vielen Dank für euren REisebericht, vor allem eure Gedanken dazu. Es ist sehr erfrischend, von der Standardmeinung abweichende Gedanken zu lesen bzw. ist es toll, wenn sich jemand offenbar vorher mehr mit dem Land an sich als mit der Frage, was die tollste Campsite ist, beschäftigt.
Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, daß Kolmanskop erhalten bleibt, daß man es besuchen kann, daß es Museal aufbereitet wird. Ich fände es nur viel spannender, wenn das Bild nicht so unvollständig wäre, das da vermittelt wird. Die Zeiten damals waren halt auch total verrückt.
Danke, das war genau mein Gedanke als wir dort waren. Diese etwas unvollständige Vergangenheitsdarstellung findet sich leider öfters in Namibia, was angesichts der politischen Mehrheitsverhältnisse eigentlich seltsam ist.
Auch dass ihr die Zäune an der D707 als störend empfandet, kann ich voll nachvollziehen, auch wenn das keine Mehrheitsmeinung ist. Die Straße vermittelt ein dermaßenes Gefühl von Weite und Unendlichkeit - und dann steht da überall ein schnöder Zaun daneben..
Nan@Themenstarter38 Beiträge · seit 202431. Juli 2024 ·
fidel schrieb:
Danke, das war genau mein Gedanke als wir dort waren. Diese etwas unvollständige Vergangenheitsdarstellung findet sich leider öfters in Namibia, was angesichts der politischen Mehrheitsverhältnisse eigentlich seltsam ist.
Danke für dein Feedback! Wir haben wirklich im Vorfeld auch viele Leute getroffen und ausgefragt, dazu ist hier in Berlin das Thema Kolonialismus natürlich auch sehr präsent, wenn man denn die Augen nicht aktiv davor verschließt. Wir haben auch lange überlegt, wie wir die Reise so gestalten können, daß wir einen möglichst positiven impact haben und dazu gehörte halt auch, uns mit der Geschichte zu beschäftigen.
Unser Guide in Kolmanskop vermutete, es würde zu viele Touristen abschrecken, wenn die grausigen Aspekte der Geschichte zu drastisch erzählt werden. Der Tourismus ist als Wirtschaftsfaktor wohl zu wichtig um das zu riskieren. Ich glaube aber, es würde nicht schaden, auch normalen Touristen die Geschichte und die großen Zusammenhänge nicht vorzuenthalten. Vielleicht trauen sie da den Leuten auch zu wenig zu?
Nan@Themenstarter38 Beiträge · seit 202431. Juli 2024 ·
Sossousvlei! Mein persönliches zweites Wunsch- Highlight nach Sperrgebiet. Das Dead Vlei wollte ich unbedingt sehen und an diesem Tag war es so weit. Was soll ich groß schreiben, die meisten hier im Forum waren vermutlich schon selber da oder haben schon etliche Fotos gesehen. Selbst wenn viele Fotos stark bearbeitet sind, ist die Realität viel berauschender. Einfach, weil man da ist.
Die Fahrt durch den Sand ist mit dem Hillux kein Problem, ich bleibe einfach dezent auf dem Gas und mache mir nichts aus dem Geschlinger und so sind wir bald am großen Parkplatz. Der Wetterbericht hat nicht gelogen, es ist fast windstill und eine Freude durch die Dünen zu laufen. Der Blick, wenn man den letzten Hügel überwindet und das Vlei plötzlich vor einem liegt, das ist schon großartig. Auch die anderen Touris stören mich in dem Moment nicht. Es ist einfach zu schön. Auch gibt es später am Tag immer wieder Momente, in denen wir das Tal fast ganz für uns haben.
Irgendwie kommen wir auf die Idee, daß es leichter sein könnte, die rechte Düne zu besteigen, als Big Daddy, außerdem herrscht da Stau wie aufm Mt Everest 😉
Aber allein bis wir auf dem Grat sind, sind wir schon fast platt. Von unten sieht das alles deutlich leichter aus 🙂
Wir entschließen uns dann, stattdessen das Nachbar Vlei anzugucken, das auch ganz spannend aussieht.
Wir verbringen auf jeden Fall viel Zeit im Dead Vlei, im Nachbar Vlei, im Sossousvlei und halten diesmal auch bei Düne 40 und ein Oryx posiert auch noch malerisch vor den Dünen...
