Hallo Leute, wollte mich mit einem kurzen Reisebericht für die vielen Infos, die ich aus diesem Forum gezogen habe revanchieren.
Für Namibiaprofis gibts hier nichts neues, aber ich war auch für Erfahrungsberichte von anderen Neulingen / Ersttätern dankbar, weil ich doch mit der ganzen Planung zu Anfang unsicher bzw. aufgeregt war.
Wir waren zu 2. und das erste mal in Namibia (überhaupt auf der Südhalbkugel) und sind als Selbstfahrer mit einem Hillux mit Zelten und komplett selbst zusammengestellter Tour unterwegs gewesen. Unser Budget ließ leider keine Luxus-Lodgen zu. Wir haben uns aber immer mal wieder was gegönnt, insbesondere lekker Essen. Vor allem beim Mietwagen haben wir lieber nicht gespart. So hat auch alles bestens funktioniert und wir waren total zufrieden. Auto, Campingausrüstung, Zelte, alles in top Zustand und sehr durchdacht. Gut war nur, dass wir uns nicht auf die Decken verlassen haben sondern auch noch leichte Schlafsäcke von zu Hause mit hatten. Einige Nächte campen um den Gefrierpunkt wären sonst vermutlich ungemütlich geworden.
Wir haten uns einige Projekte ausgesucht, die man mit einem Besuch / Übernachtung o.ä. als Tourist niederschwellig unterstützen kann. Außerdem wollten wir wo möglich auch lokale Strukturen buchen (community camps) und interessieren uns neben Tieren und spektakulären Landschaften auch für Pflanzen, Geschichte und Kultur. Wir hatten einiges fest gebucht (Sesriem Camping, Unterkünfte in Windhoek und Lüderitz) einiges im persönlichen Kontakt halb fest ausgemacht (Boscia, EHRA, Omandumba) und einiges spontan vor Ort entschieden (Swakopmund, Koiimasis). Da wir gerade noch außerhalb der Hauptsaison unterwegs waren, haben wir das gewagt, da wir grundsätzlich anspruchsarm und flexibel sind.
Die einzigen größeren Probleme, die wir hatten, war 1. zum Frankfurter Flughafen zu kommen (Discover Flug) weil es eine Weichenstörung gab und sich die S-Bahnen 5 Bahnhöfe weit stauten. Und für mich die Bahnfahrt zurück nach Hause, weil dank Stellwerkstörung 2h Verspätung… in Namibia hat alles gut geklappt. Anders als erwartet war eigentlich nur das Wetter. Der Namibische Winter war sehr freundlich zu uns. Die Thermo-Unterwäsche kam ungenutzt wieder mit nach Hause. Klar fehlten Etosha und FRC und der ganze Norden, aber gerade bei unserer ersten Reise wollten wir uns nicht überladen, genug Zeit haben, auch Puffer für spontane Entscheidungen haben und vor allem nicht zu lange Fahrten (wegen nur 1 Führerschein) insgesamt sind wir sehr glücklich damit und vor allem lässt das Potential für weitere Reisen nach Namibia 🙂
So sah unsere Reise am Ende aus: Tage vor Ort: 23 – gefahrene km ~3000
Übernachtflug ab Frankfurt 1 Übernachtung Windhoek Apartment in der Innenstadt, ankommen, Besorgungen, Auto abholen 4 Nächte auf Boscia 1 Tag verlängert wegen aus D mitgebrachter Erkältung, Erholung, Game Drives, Spaziergänge, Nature Walk, Tierbeobachtungen, bestes Essen der Reise, viele Tiersichtungen. Unterstütztes Projekt: Omomas Care Center 1 Nacht Quivertree Forest Camp Köcherbäume und Klippschlieferkolonie im Abendlicht, Giants Playground am Morgen. 3 Nächte Lüderitz (Apartment) Ausflug Bogenfels (toll), Kolmanskop, Besuch Gedenkstein Konzentrationslager Shark Island, Stadtrundgang 1 Nacht Koiismasis Camping Schöne Strecke über Aus (Kriegsgefangenenlager) Garub, Tirasberge. Hier hatten wir Pech und die vielen Farmen auf der Strecke waren gerade in Ferien oder haben die Beherbergung aufgegeben. Deshalb rel. spontan Koiismasis, wunderschöner Ort, Tiere, Felsen, Bergbesteigung mit Guide, Tierbeobachtungen. Merken: Nicht auf veraltete Homepages verlassen sondern vorher anrufen. 1 Nacht Betta Camping überraschend nett, sehr sauber, schöne Anlage und eine private Sundownerterasse an jedem Stellplatz 3 Nächte Sesriem NWR Camp das übliche, Canyon, Elim Düne, Hidden Vlei, Dead Vlei, Sossousvlei, mit den Bar Angestellten EM geguckt. Da wir länger als die meisten blieben, kamen wir gut in Kontakt mit den Leuten, spannende Einblicke in Arbeitsleben Namibias 2 Nächte Swakopmund (municipal Restcamp) Stadtrundgänge, Kolonialgeschichte (Friedhof, Genozid Gedenkstein, Museum) Küste, Wracks, Flamingos 2 Nächte EHRA Base Camp Projekt: Elefant Human Relation Aid, Tiersichtung, Projektvorstellung, Abendessen mit Volunteers, Elefantenpirsch, traumhaftes Camp (schlicht, Komposttoiletten, Öko) 1 Nacht Spitzkoppe Wandern, Felszeichnungen, Sundowner, guter Guide bei „Bushman’s Paradise“ 2 Nächte Omandumba Tiere, Landschaft, Sonnenuntergang, Living Museum San (selbstverwaltet) spektakulärer Sternenhimmel, hätte auch 1 Tag mehr sein dürfen. 1 Nacht Penduka bei Windhoek, Projekt Unterstützung / Empowerment von Frauen und Mädchen, Kunsthandwerk, EM Viertelfinale mit den Locals gucken 😉 Tolles Essen, unbedingte Empfehlung! Restaurant für alle offen. 1 Nacht Windhoek Standrundgang, Unabhängigkeitsmuseum, Kolonialgeschichte, Mitbringsel besorgen, Auto abgeben
Abschied in Penduka
Teil 213. Juli 2024
Hier als erstes mehr zu unserer vorletzten Station, Omandumba (nur, weil ich da schon einige Fotos gesichtet habe 😉
Omandumba wurde uns von einem Bekannten empfohlen, insbesondere, weil das Living Museum der San selbstverwaltet und sehr interessant sein sollte und uns die Landschaft als "SO stellt ihr euch Afrika vor" schmackhaft gemacht wurde 😉
Als wir ankamen, waren wir schon etwas "reisemüde" nach 3 Wochen Camping, dem ganzen Sand und überhaupt... am Ende unseres Aufenthalts waren wir richtig traurig, daß wir los mussten.
Die Campsite: ein Traum! Phantastischer Ausblick auf die Ebene, jede Menge Tiersichtungen und der Sternenhimmel... unbeschreiblich schön!
Auf der Farm selbst gibt es jede Menge Tiere, die Giraffen waren fast zutraulich und diverse Antilopen, Vögel und Kleintiere konnten wir erspähen.
Eine Fuchsmanguste:
Ein großer Schwarm Rosenpapageien (Lovebirds) wohnte direkt bei unserer Campsite. Das Geschnatter hörte aber pünktlich mit Sonnenuntergang auf:
Die Landschaft ist wunderschön und vom Sundowner Aussichtspunkt kann man bis zur Spitzkoppe sehen
Der Bushwalk mit den San war wirklich beeindruckend, sehr informativ und unsere beiden Guides wirklich sehr angenehme Menschen. Wir wurden ausdrücklich ermuntert, Fragen zu stellen, Fotografieren sei willkommen (ich bin da extrem zurückhaltend, was das Fotografieren von Menschen angeht). Die San, die in früheren Zeiten die Felszeichnungen hinterlassen haben, wurden in dieser Gegend schon vor einigen Jahrhunderten von zuwandernden Bantuvölkern Richtung Kalahari verdrängt. Das Living Museum ist für die San eine gute Möglichkeit, neben ihrer Subsistenzwirtschaft und kleinst-Landwirtschaft Geld zu verdienen. Damit können z.B. Solarmodule aber auch Schuluniformen bezahlt werden. Die Betreibenden Gruppen wechseln sich im 3 Monatsrythmus ab. So bekommen alle die Möglichkeit, etwas einzunehmen. Charmant fand ich den Quittungsblock, den unser Guide am Ende der Tour aus der Springbockledermappe zückte. Es muss ja alles seine Ordnung haben 🙂 Schön fand ich die zweisprachige Führunge Englisch / San
Teil 313. Juli 2024
Ein bißchen was zur Planung, vielleicht ist das für andere Neulinge ja ganz interessant.
