dolphin201727 Beiträge · seit 201921. Sept. 2022 ·
Ganz lieben Dank für den tollen bisherigen Bericht und die wunderbaren Fotos. Ich hatte einen Teil der Route im letzten Jahr bereits geplant und gebucht. Aus den bekannten Gründen dann aber leider wieder storniert. Daher bin ich neugierig wie es weitergeht. Costa Rica steht in den Top 5 bei uns auf der Wunschliste.
Viele Grüße von Gaby
H.BadgerThemenstarter1’880 Beiträge · seit 201621. Sept. 2022 ·
@ waldelfe Hallo Conny, schön, dass du uns noch durch Costa Rica begleitest! Mit Schlangen hatten wir tatsächlich Glück - ein paar schöne Sichtungen kommen in diesem Bereich noch. 🙂 Witzig, dass du "Mama Hässlich" auch persönlich kennst. Bei uns in der Familie ist es zum Running Gag avanciert, die Namen der Kaimane in Henris unvergleichlicher Intonation zu rufen. 😛 Dass ihr knapp zwei Wochen Dauerregen in CR hattet, ist ja weniger schön. Ich hoffe, ihr konntet eure Zeit trotzdem genießen. Uns hat die Regenzeit zwar auch regelmäßig durchnässt, aber es gab immer viel Zeit zum Trocknen zwischendurch. Wobei auch ohne Regen wegen der hohen Luftfeuchtigkeit die Kleidung nicht wirklich durchtrockenen wollte... 😵
@dolphin2017 Hallo Gaby, danke für das Bericht- und Fotolob. Das freut uns! Wie schade, dass ihr eure Reise stornieren musstet. Die Zeiten sind leider wie sie sind... 🙁 Ich kann euch absolut darin bestärken, dass CR unter euren Top 5 ist. Ich freue mich darauf, euch noch weitere Facetten in den kommenden Kapiteln zeigen zu können.
Ganz herzliche Grüße an alle Mitlesenden! Sascha
PS: Heute Abend oder spätestens morgen früh gibt es an dieser Stelle auch ein neues Teilkapitel.
H.BadgerThemenstarter1’880 Beiträge · seit 201621. Sept. 2022 ·
Fortsetzung
Zu unserem Bootsausflug müssen wir mit unserem eigenen Auto zu einer Anlegestelle am Ufer des Rio San Carlos fahren, die in der Nähe der Manqueque Lodge zu finden ist. Dort wartet bereits ein kleines Motorboot auf uns und bei bestem Wetter - Sonnenschein mit lockerer Bewölkung – können wir die Flussfahrt beginnen. Auf dem Rio San Carlos herrscht wenig Verkehr. Zu Beginn kommt uns noch ein leeres Touristenboot auf dem breiten Fluss entgegen, aber dann sind wir die ganze Fahrt über allein.
Unser Guide erklärt dies und jenes über die Landwirtschaft und die Bäume am Ufer des Flusses. Von Vögeln hat er leider überhaupt keine Ahnung – was uns wegen des Profils der Laguna del Lagarto Lodge doch etwas überrascht… 😗 Hier muss der Kapitän des Boots dann immer wieder einhelfen. Die Fahrt verläuft sehr ruhig und damit auch wenig spektakulär. Weder die Landschaft, die die Ufer des Rio San Carlos säumt, reißt uns zu Begeisterungsstürmen hin, noch die sich uns zeigende Tierwelt. Wir sehen immer wieder Grüne Leguane in den Bäumen oder auf den Uferwiesen. Die Fotos schaffen es aber allesamt nicht in die Endauswahl… Die „Leguanschwemme“ in Tortuguero hat hier die Ansprüche zu hoch werden lassen.
Wir freuen uns aber immer wieder über Brüllaffen – so auch heute, wo sich die Tiere einmal im Sonnenlicht zeigen, aber durch das dichte Geäst auch bei bestem Wetter nicht einfach zu fotografieren sind. Auch sehen wir im dichten Schilf einige Kahnschnäbel, die Vegetation erlaubt hier aber nur Beweisfotos, die nicht der Rede wert sind.
Einige Krokodile säumen dösend unseren Weg.
Schließlich erreichen wir das verschlafene Dörfchen Boca San Carlos, das nahe der Grenze zu Nicaragua liegt. Wir verlassen das Boot und spazieren über die Dorfstraße. Viel Leben herrscht hier nicht. Auf dem Weg zu einer kleinen Bar kommen wir an einer Telefonzelle vorbei, die uns als Kuriosum aus einer vergangenen Epoche menschlicher Kultur erläutert wird. In solchen Momenten fühlt man sich alt. 😉 Dann begegnen uns doch in Form einer kleinen Schülergruppe einige Menschen. Die Schule selbst ist aber einmal mehr verwaist – und dabei ist es noch gar nicht spät am Tag. Das ist für uns immer wieder rätselhaft.
Betti schrieb unlängst in ihrem CR-Bericht, dass Boca San Carlos in den letzten Jahren seinen Charme weitgehend eingebüßt habe. Wir können dies bestätigen. Lohnenswert ist der Spaziergang nicht gerade. Nett ist es dann aber doch in der kleinen Bar, in der wir eine Rast machen. Hier gibt es frittierte Brotfruchtscheiben, frische Saftkreationen und leckere Kokosnüsse. Auch werden Vögel angefüttert, sodass es immer etwas zu sehen gibt. Eine schöne Pause. Auf der Rückfahrt können wir einen Little Blue Heron (Blaureiher) und einige Mangrovenschwalben entdecken. Über ersteren freuen wir uns sehr – wieder ein Neuzugang auf unserer Sichtungsliste.