Zurück am Campingplatz beschließen wir, wieder Essen zu gehen, das Restaurant ist diesmal leer und unsere Lieblingsangestellte hat auch mehr Zeit zum Plaudern. Wir erfahren, daß sie etwa 4h entfernt lebt und immer 24 Tage arbeitet um dann 1 ganze Woche frei zu haben, daß sie Urlaub auch über 3 Jahre ansammeln können, daß sie auch mal ins Ausland fahren möchte und dafür etwa 2 Jahre sparen muss. Sie ist etwas erstaunt, daß wir etwa 5 Jahre auf die Reise gespart haben, aber wir sind ja auch auf die andere Seite der Welt gefahren und sie möchte erstmal nur nach Südafrika.
Zur Feier des Tages gönne ich mir ein Oryx Steak zum Dinner, obwohl ich hier in D eigentlich kaum Fleisch esse, Tierleid, Antibiotika und andere Schadstoffe verderben mir hier den Appetit, aber ich gehe mal sehr davon aus, daß die Oryxe hier gut und chemiefrei leben. Leider bekomme ich einen totgeklopften, zähen, trockenen Lappen und mein vegetarischer Partner feixt und kichert was von Karma.
Diese kleine Fiesheit "rächt" sich aber auch ziemlich prompt. Mitten in der Nacht wacht er auf und findet die große schwere Mülltonne umgekippt und den Inhalt auf unserer Campsite verteilt vor. Ich in meinem Dachzelt bekomme davon nix mit 😉 während er in Unterbuxen pflichtschuldig gleich alles wieder einsammelt.
Morgens deuten wir die Spuren so, daß ein deppiges Oryx über den Draht gestolpert sein muss, der unsere Campsite umgibt und dabei gegen die Tonne gerummst sein muss. Die Schakale haben dann den Inhalt schön verteilt bei der Suche nach was leckerem, was wir aber leider nicht in die Tonne geworfen hatten.
Wir nehmen einen letzten Kaffee mit den neuen Bekannten vom NWR Center und machen uns auf den Weg zur Spitzkoppe.
Herzlichen Dank für deinen wirklich sehr schönen und ungewöhnlichen Reisebericht. Ich finde es toll, dass ihr euch so viel Zeit genommen habt für einzelne Orte. Einige eurer Stationen werde ich im September auch besuchen und lese hier sehr gerne weiter mit.
Nan@Themenstarter38 Beiträge · seit 202401. Aug. 2024 ·
ACHTUNG: Heute Bleiwüste, kaum was fotografiert.
Dieser Tag ist für die Fahrt von Sesriem über die C14 durch die Kuiseb Berge über Walfish Bay am Meer entlang nach Swakopmund vorgesehen. Leider geraten wir an der Kreuzung von Solitaire in eine etwa 20 Fahrzeuge große Karawane eines Südafrikanischen "geführte Selbstfahrer" Touranbieters. Erstmal bin ich etwas genervt, daß wir überhaupt reingeraten, der Karawanenführer schießt vor uns aus der Ausfahrt von Solitair raus und das schon knapp, so daß ich bremsen muss (obwohl ich schon auf der C14 fahre) und hinter ihm hängen sich noch 2 Autos dran, so daß ich RICHTIG bremsen muss, die anderen 18 klemmen sich hinter mich und fangen sofort an, wie irre zu überholen. Extrem unangenehm und sehr staubig. Ist das so asozial wie ich denke? Oder hätte ich aus irgendwelchen Gründen, die ich nicht verstehe anhalten müssen? Ich wähnte mich auf der Hauptstraße und die kamen aus einer kleinen Privatausfahrt... ? "Am I the Asshole"? Naja, auf jeden Fall nutze ich die nächstbeste Gelegenheit an der ich sicher halten kann, lasse die Karawane vorbei ziehen und gewähre ihnen einen guten Vorsprung, damit wir nicht die ganze Zeit in deren Staubwolke fahren müssen. Blöd ist nur, daß wir sie so die ganze Zeit vor uns haben und so ziemlich JEDE Bucht an jedem Viewpoint von deren Wagen vollgestellt ist. Und das mehrere Buchten hintereinander, weil mehr als 3-4 Autos passen da ja nicht rein. Teilweise ragen die letzten Fahrzeuge schon auf die Fahrbahn und das bei der kruvigen Bergstrecke. Ein einziges mal schaffen wir es, an allen vollen Viewpoints vorbei zu überholen, aber weil wir dann auch irgendwo mal Rast machen und gucken wollen, haben wir sie dann doch sofort wieder vor uns. Wahrscheinlich wäre es das beste gewesen wirklich 1 Stunde zu warten oder so, aber wir waren spät weggekommen und wollten ja auch irgendwann ankommen... grmpf. Ja, aber so gibt es leider keine schönen Fotos von den spektakulären Schluchten und Bergpanoramen. Nur ein freundliches Gnu begegnet uns dann schon wieder auf der Ebene.
