Unterwegs in den 1970er Jahren

550 Antworten · 99,6k Aufrufe · gestartet 24. Juli 2011 von wernerbauer
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ThemenstarterGast29. Aug. 2011 · #41
Hallo Christian, baboon, Manfred, mike, danke für den Zuspruch, habe eigentlich nicht damit gerechnet, dass das auf größeres Interesse stoßen wird.
Erika, danke auch für die Unterstützung in meiner Seniorenecke. Weiter oben hast du erwähnt, dass ihr 1971 mit dem VW-Bus bis in die Schweiz gefahren seid. Auf welcher Route? Ähnliches hatten wir auch vor, zumindest bis Kenia; aber 1977 war das mit einem in SA zugelassenen Auto nicht mehr machbar. Ich habe noch versucht das Auto in Botswana oder Swaziland zuzulassen, aber da haben sie es nicht mehr gemacht. Ein paar Monate früher wäre das noch gegangen.
Mike, ich glaube nicht, dass das damals strapaziös oder anstrengender war als heute. Man musste aber anders planen und vorbereiten. Echt anspruchsvolle Touren waren einfach off-limits für unseren Standard und Möglichkeiten und es gab ja so viel Einfaches, das genauso schön war. Ich habe ja am Anfang auch erwähnt, dass viele Pisten und Straßen eigentlich leichter zu fahren waren als jetzt. Anstrengendes (vermutlich auch Stressiges) erleben die vielen Abenteurer, die hier in diesem Forum berichten, wie (zu) weite Distanzen, Limpopoquerung oder Zentralkalahari zur ärgsten Regenzeit etc.. In dieser Liga habe ich mich nie versucht. Z. B. gab es den ganzen Stress wegen Sicherheit, Diebstahl etc. am Land überhaupt nicht; ich kann mich nur an freundliche und ehrliche Menschen erinnern, so wie das Eika oben beschreibt. Als stressig ist mir nur eine Situation in Erinnerung, wo ich von Nova Sofala in Moz zur Hauptstraße (heute EN1?) eine falsche Piste erwischt habe, die mit PKW eigentlich unbefahrbar war. Da bin ich schon nervös geworden, wie wir da wieder herauskommen. Da wir mit unseren Söhnen vom Babyalter weg per Camping unterwegs waren, waren wir aber sicherlich „gut beschäftigt".
Grüße Werner
137 Beiträge · seit 201029. Aug. 2011 · #42
@ Erika: Vielen Dank für Deinen schönen Beitrag, der sich wirklich gut in Werner’s Geschichten einreihen lässt.
@ Erika,
@ Werner: Für mich ist der ganze Thread mittlerweile einer der interessantesten im Forum geworden. Eure sorgfältig und liebevoll geschriebenen Berichte sind nicht nur sehr stilvolle Unterhaltung, sondern auch überaus lehrreich und machen oft sehr nachdenklich.

Vielen Dank euch Beiden und herzliche Grüsse

Manfred
2'338 Beiträge · seit 200730. Aug. 2011 · #43
Hallo zusammen

Werner schrieb:
Erika, danke auch für die Unterstützung in meiner Seniorenecke. Weiter oben hast du erwähnt, dass ihr 1971 mit dem VW-Bus bis in die Schweiz gefahren seid. Auf welcher Route? Ähnliches hatten wir auch vor, zumindest bis Kenia; aber 1977 war das mit einem in SA zugelassenen Auto nicht mehr machbar. Ich habe noch versucht das Auto in Botswana oder Swaziland zuzulassen, aber da haben sie es nicht mehr gemacht. Ein paar Monate früher wäre das noch gegangen
Mein damaliger Lebenspartner bekam damals in Kapstadt plötzlich Heimweh und wollte wieder in die Schweiz zurück. Eigentlich hatte er die Idee, mit unserem VW Käfer die Heimreise anzutreten, was mir aber nicht so gefiel. Der Gedanke monatelang, jeden Tag bei Wind und Wetter ein Bodenzelt aufstellen zu müssen passte mir nicht. Als wir dann in einem Schaufenster einen schönen VW-Campingbus sahen, wusste ich, dass das genau das richtige Fahrzeug war. Ich setzte mein Köpfchen durch und wir kauften kurze Zeit später genau dieses Fahrzeug.

Ein befreundetes Ehepaar aus Bern und ein österreichischer Arbeitskollege meines Freundes kamen mit auf die Tour. Die Berner fuhren einen uralten VW-Bus und der Österreicher einen noch älteren VW Käfer (ich glaube Jahrgang 1958), bei welchem er ausser dem Fahrersitz alle anderen Sitze rausgeschmissen hatte und dadurch im Wagen schlafen konnte 😄 . Mit von der Partie waren unsere zwei Hunde, Nero (deutscher Schäferhund) und der kleine freche afrikanische Mischling Oskar (Weibchen).

Da wir das südafrikanische “Permanent Residence“ im Pass hatten, benötigten wir neue, jungfräuliche Pässe, da man uns sonst nicht in die schwarzafrikanischen Länder hätte einreisen lassen. Durch gute Beziehungen brachten wir es fertig, Schweizer Nummernschilder zu organisieren, die Berner klebten einfach ein Berner Wappen auf die Schilder und der Österreicher liess es wie es war. Wir alle fuhren mit Carnet.