Insgesamt muss man ehrlich sagen, dass sich der Ausflug nicht wirklich gelohnt hat. Sicher: Es ist immer schön, über einen Fluss zu schippern und einige Vögel haben wir auch entdecken können. Aber anscheinend sind wir durch die Bootstouren im Tortuguero NP (und auch durch unsere Erfahrungen auf Okavango, Kwando, Chobe, Kazinga Channel und Co) zu verwöhnt, um die Fahrt auf dem Rio San Carlos wirklich wertschätzen zu können. Und so hat die Ausfahrt – auch durch den nur halbwegs kenntnisreichen Guide – das Prädikat „nett“ verdient. Überrascht hat uns, dass unsere belgischen Lodge-Genossen, die mit auf dem Boot waren, die Sichtungsausbeute für CR-Verhältnisse als außergewöhnlich gut wahrgenommen haben. Das macht uns nochmal deutlich, wie viel Glück wir wohl bisher in Punkto Fauna gehabt haben…
Den weiteren Tag verbringen wir auf der Lodge. Warum sollte man auch weit gehen? Schließlich gibt sich vor unserer Zimmertür ein Streifenbasilisk die Ehre.
Nach einem Mittagssnack führt uns Lodgemanager Carlos hinunter zur Lagune, um uns den Kingfisher-Hide zu zeigen, an dem wir auch nach langem Warten und trotz abgezirkelter und in die Lagune eingelassener Becken mit kleinen Fischen keinen Kingfisher sehen werden… Abgesehen davon ist der Spaziergang aber sehr schön und auch fotografisch lohnend. Auf dem kleinen nassen Trampelpfad, der die Lagune am lodgezugewandten Ufer säumt, sehen wir eine große Flussschildkröte und eine beeindruckende Raupe – kleine Tiere wissen in Costa Rica wirklich zu überraschen.
Außerdem zeigen sich junge Stirnlappenbasilisken.
Einen Anhinga können wir bei Mittagessen beobachten.
Am Kingfisher-Hide finden wir wie gesagt leider keine der Namensgeber, aber es sind auch hier junge Basilisken zu entdecken. Hier einsteht eine meiner Lieblingsaufnahmen der grünen Echsen.
In weiter Entfernung am gegenüberliegenden Ufer können wir in den Wipfeln der Bäume einige Soldatenaras erahnen. Auch ein paar Klammeraffen zeigen sich in grenzwertiger Fotodistanz, aber wie Spiderman beeindruckend durch die Wipfel schwingend.
Viel näher kommt uns eine Tuberkelhokko-Familie. Das Küken ist zuckersüß und die Frau Mama ist eine ziemlich seltene Farbvariante dieses großen Hühnervogels. Eine schöne Begegnung.
Wir versuchen uns noch ein wenig an Blattschneideameisenfotografie. Noch immer nicht sehr erfolgreich...
Und bald darauf geht der Tag seinem Ende entgegen.
Das Abendessen ist wie am Vortag gut und auch heute Abend sind keine neuen Gäste eingetroffen. So ist hier am Ende der Welt wieder alles sehr ruhig und entspannt.
Am nächsten Tag haben wir einen Höhepunkt der Reise arrangiert: Wir werden am Vormittag die farbenprächtigen Königsgeier aus nächster Nähe beobachten können. Am Nachmittag wird dann eine geführte Dschungelwanderung auf dem Programm stehen, die sich zu einem echten Abenteuer auswachsen wird…
Champagner8’801 Beiträge · seit 201021. Sept. 2022 ·
Hallo Sascha,
das hier ist mein absolutes Lieblingsfoto aus diesem Kapitel - auf jeden Fall ein bisschen mehr als "nett" 😎 😄 ! Diese transparente Spiegelung gefällt mir super gut und macht mich auch ein bisschen wirr im Kopf (und ich schwöre, es gab heute noch keinen Rotwein 😗 )! Man weiß gar nicht so recht, wo das Wasser eigentlich anfängt 🤩 .
Dass eure Rio San Carlos -Tour nicht der Knüller war, tut mir leid, aber ganz ehrlich: irgendwann muss es ja zumindest mal eine Pause eures Sichtungsglücks geben, oder? 😐
Was mich tröstet: es gibt auch noch andere Menschen außer mir, die diese Blattschneiderameisen schwierig zu fotografieren finden. Ich wollte immer bei dem Bericht von JP K mal was dazu schreiben, der hat das meines Wissens nämlich super hinbekommen, aber ich habe es bis heute versäumt (muss ich mal endlich nachholen!). Meine Fotos davon sind auf jeden Fall grottig - und ich bin bis heute der Meinung, dass das eigentlich gar nicht so schwer sein dürfte! Bin aber noch nicht draufgekommen, was das Problem ist, bzw. war....
Jetzt bin ich sehr gespannt, wie es weitergeht, du baust ja schon eine gewisse Erwartungshaltung auf 😎 !
