Empfehlung: Antibiotika ins Reisegepäck!!

46 Antworten · 13,1k Aufrufe · gestartet 15. Okt. 2015 von Kristiania
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3’700 Beiträge · seit 200917. Okt. 2015 ·
Hallo Montango,

ich wäre dir sehr dankbar für eine Quelle zu diesen Thesen:
Doxycyclin hilf als Antibiotikum fast nur noch gegen tick bite fever. Dagegen wird es auch noch in D verschrieben. Hatten wir gerade nach unserem letzten Afrikaaufenthalt.
Als Prophylaxe würde ich es nicht nehmen, es macht nämlich sonnenempfindlich
Herzlichen Dank und Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
7’328 Beiträge · seit 200617. Okt. 2015 ·
Hallo Marina,

such mal nach Doxycyclin + Photosensibilität. Da wirst Du fündig und siehst evtl. nebenbei, dass auch jede Menge anderer Medikamente diese Nebenwirkung haben.

Darüber, dass es gegen fast nichts mehr hilft, würde ich auch gerne eine Quelle haben.

Als Malariaprophylaxe würde ich Doxycyclin in Erwägung ziehen, wenn ich nicht mit dem Rad von morgens bis abends in der Sonne unterwegs wäre. Die meiste Zeit der Tagesmitte im Auto verbringend würde mich die gesteigerte Sonnenempfindlichkeit nicht sehr stören. Die meisten Touristen sind ja zu den Zeiten der intensivsten Sonnenstrahlung offenbar nur selten im Freien bzw. in der prallen Sonne. Zumindest begegnen mir äußerst selten welche.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
3’700 Beiträge · seit 200917. Okt. 2015 ·
Hallo Wolfgang,

mögliche fototoxische Reaktionen der Haut bei starker Sonneneinstrahlung sind dosisabhängig unterschiedlich. Bei der geringen Dosierung von Doxcy zur Malariaprohylaxe (Erwachsene 100 mg/täglich) wird das Risiko der Fotosensibilisierung als vernachlässigbar angesehen.

In der Deutschen Bundeswehr wird Doxcy neben Malarone als Mittel der Wahl bei Auslandseinsätzen in Risikogebieten nach wie vor erfolgreich eingesetzt.
Als Prophylaxe würde ich es nicht nehmen, es macht nämlich sonnenempfindlich.
Kennt jemand hier Fälle, die nach Einnahme der Niedrigdosierung Probleme in dieser Richtung hatten?

Herzliche Grüße
Marina
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324 Beiträge · seit 200917. Okt. 2015 ·
Zur Frage mit der Verschreibungspflichtigkeit:
Wir haben unserem Arzt einfach gesagt, wohin wir reisen und ihn gebeten, uns für einen Notfall eine kleine Menge für eine Überbrückung -> bis Arzt aufzuschreiben. Versteht eh jeder, dass z. B. im Delta der Arzt und/oder die Apotheke nicht um die Ecke ist.

VG
Melanie
Die Strasse gleitet fort und fort, weg von der Tür, wo sie beginnt, weit überland, von Ort zu Ort. Ich folge ihr, so gut ich kann. Ihr lauf ich raschen Fusses nach, bis sie sich gross und weit verflicht mit Weg und Wagnis tausendfach. Und wohin dann? Ich weiss es nicht. J.R.R. Tolkien, Der Herr der Ringe
1’525 Beiträge · seit 201117. Okt. 2015 ·
Guten Tag Marina,



....bin nach wie vor der Meinung, bei Einnahme von Doxy 100mg/die etwas auf die

Sonneneinstrahlung (vor allem in Äquatornähe ) achtzugeben und mindestens

nicht zu übertreiben...... 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂


lg, BMW
3’700 Beiträge · seit 200917. Okt. 2015 ·
Hallo BMW,
....bin nach wie vor der Meinung, bei Einnahme von Doxy 100mg/die etwas auf die

Sonneneinstrahlung (vor allem in Äquatornähe ) achtzugeben und mindestens

nicht zu übertreiben.....
Zumindest wir haben das offensichtlich auf mehreren Reisen in Ostafrika getan (einen wochenlang so schönen blitzeblauen Himmel wie im südlichen Afrika im "Winter" hat´s ja eh selten in EA). 😁

Ich würde nur zu gerne wissen, wer nach Niedrigdosierung tatsächlich über dererlei Probleme berichten kann.

