BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201625. Juni 2019 ·
In der Ruhe liegt die Kraft
Es ist unser letzter voller Tag in El Calafate, und nach zwei gebuchten Touren in Folge freuen wir uns, relativ planlos unterwegs zu sein. Dennoch machen wir uns mit der gut erholten "Schrottkarre" bewusst früh auf den Weg, um der Masse vorweg zu fahren. Das hat sich bisher auf all unseren Reisen rentiert und so ist es auch diesmal.
Kurz hinter der Stadtgrenze ist das Vogelreservat Laguna Nimez, das wir schon aus dem Busfenster erspäht hatten, unser erster Stopp. Dort sind viele Wasservögel beheimatet, darunter Flamingos, sie sind allerdings scheu und bleiben auf Distanz.
Der Lago Argentino taucht seine Umgebung in ein unwirkliches Blau und das Wetter verspricht nochmal besser zu werden als am Vortag.
Kurz nach Öffnung des Nationalparks um 8 Uhr sind wir am Eingang, bezahlen den Eintritt (ca. 20 Euro p.P.) und rollen gemächlich durch den stillen Wald mit einigen schönen Aussichtspunkten.
Das Boot, das uns am Vortag zum Ice Trekking gebracht hat, ist schon wieder fleißig bei der Arbeit. 🙂
An einem Picknickplatz entdecken wir einen jungen Caracara, er plärrt nach Futter und die Eltern wirken leicht gestresst. 😉
Die großen Parkplätze am Ende der Straße sind noch menschenleer, und auch auf den Wegen und Aussichtsplattformen mit Blick auf den Perito Moreno sind wir fast allein.
Es ist herrlich still, nur von Zeit zu Zeit kracht und knarzt es im Eis. Platzt ein großes Stück ab, klingt es jedes Mal wie eine heftige Detonation.
29 Kilometer ist der Perito Moreno lang und 5 Kilometer breit, die Wege führen auf unterschiedlichen Ebenen und im Zickzack an der Front des gigantischen Gletschers entlang. Der höchste Punkt ragt 75 Meter aus dem Wasser heraus.
Der Ausblick von den "Balcones" ist schlichtweg imposant. Wir betrachten die jahrtausendealte Eiswüste aus allen möglichen Winkeln ...
... und werden auch abseits davon bestens unterhalten.
Am Mittag wird es spürbar voller, ganze Busladungen ergießen sich auf die Plattformen. Ein Platzproblem gibt es nicht, denn die Balkone sind riesig, doch mit der ganz großen Ruhe ist es vorbei. Nach drei Stunden ohnehin vom auffrischenden Wind durchgepustet, brechen wir schließlich auf.
Auch auf dem Rückweg lassen wir uns wieder viel Zeit. Der junge Caracara tyrannisiert weiter seine Eltern und wagt erste Flugversuche, jedoch ohne weit zu kommen.
Zurück in El Calafate bummeln wir durch den Ort, machen einige Besorgungen, besuchen ein Cafe und später ein Restaurant - kurzum, lassen es uns gutgehen. Wäre ich nicht schon ein Fan großzügiger Zeitpläne, dann wäre ich es auf dieser Reise geworden: Wir müssen zwischenzeitlich zwingend entschleunigen, um nicht von den vielen Eindrücken erschlagen zu werden. Zumal das nächste große Kapitel auf uns wartet: Am nächsten Tag geht es weiter nach El Chalten.
deine Bilder sind einfach nur genial! Die tollen Landschaftsaufnahme wecken Sehnsüchte und machen Lust auf mehr. Für mich hast du aber heute eindeutig mit den Caracara-Aufnahmen den Vogel abgeschossen!
ich bin begeistert von Deinem Reisebericht und Deinen Fotos. Wahnsinn. Patagonien, das könnte auch ein Reiseziel für uns werden. Dort gefällt es mir ausgesprochen gut. Wie war denn eigentlich so die Temperatur? Und wie oft hattet Ihr Regen?
