THEMA: FotoGnu in Uganda
31 Aug 2025 15:27 #712045
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21.06.2025: Von Kibale nach Bwindi

Nach dem Swamp Walk heißt es wieder Strecke machen: Heute wartet die größte Entfernung auf uns und wegen des Regens können wir eine geplante Abkürzung auf einer unbefestigten Straße leider nicht nehmen.

So geht es wieder über Asphalt durch die wunderbar grüne, hügelige Landschaft,



vorbei an Dörfern, Städten und einer total verrückten Wahlkampf-Prozession: als Deutsche wundern wir uns über so viel Begeisterung für Politik, aber Peter erklärt uns, dass eine Gratismahlzeit und kostenlose Getränke am Veranstaltungsort auf die Teilnehmer warten.

Gegen zwei machen wir am Queen Elisabeth NP Mittagspause und verspeisen mit Blick auf die Savannenlandschaft Sandwiches und Eier aus unseren Lunchboxen und leckere Ananas, die Peter uns ausgibt. Da wir ja nicht selber fahren und uns deshalb so gut wie gar nicht mit der Streckenführung befasst hatten, war uns vorher überhaupt nicht klar, dass wir direkt am QENP vorbeikommen.

Nachdem wir satt sind, braucht auch das Auto eine neue Tankfüllung, aber an der einzigen Tankstelle weit und breit gibt es keinen Diesel mehr. Peter will für die verbleibende Strecke auf Nummer sicher gehen und kauft den Sprit bei einem Privatmann im Ort, der die durch einen Streik bedingte, aktuelle Mangellage als willkommene Geschäftsgrundlage nutzt und Peter den doppelten Preis abknöpft.

Wenig später biegen wir auf eine unbefestigte Straße ein und erfahren völlig perplex, dass uns die von Peter geplante Streckenführung nicht nur am QENP vorbei, sondern für die nächsten ca. 80km sogar mitten durch den Nationalpark führt! Was für eine tolle Überraschung! So wird die vermeintliche Transfer-Fahrt zu einem Game Drive mit vielen tierischen Motiven und sogar drei Erstsichtungen.























Neben den Vögeln und großen Wildtieren faszinieren uns auch die bunten Schmetterlinge, die sich zu Hunderten an den vielen wassergefüllten Schlaglöchern versammeln. Beim Passieren fliegen sie auf, sodass wir durch einen wunderbaren, lebendigen Schmetterlingstornado fahren.

Als wir den Nationalpark wieder verlassen, verändert sich die Landschaft wieder und für uns sieht es wieder wie das typische Uganda aus. Die Menschen hier wirken allerdings ärmlicher und weniger offen und die „Straße“ verdient den Namen wirklich nicht!



Endlich kommen wir - schon im Dunklen - in der Bwindi Community Lodge in Buhoma an und werden freundlich mit heißen Handtüchern und Saft begrüßt. Dann erhalten wir eine kurze Info zu der Lodge und werden schließlich zu unserem Zimmer „Mongoose“ geführt. Peter hatte uns vorher gesagt, dass die Zimmer der Lodge frisch renoviert sind. Den Eindruck vermittelt unser Zimmer auf uns ehrlicherweise nicht.







Dass diese Unterkunft einen anderen Standard hat, als die vorherige, merkt man auch deutlich am Service: obwohl ich gerade eine Viertelstunde vorher erklärt hatte, dass ich keine Zwiebeln essen kann, bekomme ich zunächst die normale Tomatensuppe mit Zwiebel serviert. Das Essen ist leider auch sonst nicht besonders lecker. Dafür unterstützt man mit einer Buchung dieser Lodge aber direkt die Bwindi Community: alle Erträge kommen der Dorfgemeinschaft und somit dem Gorilla-Schutz zugute.
Letzte Änderung: 31 Aug 2025 15:30 von FotoGnu.
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02 Sep 2025 12:45 #712153
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22.06.2025: Gorilla-Trekking in Bwindi, Teil I

Um drei Uhr liege ich wieder wach, aber mit Meditation und positiven Affirmationen zum heutigen Trekking schlafe ich zum Glück noch mal für zwei Stunden wieder ein.

Als um sechs der Wecker geht, bin ich trotzdem hundemüde und gleichzeitig total aufgeregt. Meine Erkältung klingt ganz langsam ab, dafür hat Lars heute Nacht Halsschmerzen bekommen - schöner Mist!

Weil ich nicht nur große Angst davor habe, der Anstrengung nicht gewachsen zu sein, sondern auch weiß, dass ich beim Bergab-Laufen schnell Probleme mit den Knien bekomme, ziehe ich heute orthopädische Kniebandagen an. Dann kommen noch die Socken über die Hose und darüber noch die Gamaschen, dazu nehmen wir wieder die Gartenhandschuhe und Wanderstöcke mit - an der optimalen Vorbereitung soll unser heutiges Abenteuer jedenfalls nicht scheitern. Unsere Rucksäcke haben wir zum Glück gestern schon gepackt, sodass wir hoffentlich auch sonst nichts Wichtiges vergessen haben.