Anfangs Mai 1971 ging die Reise los. Da man damals die Wahl hatte, jede Route zu fahren, entschlossen wir uns für die Ostroute bis Uganda und Kenia. In Mombasa verluden wir unsere Fahrzeuge aufs Schiff und ab Bombay/Indien setzten wir unsere Reise über Indien, Pakistan, Afghanistan, Iran, Türkei, Griechenland, Jugoslawien usw. fort. Kurz vor Weihnachten kamen wir wohlbehalten, aber etwas abgemagert in der Schweiz an.

In jeder Zeit gab es noch keine GPS, kein Internet oder Satelitentelefon. Reiseführer besassen wir keine und ausser der guten, alten Afrika- Michelin-Karte war nicht viel Orientierungsmaterial vorhanden. Es ging auch so.

Wenn ich heute im Forum lese, mit welchen „Problemen“ und Fragen sich die Leute so rumquälen, muss ich oft schmunzeln und an vergangene Zeiten zurück denken. Nichts war damals voraussehbar oder fest geplant. Die besten und einzigen Tipps erhielt man von anderen Reisenden mit denen man sich rege austauschte. Einen 4x4 besassen nur wenige. Stattdessen erfreute sich der Citroen 2CV (Ente) grosser Beliebtheit bei den Weltenbummlern.

Wichtigste Voraussetzung für diese Reise war aber, dass man selbst am Fahrzeug rumschrauben konnte und imstande war, Reparaturen auszuführen. Ich hätte mich niemals mit einem handwerklich ungeschickten und unbeholfenen Mann auf ein derartiges Abenteuer eingelassen 😵 .

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
ThemenstarterGast30. Aug. 2011 · #44
Danke Erika für die Antwort, tolle Reise und Leistung, chapeau! Das mit den „sauberen“ Pässen hatten wir auch schon ausgekundschaftet, wäre möglich gewesen, ein bisschen kompliziert aber dadurch, dass unsere Söhne in SA geboren waren. Es scheiterte aber letztlich an der Autozulassung. Bei 3rd bridge haben wir auch zwei Schweizer aus SA mit Landrover am Beginn einer Transafrikatour getroffen, mit einer Kollektion selbst angefertigter Nummernschilder. Vermutlich haben sie die zugehörigen Papiere auch gefälscht (kann mich nicht mehr erinnern), das wäre mir aber doch zu abenteuerlich gewesen. Von Kenia weiter nach Norden waren alle möglichen Routen eher expeditionsartig, nichts für uns. Wir planten also auch von Kenia aus per Schiff weiterzukommen und das war 1977 bereits ein weiteres großes Problem. Durch die zeitweilige Schließung des Suezkanals nach dem Yom-Kipur-Krieg ist der Schiffsverkehr an der afrikanischen Ostküste zusammengebrochen bzw. hatte sich dieser neu orientiert und die Häfen an der Ostküste wurden kaum mehr angefahren. Ich hatte mich bei mehreren Agenturen erkundigt und überall schlechte Auskünfte erhalten. Vermutlich hätten wir das Auto auf eine Dhau hieven müssen oder so was, oder endlos auf eine Gelegenheit warten. Darauf wollten/konnten wir uns nicht einlassen und wir haben das Unternehmen abgeblasen, sehr zur Erleichterung unserer Eltern.
Wie du sagst, ist schon beachtlich, mit welchen Autos damals welche Strecken gefahren wurden, darüber ließe sich noch Einiges schreiben. Die von dir erwähnte Michelinkarte habe ich noch, zur Erinnerung aufgehoben.
Grüße, Werner
PS an alle die hier hin und wieder hereinschauen und die sich in Namibia gut auskennen. Diese Anfrage „Namibiakenner, wo ist dieser Platz?“ habe ich unter Namibia/Routen gestellt, bis jetzt ohne Rückmeldung. Kann jemand weiterhelfen?
2'338 Beiträge · seit 200701. Sept. 2011 · #45
Hallo zusammen

Da durch dieses Thema meine Erinnerungen an die alten Zeiten aufgefrischt wurden, hier nochmals eine kleine Geschichte von 1971:

Unser Klaus nimmt die Abkürzung:

In Rhodesien trafen wir damals im Matopos Park ein Schweizer Paar. Der Mann fertigte für uns eine Skizze an um aufzuzeichnen, wie man ohne Eintritt bezahlen zu müssen in den Queen Elisabeth Park in Uganda gelangen kann. Als wir dann später in der Nähe dieses Parks waren, nahmen wir aus purer Neugierde diese Skizze hervor, fuhren nach seinen Aufzeichnungen und siehe da, es hatte geklappt, wir waren plötzlich im Park 😮 .

Auf einen erloschenen Vulkan führte ein schmaler, sehr kurvenreicher, steiler Weg hoch hinauf an den Kraterrand, von welchem man eine atemberaubende Aussicht hatte. Während der Rückfahrt staunten wir ungläubig, als unser Klaus mit seinem VW-Käfer geradewegs fast senkrecht den Abhang hinunter fuhr und hämisch grinsend rief, dass er doch nicht so blöd sei und die vielen Kurven runter fahre 😛 . Als wir unten ankamen, traf uns fast der Schlag. Der arme VW Käfer steckte hilflos kopfüber im Dreck und Klaus stand verlegen an seinem Bart zupfend daneben 😊 . Nachdem wir kräftig geschaufelt und das verbogene Blech wieder gerichtet hatten, konnte die Safari fortgesetzt werden 😄 .