Herzliche Grüße
Marina
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392 Beiträge · seit 200817. Okt. 2015 ·
Hallöchen,

dennoch würde ich diesem Vorgehen etwas misstrauisch gegenüberstehen, nicht, dass nachher jedes Pieksen und Stechen mit Antibiotika "behandelt" wird. Das muss aber jeder selbst wissen.

Ich habe noch nie Antibiotika genommen oder nehmen müssen und bin auch nicht scharf drauf. 😛

LG

Otji
Schläft ein Lied in allen Dingen, Die da träumen fort und fort, Und die Welt hebt an zu singen, Triffst Du nur das Zauberwort. - Joseph von Eichendorff
7’328 Beiträge · seit 200617. Okt. 2015 ·
Otji schrieb:dennoch würde ich diesem Vorgehen etwas misstrauisch gegenüberstehen, nicht, dass nachher jedes Pieksen und Stechen mit Antibiotika "behandelt" wird. Das muss aber jeder selbst wissen.
... das ist ja heute schon so. Ich habe Bekannte, die jedes Jahr mehrfach wegen sog. "Grippe" (also üblicherweise Erkältung) Antibiotika verschrieben bekommen. Da kann ich dann auch die Ärzte nicht verstehen.
Ich habe noch nie Antibiotika genommen oder nehmen müssen und bin auch nicht scharf drauf. 😛
... ich kam auch nur einmal nicht drum herum, aber als Malariaprophylaxe könnte ich es mir u.U. vorstellen.

Gruß
Wolfgang
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Gast17. Okt. 2015 ·
Es wurde m. E. noch nicht ausreichend erwähnt, dass Antibiotika auch echt krank machen können, die Nebenwirkungen können äußerst heftig und auch bedrohlich ausfallen, die Einnahme ist also nicht ohne Risiko. Laut Beipackzettel und Auskünften im Nachhinein gar nicht soooo selten. Mich hat es auch ein Mal erwischt, mit einem Produkt, das ich zuvor schon gut vertragen hatte; irgendwann wird man eben der EINE unter Hundert oder Tausend. Das will ich nicht wieder erleben und wenn ich denke, dass mir das auch im Busch hätte passieren können, wird mir ganz schlecht. Aber auch davor habe ich die Einnahme möglichst vermieden und auf „Verdacht“ würde ich nie ein AB nehmen, weil ich als totaler Laie eben überhaupt nichts davon verstehe.
Grüße und Wünsche für eine gute Gesundheit
PS. Doxycyclin ist bei uns ein Standardmedikament in der Behandlung von Borreliose.
zuletzt bearbeitet 17. Okt. 2015
1’667 Beiträge · seit 201117. Okt. 2015 ·
Butterblume schrieb:Hallo Montango,

ich wäre dir sehr dankbar für eine Quelle zu diesen Thesen:
Doxycyclin hilf als Antibiotikum fast nur noch gegen tick bite fever. Dagegen wird es auch noch in D verschrieben. Hatten wir gerade nach unserem letzten Afrikaaufenthalt.
Als Prophylaxe würde ich es nicht nehmen, es macht nämlich sonnenempfindlich
Herzlichen Dank und Grüße
Marina
Hallo Marina,

Quelle : Tropeninstitut und mein Hausarzt. Beide Meinungen : Doxycyclin bei Borreliose und Tick Bite Fever, sonst nur noch wenige Anwendungsgebiete.

Dazu hier noch eine Info aus dem WEB:
Tetracycline: Aus dieser Gruppe wird nur noch Doxycyclin eingesetzt, wegen der Resistenzsituation gegenüber den meisten ?typischen? Erregern jedoch nicht mehr als Initialtherapie. Empfehlenswert aber bei den sogenannten ?atypischen? Erregern wie Chlamydien, Mycoplasmen, Rickettsien und Borrelien (Lyme Borreliose im Frühstadium).

Ich hatte wegen der blöden Zecke eine Behandlung (Dosierung habe ich leider vergessen) , mein Arzt hatte mich extra vor Sonne gewarnt und trotzdem hatte ich rote Flecken wie Sonnenbrand auf den Armen. Ich habe das Medikament dann nach der Mindesteinnahmezeit abgesetzt.

