Reisebericht Ägypten 2024 - Entlang des Nils von Kairo bis zu den Toren Afrikas

Reisebericht 34 Antworten · 435 Aufrufe · gestartet 11. Okt. 2026 von CrocV
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

oder

Gruppenreise „allein“

oder

wie aus einer „außergewöhnlichen“ eine „königliche“ Reise wurde.


Schon den passenden Titel für unsere Reise durch Ägypten zu finden, fällt mir schwer. Denn im Laufe dieser zwei Wochen im Land des Nils veränderte bzw. entwickelte sich diese Reise mehrfach weiter. Was als "normale" Touristentour zu den Pyramiden und Gräbern im Tal der Könige begann, wurde letztlich zu einer äußerst intensiven Begegnung mit dem antiken Ägypten vom Alten Reich bis zur römischen Zeit. Ein weiterer Untertitel müsste daher lauten.

 "Das Pharaonenreich - ein Versuch, zu verstehen..."🤔


"WARNHINWEIS":🤣

Wer diesen Reisebericht lesen möchte, muss sich auf viele "trockene" Passagen mit Hintergrundwissen rund um das alte Ägypten einstellen. Gerade der erste Tag im alten archäologischen Museum "artete" aus zu einen Gang durch die vielen Dynastien des Pharaonenreiches. Um die geschilderten Sachverhalte zu veranschaulichen, habe ich vor, den Bericht mit ca. 3.000 Bildern anzureichern. Wem das zu viel Theorie ist, kann gerne einfach weiterscrollen und sich an den Bildern erfreuen. 😉


Ich plane, jeweils Sonntagvormittag an diesem Bericht zu arbeiten. Und hoffe so, über den Winter möglichst weit zu kommen. 🙂


Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 11. Okt. 2026
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

Vorgeplänkel

Bereits im Winter 2023/24 war der Entschluss gefasst: Unser nächstes Reiseziel soll Ägypten sein. 

Wichtig waren uns zwei Dinge hinsichtlich Reiseinhalt/Reiseverlauf: 

Erstens wollen wir nicht, wie bei vielen Reiseangeboten von Kairo nach Luxor fliegen. Wir möchten auch das Land zwischen diesen Städten bereisen und einige der dort befindlichen archäologischen Stätten besuchen. 

Zweitens wollen wir zwei volle Tage in Luxor sein, um neben dem üblichen Besuchsprogramm am 1. Tag mit dem Tal der Könige, Tempeln Hatschepsut, Luxor und Karnak einen zweiten Tag zur Verfügung zu haben. Denn natürlich möchten wir auch die Gräber der Handwerker in Deir el-Medina sowie die Gräber der Noblen und Medinet Habu, den Tempel von Ramses III. besichtigen. Eine entsprechende Reise in einer Kleingruppe hatte ich bereits seit Jahren im Auge. Nachdem wir zunächst noch ein Vorprogramm in Alexandria sowie anschließend einige Tage am Roten Meer angedacht hatten, haben wir uns von diesen Optionen doch schnell wieder verabschiedet. Zu lange Fahrzeiten und ungünstige verfügbare Flüge… 😐️


Im März 2024 haben wir schließlich die Reise gebucht. Alles gut - dachten wir. 

Ungefähr 5 Wochen vor Reisebeginn stellte ich fest, das unsere Reise beim Anbieter immer noch mit der Status „Sie reisen zu zweit ? - Mit Ihrer Buchung ist die Mindestteilnehmerzahl erreicht“ steht. Eine Nachfrage brachte die Bestätigung meiner Befürchtung: Außer uns hatte bisher niemand die Reise gebucht. Eine Stornierung 4 Wochen vor Reisebeginn war zu erwarten. 😦Na toll, damit hatten wir bei einem „Standard“-Reiseziel wie Ägypten nun gar nicht gerechnet. 

OK, hier muss ich einfügen: Wir hatten aufgrund des Gaza-Krieges schon darauf spekuliert, dass vor allem die amerikanischen und chinesischen Touristen wegbleiben. (Was sie auch taten. ) Aber das auch die deutschen "Reiseweltmeister" Ägypten wegen des Konflikts in Israel komplett meiden, hätte ich jetzt nicht gedacht.

Tatsächlich hat sich auch in den nächsten Wochen nichts geändert, so dass die Stornierung traurige Realität wurde. 😢


Unsere zwischenzeitliche Suche nach einem alternativen Reiseziel hatten wir wieder aufgegeben: Alles zu kurzfristig, um noch eine für uns vernünftige Reise zu buchen. Aber dann die völlig unerwartete Wende. Als unser deutsches Reiseunternehmen die ausführende ägyptische Agentur von der Stornierung unterrichtete, kam von dort die überraschende Antwort: „Schickt uns die Gäste. Wir führen die Reise auch für zwei Personen durch.“😊🥰

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zuletzt bearbeitet 11. Okt. 2026
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

Sonntag, 17.11.2024 Anreise

Der Bus um 10:10 Uhr bringt uns pünktlich zum Bahnhof, von dem aus wir mit dem ICE um 10:55 Uhr nach Frankfurt zum Flughafen fahren. Dort um 12:25 Uhr angekommen, können wir problemlos und schnell unser Gepäck abgeben und einchecken. (Online Checkin bereits am Vortag gemacht.) 

Die Zeit bis zum Abflug vergeht mit Blick auf unseren schon bereitstehenden Flieger bei einem Kaffee recht schnell. Noch ordentlich Wasser abgefüllt in unsere beiden 1,5 Literflaschen und dann kann das Boarding losgehen. 



Um 16:20 Abflug, um 21 Uhr landen wir in Kairo, nachdem wir vorher eine beeindruckende Warteschleife über der hell erleuchtet unter uns liegende Stadt gedreht haben.



 Als wir im üblichen langen Flughafenkorridor Richtung Einreiseschalter laufen, die erste extrem positive Überraschung: Schon hier im Laufgang steht jemand (Ahmed) mit einem Schild mit unseren Namen. Ahmed fragt uns, ob wir VISA brauchen. Wir bejahen. Kein Problem, er habe diese schon besorgt. Ausweise raus und schon klebt er uns die VISAs in den Pass. Die entsprechenden 50 USD VISA-Gebühr zahlen wir ihm direkt bar. 

Die Schlange am VISA-Schalter können wir uns also schon mal sparen. Ahmed dirigiert uns an den längeren Reihen vorbei an einen Einreiseschalter mit einer kurzen Schlange. Ruckzuck bekommen wir unsere Stempel und schon sind wir eingereist. An der Tür zur Gepäckhalle nochmals eine Kontrolle. Aber wir halten unsere geöffneten Ausweise mit den VISAs in der Hand und werden durchgewunken. 

Als wir das Gepäckband erreichen, sehe ich von weiten schon unsere beiden Reisetaschen. Wow, das läuft ja. 

Schnell noch einen Bankschalter an der Seite aufgesucht, um 250 Euro in ägyptische Pfund zu wechseln. Dann müssen wir uns doch nochmal anstellen. Eine weitere Sicherheitskontrolle, bei der das Gepäck durchleuchtet wird. Danach sind wir in der Empfangshalle. 

Hier dirigiert uns Ahmed zu einem Seitenausgang für das Personal – vorbei an einer erneuten Sicherheitskontrolle für das Gepäck. Als wir draußen stehen, ruft er per Telefon den wartenden Fahrer samt PKW. Das Gepäck wird schnell im Kofferraum verstaut und schon sind wir zu viert unterwegs Richtung Hotel. Ahmed erklärt uns, das die Fahrt ungefähr eine Stunde dauern wird, da wir Kairo komplett durchqueren müssen. 

Morgen würden wir um 8:30 Uhr von unserem Reiseleiter abgeholt, Frühstück also um 7:30 Uhr. Um 23:30 Uhr erreichen wir endlich das Hotel. Ahmed übernimmt mit unseren Ausweisen den Check-In. Als ich das Formular unterschreibe, stutze ich: Da steht ja ein ganz anderer Name? Kein Problem, meint Ahmed das ist schon in Ordnung. 

Naja, was soll es, denke ich. Wir sind schließlich im richtigen Hotel laut unseren Reiseunterlagen. Nachdem wir uns entsprechend bei Ahmed und dem Fahrer für diesen wirklich tollen VIP-Einreiseservice bedankt haben, begeben wir uns müde, aber sehr zufrieden auf unser Hotelzimmer im 8. Stock.

Nachdem wir unser Reisegepäck umgepackt haben (1 Woche Wäsche ist immer im Rucksack im Handgepäck), ist es dann doch bereits 0:30 Uhr. Ich lege mich hin, Barbara besucht noch die Dachterrasse (mit Swimmigpool) und Restaurant im 10. Stock auf eine Zigarette. 

Die Nacht schlafen wir etwas unruhig, was an der für uns ungewohnten gemeinsamen Matratze und Bettdecke liegt. Und am permanenten Straßenlärm und Hupen auf der Straße vor dem Hotel.



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Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

Montag 18.11.2024 Ägyptisches Museum und Stadtbesichtigung Kairo

Der Wecker holt uns um 6:00 Uhr aus dem Schlaf. Erstmal duschen. 

Und der Tag beginnt dann gleich spektakulär: Ich ziehe die Fenstervorhänge auf und blicke auf die Pyramiden von Gizeh! 

In der Dunkelheit am Vorabend haben wir überhaupt nicht realisiert, das unser Hotel in Gizeh nur einen Steinwurf entfernt von den Pyramiden liegt. Na da fällt mir das Anziehen ja mal ganz leicht und sofort mache ich mich mit Fotoapparat auf den Weg zur Dachterrasse im 10. Stock. 

Und tatsächlich, hier im Morgenlicht ist der Blick auf die Pyramiden noch schöner. 


Um 7:30 Uhr genießen wir das große Frühstücksbuffet. Als wir gegen 8:15 Uhr auf dem Rückweg zum Zimmer in die Lobby treten, kommt ein Mitarbeiter des Hotel  auf uns zu und verkündet uns ganz aufgeregt, dass unser Reiseleiter bereits angekommen sei. Aufgrund dieses Verhaltens entschließen wir, ihn kurz zu begrüßen, bevor wie uns auf dem Zimmer fertig machen. Wir treffen ihn neben der Rezeption an, wo er gerade vom Hotelmanager begrüßt wird. 

OK, irgendwas ist hier anders als bei anderen Reisen, denke ich mir. 🤔

Aufgrund dieser Reaktionen auf das Erscheinen unseres "Guides" begrüße ich die beiden Herren und stelle meine Frau und mich dem Hotelmanager und unserem Reiseleiter Abdel vor. Da dieser fließend deutsch spricht, folgt nun ein kurzer Austausch, wobei ich intuitiv beim "Sie" in der Anrede bleibe. Dies sollte sich auch die ganze Reise über nicht ändern. Wobei dieses "Sie" immer vertrauter wurde und wir uns gegenseitig beim Vornamen anredeten. 


Nachdem wir uns auf dem Zimmer fertig gemacht hatten, starteten wir  um 8:30 Uhr unseren ersten Tag. Vor dem Hotel wartet unser Fahrer (dessen Namen wir uns zu meiner Schande leider nie merken konnten) und unser Kleinbus. Erstes Ziel wird das alte ägyptische Museum sein. Das neue GEM hat zwar mittlerweile auch seit einigen Tagen für den Probebetrieb geöffnet, allerdings bisher nur die 12 Galerien. Das Herzstück des neuen Museums, in dem dann auch alle Fundstücke aus dem Grab Tutanchamuns präsentiert werden sollen, ist noch geschlossen. 


Auf der Fahrt ins Zentrum von Kairo haben wir Gelegenheit uns vorzustellen und etwas kennenzulernen. Abdel ist 67 Jahre alt und lebt wie unser Fahrer in Kairo. Er ist Vater von 4 Kindern: 2 Söhne, 2 Töchter – bis auf eine Tochter alle schon verheiratet. Wie wir wundert er sich darüber, das diese Reise für nur 2 Personen durchgeführt wird. So etwas hat er in 40 Jahren als Reiseleiter noch nicht erlebt. Außerdem ist er (wie wir) positiv überrascht, das wir mit einem Gruppenbus unterwegs sind. Er hatte wie wir auch vermutet, das wir (aus Kostengründen) mit einem PKW die Reise durchführen.


Nach dem Studium der Archäologie an der Uni Kairo hat er dort einige Jahre gearbeitet. Um eine Familie ernähren zu können, begann hat er zusätzlich als Reiseleiter zu arbeiten. Aber er hielt weiterhin an der Uni Kairo Vorlesungen in Ägyptologie für andere angehende Reiseleiter. Außerdem hat er über 20 Bücher zu den einzelnen archäologischen Stätten verfasst, die immer noch als Lehrbücher für die archäologische Ausbildung der Reiseleiter dienen. Mit 65 Jahre hat er vor 2 Jahren die Altersgrenze erreicht und musste die Uni Kairo verlassen. Aber er hält weiterhin Vorlesungen an einer privaten Universität. Daneben ist er in den Sommermonaten auch immer wieder bei Ausgrabungen tätig. Zuletzt im letzten Sommer bei der Ausgrabung der Handwerkersiedlung in der Nekropole Sakkara. Wir werden im Verlauf der Reise regelmäßig von seinem umfassenden Wissen profitieren. 

Auf gut deutsch: Unsere Köpfe werden vor lauter Input nur so rauchen. 🤯


Schon in diesem ersten Gespräch äußere ich auch den Wunsch, er möge uns doch bitte aus seinem Erfahrungsschatz immer wieder Hinweise geben, was wir zusätzlich anschauen sollten auf unserer Reise. Und ich lasse auch wie beiläufig einfließen, das Barbara und ich es zuhause nicht gewohnt sind, Mittags groß zu Essen. Unsere Hauptmahlzeiten sind Frühstück und Abendessen. 

Vorneweg: Beide Hinweise hat Abdel als erfahrener Reiseleiter sofort aufgenommen. So das unsere Tage nicht durch lange „Mittagessen-Pausen“ unterbrochen/aufgefressen wurden. Die so gewonnene Zeit konnten wir in zusätzliche bzw. zeitlich ausführlichere Besichtigungen investieren. 

Ein erster Vorteil unserer Gruppenreise „allein“. 🤗

Dieses Vorgehen war aber natürlich nur möglich, da wir einen Fahrer und einen Reiseleiter hatten. So konnte der Fahrer immer ausruhen, wenn wir auf Besichtigung waren und Abdel immer wieder während der Fahrten ein kurzes Schläfchen zur Erholung halten. 


Weitere Gespräche mussten warten, da wir jetzt das ägyptische Museum erreichten. Wir genossen einen Moment die Sonne und den Anblick des Museumsgebäudes mit den beiden Sphinxen aus rotem Granit aus der Zeit Thutmosis III. (gefunden in Karnak), während Abdel die Eintrittskarten besorgte.



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Dann gingen wir zunächst in die nach oben offenen Aula im Zentrum des Museums, wo wir gleich mal einen Querschnitt von Artefakten aus diversen Dynastien präsentiert bekommen. 




Neben einer Vielzahl an steinernen Sarkophagen


befindet sich hier ein sehr großes bemaltes Fußbodenelement aus dem Palast von Pharao Echnaton in dessen neuer Stadt Achet-Aton. 


Dominiert wird die Aula durch die Kolossalstatuen von Pharao Amenhotep III. (Vater von Echnaton), 18. Dynastie und seiner Königin Teje auf dem Thron sitzend. Zentral vor Ihnen ihre Tochter Henuttaunebu sowie seitlich die Tochter Nebet-tah und eine weitere nicht namentlich bezeichnete Tochter. 



In der Aula befinden sich auch Statuen von Sesostris I. , 12. Dynastie und weiteren Pharaonen. 




Und ein grauer Granitsarkophag des Schreibers und Priesters Thiharpto, Sakkara 30. Dynastie.

Ein Beweis, das die Nekropole von Sakkara durchgängig immer wieder als Begräbnisstätte genutzt wurde.





Und hier findet sich eben auch ein erhaltenes Pyramidion (Pyramidenspitze), 12. Dynastie, Mittleres Reich. 




Pharao Amenemhet III. (1842-1795 v. Chr.) baute zwar seine Pyramide in Hawara in Fayyum, aber mit der sogenannten „Schwarzen Pyramide“ auch ein gewaltiges Kenotaph (Scheingrab) in Dahshur, wo sein Vater Amenemhet II. (Sohn von Sesostris I.) seine Pyramide (stark zerstört) errichtet hatte. 

Das Pyramidion befand sich an der Spitze der „schwarzen Pyramide“ und ist an der Ostseite mit einer geflügelten Sonnenscheibe verziert, die von zwei Uräus-Kobras und zwei Augen flankiert wird über dem Hieroglyphentext, der den Sonnengott Re feiert. 

Abdel gibt uns hier anhand der Hieroglyphen des Pyramidion erste Erläuterungen auch hinsichtlich der immer wieder auftauchenden ägyptischen Dualität von Ober- und Unterägypten, hier symbolisiert durch die Ente (Oberägypten) und die Biene (Unterägypten).


Exkurs: Die natürliche Teilung in Unter- und Oberägypten

Das Klima teilt Ägypten auf natürliche Weise in zwei unterschiedliche Regionen.