H.BadgerThemenstarter1’880 Beiträge · seit 201622. Sept. 2022 ·
Liebe Bele, vielen Dank für das Fotolob. Ich finde diese kleinen und eleganten Echsen mit ihrem intensiven Grün auch sehr fotogen. Und Spiegelungen gehen einfach immer. 😁 Mit den Ameisen hat sich der Autofokus wirklich schwer getan. Die wimmelnden Tiere waren einfach sehr schnell unterwegs und haben ständig die Ebene gewechselt. Wenn dazu dann noch ungute Lichtverhältnisse kommen, wird es schwierig. Und ich hatte auch keine Lust auf absolutes Schnell-Dauerfeuer, das dann im Nachgang das Durchsehen von unzähligen Aufnahmen nötig macht, um die scharfe "Nadel im Heuhaufen" zu finden. Wir haben uns daher mit diesen Ergebnissen arrangiert und noch einige Tage gehabt, um weiter zu üben.
Dass uns das Sichtungsglück auf den Rio San Carlos nicht ganz so hold war, ist völlig okay. Auch eine Sichtungsfee braucht etwas Freizeit. Ich weiß auch gar nicht, ob man dort normalerweise so viel Anderes oder mehr zu Gesicht bekommt. Bettis CR-RB hat den Eindruck bei mir hinterlassen, dass die zwei bei ihrem letzten Besuch einen ähnlichen Eindruck wie wir hatten. Am kommenden Tag hatte unsere Sichtungsfee dann aber wieder einen normalen Arbeitstag. 😛
H.BadgerThemenstarter1’880 Beiträge · seit 201623. Sept. 2022 ·
10. Kapitel: Königsgeier-Audienz am Morgen, Dschungelfieber am Nachmittag
Ein neuer Tag beginnt in der Laguna del Lagarto Lodge. Heute ist es am frühen Morgen beinahe wolkenlos und so macht das Beobachten der Vögel an den Futterplätzen wieder viel Freude. 🙂 Es lassen sich viele der Arten sehen, die bereits gestern ihr Stelldichein gegeben haben. Dazu kommen Red-lored Parrot ,Golden-hooded Tanager und Montezuma Oropendola.
Ich mache einen Spaziergang zum Kingfisher-Hide und sehe wieder keinen der schönen Vögel. Damit sich der Besuch aber trotzdem in der Erinnerung festsetzt, gleite ich am Zugang des Verstecks aus und lande rücklings im Matsch. 🙁 Schnell reiße ich die Kamera in die Höhe. Aber leider hilft das nur bedingt: Zwar bleibt das Objektiv sauber, jedoch ist eine Seite des Kameragehäuses nun von einer dicken Matschschicht umgeben. Knöpfe kann man nicht mehr erkennen… Ich fluche in mich hinein und beeile mich, in unser Zimmer zurückzukommen. Unterdessen hoffe ich inständig, dass die Kamera diesen Zwischenfall überlebt hat… 🤢 Mit Wattestäbchen und -pads kann ich den gröbsten Dreck entfernen. Mit der Spitze einer Fingernagelschere lege ich nach und nach die Knöpfe der Kamera frei. Reinigungsalkohol hilft dabei. Und so erstrahlt das Gehäuse zwar nicht in neuem Glanz, aber sieht am Ende der Aktion wieder okay aus. Und das beste: Alles funktioniert noch wie zuvor, Feuchtigkeit und Erde haben nichts zerstören können. Puh…
Jetzt bleibe ich lieber gemeinsam mit den anderen auf der Aussichtsplattform. Wir frühstücken und sehen dabei dem farbenfrohen Federvieh zu, das ebenfalls mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt ist. Irgendwann kommt zu unserer Freude ein Coati vorbei. Unser erster Nasenbär überhaupt! 😁 Auch dieses Tier ist sehr an den Bananen interessiert und stöbert im Garten herum. Wir machen uns auf, ihn ein wenig dabei zu begleiten und erfreuen uns sehr an dem quirligen Gesellen, der nur stillhält, wenn er gerade eine Banane verspeist.
Wir sind noch gar nicht richtig mit der Beobachtung fertig, da heißt es auch schon: „Kingvultures are down!“ Für den heutigen Morgen haben wir nämlich gemeinsam mit den zwei Belgiern das Königsgeier-Versteck gebucht. Vor einigen Stunden wurden daher dort bereits zwei Schweineköpfe drapiert, die die Geier anlocken sollen. Dies ist nun gelungen und so mache ich mich zuerst allein mit den Belgiern und später noch einmal in Begleitung meiner Frau auf den nicht einmal zehnminütigen Fußmarsch zum Hide. Dieser besteht aus einer kleinen Hütte mit einigen Plastikstühlen. Eine große Öffnung über die gesamte Breite der Behausung erlaubt den Blick auf eine Wiese, auf der sich bereits zahlreiche Rabengeier und glücklicherweise auch einige Königsgeier eingefunden haben. Eine wirkliche Tarnung oder eine trennende Scheibe gibt es nicht und so sind wir erstaunt, dass die Vögel uns trotz unserer offensichtlichen Anwesenheit in ihrer Nähe tolerieren bzw. ignorieren.
Die Tiere bei ihrer Mahlzeit zu beobachten, ist faszinierend. Es ist ein enormes Gewusel aus Geierleibern. Die Königsgeier machen den zahlenmäßig weit überlegenen Rabengeiern deutlich, wer in der Hackordnung am oberen Ende steht.
