22.06.2025: Gorilla-Trekking in Bwindi, Teil I
Um drei Uhr liege ich wieder wach, aber mit Meditation und positiven Affirmationen zum heutigen Trekking schlafe ich zum Glück noch mal für zwei Stunden wieder ein.
Als um sechs der Wecker geht, bin ich trotzdem hundemüde und gleichzeitig total aufgeregt. Meine Erkältung klingt ganz langsam ab, dafür hat Lars heute Nacht Halsschmerzen bekommen - schöner Mist!
Weil ich nicht nur große Angst davor habe, der Anstrengung nicht gewachsen zu sein, sondern auch weiß, dass ich beim Bergab-Laufen schnell Probleme mit den Knien bekomme, ziehe ich heute orthopädische Kniebandagen an. Dann kommen noch die Socken über die Hose und darüber noch die Gamaschen, dazu nehmen wir wieder die Gartenhandschuhe und Wanderstöcke mit - an der optimalen Vorbereitung soll unser heutiges Abenteuer jedenfalls nicht scheitern. Unsere Rucksäcke haben wir zum Glück gestern schon gepackt, sodass wir hoffentlich auch sonst nichts Wichtiges vergessen haben.
Ein Blick aus der Tür zeigt, dass zumindest das Wetter schon mal mitspielt:
Das Frühstück hingegen ist leider nicht so toll, aber ich will unbedingt was in den Magen bekommen, um genug Energie für das Trekking zu tanken.
Plötzlich steht Peter schon neben uns und gemeinsam gehen wir die paar Meter zu Fuß zur Ranger Station. Dabei jammere ich den armen Peter - nicht zum ersten Mal auf unserer Reise - wieder voll, wie groß meine Angst ist, dass ich das Trekking nicht schaffe. Er versucht mich zu beruhigen, was ihm aber nur mäßig gelingt.
Lars und ich nehmen für das Briefing in der ersten Reihe Platz und warten gespannt auf alles Weitere. Nach und nach füllen sich die Reihen mit anderen Touris und es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich sich die Leute für den heutigen Tag ausstaffiert haben. Von „sorglos“ bis „übertrieben“ ist aus unserer persönlichen Sicht alles dabei.
Bevor wir zu den Gorillas und dem Trekking aufgeklärt werden, dürfen wir erstmal eine längere Tanz- und Gesangseinlage der hiesigen Batwa-Community miterleben. Es ist eine überwiegend weibliche Gruppe, die zu lautem Getrommel richtig loslegt und voll abgeht! Besonders eine junge Frau sprüht nur so vor Lebensfreude und Energie, was besonders bemerkenswert ist, weil die Reaktionen im Publikum - freundlich gesagt - eher verhalten sind. Zwischendurch erzählt uns der Sprecher der Gruppe einiges zur Stammeshistorie, was, wie so häufig, etwas bedrückend ist.
Ranger Sahin erklärt anschließend die Spielregeln zum Trekking und das weitere Prozedere. Wir werden der Rangerin Joy zugeordnet. Insgesamt besteht unsere Gruppe aus vier Amerikanerinnen, einem anscheinend spanischen Paar und natürlich uns. Wir werden gefragt, ob wir Porter möchten und Lars und ich melden uns gleich für zwei. Zum einen, weil ich glaube, dass wir die Hilfe wirklich brauchen können, aber zum anderen auch, um die Community zu unterstützen. Die Akzeptanz der Gorillas und damit ihr Überleben hängt ganz wesentlich davon ab, dass die lokalen Dorfgemeinschaften vom Gorilla-Tourismus profitieren.
Joy erklärt, dass unsere Gorilla-Gruppe aus 17 Tieren besteht und Rushegura genannt wird. Das Familienoberhaupt ist der dominante Silberrücken Kabukojo.
Kurz bevor wir uns auf den Weg machen, steckt Peter uns, dass er mit dem Chief Ranger gesprochen hat, um uns eine „gute“ Gruppe zuzuschanzen. In mir keimt die leise Hoffnung, dass es heute vielleicht nicht soo hart wird, zumal auch diese Gruppe rein optisch nicht wie Fitness-Freaks erscheinen. Dann fahren wir, zusammen mit Joy auf dem Beifahrersitz, schon los.
Komischerweise fahren wir nur ein paar Minuten und zwar an den Rand des Dorfes Buhoma. Dort geben wir unsere Rucksäcke an unsere beiden Porter Kevin und Bran.
Dabei höre ich eine der Amerikanerinnen sagen, dass sie einen Gorilla gesehen habe und schüttele innerlich belustigt mit dem Kopf: Ja, ist klar, als wenn das so einfach wäre! Aber - was soll ich sagen - Joy bestätigt, dass die Gorillas hier sind und dass wir großes Glück hätten, sie so leicht zu finden. Ich bin total perplex und gleichzeitig fallen mir tonnenweise Steine vom Herzen!
Wir gehen die paar Meter zu den Gorillas und können einen Silberrücken und einen Schwarzrücken ausmachen, die sich über Baumrinde und Eukalyptus hermachen. Ich kann die Situation noch gar nicht richtig glauben!
Wir fotografieren die zwei was das Zeug hält und sind im siebten Fotografen-Himmel. Gleichzeitig kann ich unser Glück kaum fassen, den wunderbaren Tieren so nah sein zu dürfen. Dabei sind unsere eindrucksvollen Verwandten völlig entspannt und friedlich.
Nachdem wir uns eine ganze Weile fotografisch ausgetobt und die Anwesenheit der sanften Riesen einfach nur staunend und dankbar genossen haben, drängt sich mir der unwillkommene Gedanke auf, dass wir unser leichtes Trekking wohl damit „bezahlen“ müssen, dass wir keine Gorilla-Familie und somit keine Gorilla-Babys zu sehen bekommen. Doch unsere heutige Mega-Glückssträhne hat noch kein Ende...