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
1'003 Beiträge · seit 200801. Sept. 2011 · #46
prima 😄
weiter, weiter 😘
Gruss
Christian
das ist wie wenn wir in den Parks unterwegs sind und andächtig die Tiere anschauen und mit der Angstschweiss beim 10. Schlammloch kommt von hinten der Ruf ertönte "Wasserdurchfahrt hurra, super" 🤪
Grüsse
Christian

Vielen Dank, dass Ihr uns teilhaben lasst
ThemenstarterGast01. Sept. 2011 · #47
Danke Erika, der traute sich was, der Klaus.
Christian, mit derartig wilden Abenteuern kann ich nicht aufwarten. Das einzige Gebiet, wo ich mich beim „off-roaden“ wirklich auskenne, ist das Festfahren im Sand, da habe ich eine große Kariere hinter mir, da hab ich was drauf. Ansonsten bin ich hier mehr für die Warmduscherthemen zuständig. Ich habe daher noch einen Nachtrag zur (mühsamen)
Emanzipation der afrikanischen Frauenverfasst. Weiter oben habe ich beschrieben, wie wir das zu Beginn der Unabhängigkeit 1975 in Mozambique erlebt haben. Hier noch zwei Anekdoten zur Veranschaulichung des damaligen Zeitgeistes.
1976, Nata auch Maun:
Der Fahrer eines mit Getriebeschaden gestrandeten Lkw’s bat uns zwei mit ihm reisende Frauen und Töchter nach Maun mit zu nehmen. Wir haben das gerne gemacht aber vorher gewarnt, dass wir in der Nacht nicht fahren und daher unterwegs übernachten werden und mangels Alternative sind sie dann zugestiegen. Sie waren Lehrerinnen aus Gaberone, das war 1976 schon eine ziemliche Karriere für Frauen vom Land (Maun). Ich habe dann einen Lagerplatz für die Nacht ausgesucht und begonnen das Camp einzurichten. Wir konnten zur Not mit unseren Kindern im Auto übernachten und ich habe ihnen unser Zelt, Matratzen, Feldbett etc. überlassen. Die Frauen hatten keinerlei Campingerfahrung und auch fürchterliche Angst vor einer Nacht im Busch (oh Töchter Afrikas!) und da sie sowieso nicht wussten, was, wo, wie verpackt war, funktionierte etc. habe ich ihnen gesagt, dass ich das schon mache und sie sich einfach hinsetzen, mit meiner Frau einen sundowner oder sonst was trinken und sich entspannen sollen. Es war ihnen unwahrscheinlich peinlich, von einem Mann bedient zu werden. Als ich dann mit meiner Frau gemeinsam die Kinder versorgt, das Abendessen vorbereitet etc. habe, haben sie schon ständig erstaunt/amüsierte Blicke ausgetauscht, die Krönung der Etiketteverletzung kam aber, als ich begann Feuerholz zum Grillen zu sammeln. Eine der Damen zappelte ständig neben mir her und wollte mich davon abbringen, nahm mir sogar das Holz aus der Hand, bis ich endlich kapierte: Feuerholzsammeln ist einfach Frauensache! Das mit dem Bedienen bei Tisch wäre ja noch als originelle fremdländische Sitte durchgegangen, aber dieses ging zu weit: Mann sammelt kein Feuerholz! Dabei hatte ich nicht so sehr den Eindruck, dass es der guten Frau bloß darum ging, sich auch nützlich zu machen, sondern es war ihr echt (für mich) peinlich, dass ich mich so blamierte. Dabei gehörten 1976 LehrerInnen in Botswana sicherlich zur mittelständischen Bildungselite.
1970er, überall am Land:
Ich habe immer Aufmerksamkeit, Schmunzeln bis Gelächter geerntet, wenn ich einen meiner Söhne im Traggestell oder Rucksack am Rücken getragen habe, denn: Mann tut das nicht, Kinder auf den Buckel zu schnallen ist Frauensache! In Ostzimbabwe waren ein Mal einige Frauen so amüsiert darüber, dass sie mir kreischend vor Belustigung eine Gefolgschaft von feixenden Frauen und Kindern bescherten.
Viele dieser Verhaltensmuster leben sicher noch fort (bei uns soll ja das Hotel Mama auch noch recht beliebt sein), aber bei unseren drei Besuchen ab 1997 waren wir schon sehr beeindruckt vom seither gestärkten Selbstbewusstsein und sozialen Aufstieg der afrikanischen Frauen, das ist echter Fortschritt.
Aber auch die afrikanischen Männer dürften dazu gelernt haben, gesehen 2002 am Campingplatz bei North Gate:
Ein Campangestellter schlurft, begleitet vom ca. 5 jährigem Sohn, zum Putzen der total verdreckten „Sanitäranlagen“ an. Vater in Pädagogenpose: Jetzt zeige ich dir mal wie man Geld durch Arbeit verdient und wie geputzt wird. Ausgerüstet mit einem Kübel, einem Mopp mit noch (geschätzten) 30 Fäden, kein Putzmittel. Mit ½ Kübel Wasser und durch gleichmäßige Verteilung des Bodenbelages aus Sand, Seifenschaum, Klopapier und Unaussprechlichem war das schnell erledigt, picco bello north gate style.
Siehst du, sagten wir uns: Das ist auch Fortschritt, zwar kein hygienischer aber immerhin putzen die Männer schon.
Grüße Werner
PS. Ich schreibe dann noch was über damalige PKWs und –Fahrten. Dann habe ich mein Pulver verschossen.
4'129 Beiträge · seit 200801. Sept. 2011 · #48
Wir sind echt angepiekt von den schönen alten Reise-Geschichten!
Vielen Dank Werner.