Sehr viele Fotos machen wir in den nächsten zwei Stunden und je nachdem, wie nah die Geier uns dabei kommen, ist die montierte Brennweite von 500mm beinahe zu groß. Durch den Sonnenschein am heutigen Morgen ist das Licht sehr angenehm. So kommen die farbenfrohen Köpfe der Königsgeier gut zur Geltung.
Insgesamt sehen wir ungezählte Rabengeier und rund acht adulte und juvenile Königsgeier, die sich nach und nach am gedeckten Tisch einfinden und sich dann in die nahen Bäume zurückziehen.
Die Zeit mit den Geiern gehört sicherlich zu den eindrücklichsten Momenten unserer Tour und so vergeht die Zeit wie im Fluge. Die nicht ganz günstige Hide-Miete hat sich hier auf jeden Fall gelohnt. Gegen Mittag setzt schließlich leichter Regen ein und wir beschließen, dass wir genug gesehen haben.
Auf dem Rückweg zur Lodge können wir als Zugabe einen Squirrel Cuckoo entdecken. Wieder ein Neuzugang auf unserer Sichtungsliste.
Abgesehen von dem Schreck wegen der Kamera-Matsch-Panade war das für uns eine perfekte erste Tageshälfte. Die zweite Hälfte des Tages soll nach einem Mittagssnack (wir beschränken uns hier auf Teller mit frischem Obst, denn es ist wieder schier unerträglich schwül-heiß) mit einer geführten Dschungelwanderung gefüllt werden. Und die wird anders als gedacht werden… 😵
Da haben wir ja rückblickend richtig entschieden. Wir haben auf die Bootstour verzichtet und sind zur LL Lodge rüber gefahren. So konnten wir noch viele hübsche Vögel sichten und haben spontan sogar noch für den nächsten Tag die King Vultures buchen können.
Die Eindrücke waren sehr ähnlich wie die die du hier zeigst. Tolle Vögel sind das!
H.BadgerThemenstarter1’880 Beiträge · seit 201625. Sept. 2022 ·
Ein freundliches Hallo in die Runde!
@ Gabi-Muc Hallo Gabi, tatsächlich hatten die Kinder keine rechte Lust auf den Hide. Und da wir im Vorfeld nicht wussten, was uns dort in Punkto Bewegungsfreiheit etc. erwarten würde, haben wir das gut verstehen können. Sie haben die Zeit in den Hängematten für sich gut genutzt. Es freut uns, dass dir die Fotos gefallen. Die Lodge ist ein wirklich guter Ort für die Tierfotografie.
@ Picco Hallo Picco, die Miete hat 75 $ pro Person gekostet. Dafür konnte man in unserem Fall so lange bleiben, wie man wollte. Gegen Mittag waren die Königsgeier dann aber weitgehend satt und das Buffet leergeräumt. Ich weiß aber nicht, ob es zeitliche Restriktionen gibt, wenn die Lodge besser besucht ist.
@ yp-travel-photography Hallo Yvy, die Bootstour war tatsächlich nichts, woran wir uns zuerst erinnern würden, wenn wir an unsere Reise denken. Der Aufenthalt in der Laguna del Lagarto Lodge dagegen schon. Aus dieser Perspektive habt ihr also tatsächlich alles richtig gemacht. Und ich gebe dir absolut recht - die Königsgeier sind ganz tolle Vögel!
Vielen Dank euch allen fürs Mitlesen und kommentieren. Ich freue mich sehr darüber! 🙂
H.BadgerThemenstarter1’880 Beiträge · seit 201626. Sept. 2022 ·
Fortsetzung
Schauer prägen den heutigen Mittag. Wir vertrödeln die Zeit auf der Aussichtsterrasse und genießen große Obstteller – ein warmes Mittagessen erscheint bei den herrschenden Witterungsverhältnissen nicht wirklich attraktiv. Ein vorbeikommender Coati sorgt dabei für willkommene Abwechslung.
Pünktlich zu unserer Nachmittagsaktivität klart das Wetter glücklicherweise auf und so brechen wir frohen Mutes gemeinsam mit den zwei Belgiern zu unserer geführten Wanderung durch den Regenwald auf. Das Gelände der Lodge beherbergt ein großes Stück privaten Waldes, das durchzogen ist von einfachen und engen Pfaden. Hier kann man Stunden verbringen. Und sollten wir noch einmal zur Laguna del Lagarto Lodge zurückkehren, würden wir die Trails auch gern stärker nutzen.
Sobald man den dichten Wald betritt, umfängt einen grünes Zwielicht. Die Pfade sind von den regelmäßigen Regenfällen der letzten Zeit aufgeweicht und schlammig. Da ist es gut, dass man sich in der Lodge Gummistiefel ausleihen kann (auch in Kindergrößen!). Immer wieder sinken wir mindestens Knöcheltief in den Schlick ein und verursachen beim Rausziehen der Stiefel laut schmatzende Geräusche.
Die Vegetation ist hier wahnsinnig dicht. Nur wenige Meter kann man nach links und rechts ins Dickicht blicken, dann schließt sich der immergrüne Vorhang gänzlich. Sollten hier Tiere in der Nähe sein, würden wir sie wohl kaum sehen. Daher ist es von großem Vorteil, einen Guide dabei zu haben. Heute Nachmittag führt uns Michael, der ansonsten den Service im Restaurant übernimmt. Der junge Mann ist sehr kenntnisreich und weiß, wohin er schauen muss, um kleines Regenwaldleben zu entdecken. Und so sehen wir bald unseren ersten Strawberry Poison-dart Frog (Erdbeerfröschchen). Dieser prächtige Geselle ist wirklich winzig. Michael nimmt ihn vorsichtig auf die bloße Hand. Hautkontakt scheint unbedenklich zu sein – das Gift sollte jedoch nicht in die Blutbahn gelangen.