Unterägypten und das Delta sind von einem gemäßigten, vom Mittelmeer geprägten Klima ohne extrem hohe Temperaturen und immer wieder auch Regenfällen geprägt. Im Delta waren deutlich größere Ackerflächen zu finden als im oberen Niltal. Wobei auch hier der Regen allein nie für den landwirtschaftlichen Anbau ausgereicht hätte.

Oberägypten, also der Süden, gehört klimatisch schon zur Sahara mit einem Wüstenklima mit monatelanger großer Hitze und Trockenheit. Regenfälle gibt es kaum und wenn dann nur als wolkenbruchartige Unwetter, die vor allem Schaden anrichten.

Diese natürliche Teilung Ägyptens sollte auch immer wieder wie ein roter Faden Einfluss auf die politische Landschaft und die Machtverteilung im Pharaonenreich nehmen.

Der Pharao trug als Zeichen der Herrschaft über das vereinte Ägypten die Doppelkrone, welche sich aus der weißen oberägyptischen und der roten unterägyptischen Krone zusammensetzte.

Das pharaonische Königtum war in der damaligen Vorstellung also ein doppeltes – bestehend aus einem oberägyptischen und unterägyptischen. 

Jeder Herrscher hatte bei der Thronbesteigung die „Vereinigung der beiden Länder“ rituell neu zu vollziehen.


Und hier werden wir erstmals Zeuge einer Szene, die wir auf unserer Reise noch oft erleben werden. 

Der Guide einer anderen Gruppe kommt auf uns zu und begrüßt Abdel respektvoll. 

Dann wendet er sich an uns mit den Worten: "Ihr habt hier den Besten." 

Im weiteren Verlauf des Berichtes verzichtete ich auf die Schilderung dieser Momente. Der Bericht würde sonst noch viel länger. 😉

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Als nächstes stehen wir vor einer Kolossalstatue von Ramses II. , 19. Dynastie, 1279 – 1213 v. Chr. , Neues Reich. 




Er hält in beiden Händen deutlich sichtbar seine Stempelsiegel. 



Typisch für Ramses II. trägt die Statue überall verteilt seine Namenskartusche als Tiefrelief. 



Er war wohl immer in Sorge, das spätere Herrschergenerationen seinen Namen von den Monumenten tilgen und durch ihren ersetzen, wie es Herrscher vor ihm schon taten – und er es teils auch tat. 😇



Daneben steht noch eine Kolossalstatue von Sesostris I., 12. Dynastie, 1965 – 1930 v. Chr. einem der bedeutendsten Pharaonen des Mittleren Reiches. 

Somit wurden wir in und um die zentrale Aula schon mal von einer illustren Schar von Pharaonen quer durch die Dynastien eingestimmt auf das ägyptische Reich.


Nun geht es aber chronologischer weiter durch die einzelnen Räume und Galerien des Museums. 

Da unser Museumsrundgang uns durch alle Epochen des alten Ägyptens führen wird, nutzt unser Reiseleiter (oder besser Lehrer) Abdel dies für einen „kurzen“ theoretischen Gang durch diese 3.000 Jahre. Tja, und ihr bekommt diesen Gang jetzt eben auch. 🤣


 Die Geschichte des ägyptischen Pharaonenreiches wird in mehrere Haupt- und Zwischenepochen gegliedert und diese in 31 Dynastien aufgeteilt. Die drei Hauptepochen Altes, Mittleres und Neues Reich werden jeweils gefolgt und getrennt durch die 1., 2. und 3. Zwischenzeit. Darauf folgen die Spätzeit, dann die Perserzeit und schließlich die griechisch-römische Epoche. 


Exkurs: Reichseinigung und frühdynastische Zeit 2900 – 2590 v. Chr., 0. - 2. Dynastie

Über die Entstehung des ägyptisches Staates, die sich über mehrere Jahrhunderte hinzog, gibt es kaum Informationen. 

Der Legende nach war es letztlich ein König Menes, der die Vereinigung Ober- und Unterägypten vollendete. Da ägyptische Herrscher immer mehrere Namen trugen, könnte es sich bei Menes eventuell um König Narmer handeln ( 0. Dynastie ca. 3.000 v. Chr. ). 

Diese Einigung erfolgte nicht friedlich, vielmehr wurden ausgehend vom oberägyptischen Abydos nach und nach alle Regionen Ober- und Unterägyptens einverleibt. Was oft durch Kriegszüge erfolgte, wovon unter anderem die Prunkpalette des Narmer berichtet. 

Es folgte die Schaffung einer einheitlicher Verwaltung durch Einsetzung von Beamten zur Kontrolle der einzelnen Regionen und die Verlagerung der Haupt- und Residenzstadt vom oberägyptischen Abydos ins neu gegründete unterägyptische Memphis (nahe den heutigen Kairo). 

Memphis lag zentraler zwischen dem wichtigen großflächigen Anbaugebieten Unterägyptens im Fayyumbecken und Nildelta und den schon bedeutsamen Handelsrouten zum vorderasiatischen Raum der Levante (Kanaan/Phönizien/Aramäische und andere semitische Reiche; heute Israel, Palästina, Libanon, Syrien) sowie dem Zweistromland Euphrat/Tigris. Durch die Staatsbildung waren Ägypten neuen Möglichkeiten und eine neuer Radius des politischen Handels zugewachsen. 

Als Großmacht umgeben von Stämmen vermochte der ägyptische Staat mit Leichtigkeit seinen Vorrang durchzusetzen. Man konnte Expeditionen im großen Stil durchführen, Zwischenhandel ausschalten und sich innerhalb eines weiten geographischen Raums den direkten Zugriff auf Ressourcen sichern. 

Dabei ging es nicht um die Eroberung fremder Territorien. Es ging vielmehr darum, die Interessen Ägyptens im Hinblick auf Handel und die Ausbeutung der Bodenschätze der Nachbarländer durchzusetzen. Gegen Übergriffe lokaler Stämme entlang der klar definierten Grenzen war man ohne große Mühen in der Lage sich zu behaupten.


Am Eingang zur zentralen Aula stehen wir vor einer Vitrine mit genau dieser Prunkpalette des Narmer aus der 0. Dynastie. 



Sie ist in Form einer Schminkpalette gestaltet, auf der mehrere Pigmente mit einem Bindemittel vermischt wurden, um z.B. als Augenschminke verwendet zu werden. Allerdings ist die Palette zu groß und schwer für den praktischen Gebrauch, sie wurde als Votivgabe für einen Tempel in Hierakonpolis (Oberägypten zwischen Esna und Edfu) geschaffen. 

Auf beiden Seiten finden sich im oberen Teil Darstellungen der frühzeitlichen kuhgestaltigen Göttin Bat, die später mit der ebenfalls kuhgestaltigen Göttin Hathor verschmolz. Zwischen den Kuhköpfen steht jeweils eine Inschrift mit dem Namen des Narmer.

Eine Seite zeigt den barfüßigen Pharao, der mit einer Keule einen vor ihm knienden Feind erschlägt. 

Hinter ihm steht ein Diener der in einer Hand die Sandalen des Pharaos und in der anderen Hand einen Henkelkrug trägt. Der Pharao trägt die oberägyptische Krone und einen Schurz, an dem ein Tierschwanz befestigt ist. 

Gegenüber dem Pharao ist ein Horusfalke als Symbol für den oberägyptischen Herrscher dargestellt. Er befindet sich über dem Hieroglyphenzeichen „Feind“, das mit einer Papyruspflanze als Zeichen für Unterägypten kombiniert ist. In der Kralle hält der Falke eine Schnur, die zur Nase des Feindes führt. Die Botschaft ist klar: Der oberägyptische Herrscher besiegt seinen unterägyptischen Feind. 

Da der Pharao barfuß ist, muss die Handlung des (zeremoniellen) Erschlagens in einem heiligen Bezirk (wohl Tempel) stattgefunden haben, der nur barfuß betreten werden durfte. Im unteren Teil sind zwei unterworfene Personen dargestellt, ihre Unterlegenheit wird durch die Körperhaltung und ihre Nacktheit dargestellt. 


Die andere Seite wird durch zwei Schlangenhalspanther beherrscht. 



Sie werden von zwei bärtigen Personen an der Leine gehalten. Schlangenhalspanther stehen zum einen für die gefährliche, lebensfeindliche Wüste, zum anderen werden sie als Stützen des Himmels und Wächter des Sonnengottes Re gesehen. Eine genaue Interpretation der Szene ist umstritten in der Forschung. Die Darstellung zweier Schlangenhalspanther deutet aber zumindest wieder auf eine symbolische Darstellung Ober- und Unterägyptens hin. 

Im unteren Teil trampelt ein Stier eine Person und eine Stadtmauer nieder. 

Der Stier symbolisiert Stärke und Fruchtbarkeit, Eigenschaften die eng mit dem Pharao verbunden sind.


Oberhalb wird wieder Narmer dargestellt, diesmal mit der roten Krone Unterägyptens. 

Davor laufen vier Standartenträger und eine Würdenträger mit der Beischrift „tjet“. 

Die Person ist also entweder ein Sohn, designierter Nachfolger Narmers oder der höchste Beamte im Staat. („tjati“ steht für den späteren Amtstitel des Wesirs, welcher in der gesamten Pharaonenzeit den neben dem Pharao ersten Mann im Staat bezeichnet.) 

Die vier Standarten sind Symbole der Herrschaft, sie stehen für das sogenannte Horusgeleit. In der Phase der Reichseinigung war der Pharao gezwungen, sich physisch im Reich hin und her zu bewegen, um überall im Land präsent zu sein und seine Herrschaft zu verstetigen. Er musste selbst inspizieren, Steuern erheben und Recht sprechen. Später wurden diese Verwaltungsaufgaben speziellen Beamten und regionalen Verwaltungsbehörden übertragen. Rechts liegen aufgereiht erschlagene Feinde. Hinter dem Pharao läuft wieder ein Sandalenträger und er geht barfuß – auch diese Prozession findet also auf heiligem Gebiet statt, das nur barfuß betreten werden darf.

Diese frühen Darstellungen aus der 0. Dynastie zeigt uns bereits viele Elemente, die sich wie ein roter Faden durch alle Dynastien ziehen und denen wir auf unserer Reise immer wieder begegnen werden.

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1’947 Beiträge · seit 200911. Okt. 2026 ·
Hallo CrocV, 

da bin ich mal gespannt wie Ihr die Reise erlebt habt. 🙂

Ich habe so eine ähnliche Reise 1990 unternommen, "Studienreise" am Nil entlang beginnend mit Aussuan bis Kairo. Es war schon immer mein Traum einmal die Pyramiden sehen. Mein Mann wollte partout nicht mit also begleitete mich eine Freundin. Ich habe unterwegs von meinen 4 Paar Schuhe nur noch 1 Paar gehabt - alle anderen habe ich weg geschmissen, weil sie voll Kamelmist o.ä. waren. Die Hälfte der Reisegruppe (8 Personen) wurden unterwegs krank (2 mussten kompl. abbrechen). Mich erreichte Montezumas Rache zum "Glück" erst ab der Landung in Deutschland. Wurde ins Tropeninstitut Hamburg überwiesen. Habe mich während der Reise strikt daran gehalten: nichts essen was nicht gekocht ist, keine Eiswürfel, Wasser nur aus verschlossenen Flaschen (auch zum Zähneputzen) usw. Die Reise war zwar teilweise sehr interessant (Abu Simbel, Luxor, Tal der Könige, Karnak Tempel, Pyramiden, ägpt. Museum, alles ohne den jetzt herrschenden overtourism), aber die schlechten Erinnerungen (Essen/Hotels-obwohl es seinerzeit 4-5 Sterne Hotel waren-die aber in D Null-1 hätten, Müll, Dreck, sehr aufdringliche Bettler, als allein reisende *blonde* Frau sehr schwierig) überwiegen und ich werde Ägypten sicher nie wieder besuchen. 

Liebe Grüße Lotusblume Reiseberichte(klick):2022-Sep/Okt Südafrika "Genuss-Reise ums Westkap"//2021-Nov "3670 km durch Namibias Nov.-Hitze"//2018-Okt Namibia "Von der Wüste zu den Wasserwelten"//2015-Aug/Sep Südafrika "Unser Wiedersehen mit Südafrika"//2013-Nov Namibia "Unsere Silberhochzeit bei Vollmond"//2010-Apr Namibia "Unsere Unterkünfte"
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

Hallo Lotusblume,

das hört sich alles richtig heftig an, was du da schreibst. Ich kann es vorweg nehmen: Nichts davon haben wir (zum Glück) erleben müssen. Aber ich möchte nicht zu sehr vorgreifen. Ich freue mich jedenfalls über dein Interesse und hoffe, dich nicht zu sehr mit den vielen detaillierten Abhandlungen "Abzuschrecken". Wir hatten nun mal einen sehr guten Lehrer als Reiseleiter. Ich kam manchmal kaum nach, all diesen Input in unserem Reisetagebuch festzuhalten, bevor wir es wieder vergessen hatten bzw. es durch neuen Input "überschrieben" wurde. Ich habe lange überlegt, solche Passagen raus zu kürzen. Ich habe mich dann aber doch dagegen entschieden. 

Viel Spaß bei Lesen meiner "Abhandlungen" in den nächsten Monaten. 

Und vielleicht bekommst du durch unsere positiven Erlebnisse doch wieder Lust auf das Ägypten.🙂

Lotusblume schrieb:Hallo CrocV, 

da bin ich mal gespannt wie Ihr die Reise erlebt habt. 🙂

Ich habe so eine ähnliche Reise 1990 unternommen, "Studienreise" am Nil entlang beginnend mit Aussuan bis Kairo. Es war schon immer mein Traum einmal die Pyramiden sehen. Mein Mann wollte partout nicht mit also begleitete mich eine Freundin. Ich habe unterwegs von meinen 4 Paar Schuhe nur noch 1 Paar gehabt - alle anderen habe ich weg geschmissen, weil sie voll Kamelmist o.ä. waren. Die Hälfte der Reisegruppe (8 Personen) wurden unterwegs krank (2 mussten kompl. abbrechen). Mich erreichte Montezumas Rache zum "Glück" erst ab der Landung in Deutschland. Wurde ins Tropeninstitut Hamburg überwiesen. Habe mich während der Reise strikt daran gehalten: nichts essen was nicht gekocht ist, keine Eiswürfel, Wasser nur aus verschlossenen Flaschen (auch zum Zähneputzen) usw. Die Reise war zwar teilweise sehr interessant (Abu Simbel, Luxor, Tal der Könige, Karnak Tempel, Pyramiden, ägpt. Museum, alles ohne den jetzt herrschenden overtourism), aber die schlechten Erinnerungen (Essen/Hotels-obwohl es seinerzeit 4-5 Sterne Hotel waren-die aber in D Null-1 hätten, Müll, Dreck, sehr aufdringliche Bettler, als allein reisende *blonde* Frau sehr schwierig) überwiegen und ich werde Ägypten sicher nie wieder besuchen. 


Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

1. Zwischenzeit: Das Reich zerfällt, 2150-1980 v. Chr., 7. - 11. Dynastie

Die Dezentralisierung der Verwaltung in der 5. und 6. Dynastie führte mit dem Ausbau der Provinzverwaltungen zu einem Aufschwung in den Gauen. Die Gauhauptstädte wurden größer, die lokalen Eliten bauten ihre Grabstätten nicht mehr am Regierungssitz des Pharaos, sondern in Provinznekropolen. Pharao Pepi II. starb Ende der 6. Dynastie ohne Nachfolger. Durch diese Krise der Zentralmacht zerfiel das Reich für die nächsten gut 150 Jahre in kleine Provinzen, welche mehr oder weniger autonom von Gaufürsten und lokalen Verwaltungen regiert wurden. In Memphis wurden zwar in der 7. und 8. Dynastie etliche Pharaonen gekrönt. Die Überlieferungen sprechen von bis zu 70 (!) Pharaonen in der 7. und 27 Pharaonen in der 8. Dynastie. Namentlich überliefert sind nur wenige Namen, aber keiner dieser Herrscher hat Inschriften oder Baudenkmäler hinterlassen. Ein Zeichen, das sie jeweils wohl nur extrem kurz regierten. Die Zahlen sind vermutlich übertrieben, gelten aber dennoch als Zeichen für die große Wirren hinsichtlich einer legitimen Thronnachfolge. Entsprechend gering war der Einfluss der Pharaonen in dieser Zeit.

Für die 9./10. Dynastie sind dann gar keine Pharaonen mehr überliefert, sondern lediglich etliche Herrscher in Herakleopolis Magna in Mittelägypten, die aber keinen überregionalen Einfluss hatten.

In der 11. Dynastie bildete sich ein weiteres Machtzentrum in Theben heraus, dessen Fürsten ebenfalls den Titel eines Pharaos beanspruchten. Insgesamt war Ägypten aber in eine ganze Reihe von Fürstentümern und Stadtstaaten zerfallen, die Kriege gegeneinander führten oder Bündnisse schlossen. Im Lauf der Zeit konnten sich dann die thebanischen Fürsten durchsetzen. Fürst Mentuhotep II. , (2009-1959 v. Chr.) gewann schließlich die entscheidende Schlacht gegen Herakleopolis und einte Ägypten erneut und wurde zum Begründer des Mittleren Reichs.