Ein Blick aus der Tür zeigt, dass zumindest das Wetter schon mal mitspielt:



Das Frühstück hingegen ist leider nicht so toll, aber ich will unbedingt was in den Magen bekommen, um genug Energie für das Trekking zu tanken.

Plötzlich steht Peter schon neben uns und gemeinsam gehen wir die paar Meter zu Fuß zur Ranger Station. Dabei jammere ich den armen Peter - nicht zum ersten Mal auf unserer Reise - wieder voll, wie groß meine Angst ist, dass ich das Trekking nicht schaffe. Er versucht mich zu beruhigen, was ihm aber nur mäßig gelingt.

Lars und ich nehmen für das Briefing in der ersten Reihe Platz und warten gespannt auf alles Weitere. Nach und nach füllen sich die Reihen mit anderen Touris und es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich sich die Leute für den heutigen Tag ausstaffiert haben. Von „sorglos“ bis „übertrieben“ ist aus unserer persönlichen Sicht alles dabei.

Bevor wir zu den Gorillas und dem Trekking aufgeklärt werden, dürfen wir erstmal eine längere Tanz- und Gesangseinlage der hiesigen Batwa-Community miterleben. Es ist eine überwiegend weibliche Gruppe, die zu lautem Getrommel richtig loslegt und voll abgeht! Besonders eine junge Frau sprüht nur so vor Lebensfreude und Energie, was besonders bemerkenswert ist, weil die Reaktionen im Publikum - freundlich gesagt - eher verhalten sind. Zwischendurch erzählt uns der Sprecher der Gruppe einiges zur Stammeshistorie, was, wie so häufig, etwas bedrückend ist.

Ranger Sahin erklärt anschließend die Spielregeln zum Trekking und das weitere Prozedere. Wir werden der Rangerin Joy zugeordnet. Insgesamt besteht unsere Gruppe aus vier Amerikanerinnen, einem anscheinend spanischen Paar und natürlich uns. Wir werden gefragt, ob wir Porter möchten und Lars und ich melden uns gleich für zwei. Zum einen, weil ich glaube, dass wir die Hilfe wirklich brauchen können, aber zum anderen auch, um die Community zu unterstützen. Die Akzeptanz der Gorillas und damit ihr Überleben hängt ganz wesentlich davon ab, dass die lokalen Dorfgemeinschaften vom Gorilla-Tourismus profitieren.

Joy erklärt, dass unsere Gorilla-Gruppe aus 17 Tieren besteht und Rushegura genannt wird. Das Familienoberhaupt ist der dominante Silberrücken Kabukojo.



Kurz bevor wir uns auf den Weg machen, steckt Peter uns, dass er mit dem Chief Ranger gesprochen hat, um uns eine „gute“ Gruppe zuzuschanzen. In mir keimt die leise Hoffnung, dass es heute vielleicht nicht soo hart wird, zumal auch diese Gruppe rein optisch nicht wie Fitness-Freaks erscheinen. Dann fahren wir, zusammen mit Joy auf dem Beifahrersitz, schon los.

Komischerweise fahren wir nur ein paar Minuten und zwar an den Rand des Dorfes Buhoma. Dort geben wir unsere Rucksäcke an unsere beiden Porter Kevin und Bran.

Dabei höre ich eine der Amerikanerinnen sagen, dass sie einen Gorilla gesehen habe und schüttele innerlich belustigt mit dem Kopf: Ja, ist klar, als wenn das so einfach wäre! Aber - was soll ich sagen - Joy bestätigt, dass die Gorillas hier sind und dass wir großes Glück hätten, sie so leicht zu finden. Ich bin total perplex und gleichzeitig fallen mir tonnenweise Steine vom Herzen!

Wir gehen die paar Meter zu den Gorillas und können einen Silberrücken und einen Schwarzrücken ausmachen, die sich über Baumrinde und Eukalyptus hermachen. Ich kann die Situation noch gar nicht richtig glauben!

Wir fotografieren die zwei was das Zeug hält und sind im siebten Fotografen-Himmel. Gleichzeitig kann ich unser Glück kaum fassen, den wunderbaren Tieren so nah sein zu dürfen. Dabei sind unsere eindrucksvollen Verwandten völlig entspannt und friedlich.











































Nachdem wir uns eine ganze Weile fotografisch ausgetobt und die Anwesenheit der sanften Riesen einfach nur staunend und dankbar genossen haben, drängt sich mir der unwillkommene Gedanke auf, dass wir unser leichtes Trekking wohl damit „bezahlen“ müssen, dass wir keine Gorilla-Familie und somit keine Gorilla-Babys zu sehen bekommen. Doch unsere heutige Mega-Glückssträhne hat noch kein Ende...
Letzte Änderung: 02 Sep 2025 22:05 von FotoGnu.
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03 Sep 2025 19:07 #712215
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22.06.2025: Gorilla-Trekking in Bwindi, Teil II

Unter den wachsamen Schutz des dominanten Silberrückens Kabukojo zieht die komplette Gorilla-Familie den Berg herunter und kommt direkt auf uns zu. Gänsehaut!