LG
Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
Hallo Bettina, bei der momentanen Hitze ist es eine Wohltat deine tollen Fotos von Eisbergen zu bewundern. Schon der Anblick erfrischt. Mache weiter so mit deinem Bericht. LG Lothar
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201626. Juni 2019 ·
Hallo ihr Lieben,
Daxiang schrieb:Für mich hast du aber heute eindeutig mit den Caracara-Aufnahmen den Vogel abgeschossen!
Sprichwörtlich, Konni 😄 😄 Vielen Dank, das war eine tolle Situation, das haben wir auch so empfunden.
Gabi-Muc schrieb:ich bin begeistert von Deinem Reisebericht und Deinen Fotos. Wahnsinn.
Danke, Gabi!
Gabi-Muc schrieb:Patagonien, das könnte auch ein Reiseziel für uns werden. Dort gefällt es mir ausgesprochen gut.
🤪 🙂
Gabi-Muc schrieb:Wie war denn eigentlich so die Temperatur? Und wie oft hattet Ihr Regen?
Keine leichte Antwort. Je nachdem. Du meinst nur in Patagonien, richtig? Viel hängt vom Wind ab. Ist er da, ist er meist frisch. Wir hatten erstaunlich wenig Wind. Die Durchschnittstemperatur liegt im Januar bei 11 Grad, wir hatten es oft (tagsüber) viel wärmer. Oft Sonne, kaum Wind, dann waren wir bei 15, manchmal sogar bei 20 Grad. Wie du an den Klamotten auf den Fotos siehst, hatte ich eine dünne Daunenjacke dabei und vorsorglich noch oft eine Fleecejacke im Gepäck, die ich selten noch zusätzlich angezogen habe. Auf den (schnelleren) Bootsfahrten aber zum Beispiel, wenn der Fahrtwind pfiff. In El Chalten hatten wir teilweise T-Shirt-Wetter. Thomas' etwas dickere Daunenjacke war ihm oft zu warm. Aber das soll auch anders sein können, haben wir immer wieder gehört. Regen hatten wir einen ganzen Tag in Feuerland, Schauer/Sonne im Wechsel auf dem Weg nach Punta Arenas, einen Abend/Nacht in Torres del Paine (Tagesaktivität fand aber bei gutem Wetter statt), etwas Nieselregen zwischendurch bei der Gletscherwanderung am Perito Moreno (nicht der Rede wert) und einen halben Tag in El Chalten (halber Tag heftiger Regen, dann strahlend blauer Himmel). Insgesamt wechselten sich Wolken und Sonne oft innerhalb kürzester Zeit ab. Ich hatte es mir im Vorfeld deutlich winterlicher und verregneter vorgestellt, das war es nicht!
Elde schrieb:bei der momentanen Hitze ist es eine Wohltat deine tollen Fotos von Eisbergen zu bewundern. Schon der Anblick erfrischt.
Geht mir auch so, Lothar, ich könnt mich grad auf das Eis drauflegen. 😣 Aber morgen soll es ja etwas abkühlen, zumindest bei uns hier oben in Hamburg.
ich meinte eigentlich so Eure gesamte Reise. Nachdem ich mich mit dem Land noch nicht beschäftigt habe, ist mir nicht ganz klar, was zu Patagonien gehört und was nicht. Vielleicht habe ich vor etlichen Jahren in Erdkunde nicht vernünftig aufgepasst. 😉
Wie ist denn das Wetter zu den anderen Jahrenszeiten?
LG
Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201627. Juni 2019 ·
Gabi-Muc schrieb:ich meinte eigentlich so Eure gesamte Reise. Nachdem ich mich mit dem Land noch nicht beschäftigt habe, ist mir nicht ganz klar, was zu Patagonien gehört und was nicht. Wie ist denn das Wetter zu den anderen Jahrenszeiten?
Ah! Also dann ergänzend: Buenos Aires: Sehr warm bis sehr heiß (+25 - +32), nur Sonne, Hochsommer; Feuerland und Patagonien (manchmal wird Feuerland auch zu Patagonien gezählt, die Grenzen sind nicht klar definiert) wie oben beschrieben; einmal Regen auf der Fahrt in den Torres del Paine hatte ich unterschlagen; Atacama-Wüste: trocken und sonnig; tagsüber warm bis sehr warm (je nach Höhe), frühmorgens an den Geysiren (kommt im RB noch) in großer Höhe sehr, sehr kalt (Wüstenklima). Zu anderen Jahreszeiten kann ich nichts sagen, vielleicht jemand anders??