Die nächste Statue stellt eben jenen Pharao Mentuhotep II. dar, der Ober- und Unterägypten nach der 1. Zwischenzeit zum zweiten Mal nach König Narmer vereinigte.

Er wird mit der Roten Krone und einem eng anliegenden Kostüm des Sed-Festes dargestellt, einem Jubiläum, das nach 30 Jahren Herrschaft gefeiert wird. Die Position seiner verschränkten Arme verbinden ihn mit dem Gott Osiris, dem Gott des Todes, der Fruchtbarkeit und der Auferstehung. 


Mittleres Reich: Kunst und Wissenschaft, 1980-1661 v. Chr., 12. - 13. Dynastie

Theben war zunächst Regierungssitz, dieser wurde aber dann wieder nach Memphis verlagert, da von dort die Handelswege nach Vorderasien strategisch besser kontrolliert werden konnten. Der lokale thebanische Gott Amun wurde nun in ganz Ägypten als Göttervater verehrt. Mehrere Expeditionen brachten die Kontrolle über Unternubien bis zum 2. Katarakt zurück und auch Handelsbeziehungen zu Vorderasien und Punt wurden wieder aufgenommen. 

Innenpolitisch war die Macht des Pharaos weit entfernt von der absolutistischen Herrschaft im Alten Reich. So blieb die dezentrale Verwaltungsstruktur bestehen, auch die Gaufürsten und lokalen Eliten blieben im Amt. Die Felsengräber unter anderem in Beni Hassan zeugen davon. 

Die Pharaonen der 12. Dynastie mussten sich gegen eine gebildete und wirtschaftlich mächtige Schicht von lokalen Fürsten behaupten. Um ihren Herrschaftsanspruch hervorzuheben, bedienten sich die Pharaonen der Literatur. Mit ihrer Förderung entstand eine ganze Reihe von Königsnovellen. Das Mittlere Reich wurde so zur klassischen Epoche der Literatur im alten Ägypten. In Inschriften belegt ist auch erstmals das „Schöne Fest vom Wüstental“, kurz Talfest. 

Bei diesem Nekropolenfest zog der Gott Amun von thebanischen Ostufer (heute Luxor) über dem Nil ans Westufer. 

Ziel war dort das Felsenheiligtum der Göttin Hathor in Deir el-Bahari. 


Auch die Ko-Regentschaft wurde in der 12. Dynastie erstmals eingeführt. Hierbei machte der Pharao in seinen letzten Lebensjahren bereits seinen Nachfolger zum Ko-Regenten, um so die reibungslose Nachfolge zu gewährleisten. Auslöser war möglicherweise die strittige Nachfolge von Sesostris I., nachdem sein Vater Amenemhet I vermutlich einem Mordanschlag zum Opfer fiel. 

Jedenfalls installierte Sesostris I. am Ende seiner 45 Regierungsjahren erstmals seinen Sohn Amenemhet II. als Ko-Regenten und regierte drei Jahre zusammen mit ihm. 

Mitte der 13. Dynastie kam es erneut zu Wirren bei der Thronnachfolge, so das über diese Herrscher kaum etwas bekannt ist. Die 2. Zwischenzeit kündigt sich an.



Mit der Statue von Pharao Sesostris I. , 12. Dynastie, ca. 1975-1930 v. Chr. treffen wir einen der großen Pharaonen des Mittleren Reichs. 

Sie zeigt den Pharao mit weißer Krone aus Zedernholz. Der König trägt einen knielangen, weiß lackierten Kilt mit den plissierten Seitenklappen, die Falten sind mit rotem Pigment angedeutet. Er hält einen langen Krummstab, dessen unterster Teil abgebrochen ist, in seiner linken Hand. Die rechte Hand hielt vermutlich ein Zepter.





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1’947 Beiträge · seit 200911. Okt. 2026 ·


CrocV schrieb:Ich freue mich jedenfalls über dein Interesse und hoffe, dich nicht zu sehr mit den vielen detaillierten Abhandlungen "Abzuschrecken".

Mir rauchte damals schon der Kopf, nach den 3./4. Tempel habe ich auf Durchzug geschaltet, konnte mir einfach die ganzen Dynastien, Verwandtschaften, Pharaonen und Inputs nicht merken. Wir hatten auch so einen engagierten Reiseleiter, der sich aber im Verlauf mäßigte 😀 Übrigens waren die Pyramiden/Syphix seinerzeit nicht mein erwartetes highlight sondern Abu Simbel und Tal der Könige/Luxor.

Ich denke nicht, dass mich dein RB von eine Reise überzeugen wird, aber er frischt sicher Erlebtes auf. Vorab Danke dafür!

Liebe Grüße Lotusblume Reiseberichte(klick):2022-Sep/Okt Südafrika "Genuss-Reise ums Westkap"//2021-Nov "3670 km durch Namibias Nov.-Hitze"//2018-Okt Namibia "Von der Wüste zu den Wasserwelten"//2015-Aug/Sep Südafrika "Unser Wiedersehen mit Südafrika"//2013-Nov Namibia "Unsere Silberhochzeit bei Vollmond"//2010-Apr Namibia "Unsere Unterkünfte"
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

2. Zwischenzeit: Herrschaft der Hyksos, 13. - 17. Dynastie, ca. 1661-1540 v. Chr.

Bereits ab der 12. Dynastie waren Einwanderer aus Vorderasien in großer Zahl in Militär, Handel und Handwerk beschäftigt. Als die Zentralmacht gegen Ende der 13. Dynastie immer schwächer wurde, übernahm ein Führer dieser als Hyksos („Fremde“) bezeichneten Gruppe die Herrschaft in Unterägypten. Ägypten war also erneut geteilt. 

Die Pharaonen herrschten von Theben aus nur noch über Oberägypten, wurden dort aber auch vom aufstrebenden Reich Kerma in Obernubien bedrängt. Erstmals war die Einheit Ägyptens durch Fremde von Außen bedroht. Die Theologie um den oberägyptischen Gott Amun, dessen Hauptkultort der Karnak-Tempel in Theben war, gewann weiter an Bedeutung. Immer häufiger wurde er nun in einer Art Symbiose mit dem unterägyptischen Sonnengott Re als Amun-Re verehrt und dargestellt. Es wurden Statuen des Amun-Re gestiftet und dem Tempel des Amun-Re immer wieder Ländereien zugewiesen. Entsprechend wuchs der Einfluss der Priesterschaft des Amun-Re. Eine Entwicklung, die prägend sein sollte für die zukünftigen Dynastien. 

Wie schon bei der Schaffung des Altes und Mittleren Reiches ging die erneute Einigung Ägyptens von Oberägypten aus. Pharao Sekenenre (um 1570 v. Chr.), 17. Dynastie, eröffnete den Kampf gegen die Hyksos, sein Sohn Kamose (um 1540 v. Chr,) stieß mit seiner Flotte bis vor die Tore der Hyksos-Haupstadt Auaris vor und dessen Bruder und Nachfolger Ahmose (1539-1515 v. Chr.) gelang es dann die Hyksos entscheidend zu schlagen (um 1540 v. Chr.) und die Einheit des Reiches wieder herzustellen. Er wurde zum Begründer des Neuen Reiches. 

Weitere wegweisende Entwicklungen finden in der 17. Dynastie statt. Die zentrale Verwaltung wird neu strukturiert und gestrafft und von der Familie des Pharaos selbst wahrgenommen. Während der langen Abwesenheit des Pharaos während der Feldzüge gegen die Hyksos und dann auch gegen die Nubier spielte die Königin und Königinmutter nun eine besondere Rolle. Sie verwalteten und regierten das Reich faktisch entscheidend mit. Pharao Ahmose schuf daher für seine Schwester-Ehefrau Ahmes-Nefertari das neue Amt „Gottesgemahlin des Amun“. 

Zum einen hatte sie damit Verfügungsgewalt über die Besitztümer des Amun-Tempels. Noch wichtiger aber war, das nur die Gottesgemahlin zur Weitergabe des Pharaonenamtes berechtigt war, das heißt die Gottesgemahlin brachte den Thronfolger zur Welt und dieser war nun als „Sohn des Amun“ direkt von göttlicher Abstammung. Die weibliche Abstammungslinie gewann also an Bedeutung. 

(Wobei damit meiner Meinung nach möglicherweise „nur“ zu einer Befriedung innerhalb der pharaonischen Familie mit mehreren Ehefrauen und damit verbunden häufig mehreren männlichen Nachkommen führen sollte. Nebenfrauen /-söhnen nutzte es dadurch nichts mehr, die männlichen Nachkommen anderer Ehefrauen zu „beseitigen“. Grundsätzlich ein kluger Schachzug, der aber auch zu neuen Problemen führen sollte. Was spätestens im Fall Hatschepsut deutlich wurde …) 

Zudem wurde unter Pharao Ahmose erstmals das Amt des „Hohepriesters des Amun“ erwähnt. Ein Amt, das zum Ende des Neues Reiches schicksalhaft werden sollte für das Pharaonenreich.



Wir überspringen die 2. Zwischenzeit und gelangen mit der Statue von Thutmosis III. ins Neue Reich in die 18. Dynastie. 

Beim Tod seines Vaters 1479 v. Chr. war er noch ein Knabe und so herrschte zunächst seine Stiefmutter Hatschepsut als Regentin für Thutmosis III. Hatschepsut erklärte sich dann sogar selbst zur Pharaonin und regierte weitere 20 Jahre lang bis zu ihrem Tod 1458 v. Chr. anstelle ihres Stiefsohns. Erst dann regierte Thutmosis III. (ca. 1458 - 1425 v. Chr.). Während sich Hatschepsut in ihrer Regierungszeit eher um Handel (auch mit dem südlich gelegenen Punt) und Wirtschaft kümmerte und diese zur Blüte führte, führte Thutmosis III. in seiner Regierungszeit Feldzüge an den vorderasiatischen Außengrenzen des Reiches. Er gilt als der größte Krieger des alten Ägypten. Er führte 16 Feldzüge, die dazu beitrugen, Ägypten vor den asiatischen Stämmen zu schützen, die er bei Megiddo in Kanaan besiegte. Später führte er Feldzüge bis nach Karkemisch am oberen Euphrat im heutigen Syrien. Er baute Tempel und Heiligtümer für Amun-Re, den Staatsgott in Luxor und Nubien. Diese Statue zeigt den Pharao als jungen, athletischen Mann, der die weiße Krone Oberägyptens trägt. 


Neues Reich: Imperium, 18. - 20. Dynastie, 1540 – 1077 v. Chr.

Nach dem Trauma der Fremdbesetzung und damit dem Bewusstsein, das Ägypten nicht unverwundbar war und es außerhalb des Reiches nicht nur Chaos, sondern ebenfalls aufstrebende Reiche und Kulturen gab, führte nun eine aggressive Außenpolitik zur größten Ausdehnung Ägyptens von Syro-Kanaan bis weit nach Nubien hinein. Zunächst durch enorme kriegerische Kampagnen vor allem unter Thutmosis I. (1504-1492 v. Chr.) unter Nutzung des neu von den „Hyksos“ übernommenen Streitwagens, später auch durch friedliche Diplomatie und Bündnispolitik. Thutmosis I. legte somit im wesentlichen die Grenzen des Großreiches für die nächsten Jahrhunderte fest und wurde zum Stammvater der 18. Dynastie, die so bekannte Persönlichkeiten wie Hatschepsut, Echnaton und Tutanchamun hervorbringen sollte. Amun-Re wird endgültig zum Hauptgott, dem „König der Götter“. 

Der Karnak-Tempel zum landesweiten Hauptkultort, dessen Liturgie erweitert und schriftlich festgelegt. Die Gestaltung der Pharaonengräber im Tal der Könige ab Thutmosis I. wird dadurch entscheidend geprägt. Mit Ramses II. (1279-1213 v. Chr.) folgte dann in der 19. Dynastie ein weiterer prägender Pharao. 

Ab seiner Regierungszeit nehmen aber auch die Abwehrkämpfe gegen aufstrebende Reiche im Osten und Süden zu. Seine gleichnamigen Nachfolger in der 20. Dynastie ab Ramses III. (1187-1157 v. Chr.) sollten es dann auch noch mit dem immer heftigeren Kampf gegen die Seevölker zu tun bekommen. Die vorderasiatischen Provinzen mussten aufgegeben werden. Die Nubier rückten bis zu 2. Katarakt vor. Durch den Verlust der Ressourcen der Provinzen setzte ein langer wirtschaftlicher und politischer Niedergang ein. Grabräuberei, auch im Tal der Könige, häufte sich. Die 3. Zwischenzeit kündigte sich an.



Es folgt einer Statue der Göttin Hathor in Kuhgestalt mit Amenophis II. (Sohn und Nachfolger von Thutmosis III.), 18. Dynastie, 1428-1397 v. Chr. 

Die Göttin Hathor beschützt Pharao Amenophis II., der unter ihrem Hals steht: Die Kuh ist von Papyrusstämmen umgeben und trägt die hathorischen Hörner mit der Sonnenscheibe mit zwei kurzen Federn und dem Uräus (Kobra). Seitlich sieht man, wie die Göttin Hathor den jungen Thronerben säugt. 

(Ich zeige das Bild trotz schlimmer Spiegelung).🫣 Dieser Schrein mit der Statue der Göttin Hathor, erbaut von Thutmosis III., wurde in der Nähe des Tempels des Mentuhotep in Deir el-Bahari gefunden. Das Dach ist blau mit gelben Sternen gestrichen, um das Himmelsgewölbe zu imitieren, und an der Rückwand macht der Pharao ein Trankopfer und verbrennt Weihrauch vor Amun-Re.


Vor dem Aufgang zum 2. Stock dominiert die Statue der Hatschepsut, 18. Dynastie den Raum. 

Gefunden wurde sie in Deir el-Bahari beim Totentempel der Hatschepsut. Dieser Kopf stammt von einer der vierundzwanzig kolossalen Osiris-Statuen, die den Portikus der dritten Terrasse ihres Totentempels in Deir el Bahari schmücken. Hatschepsut war die Schwesterfrau von Thutmosis II. und wurde die fünfte Pharaonin der 18. Dynastie. Die Königin wird als Osiris mit männlichen Attributen wie dem zeremoniellen Bart dargestellt und mit rötlich-brauner Haut dargestellt, einer Farbe, die in der altägyptischen Kunst normalerweise Männern vorbehalten war, im Gegensatz zu der blassen gelblichen Farbe, die Frauen vorbehalten war.


Daneben steht eine Sphinx, ebenfalls gefunden im Totentempel der Hatschepsut. 

Der Körper dieser Sphinx der Hatschepsut als Pharao ist im typischen Stil dargestellt, wobei die Vorderbeine nach vorne gestreckt und der Schwanz sich um das rechte Hinterbein windet. Das geordnete Fell bedeckt ihren Kopf und trifft mit einem breiten Band auf die Stirn. Die Mähne umrahmt auch ihr Gesicht, endet am langen falschen Bart und erstreckt sich von den Beinen bis zu den "Ellbogen". Eine Inschrift, die sich knapp unter dem Bart bis zum Ansatz zwischen den Pfoten erstreckt, lautet: "Maatkare (ihr Krönungsname), geliebt von Amun, mit Leben begabt für immer." Spuren der blauen und gelben Farbe sind zu sehen. Es wird angenommen, dass diese Sphinx, die Verkörperung der Macht des Pharaos, an der Rampe zwischen der unteren und der mittleren Terrasse ihres Tempels in Deir el-Bahri stand.

Eine weitere Sphinx der Hatschepsut aus rotem Granit rundet das Ensemble ab.



Weiter geht es in einen Raum, der Pharao Echnaton, 18. Dynastie, ca. 1351-1334 v. Chr. , gewidmet ist. Hier sehen wir mehrere Statuen Echnatons 


und seinen vermutlichen oder vermeintlichen (?) Sarg. 


Amenophis IV. (Sohn von Amenophis III. und Königin Teje) änderte seinen Namen in Echnaton, als er seine religiöse Revolution startete: Die Anbetung der vieler Göttern rund um Amun wurde ersetzt durch die Huldigung von Aton als alleinigen Gott, der in Gestalt einer Sonnenscheibe samt Strahlenhänden dargestellt wurde. Echnaton ließ als zentrale Kultstätte sogar eine neue Hauptstadt erbauen: Achet-Aton (heute: Tell el-Amarna). 

Die religiöse Umwälzung wurde nach Echnatons Tod von seiner Tochter Merit-Aton und dann von seinem Sohn Tutanch-Aton wieder rückgängig gemacht, der seinen Namen dafür sogar änderte in Tutanch-Amun. Wobei die Jahre nach dem Tod von Echnaton einige Fragen aufwerfen, da spätere Pharaonen die Regierungszeit Echnatons und seiner direkten Nachfolger tilgen wollten. Und daher wenige Zeugnisse und Inschriften dieser Phase überdauert haben. Unklar ist zunächst, ob Nofretete ihren Gatten Echnaton überlebt und als Gottesgemahlin die Regentschaft für ihre Kinder übernahm. Möglicherweise unter dem Thronnamen Semenchkare, denn dieser Pharaonenname taucht in zwei Inschriften auf? 