Auf dem weiteren Weg durch den Dschungel werden wir von Donnergrollen begleitet. Es hört sich noch weit entfernt an und so gehen wir frohen Mutes weiter – denn bei Gewitter, so hatte es uns Lodgemanager Carlos erzählt, sollte man besser nicht im Wald unterwegs sein. 😵
Die nächste Sichtung unserer Wanderung führt uns den Endgegner vor Augen. Michael präsentiert uns eine Bullet Ant (Vierundzwanzig-Stunden-Ameise), deren Giftstich der schmerzhafteste des Insektenreichs sein soll. Nach dem Stich-Schmerzindex des US-Insektenforschers Justin O. Schmidt, der die Stärke von Schmerzen auf einer Skala von 1,0 bis 4,0+ beschreibt, steht das Insekt bei 4,0+. Die Schmerzen werden oft beschrieben, als würde man bei lebendigem Leib verbrennen. Sie lassen nach etwa 24 Stunden nach – daher der deutsche Name der Ameise. Vorsichtig nähern wir uns mit dem Makro…
Bald können wir ein weiteres Erdbeerfröschchen entdecken. Michael schleppt bereits seit einiger Zeit einen dicken Ast mit sich herum, der einige hübsche Pilze beheimatet. Nun löst sich dieses Rätsel: Sein Plan war es, uns einen Blue-Jeans-Frog in einem dieser Pilze zu präsentieren. Das ist sicher hübsch anzusehen, uns aber eine Künstlichkeits-Umdrehung zu viel.
Unsere Große wird derweil immer stiller und blasser. Ein Blick in ihre Augen und eine „Stirn an Stirn-Kontrolle“ zeigen uns: Hier entwickelt jemand Fieber mitten im Regenwald. Da wir auf einem Rundweg unterwegs sind, ergibt es keinen Sinn mehr umzukehren. Tapfer bestätigt sie uns, weitergehen zu können. 😣
Dann kommt das Donnergrollen immer näher und plötzlich öffnen sich die himmlischen Schleusen. Ein Sturzregen prasselt mit unbändiger Gewalt herab und verwandelt die ohnehin matschigen Wege in kleine Bachläufe. Zum Glück haben wir Regenzeug und auch unsere Drybags für die Kameras dabei, denn nach kurzer Zeit stehen wir da wie geduscht. 🙄 Und es hört nicht auf. Unablässig fallen Fluten vom Himmel herab, durch die wir uns den Weg bahnen – immer das fiebernde Kind im Blick. Durch den Regen sieht man kaum mehr etwas, die Ohren sind von lautem Rauschen gefüllt. Und so stapfen wir mit gesenkten Köpfen voran. Bald ist die Nässe so präsent, dass sie fast schon wieder egal ist. Ein Erlebnis für alle Sinne entfaltet sich. Wir müssen größere Steigungen überwinden – zum Glück haben wir allesamt Wanderstöcke dabei, denn hier wird der Wanderpfad zum schnell fließenden braunen Bach. Es ist verwunderlich, dass wir hier ohne Stürze durchkommen. Als dann etwas Langes und Dickes über meine Stiefel streift, schreie ich unvermittelt auf. 🤩 So sehr habe ich mich lange nicht erschreckt! Eine große Schlange bahnt sich in Wahnsinnstempo ihren Weg über den Pfad und klettert geschickt die ihn säumende Vegetation hinauf. Michael identifiziert das Tier als Bird-eating Snake. Meiner Frau gelingt trotz der anhaltenden Regendusche und des herrschenden Schummerlichts tatsächlich ein Fotobeweis.
Michael zeigt uns auf dem weiteren Weg noch schnell einen Ort, der ein guter Platz für die Beobachtung des red-capped Manakin sei. Bei dem herrschenden Regen tut das natürlich nichts zur Sache. Wir versuchen uns trotzdem, die Stelle für später zu merken. Bald sind wir dann aus dem Wald heraus und zurück in unseren Zimmern. Nun widmen wir uns erstmal der Pflege unserer Großen. Sie wird sich erstmal ausruhen müssen – zum Glück reisen wir stets mit gut gefüllter Reiseapotheke, einen Arzt wollen wir hier nicht benötigen müssen... 😵
Viel passiert nicht mehr am heutigen Tag. Der Regen hält bis nach Einbruch der Dunkelheit an und so vergehen noch ein paar ruhige Stunden bis zum Abendessen, die wir im Zimmer und in den Hängematten verbringen. Das Essen ist wieder gut. Ab heute sind wir auch nicht mehr fast allein, denn am Nachmittag haben sich einige Birder-Pärchen eingefunden, die nun die Restaurant-Terrasse mit uns bevölkern. Plötzlich aber regt sich etwas im Schatten. Nur wenig entfernt von unseren Tischen hat sich eine Black-and-white Owl (Bindenhalskauz) im Schutz der Dunkelheit im anhaltenden Regen niedergelassen. Wir sind begeistert über diese letzte Sichtung des Tages. Und auch unsere Große kann sich schon wieder etwas freuen. Eulen zu sehen, ist immer etwas ganz Besonderes für uns. Und auch die Belegschaft ist sehr angetan. Diesen Vogel sehen sie seit Monaten wieder zum ersten Mal in der Nähe der Lodge.