Wir haben erst mal ein paar Eckdaten abgesteckt um uns der Reiseplanung anzunähern. - ich vertrage Hitze nicht gut --> Reisezeit Herbst / Winter - wir lieben Wüste und karge Landschaften --> Namib und Sossousvlei gesetzt - wir mögen größtmögliche Freiheit, selbstbestimmtheit --> Selbstfahrer - unser Budget ist begrenzt --> Camping
Als erstes habe ich die Flüge gebucht. das war ziemlich genau 1/2 Jahr vor Abreise Als zweites den Mietwagen 4 Monate vor Abreise, das würde ich heute früher angehen, so haben wir keinen "budget" Preis mehr ergattert. Mit diesen Parametern haben wir dann angefangen unseren kompletten erweiterten Bekanntenkreis nach Tips anzufragen und waren erstaunt, wer schon alles in Namibia war 🙂 Als beste örtliche Tips kamen dabei Boscia und Omandumba raus, dazu viele generelle Tips zu Verhalten und Gegebenheiten vor Ort. Desweiteren habe ich dieses Forum und 1-2 Facebook Gruppen zum recherchieren genutzt, so kamen an Projekten EHRA, Penduka und das Genocide Museum in Swakopmund dazu. Der Rhino Trust lag leider knapp außerhalb unserer Reichweite, da wären wir auch gerne hin. Als die Eckpunkte der Route feststanden habe ich über Booking die Unterkünfte in Windhoek, Lüderitz (da hieß es Campen sei im Winter zu krass, windig, kalt) und die NWR Sesriem Campsite fest gebucht. Und bei den anderen grob unsere Absicht angemeldet vorbei zu kommen. Weil noch gerade so vor der Hauptsaison, meinten alle, sie vermerken uns und wir sollen uns einfach kurz vorher noch mal melden, wann genau wir für wie lange kommen.
Ich war sehr positiv überrascht von der Freundlichkeit und Flexibilität unserer Gastgeber*innen. Teilweise haben wir dann schon eine Anzahlung überwiesen ohne festes Datum auszumachen.
Wir hatten das Glück, daß unser Flug mit Discover unproblematisch und pünktlich war. Im Vorfeld hatte ich gehört, daß öfter mal gecancelt und verschoben wird, deshalb hatten wir einen Puffertag in Windhoek eingeplant. Da auch unklar war, wie gut ich (als Fahrerin) den Flug überstehen würde, wollte ich auch nicht direkt am Tag der Ankunft mit dem Mietwagen und dem ungewohnten Linksverkehr los. Die Unterkunft war ein Neubau Apartment in der Innenstadt. Viel größer und schicker als erwartet und die freundliche Vermieterin hat uns auch ein "super early check in" ermöglicht, weil wir schon gegen 10°° vor Ort waren. Am Flughafen hatte auch alles gut geklappt, kein Stau bei der Einreise oder beim Sim Kartenkauf.
Aussicht auf den Sonnenuntergang:
Unsere erste Annhäherung an Windhoek ist hmmm etwas bedrückend. Kaum aus der Tür getreten, stürzen sich sehr hartnäckige bettelnde Halbwüchsige auf uns. Ich kenne (drogensüchtige) Bettler zur Genüge aus Berlin aber da uns alles noch Fremd ist, wir auch verunsichtert sind, wie wir reagieren sollen, was angemessen ist, fühlen wir uns nicht sehr wohl und kehren von unserem ersten Einkauf der wichtigsten Dinge etwas ernüchtert zurück ins Apartment.
Uns war klar, daß Namibia ein Land mit großer Armut ist und daß wir als weiße Reisende prinzipiell erst mal als REICH gelten (auch wenn es sich hierzulande nicht so anfühlt) aber es ist etwas anderes, sich theoretisch damit auseinander zu setzen oder wirklich vor Ort damit konfrontiert zu werden. Der freundliche und hilfsbereite Security unseres Quartiers erklärt uns, daß die Jungs eher im Auftrag größerer Strukturen unterwegs sind, wir ihnen nicht helfen, wenn wir ihnen Geld geben, trotzdem, es ist hart, auch junge Himbafrauen mit Kleinkind auf dem Rücken freundlich aber bestimmt abzuweisen fällt uns nicht leicht. Das Thema wird uns auf der Reise öfter einholen. Wir trösten uns mit den Projekten, die wir unterwegs ein bißchen unterstützen können.
Beim Stadtbummel kommen wir auch am Craft Centre in den alten Brauerei vorbei und die Straßenbemalung tröstet mich etwas. In Berlin habe ich einmal die Performance einer Namibischen Drag Queen Gruppe gesehen, tolle Leute. 1 Woche später wird das Anti-Homosexualitäts Gesetz gekippt werden.
Das Craft Centre gefällt uns gut und wir beschließen, am Ende der Reise hier einige Mitbringsel zu kaufen.
Aufgrund der vielen Warnungen vor nächtlichen Stadtbummeln gehen wir früh schlafen, der Flug steckt uns ja auch noch in den Knochen und sind gespannt auf den nächsten Tag, an dem nur das Abholen des Mietwagens, der große Einkauf und die Fahrt nach Boscia auf dem Programm stehen.
Teil 415. Juli 2024
Am 2. Tag ging es dann richtig los. Auto abholen, erklären lassen, kleinere Panikattacken bzgl. Linksverkehr überstehen und zum Superspar fahren. (Das wurde überall empfohlen und ich war über das recht große Glutenfreie Angebot sehr erfreut, hätte auch 3 Wochen Reiskekse überstanden, aber so wars doch angenehmer) Alle Fahrten in Windhoek waren noch etwas gruselig, mein Partner hatte den Auftrag blos auf die Geisterfahrer äh Gegenverkehr beim Rechtsabbiegen zu achten, aber zum Glück fanden wir schnell aus der Stadt raus und fuhren Richtung Boscia Farm (kurz vor Kalkrand). Diese wurde uns von Bekannten empfohlen, die Farm unterstützt das Omomas Care Center Projekt, ein Internat für schutzbedürftige Kinder. Leider waren gerade Ferien, aber wir konnten die Schule besuchen und bekamen das Selbstversorgergartenprojekt gezeigt und erklärt. Toll was da geleistet wird. Die Kinder kommen zu Schulzeiten auch auf die Farm um z. B. Kochen zu lernen oder Mechanik und anderes im weitesten Sinne Berufsvorbereitendes. Die Farm selbst ist wunderschön, liegt auf einer kleinen Anhöhe mit bestem Blick auf die Ebene, es werden Wasserstellen unterhalten, mal kommen Giraffen zum Frühstück, mal Kudus zum Abendessen, mal Tokos zum Lunch vorbei.
Wir kommen mit den letzten Sonnenstrahlen an, weil wir natürlich unterwegs ständig anhalten, weil alles so neu und spannend ist und werden schon sehnsüchtig erwartet und von Farmmanager Edward überaus herzlich willkommen geheißen. Wir werden eingeladen, mit den anderen Gästen ein traditionelles Braii zu genießen. Es entsteht ein munteres Sprachgewirr, weil die beiden Männer Brüder und deutschstämmige Namibier sind, die Frauen aber Afrikaans Muttersprachlerinnen aus Südafrika. Wir unterhalten uns größtenteils auf Englisch immer wieder mit Deutschen Abstechern. Sehr sympathisch und es gibt Kartoffelsalat nach Rezept der Deutschen Großmutter. Es ist deren letzter Abend, ab dem nächsten Tag werden wir die einzigen Gäste sein. Uns erwarten 3 Tage in denen wir nach Strich und Faden verwöhnt werden. Das Essen ist phantastisch, originell, perfekt zubereitet und wir müssen kein einziges mal unsere Diäten erwähnen. Wir hatten sie per E-mail angemeldet und sie werden nie vergessen. Toll! Außerdem nimmt sich Edward jede Menge Zeit für uns, wir haben Game Drives gebucht und bekommen bestens die Tier- und Pflanzenwelt, das Farmleben, die Besonderheiten der Schule und etliches über Land und Leute erklärt. Unser Fahrer ist sehr erfahren und sieht Tiere schon von weiten, so daß wir diverse Antilopen, Giraffen, Paviane, Warzenschweine und spannende Vögel zu sehen bekommen.
