THEMA: Reisebericht: Drei Wochen Äthiopien mit dem Rotel
18 Jan 2020 18:11 #577693
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  • CrocV am 18 Jan 2020 18:11
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Wir werden ins neue, große Haus gebeten. Dort bekommen wir erklärt: Rechts ist ein Bereich für die Tiere, links der Schlafbereich, hinten der Braubereich und in der Mitte der Wohnbereich. Und tatsächlich, als sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, bemerken wir einige Kühe und Ziegen im abgetrennten rechten Hüttenbereich. Bei der Kälte in den Bergen eine willkommene Wärmequelle. Seitlich gibt es eine separate Öffnung, durch die der Mist aus der Hütte geschafft werden kann.
Wir bekommen Kaffee auf einem kleinen rauchigen Feuer zubereitet. Über uns hängt in der Hütte ein Braugetreide. Nach einigen Monaten hier im Rauch ist es automatisch getrocknet und geräuchert und somit bereit zum Bierbrauen.
Durch die bienenkorbartige Bauweise trägt sich die Struktur selbst. Anders als zum Beispiel bei den Rundhütten der Hadiya braucht es hier also keinen Stamm als Stützpfeiler in der Mitte der Hütte. Das schafft zusätzlichen Raum.


Sorry, aber mit Blitzlicht wollte ich nicht fotografieren....

Hinter der Hütte zeigt uns eine Frau das Spinnen mit der Hand. Die Dorze sind in ganz Äthiopien bekannt als Weber. Die Webarbeiten werden aber von den Männern durchgeführt.




Bild mit Weberutensilien der Dorze aus dem Nationalmuseum in Addis. Aufgenommen am letzten Reisetag.
Das Weben ist noch heute ein Haupterwerb und keine Tourishow. Unser Fahrer hat sich bei seinem letzten Besuch eine Jacke bestellt. Und die hat er diesmal bekommen.

Neben der Baumwollspinnerei zeigt uns eine weitere Frau, wie die uns bereits seit den Stelen von Tiya bekannte Ensete verarbeitet wird.
Es beginnt damit, den mittleren Teil der Blätter auszuschaben.



Dabei wird Stärke gewonnen, die drei Monate lang unter trockenen Bananenblättern fermentiert.



Sobald diese ausreichend gegoren ist, wird sie als bröckelige Masse mit Wasser vermischt und zu einem Teig geknetet.



Als Nächstes wird der Teig mit Hilfe von frischen Bananenblättern zu einem Fladen geformt und mitsamt dem grünen Blatt auf eine Feuerstelle gelegt und gebacken.



Ach ja, und so schaut die Ensete aus:



Man versteht die Bezeichnung "falsche Banane".

Makonnen führt uns zu einer offenen pavillonartigen Hütte mit Sitzgelegenheiten. Jetzt ist es Zeit für den Arak (Schnaps). Die erste Runde dient der Begrüßung der Gäste, die zweite Runde dann dem Genuss und die dritte Runde schließlich, dass die Gäste weiterhin ein gute Reise haben. Der Schnaps ist etwas likörartig und nicht besonders scharf. Dazu bekommen wir das gerade gebackene Ensete-Fladenbrot, eine scharfe Berbere-Paste sowie Honig gereicht.



Alles hat uns sehr gut geschmeckt :-)
Und der Alkohol hat dann doch etwas reingehauen. So nach dem 4. Schnaps. :whistle:
Beim Sichten der Fotos bin ich noch auf Bilder gestoßen, wo ich danach (?) aus der Kalebasse von Makonnen (?) auch noch irgendein selbst gebrautes Bier (?) trinke... :pinch:
Bild zensiert. :P

Anscheinend kam es dann auch noch zu einer Verabredung, das Makonnen abends mit seinem Moped zu uns runter in die Stadt kommt und wir das Tasting der einheimischen Alkoholika fortsetzen. (Ich glaube, ich bin unschuldig.) Allerdings musste er später am Tag telefonisch bei unserer Reiseleiterin absagen: Sein Moped ist kaputt. (Meine Vermutung: Seine Frau weiß Bescheid, wie sie kurzfristig elementare Funktionen an seinem Moped lahmlegen kann. :evil: )
Anhang:
Letzte Änderung: 02 Feb 2020 17:34 von CrocV.
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18 Jan 2020 18:26 #577694
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So gestärkt war wir nun so was von bereit für Gesang und Tanz. Die Dorfbewohner/innen samt Kinderschar haben sich bereits versammelt und beginnen zu singen und tanzen.





Als wir zum Mittanzen aufgefordert werden, gibt es kein Halten mehr. Es wird ein kurzes, spontanes Tanzfest.




Sorry, ab hier gibt's keine Bilder mehr. Jetzt ist Party !

Zu guter Letzt kaufen wir hier auch eine traditionelle Kaffeekanne als Souvenir.
Uns hat der Besuch bei den Dorze sehr gut gefallen. Auch weil es hier wirklich sehr unverkrampft zuging. Die Dorfbewohner hatten sich nicht „verkleidet“, sondern sind in ihrer heutigen, modernen Kleidung erschienen. Lediglich ein paar junge Burschen haben sich darüber Leopardenfelle geworfen und tanzten mit alten Sperren und Schilder. Dabei mussten sie aber selbst am meisten über sich lachen wegen dieser Verkleidung. Sehr sympatisch.
Letzte Änderung: 18 Jan 2020 18:28 von CrocV.
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18 Jan 2020 18:36 #577696
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  • CrocV am 18 Jan 2020 18:11
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Am Nachmittag fahren wir zum Chamosee und unternehmen eine Bootsfahrt.
Wir sehen neben den einheimischen Fischern auch Pelikanen, Flusspferde und Krokodile.