Mit diesen Eindrücken geht es ins Bett und wir hoffen dabei, dass das Fieber bald vergangen sein wird.
Hallo Sascha, das sind sehr schöne und interessante Photos sowohl von der Bullet Ant als auch von der Eule. Wenns bisher nicht mit den Blattschneiderameisen geklappt hatte, so ist doch die Bullet Ant schön scharf abgebildet. Dazu meine Fragen: 1. Wie gross ist denn so eine bullet ant? Grösser als die Blattschneiderameisen und kann man sie eindeutig als solche identifizieren? Wäre ja blöd, wenn man sich ihr arglos nähert weil sie aussieht wie jede andere Ameise 2. Hast Du bei den Eulenphotos geblitzt? Falls nein, was waren deine ISO und Belichtungszeiten? Wie wurde die Eule so schön hell erleuchtet?
nun bin ich Euch mal schnell zur Laguna de Lagarto Lodge nachgereist und habe die letzten Tage aufgeholt. Wie auch schon zuvor, bin ich begeistert von Deinen Fotos und den vielen Sichtungen! Was für eine Vogelvielfalt dort! Die Bilder von den bunten Tukanen (auch beim Insektenfang), die putzigen Coatis und die Eule am Ende finde ich besonders klasse. Und über zu wenig Abenteuer könnt Ihr Euch ja auch nicht gerade beklagen. 😉 Erst die Krokodilgeschichte und dann noch Gewitter im Regenwald mit Schlangenkontakt in der Sturzflut. Da hätte ich aber auch geschrien. 😵 Ich hoffe nur, dass es Deiner Tochter bald besser ging! Da wir im Januar in der Nachbarlodge - Maquenque Eco Lodge - sind, interessiert mich dieses Kapital ganz besonders. Die Sichtungen dürften da ja (hoffentlich) ähnlich sein. Und Eure Lodge und den Königsgeier-Hide wollten wir auch besuchen. Daher danke für die Infos zum Preis. Werde die Lodge dazu mal anschreiben.
Ich finde das gestellte Frosch im Pilz Foto schon sehr besonders.
Da wir die Pfade im Regenwald der LL Lodge auch im April gewandert sind, bin ich unendlich froh, dass es bei uns nicht geregnet hat. Ich fand es ohne Regen schon genug Regenwald feeling. Die Schlange hätte mir den Rest gegeben. 🤩
Wir sind die Dschungelpfade in der Maquenque Lodge gegangen.. in der Trockenzeit.. das ist ja was für Mädchen im Vergleich zu eurem Ausflug! Allerdings war es bei uns wesentlich schwieriger einen Pfeilgiftfrosch zu finden. Das Schlangenerlebnis hätte ich definitiv nicht gebraucht… da ziehe ich einen gewissen Sicherheitsabstand vor. Aber „Hut ab“ vor euren Mädels. Toll, was die beiden mitmachen… das sind echte Abenteurer-Gene!
H.BadgerThemenstarter1’880 Beiträge · seit 201627. Sept. 2022 ·
Guten Tag zusammen, vielen Dank für eure Kommentare. Es macht mir großen Spaß, Costa Rica virtuell mit euch zu bereisen. Schön, dass der Bericht eine solche Resonanz erfährt.
@ JP K Hallo JP, vielen Dank für dein Fotolob! Wir freuen uns, dass dir die Bilder gefallen. Die Bilder der Bullet Ant (und auch die anderen Makroaufnahmen in diesem Kapitel) gehen auf das Konto meiner Frau. Eine Bullet Ant ist ca. 2 cm groß und damit deutlich größer als die Blattschneideameisen. Ich habe vorher nie eine so große Ameise gesehen und als Michael sie uns zeigte, wusste ich bereits, bevor er sie benannt hatte, um was für ein Tier es sich handelt. Für eine Ameise ist sie ein echter Riese. Die Fotos der Black-and-White Owl sind ohne Blitz entstanden. Das Licht hat Henri mit seiner starken Taschenlampe spendiert. Das erste Foto ist direkt von der Restaurantterrasse aus entstanden. Das zweite von der Plattform der zweistöckigen Unterkünfte links neben der Auffahrt zur Lodge. Dadurch war die Eule, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt hoch im Baum saß, auf Augenhöhe. Das erste Eulenbild ist mit f/4, 1/200 Belichtung und ISO 32000 aus der freien Hand aufgenommen. Das zweite Eulenbild ist mit f/4, 1/80 Belichtung und ISO 32000 aus der freien Hand aufgenommen.
@ tina76 Hallo Tina, schön, dass du uns in die Laguna del Lagarto Lodge nachgereist bist! Und vielen Dank für das Fotolob! Neben unserem Aufenthalt auf der Osa Halbinsel war unsere Zeit hier die abenteuerlichste auf der Rundreise. Ich denke auch, dass ihr auf der Maquenque Lodge ähnliche Beobachtungen machen könnt. Toll, dass ihr außerdem den Geier-Hide mieten wollt - das lohnt sich unbedingt. Der Mailkontakt mit der Lodge ist aber meiner Erfahrung nach nicht ganz zuverlässig. Bei meinem ersten Kontaktversuch kam gar keine Antwort, beim zweiten Anlauf klappte es dann mit Zeitverzögerungen. Jedoch war dann, als wir vor Ort waren, überhaupt nicht klar, dass wir vorab angefragt hatten... Zum Glück war das aber (nebensaisonbedingt?) kein Problem.