Bei einem Nature Walk erklärt uns der Guide auch die Grundlagen vom Fährtenlesen und mehr über die örtlichen Pflanzen. Von weiteren Angeboten wie Reiten sehen wir ab, Später ärgern wir uns, daß wir nicht den Kochkurs belegt haben, uns war nicht klar, WIE hervorragend die Köchinen Lucia und Sarah sind.
Wir lernen auch, wie sehr die Dürre die Farmen bedroht. Die Wildtiere bekommen nicht nur Wasser sondern müssen auch zugefüttert werden, das Gras ist aufgrund des fehlenden Regens einfach zu wenig. Im Garten der Schule standen die Regenmengen der letzten Monate angeschrieben.... sie gingen fast gegen null und der Winter steht ja noch bevor.
Ansonsten aklimatisieren wir uns, und sind froh, daß wir uns zum ankommen und die Erkältung auskurieren die Zeit gelassen haben. Weil alles so schön ist, verbringen wir auch unseren eingeplanten Puffer Tag auch auf Boscia, albern ein bißchen mit den allabendlichen spektakulären Sonnenuntergängen herum und genießen alles so richtig.
Unser Fazit: unbedingt empfehlenswert, für unsere Verhältnisse eher im oberen Preissegment, aber jeden $ wert und zum Ankommen (oder auch zum noch mal Kraft tanken am Ende einer Reise) für uns perfekt gewesen. Am 5. Tag unserer Reise geht es zum Quivertree Forest Rest Camp, das wir spontan ausgesucht haben und ohne Reservierung ansteuern werden.
Teil 516. Juli 2024
Der Abschied von Boscia fällt uns schwer, entsprechend spät kommen wir los. Weder Mariental noch Keetmanshop kommen uns sonderlich spannend vor, wir cruisen durch beide durch, essen an einem Truck stop und kommen unangemeldet beim Quiver Tree Forest Camping an, aber Platz ist genug und es ist kein Problem auch wenn er gut besucht ist. Da wir schon knapp vor der Dämmerung ankommen, geht es gleich in den Köcherbaum-Wald, die Silhuetten der Bäume im Sonnenuntergang sind wirklich hübsch.
Besonders freuen wir uns auch über die niedlichen Klippschliefer, die vermutlich Touristen gewohnt und deshalb alles andere als scheu sind.
Blöderweise übersehe ich beim Bodenzeltaufbau die Stromsäule und rummse heftig gegen die Ecke. Das Blut auf meiner Hand und das stetige tropfen erschrecken mich und meinen Partner ziemlich, aber es ist nur ein relativ kleiner Cut und wir haben die wohlsortierte Medikamenten und 1. Hilfe Tasche griffbereit und am Ende ist der Schreck größer als die eigentliche Verletzung. Ich seh es Karmatisch: wenn das das größte körperliche Unglück der Reise wäre, würde ich das gerne hinnehmen. Spoiler: Es ist zum Glück wirklich das einzige geblieben.
Am nächsten Morgen brechen wir halbwegs früh zum Giants Playground auf, wo wir etwa 1h in den Felsen rumwandern.
Es ist nett und weil es die ersten Felsen dieser Art sind, später werden wir ähnlich spektakuläre Landschaften sehen, aber es ist auf jeden Fall einen Stop wert und liegt ja gut an der Strecke.
Weiter geht es auf der B4 Richtung Lüderitz. Wir halten an den verlassenen Bahnhöfen von Gaogeb und Garub, sehen die wilden Pferde und lassen uns Zeit um die Weite zu genießen. Wir blödeln gerne ein bißchen rum 😉
In Lüderitz haben wir ein Apartment gemietet, wir wurden vor den eisigen Winden, Sandstürmen und der Kälte gewarnt, außerdem wollten wir nicht auf dem Gelände des ehemaligen KZ campen. Das Wetter war die 3 Tage allerding sehr mild und freundlich, nur einen Abend gab es mal Nebel, das Wetter wäre also durchaus campingtauglich gewesen. Aber sas Apartment ist sehr großzügig und hat einen tollen Blick auf den Hafen. Am nächsten Tag soll es früh auf die Bogenfels Tour gehen.
Teil 619. Juli 2024
Nächster Tag: Kolmanskop und Lüderitz
Ich denke, zu den Schönheiten von Kolmanskop muss ich nicht viel sagen, sie sind wohlbekannt und zurecht beliebt! Der Verfall da spricht mich ästhetisch total an und ist so ganz anders als hier im feuchten Europa.
Wir waren so gegen 10°° da, sind ein bißchen rumgewandert und haben uns die hochherrschaftlichen Häuser angeguckt um uns dann der 11°° Führung anzuschließen.
Wir hatten großes Glück, außer uns waren nur Südafrikanische Gäste da, also bekamen wir eine exklusiv Führung zu 2. auf Deutsch und alle anderen haben sich die Afrikaans Tour geteilt. Unser Guide ist eins der etwa 400 "DDR Kinder" und war ein überaus angenehmer Mensch, wieder bestens informiert und offen für alle unsere Fragen, die vor allem über das offizielle Narrativ über Kolmanskop hinaus gingen. Wir hatten schon viel über Kolmanskop gelesen aber einiges war uns dann doch noch neu, z.B. daß für das Elektrizitätswerk extra feinste Steinkohle aus Wales importiert wurde, daß für den Beton bautauglicher Sand importiert wurde, den man heute noch an einigen Stellen erkennt, weil er so anders ist als der Wüstensand. Über die teilweise absurde Dekadenz und auch über das Thema, wie es eigentlich den einfachen Arbeitern erging. Da wir ja schon die Kojen (s.o.) in Pomona gesehen hatten konnten wir ihn direkt drauf ansprechen. Dieser Teil ist ja ausdrücklich nicht für Touristen zugänglich. Die Massenunterkünfte in Kolmaskop müssen noch schlimmer sein, für die 800 - 1000 Menschen gab es eigentlich nur die 3 großen Langhäuser.
Wirklich schockiert hat mich, daß das vielgepriesene "erste Röntgengerät der Südhalbkugel" hauptsächlich dazu diente, die Arbeiter 2x am Tag zu röntgen, damit evt. Diamantenschmuggel unterbunden wird. Daß all diese Strahlendosen extrem gesundheitsschädlich waren, liegt nahe. Die durchschnittliche Überlebenserwartung lag dementsprechend bei wenigen Jahren. Das galt übrigens nicht nur für die Schwarzen Arbeiter sondern auch für die deutschen Jung- und Handwerksgesellen, die vor Ort arbeiteten. Auch die kleine Polizeistation mit Arrest wird wohl nicht regulär erwähnt.
Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, daß Kolmanskop erhalten bleibt, daß man es besuchen kann, daß es Museal aufbereitet wird. Ich fände es nur viel spannender, wenn das Bild nicht so unvollständig wäre, das da vermittelt wird. Die Zeiten damals waren halt auch total verrückt.
Wir hatten dann noch Zeit um all die herrlich versandeten Nebengebäude zu fotografieren (ich) und die historische Ausstellung ausführlich zu besuchen (mein Partner) bevor wir uns dann kurz vor 13°° in der Turnahalle wieder getroffen haben. Dort spielte unser Guide gerade sehr schön auf dem über 100 Jahre alten, damals aus Deutschland importierten Klavier und lud mich zu einer kleinen Improvisation ein .... es war eins meiner Highlights der Reise würd ich sagen, in diesem Setting, mit diesem besonderen Menschen und dann u.a. "always look on the bright side of life" zu spielen / singen... das war schon besonders. Die wenigen noch verbliebenen Besucher applaudierten sogar 🙂
Zurück in Lüderitz gönnten wir uns einen späten aber ausgiebigen Lunch in Ritzie's Seafood Restaurant. Der Service war deutlich besser als im Reiseführer beschrieben und das Essen wirklich sehr lecker.