LG
Montango
Botswana 2016 Sambia 2016 Zimbabwe 2016 KwazuluNatal 2015 KTP-Namibia-Kapstadt 2013 Zimbabwe 2012 Noch keiner hat am Ende gesagt "Ich hätte mehr Zeit im Büro verbringen sollen"
7’328 Beiträge · seit 200617. Okt. 2015 ·
Montango schrieb:
Quelle : Tropeninstitut und mein Hausarzt. Beide Meinungen : Doxycyclin bei Borreliose und Tick Bite Fever, sonst nur noch wenige Anwendungsgebiete.
... Tick Bite Fever ist afrikanisches Zeckenbissfieber und kommt weltweit doch wohl nur in der südlichen Hälfte Afrikas vor, oder? Welcher mitteleuropäische Hausarzt hat denn überhaupt jemals mal etwas davon gehört? Klingt nicht sehr glaubwürdig, dass ich zu einem Hausarzt gehe und nach der Frage auf die Wirksamkeit von Doxycyclin die von Dir geschilderte Antwort erhalte.

In einer deutschen Arztpraxis würde das Tick Bite Fever definitiv unter die "sonstigen wenigen Anwendungsgebiete" fallen.

Gruß
Wolfgang
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1’667 Beiträge · seit 201117. Okt. 2015 ·
BikeAfrica schrieb:
Montango schrieb:
Quelle : Tropeninstitut und mein Hausarzt. Beide Meinungen : Doxycyclin bei Borreliose und Tick Bite Fever, sonst nur noch wenige Anwendungsgebiete.
... Tick Bite Fever ist afrikanisches Zeckenbissfieber und kommt weltweit doch wohl nur in der südlichen Hälfte Afrikas vor, oder? Welcher mitteleuropäische Hausarzt hat denn überhaupt jemals mal etwas davon gehört? Klingt nicht sehr glaubwürdig, dass ich zu einem Hausarzt gehe und nach der Frage auf die Wirksamkeit von Doxycyclin die von Dir geschilderte Antwort erhalte.

In einer deutschen Arztpraxis würde das Tick Bite Fever definitiv unter die "sonstigen wenigen Anwendungsgebiete" fallen.

Gruß
Wolfgang
es soll auch Ärzte geben, die Deutschland ab und an verlassen 🙂 Mein Arzt ist vermutlich schon weiter gereist als ich.
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2’346 Beiträge · seit 200617. Okt. 2015 ·
Hallo Marina,

ich habe das Thema Doxycyclin als Kombi-Präparat zur Malaria-Prophylaxe und gleichzeitig Antibiotikum zur Sprache gebracht. Wir haben Doxycyclin vor etlichen Jahren einmal als Prophylaxe genutzt. Ich hatte keinerlei Probleme damit, meine Frau hat sich jedoch einen roten, fleckigen, juckenden Hautausschlag an den Armen geholt. Als Rothaarige hat sie aber bekanntermaßen generell eine recht empfindliche Haut. Der Ausschlag hielt (unbehandelt) noch einige Tage an.

Als der Ausschlag erstmals auftrat, wusste meine Frau aber auch sofort, wo sie sich diesen geholt hatte, nämlich bei einem längeren Gamedrive auf einem offenen Fahrzeug mit kurzärmeliger Bekleidung. Betroffen waren nur die Hautregionen, die längere Zeit der direkten Sonne ausgesetzt waren.

Diese möglichen Nebenwirkungen von Doxycyclin waren uns übrigens durchaus bekannt.

Viele Grüße
Armin
3’700 Beiträge · seit 200917. Okt. 2015 ·
Hallo Armin,

vielen Dank für deinen informativen Beitrag und die Erklärung, die ich richtig einordnen kann.

Hallo Montango,

je nach Stadium der Borreliose wird mit 2 x 100 mg bis 4 x100 mg/Tag therapiert. Rickettsiosen werden i.d.R. mit 2 x 100 mg therapiert. Das ist also eindeutig keine Niedrigdosierung, die du dann erhalten hast.

