg, aber man wurde gewarnt und wusste auch warum. Nachts hörten wir Gewehrfeuer in der Ferne und tagsüber standen Jungens mit Kalaschnikows und glasigen Augen an den Roadblocks. „Äärghs“, - das sind Situationen, die sind ein nicht mehr einschätzbares Risiko. Wir hassen das.
Dementsprechend war unser Uganda-Aufenthalt genauso lange, wie man braucht, um mit einem langsamen Auto hindurchzufahren. Nichtsdestotrotz, - und das soll hier betont sein, - war das Land sehr schön, insbesondere die Strecke vom Lake Edward über Mbara nach Osten... Hier schlängelte sich die Straße durch fruchtbare Täler,- ein Paradies.
Nun, angekommen in Kampala, kam uns das Wissen zugute, wo der Geldwechsler zu finden ist. Wir stoppten in der Nähe des Bahnhofs, ich verließ nicht das Auto, mein Mann verschwand. Nach einiger Zeit wurde mir mulmig, doch endlich kam er ziemlich kurzatmig zurück, mit einem dicken Bauch und stöhnte: „Es kneift so, ich kann kaum atmen.“ Im Führerhaus zog er dann ein Geldbündel nach dem anderen aus dem Hosenbund, ein Schuhkarton voll. Wir machten uns zügig aus dem Staub und fuhren die nächste große Tankstelle an – so war das Geld auch sofort wieder umgesetzt und wir hatten billigen ugandischen Diesel für die nächsten Wochen.
Unterwegs erzählte er mir den langwierigen Tauschvorgang: Im Hinterzimmer eines Ladens hatte er den 50 US Dollarschein dem Geldwechsler übergeben. Dieser prüfte den Schein genau und hielt ihn gegen’s Licht, dann wischte er den Schein an der weißen Wand entlang und zu dritt wurde nun der Farbabrieb auf dem Kalk geprüft. Schließlich zerknüllte er den Schein (unter dem Protest meines Mannes, der daraufhin von allen Seiten beruhigt wurde) zu einer Kugel, warf ihn auf den Tisch und nun beobachteten alle, wie sich das Papier beim Entfalten verhielt. Alle „Prüfungsergebnisse“ schienen sie zu überzeugen und so wurden die dicken Geldbündel herangeholt. Die wiederum mussten gezählt werden. Und das alles brauchte so seine Zeit.

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 29. Sept. 2011
ThemenstarterGast30. Sept. 2011 ·
Danke Erika, oje, also irgendwie doch ein afrikanisches VW-Schicksal. Eure Tour war aber sicherlich eine riesige Beanspruchung für ein luftgekühltes Motörchen in dieser Zeit/Technologie. Zu deiner Schilderung
„Der Motor hatte blockiert, weil er zu heiß geworden war, was man nirgends auf einer Anzeige sehen konnte. Es hieß immer, ein VW-Motor könne nicht überhitzen, was eindeutig falsch war“noch etwas Technisches……. zur Unterhaltung für Autobastler:
Nachdem es ja im VW kein Kühlwasser zur Betriebstemperaturkontrolle gab, konnte man eine Öltemperatur und/oder –druckmessung mit Anzeige einbauen. Die VW-Werkstätte in Pretoria hat so etwas nicht durchgeführt bzw. abgelehnt, Motto: „Was du nicht weißt, macht dich nicht heiß“. Bastler haben das selbst gemacht und wurden erst richtig heiß, als sie sahen, wie heiß er wurde. Und zwar nicht erst nach langer Schinderei, sondern bereits bei einer „ganz normalen“ Bergfahrt im 3. Gang. Die Kühlung in den stärkeren Modellen war einfach unzureichend. Das wirkte zweifach schädlich. Die Zylinderköpfe überhitzten und der ständigen Schmiermangel verursachte Verschleißschäden jeder Art. Die unvermeidbaren Ölleckagen bildeten mit dem Staub und Sand auf schlechten Straßen eine „Isolierschicht“ auf allen Kühlflächen, so dass die Kühlung ständig schlechter wurde.
Nur bei den alten ca. 30 PS-Käfern (an die Modellbezeichnungen kann ich mich nicht mehr erinnern) hat die Gebläsekühlung für die geringe Motorleistung ausgereicht, alles spätere war Mist.
Aber auch wassergekühlte Motoren hatten/haben Kühlungsprobleme, vor allem die mit hoher Leistung. Aber mit einer Betriebstemperaturanzeige bemerkt man das eben rechtzeitig und man kann die Ursache für die Überhitzung beheben oder zumindest die Fahrweise anpassen.
Grüße Werner
4’132 Beiträge · seit 200801. Okt. 2011 ·
Bulli-Trouble

Das was ihr hier grad so erzählt, weckt auch bei uns Erinnerungen.

Marokko, 1972.
VW Bus, Bj.1964.
Seit Tagen schon war der Motor zu heiß. Das war nicht schwer festzustellen, aber der Grund dafür war vollkommen unklar.
Auch das Auswechseln des Thermostaten brachte nix (hatten wir als Ersatzteil dabei). Die Öldruck-Kontoll-Leuchte flackerte hin und wieder im Leerlauf. Tags drauf tats im Hohen Atlas einen fürchterlichen Schlag. Der Blick auf den Motor offenbarte einen Riss über den gesamten Motorblock.
Nach einem Höllenritt an viel zu kurzem Abschleppseil hinter einem LKW, kamen wir schweißgebadet, aber wohlbehalten nach 200 Kilometern in Meknes an.
In einer Autogarage baute man den Motor aus und nun wurde klar, welches Problem der Motor hatte: Im Lüftergehäuse hatte sich ein langer Streifen Toilettenpapier vor die Lüftungsschlitze gelegt. – Es war das Papier, dass ich immer zum Abwischen des Ölstabes benutzt und sparsam fein säuberlich hinter die Batterie geklemmt hatte...
Auf dem örtlichen Schrottplatz fanden wir in einem Brezel-Käfer einen funktionierenden Motor, den wir dort ausbauten. Damit fuhr der Bus zwar, doch die 30PS waren ein wenig zu schwach. Also gen Heimat.
Unterwegs machte klassischerweise der dritte Zylinder schlapp (der ist schlechter gekühlt als die anderen, da über ihm der Ölkühler steht). Ab da war die Fahrt von ständigen Fehlzündungen begleitet. Die letzen 1000 Kilometer ab Basel konnten wir den Motor nicht mal mehr ausmachen, denn er spang nicht mehr an und auf den Hamburger Elbbrücken hielt uns die Polizei an, da mittlerweile bei jeder Fehlzündung Flammen seitlich aus dem Auspuff schossen (die seitlichen Auspuffdeckel waren schon lange weggeflogen). Mitleidig ließen sie uns die letzten Kilometer bis nach Hause pöttern. Dort angekommen und ausgemacht verstummte der Motor für immer.