Ein bißchen Stadtbummel durch die Innenstadt und der Besuch auf Shark Island. Es erstaunt uns, wie unkommentiert hier Genocide Memorial, Gedenkplatten für Lüderitz und Vogelsang neben dem Mahnmal und Gedenkstein für Fredericks stehen. Eine Einordnung oder Informationen zu Geschichte und Kontext fehlte uns.
Das Wetter ist total angenehm und so genießen wir die Halbinsel auch einfach so, beobachten Vögel (die rotschnäblige Seeamsel haben wir so zwar nicht im Vogelbuch gefunden, aber Austernfischer sind ja auch ganz hübsch) und die Bucht von Lüderitz. Sogar unsere Ferienwohnung sehen wir von hier aus.
Wir wußten nicht, daß in Lüderitz alles um 18°° dicht macht, also verschieben wir den anstehenden Großeinkauf für die nächsten Camping Tage auf den morgigen Sonntag.
Teil 725. Juli 2024
Wie immer kommen wir nicht so richtig ausm Knick und so schaffen wir es gerade rechtzeitig zu unserer Verabredung mit dem Guide, der uns durch die Felsen führen wird. Es ist ein wettergegerbter Namibier mit bewegter Lebensgeschichte und einem überaus freundlichen Hund. Zu Anfang ist er eher wortkarg, taut aber im Laufe der Wanderung zunehmend auf, auch ohne, daß wir ihn viel gefragt hätten. Er ist, soweit ich das verstanden habe noch nicht so lange auf Koiimasis, hat aber Freude am Wandern und der Chef (Wulf?) ist froh, ihn da einsetzen zu können.
Wir stellen schnell fest, daß Wulf nicht übertrieben hat. Es gibt keine Wege, die Felsen sind, wenn man mal drin steckt sehr unübersichtlich, ziemlich steil, manchmal tückisch und es ist gut, einen Ortskundigen dabei zu haben. Er sieht auch mit geübtem Auge die kleinen Gemsböckchen, ein Klippenadlerpaar, nur unsere Lieblinge, die Klippschliefer entdecken wir zuerst 😉
Das Schöne ist, daß sich alle paar Höhenmeter eine weitere wundervolle Aussicht auftut, das gibt uns genug Ausreden um ab und zu mal ein kurzes Verschnaufpäuschen einzulegen.
Etwa noch mal 200 Höhenmeter? unter dem Gipfel bringen wir unserem Guide Frick schonend bei, daß es nicht sicher für uns wäre, bis ganz nach oben zu gehen. Wir würden es von der Kondition wohl schaffen, haben aber Bedenken, was unsere Muskeln auf dem steilen Abstieg sagen würden.
Wir sind nicht enttäuscht, zu schön waren die Ausblicke über die Ebene bis zu den fernen Bergen am Horizont.
Als besondere Sichtung bekommen wir noch das Nest der Klippenadler zu sehen, samt Küken darin. Allerdings ist es so weit entfernt und so unzugänglich, ich kann euch leider kein besseres Foto liefern, auch das nur mit dem Äußersten, was ich mit dem Tele hinbekomme.
Im laufe der nächsten Tage merke ich allerdings, wie ich Übung mit dem langen 600mm bekomme. Ich habe es nur für diese Reise geliehen und habe nur 2x vorher die Gelegenheit gehabt zu üben. Vor allem auch die Kraft, das schwere Ding ruhig zu halten ist wirklich Trainigssache, noch dazu, wenn man gerade eine anstrengende Bergtour macht.... *keuch*
Auf jeden Fall sind wir froh, als wir mit heilen Knochen wieder unten sind und verabschieden uns voller Dank bei Frick und versprechen, ihm Fotos zu schicken.
Es ist später als wir gedacht haben aber die schöne Tour war es allemale wert und heute steht nur noch die Weiterfahrt nach Betta an. Die Piste ist jetzt auch besser und mit den schönen Eindrücken als Basis genießen wir auch die Fahrt heute viel mehr als am Vortag. Die Wüste kleidet sich in ein wirklich hübsches Streifengewand.
Auf der Fahrt haben wir noch eine etwas gruselige Begegnung mit einem Oryx. Das arme Tier ist zwischen den allgegenwärtigen Zäunen und der Fahrbahn und erschrickt sich fürchterlich vor uns. Erstmal rennt es panisch in den Zaun, dann wieder Richtung Straße, dann davon. Ich will es natürlich nicht hetzten und bleibe erst mal länger stehen, aber als es außer Sicht ist und wir wieder anfahren, taucht es bald wieder auf und es fängt wieder an zu galloppieren. Uns fehlt hier leider die Erfahrung, wie man diese Situation am besten löst. Am Ende fahren wir eine Weile langsam hinter ihm her und als es in relativ lässig wirkendem Trab ist, geb ich ordentlich Gas und bevor es sich versieht, sind wir doch dran vorbei.. .püh... was wiegt so ein Tier? Ich glaube ein Unfall wäre für beide Seiten sehr unerfreulich, aber so ging ja noch mal alles gut.
Wir kommen wie immer kurz vor Rezeptionsschluss in Betta an. Je nach Laune hatten wir auch überlegt in Kronenhof zu übernachten, aber es war schon am Dämmern und wir hatten keine Lust auf Umwege mehr. Außerdem haben wir irgendwie ein Faible für Straßenkreuzungen im Nichts und fanden den Ort spontan einladend. Mir gefallen auch die Oldtimer und ganz besonders feiern wir das große Sundowner Podest, das jede Campsite hat! Ich glaube, das ist etwas sehr Namibisches, oder? Der Sundowner wird so zelebriert, daß man auf dieser flachen Ebene natürlich ein Podest braucht um den Sonnenuntergang richtig zu würdigen?
Dementsprechend kaufen wir im Rezeptionsshop bei dem wirklich sehr netten Verkäufer noch Cider und Radler um Podest und Sonnenuntergang angemessen zu genießen. Jede Campstelle hat ein eigenes sehr großzügiges sauberes Sanitärhäuschen, einen halboffenen Spülbereich, großen halbüberdachten Grillbereich und eben das Podest. Eine freundliche Fachfrau zündet uns noch schnell den Badeofen an und kurz darauf genießen wir ausgiebig das heiße Wasser. Ich fühle mich nostalgisch an Westberlin der späten 80er erinnert, da waren Badeöfen noch weit verbreitet. Weil die Nacht ganz bezaubernd ist, genießen wir die Milchstraße noch so lange bis der (fast noch voll-) Mond aufgeht und ich mache noch ein Souvenierfoto.
Teil 826. Juli 2024
Heute steht nur die Fahrt von Betta nach Sesriem an. Die Piste ist rauh aber leer und so können wir gefahrlos fast überall anhalten und unsere Schildersammlung vervollständigen.
Die Landschaft ist schön aber relativ leer. Also wir sehen keine Tier außer mal einem Oryx in weiter Ferne. Aber dafür sind die Farben der verschiedenen Sand / Felsen / Strukturen wunderschön.
Wir kommen relativ früh in Sesriem an. Wir haben uns für 3 Nächte im NWR Camping eingebucht, vermutlich länger als die meisten anderen. Aber wir wollen uns Zeit lassen und die Schönheit der Landschaft ausgiebig genießen. Es ist ein sehr windiger Tag und das Zentrum mit Restaurant, Bar und Camp Rezeption ist sehr voll. Die Angestellten sind professionell freundlich und hilfsbereit. Unsere Campsite ist nicht sehr schön, nur zwei relativ kleine krüppelige Bäume spenden kaum Schatten, aber die Lage ist ok, außerdem begrüßen uns gleich freundliche Oryxe die anscheinend so halb zahm auf dem Campground leben.
Wir wünschen uns eine der schönen Stellen mit Mäuerchen und großem Kameldornbaum, aber die geduldige Rezeptionistin findet keine andere, die 3 Tage am Stück frei ist und so bleiben wir dann, wo wir sind. Ich fand es auf jeden Fall super nett, daß sie sich überhaupt die Zeit zum nachgucken nimmt. Die Tage werden wir ja sowieso unterwegs verbringen, also ist es auch ein bisschen egal. Das Zelt ist schnell aufgebaut und wir haben so genug Zeit um zum Sonnenuntergang zur Elim Düne zu fahren.