Soweit mir bekannt, besteht bei Doxcy lediglich eine ungünstige Resistenzsituation gegen einige Kokken (Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken) und E. coli bzw. diese Bakterienstämme sprechen auf das Breitbandantibiotikum Doxycyclin nicht an.

Kokken und E.coli haben aber nichts mit dem Erreger der Malaria (versch. Plasmodienstämme) zu tun!
Doxcy wird standardmäßig immer noch gegen viele Erreger eingesetzt, zumal dieses Antibiotikum relativ geringe Nebenwirkungen aufweist.

Und klar, dass ein einzelnes Antibiotika nicht bei allen vorkommenden Erregern wirksam ist.
Aber deine Aussage, dass Doxy nur noch bei Rickettsiosen eingesetzt wird, ist nicht korrekt.

Vielmehr ist es bei einigen Erkrankungen (vor allem solche, die man sich gerne in Entwicklungsländern aufsammelt, die Standardmedikation:
Es besitzt ein breites Wirkspektrum und zeigt eine bakteriostatische Wirksamkeit auf grampositive, gramnegative und zellwandlose Keime. Ebenso wirkt es gegen Plasmodium sp. zeigt aber nur geringe tuberkulostatische Wirksamkeit.

Entsprechend seinem Wirkspektrum wird Doxycyclin zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Infektionen des Urogenitaltrakts, Infektionen des Magen-Darm-Trakts, Gallenwegsinfektionen, Akne, Rosazea, Chlamydien-Infektionen, Borreliose sowie bei zahlreichen seltenen Infektionen, wie zum Beispiel Pest und Milzbrand eingesetzt. Ebenso wird Doxycyclin von der WHO und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e. V. (DTG) zur Malariaprophylaxe empfohlen, allerdings gibt es in Deutschland für diese Indikation keine zugelassenen Fertigarzneimittel.
Quelle
Und da wir hier alle zum Kreis der Afrikareisenden gehören, halte ich in diesem Fall Chlamydien, Mycoplasmen, Rickettsien, Borrelien, Yersinien, Campylobacter etc. nicht für atypisch.

Außerdem ist Doxy auch bei einigen anderen Erkrankungen hier in Deutschland die Medikation der Wahl, zumindest bei vielen Ärzten ich kenne.

Mir geht es um Doxy als niedrigdosierte Malariaphrophylaxe mit dem positiven Nebeneffekt, dass es noch einige andere unangenehme Erreger in Schach hält. Für mich ist Malarone aus medizinischen Gründen kontraindiziert. Jeder muss für sich individuell entscheiden, welche Nebenwirkungen er für vernachlässigbar erachtet, bzw. in Kauf nimmt und sie auf seinen Reisestil anpassen.

Herzliche Grüße
Marina
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401 Beiträge · seit 201118. Okt. 2015 ·
niedrig dosiertes Antibiotikum als Dauertherapie/ Malariaprophylaxe - und dann wundert sich der wirklich Kranke, wo nur die ganzen Resistenzen mit MRSA, MRSP herkommen? Kopfschüttel.... Muss jeder selbst wissen, wie sorglos er/sie damit umgeht.
Lottas Appendix
Reisebericht Südafrika 2014: http://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/283407-suedafrika-ost-im-juni-juli-2014.html Reisebericht Namibia + KTP 2015: "Schlangen gibt´s erst ab Oktober": http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287457-namibia-ktp-od-schlangen-gibt-s-erst-ab-okt.html url=http://www.quick-ticker.de]
7’328 Beiträge · seit 200618. Okt. 2015 ·
Lotta schrieb:niedrig dosiertes Antibiotikum als Dauertherapie/ Malariaprophylaxe - und dann wundert sich der wirklich Kranke, wo nur die ganzen Resistenzen mit MRSA, MRSP herkommen? Kopfschüttel....
... bei der WHO scheint ja niemand auch nur den Hauch eines Überblicks haben. Die sollten sich mal hier im Forum informieren, bevor die etwas empfehlen. Unverantwortlich, dass die uns zuvor nicht fragen ...

War Ironie, falls nicht erkennbar.
Die WHO hat Fachleute. Die haben auch ein paar andere Datenquellen als wir und nicht nur den Käse, der hierzulande in den Medien vertrieben wird.