Eigentlich hat das Folgende hier ja nix zu suchen, bei den 70ern...
- denn wir waren ganze 10 Jahre später unterwegs
- und davon die wenigste Zeit im südlichen Afrika, alles andere fanden wir viel spannender, der Süden war uns viel zu zivilisiert... außerdem waren uns die Campingplätze extrem unangenehm, an denen große Schilder prangten: Whites only. – Und das war ja nicht das Einzige...

Weniger als die Hälfte der Leute, die damals von Norden her overland den Weg durch Afrika starteten, haben den ganzen Weg bis Südafrika gemacht. Erstens brauchten alle immer wesentlich länger für die Strecken, als sie zuvor dachten, somit waren Zeit und Geld dann irgendwann in Ostafrika knapp, die Autos waren ziemlich fertig – und entscheidend:
In Kenya war das Paradies! Da gab’s nix mehr zu toppen! Wir haben damals 8 Monate gebraucht, bis wir uns von Ostafrika losreißen konnten, die Reise weiter nach Süden fortzusetzen.
Das dünne Büchlein "Transsahara" und „Durch Afrika“, von Klaus und Erika Därr, waren unser aller Reisführer für den gesamten Kontinent und die waren ziemlich gut! Alles Wesentliche für den Selbstfahrer stand drin. Ein paar Michelin Karten 1:1000000 u. 1:4000000, Kompass und Geodreieck. Satelitentelefon? Man dachte nicht mal dran. Es war sowieso unerschwinglich.

In der Hauptstadt jedes Landes gingen wir zum G.P.O., zur Poste Restante, um uns unsere Luftpostbriefe abzuholen, ein immer wieder spannendes Ereignis! In freudiger Erwartung nahmen wir unsere Preziosen, suchten uns ein schönes Plätzchen und schwelgten, am liebsten in einem netten Café. Man war dort selten allein, irgendwo saß ebenfalls einer, der dasselbe tat.

Auch in den 80ern war es noch ziemlich leer in den Nationalparks Botswanas.
11 Tage Chobe. In Serondela waren wir die einzigen Camper und hatten nette Tage mit dem Caretaker, den wir mit unserem frisch gebackenen Kuchen beglückten.
Nicht einmal an der Chobe Riverfront musste man die Beobachtungen mit anderen teilen.
Ab Serondela ging der Weg direkt nach Süden, über Nogatsaa Richtung Savuti. Unterwegs trafen wir ein Fahrzeug, - in 3 Tagen. Man stieg aus und tauschte sich erstmal ausgiebig aus (einige Reisefreundschaften sind so entstanden). In Savuti angekommen trafen wir auf zwei Fahrzeuge, einer davon ein Overlander. Auch dort waren wir froh, uns mal mit anderen auszutauschen. Die besten Informationen gab es, wie schon von anderen erwähnt, von anderen Reisenden an solchen Plätzen (im übrigen waren die Fahrer der heute oftmals belächelten Overlander immer am besten informiert! und sehr auskunftsbereite Leute! - überall in Afrika!). Auch die Ranger, die gern mit dabeistanden und mit den Neuigkeiten dem Nächsten wieder weiterhelfen konnten, waren beliebte Informationsbörsen.
Ebenso lief es bei bestimmten Lodges oder Campsites ab, - man fuhr sie gerne an, nach wochenlanger basic (oder weniger) Versorgung: Sie waren Treffpunkte (eine Bar mit kühlem Bier!) für alles was grad so unterwegs war, Informationsbörse, Briefkasten für Nachrichten aller Art von Reisenden zu Reisenden (wir erhielten mehrfach auf diese Weise nach Monaten Post von Reisebekanntschaften – man hinterließ auch auf Briefen von anderen zusätzlich Grüße, die Postkästen dort waren Schatzkisten!) und es gab dort auch die Möglichkeit für Backpacker sich einen nächsten Lift zu organisieren. Hier sei nur die famous Mrs Roche in Nairobi, die Twiga Lodge oder die Island Safari Lodge in Maun genannt.

In die Zentrale Kalahari durften wir leider nicht, das war einfach ein weißer Fleck auf der Landkarte. Verbotenes Gebiet.
Im letzten Jahr endlich, haben wir das nachgeholt.

Gruß lilytrotter


Übrigens: Das erste Reiseauto ging damals in Lesotho an einen DED’ler, der damit genau das gemacht hat, was derzeit von Südafrika mit SA Kennzeichen niemandem möglich war, eine Rückreise durch Afrika nach Europa.
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 05. Sept. 2011
409 Beiträge · seit 200901. Sept. 2011 · #49
Erika schrieb:

(...) Durch gute Beziehungen brachten wir es fertig, Schweizer Nummernschilder zu organisieren, die Berner klebten einfach ein Berner Wappen auf die Schilder und der Österreicher liess es wie es war. Wir alle fuhren mit Carnet. (...)

Erika
Stichwortanschluss Schweizer.

Dem Einfallsreichtum von Schweizern bin ich in den Achtzigern in Liberia begegnet. Aus der Elfenbeinkueste kommend auf dem Weg nach Monrovia galt es gefuehlte 55 Police Checkpoints moeglichst schadlos und kostenguenstig zu passieren. Als ich auf halber Strecke einem Auto voller Schweizer begegnete und mein Leid mit ihnen teilen wollte schauten die mich verstaendnislos an und meinten: "Checkpoints? Fuer uns ueberhaupt kein Problem. Da halten wir unsere Schweizer Paesse aus dem Fenster und rufen RED CROSS! Dann traut sich keiner mehr uns zu stoppen."
Daraufhin habe ich meinen Blutspendeausweis rausgekramt und mit der gleichen Methode ohne weitere Belaestigungen Monrovia erreicht.
Das groesste Problem war dabei, das Lachen zu unterdruecken...