Und die Lehre aus der Geschicht: Man kann auch einen Motor aus Dummheit kaputt kriegen – oder niemals loses Material im Motorraum hinterlassen...
insbesondere kein Klopapier 🤪

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
4’132 Beiträge · seit 200803. Okt. 2011 ·
Weihnachten am Lake Malawi

Ohne dort jemals gelebt zu haben, erlebten wir die Auswirkungen der strengen Meinungs- und Pressezensur in Südafrika auch außerhalb des Landes, bei Begegnungen mit weißen südafrikanischen Reisenden. Malawi war das einzige schwarze Land (außer Bot), wo Ende der 80ger Personen mit Südafrikanischem Pass noch reisen konnten.
Natürlich waren fast ausschließlich die englisch sprechenden Südafrikaner (Buren trafen wir nie – die reisten wohl eher nicht in ein schwarzes Land). Meist waren es sehr nette Leute, allerdings häufig auch mit einer etwas schwer verdaulichen Einstellung, obwohl die, die reisten ja schon die offeneren Gemüter waren!

Die Weihnachtswoche 1988 verbrachten wir mit wiedergefundenen Reisefreunden am Cape MacLear. Ein Traum. Schnorcheln, tauchen, Boot fahren (wir hatten unser Kajak mit), Socialising. Über allem wachte der Schreiseeadler mit seinem durchdringenden Ruf. Man war versorgt (die netten einheimischen Verkäufer kamen täglich mit frischem Fisch und Früchten, Getränke gab’s an der Bar) und so lebte man die kommunikativen Tage.

Die Campsite war voll. Die meisten Camper aus Südafrika.
Nach und nach fanden sich wohlerzogene südafrikanische Jugendliche bei uns ein und fragten uns ein Loch in den Bauch, über die Welt, über die Weltpolitik und: Was wir denn denken würden, von ihnen...
Wir luden sie ein und so saßen wir allabendlich in mehr oder weniger großer bunter Runde. Einige der Jugendlichen litten sehr darunter, zuhause keine Fragen stellen zu dürfen. Sie meinten, sie hätten keine Ahnung davon, was in der Welt los ist. Einige waren in England gewesen und hatten dort schmerzlich bemerkt, dass gleichaltrige europäische Jugendliche viel weiter seien, als sie selbst, sie seien dagegen richtig zurück, sie würden sich vorkommen, wie Kinder, denen man alles verbietet.
In der Öffentlichkeit/Schule könne man keine Fragen stellen, erst recht nicht diskutieren. Allein durchs Fragen wäre man schon suspekt. Selbst Zuhause sei es nicht möglich. Jegliches kritisches Hinterfragen sei tabu und es gäbe Sanktionen, - auch Zuhause. Dabei wolle man seine Eltern ja gar nicht angreifen, man wolle doch einfach nur fragen dürfen... aber jede Frage würde als Angriff empfunden und entsprechend sei die Reaktion.
Europäische Jugendliche dagegen hätten alle Informationsmöglichkeiten, sie seien frei, sie dürften sich frei entwickeln. Allgemeiner Tenor: „Wir wollen doch nur normal sein dürfen.“
Wir waren nach diesen Abenden ziemlich bedrückt, ja, das ging uns schon ziemlich unter die Haut. Das System der Apartheit unterdrückte nicht nur die Andersfarbigen und Andersdenkenden, natürlich warf das starre Konstrukt seine Schatten auch auf die eigenen Kinder.
JA, wir hatten es hier in Europa schon damals verdammt gut.

Nebenbei wollten wir sie mit Geschichten über das innerdeutsche Verhältnis und das Deutsch-Deutsche Grenzgebaren aufmuntern. Denn schließlich war ja bei uns auch nicht alles Sonnenschein. Wir beschrieben ihnen die Grenzanlagen mit hohem Stacheldraht, hohe Betonmauern, Passabgabe bei Kontrolle1, das kilometerlange Laufband für den Pass, nach Geschlecht getrennte Leibesvisitationen bei Kontrolle 2, Fahrzeugkontrolle über der Grube, incl. stochern im Benzintank, penible Gepäckkontrolle und genaueste Befragung – sie konnten es uns nicht glauben! Vollends unglaubwürdig wurden wir in ihren Augen dann, als wir von der „Pappe“ erzählten, dem berühmten kleinen Trabant, auf den man in der DDR derzeit so ca. 7 Jahre Wartezeit hatte (wesentlich schneller ging es, wenn ein West-Verwandter den Kaufpreis in West-Devisen überwies!). Das war zuviel für die jungen Seelen.
Sie glaubten uns nicht und hatten tatsächlich Sorge, wir würden sie für so hinterwäldlerisch halten, dass wir ihnen wohl alles erzählen könnten.

Am nächsten Tag fragten sie uns noch einmal, ob wir sie wirklich nicht veräppelt hätten, weil wir sie für so naiv halten würden.

Es waren sehr schöne und denkwürdige Weihnachten in Malawi, - wir hatten viel gelernt.

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 03. Okt. 2011
409 Beiträge · seit 200903. Okt. 2011 ·
Hallo Lilytrotter,

vielen Dank fuer den Einblick in Dein Weihnachten 1988 in Cape Maclear. Ich nehme an, Ihr ward am Golden Sands Campingplatz - gab ja auch kaum andere Camps. Koenntest Du Dir die Muehe machen und das ein oder andere Dia von damals einscannen und posten (oder PN)?
Der Platz ist inzwischen voellig verfallen. Das ehemalige Golden Sands Hotel ebenfalls. Gerade wegen der morbiden Atmosphaere gehoert dieser Ort zu meinen Lieblingsplaetzen am Lake und ich fahre immer wieder dort hin zum wild campen zwischen Baobabs und Baboons...
So koennte ich anhand Deiner (oder anderer) historischen Aufnahmen "damals-heute-Gegenueberstellungen anfertigen und ins Forum stellen.
Hier ein aktuelles Foto vom ehemaligen Hauptaufgang zum Hotel.

GoldenSands.JPG


Gruss

Camelthorn
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
2’338 Beiträge · seit 200704. Okt. 2011 ·
Hallo Camelthorn

Da hätte ich noch ein Foto vom Golden Sands Hotel plus Strand aus dem Jahre 2003. Camping wäre noch möglich gewesen, aber das Hotel war bereits unbewohnbar und geschlossen, trotzdem war noch Personal dort. Eigentlich jammerschade um diese Anlage. Die Lage ist eine der schönsten vom ganzen Malawisee.


DSCN9002.JPG



DSCN9003.JPG




Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
4’132 Beiträge · seit 200805. Okt. 2011 ·
Super, Erika, du hast Bilder!!