Gruß
Wolfgang
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3’700 Beiträge · seit 200918. Okt. 2015 ·
Hallo Lotta,

es wäre wünschenswert, wenn du über deinen Tellerrand hinaus schauen und dich differenziert mit dem von mir geschilderten Sachverhalt auf Grundlage der Evidenz beschäftigen würdest.

Gruß
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
50 Beiträge · seit 201018. Okt. 2015 ·
Liebe Forumsgemeinde

Als Tropenarzt möchte ich hier doch ein paar Sachen klarstellen:

Doxycylin ist eine bewährte und gut dokumentierte Malariaprophylaxe. Die Dosierung ist 100mg täglich. Einnahme täglich, Beginn ein bis zwei Tage vor Abreise, Ende 28 Tage nach Rückkehr. Die lange Periode der Einnahme nach Rückkehr ist der Hauptgrund, warum diese Malariaprophylaxe bei den meisten Reisenden nicht in Frage kommt. Ich setze es sehr häufig bei Langzeitreisenden ein. Viele Armeen, wie die deutsche Bundeswehr, setzen es sehr häufig ein. Im Vietnamkrieg wurde es auch von der US Armee verwendet. Angenehmer beobachteter Nebeneffekt war das deutlich geringere Auftreten von Tsutsugamushi Fieber bei den Soldaten (eine Rickettsiose) und von Durchfallerkrankungen.
Die Einnahme sollte immer mit dem Essen mit genug Flüssigkeit erfolgen. Auch sollte man nach Einnahme nicht sich sofort hinlegen. Gefahr einer Oesophagitis (Speiseröhrenentzündung). Zwei Haupt-Nebenwirkungen können mit 100mg Doxycyclin auftreten: Hautausschlag bzw. Photosensibilität und Scheidenpilzinfektionen bei Frauen. Die Gefahr einer Photosensibilität kann man vermindern, indem Doxycyclin immer abends eingenommen wird. Ich gebe Frauen immer eine Behandlung gegen Scheidenpilzinfektionen mit, wenn sie sich für diese Malariaprophylaxe entscheiden.
Bei korrekter Einnahme besteht keine Gefahr, dass Resistenzen 'gezüchtet' werden, weder vor Ort noch bei einem selber.
Doxycyclin wird ansonsten noch bei folgenden Infektionskrankheiten verwendet: Hautinfekte, Leptospiren, ergänzend bei Gonorrhö, Cholera, Borreliose, Rickettsiosen (wie das African Tick Bite Fever etc), Infektionen im Hals Nasen Ohren Bereich.

Grundsätzlich zum Thema Antibiotika bei Reisen:
Ich gebe nie allen Reisenden ein Antibiotikum mit. Aber bei gewissen Destinationen (sei es wegen schlechter medizinischer Versorgung vor Ort oder Art der Reise) und erst nach ausführlicher Erklärung, wann und wie es eingesetzt werden soll, gebe ich es ab. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass primär immer wenn irgendwie möglich ein Arzt vor Ort aufgesucht werden soll. Und nur wenn dies nicht innert nützlicher Frist möglich ist, das Antibiotikum eingesetzt wird. Wenn einmal begonnen, muss das Antibiotikum korrekt und genug lange eingenommen werden.
Für mich gehört eine gute Beratung unbedingt dazu. Ein Antibiotikum für alle Gegenden und für alle Infektionen gibt es nicht. Auch müssen sonstige Medikamente, welche eingenommen werden, bezüglich Wechselwirkungen berücksichtig werden.
Vielfach wurde Ciprofloxacin als Antibiotikum erwähnt. Resistenzen gegen dieses Antibiotikum nehmen rasant zu. In Asien und in gewissen Gegenden Afrikas kann dieses nicht mehr angewendet werden. Azithromycin wirkt bei bakteriellen Darmerregern besser.

Robert
7’328 Beiträge · seit 200618. Okt. 2015 ·
Danke für diese ausführliche Stellungnahme.

Gruß
Wolfgang
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354 Beiträge · seit 201018. Okt. 2015 ·
Sehr schön und vielen Dank Robert.
Aber wahrscheinlich werden Dir hier einige Schlaumeier(innen) noch erklären,weshalb es doch sinnvoll ist ein AB für alle Eventualitäten auf die Reise mit zu nehmen. 🤪
Naja, ist üblich hier
VG