Gruss

Camelthorn
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
2'338 Beiträge · seit 200701. Sept. 2011 · #50
🤩 🤩 🤩

Hi Camelthorn


Dabei ist ja das Schweizerkreuz ja gar nicht rot, sondern weiss 😄 ! Ein Schweizer Pass ist bestimmt kein Nachteil, außer in Malawi, aber dorthin zahlen wir wahrscheinlich zuwenig Entwicklungshilfe 😠 .

Grüessli
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
4'129 Beiträge · seit 200802. Sept. 2011 · #51
Das kleine Carnet des Passages

In Kenya in der Twiga Lodge wurde in lauen Nächten unterm Sternenhimmel und Kokospalmen viel erzählt und an der Bar noch mehr. Und so unterhielten wir uns eines Abends mit einem ziemlich coolen jungen Motorradfahrer über das immer wieder beliebte Thema der hohen Kaution für das notwendige Carnet des Passages. - Nein, er habe keine Kaution hinterlegt, meinte er und zog ein Couponheftchen aus der Hosentasche.

Es war ein kleiner zusammengehefteter Block mit Essensmarken der Bundeswehr, dreigeteilt perforiert: FRÜHSTÜCK, MITTAG, ABENDBROT, jeder Abschnitt wies einen Bundesadler auf, wie das so üblich war.

Wir bekamen erst Stielaugen, dann Lachkrämpfe. Mit diesem Teil, war er tatsächlich unbehelligt über alle Grenzen bis nach Kenya gekommen!
Gab es Nachfragen, erklärte er den Grenzbeamten nonchalant: Großes Auto – Großes Carnet; Kleines Motorrad – Kleines Carnet. Und die Grenzer nahmen bei der Einreise den Abschnitt FRÜHSTÜCK und stempelten ihm brav den Abschnitt ABENDESSEN. Und bei der Ausreise stempelten sie Abschnitt MITTAG und stempelten ihm „korrekterweise“ wiederum den verbleibenden Abschnitt ABENDESSEN, auch wenn der Stempel überhaupt nicht mehr draufpasste.


Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 22. Apr. 2016
2'338 Beiträge · seit 200702. Sept. 2011 · #52
🤩 🤩 🤩

Hi lilytrotter, das ist wirklich eine lustige Geschichte. Wichtig war, dass das Bündel Papiere möglichst dick war und offiziell aussah.

Die wildernden Franzosen:

In Westen Ugandas trafen wir damals zwei vergammelte Franzosen, die gerade den Kongo mit ihrem Citroen 2CV durchquert hatten. Am Wagen war ein Affe mit einer Schnur angebunden und auf dem Wagendach hatten sie ein Affen- und Antilopenfell zum Trocknen aufgespannt. Sie erzählten uns, dass sie jeweils ihren Fleischbedarf selbst gejagt hätten. Den aufgespannten Affen hatten sie schon im Kongo geschlachtet und die Antilope wollten sie eigentlich lebend über die Grenze nehmen, was aber nicht erlaubt wurde. So schlachteten sie scheints das arme Huftier direkt beim Zoll 😐 und dann durften sie nach Uganda einreisen. Als wir sie später in Nairobi nochmals trafen, war der zweite Affe auch aufgespannt 🙁 .

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
zuletzt bearbeitet 05. Sept. 2011
4'129 Beiträge · seit 200802. Sept. 2011 · #53
Hallo, Erika!

JA, und mit jedem Stempel wurde das Teil offizieller...


Es gab schon einige total abgedrehte Cretins.
Das mit den Affen, war die etwas widerliche Abteilung. In Zetralafrika und Zaire (Kongo) hingen sie häufig (kopfüber lebendig oder schon tot und abgezogen) zum Verkauf an der Straße. Ape-Stew wurde angeboten, ebenso wie Grüne Meerkatze. Am schlimmsten war es, wenn man in einem Verschlag einen kleinen Schimpansen entdeckte, der natürlich zum Verkauf stand. Klar war, wie sie zu dem Baby gekommen waren...

Grüßle
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
2'338 Beiträge · seit 200702. Sept. 2011 · #54
So, und nun zu einem anderen ernsten Thema:

Oskars verlorene Keuschheit:

Unsere kleine Hündin Oskar wurde am romantischen Palmenstrand von Kenyatta Beach nördlich von Mombasa zum ersten Mal läufig. Obwohl wir sie in der Zeit immer gut im Auge hatten, entwischte sie uns eines schönen morgens. Sogleich nahmen wir mit Nero, dem Schäferhund die Spur auf und was sahen wir????? Oskar machte Liebe mit einem Strandköter 😈 !!!!! Pfui 😈 !!!! Für einen Coitus Interruptus war es bereits zu spät, das sah auch ein Blinder. Nun war guter Rat teuer. In wenigen Tagen mussten wir auf’s Schiff nach Bombay, also war schnelles Handeln angesagt. Wir suchten in Mombasa die Praxis von einem gewissen Dr. Mulela, seines Zeichens Tierarzt auf und fragten ihn um Rat. Er lächelte verständnisvoll und schlug uns eine Abtreibung vor 😐 . Wir mussten schweren Herzens einwilligen, denn die Jungen wären sonst noch auf unserer Reise geboren worden und das wäre in dem kleinen VW-Bus eindeutig zu eng geworden. Die erste Spritze verpasste er Oskar sofort und sagte, es müssten noch weitere sechs Spritzen (pro Tage eine) verabreicht werden. Wir nahmen den Rest mit. Am nächsten Tag verpassten wir dem armen Tier selbst so eine Bombe, was aber von dem Hündchen nur unter grossem Protest geduldet wurde, da wir ja keine Übung hatten 🤢 . Dann kam der Tag, andem wir das Schiff nach Indien bestiegen. Auch heute musste wieder gespritzt werden. Wir gingen mit der Spritze bewaffnet zu unseren Hunden, welche in einem grossen Zwinger untergebracht waren und wollten die für beide Seiten unangenehme Prozedur gerade starten, als ein Mann daher kam und sich als Schiffsarzt vorstellte. Als wir ihm erklärt hatten, dass es sich um eine Abtreibung handle, nahm er uns das Geschoss grinsend ab und spritzte das Oskarchen so gefühlvoll, dass es überhaupt nicht reagierte 😛 . Von dem Tag an wartete der Doktor immer um die selbe Zeit mit einem Wassebäuschchen in der Hand, wir übergaben ihm das Medikament und er verrichtete seine Arbeit fachmännisch und nicht so stümperhaft wie wir.