Hi, camelthorn,

du glaubst nicht, was deine Anfrage und dein Foto bei uns ausgelöst haben.
Also, mal kurz die Dias durchgeschaut, - wo standen wir eigentlich, da war doch ein Flamboyant vor uns... - und die Sonnenuntergänge, einer der spektakulärsten, den wir je erlebt haben, war dabei...
Ja, - alles durchgeflöht und das Magazin mit Cape Maclear fehlt – nur den blöden Schreiseeadler, den haben wir - und dann: Gähnende Leere... Zuvor Chicale Beach, Livingstonia, Nkhotakota, Zomba – alles da.
Sehr ärgerlich.

Allerdings wissen wir nicht mal mehr, ob wir das Gebäude vom Golden Sands überhaupt fotografiert haben. Wir haben selten Lodges und Campsites fotografiert, dazu war ein Dia ja viel zu teuer (1 Dia = 1 DM). Und wenn wir irgendwo länger standen, haben wir meist erst am letzten Tag die fette Kamera ausgepackt.
Hinzu kommt, dass wir auch gegen Ende unserer Reise etwas reisemüde wurden, da wird das Fotografieren dann weniger. Das bedauern wir jetzt ab und zu.

- Vielleicht sollte ich zu unserem traumhaften Aufenthalt am Cape MacLear hinzufügen, dass die Anlage schon damals ziemlich heruntergekommen war (steht so in meinen Notizen) - nichts desto Trotz sehr beliebt! Entsprechend war es ziemlich voll und ziemlich laut. Ein engl. Overlander. Zum ‚Ruhe haben’ fuhr man Weihnachten nicht zum Cape MacLear!
Aber man hatte ja beim Reisen meist Ruhe und freute sich über die lebendigen Aufenthalte zwischendurch.


Etwas anderes aber:

Es gibt Bilder von einem Haus in Nkhotakota (?, so steht es in meinen Aufzeichnungen), das wir für etwas ganz Einmaliges hielten: Ein total abgefahrenes Gebäude, ein ehemaliges Hotel (?) in bester Lage, direkt am Strand, gebaut von einem post-kolonialen Spinner, der ein unglaubliches Gespür für Freak-Design hatte. Er hatte Auto und Schiffsteile in genialer Weise verbaut: Autotüren als Fenster, Schiffswellen als Säulen, Speichenräder und Schiffsschrauben als Zierat, selbst Zylinderköpfe. Es war total verrückt und perfekt! Die Autotüren waren ja nicht irgendwie verbaut, sondern genau da, wo man sie idealerweise hinsetzen musste, wenn man sie überhaupt nutzen wollte. Jedes Teil war seiner besonderen Bestimmung zugeführt!
Es gab einen jungen Mann, der uns aufschloss und uns herumführte, an diesem besonderen Ort und uns erzählte über Entstehungsgeschichte und Erbauer (aber ich weiß nix mehr). Das Haus hatte eine sehr großzügige Lobby mit blank gebohnertem Betonboden und langem Bartresen, sowie im ersten Stock eine zauberhafte große Terrasse, mit Seeblick natürlich.

Hier 2 abfotografierte Dias.



Wir haben das Haus nie irgendwo erwähnt gefunden. Kennst du das vielleicht? Weißt du vielleicht etwas von dem Haus? Ob es das noch gibt?
Oder vielleicht du Erika? Oder Werner? Oder jemand anderes?

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 22. Apr. 2016
ThemenstarterGast07. Okt. 2011 ·
Hallo und Danke Erika und Lilytrotter, mit meiner VW-Schelte habe ich hier ja ergiebige Quellen von VW-Erlebnissen angezapft.

@ Lilytrotter, Weihnachten am Lake Malawi und die jungen Leute im damaligen SA. Ich habe das auch so in Erinnerung; der Umgang der Eltern oder Älteren mit diesen Umständen, war auch manchmal von Sorge für die Kinder motiviert. In den 80ern wurden die Wehrpflichtigen ja auch im Krieg in Angola und Namibia und für „Ordnungsdienste“ in den townships eingesetzt. Viele junge Männer haben sich dem durch „Exil“ in Europa entzogen. Habe unlängst „Der Turm“ von Tellkamp gelesen….“wie sich die Bilder gleichen“.
Das ist aber jetzt Geschichte und alles verändert sich, z. B. erlebt 2008 in Upington: Wir haben von dort aus mehrere Rundtouren unternommen und davor, dazwischen und danach immer im gleichen B&B in Upington gewohnt. Die Hausleute dort erzählten uns, dass sie ihre Kinder (die schon alle in den Familienunternehmen tätig waren) nach der Ausbildung für ein Jahr nach England geschickt oder eher „verbannt“ haben, mit magerem Startbudget. Dort sollten sie Englisch und etwas über die Welt lernen und vor allem, sich irgendwie „durch zu bringen“, mit Kellnern oder sonst was; ohne Hotel Mama, das in SA ja ein „Hotel domestic servant“ ist, für alles, vom Bettenmachen bis Kochen, Wäsche, Bügeln und Gartenpflege. Hat mir gefallen.

Über das skurrile Haus in Malawi kann ich nichts sagen, da war ich leider nie. Schaut aus, als wäre Daniel Spoerri auch in Afrika gewesen. In seiner Biographie steht allerdings nichts davon.

Noch etwas zum Stichwort Upington, für historisch Interessierte: Der Flughafen von Upington hat mit ca. 5 km eine der längsten Rollbahnen der Welt, und das kann so: Ab ca. 1975 haben SA bzw. die SAA die Überflugs- und Landerechte in Afrika verloren und eine Langstreckenversion der B 747 angeschafft, um ohne Zwischenstopp über den Atlantik bis Europa zu kommen. Wegen der 1800 m Seehöhe in Jhbg kam dieser Flieger aber voll betankt nicht hoch und deswegen wurde das Rollfeld in Upington gebaut, wo das schon ging. Ich glaube, dass der Flughafen von Windhoek einen ähnlichen Hintergrund aus dieser Zeit hat, kann aber in meinen Unterlagen nichts mehr darüber finden.
Diese Superrollbahn in Upington nützen internationale Fluggesellschaften jetzt auch für das Pilotentraining, falls sich schon jemand gewundert hat, warum dort einige Jumbos ständig im Kreis fliegen und immer wieder durchstarten. Sie war auch maßgeblich für die Entstehung der Weinplantagen für Tafelrauben am Oranje entlang, denn diese kommen ja per Flugzeug zu uns. Lohnt sich absolut, einige der Farmpisten zum und am Fluss entlang zu fahren, um zu sehen, wie Trauben auf unseren Tisch kommen, nämlich über eine Kühlkette von riesigen Kühlhäusern aus Wellblech(!), in der Halbwüste, der reine Wahnsinn.
Neben einigen guten Straßen mit geringem Verkehrsaufkommen war ebenfalls wieder diese Rollbahn dafür maßgeblich, dass Automobilhersteller aus aller Welt ihre „Hitzetests“ in der Region durchführen. Sie fliegen dort jährlich mit Großraumflugzeugen ein, vollgepackt mit Containern mit Autos und Prüftechnik. Aufgepasst am Weg zum KTP, da sind schnelle Autos unterwegs!!
Grüße Werner
2’338 Beiträge · seit 200707. Okt. 2011 ·
Hallo zusammen