Andererseits haben neue Untersuchungen der Grabbeigaben Tutanchamuns eindeutige Belege dafür geliefert, dass einige der Gegenstände ursprünglich für seine Schwester Merit-Aton gedacht waren. Ihr Name war darin eingraviert, wurde dann getilgt und mit dem Namen Tutanchamuns überschrieben. Es blieben aber an mehreren Stellen verräterische Überreste des Namenszuges von Merit-Aton erhalten. Das Besondere daran: Der Name Merit-Atons war in der Pharaonen-Kartusche geschrieben. Was bedeutet, das sie wohl nach dem Tod von Echnaton regiert hat. Was wiederum nur Sinn macht, wenn die Gottesgemahlin Nofretete vor Echnaton verstorben ist. Und dieser seine Tochter Merit-Aton zur neuen Gottesgemahlin genommen hat. Dies war durchaus üblich. Und so wäre Merit-Aton nach dem Tod Echnatons in der Position gewesen, die Regierungsgeschäfte zu führen, bis ihr vierjähriger Bruder Tutanchamun fähig war, den Pharaonenthron zu besteigen. 

Merit-Aton war es wohl, die den Umzug nach Theben vollzog und Achet-Aton aufgab. Eine demotische Inschrift im Grab ihres Großvaters Amenophis III. legt nahe, dass sie hierbei die Mumien ihrer Mutter Nofretete und ihrer Großmutter Teje aus ihren Gräbern in Achet-Aton in das Grab ihres Großvaters Amenophis III. umbetten ließ. 

Vier Jahre nach dem Tod von Echnaton wurde dann Tutanchamun noch im Kindesalter zum Pharao gekrönt. Seine Schwester Merit-Aton wird nie mehr erwähnt. Möglicherweise war es Tutanchamun, der als Legitimierung seiner Herrschaft die Mumie seines Vaters Echnaton umbetten ließ in das Grab 55 im Tal der Könige. Wenn der in KV55 gefundene Sarg denn wirklich die Leiche von Echnaton enthielt. Die Diskussion darüber wird immer noch sehr intensiv innerhalb der Wissenschaft geführt. Was dafür spricht und was dagegen wird sehr gut dargestellt in diesem Video: TOMBE 55 : Ils ont effacé le nom de ce pharaon et nous ne savons TOUJOURS pas qui il est - YouTube

Denn einer alten Tradition gemäß hatte der neue Pharao seinen Vorgänger zu beerdigen. Interessant ist hierbei, das der frühere Pharao quasi inkognito in einem Frauensarg beigesetzt wurde. Im Grab KV55 wurden auch drei Kanobenkrüge aus Alabaster gefunden. Völlig unüblich wurden die ursprünglichen Namenskartuschen von diesen entfernt, konnten aber als Kartuschen von Kiya, einer Nebenfrau Echnatons rekonstruiert werden. Hintergrund dafür könnte sein, dass die Herrschaft Echnatons mittlerweile negativ beurteilt wurde. Zum Einen durch die radikale Reform, aber wohl auch durch den Verlust der strategisch wichtigen Stadt Kadesh an die Hethiter. Besonders tief muss die selbstbewussten Ägypter hierbei getroffen haben, dass ein von Echnaton entsandtes Heer zur Rückeroberung von Kadesh besiegt worden war. In den Augen der Zeitgenossen Echnatons ein klares Zeichen, dass die Götter sich von Ägypten abgewandt hatten und Schuld war der „Ketzerkönig“ Echnaton.



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zuletzt bearbeitet 14. Okt. 2026
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

Als nächstes kommen wir zu den Funden in Grab 46 im Tal der Könige. Dieses undekorierte Privatgrab gehörte dem Beamtenehepaar Tuja und Juja. 

Sie lebten in der 18. Dynastie und waren die Eltern der Großen königlichen Gemahlin Teje und somit Schwiegereltern von Pharao Amenophis III. ( ca. 1379 – 1340 v. Chr.), dem Vater Echnatons. Sie waren somit auch die Ur-Großeltern Tutanchamuns. 

Tuja und auch Juja wurden in mehreren Särgen beigesetzt, die teilweise mit Silber und Gold beschlagen waren. Wobei der äußerste jeweils ein großer Holz-Sarkophag war und die drei (Juja) bzw. zwei (Tuja) darin enthaltenen inneren Särge jeweils die Form eines menschlichen Körpers (anthropomorph) hatten. 



Die äußeren großen Sarkophage stehen in Schutzfolie in einem abgesperrten Teil des Museums der wohl gerade renoviert wird. Während alle anderen Guides mit ihren Gästen an den Absperrungen stehen bleiben und diese von fern anschauen, schiebt Abdel wie selbstverständlich (ohne Einschreiten der Aufseher) die Absperrung beiseite und geht mit uns zu den beiden großen äußeren Sarkophagen. 

Wir schauen uns diese aus nächster Nähe an und verlassen dann den abgesperrten Bereich wie selbstverständlich wieder auf der anderen Seite. 


Wir stehen nun vor den beiden innersten Särgen, in denen jeweils die die beiden Mumien von Tuja und Juja liegen. 

Ihre Gesichter trugen prächtige Totenmasken aus Stuck mit Blattgold, die in einer separaten Glasvitrine ausgestellt sind. 

Daneben befindet sich auch der mittlere der drei Innensärgen des Juja. 

Dieser zweite Innensarg besteht aus Holz, das mit Blattsilber überzogen ist.

Der Sarg hat vergoldete Inschriften und auf beiden Seiten sind Prozessionen von Gottheiten abgebildet, die von Thoth, dem Gott des Schreibens, der Rechenkunst und des in Archiven enthaltenen Wissens als Schutzgott angeführt werden.



Gegenüber ist Tujas erster Innensarg zu sehen. Er besteht aus Holz. 

Die Augen sind mit weißem Marmor und Obsidian eingelegt, die Wimpern und Augenbrauen mit undurchsichtigem violettem Glas. Auf jeder Seite sind fünf Szenen zu sehen, die durch vier vertikale Bänder voneinander getrennt sind. Diese Bänder sind mit Gebeten und Anrufungen an die Götter beschriftet und geben auch die Namen und Titel der Verstorbenen an. 


Daneben befinden sich in einer separaten Vitrine auch die Mumiengurte der beiden aus vergoldeten Kartonagen. 


Im Grab der beiden wurden 14 Ushebtis für Juja und 4 Ushebtis für Tuja gefunden. 

Jeder Ushebti ist mit den sechs Kapiteln umfassenden "Ushebti"-Zaubersprüchen aus dem Buch der Toten beschriftet, wodurch die Ushebtis im Jenseits wieder belebt werden. Jujas Ushebtis wurden aus teurem Ebenholz und Zedernholz hergestellt, während Tujas Ushebtis aus Gold und Silber gefertigt wurden. Außerdem wurden etliche Miniaturen von Kisten, Jochen, Hacken, Spitzhacken, Ziegelformen usw. gefunden. Gegenstände, die von den Ushebtis für ihre Arbeit im Jenseits benötigt wurden. 


Zu den weiteren Grabbeigaben zählen zwei teilweise mit Gold beschlagene Kanopenkästen, die jeweils einen vollständigen Satz Kanopen aus Alabaster enthielten.


Bemerkenswert sind auch die im Grab gefundenen Möbel, darunter Betten und mehrere Sessel. 

Einer trägt die Inschrift der Prinzessin Sitamun, Tochter Amenophis III., und Enkelin des Paares. Die Rückenlehne ist mit zwei gespiegelten Bildern verziert. Sie zeigen ein junges Mädchen, das einer sitzenden Frau eine große Halskette überreicht. 

Eine Hieroglyphenschrift weist die sitzende Frau als „die Tochter des Königs, des Großen, seiner geliebten Sitamun“ aus. 


Auf den Seiten des Sessels sind mehrere Figuren des Gottes Bes zu sehen. 

Und zwar interessanterweise in seiner ursprünglichen Form als aufrecht stehender Mähnenlöwe anstelle der später in der ptolemäischen Zeit üblichen Darstellung als Zwerg. Er wurde als Schutzgottheit der Schwangeren und Gebärenden verehrt.


Es wurden außerdem mehrere Schmuckschatullen aus Holz mit dem Namen von Amenophis III. gefunden. 

Die Seiten der einer Schatulle sind mit den Symbolen des Ankh, Djed und Was auf einem blauen Hintergrund aus Keramikfliesen verziert. Der Deckel besteht aus zwei Klappen, die sich nach beiden Seiten öffnen lassen und den knienden Gott Re darstellen, der die Kartusche von Amenophis III. hält. 


Weitere Objekte waren unter anderem ein zweispänniger Streitwagen. 


Er ist aus Holz gefertigt und mit Blattgold überzogen. Er ist zu niedrig, um von Pferden gezogen zu werden und den Blattgoldverzierungen nach zu urteilen, war er wahrscheinlich eher zur Dekoration als zum eigentlichen Kampf gedacht. 


Juja und Tuja besaßen zudem ein prächtiges 19 Meter (!) langes, vollständig und gut erhaltenes Totenbuch auf Papyrus. 

Die von links nach rechts verlaufenden Texte dieses Papyrus sind mit Szenen aus Bestattungsritualen und Totenkulten wie der Verehrung des Osiris und dem Trauerzug illustriert. 


Besonders beeindruckend sind zudem die Totenmasken von Tuja und Juja.





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Nun kommen wir zu mehreren Grabbeigaben Tutanchamuns, 18. Dynastie, ca. 1332 – 1323 v. Chr. im Saal vor den beiden „Schatzkammern“. Unübersehbar der prächtig verzierte Thron von Tutanchamun. 

Dieser Zeremonienthron war das schönste Objekt unter allen, die in der Vorkammer des Grabes gefunden wurden Er ist vollständig mit einem geprägten Goldblech von 3 mm Dicke überzogen und mit Halbedelsteinen eingelegt. 



Die Rückenlehne dieses Meisterwerks der altägyptischen Kunst zeigt in reinem Amarna-Stil Königin Anchsenamun, die Halbschwester und königliche Gemahlin von Tutanchamun, wie sie eine Salbe auf die Schulter von Pharao Tutanchamun reibt, während der Sonnengott Aton seine Strahlen auf das Paar ausbreitet. 


Daneben steht eine der beiden lebensgroßen Ka-Statuen von Tutanchamun. 

Diese Statue und ihr Gegenstück wurden im Vorraum des Grabes gefunden. Sie flankieren den Eingang zur Grabkammer wie zwei Wachposten. Der König trägt die Khat-Kopfbedeckung und den Shendyt-Kilt. In seiner linken Hand hält er den Mekes-Stab und in seiner rechten die Hedj-Keule. Diese beiden Insignien trägt der Pharao, wenn er bestimmte Rituale vor den Göttern durchführt. Die schwarze Farbe der Haut symbolisiert den reichen schwarzen Schlamm der Nilüberschwemmung und deutet für die alten Ägypter sowohl auf Wiedergeburt als auch auf die zyklische Auferstehung des Osiris hin. Die durchbohrten Ohren des Königs, sein hervorstehender Bauch und seine schlanken Gliedmaßen erinnern an die Kunst der Amarna-Zeit. 


Als nächstes die Kanopenvasen und der prachtvolle Kanopenschrein des Tutanchamun. 

Der Kanopenschrein ist hierbei eines der Objekte, auf denen Reste der Namenskartusche von Merit-Aton gefunden wurden. Er war also ursprnglich gar nicht für Tutanchamun gedacht. Worauf auch die Gesichter der Kanopenvasen hindeuten. Sie sind auffällig feminin. Ein Abbild seiner Schwesgter? Der Schrein wurde in der sogenannten Schatzkammer gefunden, mit einem Alabastergefäß, in dem sich vier Kanopenvasen mit vier Miniatursarkophagen für die inneren Organe des Pharaos befanden. Der Schrein, der auf einem Schlitten steht, ist von zwei Friesen aus Kobras mit der Sonnenscheibe umgeben. Zu jeder Seite des Schreins gibt es eine Göttin mit offenen Armen, um die kanonischen Vasen zu beschützen: Isis, Nephthys, Neith und Selket. 


Daneben steht der Anubis-Schrein von Tutanchamun.

Die Statue des Anubis wurde auf dem Schrein befestigt. Die Statue ist aus Holz gefertigt, das mit Stuck und Teer verkleidet ist. Die Innenseite der Ohren, die Bänder um den Hals, die Ränder der Augen und die Augenbrauen sind alle in Gold gehalten. Die Augen sind aus Calcit und Obsidian und die Fingernägel aus Silber. Die Seiten des Schreins ist mit zwei Reihen abwechselnder Paare von Djed- und Tit-Symbolen geschmückt, die mit Osiris und Isis verbunden sind. Der Schrein ruhte auf einer Sänfte, mit der das Bild des Gottes bei Prozessionen getragen wurde. Die Statue wurde am Eingang zur Schatzkammer gefunden, mit der Nase zur Grabkammer gewandt. Vermutlich, damit sein bedrohliches Aussehen jeden Eindringling erschrecken würde. Als sie gefunden wurde, war sie in ein Leinentuch gewickelt, das auf das siebte Jahr der Herrschaft Echnatons datiert wurde. Ein feineres Stück Stoff, ein Schal und eine Girlande aus Lotos- und Lilienblüten umgaben den Hals der Statue. Zwischen den Vorderpfoten befand sich zudem eine Elfenbeintafel, auf welcher von den Priestern übersehen wurde, den Namen von Merit-Aton zu tilgen.


3. Zwischenzeit: Thebanischer Gottesstaat / Lybische Herrschaft, 1076-723 v. Chr., 21-24. Dynastie

Das Reich zerbrach erneut. Im Norden wanderten lybische Stämme ein und gründeten mit Tanis als Hauptstadt ein eigenes Reich in Unterägypten, später aufteilt in einzelne Kleinkönigtümer gemäß ihren Stammestraditionen. Hierbei übernahmen die Lybier weitgehend die ägyptischen Traditionen. 

Sogar die Triade der thebanischen Götter Amun, Mut und Chons wurde verehrt. 

Lediglich die Bestattungssitten änderten sich: Anstatt in Nekropolen außerhalb der Stadt wurde Psusennes und seine Nachfolger nun mitten im Tempelbezirk beigesetzt. Das Grab von Psusennes I. (1051-1006 v. Chr.) zeugt mit seinen wertvollen Grabbeigaben eindrucksvoll davon.


Im Süden in Oberägypten herrschte nun die immer mächtigere Priesterschaft des Amun, die sich ab dem Hohepriester Herihor selbst zum Pharao krönen ließen. Der thebanische Gottesstaat entstand. In dieser Zeit erfolgte auch die Umbettung der Mumien der Pharaonen aus dem Tal der Könige in die Cachette von Deir el-Bahari oberhalb des Totentempels der Hatschepsut. Möglicherweise, um sie vor weiteren Grabräubern zu schützen. Vermutlich wurden bei der Umbettung der Mumien von den Priestern die noch verbliebene wertvolle Objekte aus den Gräbern entfernt, um die Staatskasse aufzubessern. Auch die Mumien selbst wurden wohl aus- und wieder eingewickelt, um an die in den Bandagen befindlichen Goldobjekte zu gelangen. 


Ab der 22. Dynastie dehnte das syrische Unterägypten seinen Einfluss indirekt auch bis Theben aus. Die „Gottesgemahlin des Amun“ war nun immer eine lybischen Prinzessin aus Tanis, die allerdings kinderlos bleiben musste. Da die Gottesgemahlinnen gleichgestellt waren mit den Hohepriestern des Amun, stellten sie die inoffiziellen Statthalter des lybischen Königshauses in Theben dar. Durch die Kinderlosigkeit behielt der unterägyptische Herrscher die Kontrolle über diese wichtige Personalie, da er jeweils eine Tochter als neue Gottesgemahlin entsandte. Die Gottesgemahlinnen wurden in Theben bestattet, einige erhielten Grabtempel im Hof des Totentempels von Ramses III. in Medinat Habu. Die Herrscher in Norden und Süden kooperierten und tolerierten sich. Die Hohepriester sorgten durch das Orakel des Gottes Amun für die Legitimierung der lybischen Herrschaft in Unterägypten. Diese fiktive Herrschaft per Orakel  war ideal für eine Fremdherrschaft und somit wegweisend. Sie wurde später auch von Alexander dem Großen und den Ptolemäern genutzt.



Nun betreten wir die erste „Schatzkammer“ mit den Grabschätzen von Pharao Psusennes I. , 21. Dynastie, 1040 bis 994 v. Chr. , Dritte Zwischenzeit. 

Hier besteht leider Fotografierverbot. 

Dort sehen wir die prächtigen Grabbeigaben mehrerer Pharaonen der 21./22. Dynastie. Psusennes I. und seine Nachfolger Amenemope und Scheschonq II. wurden in Kammern unter dem Pflaster des Amun-Tempels in Tanis im Nildelta beigesetzt, wo sie bis zu ihrer Wiederentdeckung durch Pierre Montet im Jahr 1939 in Vergessenheit gerieten. In der Schatzkammer sehen wir also prächtigen Grabbeigaben von drei Pharaonen. Während ihrer Herrschaft war das Land geteilt (Dritte Zwischenzeit). Montets Entdeckung war der größte Fund in Ägypten seit Tutanchamun, aber seine Ausgrabung während des beginnenden 2. Weltkriegs 1939-40 bedeutete, dass die Funde nie die Aufmerksamkeit erhielten, die sie verdient hätten. 