@ yp-travel-photography Hallo Yvy, es freut mich, dass dir die Aufnahme gefällt. Auch wir finden das Motiv schön, sind aber eher Verfechter möglichst natürlicher Aufnahmesituationen. In der Lodge wurden Makrosessions mit Fröschen und Schlangen angeboten und auch Kolibri-Shootings mit Zuckerwasserblüten. Wir haben auf beide Angebote verzichtet, auch wenn sicher tolle Aufnahmen dabei entstanden wären. Die beiden Belgier, mit denen wir viel Zeit verbracht haben, haben eine solche Makrosession gebucht und waren sehr begeistert. Aber unser Ding ist das einfach nicht so sehr. Natürlich wird auch durch die Anfütterung bei der Vogelbeobachtung von menschlicher Seite nachgeholfen - aber da kommen die Vögel immerhin freiwillig. Damit konnte ich ganz gut meinen inneren Frieden machen. 😉
@ leo1962 Hallo Birgit, ich leite das Feedback gern an meine Töchter weiter - sie werden bestimmt stolz sein. 🙂 Manchmal wären die zwei in den Ferien aber ehrlich gesagt lieber am Strand in Holland oder auf der heimischen Couch als im Dschungel oder im Busch... In den nächsten Osterferien dürfen sie dann wieder bestimmen, was wir unternehmen. Es wird wohl leider nicht die Trockenzeit in CR sein, die wir dann erleben werden. 😉
Ein herzlicher Gruß in die Runde (und ein Dank fürs Mitlesen und Danke-Drücken) Sascha
hahaha 😄 solch hohe Werte bleiben für mich als Olympus-Knipser ein unerreichbarer Traum.
Gabi-Muc2’203 Beiträge · seit 201627. Sept. 2022 ·
Hallo Sascha,
Manchmal wären die zwei in den Ferien aber ehrlich gesagt lieber am Strand in Holland oder auf der heimischen Couch als im Dschungel oder im Busch... In den nächsten Osterferien dürfen sie dann wieder bestimmen, was wir unternehmen. Es wird wohl leider nicht die Trockenzeit in CR sein, die wir dann erleben werden. 😉
So geht es mir mit meinen Söhnen auch. Wenn ich Afrika vorschlage, dann heißt es: schon wieder Afrika. Und ich könnte ständig dorthin reisen. 😉
LG
Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
H.BadgerThemenstarter1’880 Beiträge · seit 201628. Sept. 2022 ·
Kapitel 11: Abschied mit Aras
Unser letzter Morgen auf der Laguna del Lagarto Lodge bricht an. Der Tagesbeginn ist der immer gleiche. Bei Sonnenaufgang machen Teile von uns sich zur Vogelbeobachtung auf, unsere Große bleibt heute länger liegen und ruht sich aus. Neben einem House Wren (Hauszaunkönig) und einem Crested Guan (Rostbauchguan) als Neuzugang lassen sich ähnliche Vögel wie an den Vortagen sehen.
Vor allem die Halsbandarassaris können uns heute begeistern.
Einmal mehr zeigt sich ein Nasenbär auf dem Hang der zur Lagune hinunterführt. Nur mit Flipflops beschuht, versuche ich mich ihm zu nähern. Der Coati klettert in einen Baum und blickt mich neugierig an.
Plötzlich rächt es sich, dass ich kein festes Schuhwerk trage: Flipflops sind auf schlammigem und schrägem Untergrund keine gute Wahl. Ich gleite aus und lande einmal mehr auf dem Hinterteil – und auch die Kamera ist wieder paniert… 😣 Ob der Coati mir eine lange Nase gemacht hat? Ich kann mich nicht mehr erinnern.
Also erneut säubern – hier habe ich ja bereits Übung. Für unsere Ausrüstung ist der Urlaub ein echter Härtetest. 😈
Das Frühstück wird heute in Buffetform angeboten, weil mehr Gäste anwesend sind. Die Qualität im Vergleich zu den Vortagen ist leider mies – alles ist entweder lauwarm, vertrocknet oder verkocht – und so sind wir schnell mit der ersten Mahlzeit des Tages durch. 😵
Zum Glück ist es nach dem Dauerregen des gestrigen Nachmittags und Abends heute wieder weitgehend trocken. Und so breche ich nach dem Frühstück zu einem kleinen Ausflug in den Regenwald auf. Mein Ziel ist der gestern von Michael beschriebene Beobachtungsort für den Red-capped Manakin (Gelbhosenpipra). Dieser Vogel ist berühmt für seine expressiven Balztänze, die an Michael Jacksons Moonwalk erinnern sollen. Eine ganze Zeit halte ich mich auf der kleinen Lichtung auf, die etwa 500 Meter von der Lodge entfernt gleich neben dem Trail liegt. Wenn man allein mitten im Wald steht, schärfen sich die Sinne. Plötzlich erschallt ein wiederholtes hustendes Grunzen – gar nicht weit entfernt. Das macht mich doch etwas nervös... Der Verursacher zeigt sich mir nicht – vielleicht auch besser so. Noch näher sind mir zahlreiche und nervende Moskitos. 😵 Wie aus dem Nichts erscheint plötzlich ein Red-capped Manakin und setzt sich auf seinen Präsentationszweig. 🙂 Und schon beginnt er mit seinem wirklich beeindruckenden Balztanz, der fotografisch so gar nicht festzuhalten ist – die Bewegungen des Vogels sind zu schnell, die Lichtverhältnisse zu schlecht. Und außerdem vermag ein Einzelbild das ganze Spektakel auch kaum wiederzugeben. Hier ist trotzdem eines:
Zufrieden kehre ich zur Lodge zurück – begleitet von einer großen Bremse, die sich nicht abschütteln lässt und der mein Repellent total egal zu sein scheint, sticht sie doch am liebsten in kurzen Abständen durch den Stoff meines T-Shirts. Erst meine Frau kann mich von dem lästigen Begleiter endgültig befreien. 😈
Der heutige Morgen hat noch mehr zu bieten, was uns den Abschied von der Lodge schwerer macht. Bald lassen sich zwei Scharlacharas im Garten nieder und stillen lautstark ihren Hunger. Wir sind begeistert von den prächtigen Vögeln und können ihnen erstaunlich nah kommen, ohne dass sie sich von uns stören lassen.