Da wir gerade beim Thema Malawi waren, hier ein Erlebnis, welches ich zum Teil letztes Jahr schon mal in Nenettes Bericht gepostet hatte:

Wir reisten damals 1971 aus Mosambik nach Malawi ein. Am Zoll gab es heftige Diskussionen wegen meiner Hose. Ich musste der Zollbeamtin versprechen, so schnell wie möglich einen Rock zu kaufen. Die nächst gelegene Stadt war Blantyre. Wir liefen verzweifelt in der Stadt herum auf der Suche nach einem Kleiderladen, und wurden unterwegs einige Male wegen meiner unanständigen Kleidung angerempelt. Ein Weisser (von der Kirche?) riet mir eindringlich, mich unbedingt sofort umzukleiden, wenn das die Polizei sehe, würde ich verhaftet. Es war ein richtiges Spiessrutenlaufen. Nach langem Suchen fanden wir wenigstens ein Stoffgeschäft. Ich kaufte mir ein Stück total hässlich geblümten Vorhangstoff und band ihn mir um die Hüfte. Nun konnte ich ohne Sorgen rumspazieren und keiner schaute mich mehr blöd an, (außer mein damaliger Partner, welcher sich wegen meines Aussehens halb tot lachte). Am Abend nähte ich den Stoff seitlich mit grossen Stichen notdürftig zusammen und versah das Ganze wegen der Rutschgefahr mit einem Gummiband. Allerdings war der Stoff so knapp bemessen, dass ich nur noch ganz kleine Schritte machen konnte, aber immerhin war das Teil nun salonfähig.

Direkt am Malawisee waren wir nur im Süden und zwar in Monkey Bay und dann ein wenig nördlich davon vermutlich an der Stelle, wo jetzt die Nkopola Lodge steht. Dort gab es schon damals ein Art Campingplatz mit Toiletten. Uns hat es uns prima gefallen. Nur unsere Bernerin Rosmarie verschwand im VW-Bus, sobald es dämmerte, da unzählige Flughunde zwischen den Palmen rumschwirrten, was sie als extrem unheimlich empfand. Von morgens bis abends sassen die Einheimischen über uns auf den Felsen um uns zu beobachten. Sobald jemand zusammenpackte und wegfuhr, stürmten sie den Platz, um die Abfalltonnen nach Essbarem zu untersuchen. Sehr zur Freude unserer Hunde rannten hin und wieder Pavianbanden vorbei, welche dann bis zum Horizont verfolgt wurden.

Damals war Blantyre noch Hauptstadt Malawis. Von dort führte ein teilweise sehr holperiges Erdweglein nach Lilongwe. Wir mussten für einen Einheimischen einen grossen Sack getrocknete Fische mitnehmen, aber obwohl wir ihn auf dem Autodach transportierten, stank der Inhalt erbärmlich 😠 🤢 . Sobald wir jeweils irgendwo einen Übernachtungsplatz gefunden hatten, nahmen wir den Sack runter und stellten ihn möglichst weit weg ins Abseits. In einem Hinterhof eines Hotels in Lilongwe war Übergabe. Wir waren mehr als froh und erleichtert, als wir den Stinksack endlich los waren 🙂 .

Erika

Lilytrotter, das von dir abgebildete Haus kenner wir leider auch nicht.
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
4’132 Beiträge · seit 200813. Okt. 2011 ·
Vielen Dank für eure Rückmeldung, Werner und Erika. Eigentlich hab ich eh keine Hoffnung mehr, je zu erfahren, was das für ein Haus war. Es hatte eine ganz besondere Atmosphäre und restauriert und mit entsprechender Bewirtung das Potential ein „Funky-Place“ für Touristen zu sein. Vielleicht existiert es aber auch schon längst nicht mehr...



Hier ein kleiner Ausflug in den Bereich Kommunikationsmöglichkeiten auf Reisen in Zeiten vor mobile phone und www
(GPS und Satellitentelefon muss man in seiner Fantasie einfach streichen!)


Unterwegs erhielt man damals „aktuelle“ Informationen durch andere Reisende oder weiße Einheimische, selten auch mal durch schwarze Einheimische, wenn sie denn interessiert und informiert waren, was bei weltbewegenden Ereignissen wie dem Anschlag 1972 in München, zu folgender Sensationsmeldung eines Sudanesen führte: „Olympia – all dead!“ Allerdings war mehr nicht aus ihm rauszubekommen, der Mann sprach quasi kein Englisch. – Eine weiter Sensationsmeldung unterwegs war 1974: „Nixon pinish, Nixon pinish!“ (der typisch indische f-Mangel).

Die Deutsche Welle war unterwegs selten so gut zu empfangen, dass wir sie regelmäßig hörten. Wir hatten zwar extra einen leistungsstarken Weltempfänger dabei, aber allzu oft stand man zufällig so, dass mehr Pfeifen und Rauschen als Sinngehalt zu hören war.
Im Laufe der langen Reisen lernte man, das hinzunehmen, - außerdem verschob sich die Bedeutung aktueller Nachrichten... Irgendwann nahm man nur noch selten das Radio heraus, um Deutsche Welle zu hören, denn es reichten einem die 2-3 Wochen alten News - und man fand sich schon top-aktuell...

In Nairobi gab’s einen Straßenhändler, der Zeitungen verkaufte. Bei ihm kauften wir immer den Spiegel von der letzten Woche (oder den 2 Wochen alten), der kostete nur noch die Hälfte. Man war ja froh überhaupt an frei recherchierte Information zu kommen. Ein ausgelesener Spiegel, übrigens, egal welches Alter, fand wiederum bei anderen Langzeit-Reisenden immer reißenden Absatz.

Neben den geliebten Luftpostbriefen, die eine ganz wichtige Verbindung zu Freunden und Familie darstellten, gaben wir uns in den Hauptstädten dem Luxus eines handvermittelten Telefonats hin. Das war immer eine aufwändige Angelegenheit. Abgesehen davon, dass Öffnungszeiten mit der Erreichbarkeit nicht immer vereinbar waren, musste man sich im Postamt in die mitunter lange Schlange vor dem International-Call - Schalter einreihen. Gespräch anmelden und warten, bis man aufgerufen wurde. Es gab Tage, da klappte nix. Sie bekamen keine Verbindung. Dann zog man ziemlich frustriert von dannen, um es entweder Stunden später oder am Folgetag erneut zu versuchen. Auch war die Qualität nicht immer so, dass man auch jeden Satz verstehen konnte, häufig fehlte insbesondere der Satzanfang des Gesprächspartners.