Patagonien beinhaltet alles was südlich von ca. Bariloche liegt, und zwar sowohl in Argentinien wie auch in Chile.....also eine länderübergreifende Region. Das Wetter im südlichen Patagonien, vor allem in der Nähe der Cordillera kann sich im Stundentakt ändern.....wir sind des öfteren in den "Genuss" von "4-Jahreszeiten-Tage" gekommen, also alles zwischen hellen Sonnenschein und Schneegestöber! Der Grund hierfür ist der zirkumpolare Westwind der eigentlich ständig weht und ausserordentlich stark sein kann. Da es in Antarktisnähe keine anderen Landmassen ausser Patagonien gibt, trifft der Wind immer ungebremst auf diese Region. Der starke Wind sorgt für ständige Wetteränderungen und zaubert des öfteren sehr dramatische und abwechselungsreiche "Himmelschaften" hervor.....wie auch sehr beeindruckend auf vielen eurer (Bettina & Thomas) Bilder zu sehen! Die Region um Bariloche ist wegen des schneesicheren Winters DAS Skigebiet der südlichen Halbkugel schlechthin.
Besten Gruss, Ulli
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
@ Bettina: wirklich großartige Eindrücke - vielen, vielen Dank dafür! @ Gabi: ich kann noch die erlebten Hochsommer-Temperaturen (Anfang Februar 2019) von BA und den Regionen Salta und Jujuy mit einbringen -> Buenos Aires zw. 25-30 Grad; in Purmamarca im Nord-Westen Argentiniens: 3 Tage bewölkt und regnerisch bei 8-12 Grad, Salta ca. 22 Grad; Cachi rd. 28 Grad, Cafayate 27-30 Grad an 4 Tagen. Also auch im deutlich gemäßigteren Norden können die Temperaturen ganz ordenlich variieren 😉
bei der Hitze bei uns im Süden würde ich mich jetzt doch glatt an euren Gletscher beamen 🤩 🤪 ! Und die tollen Sichtungen gleich mitnehmen. Freue mich auf eine weitere Erfrischung!!!!!
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201627. Juni 2019 ·
Ihr Lieben,
1.000 Dank an @Ulli und @Oliver für die hilfreichen und kompetenten Ausführungen/Ergänzungen! 🙂
jaffles schrieb:bei der Hitze bei uns im Süden würde ich mich jetzt doch glatt an euren Gletscher beamen 🤩 🤪 ! Freue mich auf eine weitere Erfrischung!!!!!
Hi Claudia, da bist du ja wieder 🙂 Schön, schön! So ging's mir bis gestern auch, aber zumindest hier oben in HH ist es heute regelrecht frisch 😮 Insofern passt es ganz gut, dass es im RB jetzt auch immer weniger eisig wird...
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201627. Juni 2019 ·
Im Rausch der Farben
El Chalten macht mich glücklich, bevor wir auch nur annähernd da sind. Viel Regen, viele Stürme, wenige Sonnenstunden - nicht nur, aber auch das hatte ich im Vorfeld über den Ort gelesen. Die bange Frage lautete also: Würden wir den berühmten Fitz Roy überhaupt zu sehen bekommen? Die Antwort fällt erfreulich aus und wird zudem völlig unerwartet schon während der Fahrt geliefert.
Nur rund 215 Kilometer sind es von El Calafate nach El Chalten. Einst muss die Strecke eine echte Herausforderung gewesen sein, heute ist die schlechte Schotterpiste längst einer Asphaltstraße gewichen, die nicht nur makellos ist, sondern auch wenig befahren. Die Strecke führt zunächst am Lago Argentino entlang und dann Richtung Norden.