Wir fragten uns, was wohl die Vorteile einer solchen Tour sind? Man muss selber fahren, also kann eine immer nicht gucken. Man muss bei der Karawane bleiben und kann nicht da anhalten wo es einem passt. Man fährt die ganze Zeit in einer Staubwolke ... ist es die Sicherheit einer großen Gruppe? Kann natürlich sein, daß eine Gruppe von 40 Freunden alle bei diesem Anbieter gebucht haben.... ? Wir haben's nicht so ganz verstanden.
In Walfish Bay angekommen sind wir irgendwie nicht gut drauf. Ich halte für ein Knipsebild bei den Flamingos aber das Warnschild mit der Hohen Kriminalität entmutigt micht ziemlich und wir steigen nicht mal aus. Dummerweise hatte ich kurz vor Abfahrt noch einen Bericht über einen fiesen Überfall genau an der Stelle gelesen und wir waren auch die einzigen, die da gerade hielten. Schade, es sieht wirklich sehr schön aus... schluchz!
Dann verpasse ich auch noch die Abfahrt im großen Kreisverkehr und plötzlich sind wir am Hafen. Das GPS hat auch irgendwie einen Aussetzer und so irren wir durchs Industriegebiet und durch sehr unterschiedliche Wohngebiete grob der Himmelsrichtung nach, bis wir glücklich auf der palmenbestandenen B2 landen. Püüühh...
Die Fahrt entlang der Küste ist dafür ziemlich gechillt, links das Meer, rechts die Dünen... sehr schön! Irgendwann fällt uns auf, daß wir ja ab hier keine festen Buchungen mehr haben und wir doch vielleicht mal anrufen sollen, ob im Municipal Restcamp Platz für uns ist. Es ist und wir buchen eins der kleinen Bungalows. * Die ganze Anlage erinnert mich sehr an DDR Ferienanlagen bzw. Pionierlager. Schlicht aber es gibt alles was wir brauchen. Die Leute sind nett und vor allem sehen wir (bis auf 2 Damen im Sossousvlei) zum ersten mal nichtweiße Urlauber. Die Nachbarn im Bungalow nebenan grüßen auch gleich freundlich und geben uns gute Tips für Swakopmund.
Obwohl der Reiseführer empfohlen hat, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit in Swakopmund besser einen Wäscheservice zu nutzen, falls vorhanden, wäscht mein Partner schnell mal Hose und 2 T-shirts... bisher waren die ja immer nach 2h trocken... öhömmm... manchmal sollte man vielleicht auch glauben, was man so liest. 2 Tage später werden die Sachen immer noch klamm sein 😉
Wir machen noch einen kleinen Gang durch die Stadt, finden was zu Essen und machen uns so gar keinen Kopf über Sicherheit. Gut, daß ich viele Geschichten über die Gefährlichkeit Swakopmunds erst später gelesen habe. Ich habe mir extra so ein unterarmholster für Pass und Kreditkarte (später dann auch die SD Karte) gekauft. Damit fühlte ich mich eigentlich immer ganz gut, Bargeld zum ggf. hergeben war immer in der Hosentasche. Das erste mal haben wir einen Sonnenuntergang mit WOLKEN! Sensationell!
Die Desert Tavern ist nur wenige Meter entfernt, wir schnuppern ein bißchen Nachtleben bevor es dann doch ziemlich früh ins Bett geht.
* wer vielleicht die erste Seite meines Reiseberichts nicht mehr in Erinnerung hat, wir wollten ja ausdrücklich lokale Strukturen, Projekte etc. ansteuern.
Nan@Themenstarter38 Beiträge · seit 202406. Aug. 2024 ·
Ja dammich. Vor ein paar Tagen habe ich ausführlich über unseren Tag in Swakopmund geschrieben und dann beim Abschicken war der Server down. Ich hatte es natürlich direkt in den Browser getippt und nirgends gesichert, danach war ich etwas demotiviert 🙁
Der Bericht über unsere Eindrücke von Swakopmund ist mir auch nicht sonderlich leicht gefallen, weil wir vieles schräg fanden (mal wieder die Erinnerungskultur bzw. das nicht-so-richtig-vorhanden-sein derselben.