Wow, der Hammer! Die Gorillas ziehen direkt an uns vorbei; wir stehen regelrecht Spalier! Ich werd verrückt. Sogar die Mütter mit ihren kleinen Babys sind dabei und anscheinend auch völlig entspannt.












Ich habe völlig das Zeitgefühl verloren, deshalb gehe ich davon aus, dass wir, als die Gruppe in einem Feld verschwindet, die Gorillas nun schon verlassen müssen, aber wir dürfen ihnen weiter folgen und können ein paar weitere Szenen einfangen.











Dann wird es leider wirklich Zeit die Gorillas sich selbst zu überlassen. Wir sind total beseelt und geflasht.

Anstatt nun einfach zurück zu den Autos zu gehen, sollen wir uns unsere Gorilla Trekking Urkunde offenbar wenigstens noch ein bisschen verdienen: wir wandern am Fluss entlang bis wir schließlich zu Fuß wieder an der Rangerstation ankommen.





Das offizielle Ende des Trekkings besteht aus der Übergabe des Zertifikats an uns und des Trinkgelds an Joy und die beiden Guards.

Dann ist natürlich ein dickes Dankeschön und eine herzliche Umarmung für Peter fällig, dem wir es zu verdanken haben, dass uns dieses unfassbar schöne Erlebnis so mühelos zugefallen ist!

Erfreulich früh sind wir zurück in der Lodge. Lars sichtet sofort seine Fotos, während ich erstmal eine Dusche genieße. Nachdem sich Lars auch frischgemacht hat, setzen wir uns gemütlich auf unsere Terrasse, verspeisen unsere Lunchpakete, sichten Fotos, freuen uns über Vögel und Affen in der Umgebung und schreiben Journi.





Zwischendurch öffnet der Himmel seine Schleusen und ich denke sehr mitleidig an die armen Gruppen, die jetzt immer noch auf der Suche nach ihren Gorilla-Familien sind und bin gleichzeitig sehr, sehr dankbar, dass es uns heute so leicht gemacht wurde.

Da wir für WLAN sowieso ins Restaurant müssen, trinken wir dort auch noch einen Tee und essen dazu Kuchen aus der Lunchbox. Plötzlich kommt ein L’Hoest Affe rein und somit sogar eine Art, die wir hier noch gar nicht richtig gesehen haben. Schnell hinterher!



Mit diesem Handy-Foto geben wir uns natürlich nicht zufrieden und holen schnell unsere Kameras.













Danach gehen wir wieder ins Restaurant, wo wir mit einem belgischen Biologen und Guide ins Gespräch kommen, der in Kanada lebt und sich auf Birding-Touren spezialisiert hat. Seine Klientel scheint ziemlich schwierig zu sein und innerhalb der Gruppe gibt es Zoff. Wie gut, dass wir nur zu zweit bzw. dritt unterwegs sind!

Dann gibt es auch schon Abendessen, das wir heute zusammen mit Peter einnehmen. Mit Peter als Guide haben wir wirklich einen sehr guten Griff getan: wir erfahren wieder sehr viel über Land, Leute und Natur, dabei ist er immer freundlich und super angenehm als Mensch.
Letzte Änderung: 03 Sep 2025 19:09 von FotoGnu.
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03 Sep 2025 19:15 #712216
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Wow, da hattet ihr wirklich grosses Glück! Das muss ein grossartiges Erlebnis gewesen sein. Vielen Dank für‘s Teilen!
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
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03 Sep 2025 20:23 #712223
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  • Makalani am 03 Sep 2025 20:23
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Hallo Elke,
was für ein tolles Gorillatrekking - ohne große Anstrengungen ein Silber- und ein Schwarzrücken und dann noch der Rest der Familie mit den süßen Kleinen. Ein herzliches Dankschön zwischendurch für den schönen Reisebericht und das Teilen der Fotos.
Viele Grüße, Sabine
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04 Sep 2025 08:19 #712234
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  • picco am 04 Sep 2025 08:19
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Hoi Elke

Gratuliere zu den Treckings!
Vor allem hattet Ihr unheimliches Glück mit dem Licht!
Ich kann mich so spontan an nicht einen Sonnenstrahl beim Gorillatrecking erinnern, immer nur Urwald-Dunkel...
Letzte Änderung: 04 Sep 2025 08:19 von picco.
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