Wir sind noch nicht lange unterwegs, da erspähe ich eine Silhouette am Horizont, die mir irgendwie bekannt vorkommt. Als der Groschen fällt, bin ich ganz aufgeregt, denn vor uns - wenn auch noch zig Kilometer entfernt - sehen wir den Gipfel des Fitz Roy in den blauen Himmel ragen. Meine Angst ist so groß, dass er im unbeständigen patagonischen Wetter plötzlich auf Nimmerwiedersehen verschwindet, dass Thomas alle paar Kilometer Fotos machen muss. 😵
Die Befürchtung erweist sich allerdings als unbegründet, denn das Wetter wird immer besser. Auch landschaftlich ist die Fahrt, die erst am Lago Argentino und dann am Lago Viedma entlangführt, eine Sensation.
Der Blick über die Gletscherseen ist spektakulär.
Wir kommen wieder einmal nur langsam voran, denn an den Aussichtspunkten legen wir viele längere Stopps ein und versuchen die Eindrücke in uns aufzusaugen.
Kaum ein anderes Auto begegnet uns auf dem Weg durch die unendliche Weite der patagonischen Steppe: Die Provinz Santa Cruz ist eine der am dünnsten besiedelten Regionen der Welt.
Schließlich führt die Straße schnurstracks auf die Berge zu. Ich platze fast vor Euphorie, schaue rüber zu Thomas und sage nur: "Happy Betti!" Unser Code dafür, dass mein Stimmungsbarometer am obersten Limit angekommen ist - mehr geht nicht.
Kurz vor El Chalten, nach rund dreieinhalbstündiger, gemächlicher Fahrt, sind wir wieder im Los Glaciares Nationalpark - allerdings ein ganzes Stück nördlicher als zuvor bei El Calafate.
El Chalten ist ein kleines Dorf mit nur knapp 2.000 Einwohnern, die im Einklang mit der Natur und vom Tourismus leben. Seine exponierte Lage mitten im Bergmassiv und der direkteste Zugang zum Cerro Torre und Fitz Roy machen den Ort zum Wanderparadies. Fast ausschließlich Individualtouristen und Einheimische, die sich aus bergverliebten Kletterern, Wanderern und Aussteigern zusammensetzen - ich mag die Atmosphäre sofort.
Unser Hotel direkt am Ortseingang ist schnell gefunden, uns gefällt der rustikale, urige Stil mit viel Holz und gemütlicher Sofaecke im Erdgeschoss. Sie erweist sich in den nächsten Tagen - ähnlich wie Lagerfeuer in den Camps in Afrika - als sozialer Treffpunkt, hier kommen wir abends mit den anderen Gästen ins Gespräch und erhalten manch wertvollen Tipp.
Am frühen Nachmittag nehmen wir eine ersten kleine Wanderung in Angriff, die unweit unseres Hotels am Besucherzentrum startet. Sie ist nur wenige Kilometer lang und führt zu zwei Aussichtspunkten. Das Wetter ist weiterhin so gut, dass wir vom "Mirador Los Condores" nicht nur die namensgebenden Andenkondore vor den Granitfelsen des Fitz Roy beobachten können, ...
... sondern sich sogar der "Cerro Torre" zeigt. Ein seltenes Vergnügen, er soll so gut wie immer verborgen sein. Selbst an diesem herrlichen Tag präsentiert er sich immer nur minutenweise, um dann gleich wieder zu verschwinden.
Der Cerro Torre mit seiner berühmten Eiskappe. Unter Bergsteigern gilt der über 3.000 m hohe Berg mit seinen steil aufragenden, glatten Granitwänden und dem vereisten oberen Bereich als einer der schwierigsten und zugleich schönsten Gipfel der Welt.
Es ist nicht sehr weit bis zum zweiten Aussichtspunkt. Der "Mirador Aguilas" eröffnet den Blick wie von einem natürlichen Balkon in die entgegengesetzte Richtung. Der Gegensatz könnte krasser nicht sein, doch auch die Aussicht auf das karge Umland, den Lago Viedma und die grünen Berge besitzt einen ganz eigenen Reiz.
Es ist ein perfekter Start in El Chalten und wir hoffen, dass das Wetter auch in den nächsten Tagen einigermaßen durchhält.
Meinem Bein geht es besser, die Wanderpumps stehen bereit - am nächsten Tag steht die erste längere Tour auf dem Programm.