Außerdem fanden wir auch das vielgelobte Swakopmund Museum ziemlich bescheiden bzw. fragwürdig
Ich hatte da viel zu geschrieben, was unserer Meinung nach so gar nicht ging.. aber ich hab keine Lust alles nochmal zu schreiben, sorry... war halt alles nicht so erfreulich. Vielleicht hole ich das bei Gelegenheit noch mal nach, ab jetzt wird gespeichert 😉
Deshalb hier nur ein paar wenige Fotos und die Empfehlung für das Muschel Art Café (bei der Buchhandlung) das fanden wir sehr schön, die Frauen waren super nett zu uns und das Essen war auch lecker, wir waren dann gleich an beiden Tagen da.
Außerdem war der Fish Deli auch sehr lecker, da hatten wir Glück, einen freien Tisch zu bekommen.
Wer das Genocide Museum in Matutura besuchen will, sollte sich vorher anmelden und noch mal genau den Weg beschreiben lassen.
In Swakopmund sind wir auch auf einen Nussschnitzer reingefallen. Selber schuld
Dieses Kunstwerk fanden wir dann allerdings doch sehr schön:
Nan@Themenstarter38 Beiträge · seit 202418. Aug. 2024 ·
Soooo ich war ein bißchen anderweitig beschäftigt aber jetzt gehts weiter in die letzten Runden. Wir haben vorgestern vor etwa 25 interessierten Freund*innen einen kleinen Diavortrag gehalten mit verköstigung von Doerworst und Oryx "Chips" das hat vieles noch mal aus dem Gedächtnis vorgeholt. Wir hatten Glück und eine Freundin, die selber schon Volunteer in EHRA war und 2 GeologInnen, die auch die ein oder andere Ergänzung hatten, konnten ein bißchen was beisteuern. Sehr schöner Abend.
Also, wir ließen Swakopmund mit unserem schon "traditionellen" Sonntagsmorgern-Abschieds-Vorratseinkauf hinter uns. Die Wäsche vom ersten Abend war jetzt immerhin nur noch leicht klamm. Den Ratschlag, einen Wäscheservice zu nutzen, wenn man in Swakopmund ist, kann ich nur bekräftigen.
Fahrt entland der Küste Richtung Henties Bay - Zielort: EHRA Camp (Elephat Human Relation Aid) Bei dem einzig zugänglichen Wrack der Strecke "Zeila" campiert eine Gruppe Andenken/ Steinverkäufer und lauert schon auf uns und andere Touris. Es ist beklemmend und unanagenehm zugleich. Auf einer riesigen Sandfläche will einer den Einparkhelfer machen und auch die demonstrative Flucht und Parken 100m weiter helfen nicht. Wir werden belagert und bedrängt und als die anderen beiden Touri-Autos wegfahren sind wir alleine. Wir sehen die bittere Armut der Leute, die da augenscheinlich wohnen ohne auch nur den kleinsten Schutz, während wir mit unserem riesigen Mietwagen da ankommen. Ich habe mich in diesem Moment nicht getraut, die große Kamera auszupacken. Am Ende mache ich ein sehr kurzes Knipsebildmit dem Handy, drücke den "Parkhelfern" ein paar $ in die Hand und als sie nach Essen fragen auch noch ein paar Sachen, die als Fahrtproviant auf der Rückbank liegen. Beschämt nehme ich den kleinen Amethyst an, der mir als "Gegenleistung" aufgedrängt wird. Die Geschichten von Überfällen in der Gegend haben mich mürbe gemacht und vielleicht in diesem Fall auch übervorsichtig. Wir "fliehen" nachdenklich und gleichzeitig erleichtert vom Platz. Einen Kilometer weiter halten wir ohne einen anderen menschen, atmen kurz durch und machen ein Foto mit dem Tele. In Hentjes Bay werden wir an der Tanke um 200 $ geprellt, merke, die Scheine nicht als Bündel sondern einzeln vorzählen, aber die Piste ist gut und wir haken das als "Kurtaxe" ab.