Der Wind peitscht uns den Sand ordentlich um die Ohren und nach kurzer Zeit sind wir ziemlich paniert. Wir klettern in der Dünenlandschaft, machen ein paar Bilder, lungern an einer halbwegs windgeschützten Stelle rum, genießen die wunderbare Aussicht und das sich ändernde Licht. Im Laufe der Zeit spazieren noch einige andere Menschen an uns vorbei aber es ist nicht sehr voll, der Wind ist schon ziemlich heftig.
Teil 928. Juli 2024
Tag 2 in Sesriem, es ist immer noch sehr windig und man fühlt sich etwas wie ohne Handschuhe in der Sandstrahlbox ... autschi!
Deshalb beschließen wir, es mit dem Sesriem Canyon zu versuchen, in der Hoffnung, daß es da etwas geschützter ist. Eine gute Idee, aber leider wirken die Canyonwände teilweise auch windverstärkend. Trotzdem ist die Landschaft toll und es ist sogar relativ leer.
Wir wandern erst mal mit dem Rücken zum Wind durch den Canyon bis er sich nach etwa 3 km öffnet.
zwischendurch erkunden wir immer mal wieder kleine Abzweige, in denen der Wind nicht so pfeift und genießen die Steinformationen.
Der Rückweg ist fies, der Wind prügelt uns die Sandkörner jetzt richtig ins Gesicht und eigentlich ist es zu heiß für die Vollvermummung, aber nur das Gesicht vermummt und die Arme geopfert... so ist es aushaltbar.
Auf dem Rückweg nehmen wir auch noch den Abzweig zum Wasserloch, das wir wundersamerweise tatsächlich einige Minuten für uns haben, bevor ein Paar mit Guide kommt, die sich aber schnell auch wieder verdrücken. Der Guide hat eigentlich nur Banalitäten zu erzählen, daß er das Wasser nicht trinken würde und ähnliches, unser Reiseführer war da ergiebiger, aber wer weiß, was er vorher schon alles erzählt hatte.
Kaum sind die 3 wieder weg, kommen schon die nächsten Besucher und wir belassen es dabei und machen uns auf den Rückweg. An der knifflig steilen Engstelle kommt uns eine mutmaßlich südafrikanische Familie entgegen, wir sind erstaunt, mit welcher Vehemenz der Vater (?) die zögernde Tochter (?) durchzerrt um dann seiner Frau (?) nicht mal eine helfende Hand reicht. Ich erledige das für ihn, die Frau bedankt sich fast beschämt, ihr Kerl ist schon außer Sicht.... und wir 2 freuen uns, daß unser Umgang miteinander so nicht ist.
Nach der kleinen Wanderung sind wir doch recht ausgehungert und haben keine Lust, im Sand zu kochen und beschließen im Camp Restaurant zu essen. Leiter haben aufgrund des Wetters gefühlt ALLE Touristen im Nationalpark die selbe Idee und es ist sehr voll. Wir finden allerdings noch einen halben freien Tisch bei einem russischsprachigen Pärchen. Hier zeigen sich dann leider einige Touris von ihrer unerfreulichen Klischeehaften Seite. Eine Süddeutsche Reisegruppe (ich tippe auf Baden) mosert die gesamte Zeit lautstark an so ziemlich allem herum, vor allem daran, wie lange alles dauert. Wie gesagt, die Hütte ist brechend voll und die Küchenbesatzung vermutlich sowieso am rotieren. Eine südafrikanische Großgruppe von über 20 Leuten (sie waren kurz vor uns angekommen) hat einen überaus unangenehm krawalligen Anführer, der zerrt wild Tische hin und her, schnappt sich ungefragt von anderen Tischen die wenigen leeren Stühle, mault die Angestellten an und krakeelt durch die ganze Halle, daß NWR ja "nothing works right" hieße. Har har... wie witzig, die Bedienungen lächeln es säuerlich weg. Wir erspähen die nette Campsite Angestellte, mit der wir am Vorabend schon nett geplaudert haben, die wegen des Hochbetriebs im Restaurant aushilft und entschuldigen uns während der Bestellung für das unfreundliche Benehmen der Großgruppen und versichtern, daß die deutsche Meckergruppe nicht repräsentativ sei und wundersamerweise kommt unsere Bestellung auch eigentlich sehr zügig. 😉 Ein deutsch / schweizer Pärchen übernimmt die freiwerdenden Plätze an unserem Tisch und wir bekommen eine kleine Demonstration in die Segnungen einer Google Wetter App, die Besserung in Sachen Wind verspricht.
Also bleiben wir bei unserem Plan und fahren nach dem Lunch Richtung Hidden Vlei. Für den folgenden Tag haben wir uns dann Dead und Sossousvlei vorgenommen und finden es ganz angenehm, schon mal Strecke und Entfernung anzutesten.
Der aufgewirbelte Sand lässt alles leicht diesig und geheimnisvoll aussehen. Ich find's schön!
Wir lassen uns unterwegs wieder Zeit für Fotos und kleine Stops, aber wegen des Windes klettern wir nicht auf die Dünen am Wegesrand sondern fahren bis zum Ende der Teerstraße durch. Außer uns sind kaum Autos da, die Shuttles haben schon Feierabend gemacht und wir treffen niemanden und haben Hidden Vlei komplett für uns. Die kleine Wanderung ist mäßig anstrengend, sehr schön und abwechslungsreich. Das Hinweisschild, man soll nur zu 3. laufen, finde ich übertrieben, der Weg ist gut markiert, weiß jemand warum?
Leider sind wir dann doch zu spät dran um noch die Star Düne zu besteigen, wir haben uns mal wieder verdaddelt und wollen ja nicht zu spät ans Tor kommen. Aber so genießen wir die Farben, die Kargheit, die Dünen... das schöne Licht... hach! *schwärm*
Wir kommen tatsächlich erst um viertel vor 7 beim Tor an, aber dort ist weit und breit niemand zu sehen, ist das immer so? Was passiert eigentlich, wenn man sich verspätet?
Zurück im Camp haben sich die Massen verlaufen und wir gönnen uns Abendessen, ein ausführliches Schwätzchen mit den Angestellten bei irgendeiner Fußballübertragung und einem Absacker. Was für ein schöner Tag!
Teil 1031. Juli 2024
Sossousvlei! Mein persönliches zweites Wunsch- Highlight nach Sperrgebiet. Das Dead Vlei wollte ich unbedingt sehen und an diesem Tag war es so weit. Was soll ich groß schreiben, die meisten hier im Forum waren vermutlich schon selber da oder haben schon etliche Fotos gesehen. Selbst wenn viele Fotos stark bearbeitet sind, ist die Realität viel berauschender. Einfach, weil man da ist.
Die Fahrt durch den Sand ist mit dem Hillux kein Problem, ich bleibe einfach dezent auf dem Gas und mache mir nichts aus dem Geschlinger und so sind wir bald am großen Parkplatz. Der Wetterbericht hat nicht gelogen, es ist fast windstill und eine Freude durch die Dünen zu laufen. Der Blick, wenn man den letzten Hügel überwindet und das Vlei plötzlich vor einem liegt, das ist schon großartig. Auch die anderen Touris stören mich in dem Moment nicht. Es ist einfach zu schön. Auch gibt es später am Tag immer wieder Momente, in denen wir das Tal fast ganz für uns haben.
Irgendwie kommen wir auf die Idee, daß es leichter sein könnte, die rechte Düne zu besteigen, als Big Daddy, außerdem herrscht da Stau wie aufm Mt Everest 😉
Aber allein bis wir auf dem Grat sind, sind wir schon fast platt. Von unten sieht das alles deutlich leichter aus 🙂
Wir entschließen uns dann, stattdessen das Nachbar Vlei anzugucken, das auch ganz spannend aussieht.
Wir verbringen auf jeden Fall viel Zeit im Dead Vlei, im Nachbar Vlei, im Sossousvlei und halten diesmal auch bei Düne 40 und ein Oryx posiert auch noch malerisch vor den Dünen...