Old Women1’557 Beiträge · seit 201328. Juni 2019 ·
Hallo happy Betti,
ihr habt aber auch ein Glück mit dem Wetter gehabt. Den Fitz Roy in seiner ganzen Pracht gleich auf der Anfahrt, das schafft so mancher nicht einmal in einer Woche. Das hat bestimmt richtig Spaß gemacht und hat sicherlich viele Glückshormone freigesetzt 🙂 . Ein perfekter Tag. Mit euren Aktivitäten habt ihr bei mir und meinem Mann eine ziemlich lange Diskussion in Gang gesetzt. Wie du vielleicht weißt, mussten wir irgendwo kürzen und haben uns dann entschieden, da wir ja von Norden kommen, erst 4 Nächte in El Chalten, dann leider nur 2 Nächte in El Calafate und danach 4 Nächte im Torres del Peine zu verbringen. 4 Nächte im Torres del Peine sind natürlich gesetzt. Die Fahrt von El Calafate nach El Chalten scheint mir ja recht entspannt, so dass man fast noch einen zusätzlichen Tag dort hätte, jedoch tendiere ich z.Z. dazu, unser Programm noch einmal zu verändern und zwar wie folgt: 3 Nächte El Chalten, 3 Nächte El Calafate. Eure beiden Tagesausflüge hatte ich auch schon in der Vorbereitung herausgesucht, und irgendwann demnächst hätten wir dann entschieden, welchen wir davon machen wollen, denn beide gehen ja bei 2 Nächten Aufenthalt nicht. Aber: jetzt kann ich mich nicht entscheiden 😐 und werde mir etwas einfallen lassen müssen 😕 . Was denkst du, Bettina? Ach, das ist jetzt eine ganz blöde Frage und du wirst darauf natürlich nicht antworten können 😠 . Einmal im Leben auf einem Gletscher zu laufen, das hat schon etwas, und die Tour zur Estancia Cristina fand ich vom Panorama her sensationell. So viele Gegensätze. Das war dann wohl die 4x4 Tour ohne Essen? Genau diese Tour fand ich nämlich am interessantesten.
Schreib schnell weiter, am Wochenende wird es wieder tierisch heiß 😮 . Da kann man ganz wunderbar mit den Füßen in einer Wanne am Computer sitzen 😈 .
Liebe Bettina, da glaubt man es kann nicht mehr besser werden - und dann …. du toppst täglich das bereits Gesehene 🤩 . Unglaublich, diese Landschaft, diese Ruhe, keine Menschenseele weit und breit. All das kommt zu Hause sowas von an, dass man sich am liebsten sofort dorthin beamen möchte. HAPPY BETTI - ich hätte ununterbrochenes Dauergrinsen 🤩 🙂 🙂
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201628. Juni 2019 ·
Guten Abend ihr Lieben,
Old Women schrieb:Mit euren Aktivitäten habt ihr bei mir und meinem Mann eine ziemlich lange Diskussion in Gang gesetzt. Was denkst du, Bettina? Ach, das ist jetzt eine ganz blöde Frage und du wirst darauf natürlich nicht antworten können
Gar nicht blöd, Beate, und ich hab auch eine ziemlich klare Meinung (aber natürlich ohne Gewähr 😉 ): Ich bin für 4 N Torres del Paine und die anderen beiden aufteilen 3 + 3 3 N El Calafate: 1 Tag Gletscherwanderung und Perito Moreno von den "Balcones" gucken + 1 Tag Estancia Cristina. Am Tag Gletscherwanderung/Perito Moreno könnt ihr ja vielleicht mit dem eigenen Auto hinfahren und nicht den inkludierten Transport nutzen, müsste man klären; dann habt ihr Gelegenheit, nochmal länger am Perito Moreno rumzulaufen als nur die 1 Stunde: es sind ja lange Tage und bleibt lange hell. 3 N El Chalten: 1 Tag Wanderung Laguna Torre + 1 Tag Wanderung de los Tres (z.Bsp.) Der Weg nach El Calafate ist so gut und zügig zu fahren, dass ihr sogar theoretisch noch locker am Morgen der Weiterfahrt die beiden Miradores machen könnt (2 - 2,5 Stunden). Alternativ bei eurer Ankunft in El Chalten (wie gesagt, lange hell). Es ist ja eher unwahrscheinlich, dass ihr am Tag