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
1'738 Beiträge · seit 201002. Sept. 2011 · #55
Vielen, vielen Dank WernerBauer, Erika und lilytrotter

es ist so interessant von Euren Reisen und Abenteuern aus vergangenen Tagen zu lesen. Danke, dass Ihr uns ein wenig teilhaben lasst.

Für mich speziell kommt natürlich beim Lesen dieser Episoden die Frage auf, warum wurde man am falschen Ort geboren und war im Ostblock eingesperrt? Doch die zweite Frage schließt sich gleich an. Hätten auch wir mit uneingeschränkter Reisefreiheit solche Touren in der Vergangenheit überhaupt unternommen? Antworten wird es nie geben.

Machen wir also das Beste aus unseren heutigen Touren und genießen Afrika mit Haut und Haaren und allen Sinnen so gut als möglich.

LG
Botswanadreams
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
ThemenstarterGast04. Sept. 2011 · #56
Grüße an alle und Danke an Erika,Lilytrotter, Camelthorn und andere Sachkundige. Jetzt ist das Thema letztlich bei den echten Afrikakennern angekommen, ich übergebe dann.
Zuvor will ich aber noch etwas über das (furchterregend?)rasante Tempo der touristischen Erschließung Afrikas loswerden. In den 50ern haben die Filme von Huston und Ford Afrika erstmals einem Weltpublikum vermittelt. „The Harmless People“ von Elizabeth Marshall erschien 1958. „Serengeti darf nicht sterben“ und die „Löwin Elsa“ haben sich Ende der 50er/Anfang 60er zugetragen, „Hatari“ kam 1962 ins Kino. Ein Flug nach Kapstadt dauerte 2 bis 3 Tage und kostete mehrere Monatsgehälter. Davor gab es eine Verbindung per Wasserflugzeug ab Kairo, in Tagesetappen über den Nil und die Seen bis Malawi; der Zeit entsprechend waren das Tagesflüge bei Bodensicht bzw. -flughöhe. 1974 begannen die Owens ihr Projekt in der Zentralkalahari. Ab den 80ern haben die Bartlett’s einer breiteren Öffentlichkeit erstmals vermittelt, dass Elefanten und Löwen auch in der Wüste leben. Ich schätze mal, dass bis zu den 60ern höchstens ein paar Hundert Alpinisten die ostafrikanischen Berggipfeln bestiegen hatten. Dann ging‘s schnell, jetzt sind es 20.000/25.000 Touristen pro Jahr am Kilimanjaro (habe ich gelesen). Viele Plätze, die seit einiger Zeit zum touristischen Standardrepertoire gehören, waren vor 30 bis 40 Jahren noch weiße Flecken auf der Landkarte (für Europäer). Prinzipiell trifft das alles auch für jede andere entlegene Gegend der Welt zu. Wie damit umgehen? Wie immer man das bewertet, das damit verbundene Interesse und Geld trägt auch positiv zum Erhalt bei. Ohne den zahlungskräftigen internationalen Tourismus wären wahrscheinlich viele Gebiete Afrikas nicht unter Schutz gestellt worden und als Naturlandschaften nicht mehr vorhanden. Wie viel davon bei den Ausführenden ankommt, ist aber ein eigenes Kapitel. Persönlich glaube ich, dass das nur dann längerfristig tragfähig sein wird, wenn die ortsansässige oder benachbarte Bevölkerung (mehr) davon profitiert.
1997 waren wir nach 20 Jahren wieder in SA und haben dann eine 3 ½ wöchige Matopos-Hwange-Chobe- Moremi-Runde gemacht. Wir hatten uns über die Jahre durch alte Kontakte und Medien schon halbwegs informiert gehalten, aber in Botswana haben wir nur mit offenem Mund über die Modernisierung des Landes (siehe erste Seite dieses Themas), die Professionalität des Tourismusbetriebes und die Besucherzahl gestaunt. Wir hatten ja „Afrikaerfahrung“ und ich hatte (außer Auto) nichts vorab organisiert. Shame on me, jeder totale Neuling war besser vorbereitet als wir. Die Botswana NPs waren natürlich „fully booked“, in Chobe sind wir dann als Tagesbesucher hinein und einfach geblieben (war sowieso alles frei) und haben dann bei der Ausfahrt nachgezahlt (einen Zahlungsbeleg musste ich ausdrücklich verlangen). Das Verwaltungspersonal hat so offensichtlich Plätze für die professionellen Touranbieter freigehalten und in die eigene Tasche gearbeitet. 2002 haben wir dann auch vorbestellt.
Nur im Hwange war die Zeit stehen geblieben. Die von Manchen bemängelte „Armseligkeit“, wie keine Elektrizität, Warmwasser etc., hat uns keineswegs gestört, lieber so und beschaulich als 4* Rummel. Die Beherbergungskapazität war nicht ausgeweitet worden, höchsten ein paar Campingplätze waren dazu gekommen. Die Infrastruktur war zwar völlig veraltet, aber für die geringe Besucherzahl gerade noch ausreichend. Das Personal war sehr bemüht, in der Situation das Bestmögliche zu machen. Klar, dass dieser Dornröschenschlaf dem von Bob zu verantwortenden Niedergang zu „verdanken“ ist, das ist aber ein anderes Thema. Es ist aber auch eine Chance für die Zukunft. Vielleicht/hoffentlich findet sich ein Weg, dass man das so einfach belässt und nur die Infrastruktur erneuert. Dazu braucht man aber auch ein Publikum, das bereit ist, auch für nur mäßigen Komfort einen tragfähigen Preis zu zahlen. Nach Allem was ich hier gelesen habe und Freunde mir vom letzten Jahr erzählt haben, wäre Zimbabwe eigentlich der „Geheimtip“ für alle die das können.
Grüße Werner
4'129 Beiträge · seit 200804. Sept. 2011 · #57
Hallo, Werner!
Grüße an alle und Danke an Erika,Lilytrotter, Camelthorn und andere Sachkundige. Jetzt ist das Thema letztlich bei den echten Afrikakennern angekommen, ich übergebe dann.
Nee, nee, nee, Werner, wir brauchen dich! Ohne deine wertvollen und schönen Beiträge ist das nix hier!