Der silberne Sarg zeigt Pharao Psusennes I. als Mumie (Silber war in Ägypten seltener als Gold). Die Arme, das Flagellum und das Zepter haltend, sind vor der Brust verschränkt. Auf seiner Stirn befindet sich ein massiver goldener Uräus, eine königliche Kobra. Das Gesicht ist mit einem goldenen Band über der Stirn geschmückt. Die Augen sind mit farbigem Glas eingelegt. Auf der Brust und auf dem Bauch befinden sich Darstellungen von drei Vögeln mit ausgebreiteten Flügeln, welche die Shen-Zeichen der Ewigkeit greifen. Der Rest des Sargdeckels ist mit langen Federn verziert. 

Hier ein in der Schatzkammer aufgenommenes Video: The Forgotten Treasures of pharaoh Psusennes I - YouTube


Die Mumie von Psusennes I. trug eine atemberaubende goldene Maske, die sehr an die berühmtere Maske von Tutanchamun erinnert (obwohl sie sich dadurch unterscheidet, dass sie außer den Augen nicht mit Intarsien verziert ist). 

Hier der Link zu einem Bild der Maske auf der Homepage des Museums: Grabmaske von König Psusennes I. – Ägyptisches Museum Kairo

Diese goldene Maske zeigt Psusennes I. mit dem königlichen Nemes-Kopfschmuck, der von der Uräus, der königlichen Kobra, gekrönt wird. Er trägt einen göttlich geflochtenen falschen Bart und einen breiten Usekh- oder Wesekh-Kragen, der mit Blumenschmuck verziert ist. Die Augen sind aus schwarzem und weißem Stein.

Daneben werden auch die beiden goldenen Masken seines Sohnes, Pharao Amenemope, 21. Dynastie, 996 – 985 v. Chr. ausgestellt. Die erste Maske war Teil des mumienförmigen Sarges aus vergoldetem Holz. Das runde Gesicht des Königs wird von dem Uräus, der königlichen Kobra, überragt, die an der Stirn befestigt ist. Die Maske ist aus massivem Gold mit Intarsien aus rotem Stein und blauem Türkis gefertigt. Die Pupillen, die Augenbrauen und die Umrisse der Augen sind aus Bronze. Daneben wurde im Sarg auch eine Mumienmaske gefunden. Sie offenbart die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Ägyptens in der 3. Zwischenzeit. Obwohl sie solide wirkt, besteht die Maske in Wirklichkeit größtenteils aus Kartonage, einer Art Pappmaché, die aus mit Gips zusammengeklebten Leinenschichten besteht. Die Maske wurde anschließend hauchdünn vergoldet und mit einer winzigen Uräusschlange auf der Stirn verziert. Amenemopet musste offenbar sparsam mit seinem Gold umgehen. Er wurde ursprünglich in der einzigen Kammer eines kleinen Grabes in der königlichen Nekropole von Tanis beigesetzt.

Einige Jahre nach seinem Tod, während der Herrschaft Siamuns, wurde Amenemope in das Grab von Psusennes I. umgebettet. Neben den Sarkophagen und Masken von Psusennes und Amenemope werden auch etliche Schmuckstücke aus ihrem gemeinsamen Grab gezeigt.



Nachdem wir diese Schatzkammer verlassen haben führt uns Abdel einige Meter weiter und nun stehen wir vor der zweiten Schatzkammer mit den Grabbeigaben von Pharao Tutanchamun. Wir sind also wieder „zurück“ im Neuen Reich. Auch hier gilt ein Fotografierverbot. 

Alle diese Grabbeigaben sind mittlerweile in das neue Grand Egyptian Museum (kurz: GEM) umgezogen.

Wir werden zunächst nach rechts geleitet und kommen zu einige Vitrinen mit Brustpektoralen, Ringen und anderen kleinen Gegenständen. Danach kommen wir in den linken Teil der Schatzkammer. Natürlich fällt hier unser Blick zunächst auf die goldene Maske des Tutanchamun. 

Hier ein Video der Maske aus dem neuen GEM: Golden Mask of Tutankhamun at GEM | Maschera d’Oro di Tutankhamon

Sie ist das berühmteste aller Artefakte des alten Ägyptens. Der Pharao ist mit dem Nemes dargestellt, einem weiß-blauen Kopfschmuck mit gestreiften Linien: Ein Uräus (heilige Kobra) und ein Geier schmücken seine Stirn und er trägt einen falschen Bart aus Gold und Glaspaste. Die Augen des Königs werden mit Quarz und Obsidian nachgebildet. Auf seinem Rücken sind magische Inschriften eingraviert, die dem Spruch 151 des Totenbuches entnommen sind. Sehr präsent im Raum sind auch die beiden goldenen Sarkophage.

Hier ein Video der Sarkophage aus dem neuen GEM: Golden Sarcophagi of Tutankhamun | Sarcofagi d’oro di Tutankhamon


Äußerer goldener Sarg von Tutanchamun

Der äußere Sarg zeigt die mumifizierte Figur des Osiris, des Herrn der Ewigkeit, mit auf der Brust verschränkten Armen und mit seinen göttlichen Insignien, dem Krummstab und Flagellum. Der Sarg ist aus kompaktem Holz gefertigt und mit Blattgold überzogen. Er ist mit komplizierten Schnitzereien und detaillierten Verzierungen versehen. Der Deckel des Sarges war mit kleinen goldköpfigen Nägeln aus Elektron, einer Legierung aus Silber und Gold, befestigt.


Innerer Goldsarg von Tutanchamun

Der innere Sarg von Tutanchamun ist aus massivem Gold gefertigt und innen und außen mit eingeritzten Verzierungen und Inschriften bedeckt, mit den Namen und dem Epitaph des verstorbenen Königs und Schutztexten. Er ist mit Halbedelsteinen und farbigem Glas eingelegt. Der Sarg hat die Gestalt von Osiris, der die heiligen Insignien, das Heka-Zepter und das Flagellum hält. Der Geier und der Uräus, die sich aufbäumende Kobra, schützen seine Stirn. Der göttliche Bart ist aus Gold gefertigt, das mit blauem Glas eingelegt ist. Gottheiten aus Ober- und Unterägypten beschützen den Sargkörper mit ihren Flügeln. Der innerste Sarg ist aus massivem Gold und wiegt etwa 110,4 Kilogramm (243 Pfund). Darin befand sich die Mumie des Königs, deren Kopf mit der ikonischen goldenen Maske des jungen Königs bedeckt war.

Man fühlt sich schier überrollt angesichts der Pracht und des Detailreichtums, der sich hier vor uns ausbreitet. 

Hier ein langes Video mit allen im neuen GEM ausgestellten Schätzen aus dem Grab des jungen Pharaos:

Tutankhamun Treasures: Full Tour at GEM


Die Guides dürfen nicht in die Schatzkammern und dort Erklärungen geben, damit sich die Besucher darin nicht zu lange aufhalten. Daher wartet Abdel auch hier vor der Schatzkammer auf uns. 

Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 11. Okt. 2026
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

Spätzeit: Nubien, ägyptische Renaissance, 25. - 26. Dynastien, 723-525 v. Chr.

Während in Unterägypten die Kleinkönigreiche immer häufiger auch kriegerisch miteinander konkurrierten, nutzte das nubische Königreich Kush das Vakuum und übernahm zunächst unter Piye (753-723 v. Chr.) die Herrschaft über Oberägypten und dann nach Siegen über die unterägyptischen Kleinkönigtümer auch die Herrschaft über Unterägyptien und gründete so die 25. Dynastie. Ägypten war wieder vereint. Da Nubien kulturell sehr eng mit Ägypten verbunden war, wurden die ägyptischen Götter weiter verehrt und die ägyptische Sprache übernommen. 

Sein Nachfolger Schabaka (722-707 v. Chr.) verlegte den Regierungssitz der nubischen Pharaonen nach Memphis. Die nubischen Pharaonen konnten ihren Einfluss in Ägypten jedoch nicht lange erhalten. Eine neue Großmacht der Region, das assyrische Reich, griff nach der Macht in Unterägypten und vertrieb letztlich die Nubier aus Unterägypten. Die Assyrer setzten einen der lybischen Kleinkönige, Necho von Sais, als Vasallenkönig ein. Als die Assyrer sich aufgrund einer innenpolitischen Krise aus Ägypten zurückziehen mussten, gründete dessen Sohn Psammetich I. die 26. Dynastie in Unterägypten. Einige Zeit später konnte er seine Tochter als „Gottesgemahlin des Amun“ in Theben einsetzen. Da die Gottesgemahlin dort seit der nubischen Dynastie praktisch den Status einer Koregentin innehatte, herrschte die 26. Dynastie offiziell über ganz Ägypten. Das Reich erfuhr nochmals eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Diese dauerte aber nicht lange. Denn eine neue Großmacht betrat die Bühne: Persien.



Ein Stück weiter sind einige Sarkophage in Vitrinen ausgestellt. 

In der 25. Dynastie (ca. 712-653 v. Chr.) war der Bereich um den Tempel der Hatschepsut eine beliebte Grabstätte für Priester, die dem thebanischen Gott Month, dem lokalen falkenköpfigen Gott des Krieges im Tempel von Karnak dienten. Diese Priester unterstützten die kuschitischen Herrscher von Ägypten. Aus einigen der neun Gräber, die sich wahrscheinlich vor der Säulenhalle des Schreins der Göttin Hathor befanden, wurden Gruppen von Särgen von Mitgliedern der Priesterfamilie Besenmuth ausgegraben. Eines dieser Sargensemble, das dem Priester Ankh-ef-en-Khonsu gehört, ist hier ausgestellt.



Perserherrschaft: 27-31. Dynastien, 525 – 332 v. Chr.

Der persische Großkönig Kambyes besiegte 525 v. Chr. die ägyptische Armee und Ägypten wurde Teil des persischen Großreiches. Er und sein Nachfolger Dareios I. regierten nun in Personalunion auch als Pharao Ober- und Unterägypten. Sie ließen etliche Tempel renovieren und vergaben diesen großzügige Landschenkungen. Aufgrund von Thronstreitigkeiten in Persien gelang es Ägypten mit Unterstützung der Griechen ab ca. 400 v. Chr. für 65 Jahre unabhängig zu werden. Dann gliederten die Perser Ägypten wieder in ihr Großreich ein.

In der zentralen Aula war uns aus dieser Periode schon der Granitsarkophah des kleinwüchsigen Ritualtänzers Djedhor aufgefallen. 30. Dynastie, um 340 v. Chr. 

Auf dem Deckel ist eine beredte Autobiographie eingraviert. Darin heißt es, dass Djedhor ein ritueller Tänzer in den Tempeln von Memphis und Heliopolis und ein Hofclown unter Tjaihorpata war, einem der höchsten Beamten von König Nektanebos II. (360-343 v. Chr.). Djedhor bat darum, im Tod in der Nähe von Tjaihorpata zu sein. Er richtete seine Gebete an Osiris und fleht ihn an, seinem Herrn ein langes Leben und ein schönes Grab zu schenken, in dem sie beide begraben werden könnten. Der Sarkophag wurde neben dem von Tjaihorpata in Sakkara, nahe der Teti-Pyramide gefunden. 


Ptolemäerherrschaft: Alexander der Große und die Griechen, 332-30 v. Chr.

Nach dem Sieg über den persischen Großkönig Dareios III. konnte Alexander der Große letztlich kampflos die Herrschaft in Ägypten übernehmen. Er respektierte die ägyptischen Traditionen, förderte die Tempel und wurde daraufhin sowohl von den Priestern des Amun wie auch dem Orakel des Amun in der Oase Siwa als Pharao legitimiert. Nach dessen Tod wurde letztendlich sein Offizier Ptolemaios Statthalter in Ägypten im Großreich des Alexander. Als dieses in den sog. Diadochen-Kriegen auseinanderbrach, gelang es ihm Ägypten in die Unabhängigkeit zu führen und sich 305 v. Chr. zum Pharao ausrufen zu lassen. Die Dynastie der Ptolemäer war gegründet. Sie sorgten für Stabilität und eine intensive Bautätigkeit an vielen Tempeln. Außerdem wurden durch Be- und Entwässerungskanäle die Anbauflächen im Fayyum-Becken erheblich vergrößert und so riesige Getreideexporte ins Römische Reich möglich, mit dem Ägypten seit Ptolemaios II. einen Freundschafts- und Bündnisvertrag geschlossen hatte.

Mit Ptolemaios IV. endete aber die innenpolitische Phase der Stabilität. Thronwirren und Königsmorde ab Ptolemaios VI. - Ptolemaios XI. leiteten den Niedergang der Ptolemäer-Herrschaft ein. Mehrmals musste die Schutzmacht Rom eingreifen, um die weitere Herrschaft der Ptolemäer und damit die für Rom so wichtigen Getreideexporte zu sichern. Letztlich war es dann Kleopatra VII., die als letzte ptolemäische Herrscherin in die Geschichte eingehen sollte. Durch ihre Verbindung mit Julius Cäsar war es ihr zunächst gelungen, ihre Herrschaft in Ägypten zu stabilisieren. Aber nach der Ermordung von Cäsar hatte sie ihren wichtigsten Unterstützer verloren.



Nun führt uns Abdel weiter in den nächsten Raum. An dem Wänden hängen hier hinter Glas eine Vielzahl von beschriebenen und bemalten Papyri. Anhand eines Papyrus aus ptolemäischer Zeit, gefunden in Sakkara erklärt uns Abdel das dort dargestellte „Wiegen des Herzens“.

Er zeigt den Spruch 125 aus dem Buch der Toten, besser bekannt als das Urteil des Osiris. Die Göttin Maat führt den Verstorbenen in die Halle des Gerichts vor die Waage und sein Herz wird gegen die Feder der Göttin Maat, der Verkörperung der kosmischen Ordnung und des ethischen Verhaltens, aufgewogen. Links sitzt Osiris, der Gott der Unterwelt, auf einem Thron in einem kleinen Schrein und überwacht die Szenerie. Er trägt die weiße Krone Oberägyptens und einen geschwungenen Bart, der ihn als göttlich ausweist. Vor ihm steht der Opfertisch und der ibis-köpfige Gott Thoth, der in einer Hand eine Schreibausrüstung hält, um das Ergebnis der Prüfung festzuhalten. Auf dem Höhepunkt dieser Zeremonie wurde das Herz, das als Zentrum von Intelligenz und Emotionen gilt, von dem schakalköpfigen Gott der Einbalsamierung, gewogen. Hielt sich die Schale in die Waage, nahm Osiris den Verstorbenen in seine Gefolgschaft auf und gewährte ihm das ewige Leben. Wenn nicht, würde das Herz von der Dämonin Ammit (der Verschlingerin), die als Nilpferd mit einem Krokodilkopf dargestellt wird, gefressen und die Person würde für immer sterben. Im oberen Teil des Papyrus sind die 42 regionalen Gottheiten der 42 Gaue des alten Ägyptens aufgereiht. Vor ihnen steht der Verstorbene und muss jeder Gottheit eine Frage beantworten.


Hier ein paar weitere Fotos der phantastischen Papyri in diesem Raum. 



Römische Herrschaft: Ägypten als Provinz ab 30 v. Chr.

Im Krieg Octavians auf der einen Seite sowie Mark Anton und Kleopatra auf der anderen siegte Octavian bei Actium und nahm danach Alexandria ein. Caesarion, der gemeinsame Sohn Kleopatras mit Julius Cäsar wurde an der Grenze zu Äthiopien gefangen genommen und von Octavian hingerichtet. Kleopatra beging Selbstmord. Ägypten wurde römische Provinz. Die Römer ließen es aber zu, das die ägyptische Kultur und Religion weiter bestanden. Tempel wurden errichtet oder renoviert, römische Kaiser wie Trajan ließen sich an den Tempelwänden wie in Esna als Pharao darstellen.


Ein Stück weiter ist dann am Rand der Galerien, die im oberen Stock rund um den offene Aula führen, auch eine Totenmaske aus der Römischen Zeit ca. 30 v. Chr. bis 395 n. Chr. ausgestellt.

Sie ist reich verziert mit Bildern von Schutzamuletten und Göttern. Seitlich am Kopf sind die Flügel eines Geiers ausgebreitet, während auf der Stirn eine geflügelte Sonnenscheibe als Symbol der Wiedergeburt im Jenseits zu sehen ist. 

Auf beiden Seiten eines dargestellten Brustanhängers sind zwei falkenköpfige Götter zu sehen. Der Linke hält die weiße Krone Oberägyptens, während der Rechte die rote Krone Unterägyptens in den Händen hält. Mumienmasken aus ptolemäischer und römischer Zeit haben oft vergoldete Gesichter, welche die Assoziation des Verstorbenen mit den Göttern widerspiegelten. Diese Maske wurde über einen Kern geformt, mit Schichten aus Nilschlamm und Leinen. An den Wänden der Galerie reihen sich etliche Glasvitrinen aneinander, in denen in mehreren Lagen weitere Sarkophage ausgestellt sind.