der Fahrt nach El Calafate auch noch zum Perino Moreno fahrt, das ist ja nochmal 80 km weit weg (one way). Obwohl - gehen würde auch das. Du siehst, manche Aktionen brauchen natürlich einen vollen Tag (Estancia Cristina etc.). Aber weil es so lange hell ist, geht auch immer noch an Reisetagen richtig viel. Insofern habt ihr schon noch viele Möglichkeiten, nur sind die "Reservetage" weniger und das Programm ist ggf. etwas voller. Aber für mein Empfinden immer noch ziemlich entspannt machbar. Ich habe übrigens gesehen, dass wir sogar 5 Nächte in El Chalten waren. Hatte mit den Flügen nach Buenos Aires zu tun. Das hab ich erstmal vorne in der Auflistung korrigiert 😮
Oliver74 schrieb:SENSATIONELL!!! Fitz Roy und den Cerro Torre - diese einzigartigen Berge in dieser Stimmung zu sehen - ein Traum. Zum Cerro Torre gibt es einen unglaublichen Film mit David Lama (der leider heuer verunglückt ist)
Das war es in der Tat, danke für deine Begeisterung, Oliver - und auch für den Film. Ich kannte ihn schon, der Hammer, aber natürlich sehr traurig, dass David Lama verunglückt ist. Das wusste ich nicht!
Euch ein schönes Wochenende und bis demnächst, Bettina
franzicke2’085 Beiträge · seit 201230. Juni 2019 ·
Hallo happy Betti - heute wahrscheinlich busy Betti? hier wird's heute mal ein lazy Sunday nach einer vollen Woche und einem sehr feier-lastigen Start ins heiße Wochenende. Damit auch endlich ein bisschen Zeit, die Patagonien-Reise mit euch fortzusetzen (und die eigenen Pläne weiterzuspinnen). Hab ich schon erwähnt, wie viel Glück ihr auf der Strecke hattet - einfach phantastisch die Farben, wenn Himmel, Gletscher und Seen aufeinandertreffen. Also - ich könnte heute noch einen weiteren Tag verarbeiten 😎 Ganz liebe Grüße Ingrid
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201601. Juli 2019 ·
Mystische Laguna Torre oder: Bye-bye Wanderpumps
Es gibt unzählige Wandertouren in El Chalten. Zum Start gehen wir einen echten Klassiker an, die Tour zur Laguna Torre. Die Wetterprognose klingt gut, und so nehmen wir nach dem Frühstück die insgesamt rund 22 Kilometer, für die sieben Stunden veranschlagt werden, gut gelaunt in Angriff.
Der Weg führt zügig aus dem Ort heraus nordwärts. Auf den ersten Kilometern geht es sanft, aber stetig bergauf, es sind jedoch insgesamt keine großen Höhenunterschiede zu überwinden.
Die Strecke ist wunderschön. Wir sind früh dran und noch sind außer uns kaum andere Wanderer unterwegs.
In einem kleinen Waldstück entdecken wir ein Magellanspecht-Weibchen. Ich beobachte es fasziniert und so dauert es eine Weile, bis ich das permanente, penetrante Geräusch um uns herum registriere.
Ein paar Meter weiter wird das durchdringende Gezeter immer lauter, und der Verursacher linst unweit des Weges vorwitzig aus seiner Baumhöhle.
Wir setzen uns auf einen Baumstamm und harren der Dinge, die da kommen mögen. Der kleine Kerl mit Sturmfrisur veranstaltet ein Heidenspektakel ...
... und endlich, wir haben schon fast eine halbe Stunde gewartet, lässt sich die Mutter erweichen und füttert ihren ungeduldigen Filius.
Die Aktion ist leider schnell vorbei. Die Mutter fliegt davon, der kleine Specht zieht sich in seine Höhle zurück. Wir warten weiter ab, doch bis auf das unentwegte Krakeelen aus dem Baumstamm war's das mit der Show.
Weiter geht es durch die abwechslungsreiche Landschaft. Wir laufen durch offenes Gelände mit vielen Aussichtspunkten, urwüchsigen Wald und ein weites Tal, am Fluss Fitz Roy entlang, die Berge vor uns immer im Blick.