In EHRA angekommen, sehen wir uns erst das Base Camp an, aber wir wurden in das schicke aber einsame Eco Camp eingebucht. Da ist es zwar wunderschön, aber uns ist nach Kontakt zu Menschen, wir interessieren uns ja für das Projekt und die Menschen, die es betreiben und wir siedeln ins Base Camp um, wo Helmut plus Judy plus Matthias das Camp betreiben. Sie sind ein bißchen überrascht, aber heißen uns willkommen. Vor Ort ist auch ein US / SA Filmteam, das eine Doku über Menschen, die sich für Naturschutz einsetzen. dreht. Auch sehr nette Leute. Insgesamt sind wir sehr froh darüber, uns mit allen austauschen zu können und mehr über das Projekt zu erfahren. Das Basecamp liegt am Ufer des (trockenen) Ugab und hat eine eigene Elefantentränke und eine wunderbare Baumhaus-Plattform und ist so nachhaltig wie möglich mit Komposttoiletten, PV Anlage und einer eigenen nur leicht salzigen Wasserquelle ausgestattet.
Wir bekochen die Campbetreibenden mit einer schönen Bratkartoffel- & Gemüsepfanne, lernen aber, daß das vor Ort eher so als Suppenbeilage gesehen wird. Vermutlich fehlte das Fleisch um es zu einer "richtigen" Mahlzeit zu machen. Sonnenuntergang und Sternenhimmel sind prächtig.
Für den nächsten Tag ist die Ankunft der Volunteers angekündigt.
Nan@Themenstarter38 Beiträge · seit 202420. Aug. 2024 ·
Am nächsten Tag steht eine ausgiebige Fahrt mit Elefantenpirsch mit Hermann an.
Die Landschaft um das Bett des Ugab herum ist wunderschön!
Neben den Fahrten für EHRA hat er auch noch beim "Peace Project" eine tragende Rolle. Das Piece Project kümmert sich um Bildung bzgl. Elefanten vorrangig bei der jungen Generation in den Dörfern innerhalb des Verbreitungsgebiets der Wüstenelefanten.
Wir bekommen einige der Aktivitäten von EHRA gezeigt mit Wasserstellen, geschützter infrastruktur und einem gesicherten Garten bei einer alten Dame, die den letzten ungebetenen Besuch von Porthos dem Elefanten schildert. Es ist eine sehr schöne Begegnung und sehr mitreißend, wie sie beschreibt und darstellt, wie der Elefant erst ein Mäuerchen einreißt, dann aber vor dem neuen Elektrozaun scheut und ohne großen Schaden zu verursachen wieder davon läuft. Früher hat er immer Zäune Verwüstet und die Ernte gefressen und zertrampelt. Sie wünscht sich, daß EHRA noch mehr Gartenfläche für sie einzäunt, aber es gibt lange Wartelisten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bau von sicheren Wasserquellen mit Schutzmauer (elefantensicher) für die Infrastruktur und einem Bassin, aus dem die Elefanten trinken können.
Solchen Mauern bauen dann die Volunteers, viele von ihnen aus Deutschland, unter Anleitung der Projektbetreiber.
An der Wasserstelle finden wir dann auch recht frische Spuren von Porthos, einem der mit Tracker versehenen "Projektelefanten". die größere Herde mit 2 Jungtieren und mehreren Elefantendamen ist leider zu weit weg für einen Tagesausflug. Wir lernen viel über Spurenlesen, Bäume, Pflanzen (giftig und heilsam) und die segensreichen Eigenschaften von Elefantenkacke.
Wir sind beeindruckt, wie Hermann vom Steuer aus die Spuren im Sand immer wieder findet und ihn am Ende tatsächlich aufspürt, wenn auch 1x mit Telefonjoker, als es gerade mal Netz gibt und die Kollegin den Tracker checken kann.
Porthos ist sehr scheu und lässt uns nicht näher als 1 km ran kommen. Vermutlich hatte er mal eine unerfreuliche Begegnung mit einem Auto.
Auch auf die weite Entfernung ist er ziemlich beeindruckend. Klar, in Etosha und so sieht man die Tiere quasi zum anfassen nah, aber das war uns ja vorher klar, daß wir solche Erlebnisse nur mit sehr viel Glück haben werden. Manchmal kommt die Herde direkt durchs Base Camp auf dem Weg zum Wasserloch.
Die Fahrt ist wieder sehr schön und wir sehen diverse spannende Vögel, wie ein Schlangenadler Paar.