Um Anschluss an unseren gemeinsamen Rundgang durch das Museum und somit auch durch die Dynastien des alten Ägyptens nehmen wir uns nochmals eine halbe Stunde Zeit, um allein auf Entdeckungstour zu gehen. 


Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

Hierbei stoßen wir noch auf den kunstvollen Holz-Sarkophag der Königin Ahmose Meritamun II. , 18. Dynastie samt einer Anzahl ihr mit ins Grab gegebener Ushebtis und Gefäßen. 



Sie war die Tochter des Königs Ahmosis I. und die große königliche Gemahlin ihres Bruders Amenhotep I., 1525-1504 v. Chr.


In mehreren aneinander gereihten Vitrinen sind etliche prachtvoll bemalten Särge ausgestellt.

Darunter auch der Sarkophag, Innensarg und das Mumienbrett der Neshones, 21. Dynastie, 3. Zwischenzeit, um 980 v. Chr. 




Sie war die Tochter des Smendes II. ( 992-990 v. Chr.), Hohepriester des Amun und oberägyptischer Herrscher sowie Gründer der 21. Dynastie und wurde die Frau des Pinudjem II., ebenfalls ein Hohepriesters von Amun. Sie hatte als Priesterin in Karnak viele hohe Titel inne und trug auch den Titel einer Tochter des Königs von Kusch. Neshones wurde im fünften Regierungsjahr von König Siamun (978-959 v. Chr.) auf dem Friedhof von Deir el-Bahri beigesetzt. Die Särge waren ursprünglich für Isetemkheb, Tochter des Hohepriesters von Amun Menkheperre angefertigt wurden. Der Name Isetemkheb war mit gelber Farbe auf dem Sarg geschrieben und dann mit dem Name Neshones überschrieben. Grabräuber haben ihr vergoldetes Gesicht vom Sargdeckel abgekratzt.


In einer Vitrine sehen wir viele Figuren und Modelle aus Holz, darunter auch das Modell eines Beerdigungsboots, gefunden am Westufer von Luxor. 

Der Verstorbene sollte in das Reich von Osiris, dem Gott des Jenseits, reisen und dazu eine Pilgerreise zu dessen heiligen Stadt Abydos unternehmen. Um diese Reise zu illustrieren, wird die mumifizierte Person auf einem Boot dargestellt, das auf magische Weise die Reise nach Abydos und in den Westen unternimmt, wo sich das Jenseits befand. Davor steht eine Statue des Ka. Das Ka war ein Aspekt der Seele, der im Moment der Geburt des Menschen entstand und manchmal als „Doppelgänger“ bezeichnet wird. Wenn der Mensch starb, lebte das Ka im Grab weiter und belebte den Körper und die Bilder des Verstorbenen neu. Das Symbol für das Ka besteht aus zwei erhobenen Armen.


Daneben formieren sich etliche Figuren zu einem Trauerzug, Mittleres Reich, Sakkara. 

Das Grab wurde mit allen Dingen ausgestattet, die der Verstorbene im Leben genossen hatte, damit er sie für die Ewigkeit genießen konnte. Dieser Trauerzug zeigt Essen, Getränke und andere Gegenstände wie Kleidung und Schmuck, die in Körben und Kisten platziert und zur Bestattung ins Grab gebracht werden.


Besonders interessiert uns auch noch ein Raum, in dem Statuen von Beamten, Dienern und Handwerker präsentiert werden. Also Leute unterhalb der Herrscherfamilie, welche die Stützen der Verwaltung des pharaonisches Reiches dargestellten.


Doppelstatue von Mersuankh, Aufseher der Jugend der königlichen Residenz, Inspektor der Ka-Priester und Militärkadett, 5. Dynastie, ca. 2465-2323 v. Chr., Gizeh (Grab des Mersuankh). 


Diese Statue ist aufgrund der symmetrischen Haltung der Arme ungewöhnlich. Die rechte Statue hat den linken Arm erhoben, die Hand ist offen und ruht auf der rechten Seite der Brust unmittelbar unter der Schulter, während der rechte Arm seitlich herunterhängt. Bei der linken Statue ist die Position des Arms umgekehrt. Daneben die Doppelstatue des Schreibers Nimaatsed. Er war ein Priester von Re und Hathor im Sonnentempel von König Neferirkare Kakai. Er diente auch als Richter und Priester bei den Pyramiden von Neferirkare Kakai, Neferefre und Niuserre. 5. Dynastie (König Niuserre), ca. 2420-2389 v. Chr., Sakkara.


Die nächsten Statuen gehören zu einem Zimmermann namens Intyshedu, 4. Dynastie, 2575 –2465 v. Chr. 

Sie wurden 1992 zusammen im Serdab seines Grabes auf dem Friedhof der Pyramidenbauer südöstlich der großen Sphinx von Gizeh gefunden. Jede Statue trägt eine Inschrift: „Aufseher des Bootes der Göttin Neith, Bekannter des Königs, Intyshedu.“ Der Titel Aufseher des Bootes der Göttin Neith ist einmalig und nirgendwo sonst erwähnt.


Triadenstatue von Rawer, 5. Dynastie, ca. 2465-2323 v. Chr., Gizeh. 


Diese Pseudogruppenform war von kurzer Dauer – sie erstreckte sich nur über die 5. bis 6. Dynastie – und höchstens 32 Figuren dieses Typs sind erhalten. Das Genre besteht zumeist aus nicht-königlichen Figuren. Über die Funktion dieser sogenannten Pseudogruppenstatuen besteht unter Ägyptologen kein Konsens. Sie könnten die duale Natur von Ober- und Unterägypten widerspiegeln, den Verstorbenen und seinen Ka, seinen spirituellen Doppelgänger, darstellen oder dieselbe Person in verschiedenen Lebensabschnitten zeigen.


Stehende Statue von Chnumhotep, Schreiber des Kornspeichers. Daneben die Statue einen stehenden Unbekannten.



Scheintür von Ikhat, königliche Bekannte, Frau von Nikaure. 5. Dynastie (König Neferirkare Kakai), ca. 2446-2438 v. Chr., Sakkara. 


Diese Scheintür stammt aus dem Grab von Nikaure, oberster Sekretär, Richter und Leiter der Palastverwaltung und Leiter der Gesandten. Das Grab enthält auch die Kapelle seiner Frau Ikhat, die eine Priesterin von Hathor war. Sie ist in der mittleren Nische mit ihrem Namen und ihren Titeln dargestellt. Auf dem oberen Türsturz sitzt Nikaure mit seiner Frau vor einem langen Opferritual.


Und wieder zwei Statuen in einer Vitrine:

Statue von Iteti Ankhiris, Ältester der Is-Kammer in den Zwei Häusern, Aufseher des Palastes, 6. Dynastie, ca. 2323–2150 v. Chr. 

Sitzende Statue von Ptahshepses, Richter und Rechnungsprüfer, Prophet von Hathor und Re, 5. Dynastie (König Niuserre), ca. 2420–2389 n. Chr., Sakkara


Dienerstatuen von Frauen, die Getreide mahlen und Brotteig kneten.


Daneben noch weitere Dienerstatuen, darunter eine ganze Gruppe Töpfer.



In einer Vitrinen stehen nebeneinander zwei Diener von Niankhisi beim Zubereiten einer Gans, 5.-6. Dynastie, etwa 2465-2150 v. Chr sowie die Dienerstatue eines Sandalenträgers, 5. Dynastie, etwa 2465-2323 v. Chr. , Sakkara und die Dienerstatue eines Mannes, der ein Gefäß reinigt.



Es folgt eine Gruppe von Dienern beim Bierbrauen:

Die Frau beugt sich über ein Gefäß und bereitet Bier zu. Das Bier wurde in einem großen Gefäß mit fermentiertem Gerstenbrot zubereitet, das mit Dattelwein besprüht wurde. Nach der Gärung floss das Bier aus einem Loch in der Nähe des Gefäßbodens. 5. Dynastie, etwa 2465-2323 v. Chr. Giseh. Dienerstatue eines Mannes, der Bier braut, Altes Reich, ca. 2649-2134 v. Chr., Gizeh. Dienerstatue beim Brauen, 5. Dynastie, ca. 2465-2323 v. Chr., Gizeh (Grab des Nikawhathor)


Statue von Nenkheftka mit kleinem Sohn aus dem Serdab seines Grabes.

Der Serdab war ein komplett verschlossener Raum mit einer Statue des Grabherrn. Durch ein Guckloch konnte diese Statue stellvertretend für den Grabherrn die Opferung der Gaben überwachen. 5.-6. Dynastie, ca. 2465-2150 v. Chr. Dishahsa


Gruppenstatue von Akhi Ip, Inspektor der Schreiber des Hauses des Meisters der Großzügigkeit und seiner Familie, 6. Dynastie, ca. 2323-2150 v. Chr., Sakkara



Familienstatue von Senedjemib Bebib, Chef des Großgrundbesitzes und Aufseher der Bauarbeiten, mit seiner Frau und seinem Sohn, 5.-6. Dynastie, 2465-2323 v. Chr. , Sakkara




Familie von Neferherenptah. Er war der Wab-Priester für den Totenkult der Pharaonen Chephren und Mykerinos. 

Er steht hier zusammen mit seiner Frau, der königlichen Bekannten Satmeret, seiner Tochter Meretites und seinem Sohn, Metzger im Schlachthaus des großen Hauses. 5.-6. Dynastie, 2465-2373 v. Chr.


Exkurs: Hierarchie der Priester in den Pyramidenbezirken ( = „des großen Hauses“)

Cheri-hebet-Priester waren die Ritual- und Vorlesepriester und bildeten eine elitäre Klasse im Tempeldienst. Hem-netjer-Priester waren für die Ausführung der Kulte für Götter, Könige und Königinnen zuständig. Hemu-ka-Priester versorgten Königinnen und Privatleute. Wab-Priester unterstützen als Assistenten die Hem-netjer- und Hemu-ka-Priester bei der Durchführung der Kulthandlungen. Dabei war es durchaus möglich, das Priestergruppen für mehrere Pyramidenbezirke zuständig waren.



Statue von Niankhre, Inspektor der Ärzte des Großen Hauses, mit sitzender Frau und Sohn Inpukha, 5.Dynastie, Sakkara



Und dann die Scheintür des Wab-Priesters Ika und seiner Frau Lymerit, Priesterin von Hathor.

Diese einzigartige Scheintür wurde in Sakkara gefunden. Sie besteht aus 14 einzelnen Akazienholzstücken, die mit Holznägeln und Lederriemen zusammengefügt und befestigt wurden. In den Türpfosten sind die stehenden Figuren von Ika (links) und Lymerit (rechts) zu sehen, die an einer Lotosblume riecht, einem Symbol der Wiedergeburt und Erneuerung. 5. Dynastie (König Unas), ca. 2353-2323 v. Chr., Sakkara


Statue von Pharao Teti, 6. Dynastie, 2323-2291 v. Chr., Sakkara (Gräber bei Tetis Pyramide) 


Auf der Statue befinden sich keine Inschriften, aber sie gehört mit ziemlicher Sicherheit König Teti aus der 6. Dynastie, da sie in seinem Totentempel in Sakkara gefunden wurde. Der Pharao trägt die weiße Krone Oberägyptens und den königlichen Schendyt-Kilt. In jeder Hand hielt er eine Rolle, ein Symbol der Autorität.



Sitzende Statue von Pharao Mykerinos, 4. Dynastie, 2490-2472 v. Chr. 

Diese Statue wurde zusammen mit anderen Statuen von Pharaonen des Alten Reiches in einer Cachette in der Nähe des Tempels von Ptah in Memphis gefunden. Mykerinos sitzt in der traditionellen Pose, mit seiner linken Hand flach und seiner rechten Hand zur Faust geballt. Daneben eine Statuette von Mykerinos, auf einem rechteckigen Thron sitzend. Diese Statuette wurde auf dem Boden am nördlichen Ende des Korridors des Taltempels von König Mykerinos gefunden. Die Statue ist nicht beschriftet, aber aufgrund des Fundorts wird sie König Mykerinos zugeschrieben.


Statue von Sesostris I., die wohl zur Ausstattung seines Tempelhof im Karnaktempel gehörte. Er trägt die Doppelkrone Ägyptens.



Ka-Statue von Pharao Hor , 13. Dynastie, Mittleres Reich, ca. 1732 v. Chr. , Dashur


Diese hölzerne Ka-Statue mit Bergkristallaugen wurde in Dahschur gefunden. Sie stellt die Ka-Statue von König Hor I. dar. Der Ka lebte in dieser Statue weiter. 


Damit haben ich euch einige der interessantesten Ausstellungsstücke des alten ägyptischen Museums gezeigt. 

Wer jetzt denkt "schade, davon hätte ich gerne mehr gesehen", 🤣

für den hier ein Link zu einen ausführlichen 3-stündigen Rundgang durch alle Säle des Museums. Das Video wurde ungefähr zur Zeit unseres Besuchs dort aufgenommen.

(Nürni, genau genommen habe ich den Link nur für dich hier reingehängt. Viel Spaß beim Spaziergang durch das Museum. 🤗)

Egyptian Museum Cairo TOUR - 4K with Captions *NEW!* ↗

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zuletzt bearbeitet 14. Okt. 2026
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·

Um 11:45 Uhr verlassen wir das Museum. Natürlich hätten wir noch viel mehr Zeit dort verbringen können. Wir haben bei weitem nicht alle Räume besichtigen können. Dennoch hat uns die Führung von Abdel doch zu den herausragenden Ausstellungsstücken gebracht. Das Museum hat meiner Meinung nach auch davon profitiert, das bereits ein Teil der vorhandenen Exponate ins neue GEM oder wie im Fall der Mumiensammlung ins Naturkundemuseum gebracht worden sind. Der oft gelesene Vorwurf „Das Museum ist völlig überfrachtet. Die Ausstellungsräume gleichen eher überfüllten Lagerräumen.“ hat sich uns nicht bestätigt. Im Gegenteil, trotz der weiterhin vorhandenen Fülle der Objekte gibt es doch eine klare, der Abfolge der Dynastien folgende Struktur der Räume. Und die wesentlichen Ausstellungsstücke kommen auch sehr gut zur Geltung. Für uns also ein sehr schöner Museumsbesuch, der uns schon mal sehr viel über die verschiedenen Reiche, Dynastien etc. vermittelt hat.


Exkurs: Christliches und islamisches Ägypten. 

Bei der Teilung des römischen Reiches im Jahr 395 n. Chr. wurde Ägypten Teil des Oströmischen Reiches. Es entstand die koptische Kirche. Das Christentum setzte sich letztlich durch. Auch gegen die alten ägyptischen Götter, deren Monumente nun für viele Jahrhunderte vom Sand begraben wurden. 640 n. Chr. eroberten islamische Araber das Niltal. Ein neues spannendes Zeitalter für Ägypten begann.


Nach dem Museumsbesuch fahren wir durch Kairo zur Zitadelle des Saladin aus dem Jahr 1172 mit der Muhammed Ali-Moschee (Alabastermoschee) aus dem 19. Jahrhundert. Der Straßenverkehr und das Fahrverhalten sind dabei ein Erlebnis für sich. Neben Auto, LKWs, Bussen sind auch Tuktuks, Eselskarren und Fußgänger an diesem, ich nenne es mal „Verkehrsballett“, beteiligt. Für uns wirkt diese Mischung aus Durchsetzungsvermögen und Rücksichtnahme ohne wirkliche Beachtung grundlegender Verkehrsregeln wie z.b. Fahrbahnrichtungen völlig chaotisch und würde so in Deutschland auch nie funktionieren. Aber hier verständigt man sich durch Blickkontakte, Handzeichen – und vor allen durch den permanenten Einsatz der Hupe. Auch wir erkennen in den folgenden Tagen nach und nach Unterschiede in den Hupzeichen, deren Vielfalt fast schon an eine eigenen Sprache erinnert.


Oben angekommen betreten wir durch das Festungstor die Zitadelle. 

Mit dem Bau der Zitadelle wurde 1176 vom Ayyubidenkönig Salah al-Din (wir kennen ihn als Sultan Saladin, der 1187 Jerusalem von den Kreuzrittern zurück eroberte) begonnen, um die Stadt Kairo gegen die Angriffe der Kreuzritter zu verteidigen. Der westliche Teil diente über Jahrhunderte als Residenz der Sultane, während der östliche eine militärische Funktion hatte. 

Wir laufen im westlichen Teil der Zitadelle Richtung Alabaster-Moschee. 

Muhammad Ali Pascha, zunächst osmanischer Gouverneur, erklärte 1811 die Unabhängigkeit von der osmanischen Oberherrschaft und begründete eine bis 1953 über Ägypten herrschende Dynastie. Während seiner Herrschaftszeit begann der Bau der Moschee. Vor der Moschee erwerben wir für je 10 ägyptische Pfund Einwegüberzieher für unsere Schuhe. Nur so darf der kostbare Fußboden des Moscheebereiches betreten werden. Zunächst betreten wir den Vorhof der Moschee. Hier befindet sich ein Reinigungsbrunnen (hanafiyya) mit Kuppeldach.