Zuletzt müssen wir die Gletschermoräne überwinden.
Und dann sind wir da. Vermutlich war der Cerro Torre, der nun direkt vor uns liegt, am Vortag zumindest für einige Momente zu sehen. Doch obwohl es sonnig geworden ist, versteckt er sich an diesem Tag - wie beinahe immer - in den Wolken. Er ist verflixt scheu, dieser Berg.
Die Aussicht ist dennoch grandios. Der grüne See, die Berge dahinter und der leuchtende Glaciar Grande verfehlen ihre Wirkung nicht - es ist eine beinahe mystische Atmosphäre.
Wir machen ausgiebig Rast und picknicken, erst als es immer voller wird, kehren wir um. Auf dem Rückweg kommen uns viele Wanderer entgegen und wieder sind wir froh über unseren relativ frühen Start am Morgen.
Wir laufen einige Kilometer gemeinsam mit einem älteren Ehepaar aus Südafrika, das seit fast ein Jahr mit seinem kleinen Wohnmobil durch Südamerika tourt. Beide sind sehr nett und haben faszinierende Geschichten auf Lager. Heimweh haben sie nicht, aber demnächst, so erzählen sie, wollen sie wieder einmal in die Heimat reisen, um ihre Enkelkinder zu sehen. Was sie danach machen, wissen sie noch nicht. Irgendwie macht es mir immer Mut, wenn wir solch spannende Menschen auf unseren Reisen treffen ...
Bei dem kleinen Magellanspecht legen wir noch eine Pause ein. Er ist zwar nicht zu überhören, lässt sich jedoch nicht noch einmal blicken.
Ich bin begeistert von der Tour, allerdings zuletzt auch maulig: An einem meiner Wanderschuhe hat sich die Hartschale verformt und drückt nun unentwegt gegen den Knöchel, der höllisch schmerzt. Ich denke, dass die Steigeisen am Perito Moreno das Problem ausgelöst haben, was letztlich auch egal ist, denn zu ändern ist es nicht mehr.
Ich würde am liebsten barfuß gehen und quäle mich auf den letzten Metern ins Ziel. Nach fast zehn Stunden zurück am Hotel, fliegen die nichtsnutzigen Treter - die mir allerdings jahrelang gute Dienste geleistet haben - im hohen Bogen in den Müll. Auf Nimmerwiedersehen! Dumm nur, dass ich nun gerade noch zwei Paar Schuhe in petto habe - wenig wandertaugliche Flip Flops und Turnschuhe. Ob ich damit auf unseren nächsten Trips weit komme? 😣
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201603. Juli 2019 ·
Das Kind muss an die frische Luft
Mit steifen Gliedern schleppe ich mich am Morgen die steile Treppe in den Gastraum hinunter zum Frühstück. Die über 20 Kilometer vom Vortag stecken mir in den Knochen, und so bin ich beim Aufwachen nicht unglücklich, dass heftiger Regen aufs Dach prasselt. Ein fauler Tag kommt mir zumindest nicht ungelegen - ich bin mit mir und der Welt im Reinen, als ich mich mit meinem Buch in der Sofaecke lümmle. Draußen ist es finster und schüttet wie aus Eimern. Irgendwie schade, aber auch ziemlich gemütlich.
Gegen Mittag wird das Prasseln erst sachter und verstummt dann ganz, die Wolken hängen nicht mehr tintenschwarz über uns. Thomas wird unruhig, ich nicht. Doch ich sehe (zunächst etwas widerstrebend) ein, ich muss meine Sofaecke verlassen. Schließlich entstammt Hape Kerkeling nicht nur meiner Generation, sondern auch meiner Heimatstadt. Sein Buch "Der Junge muss an die frische Luft" ist ein Abklatsch meiner Ruhrpott-Jugend. Und so geht es mir wie ihm: Spielt das Wetter mit, insistieren meine längst verstorbenen Vorfahren aus den Tiefen meines Unterbewusstseins "Kind, du musst an die Luft!" Das steckt so in mir drin, da kann ich nicht aus meiner Haut; bis heute nicht und wohl auch nie mehr. (Heute kommt allerdings zusätzlich zum Wetter- natürlich auch noch der Zeitfaktor hinzu. Wie man das Problem mangelnder Luft in Zeiten intensiver Arbeitstage löst, wurde mir leider nicht mit auf den Weg gegeben.)