Wir bekochen Hermann mit Nudeln, er wundert sich über unsere Arbeitsteilung, sieht dann aber ein, daß mein Partner als der bessere Koch nun mal in seiner Küche (bzw. am Feuer) nicht gestört werden will und daß ich normal alle Strecken fahre und dann abends auch ma ne Pause brauche, findet er dann doch auch fair, wenn das auch bei den Herero sehr ungewöhnlich wäre.
Dann kommen die Volunteers an (fast alles Deutsche) und es wird voll im Camp und lebendig. Es ist nett, sich mal wieder mit anderen Leuten plaudernd zu unterhalten, zu erfahren, warum wer da ist und so. Ich bin beeindruckt, mit wie viel Idealismus alle angetreten sind. Einige sind auch schon zum 2. mal da. Die Volunteers werden ohne Zelte oben auf der Plattform schlafen. Püh... die Nächte sind doch recht frisch, ich würde mal schätzen, irgendwas zwischen 0 und 5°C. Eine Frau aus den USA arbeitet dort in einem Zoo, der an Genpool Erhaltungszuchten südlicher Breitmaulnashörner beteiligt ist. auch sehr interessant. Sie ist sehr glücklich, daß sie die Reise quasi als Fortbildungsmaßnahme vom Arbeitgeber bezahlt bekommt. Sie ist in ihrem Zoo für die Elefanten zuständig. Spannend. Da die Volunteers morgens um 7 zur aktuellen Baustelle aufbrechen wollen, gehen alle früh ins Bett.
Nan@Themenstarter38 Beiträge · seit 202421. Aug. 2024 ·
Etappe: von EHRA nach Spitzkoppe
Am Morgen herrscht großer Trubel, die Volunteers brechen auf zur Bauwoche. Ein Dorf oder eine Familie wird sich über eine neue Mauer oder Wasserstelle freuen! Sehr schön! Als sie nach viel hin und her wirklich los sind, herrscht plötzlich eine gespenstische Ruhe im Camp. Sogar die scheuen Rotschnabelfrankoline kommen wieder raus. (die wir fälschlicher Weise für Perlhühner hielten)
Wir haben bei unserem Aufbruch Probleme zu zahlen, weil wir etwas knapp an Cash sind und die Verbindung des Kartenzahlgeräts nicht klappt. Wir haben es aber nicht eilig, versuchen es noch bei der benachbarten Lodge, bekommen noch eine kleine Führung durch die wieder aufgebaute Zentrale von Ehra, die vor 2 Jahren komplett weggespült wurde und am ende vereinbaren wir, daß wir nachträglich zahlen werden. Die Überreste des alten Jeeps geben einen kleinen Eindruck, wie heftig das Wasser gewesen sein muss... viel ist nicht übrig geblieben.
Wir runden großzügig auf um das Projekt zu unterstützen und sobald die Leiterin und wir wieder Netz haben, klappt es auch mit der Zahlung.
Wir fahren heute nur die relativ kurze Etappe zur Spitzkoppe, genießen die recht leeren Pisten und die traumhafte Landschaft. Ich lasse auch meinen Partner mal wieder fahren üben. Es gibt einfach keinen Gegen oder Mitverkehr, nur ab und an Tiere am Wegesrand
Zum ersten mal treffen wir Menschen im Tourismussektor, die nicht mega freundlich sind. Der Mensch an der Spitzkoppe- Campingplatzkasse ist ziemlich muffelig, steigt null auf unseren üblichen freunlichen Smalltalk ein und wir fühlen uns gleich heimisch an Berliner Muffköppe erinnert! 🙂 Der Camplinplatz ist riesig und ziemlich leer, jedenfalls scheinen zwischen den einzelnen Campern mindestens 500m Abstand völlig normal zu sein
Wir suchen uns eine ziemlich westlich gelegene Campsite, genießen den (wie fast immer) spektakulären Sonnenuntergang und machen Bekanntschaft mit einem Borstenhörnchen, das sich mit uns die Kekse teilt. Endlich mal ein Tierchen, das wir ohne schlechtes Gewissen anfüttern können. (Bis auf ein paar Vögel auch das einzige, ehrlich) Wir vermuten, daß das Hörnen auf einem der beliebtesten Campingplätze des Landes vermutlich das Jagen und Sammeln aufgegeben hat und vom Schnorren lebt. Komisch, daß es die Frühstückseinladung am nächsten Tag nicht annimmt.