Zurück am Campingplatz beschließen wir, wieder Essen zu gehen, das Restaurant ist diesmal leer und unsere Lieblingsangestellte hat auch mehr Zeit zum Plaudern. Wir erfahren, daß sie etwa 4h entfernt lebt und immer 24 Tage arbeitet um dann 1 ganze Woche frei zu haben, daß sie Urlaub auch über 3 Jahre ansammeln können, daß sie auch mal ins Ausland fahren möchte und dafür etwa 2 Jahre sparen muss. Sie ist etwas erstaunt, daß wir etwa 5 Jahre auf die Reise gespart haben, aber wir sind ja auch auf die andere Seite der Welt gefahren und sie möchte erstmal nur nach Südafrika.
Zur Feier des Tages gönne ich mir ein Oryx Steak zum Dinner, obwohl ich hier in D eigentlich kaum Fleisch esse, Tierleid, Antibiotika und andere Schadstoffe verderben mir hier den Appetit, aber ich gehe mal sehr davon aus, daß die Oryxe hier gut und chemiefrei leben. Leider bekomme ich einen totgeklopften, zähen, trockenen Lappen und mein vegetarischer Partner feixt und kichert was von Karma.
Diese kleine Fiesheit "rächt" sich aber auch ziemlich prompt. Mitten in der Nacht wacht er auf und findet die große schwere Mülltonne umgekippt und den Inhalt auf unserer Campsite verteilt vor. Ich in meinem Dachzelt bekomme davon nix mit 😉 während er in Unterbuxen pflichtschuldig gleich alles wieder einsammelt.
Morgens deuten wir die Spuren so, daß ein deppiges Oryx über den Draht gestolpert sein muss, der unsere Campsite umgibt und dabei gegen die Tonne gerummst sein muss. Die Schakale haben dann den Inhalt schön verteilt bei der Suche nach was leckerem, was wir aber leider nicht in die Tonne geworfen hatten.
Wir nehmen einen letzten Kaffee mit den neuen Bekannten vom NWR Center und machen uns auf den Weg zur Spitzkoppe.
Teil 1101. Aug. 2024
ACHTUNG: Heute Bleiwüste, kaum was fotografiert.
Dieser Tag ist für die Fahrt von Sesriem über die C14 durch die Kuiseb Berge über Walfish Bay am Meer entlang nach Swakopmund vorgesehen. Leider geraten wir an der Kreuzung von Solitaire in eine etwa 20 Fahrzeuge große Karawane eines Südafrikanischen "geführte Selbstfahrer" Touranbieters. Erstmal bin ich etwas genervt, daß wir überhaupt reingeraten, der Karawanenführer schießt vor uns aus der Ausfahrt von Solitair raus und das schon knapp, so daß ich bremsen muss (obwohl ich schon auf der C14 fahre) und hinter ihm hängen sich noch 2 Autos dran, so daß ich RICHTIG bremsen muss, die anderen 18 klemmen sich hinter mich und fangen sofort an, wie irre zu überholen. Extrem unangenehm und sehr staubig. Ist das so asozial wie ich denke? Oder hätte ich aus irgendwelchen Gründen, die ich nicht verstehe anhalten müssen? Ich wähnte mich auf der Hauptstraße und die kamen aus einer kleinen Privatausfahrt... ? "Am I the Asshole"? Naja, auf jeden Fall nutze ich die nächstbeste Gelegenheit an der ich sicher halten kann, lasse die Karawane vorbei ziehen und gewähre ihnen einen guten Vorsprung, damit wir nicht die ganze Zeit in deren Staubwolke fahren müssen. Blöd ist nur, daß wir sie so die ganze Zeit vor uns haben und so ziemlich JEDE Bucht an jedem Viewpoint von deren Wagen vollgestellt ist. Und das mehrere Buchten hintereinander, weil mehr als 3-4 Autos passen da ja nicht rein. Teilweise ragen die letzten Fahrzeuge schon auf die Fahrbahn und das bei der kruvigen Bergstrecke. Ein einziges mal schaffen wir es, an allen vollen Viewpoints vorbei zu überholen, aber weil wir dann auch irgendwo mal Rast machen und gucken wollen, haben wir sie dann doch sofort wieder vor uns. Wahrscheinlich wäre es das beste gewesen wirklich 1 Stunde zu warten oder so, aber wir waren spät weggekommen und wollten ja auch irgendwann ankommen... grmpf. Ja, aber so gibt es leider keine schönen Fotos von den spektakulären Schluchten und Bergpanoramen. Nur ein freundliches Gnu begegnet uns dann schon wieder auf der Ebene.
Wir fragten uns, was wohl die Vorteile einer solchen Tour sind? Man muss selber fahren, also kann eine immer nicht gucken. Man muss bei der Karawane bleiben und kann nicht da anhalten wo es einem passt. Man fährt die ganze Zeit in einer Staubwolke ... ist es die Sicherheit einer großen Gruppe? Kann natürlich sein, daß eine Gruppe von 40 Freunden alle bei diesem Anbieter gebucht haben.... ? Wir haben's nicht so ganz verstanden.
In Walfish Bay angekommen sind wir irgendwie nicht gut drauf. Ich halte für ein Knipsebild bei den Flamingos aber das Warnschild mit der Hohen Kriminalität entmutigt micht ziemlich und wir steigen nicht mal aus. Dummerweise hatte ich kurz vor Abfahrt noch einen Bericht über einen fiesen Überfall genau an der Stelle gelesen und wir waren auch die einzigen, die da gerade hielten. Schade, es sieht wirklich sehr schön aus... schluchz!
Dann verpasse ich auch noch die Abfahrt im großen Kreisverkehr und plötzlich sind wir am Hafen. Das GPS hat auch irgendwie einen Aussetzer und so irren wir durchs Industriegebiet und durch sehr unterschiedliche Wohngebiete grob der Himmelsrichtung nach, bis wir glücklich auf der palmenbestandenen B2 landen. Püüühh...
Die Fahrt entlang der Küste ist dafür ziemlich gechillt, links das Meer, rechts die Dünen... sehr schön! Irgendwann fällt uns auf, daß wir ja ab hier keine festen Buchungen mehr haben und wir doch vielleicht mal anrufen sollen, ob im Municipal Restcamp Platz für uns ist. Es ist und wir buchen eins der kleinen Bungalows. * Die ganze Anlage erinnert mich sehr an DDR Ferienanlagen bzw. Pionierlager. Schlicht aber es gibt alles was wir brauchen. Die Leute sind nett und vor allem sehen wir (bis auf 2 Damen im Sossousvlei) zum ersten mal nichtweiße Urlauber. Die Nachbarn im Bungalow nebenan grüßen auch gleich freundlich und geben uns gute Tips für Swakopmund.
Obwohl der Reiseführer empfohlen hat, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit in Swakopmund besser einen Wäscheservice zu nutzen, falls vorhanden, wäscht mein Partner schnell mal Hose und 2 T-shirts... bisher waren die ja immer nach 2h trocken... öhömmm... manchmal sollte man vielleicht auch glauben, was man so liest. 2 Tage später werden die Sachen immer noch klamm sein 😉
Wir machen noch einen kleinen Gang durch die Stadt, finden was zu Essen und machen uns so gar keinen Kopf über Sicherheit. Gut, daß ich viele Geschichten über die Gefährlichkeit Swakopmunds erst später gelesen habe. Ich habe mir extra so ein unterarmholster für Pass und Kreditkarte (später dann auch die SD Karte) gekauft. Damit fühlte ich mich eigentlich immer ganz gut, Bargeld zum ggf. hergeben war immer in der Hosentasche. Das erste mal haben wir einen Sonnenuntergang mit WOLKEN! Sensationell!
Die Desert Tavern ist nur wenige Meter entfernt, wir schnuppern ein bißchen Nachtleben bevor es dann doch ziemlich früh ins Bett geht.
* wer vielleicht die erste Seite meines Reiseberichts nicht mehr in Erinnerung hat, wir wollten ja ausdrücklich lokale Strukturen, Projekte etc. ansteuern.
Teil 1206. Aug. 2024
Ja dammich. Vor ein paar Tagen habe ich ausführlich über unseren Tag in Swakopmund geschrieben und dann beim Abschicken war der Server down. Ich hatte es natürlich direkt in den Browser getippt und nirgends gesichert, danach war ich etwas demotiviert 🙁
Der Bericht über unsere Eindrücke von Swakopmund ist mir auch nicht sonderlich leicht gefallen, weil wir vieles schräg fanden (mal wieder die Erinnerungskultur bzw. das nicht-so-richtig-vorhanden-sein derselben.