Er dient der rituellen Waschung vor dem Gebet. Auf einem der Arkadengänge, die diesen Vorhof umranden, sehen wir den (nicht funktionierenden) Uhrenturm, den Muhammad Ali Pascha vom französischen König als Gegengeschenk für sein Geschenk an Frankreich erhielt: Einen der beiden Obelisken am Eingang des Karnak-Tempels, der heute in Paris auf dem Place de la Concorde steht.


Der prachtvolle Innenraum der Moschee, deren Wände mit Alabaster verkleidet sind, wird überkrönt von der Zentralkuppel, die wiederum vom mehreren Nebenkuppeln umrahmt wird. 


Es gibt hier zwei reich verzierte Kanzeln (Minbar). 

Neben der großen älteren Kanzel gibt es eine kleinere, die in Richtung des Mihrab (Gebetsnische) steht. Diese Gebetsnische gibt die Gebetsrichtung an und erinnert uns in dem Moment an die Scheintüren der alten Ägypter. 

Laut Abdel wird die Moschee von den Einwohnern Kairos aber nicht zum Gebet besucht, was gleich drei Gründe hat. Zum einen hat sich Muhammad Ali im zentralen Raum der Moschee beerdigen lassen, was als zumindest sehr unüblich gilt. Dann halten sich hier natürlich auch immer recht viele Touristen auf und außerdem müssten auch die Kairoer immer die 550 ägyptischen Pfund Eintritt bei jedem Besuch der Moschee bezahlen.

Anschließend gehen wir neben der Moschee an den Rand der Zitadelle. Vor hier haben wir einen grandiosen Ausblick über Kairo mit seinen vielen Moscheen und den Pyramiden von Gizeh und denen von Sakkara am Horizont.


Im Hintergrund die Pyramiden von Giseh:



Blick Richtung Süden zu den Pyramiden von Abusir.

Etwas weiter südlich liegen auch die Pyramidenfelder von Sakarra und Dashur. Unserem Ziel am morgigen Tag. 🤩


Abdel bietet uns an, neben dem Basar auch noch das islamische Museum sowie eine 30-minütige Nilfahrt zu unternehmen. Nach einiger Überlegung siegt aber bei uns die Vernunft und wir entscheiden uns gegen zusätzlichen Besichtigungen am heutigen Tag. Der lange gestrige Anreisetag steckt uns noch etwas in den Knochen. Außerdem wollen wir es nicht gleich am ersten Tag übertreiben. Wir haben in den nächsten Tagen ein sehr ausgefülltes Reiseprogramm vor uns. 


So fahren wir jetzt direkt weiter zum Khan-el-Khalili-Basar im Zentrum der Altstadt Kairos. Dieser Basar zieht sich durch unzählige verwinkelte Gassen über mehrere Kilometer unüberschaubar dahin und ist somit fast schon ein eigener Kosmos innerhalb der 20-Millionen-Metropole rings herum. Abdel gibt uns hier die Möglichkeit, auf eigene Entdeckungsreise zu gehen. Er zeigt uns eine der Hauptgassen, der wir folgen sollen. Und ermahnt mich mehrmals, Barbara nie aus den Augen zu lassen, auch nicht für einen Moment. Er selbst wartet in einem Cafe am Eingang des Basars neben der Al Azhar Moschee auf unsere Rückkehr. Wir laufen also durch die schmale Hauptgasse des Basars. Nachdem die Läden zunächst noch dominiert werden durch ein touristisches Angebot, kommen wir bald in Bereiche, wo hochwertiger Schmuck und Edelmetalle sowie Handwerkskunst angeboten werden. Es sind recht wenige Menschen unterwegs in den Gassen und erstaunlicherweise sind die Verkäufer bzw. Ladeninhaber auch sehr zurückhaltend. So das es für uns sehr angenehm ist, durch die Gassen zu streifen.

Nach einiger Zeit trifft „unsere“ Gasse auf eine größere Quergasse und wir biegen nach rechts ab. 

Ein Stück weiter befindet sich ein mittelalterliches Gebäude mit einem Mausoleum darin. Hier treffen wir tatsächlich mal auf einige Touristen. Wir kehren um, folgen der Quergasse in die andere Richtung und biegen dann in eine Parallelgasse zu „unserer“ Gasse ein und laufen darin zurück zum Ausgangspunkt unseres Streifzugs. Diese Gasse stellt sich aber als weniger interessant heraus, da hier einige Touristen unterwegs sind und daher auch das Angebot entsprechend stärker auf Touristen ausgerichtet ist.


So erreichen wir nach einer halben Stunde wieder das Cafe, setzen uns zu Abdel an einem Tisch im Freien, trinken einen Tee, genießen die Atmosphäre um uns herum – und spüren langsam unsere Müdigkeit. So sind wir froh, das wir nur noch kurz 6 große Flaschen Wasser kaufen müssen und uns dann auf die Rückfahrt zum Hotel begeben können. 


Dort angekommen ist es dann doch schon 16 Uhr. Unsere (typisch deutsche) Frage, wann den das Restaurant auf der Dachterrasse öffnet, wird dahingehend beantwortet, das wir natürlich jederzeit dort essen können. Bis 18 Uhr ruhen wir uns aus, verarbeiten die ersten Eindrücke und dann begeben wir uns auf die Dachterrasse zum Abendessen. Hier bestellen wir ganz „stilecht“ jeweils eine 4-Käse-Pizza 🤣und dazu Bitter Lemon.


Wir spekulieren darauf, hier etwas von der um 19 Uhr beginnenden 1. Lichtshow bei den jetzt in der Dunkelheit kaum wahrnehmbaren Pyramiden von Gizeh zu sehen. 

Tatsächlich sehen wir bis 19:30 Uhr mehrmals einen leichten Lichtschein, der die Pyramiden einhüllt, aber die Hauptshow findet wohl auf der uns abgewandten Seite statt. So zahlen wir und begeben uns zur Ruhe. 

Wir schlafen wieder eher unruhig. Immer wieder kurz geweckt durch das nie endende Gehupe auf der Straße und der ungewohnten durchgehenden Matratze samt einer großen Decke für uns beide.

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zuletzt bearbeitet 18. Okt. 2026
Themenstarter196 Beiträge · seit 201511. Okt. 2026 ·
Ihr habt es geschafft. 🫣😁

Die grundlegenden Infos zu den einzelnen Reichen und Dynastien haben wir uns nun erarbeitet. Ab dem morgigen Reisetag steigen wir hinab in Pyramiden und Gräber und durchstreifen diverse Tempel, um das erworbene Wissen nun beim Erkunden dieser Stätten zu nutzen. 😉

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zuletzt bearbeitet 11. Okt. 2026
Themenstarter196 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·

Dienstag, 19.11.2024 Pyramiden und Mastabas in Sakkara und Dashur

Frühstück um 7 Uhr, Abfahrt um 8 Uhr. Auf Empfehlung von Abdel haben wir den Reiseverlauf heute und morgen abgeändert. Anstatt einer kurzen Besichtigung von Sakkara und Dashur am Vormittag, um Nachmittags auch noch die Pyramiden von Gizeh anzuschauen, bauen wir den Ablauf um. Heute werden wir Zusatztickets kaufen, um in Sakkara und Dashur auch mehrere Mastabas und Pyramiden von Innen besichtigen zu können. Die Besichtigung der Pyramiden von Gizeh verschieben wir auf morgen Vormittag. Den ursprünglich da vorgesehenen Abstecher nach Memphis streichen wir, da es in Memphis außer der liegenden Kolossalstatue von Ramses II. und der Alabastersphinx kaum etwas zu sehen gibt. Und Kolossalstatuen + Sphinxen sehen wir noch genug auf unserer Reise. 

Kosten für das ausgebaute Programm in Sakkara/Dashur 40 Euro, dazu werden wir dann noch einkehren zu einem typisch ägyptischen Essen für 20 Euro.


Der Pyramidenkomplex von Sakkara liegt am westlichen Ufer des Nils etwa 20 Kilometer von Kairo entfernt auf dem gleichen Kalksteinplateau, das sich in nördlicher Richtung über Abusir bis nach Gizeh erstreckt. Sakkara war die wichtigste Nekropole von Memphis, der auf dem gegenüberliegenden Ufer liegenden Hauptstadt des alten Ägyptens.

So fahren wir also entlang des Nils Richtung Oase Fayyum. Dabei kommen wir entlang eines Kanals recht schnell in ländliche Gebiete mit einzelnen Dörfern. In Sakkara angekommen führt unsere Fahrt zunächst an den aktuellen Ausgrabungen der Handwerkersiedlung entlang. Abdel hat hier selbst im letzten Sommer einige Zeit verbracht.



Wir steuern als erstes den Komplex um die Stufenpyramide des Djoser (3. Dynastie, 2720-2700 v. Chr.) an. 

Ursprünglich war dieser Komplex von einer 10 Meter hohen Mauer mit Nischengliederung mit 14 Scheintoren und einem echten Eingang umgeben. Heute ist nur noch der Eingang erhalten. 


Dort eingetreten, erstreckt sich vor uns eine lange Reihe von 40 Säulen im Schilfrohrbündel-Stil. 


In den Zwischenräumen beidseits standen jeweils Statuen, von denen aber keine mehr vorgefunden wurde. Durch diese 65 Meter lange, überdachte Eingangshalle gelangt man in den großen offenen Hof, der für religiöse Feierlichkeiten schon zu Lebzeiten des Pharaos genutzt wurde.




Am südlichen Ende des Hofes lag das „Südgrab“, ein symbolisches Zweitgrab des Djoser in Form eines Schachtgrabes. Es war großteils unzugänglich, es wurden keinerlei Hinweise auf Bestattungen gefunden. Eine Mauer neben dem Grab weist eine Reihe von Kobras am Sims (Uräenfries) auf. 


Hinter der Mauer stand nach Westen hin im Komplex ein weiteres massives, unzugängliches Gebäude mit weitläufigen unterirdischen Kammern, die möglicherweise der unterägyptische Grabbau des Vaters von Djoser, Pharao Chasechemnui war. Bestattet wurde dieser in seinem oberägyptischen Grabbau in Abydos. Erst Djoser schuf mit seinem Komplex in Sakkara ein Symbol sowohl für Ober- und Unterägypten. Daher steht das „Südgrab“ wohl stellvertretend für eine Grabstätte im südlich gelegenen Oberägypten. Dieses „Westmassiv“ des Djoser-Komplexes ist bisher kaum erforscht.


Gegenüber an der Ostseite des Hofes standen einst zwei Tempel. Auch hier einer für Oberägypten, einer für Unterägypten. 

Laut Abdel mussten die Pharaonen ihre Krönung einmal in Unterägypten vollziehen und dann nochmals 700 Kilometer nilaufwärts in Abydos in Oberägypten. Durch den Bau dieser beiden Tempel, nur einer ist noch anhand der Überreste erkennbar, konnten die neuen Pharaonen die lange, gefährliche Reise vermeiden. Sie ließen die beiden Krönungen hier in den beiden Tempeln symbolisch für beide Reichsteile durchführen.


Hinter diesen Tempeln ostwärts schließt sich ein weiterer Hof an. Der „Heb-Sed-Hof“ war besonders wichtig.

Das Heb-Sed- oder Sedfest feierte der Pharao nach 30 Regierungsjahren. Sein Hauptzweck bestand darin, das der Pharao hier seine Kraft und fortwährende Leistungs- und Regierungsfähigkeit unter anderem durch einen symbolischen Lauf unter Beweis stellte. Der Heb-Sed-Hof des Djoser diente aber nicht dessen tatsächlichen Sed-Fest, denn er starb bereits vor seinem 30. Regierungsjahr. 

Diese steingewordene Bühne sollte aber sicherstellen, das dieses Fest im Jenseits ewiglich für Djoser stattfand. Eine Statue des Pharao als Zeichen der sich ewig erneuernden Inthronisation stand prominent erhöht zwischen den Königspavillon und den Götterkapellen, die aber alle nur Scheinbauten waren. 


Einige Kapellen haben oben an der Fassade Löcher. Hier waren wohl königliche Standarten befestigt.


Diesem Hof folgen das „Haus des Südens“ und dann das „Haus des Nordens“, davor jeweils ein weiterer Hof. 

Wie die Kapellen des Sed-Festhofs sind es Scheinbauten. Sie sind innen weitgehend massiver Fels ohne Räume, abgesehen von einem kurzen Eingang und ein kreuzförmigen Sanktuarium mit drei Nischen. 

Der Haus des Südens war eindeutig ein Symbol für Oberägypten so wie das Haus des Nordens für Unterägypten. Beide zusammen also auch hier ein Symbol für Djosers Herrschaft über ganz Ägypten. Im Haus des Nordens ist ein Zeugnis erhalten, das der Komplex des Djoser noch während des Neues Reiches von Schreibern und ihren Schülern besucht wurde. Sie haben hier ihre in hieratischer Schrift verfasste Graffiti hinterlassen.


Mittig innerhalb des Komplexes und der Umfassungsmauer steht die Stufenpyramide. Wohl ursprünglich als gewaltige, dreistufige Mastaba angelegt, wurde der Bau in mehreren Phasen immer weiter vergrößert, bis er am Ende 6 Stufen und 62 Meter hoch war. Die Grabanlage samt Gängen und Grabschacht (wie bei Mastabas) liegt dabei komplett unter der Erde. Die oberirdische Stufenpyramide enthält keine Gänge und Kammern. An der Seite sieht man noch deutlich die ursprüngliche massive Verkleidung der Pyramide mit weißen Kalksteinblöcken. Ebenfalls an der Seite liegt ein Scheineingang zur Pyramide.


Wir laufen nun um die Ecke der Pyramide in einen weiteren Hof. Hier befindet sich der tatsächliche Eingang zur Pyramide und daneben die unzugängliche Serdab-Kammer. 

Darin eine Nachbildung der Statue des Pharaos Djoser, die nach dem alten Glauben vom Ka beseelt war. Durch ein Guckloch konnte das Ka des Pharaos den Opferritualen zuschauen. Heute sieht man darin eine Nachbildung der Statue von Djoser, die wir gestern im Original im Museum gesehen haben.

Neben dem Eingang befand sich auch der Totentempel des Djoser, von dem aber nur noch Reste der Grundmauern erhalten sind. 


Pharao Djoser und sein Baumeister Imhotep verwendeten für den Bau erstmals vor allem große Kalksteinblöcke anstelle der bisherigen vergänglicheren Holz- und Lehmziegelbauweise. Sie sind damit die Wegbereiter der monumentalen Architektur, welche die Jahrtausende überdauern konnte und für die das Reich der Pharaonen bis heute berühmt ist.




Die Philosophie hinter diesen Bauten im Alten Reich:

Der Pharao selbst ist schon zu Lebzeiten ein Gott. Durch diese Vergöttlichung des Pharaos behält er auch nach dem Tod sein „ewiges Amt“, nämlich die Erhaltung der von den Göttern geschaffenen Weltordnung durch Kulthandlungen und Opferrituale in den Tempeln des Pyramidenbezirks. Die Priester sorgten für den täglichen Kultablauf wie zum Beispiel, das der Pharao täglich fünf Mahlzeiten serviert/geopfert bekam – drei im Jenseits, zwei im Diesseits. Das erklärt auch, warum jeder Pharao seinen eigenen Grabbezirk (für seine Anbetung) und seine ewige Pyramide als Residenz und Abbild des jenseitigen, ewigen Ägyptens errichten ließ.


Hier vor dem Eingang der Stufenpyramide lassen wir unseren Blick in die Umgebung schweifen und sehen mit eigenen Augen, welche Fülle monumentaler Bauten dadurch entstanden ist. Es ist unglaublich !


Schräg gegenüber sehen wir die Überreste der Pyramide des Pharaos Userkaf, 5. Dynastie, ca. 2500-2490 v. Chr. 

In der Verlängerung die Pyramide des Pharaos Teti, 6. Dynastie, 2318-2300 v. Chr.

Beide Pyramiden sind aufgrund der Steinräuber seit der Antike bis in 20. Jahrhundert zu kleinen "Erdhügeln" geschrumpft. Aber gerade die Pyramide von Teti hat es "in sich". Denn deren unterirdische Gänge und die Grabkammer sind vollständig erhalten.


Etwas links davor sehen wir am Horizont in Abusir die drei Pyramiden 

der Pharaonen Sahure, 5. Dynastie, 2490-2475 v. Chr. , 

Neferirkare, 2475-2465 v. Chr. und 

Niuserre, 5. Dynastie, 2455-2420 v. Chr. 


Die Pharaonen Userkaf und Sahure waren Brüder, Neferirkare der Sohn und Niuserre der Enkel von Sahure. 

Und rund um diese Pyramiden wurden im Lauf der Jahrhunderte unzählige Privatgräber der Elite gebaut, die so auch nach ihrem Tod nah bei den göttlichen Pharaonen weilen konnten.





Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 18. Okt. 2026
Themenstarter196 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·

Wir fahren ein kurzes Stück hinüber zum Pyramidenkomplex von Teti. Dort werden wir einige dieser Elitegräber besichtigen.


Exkurs: Privatgräber der Elite

Die Gräber sollten nach den Vorstellungen der damaligen Zeit den Leichnam des Menschen bewahren, da das Grab der einzige Ort war, an dem sich die „Seele“ (Ka) des Verstorbenen im Diesseits aufhalten konnte. Der Verstorbene „wohnte“ also quasi in diesem Grab. 