Telegramme für dringende Nachrichten, waren sehr teuer und erreichten einen mitunter auch erst nach Tagen/Wochen. Denn auch ein Telegramm musste postlagernd zum G.P.O. Glücklicherweise erhielten wir einmal in Malawi ein dringendes Telegramm, als wir vor der Weiterfahrt nach Zambia nochmals bei der Poste Restante vorbeischauten. Man hatte schon zuvor über die Deutsche Welle einen erfolglosen Aufruf gestartet: Vater hatte einen Schlaganfall erlitten. Wir unterbrachen unsere Reise, fanden hilfreiche Menschen, bei denen wir unser Auto unterstellen konnten und flogen 2 Tage später nach Hause. Diesem Zufall war dann auch seine schnelle Genesung zu verdanken und wir konnten nach 3 Monaten unsere Reise fortsetzen.

Unsere Filme gab wir übrigens zwischendurch vertrauenswürdig erscheinenden Touristen oder auch im Lande arbeitenden Experts mit, die sie dann innerhalb Deutschlands nach Hause schickten. Es kam immer alles an, häufig noch garniert mit einem kleinen beruhigenden Begegnungsbericht, zur Freude der Eltern.

Und nun klicke ich diese kleine alte Geschichte ins weltweite Netz...

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 13. Okt. 2011
1’287 Beiträge · seit 200813. Okt. 2011 ·
Hallo Lillytrotter,

vielen Dank für diesen und natürlich auch für die anderen Beiträge. Erst kürzlich habe ich mich gefragt, ob es das Medium Telegramm überhaupt noch gibt.
Als zugegeben recht intensiver Nutzer der Informationsquelle Internet fällt es mir schwer vorzustellen, wie das Reisen in der Vor-Internet Zeit (also vor gerade mal 20 Jahren) so war 🙂 , daher vielen Dank für den Einblick.

Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
409 Beiträge · seit 200913. Okt. 2011 ·
lilytrotter schrieb:

(...) Eigentlich hab ich eh keine Hoffnung mehr, je zu erfahren, was das für ein Haus war. Es hatte eine ganz besondere Atmosphäre und restauriert und mit entsprechender Bewirtung das Potential ein „Funky-Place“ für Touristen zu sein. Vielleicht existiert es aber auch schon längst nicht mehr...

Gruß lilytrotter
Hallo Lilitrotter,

wenn Dir das Ergehen des Hauses in Nkhotakota so am Herzen liegt will ich mal sehen, ob ich dort mal ein wenig recherchieren kann. Falls Du noch mehr Fotos haettest, vielleicht eines, auf dem man den Standort anhand von Nachbarhaeusern lokalisieren kann, dann waere das natuerlich hilfreich.
Und wenn Du mir vielleicht ein paar Kanister Diesel organisieren koenntest, auch.

Uebrigens, diese sich in diesem Thread ansammelnden historischen Berichte ueber das Reisen damals bewirken erstaunliche Flashback Erinnerungen an laengst verschuettete Reisedetails. In meinem Fall aus den Achtzigern.
Ploetzlich war die Erinnerung an das Pausenzeichen der Deutschen Welle wieder da. Und das wohlige Gefuehl in dem Kurzwellenbandsalat endlich fuendig geworden zu sein. Gut in Erinnerung habe ich auch noch die Deutschen Botschaften in dieser Zeit. Bei Poste Restante Zustellungen in irgend welche Staedte musste man immer grob kalkulieren, wann man wohl ungefaehr dort sein wuerde. Dabei durfte das angenommene Zeitfenster vier Wochen nicht ueberschreiten, denn dann wurden die postlagernden Sendungen wieder zurueckgeschickt. Meistens jedenfalls. Da waren die diplomatischen Vertretungen schon langmuetiger und der Schuhkarton in der Postabteilung ohne deadline. In dieser Zeit bekam der Begriff Botschaft eine schoene Doppelbedeutung. Irgendwie waren die Vertretungen damals recht relaxt und hilfsbereit. Nur die in Ouagadougou nicht. Der Pfoertner liess niemanden rein, der sich nicht die Muehe gemacht hatte, saharasandbefreit und halbwegs ansehnlich dort aufzukreuzen...

Camelthorn
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
4’132 Beiträge · seit 200814. Okt. 2011 ·
Hallo, Carl!
Vielen Dank für dein reges Interesse! Du bist ja der eigentlich „Schuldige“ für diesen Thread! 🙂

Es folgt noch eine weitere „Postgeschichte“...



Und Hallo, camelthorn!

Ooh, is ja ein Super-Angebot!

Damals hätten wir dir locker’n paar Kanisterchen Diesel abgeben können; wenn wir voll waren, hatten wir 1400 Liter an Bord, - eben wegen der mitunter unsicheren Versorgung und der enormen Preisunterschiede von Land zu Land. Hat uns viel Geld gespart.

Zu dem Haus: Wir meinen zu erinnern, dass es ganz allein stand. Der lange breite Strand war „leer“. Kein wesentlicher Bewuchs, außer einiger Strandpflanzen und Gräser... keine anderen größeren Häuser in der Nähe, nur einige Hütten/kleine Häuser südl. davon am Strand, von dort kam auch der Mann mit dem Schlüssel. Evtl. war ein Fähranleger in der Nähe?? Wir wissen es nicht mehr. Die Gegend: Eher nördlich von Nkhotakota selbst... ?
Habe auch schon mal bei googlemaps die ganze Gegend abgesucht und nix erkennen können, außer einem Gebäude, dass in einer Umgebung steht, wo es noch andere Häuser gibt, warum auch nicht, inzwischen ist da sicher viel gebaut. Aber die Gegend sieht anders aus, als wir es erinnern. Überall Bewuchs.
Aber es lässt sich so natürlich nix sagen. Vielleicht guckst du mal, die Koordinaten sind:
...
So, - und nun kommt’s: Währen ich das hier schreibe und die Koordinaten suche (hab diesmal bei google earth nachgesehen) - hab ich’s eben gefunden!!
12°54’44.46“ S
34°17’56.62“ O
Es ist das Gebäude, das ich schon zuvor angepeilt, aber als ‚das’ Haus wieder verworfen hatte. Aber es ist es! Es gibt sogar Bilder! Und nur deshalb hab ich’s zweifelsfrei erkannt! Es ist jetzt ein Guesthouse/Resthouse und sieht recht gepflegt aus. in der Nähe des Ilala Fähranlegers.
Das ist der Hammer!

Hättest du nicht reagiert und deine Hilfe angeboten, wär ich nie soweit gekommen! Ich hätte nicht noch einmal gesucht...
Danke! Danke!! Schon allein dafür gebührt dir der Diesel!
Wenn wir mal bis Malawi kommen..., - aber bis dahin bist du wahrscheinlich wieder umgezogen...