Zurück an Land beobachten wir einige Meerkatzen direkt hinter dem abgestellten Rotel.





Am Abend gibt es noch einmal Rotelküche. Nur diese beiden Male auf dieser Reise wird der Fahrer für uns kochen. Ansonsten essen wir abends immer im Restaurant des Hotels auf dessen Gelände wir unser Lager aufgeschlagen haben.
Die Nacht wird etwas unruhig, denn ein heftiges Gewitter bringt stundenlangen starken Regen.
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19 Jan 2020 10:38 #577724
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  • picco am 19 Jan 2020 10:38
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Hoi CrocV

Da bin ich doch gerne dabei!
Hast ja schon einiges Interessantes geschrieben, mir fehlt aber noch ein Bild der Schlafkabine :whistle: Kannst Du uns so was mal zeigen und die Abmessungen nennen?
Wie ists denn wenn eine(r) im Nebenkabinchen schnarcht? :S
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19 Jan 2020 15:29 #577757
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Hi Picco

ein Bild der Rotel Kabine habe ich -zu meiner Schande- nicht gemacht.
Aber gib einfach bei Google "Rotel Kabine" ein, gehe auf die Bildersuche.
Da findet sich einiges. Lustigerweise sogar ein Bild hier im Namibia-Forum. Das wurde allerdings in einem anderen Fahrzeugtyp gemacht. Rotel hat weltweit 3-4 unterschiedliche Fahrzeugtypen im Einsatz.
Größe ? Ich schätze mal die Einzelkabine so 70 Zentimeter breit, die Doppelkabine dann 140 Zentimeter.
Höhe auch etwas 70 Zentimeter. (Ich kann grad so drin sitzen.)
Länge so um die 190 Zentimeter. Denn ich bin 1,88 groß und das passt grad so. :cheer:
Die Kabine taugt definitiv nur zum schlafen. Sonst hält man sich nicht darin auf.

Tja, und wenn der Nachbar schnarcht, dann helfen nur Ohrstöpsel.
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19 Jan 2020 15:47 #577764
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  • CrocV am 18 Jan 2020 18:11
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20.11. Langsam zurück Richtung Norden.
Heute fahren wir von Arba Minch nach Awassa wieder Richtung Norden. Die Situation im Oromogebiet ist immer noch angespannt, aber nicht weiter eskaliert.
Wir fahren entlang der Seen auch durch ein Gebiet, wohin in den 80er Jahren nach der Hungerkatastrophe von der Regierung viele Menschen aus dem Norden zwangsweise umgesiedelt wurden. Nachdem diese den Tod durch Hunger entgangen waren, wurden hier im Süden im Grabenbruch nun viele ein Opfer der Malaria. Denn die Hochlandbewohner des Nordens hatten keinerlei Erfahrung, wie man sich gegen die Mücken schützen muss. Und natürlich kam es auch zu vielen Konflikten mit den bereits hier lebenden Menschen, die eine ganz andere Kultur und Sprache hatten. Letztlich sind viele der Überlebenden doch wieder nach Norden zurückgekehrt.
Mittag machen wir wieder im bereits bekannten Restaurant oberhalb von Soddo. Kaffee und leckere frisch zubereitete Fruchtsäfte gibt es hier.
Hier ein paar Eindrücke der heutigen Fahrt. Mich hat immer wieder tief beeindruckt, wie fleißig alle Menschen auf dem Land arbeiten.
Ganz im Gegensatz zu den größeren Orten und Städten, wo wir viele anscheinend beschäftigungslose junge Männer an den Straßenrändern "abhängen" sahen bei Bier, Kaffee, Billard, Kicker etc.











Bodenerosion aufgrund Abholzung ist ein weiteres Riesenproblem in Äthiopien.



Dazu gab es vor kurzen auch einen Aktionstag in Äthiopien, an dem Millionen junge Bäume gepflanzt wurden.

Bei der Weiterfahrt erzählt uns unsere Reiseleiterin einige Anekdoten, die zeigen, das die Ordnungskräfte in Äthiopien einen feinen Sinn für eine „lehrreiche Bestrafung“ haben.
Folgendes hat sie auf früheren Fahrten erlebt:
Ein Reisegast hat Militärs fotografiert, obwohl dies streng verboten ist. Anstatt den Reisegast zu verhaften oder einen Geldbetrag als „Bußgeld“ zu fordern wurde verlangt, das der Reisegast seinen kompletten Speicherchip löscht. Das nenne ich mal eine lehrreiche Buße für einen Touristen. Wow.
Auf der gerade beendeten Tour durch Südäthiopien kam unser Fahrer auf einer völlig leeren breiten Sandpiste an einen – Kreisverkehr. Mitten im nichts. Anstatt den Kreis zu fahren, fuhr er gerade aus darüber. Sofort sprang ein Polizist hinter einem Busch hervor, stoppte ihn und fragte, warum er den Kreisverkehr nicht gefahren sei. Unser Fahrer versuchte sich herauszureden, sein LKW würde diesen engen Kreisverkehr nicht schaffen. Da ließ der Polizist unseren Fahrer zurückstoßen und den Kreisverkehr nun korrekt fahren. Damit er sieht, dass der LKW doch durch den Kreisverkehr passt. Das war die Strafe.
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