Außerdem fanden wir auch das vielgelobte Swakopmund Museum ziemlich bescheiden bzw. fragwürdig
Ich hatte da viel zu geschrieben, was unserer Meinung nach so gar nicht ging.. aber ich hab keine Lust alles nochmal zu schreiben, sorry... war halt alles nicht so erfreulich. Vielleicht hole ich das bei Gelegenheit noch mal nach, ab jetzt wird gespeichert 😉
Deshalb hier nur ein paar wenige Fotos und die Empfehlung für das Muschel Art Café (bei der Buchhandlung) das fanden wir sehr schön, die Frauen waren super nett zu uns und das Essen war auch lecker, wir waren dann gleich an beiden Tagen da.
Außerdem war der Fish Deli auch sehr lecker, da hatten wir Glück, einen freien Tisch zu bekommen.
Wer das Genocide Museum in Matutura besuchen will, sollte sich vorher anmelden und noch mal genau den Weg beschreiben lassen.
In Swakopmund sind wir auch auf einen Nussschnitzer reingefallen. Selber schuld
Dieses Kunstwerk fanden wir dann allerdings doch sehr schön:
Teil 1318. Aug. 2024
Soooo ich war ein bißchen anderweitig beschäftigt aber jetzt gehts weiter in die letzten Runden. Wir haben vorgestern vor etwa 25 interessierten Freund*innen einen kleinen Diavortrag gehalten mit verköstigung von Doerworst und Oryx "Chips" das hat vieles noch mal aus dem Gedächtnis vorgeholt. Wir hatten Glück und eine Freundin, die selber schon Volunteer in EHRA war und 2 GeologInnen, die auch die ein oder andere Ergänzung hatten, konnten ein bißchen was beisteuern. Sehr schöner Abend.
Also, wir ließen Swakopmund mit unserem schon "traditionellen" Sonntagsmorgern-Abschieds-Vorratseinkauf hinter uns. Die Wäsche vom ersten Abend war jetzt immerhin nur noch leicht klamm. Den Ratschlag, einen Wäscheservice zu nutzen, wenn man in Swakopmund ist, kann ich nur bekräftigen.
Fahrt entland der Küste Richtung Henties Bay - Zielort: EHRA Camp (Elephat Human Relation Aid) Bei dem einzig zugänglichen Wrack der Strecke "Zeila" campiert eine Gruppe Andenken/ Steinverkäufer und lauert schon auf uns und andere Touris. Es ist beklemmend und unanagenehm zugleich. Auf einer riesigen Sandfläche will einer den Einparkhelfer machen und auch die demonstrative Flucht und Parken 100m weiter helfen nicht. Wir werden belagert und bedrängt und als die anderen beiden Touri-Autos wegfahren sind wir alleine. Wir sehen die bittere Armut der Leute, die da augenscheinlich wohnen ohne auch nur den kleinsten Schutz, während wir mit unserem riesigen Mietwagen da ankommen. Ich habe mich in diesem Moment nicht getraut, die große Kamera auszupacken. Am Ende mache ich ein sehr kurzes Knipsebildmit dem Handy, drücke den "Parkhelfern" ein paar $ in die Hand und als sie nach Essen fragen auch noch ein paar Sachen, die als Fahrtproviant auf der Rückbank liegen. Beschämt nehme ich den kleinen Amethyst an, der mir als "Gegenleistung" aufgedrängt wird. Die Geschichten von Überfällen in der Gegend haben mich mürbe gemacht und vielleicht in diesem Fall auch übervorsichtig. Wir "fliehen" nachdenklich und gleichzeitig erleichtert vom Platz. Einen Kilometer weiter halten wir ohne einen anderen menschen, atmen kurz durch und machen ein Foto mit dem Tele. In Hentjes Bay werden wir an der Tanke um 200 $ geprellt, merke, die Scheine nicht als Bündel sondern einzeln vorzählen, aber die Piste ist gut und wir haken das als "Kurtaxe" ab.
In EHRA angekommen, sehen wir uns erst das Base Camp an, aber wir wurden in das schicke aber einsame Eco Camp eingebucht. Da ist es zwar wunderschön, aber uns ist nach Kontakt zu Menschen, wir interessieren uns ja für das Projekt und die Menschen, die es betreiben und wir siedeln ins Base Camp um, wo Helmut plus Judy plus Matthias das Camp betreiben. Sie sind ein bißchen überrascht, aber heißen uns willkommen. Vor Ort ist auch ein US / SA Filmteam, das eine Doku über Menschen, die sich für Naturschutz einsetzen. dreht. Auch sehr nette Leute. Insgesamt sind wir sehr froh darüber, uns mit allen austauschen zu können und mehr über das Projekt zu erfahren. Das Basecamp liegt am Ufer des (trockenen) Ugab und hat eine eigene Elefantentränke und eine wunderbare Baumhaus-Plattform und ist so nachhaltig wie möglich mit Komposttoiletten, PV Anlage und einer eigenen nur leicht salzigen Wasserquelle ausgestattet.
Wir bekochen die Campbetreibenden mit einer schönen Bratkartoffel- & Gemüsepfanne, lernen aber, daß das vor Ort eher so als Suppenbeilage gesehen wird. Vermutlich fehlte das Fleisch um es zu einer "richtigen" Mahlzeit zu machen. Sonnenuntergang und Sternenhimmel sind prächtig.
Für den nächsten Tag ist die Ankunft der Volunteers angekündigt.
Teil 1420. Aug. 2024
Am nächsten Tag steht eine ausgiebige Fahrt mit Elefantenpirsch mit Hermann an.
Die Landschaft um das Bett des Ugab herum ist wunderschön!
Neben den Fahrten für EHRA hat er auch noch beim "Peace Project" eine tragende Rolle. Das Piece Project kümmert sich um Bildung bzgl. Elefanten vorrangig bei der jungen Generation in den Dörfern innerhalb des Verbreitungsgebiets der Wüstenelefanten.
Wir bekommen einige der Aktivitäten von EHRA gezeigt mit Wasserstellen, geschützter infrastruktur und einem gesicherten Garten bei einer alten Dame, die den letzten ungebetenen Besuch von Porthos dem Elefanten schildert. Es ist eine sehr schöne Begegnung und sehr mitreißend, wie sie beschreibt und darstellt, wie der Elefant erst ein Mäuerchen einreißt, dann aber vor dem neuen Elektrozaun scheut und ohne großen Schaden zu verursachen wieder davon läuft. Früher hat er immer Zäune Verwüstet und die Ernte gefressen und zertrampelt. Sie wünscht sich, daß EHRA noch mehr Gartenfläche für sie einzäunt, aber es gibt lange Wartelisten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bau von sicheren Wasserquellen mit Schutzmauer (elefantensicher) für die Infrastruktur und einem Bassin, aus dem die Elefanten trinken können.
Solchen Mauern bauen dann die Volunteers, viele von ihnen aus Deutschland, unter Anleitung der Projektbetreiber.
An der Wasserstelle finden wir dann auch recht frische Spuren von Porthos, einem der mit Tracker versehenen "Projektelefanten". die größere Herde mit 2 Jungtieren und mehreren Elefantendamen ist leider zu weit weg für einen Tagesausflug. Wir lernen viel über Spurenlesen, Bäume, Pflanzen (giftig und heilsam) und die segensreichen Eigenschaften von Elefantenkacke.
Wir sind beeindruckt, wie Hermann vom Steuer aus die Spuren im Sand immer wieder findet und ihn am Ende tatsächlich aufspürt, wenn auch 1x mit Telefonjoker, als es gerade mal Netz gibt und die Kollegin den Tracker checken kann.
Porthos ist sehr scheu und lässt uns nicht näher als 1 km ran kommen. Vermutlich hatte er mal eine unerfreuliche Begegnung mit einem Auto.
Auch auf die weite Entfernung ist er ziemlich beeindruckend. Klar, in Etosha und so sieht man die Tiere quasi zum anfassen nah, aber das war uns ja vorher klar, daß wir solche Erlebnisse nur mit sehr viel Glück haben werden. Manchmal kommt die Herde direkt durchs Base Camp auf dem Weg zum Wasserloch.
Die Fahrt ist wieder sehr schön und wir sehen diverse spannende Vögel, wie ein Schlangenadler Paar.