Bezüglich der Flashback durch die Erzählungen anderer, geht es uns ganz genauso. Es bringt echt Spass!
Kleines Foto zum „Pausenzeichen“ (der alte Weltempfänger steht noch im Keller im Regal...)


Und die Postgangelegenheiten waren schon ziemlich spannend und frustrierend zugleich.
Nicht alle Botschaften mochten es, wenn man ihnen die Post zustellen ließ, deshalb sind wir meist über G.P.O. gegangen, allerdings mit den bekannten Nachteilen. Nachsenden war nicht. Zurückgesandt wurde auch nur einmal ein Brief, - ein halbes Jahr später...

Grüße lilytrotter

Aber die Geschichte des Hauses wäre trotzdem noch mal sehr interessant. Vielleicht...
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 14. Okt. 2011
409 Beiträge · seit 200916. Okt. 2011 ·
hallo lilitrotter,

na, das freut mich ja dass Du Dein Haus doch noch gefunden hast. Werd trotzdem mal vorbeischauen und berichten. Interessiert mich jetzt auch.
Vielen Dank auch fuer das Weltempfaengerfoto. Jaja, wer mit Truck reiste, brauchte sich wegen ein paar Pfund KW-Kasten keine Sorgen machen. Mein Empfaenger wog ungefaehr 200 Gramm und war nicht viel groesser als eine Zigarettenschachtel - und leider auch nicht viel leistungsfaehiger...
Als Rucksacki war das Packmass nicht nur von quasireligioeser Bedeutung sondern es war auch ein untrueglicher Indikator wie lange der Traeger wohl unterwegs sein wuerde. Fausregel: Je kleiner der Rucksack, desto laenger unterwegs. Das scheint mir heute auch noch so zu sein.
Erst letzte Woche las ich einen netten Artikel ueber Ultraleichtpacker auf Spiegelonline.
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,788939,00.html
Vielleicht nicht ganz so pathologisch aber doch jedes Gramm abwaegend. Ich erinnere mich noch, als ich im Griff des Rasierers ein Gewichtsstueck fand und froehlich entsorgen konnte. Das eigentliche Ziel der Gepaeckreduzierung war allerdings nicht nur die Rueckenschonung sondern die Langfingerabwehr. Das Gepaeck musste komplett unter einem handelsueblichen Bussitz verstaubar sein. Nur dann konnte man beruhigt schlafen. Da war ein Bundeswehrrucksack optimal: klein, stabil und sahnachnixaus. 10 kg, alles drueber war Luxus. Okay, die Kameraausruestung auf dem Schoss wog nochmals 6 Kilo...


Camelthorn
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
1’287 Beiträge · seit 200817. Okt. 2011 ·
lilytrotter schrieb:Hallo, Carl!
Vielen Dank für dein reges Interesse! Du bist ja der eigentlich „Schuldige“ für diesen Thread! 🙂

Diese Schuld nehme ich natürlich sehr gern auf mich. Nur weiter so!

Danke und viele Grüße
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
4’132 Beiträge · seit 200819. Okt. 2011 ·
Hallo, camelthorn!

Wir würden uns sehr freuen, wenn du uns nach deinem Besuch erzählst, wie es war, bei/in dem Haus.
Zu den kleinen „Gewichts-Gurus“: Ist schon interessant, was so alles zu einem Buch verquirlt und verkauft werden kann. Mit abgesägter Zahnbürste und abgezählten Kalorien sind wir früher, allerdings trotzdem noch mit einem Mehrfachen an Gewicht im Sarek und Muddus unterwegs gewesen – trotz Unmengen Fett, Zucker, Nüssen und sonstiger hochkalorischer Nahrung hatten wir ständig Hunger und haben viel abgenommen, die Fotoausrüstung wog halt ein bisschen viel und die musste ja immer mit... – Die Frage war halt immer: Bleibt das Objektiv zuhause oder können wir anderswo an Gewicht sparen und dafür wurde schon mal gern die Zahnbürste abgesägt und auf Wechselwäsche und noch mehr Essen verzichtet... Es kommt eben immer drauf an, wo man seine Schwerpunkte setzt. Mittlerweile kommen einem die High-Tech Materialien gewichts- und komfortmäßig sehr entgegen. Das ist schon Klasse!
Im Darfur (Sudan) allerdings, schleppten wir damals, auf einer mehrtägigen kleinen Gebirgstour ins Djebel Marra, allein schon 25 kg an Wasser in die Wildnis, neben Zelt, Nahrung und – Fotogeraffel natürlich...
Die Gegend war ein kleines Paradies, - bevor die Djandjawid dort mordend und brandschatzend durch die Gegend gezogen sind. Ach, da können einem doch die Tränen kommen.
Aber ich schweife ab.


So, nun ist auch unsere „Postgeschichte“ aus dem Zaire soweit fertig und lesbar.


Zum Postholen nach Kisangani (Zaire/Kongo)

Zwischen Kisangani und Nia Nia war 1986 eine große Bücke zusammengebrochen, eine in die Jahre gekommene Stahlträgerkonstruktion. Das war eine schlimme Sache, ein Lorry war dabei in den Fluss gestürzt. Und da diese Brücke nicht mal eben notdürftig geflickt werden konnte, mussten alle Fahrzeuge, die von Kisangani nach Osten wollten, einen Umweg von ca. 700 km fahren, Monate-lang. Diese Umleitung dauerte mehrere Tage, denn die Laterit-Pisten waren in übelstem Zustand.
Auch unsere Route, aus Norden kommend änderte sich dadurch. Sie führte somit plötzlich nicht mehr nach Süden über Kisangani, denn dort bestand ja die Brücken-Drama-bedingte „Sackgasse“.
Aber, - da lag unsere Post, auf dem G.P.O.

Zu unserer Situation: Wir waren von Norden her bei Bangassou über den Oubangi in den Zaire eingereist, waren mit der winzigen „Einbaum-Öltonnen-Fähre“ – mit 10 cm Freibord – in Bondo über den Uele gesetzt (und nicht abgesoffen), wir hatten nach der arbeitsreichen Strecke Bangassou-Buta (250km = sechs Tage Laterit-Pisten und tiefste Schlammlöcher, davon 1 Tag à 15km/10 Stunden und eine Brücke verstärken) einfach eine Pause nötig und mussten außerdem eine schon länger gebrochene Blattfeder auswechseln. – Also blieben wir einige Tage in Buta, auf dem Gelände der evangelischen Mission. Das alte Plumpsklo haben wir noch gut in Erinnerung: Wenn man den Deckel hochhob, huschten die fingerlangen Kakerlaken, die aufgereiht im Long-Drop-Loch hingen, ein Stückchen ins dunkle Innere, - man hörte sie dann während des Vorgangs „nur noch“ knispeln... – Dieses Plumpsklo war nicht etwa dreckig, es war halt so, in tropischen Gefilden: Entweder DDT oder Ungeziefer. Deshalb gingen wir auch lieber unterwegs in den Busch.