Daher wurden diesem Opfergaben wie Kleidung, Essen, Trinken, aber auch symbolisch Bedienstete mit ins Grab gegeben. Und es wurde auch als notwendig angesehen, das die Nachkommen regelmäßig neue Opfergaben zur Versorgung des Verstorbenen an speziell dafür vorgesehen Opferstellen in oder vor den Grabbauten vornahmen. Hierzu gab es oft sehr detaillierte Auflistungen an den Wänden der Grabbauten. 

Man ging aber im Laufe der Zeit dazu über, diese Opfergaben als Bilder und Gebete in Inschriften an den Wänden symbolisch zu verewigen. 

So konnten die Gaben nicht gestohlen werden oder verderben und eine ewige Versorgung galt durch diese Darstellung als magisch gegeben. 

Die Elitegräber der Beamten wurden im Alten Reich als Mastaba errichtet, später dann auch als Felsengräber oder unterirdische Gewölbe. Bei der Mastaba (arabisch für „Bank“) handelt es sich um einen massiven rechteckigen Ziegelbau mit mehreren Räumen. 

Die eigentliche Sargkammer befand sich mehrere Meter unterhalb dieser Mastaba in einem meist senkrechten Schacht, der nach der Beisetzung verschlossen und unkenntlich gemacht wurde. Die Versorgung des Verstorbenen fand oberirdisch an der Opferstelle vor oder in der Mastaba statt. Daher musste auch immer eine Scheintür vorhanden sein, durch die das Ka des Verstorbene ein- und ausgehen konnte.


Als erstes besuchen wir die Mastaba von Mereruka. 

Er war Wesir unter Pharao Teti aus der 6. Dynastie (um 2300 v. Chr.). Es ist eines der größten Einzelgrabmäler und das vollständigste aus dem Alten Reich in Sakkara und besteht aus 32 Kammern, von denen 21 Mereruka, die anderen seiner Frau Seschseschet (einer Tochter von Pharao Teti) und beider Sohn Meriteti gewidmet ist. Viele Kammern sind mit Inschriften und Reliefs dekoriert, einige wurden auch schmucklos belassen und als Lagerräume genutzt. 

Rechts und links des Eingangs empfangen uns Darstellungen des Grabherrn Mereruka. 


Vor der Mastaba befindet sich seitlich des Eingangs eine Kultstelle.


Das Grab ist mit verschiedenen Alltagsszenen geschmückt sind, darunter Szenen aus der Landwirtschaft, Viehhaltung, der Jagd, der Fischerei, der Schmuckherstellung und des Alltags. 



Besonders interessant ist eine Szene, die den Metallguss zeigt. 


Dabei wird deutlich, das es bereits eine starke Spezialisierung und Arbeitsteilung gab. Als erstes wird den Metallarbeitern aus dem Bestand des Tempels oder königlichen Lagers das notwendige Erz oder Metall abgewogen, notiert und ausgehändigt. 


Dann sehen wir sechs Metallarbeiter, die mit Blasrohren Luft in den Schmelztiegel blasen, um die Temperatur zu erhöhen. Das flüssige Metall wird anschließend in vorbereitete Formen gegossen und durch Schmiede zu Gegenständen aller Art verarbeitet. Werkzeuge und Waffen, Gefäße und Schmuck sowie weitere Gebrauchsgüter werden hergestellt. Einige fertige Metallgefäße sind im Register über den Arbeitern zu sehen.


Wichtig ist dabei zu verstehen, das in der Vorstellung der alten Ägypter das Jenseits genauso geschaffen ist wie das Diesseits. Was hier also in den Gräbern dargestellt wird, ist das erhoffte Leben des Verstorbenen im Jenseits mit reichhaltigen Ernten, großen und gesunden Viehherden, Jagdausflügen und so weiter. Das Ganze natürlich umgeben von einer Vielzahl von Bediensteten.


Abdel weist uns auch auf Besonderheiten hin wie die Szene, in der Merekura die Hand seiner hinter ihm stehenden Frau hält. Aber steht die Frau wirklich hinter ihm ?


Exkurs: Die „pragmatische ägyptische Perspektive“

Das ist jetzt wichtig! 

Denn viele der Darstellungen in den Gräbern und Tempeln kann man nur richtig verstehen, wenn man das nachstehend beschriebene Prinzip (ich nenne es mal „die pragmatische ägyptische Perspektive“) verstanden hat. 

In der Vorstellung der Ägypter existiert und geschieht im Jenseits alles genauso, wie es an den Wänden geschrieben steht und vor allem dargestellt wird. 

Daher werden der Grabherr und seine Frau immer möglichst vorteilhaft, kraftvoll und dynamisch im besten Alter gezeigt. 

Um jeden Bereich ihrer Körper bestmöglich abzubilden, kommt es so zu den unnatürlich „verdrehten“ Körpern, die so typisch für das alte Ägypten sind. 

Und natürlich sollen die Personen möglichst vollständig dargestellt werden. Daher wird z.B. die Frau hinter dem Grabherrn gezeigt. 

In den meisten Fällen ist dies aber so zu verstehen, dass die Ehefrau neben dem Mann steht. Aber da würde sie ja grossteils verdeckt, daher werden sie eben (ganz im Sinne des ägyptischen Pragmatismus) hintereinander gezeigt. 

So erklären sich auch die Darstellungen der Gabentische. Gemalt sind diese, da könnte man meinen, die Gaben sind turmhoch entgegen jeglicher Gesetze der Schwerkraft auf dem Tisch übereinander gestapelt. (Hier ein Bild aus einem Grab in Mittelägypten, dass wir später auf unserer Reise besucht haben.)

In Wirklichkeit ist es aber so, das der Tisch zwar in der Seitenansicht gezeigt, dann aber einfach die Perspektive ganz pragmatisch gewechselt wird und die auf dem Tisch liegenden Gaben von oben betrachtet abgebildet werden. 

Warum ? Weil ja nur die Dinge im Jenseits existieren, die an den Wänden abgebildet werden. Und durch diesen Perspektivwechsel innerhalb der Darstellung kann man wunderbar alle Gaben von oben zeigen – und so existieren sie dann auch im Jenseits.


Sehr eindrucksvoll sind auch die detaillierten Darstellungen der Tierwelt bei einer der Schlüsselszenen in jedem Grab: „Der Ausfahrt des Grabherrn ins Papyrusdickicht“. 


Die Göttin Isis (Frau von Osiris) brachte in einem Papyrusdickicht ihren Sohn Horus zur Welt und er wuchs dort verborgen vor den Verfolgungen durch seinen Onkel Seth auf. Das Papyrusdickicht ist also ein Sinnbild für Geburt und Wiedergeburt. Der Grabherr begibt sich dorthin oft zusammen mit seiner Frau. Das Papyrusdickicht birgt aber auch viele Gefahren. Feindliche Mächte, besonders das Nilpferd, bedrohen die Wiedergeburt des Grabherrn. Sie werden daher gnadenlos aus der Nähe des Grabherrn vertrieben. (Anmerkung: Das Schwein wurde als unrein angesehen und so zu Symboltier des bösartigen Gottes Seth, dem Mörder seines Bruders Osiris – und das als „Wasserschwein“ geltende Nilpferd einfach damit gleichgesetzt). 

Symbolische Nilpferdjagd bei der Ausfahrt des Grabherrn ins Papyrusdickicht.


Auch Bilder der Viehhaltung fehlen nicht. 




Folgendes Bild: Im unteren Relief durchquert eine Viehherde einen Fluss gefolgt von den Viehhirten in Papyrusbooten.


Neben der Flussdurchquerung wird in den Szenen auch die Niederwerfung der Stiere vor der Schlachtung gezeigt. 


Ein Jungtier wird von einem Hirten getragen.


Dann sehen wir die Schlachtung selbst. Das Rind liegt auf dem Rücken mit zusammengebundenen Beinen. Die Zunge hängt heraus. Es ist bereits tot.


Es folgt die Zerlegung, während bereits das nächste Tier daneben zu Boden geworfen wird.


Wir sehen auch Szenen, in denen Raubtiere wie Löwen und Wildhunde Orxy-Antilopen und Rinder reißen. 


Es gibt auch eine seltene Szene, die Mereruka in der Rolle des obersten Richters zeigt, in der er für Gerechtigkeit sorgt. Man erkennt ganz links noch die Füße und Hände des sitzenden Richters Merekura. Der Rest der Reliefszene ist leider zerstört. Die beiden Schreiber notieren den Urteilsspruch. Daneben drei zu Boden geworfene Angeklagte, die ihren rechten Arm vor die Brust halten. Eine Geste der Ehrerbietung vor dem Richter Mereruka.

Die Bestrafung eines zu Stockhieben Verurteilten erfolgt daneben.

Die Schreiber erstellten ihre Niederschriften auf Papyrus mit drei verschiedenfarbigen Tinten. Man erkennt hier deutlich, das die Schreiber neben der Schreibfeder in der Hand noch zwei weitere Federn (für jede Farbe eine) griffbereit hinter ihrem Ohr stecken hatten.


In einer anderen Szene beaufsichtigt Mereruka in einem Papyrusboot sitzend umgeben von Dienern die Fischer beim Fischfang.

















Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter196 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·

Eine Wand zeigt auch Szenen der Beisetzung. Totenpriester und Diener tragen die Grabbeigaben. Neben Lebensmittel auch Möbel und Kleider. Einen kompletten Hausstand, damit der Grabherr im Jenseits wie bisher auf Erden gut versorgt ein luxuriöses Leben führen kann. 

Der verstorbene Mereruka nimmt sitzend die Opfergaben in Empfang. Dahinter lange Reihen mit Diener, die Arme ehrfurchtsvoll zum Gruß erhoben.


Tänzer und Musiker begleiten die Beisetzungsfeierlichkeiten. 

Tänzer:


Eine andere Wand zeigt Bauarbeiten (möglicherweise an der Mastaba), sitzend der Bauherr Mereruka. 



Natürlich gibt es in den vielen Räumen der Mastaba auch noch etliche weitere Szenen, die Mereruka beim Empfang der Opfergaben, Speisen und Getränke, geschlachteten Rindern, Geflügel und Fischen zeigen.


Die „Speisetischszene“ ist eine weitere Schlüsselszene in den Gräbern. Der Grabherr sitzt vor dem Speisetisch voller Brote. Und die stehen hier nicht hochkant, sondern liegen (von oben betrachtet) nebeneinander auf dem Tisch. Dank der „pragmatischen ägyptischen Perspektive“. Er streckt die rechte Hand aus nach den Broten. Die linke Hand liegt auf seiner Brust. Um diese Szene herum wird in Bild und Text die Qualität und Anzahl der Opfergaben aufgelistet und so rechtsverbindlich festgeschrieben. Für den Fall, das die irdischen Opfergaben im Diesseits irgendwann nicht mehr erbracht werden, erfolgt ihre detaillierte Darstellung an den Wänden, um durch diese bildhafte Darstellung dennoch ihre ewige Darreichung im Jenseits sicherzustellen. An den seitlichen Wänden daher wieder lange Reihen von Dienern, die Opfergaben in Krügen, Töpfen, Körben, Bündeln, aber auch verschiedene Vögel und Enten herantragen. Darunter exotischere Tiere wie Igel. Und natürlich wird auch nochmals die Niederwerfung, Schlachtung und Zerlegung der Rinder dargestellt. In einem weiteren Register dann die Schreiber, welche die Opfergaben notieren.

Alle möglichen Dinge werden von langen Reihen von Dienern als Opfergaben für das jenseitige Leben herangetragen. 

Darunter auch etliche Krüge voller kostbarer Öle. Um sicher zu gehen, ist der Inhalt der Krüge in Hieroglyphen darunter vermerkt.

Auch Geflügel, Gemüse und Blumen dürfen nicht fehlen.

Aber auch für unser skurile Dinge wie Igel werden dem Grabherrn für das Leben im Jenseits dargebracht.

Die langen Reihen der Opfergabenträger und -trägerinnen in den vielen Räumen nimmt scheinbar kein Ende.

Und alles wird akribisch von Schreibern notiert. Das Pharaonenreich gründet sich auf eine gut funktionierende Verwaltung und Bürokratie.

Neben Rindern werden auch Schafe, Ziegen und Antilopen gezüchtet.


In einem großen Raum mit mehreren dekorierten Säulen steht eine Statue des Grabherrn in einer Nische. 


Daneben Szenen der Getreideernte und des Vogelfangs. 


Aber es sind auch Szenen von Spielen oder sportlichen Wettkämpfen zur Unterhaltung des Grabherrn zu sehen. Es soll ihm ja nicht langweilig werden im jenseitigen Leben. Ihr seht, Mereruka hat an alles gedacht. 😉

Denn wir dürfen bei all diesen Szenen nie vergessen: Es handelt sich NICHT im Darstellung, die das irdische Leben von Mereruka zeigen. Nein, diese Darstellungen sollen sein jenseitiges Leben zeigen und sicherstellen, das es ihm dort weder an Dienern, Lebensmittel, Kleidung und eben auch Zerstreuung fehlt.

Für uns heute sind diese Szenen liefern die Szenen dennoch auch unendlich viele Informationen, wie das Alltagsleben im alten Ägypten aussah. Denn die Ägypter hatten die Vorstellung, dass das jenseitige Leben (bestenfalls) genauso aussah und weiterging, wie ihr irdisches Leben.


Hier findet sich auch eine seltene Szene. Viehherden werden als Gaben herangetrieben und niedergelegt für die Schlachtung. Im untersten Register sehen wir dann die Fütterung von Hyänen. Denn auch wilde Tiere wurden teils als heilige Tiere, teils als Opfergaben für die Götter gehalten.


Den Vorstellungen nach liegt das Jenseits der nicht königlichen Toten nicht im Himmel bei den Göttern, sondern unter der Erde in der Welt der Ahnen. 

Daher stellt das Grab unter der Erde die Wohnung des Toten dar. 

Die Fahrt über den Nil mit einem Schiff zur Grabstätte (die Grabstätten lagen meist auf der westlichen/Sonnenuntergang, die Wohnsiedlungen auf der östlichen/Sonnenaufgang Nilseite) wird daher in sehr vielen Gräbern als „Fahrt in den schönen Westen“ ausführlich dargestellt. Auch im Grab von Mereruka ist diese Überfahrt in mehreren Bildern vom Ablegen über das Segelsetzen bis zum Anlegen ausführlich abgebildet.






Im nächsten Raum dann die Scheintür, durch die das Ka des Grabherrn eintreten kann. 


Oben mittig sehen wir Mereruka am Speisetisch voller Opfergaben sitzen. 


Die Hieroglyphen enthalten Opfergebete an die Totengötter Anubis und Osiris. 

Bis zur 4. Dynastie war Anubis der Totengott und Herr über das Totenreich. Mit dem Aufkommen des Osiris-Kultes ab der 5. Dynastie übernahm dieser nach und nach die Funktion des Herrn über die Totenwelt. Die Rolle des Anubis bezog sich nun vor allem auf die Einbalsamierungsrituale, das Begräbnis sowie den Schutz der Nekropolen und der Grabkammer. Anubis führt dabei den Verstorbenen bis in die Jenseitswelt vor den thronenden Osiris und empfiehlt ihn so dem Herrn des Totenreiches. Die äußeren Türpfosten enthalten senkrecht die Titel des Grabherrn. 

Wir sehen hier auch die Tochter von Mereruka zu seinen Füßen. Sie rieht an einer Lotusblüte (= ewiges Leben).



Derartige Szenen mit hohen Dieners oder Familienangehörigen zu Füßen des Grabherrn sind in vielen der Räume zu finden.


Dann kommen wir in die Räume der Ehefrau von Mereruka. 


Auch hier das ganze Programm: Scheintür, Speisetisch, Opfergaben. Da sie eine Tochter von Pharao Teti war, wird sie sitzend auf einem Löwenthron dargestellt,

während sie ihre umfangreichen Opfergaben von einer Vielzahl von Dienern entgegen nimmt. 



An den Seitenwänden der Nische mit ihrer Scheintür wird sie sitzend am Speisetisch im Jenseits dargestellt. Auch hier sind die Opfergaben auf dem Tisch in der ägyptischen Perspektive von oben dargestellt.

Und im Register darunter tragen Diener unermüdlich weitere Gaben heran. Die linken Diener tragen zerlegte Rinderschenkel auf den Schultern herbei.

Auch Tänzer und Tänzerinnen gibt es für die Ehefrau.


Auch in den Räumen des Sohnes wiederholt sich das Bildprogramm der Opfergaben etc.

Eine besonders schöne Darstellung zeigt Mereruka mit seinem Sohn Hand in Hand dahin schreitend.

Auch für ihn wird durch Diener und Opfergaben gesorgt.


Die Grabkammer von Mereruka wurde in einem Grabschacht von 20 m Tiefe entdeckt, wo er in einem riesigen Kalksteinsarkophag gefunden wurde. Das Grab von Mereruka gilt als eine der schönsten, am besten dekorierten und faszinierendsten Mastabas hochrangiger Beamter in Sakkara.

Wir laufen um die Ecke der direkt nebeneinander gebauten Mastabas. Da in das Grab des Kagemni gerade eine Gruppe Besucher geht, laufen wir daran vorbei. 





Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0