Wir bekochen Hermann mit Nudeln, er wundert sich über unsere Arbeitsteilung, sieht dann aber ein, daß mein Partner als der bessere Koch nun mal in seiner Küche (bzw. am Feuer) nicht gestört werden will und daß ich normal alle Strecken fahre und dann abends auch ma ne Pause brauche, findet er dann doch auch fair, wenn das auch bei den Herero sehr ungewöhnlich wäre.
Dann kommen die Volunteers an (fast alles Deutsche) und es wird voll im Camp und lebendig. Es ist nett, sich mal wieder mit anderen Leuten plaudernd zu unterhalten, zu erfahren, warum wer da ist und so. Ich bin beeindruckt, mit wie viel Idealismus alle angetreten sind. Einige sind auch schon zum 2. mal da. Die Volunteers werden ohne Zelte oben auf der Plattform schlafen. Püh... die Nächte sind doch recht frisch, ich würde mal schätzen, irgendwas zwischen 0 und 5°C. Eine Frau aus den USA arbeitet dort in einem Zoo, der an Genpool Erhaltungszuchten südlicher Breitmaulnashörner beteiligt ist. auch sehr interessant. Sie ist sehr glücklich, daß sie die Reise quasi als Fortbildungsmaßnahme vom Arbeitgeber bezahlt bekommt. Sie ist in ihrem Zoo für die Elefanten zuständig. Spannend. Da die Volunteers morgens um 7 zur aktuellen Baustelle aufbrechen wollen, gehen alle früh ins Bett.
Teil 1521. Aug. 2024
Etappe: von EHRA nach Spitzkoppe
Am Morgen herrscht großer Trubel, die Volunteers brechen auf zur Bauwoche. Ein Dorf oder eine Familie wird sich über eine neue Mauer oder Wasserstelle freuen! Sehr schön! Als sie nach viel hin und her wirklich los sind, herrscht plötzlich eine gespenstische Ruhe im Camp. Sogar die scheuen Rotschnabelfrankoline kommen wieder raus. (die wir fälschlicher Weise für Perlhühner hielten)
Wir haben bei unserem Aufbruch Probleme zu zahlen, weil wir etwas knapp an Cash sind und die Verbindung des Kartenzahlgeräts nicht klappt. Wir haben es aber nicht eilig, versuchen es noch bei der benachbarten Lodge, bekommen noch eine kleine Führung durch die wieder aufgebaute Zentrale von Ehra, die vor 2 Jahren komplett weggespült wurde und am ende vereinbaren wir, daß wir nachträglich zahlen werden. Die Überreste des alten Jeeps geben einen kleinen Eindruck, wie heftig das Wasser gewesen sein muss... viel ist nicht übrig geblieben.
Wir runden großzügig auf um das Projekt zu unterstützen und sobald die Leiterin und wir wieder Netz haben, klappt es auch mit der Zahlung.
Wir fahren heute nur die relativ kurze Etappe zur Spitzkoppe, genießen die recht leeren Pisten und die traumhafte Landschaft. Ich lasse auch meinen Partner mal wieder fahren üben. Es gibt einfach keinen Gegen oder Mitverkehr, nur ab und an Tiere am Wegesrand
Zum ersten mal treffen wir Menschen im Tourismussektor, die nicht mega freundlich sind. Der Mensch an der Spitzkoppe- Campingplatzkasse ist ziemlich muffelig, steigt null auf unseren üblichen freunlichen Smalltalk ein und wir fühlen uns gleich heimisch an Berliner Muffköppe erinnert! 🙂 Der Camplinplatz ist riesig und ziemlich leer, jedenfalls scheinen zwischen den einzelnen Campern mindestens 500m Abstand völlig normal zu sein
Wir suchen uns eine ziemlich westlich gelegene Campsite, genießen den (wie fast immer) spektakulären Sonnenuntergang und machen Bekanntschaft mit einem Borstenhörnchen, das sich mit uns die Kekse teilt. Endlich mal ein Tierchen, das wir ohne schlechtes Gewissen anfüttern können. (Bis auf ein paar Vögel auch das einzige, ehrlich) Wir vermuten, daß das Hörnen auf einem der beliebtesten Campingplätze des Landes vermutlich das Jagen und Sammeln aufgegeben hat und vom Schnorren lebt. Komisch, daß es die Frühstückseinladung am nächsten Tag nicht annimmt.
Ich könnte ja stundenlang Sonnenuntergänge knipsen, aber naja... irgendwann treibt mich dann doch auch der Hunger zurück zur Campsite.
Teil 1624. Aug. 2024
Spitzkoppe, wir wollen ein bißchen wandern, die wunderschöne Landschaft genießen und Felsenmalereien angucken und ich bin tatsächlich mal kurz nach Sonnenaufgang wach, sensationell.
Erst halten wir kurz beim "little bushman's paradise" wo wir eine kurze sehr routinierte Miniführung bekommen. Die Malereien sind zu ihrem Schutz abgesperrt und nur mit Guide zugänglich, die dann ein kleines Tip bekommen. Dann tingeln wir mit Auto und zu Fuß durchs Spitzkoppencamp. Am Ende gibt es eine Felsentour mit Frans zum Bushmans Paradise, der statt mürrisch die Zeichnungen zu erklären ausgiebig über allgegenwärtige Chinesen, Erdhörnchen und andere unerfreulichkeiten mosert, einen kleinen Sprachkurs in seinem Dialekt gibt (4 Klicklaute) Er hat in den 1,5 Stunden viel über Land und Leute erklärt und wirklich wunderschöne Landschaft gezeigt. Die mitlaufende deutsche Familie ist symphatisch und auch interessiert und wird den Resttag mit Frans verbringen, der sie gleich adoptiert.
Wir fahren weiter nach Omandumba in den Erongo Bergen. knapp 100 km auf erfreulich guten Nebenstraßen. Hier sind wir wieder oft in einer emotional moralischen Zwickmühle. Die Kinder, die mit Wasserflaschen an der Straße stehen.... abgesehen davon, daß wir nach 4 Tagen campen ohne Wasserquelle kaum noch Trinkwasser haben, nachhaltig helfen können wir nicht.. aber es fällt uns wahnsinnig schwer, wir fühlen uns schlecht und haben keine Lösung dafür.
In Omandumba angekommen wird uns klar, WIE weit ab vom Schuss unsere Campsite ist, sind wir etwas quengelig weil reisemüde und schon 4 Tage nur auf recht komfortarmen Campingplätzen unterwegs. Aber die Unterkünfte direkt am Farmhaus werden gerade noch für die Hauptsaison renoviert und wir haben halt die "Cave" gebucht. Auch ein Abendessen auf der Farm können wir nicht haben, alle sind am ackern und es gibt keine Kapazitäten für uns. Das ist sehr schade, uns wurde von der guten Küche auf Omandumba vorgeschwärmt. Alle sind aber sehr nett und die Katzen meeega zutraulich und verschmust. Also fahren wir zur Cave und sind eigentlich sofort hin und weg. Eine Dusche mit Badeofen ist malerisch in den Felsen versteckt, es gibt 2 wasserklos (was wir fast verschwenderisch finden, aber der Farmer erklärt uns später, daß er gerade auf der Suche nach guten Kompostklos ist) und das Haus im Felsen ist wirklich wunderschön.
Ich hatte ja ganz am Anfang (Blatt eins dieses Threads) schon über Omandumba geschrieben, auch jetzt mit über einem Monat Abstand muss ich immer noch glücklich grinsen, wenn ich daran denke!
Wir können uns auf dem riesigen Farmgelände frei bewegen, ob mit oder ohne Wagen nur sollen wir nachts nicht alleine rumlaufen. Ob wegen der Tiere oder damit die Anti-Wilderei-Patrouille nicht von uns aufgeschreckt wird wissen wir nicht so genau. Vielleicht auch nur, damit wir nicht verloren gehen.
Wir erspähen wieder jede Menge Tiere, vor allem Antilopen, Giraffen, div Vögel, einmal sogar die scheuen Zebras, aber die sind schneller weg als ich die Kamera zücken kann.
Auf Omandumba gibt es einige Stellen mit Felszeichnungen, einige davon sehr besonders z.B. der Bienenschwarm, leider hab ich die fotografisch nicht so richtig gut hinbekommen... vielleicht leg ich da nochmal nach wenn icht Zeit zum bearbeiten hatte.