Für die Umleitungsstrecke waren wir also hier oben im Norden günstig, es war quasi kein Umweg für uns. ABER - es rumorte in unserem Kopf: Unsere Post! Unsere Briefe! Seit 4 Monaten hatten wir schon keine Post mehr.

In Zentralafrika hatten wir schon Bangui ausgelassen, weil wir einfach keine Lust mehr auf Zentralafrika hatten - nachdem wir auf der extremen Strecke vom Darfur nach Süden (6 Tage Birao-Bria, 300 km), dem korrupten „Chef de Village“ von Quanda-Djallé in die Hände gefallen waren – es war übelste Wegelagerei am Arsch der Welt: Ein bewaffneter Uniformierter hatte uns gestoppt und ins Office geführt. Dort nahm man uns die Pässe ab und „erbat“ Diesel, was wir natürlich unter diesen Umständen klaglos taten. Danach forderte le Chef 3000 CFA! (30DM). Wir versuchten unser bewährte Methode des freundlichen Aussitzens, aber er drohte uns irgendwann dreist mit Gefängnis, wenn wir seine „Gebühr“ nicht zahlten, die er nirgends quittieren wollte... ( Es war das einzige Mal in unserem Leben, wo wir richtig abdrücken mussten – es erging übrigens Jedem so, der damals dort lang musste, wenn die Alternativstrecke nach der Regenzeit noch unter Wasser war, - das waren in dem Monat drei Fahrzeuge.) Tage später dann, wieder in dichter besiedeltem Gebiet, hatten kleine Steine-Schmeißer unsere Heckscheibe zerkleinert. Das Land gefiel uns nicht, es gab viele weitere Gründe, - wir wollten nur noch weg aus diesem Land. - Also nix Post holen in Bangui, die lag da noch immer auf dem G.P.O.

Und dann die kaputte Brücke, die Kisangani zur Sackgasse für den Verkehr nach Osten machte. – Also wieder keine Post?
Wir kämpften mit uns. - Nein. Ja. - Hin und Her. Nur zum Post holen nach Kisangani und zurück? „400 km, welch ein Blödsinn! Nein, das muss man sich mal überlegen was das kostet, unser MAN verbraucht gut 30 Liter auf solchen Strecken... so viel Diesel, so eine Verschwendung... – nur zum Postholen...“

Letztendlich siegten die Gefühle. Wir entschieden uns, unser Auto bei der evangelischen Mission zu lassen und mit local Transport nach Kisangani zu fahren. Das war viel billiger, als mit unserem Großen.

Also standen wir des Morgens in der Früh mit Mini-Gepäck am Straßenrand und konnten den leeren Toyota Pickup besteigen. Es gab noch einen anderen Fahrgast. Einige Kilometer später, wurden weitere Fahrgäste mit Gepäck aufgenommen. Und so ging es dann weiter. Ca. alle 25 km ein weiterer Halt. Dann ein Haufen Bierkisten, Leergut. – Nee, das geht doch gar nicht!
Doch das geht!
Alle stiegen ab. Der Pickup wurde mit den 26 Kisten Leergut beladen, die Mitte der Ladefläche mit 2 u. 3 Schichten. Alle wieder aufsitzen. Jeder kämpfte mittlerweile um einen/seinen „Platz“, bzw. halben Platz – und dabei zeigte sich, dass die Jungs und Mädels nicht zimperlich sind! Jeder drückt Jeden, Jeder drückt zurück, Knie und Ellenbogen werden zur Tortour. Ich sitze mit halbem Hintern auf den Flaschen, mein Mann auf der rückwärtigen Bordwand.
Ein weiterer Stopp brachte noch einige Leute mit Bündeln geräucherter Fledermäuse, der letzte Stopp Säcke mit getrocknetem Fisch. Es stank erbärmlich.
Wir sehnten das Ende der Fahrt herbei. Die Piste war zwar nicht soo schlecht, aber der Wagen war dramatisch überladen und federte bei der kleinsten Bodenwelle durch, jede Kurve war lebensgefährlich, auf dem schaukelnden „Schiff“. Alle 15 Passagiere hielten sich nur durch ihr eigenes Gleichgewicht, stemmen sich irgendwo mit einem Fuß, hielten sich an einer Flaschenkiste oder an der Bordwand.
Irgendwann, endlich, erreichten wir am Nachmittag den Fluss vor der Stadt. Das Wasser glitzerte im Gegenlicht, ein Fischer kontrollierte seine Fischreusen, die in großer Anzahl im Fluss befestigt waren. Es sah soo schön aus, aber zum Genießen war das nix, in der Situation.
In der Stadt wurde nach und nach die Ladung abgeladen, der Händler mit den Kochbananen, die Frau mit den Kanisterchen Palmöl, der Mann mit dem Benzin und die Lady, deren spitzes Knie seit 50 km von schräg hinten in meinen Rippen bohrte, die Fledermäuse und der Fisch und schließlich auch wir letzten 6 Passagiere in der Stadtmitte.
An der Hautfarbe waren wir alle nicht mehr von unseren Leidensgenossen zu unterscheiden, alle hatten den gleichen roten Hautton vom Laterit-Staub, der sich mit dem Schweiß zu einem alles überklebenden Belag verfestigt hatte.
Angeschlagen schlurften wir vollkommen verdreckt ins Hotel Olympia, zum famous Griechen, wo alle Reisenden sich trafen. - Angeschlagen? Wir waren total fertig! Mein Hintern tat scheiß-weh: Mein Mann zählte 8 kreisrunde dunkelblaue Hämatome, die ich den Flaschenhälsen zu verdanken hatte. Tagelang konnte ich kaum sitzen.
Aber wir gingen tagsdrauf glücklich zum G.P.O., zur Poste Restante und holten unseren kleinen Stapel mit Luftpostbriefen ab. Endlich, nach 4 Monaten, Post von Zuhause!