...„echte Afrikakenner“..., das sind wir nicht! Wir waren zwar viel unterwegs, aber du hat dort gelebt UND bist gereist!

Eigentlich wollten wir einfach nur nette alte Geschichten beitragen, zur Ergänzung, denn wir hatten den Eindruck, hier passt es hin, - aber wir wollten keinen „Kennerthread“ draus machen. Der Eindruck ist uns ja nun doch’ bissl peinlich... Eine „Übernahme“ durch uns wird es nicht geben.

Es ist dein Thread und er ist wunderbar! Es wäre sehr schade, wenn du dich hier zurückziehst.

Grüße lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
ThemenstarterGast05. Sept. 2011 · #58
Danke Lilytrotter für die Nachricht.
Die eingangs zu meiner letzten Zuschrift gemachte Bemerkung war ehrlich gemeint, keinesfalls ironisch oder beleidigt. Danke für deine und Erikas Reminiszenzen, hoffentlich kommen noch mehr.
Wenn Leute, die Afrika schon so lange und oft bereist haben, keine „Kenner“ sind, wer sonst? Schön, dass ihr das nicht an die große Glocke hängt. Da dies hier ja hauptsächlich ein Forum zum Informationsaustausch für Reiseplanung und über (aktuell verwertbare) Reiseerfahrungen ist, habe ich es schön langsam als deplatziert empfunden weiter zu schreiben, weil ich ja (leider) keine aktuellen Erfahrungen berichten kann. Das war eigentlich der Grund für die Aufforderung zur “freundlichen Übernahme“, ich hätte das aber besser formulieren sollen.
In den nächsten Tagen habe ich wenig Zeit für „alte G’schichtln schreiben“, bitte um eine „zwischenzeitliche Übernahme“,
Grüße Werner
2'338 Beiträge · seit 200705. Sept. 2011 · #59
Hallo Werner

Du sprichst in einem deiner Beiträge den Hwange NP an. Ich versuch nun mal aufzuzeichnen, wie ich den „Niedergang“ empfunden habe:

Der Hwange NP in Zimbabwe 1971 bis heute:

Auf unserer Reise besuchten wir 1971 auch den Hwange NP, der damals noch "Wankie“ hiess. Unsere erste Nacht verbrachten wir im Sinamatella Camp. Dort gab es damals einen gut assortierten Laden und ein sehr gutgehendes Restaurant. Alles war unter weisser Leitung und auch die Ranger waren weiss. Der Campingplatz war liebevoll gepflegt und parzelliert. Sobald man ankam, wurde von einem persönlichen Caretaker Feuer gemacht und ein Wasserkessel für den Tee aufgesetzt. Die Duschen/Toiletten waren zwar einfach, aber sie haben bestens funktioniert und waren sehr gepflegt. Überseetouristen trafen wir keine. Die Tierwelt war gigantisch. Robins Camp und Hauptcamp waren ebenfalls sehr gepflegt und durchwegs unter weisser Leitung.

Die vielen schönen Picnic-Plätze waren im Gegensatz zu heute nur als solche gedacht. Übernachten war nicht erlaubt. Auch dort wurde bei unserer Ankunft jeweils sofort Feuer gemacht und der Teekessel aufgesetzt.

Elefantenherden von über hundert Tieren waren keine Seltenheit. Auch grössere Löwenrudel haben wir öfters beobachten können, auch ausserhalb des Parks. Noch 1998 entdeckten wir kurz vor der Ortschaft Hwange eine Löwin, die direkt neben dem Weg lag.

Bereits in den Neunzigerjahren bemerkten wir, dass immer weniger Tiere zu sehen waren. Die Preise für die Unterkünfte waren in den Keller gerutscht. 1998 kostete ein Bungalow inklusive Caretaker in Sinamatella pro Nacht SFr. 1.65 und am Wochenende SFr. 3.60 🤩 .