Ich könnte ja stundenlang Sonnenuntergänge knipsen, aber naja... irgendwann treibt mich dann doch auch der Hunger zurück zur Campsite.
Nan@Themenstarter38 Beiträge · seit 202424. Aug. 2024 ·
Spitzkoppe, wir wollen ein bißchen wandern, die wunderschöne Landschaft genießen und Felsenmalereien angucken und ich bin tatsächlich mal kurz nach Sonnenaufgang wach, sensationell.
Erst halten wir kurz beim "little bushman's paradise" wo wir eine kurze sehr routinierte Miniführung bekommen. Die Malereien sind zu ihrem Schutz abgesperrt und nur mit Guide zugänglich, die dann ein kleines Tip bekommen. Dann tingeln wir mit Auto und zu Fuß durchs Spitzkoppencamp. Am Ende gibt es eine Felsentour mit Frans zum Bushmans Paradise, der statt mürrisch die Zeichnungen zu erklären ausgiebig über allgegenwärtige Chinesen, Erdhörnchen und andere unerfreulichkeiten mosert, einen kleinen Sprachkurs in seinem Dialekt gibt (4 Klicklaute) Er hat in den 1,5 Stunden viel über Land und Leute erklärt und wirklich wunderschöne Landschaft gezeigt. Die mitlaufende deutsche Familie ist symphatisch und auch interessiert und wird den Resttag mit Frans verbringen, der sie gleich adoptiert.
Wir fahren weiter nach Omandumba in den Erongo Bergen. knapp 100 km auf erfreulich guten Nebenstraßen. Hier sind wir wieder oft in einer emotional moralischen Zwickmühle. Die Kinder, die mit Wasserflaschen an der Straße stehen.... abgesehen davon, daß wir nach 4 Tagen campen ohne Wasserquelle kaum noch Trinkwasser haben, nachhaltig helfen können wir nicht.. aber es fällt uns wahnsinnig schwer, wir fühlen uns schlecht und haben keine Lösung dafür.
In Omandumba angekommen wird uns klar, WIE weit ab vom Schuss unsere Campsite ist, sind wir etwas quengelig weil reisemüde und schon 4 Tage nur auf recht komfortarmen Campingplätzen unterwegs. Aber die Unterkünfte direkt am Farmhaus werden gerade noch für die Hauptsaison renoviert und wir haben halt die "Cave" gebucht. Auch ein Abendessen auf der Farm können wir nicht haben, alle sind am ackern und es gibt keine Kapazitäten für uns. Das ist sehr schade, uns wurde von der guten Küche auf Omandumba vorgeschwärmt. Alle sind aber sehr nett und die Katzen meeega zutraulich und verschmust. Also fahren wir zur Cave und sind eigentlich sofort hin und weg. Eine Dusche mit Badeofen ist malerisch in den Felsen versteckt, es gibt 2 wasserklos (was wir fast verschwenderisch finden, aber der Farmer erklärt uns später, daß er gerade auf der Suche nach guten Kompostklos ist) und das Haus im Felsen ist wirklich wunderschön.
Ich hatte ja ganz am Anfang (Blatt eins dieses Threads) schon über Omandumba geschrieben, auch jetzt mit über einem Monat Abstand muss ich immer noch glücklich grinsen, wenn ich daran denke!
Wir können uns auf dem riesigen Farmgelände frei bewegen, ob mit oder ohne Wagen nur sollen wir nachts nicht alleine rumlaufen. Ob wegen der Tiere oder damit die Anti-Wilderei-Patrouille nicht von uns aufgeschreckt wird wissen wir nicht so genau. Vielleicht auch nur, damit wir nicht verloren gehen.
Wir erspähen wieder jede Menge Tiere, vor allem Antilopen, Giraffen, div Vögel, einmal sogar die scheuen Zebras, aber die sind schneller weg als ich die Kamera zücken kann.
Auf Omandumba gibt es einige Stellen mit Felszeichnungen, einige davon sehr besonders z.B. der Bienenschwarm, leider hab ich die fotografisch nicht so richtig gut hinbekommen... vielleicht leg ich da nochmal nach wenn icht Zeit zum bearbeiten hatte.
oh ja, die Ecke bei Omanduma ist wirklich sehr schön. wir waren vor ein paar Jahren auf Ai-Aiba, leider nur eine Nacht. ich muss immer noch daran denken. die Ecke werden wir sicher in der nächsten Reise mit mehr als einer Nacht einplanen