Grüße lilytrotter




PS: Natürlich hätten wir dort besser mit dem eigenen Auto hinfahren sollen, aber diese Fehlentscheidung brachte uns eine unvergessliche, wenn auch etwas schmerzhafte Erfahrung mit dem local Transport, die wir sonst eben nicht erlebt hätten – und zum Glück haben wir sie schadlos überlebt...
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 19. Okt. 2011
ThemenstarterGast22. Okt. 2011 ·
Hallo an alle,
@ Kommunikation, IT und Internet: Carl, ich versuche hier mal aufzuzählen, was es da so vor 25/30 Jahren gab und woran wir uns kaum mehr erinnern, also:
Vor dem FAX, PC, Internet und Mobiltelefon waren der Fernschreiber (mit Lochstreifen), die Schreibmaschine, die Handschrift, Briefpost, Radio und Zeitung und das Festnetztelefon (nur für wichtige Mitteilungen). Vor dem Kopierer war das „Kohlepapier“ und die Wachsmatrize. „Getippte“ Texte entstanden zuerst am Notizblock und man hat sich jedes geschriebene Wort 3 x überlegt, denn Änderungen oder Korrekturen waren schon sehr mühsam. Für Techniker gab es vor dem Taschenrechner den Rechenschieber und das Logarithmentabellenbuch.
Vor dem eigenen Auto war das „Interrail“ und wer sich das nicht leisten konnte, reiste per Anhalter. Das war in den 60ern das übliche (einzige) „Verkehrsmittel“ für Rucksacktouristen mit kleinem Reisebudget. So bin ich auch kreuz und quer durch Europa getrampt. Jugendherbergen gab es überall, das waren in kleinen Städten manchmal bloß einige in den Ferien leer stehende Schulklassenzimmer mit Feldbetten. Das war’s, militärisch/spartanisch aber billig.

Vor der Luftfracht war das „Postschiff“, welches eigentlich ein Passagierschiff war, mit welchem auch die Post nach Europa befördert wurde. In SA fuhr es bis 1977 1x wöchentlich von Kapstadt nach Southampton und umgekehrt. Die Überfahrt dauerte zwei Wochen; die Paketpost nach Österreich war so ca. 1 Monat unterwegs, aber dafür preiswert. Ende der 70er verschwanden die reinen Linienschiffsverbindungen rapide. 1977 kam mein Vater mit der letzten Fahrt der Lloyd Triestino auf Besuch nach SA. Das Schiff machte dann noch eine Weltumrundung als Kreuzfahrt, dann wurde das eingestellt. Niemand hätte damals darauf gewettet, dass die Passierschifffahrt jemals wieder derartig in Form der Kreuzfahrten zurückkommen würde.

Überseeferngespräche aus SA waren damals sehr teuer und man hat diese wirklich nur auf das Notwendigste beschränkt. Für einige Monate hatten wir aber Ferngespräche zum SA-Ortstarif, und das kam so: Zu dieser Zeit wurde der Flughafen von Jhbg erweitert und modernisiert. Die Fernsprechanlage wurde von einem dt. Unternehmen installiert, dessen Namen niemand erraten würde. Deren Monteure haben sich für den Eigenbedarf eine günstige „Heimatverbindung“ über Telefonzellen am Flughafen gelegt, und das so geschaltet, dass man sich auch von auswärts einwählen konnte. Ein Freund mit Kontakt zum Flughafen gab uns die Nummern und so konnten wir vom öffentlichen Fernsprecher in unserer Wohnanlage nach Österreich zum Ortstarif telefonieren. Man musste allerdings viel Geduld beim Durchwählen haben, weil man zig-fach hinausgeflogen ist bevor die Verbindung zu Stande kam. Nach ein paar Monaten flog der Schwindel dann leider auf. Aber auch in Europa waren Auslandsgespräche mit Durchwahl damals noch nicht überall allgemeiner Standard. In den 1980ern gingen Ferngespräche von den griechischen Kykladeninseln nur vom Postamt aus, u. U. nur mit Voranmeldung oder langen Wartezeiten. Das alles ist auch nur 25 Jahre her.
Die Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten des Internets sind zwar heute unverzichtbar, aber auch ohne ging es ganz gut, auch ohne GPS. Man hat eben weniger vorab organisiert und dann aus der Situation heraus entschieden. Die bloße Verfügbarkeit der IT-Möglichkeiten verleitet irgendwie doch zum „Überorganisieren“. Insofern war Reisen damals eigentlich einfacher, jedenfalls spontaner, sicherlich aber langsamer, was kein Nachteil ist. Ich persönlich habe noch nie so akribisch geplant, wie ich das hier öfters lese. Wir nehmen uns allerdings auch immer mehr Zeit, dann ist man auch flexibel. M. E. sind viele der hier berichteten oder geplanten Touren zu gedrängt, dann muss man natürlich auch alles generalstabmäßig durchplanen. Bei Reisen kann Weniger auch Mehr sein.
Grüße Werner

PS1:
Ich finde, dass zu diesem Thema noch ein paar Gschichtln zu Routenplanung/Orientierung/Navigation in der Zeit vor GPS und Navi passen würden und glaube, dass Lilytrotter, Erika, Gernot, Camelthorn und……… einige Erfahrungen und Anekdoten über das (Ver-)Fahren in dieser Zeit in petto hätten.

PS2:
Ich habe das Folgende schon ein Mal an anderer Stelle gepostet, ist aber nicht auf Interesse gestoßen. Ich füge es daher hier nochmals ein:

Ein paar Filmtipps für alle an der jüngeren südafrikanischen Geschichte Interessierten und die nicht gleich viel darüber lesen möchten:
„Schrei nach Freiheit“ (Cry Freedom), über Steve Biko und seine Ermordung 1977 sowie die Flucht von Donald Woods aus SA, nach dem Buch von Donald Woods.
„Weiße Zeit der Dürre“ (A Dry White Season), SA zur Zeit um Soweto 1976, nach einem Roman von Andre Brink.
„Zwei Welten“ (A World Apart), SA um 1963, nach dem Roman von Shawn Slovo über ihre Kindheit als Tochter von Apartheidgegnern.
„Red Dust“, SA zur Zeit der Wahrheits- und Versöhnungskommission, nach einem Roman von Gillian Slovo.
Shawn und Gillian Slovo sind die Töchter von Joe Slovo und Ruth First.
Die Filme sollten noch im Handel oder Verleih erhältlich sein, sie geben m. E. das gesellschaftliche und politische Klima dieser Zeit sehr gut wider.
68 Beiträge · seit 201022. Okt. 2011 ·
moin,

als ich Ende der 60-er Jahre zum 1. Mal in Botswana war, gab es im Grunde garnix!

In Jo'burg hatte ich einen uralten IIIa und einen etwas jüngeren Toyota mieten können mit(!) Campingausrüstung. Die Schlafsäcke waren durchsichtig.
GPS war ein Fremdwort. Trotz alledem sind wir quer durch gefahren. Es war unbeschreiblich schön: von Horizont zu Horizont nichts als gleissende Salzkruste.
Verproviantieren haben wir beim Spiro gemacht. Da lagen die Ölsardinen neben Eselssätteln und nicht "Butter bei die Fische" sondern Unterhosen zwischen den Broten. Dort war ein unbeschreibliches Chaos 🙂
Werner hat es ja schon sehr schön beschrieben, wie es war, und es war gut so!
Gruss Gernot
zuletzt bearbeitet 22. Okt. 2011