Nach allzu großen Sprüngen ist mir in Anbetracht meiner schmerzenden Knochen und Muskeln trotzdem nicht, und wir entschließen uns zu einer kleineren Wanderung, die wir ohnehin als "Joker" im Hinterkopf hatten. Sie beginnt beim Lago Desierto, einem See direkt bei der chilenischen Grenze, der noch bis vor einigen Jahren eine wesentliche Rolle im letzten Grenzkonflikt zwischen Chile und Argentinien spielte.
Knapp 40 Kilometer sind es auf einer abenteuerlichen Schotterstraße dorthin, die nicht nur äußerst holprig und zuweilen steil, sondern nach den starken Regenfällen auch stellenweise überflutet ist. Weil unsere kleine "Schrottkarre" aber offenbar bei ihrer Montage in einen Topf Zaubertrank gefallen ist und zudem glaubt, ein erstklassiger Jeep zu sein, meistern wir alle Hürden mit Bravour.
Die Natur an dieser einsamen Strecke ist beeindruckend. Wir fahren parallel zum Fluss, der nach dem Regen etwas aus dem Ruder gelaufen ist, durch einen märchenhaften Wald und kommen immer wieder direkt an Wasserfällen vorbei.
Die Straße endet als Sackgasse an einem Campingplatz. Der Lago Desierto liegt inmitten des patagonischen Waldes und einmal mehr fühlen wir uns ans Ende der Welt versetzt. Hier startet unsere Wanderung zum Glaciar Huemul, der benannt ist nach einer seltenen Andenhirschart, die wir leider nicht zu Gesicht bekommen.
Fast die gesamte Region ist in Privatbesitz, weshalb wir einen kleinen Obolus entrichten müssen, bevor wir am Campingplatz vorbei in den Buchenwald verschwinden. Er ist märchenhaft, wild und ungezähmt, und weil es immer weiter aufklart, scheint nun auch die Sonne durch die knorrigen alten Bäume.
Ich komme ins Schwitzen, denn der Weg hinauf zum Gletscher ist zwar nur wenige Kilometer weit, allerdings auch steil und schmal. Zum Glück erweisen sich meine Turnschuhe nach dem vorzeitigen Ableben meiner Wanderschuhe als ziemlich rutschfest. Oben angekommen, werden wir nicht nur mit strahlendem Sonnenschein, sondern auch einem herrlichen Rundblick belohnt.
Noch vor einer Stunde hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass sich der Fitz Roy, den wir diesmal von der anderen Seite betrachten, an diesem bis dato verregneten Tag zeigt. Doch zusehends taucht er aus den Wolken hervor.
Am smaragdgrünen Bergsee mit Blick auf den Glaciar Huemul legen wir eine längere Pause ein, es ist herrlich hier oben. Und weil diesen Ausflug nur wenige Touristen auf der Agenda haben, sind wir über weite Strecken ganz allein.
Wir lassen uns alle Zeit der Welt, klettern ein wenig über die Felsen, sitzen in der Sonne und genießen das (subjektive) Gefühl der völligen Abgeschiedenheit. Nur einige Vögel leisten uns Gesellschaft.
Die Rückfahrt ist ziemlich entspannt, die Wasserlachen sind schon etwas geschrumpft und der Fluss hat sich dorthin zurückgezogen, wo er hingehört: ins Bett. Bei strahlendem Sonnenschein und in bester Stimmung kommen wir zurück nach El Chalten, wo wir einen guten (echten!) Italiener entdecken. Das toppt natürlich die Sofaecke, ich bin bekennender Pasta-Junkie und lasse mir die hausgemachten Nudeln richtig schmecken. Einmal mehr war es ein wunderbarer Tag - und die "Schrottkarre" hat sich schon wieder ein Sonderlob verdient.
hallo Beate, tolle Bilder von eurer Wanderung. Eure Art zu reisen entspricht auch unserer mit viel Zeit für die Erkundung der Landschaft. Macht weiter so. LG Lothar