2007 fanden wir, dass der Westen des Parks im Gegensatz zu früher praktisch tierleer war 🙁 . Mit den einst schönen Camps ging es immer weiter abwärts und die Restaurants und Geschäfte waren überall geschlossen. Noch 2007 wurde in Sinamatella der Donkey angeheizt, um warmes Duschwasser zu machen, obwohl das Wasserfass durchgerostet war. Der Zuständige meinte zwar, dass er schon wisse, dass es nichts nütze, aber Feuer machen sei einfach sein Job 😄 . 2008 war überhaupt kein Personal mehr auf dem Campingplatz zu sehen. Hingegen war das Hauptcamp einigermassen funktionstüchtig.

Wir hoffen sehr, dass sich dieser Park in Sachen Tierwelt wieder erholen wird und nicht ein Selbstbedienungsladen für die Wilderer bleibt. Personal ist ja immer noch genügend vorhanden, aber es schaut niemand für Ordnung. Man geht lieber an die Dämme zum Fischen. Ja, man kann den Park auch heute noch besuchen, was wir auch immer wieder tun, auch wenn die Wege stark gelitten haben oder besonders im Osten teilweise zugewachsen sind, aber wir persönlich glauben nicht, dass wir es noch erleben werden, Hwange wieder einmal so vorzufinden, wie er 1971 war. Ich weiss, ich weiss, ich jammere wieder mal, also verbleibe ich unter dem Motto:“ Die Hoffnung stirbt zuletzt“ 🤪 .

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
ThemenstarterGast07. Sept. 2011 · #60
Danke Erika, dein Gedächtnis möchte ich haben, du kennst noch die Bungalowpreise von damals, Respekt. In den 70ern waren wir nach meiner Erinnerung immer in Bungalows, war preiswert. Wir waren mehrfach in allen Camps, die alle unterschiedlichen Landschaftscharakter haben. In Nantwich war man alleine, ohne Zaun.
Der Niedergang im Wankie/Hwange ist gravierend und hat sich nach deiner Beschreibung leider noch bis zur völligen Auflösung fortgesetzt. 1997 hatten wir angesichts des allgemeinen Trends und Zeitgeistes eine „Modernisierung“ mit ständig laufenden Dieselgeneratoren etc. erwartet/befürchtet und waren irgendwie erleichtert, das nicht vorzufinden. Den mangelnden Komfort haben wir dafür gerne in Kauf genommen. Das eigentlich Schlimme ist aber die grassierende Wilderei. In den SA- und ZIM-Exilantenmedien wurde über die Jahre immer wieder berichtet, dass das Militär, mit Mitwirkung von Teilen der Verwaltung, sich aus den Parks mit Fleisch für Eigenbedarf und Verkauf versorgt und bedient hat. Dazu kommt noch der lukrative Schwarzhandel mit Elfenbein und Nashornhorn, was sogar in SA ein großes Problem ist. Das wirkt auch langfristig nach, weil die Tiere dann wieder vor Autos flüchten. Die Parkverwaltung ist offensichtlich nicht mehr intakt oder in der Lage das Nötige zu erledigen, so dass seit einigen Jahren und Gott sei Dank Private, wie die Friends of Hwange, mit Pumpenpflege etc. aushelfen (http://www.friendsofhwange.org). Das Personal ist m. E. eher in einer bedauernswerten Situation, weil sowieso schlecht, oft unregelmäßig und manchmal gar bezahlt wird. Sie sind sogar auf die Hilfe von Privaten aus ZIM und SA angewiesen, die ihnen bei Parkbesuchen Ersatzteile, Diesel, Lebensmittel und Kleidung mitbringen, anders könnten sie gar nicht mehr arbeiten und existieren. Angeblich werden derzeit aber wieder größere Anstrengungen zur Bekämpfung des Wilderns und Instandsetzung der Infrastruktur gemacht. Ich schätze, dass die Verwaltung, vor allem aber die Touristikunternehmen, versuchen werden, die angesichts der Preisentwicklung in Botswana gestiegenen Marktchancen, wahrzunehmen. Berichte in den SA Foren lassen hoffen.
Grüße Werner
PS.: In Hwange hängt die Elefantenpopulation, mehr als in anderen Parks, von künstlichen Wasserstellen ab, weil es im Park praktisch keine ganzjährigen Oberflächenwässer gibt. In der trockenen Jahreszeit hängen alle Großtiere am Tropf der Pumpen. Damals hat man uns erzählt, dass dies auch Elefanten aus Botswana „angezogen“ hat, zumal diese außerdem dort bejagt wurden. Begeistert haben uns die Beobachtungsplattformen und hides am Boden, das war öfters große Elefantenschau mit Bühnenloge; man ist ganz nah dran und kann viel entspannter beobachten als dies vom Auto aus möglich wäre. Mit den vielen Elefanten am Parkplatz und in der unmittelbaren Umgebung können allerdings die Zu- und Abfahrten spannend werden.
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Näher geht’s nicht
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Wenn allerdings die Pumpen wegen Spritmangel oder Defekten ausfallen oder die Bohrlöcher trockenfallen, müssen die Tiere wegziehen und es gibt nichts zu sehen, oder sterben wie zuletzt 2005. Die 30 U$ Eintritt ppd decken den „Dieselbedarf“ von 250 Elefanten für drei (!) Tage, das ist schon eine Aufgabe in der derzeitigen Situation.