Als dann Carlos uns zuruft, dass sich in einem Baum neben dem Restaurant zwei Soldatenaras niedergelassen haben, ist der Morgen so ziemlich perfekt.
Zuerst sind sie noch ziemlich weit oben, wenig später gesellen sie sich aber zu ihren roten Verwandten, was nicht lange gut geht. Die Scharlacharas haben keine Lust auf ihre grüne Nahrungskonkurrenz. Und so gelingen von den Soldatenaras nur wenige Nahaufnahmen.
Als sich beide Arten auf den Weg zurück in den Wald machen, gelingt meiner Frau ein schöner Schnappschuss mit dem Makroobjektiv: Grün und Rot auf einem Foto im Fluge vereint.
Noch einmal werden wir auf ein Tier hingewiesen, dass wir ansonsten nie als solches erkannt hätten: Neben dem Restaurant sitzt eine Stabschrecke von etwa 30 cm Länge in einem kleinen Baum. Die Tarnung ist hier wirklich perfekt. Daher ist das Foto auch wenig spektakulär – ein Ast unter Ästen. Das Tier aber ist absolut faszinierend.
Und dann heißt es Abschied nehmen von der schönen Vogel-Lodge am Ende der Welt. Unsere Koffer und Kleidung haben wir wieder mit einigem Aufwand weitgehend ameisenfrei machen können und nun verladen wir sie bei einsetzendem Regen in den Kofferraum. 88 Kilometer müssen wir heute bis zum Fuße des Vulkans Arenal zurücklegen. Von der Strecke bleibt wenig in Erinnerung. Zuerst geht es über die Schlaglochdirtroad gen Süden und schließlich auf den Corredor Noratlántico gen Westen.
Am frühen Nachmittag checken wir bereits im Miradas Arenal Hotel & Hot Springs ein. Der Empfang ist etwas kühl, die gepflegte kleine Anlage, die etwas außerhalb des trubeligen Touristenorts La Fortuna liegt und sich wohltuend von den an Las Vegas erinnernden Portalen so manches Hotelkomplexes abhebt, weiß mit ihren knapp über 10 kleinen Häuschen, einem kleinen Pool und einer angrenzenden heißen Quelle aber zu gefallen. Der Vulkan selbst ist heute schüchtern und verbirgt sich hinter dichtem Grau. Ob wir ihn überhaupt zu sehen bekommen werden? Laut Reiseführer sieht wohl durchschnittlich nur jeder zweite Besucher den ganzen Vulkankegel. Und da ist die Trockenzeit mit eingerechnet… Wir wetten: Kinder und Vater sind skeptisch, Mutter ist Optimistin. Die Zukunft wird zeigen, wer hier Recht behalten soll. Erstmal entspannen wir in Garten und Häuschen. Unsere Große möchte auch noch etwas gepflegt werden.
Zum Ende des Tages genießen wir die (wirklich sehr!) heißen Quellen, die im Hotel – typisch für La Fortuna – in einen Pool geleitet werden und essen auf der schönen Terrasse des Hotelrestaurants wirklich sehr schmackhaft zu Abend. Theoretisch hätte man von hier einen Premium-Vulkanblick, aber zu der dichten Bewölkung hat sich nun auch die Dunkelheit dazugesellt. Gut gesättigt schlüpfen wir schließlich in die großen Betten unseren Familien-Häuschens. Hier ist alles sehr sauber und gepflegt. Es gibt sogar eine Klimaanlage. Eine schöne Abwechslung zum rustikalen Charme der Laguna del Lagarto Lodge. Zivilisation - du hast uns wieder! 😛
Im nächsten Kapitel geht es weiter mit unseren Erlebnissen rund um den Vulkan Arenal. Der Tag wird unter dem Motto „Eigentlich hätten wir…, aber dann…“ stehen. 😎
Red-capped Manakin - ja, sehr coole Sichtung! Das Vögelchen ist nun wirklich nicht jedem vergönnt zu sehen, und noch weniger können es fotografieren. Allerdings war das white-collared manakin, das ich gesehen hatte wohl noch schwieriger zu fotografieren, weil es sich von Baum zu Baum schoss in einer irren Geschwindigkeit.