THEMA: Alter Südwester geht in Tansania fremd.
03 Feb 2016 21:03 #417853
  • Burschi
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  • Burschi am 03 Feb 2016 21:03
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Hallo Fomis,
nach 16 Reisen in Namibia, Südafrika, Botswana und Simbabwe wollte ich mal ganz was anderes machen und erfüllte mir einen Kindheitstraum mit einer Reise nach Tansania und Sansibar. Alle meine Reisen im südlichen Afrika habe ich als Selbstfahrerreisen gemacht, früher als Camper, in den vergangenen Jahren wurde ich bequemer und habe Lodges bevorzugt.
Die erste Reise nach Ostafrika aber habe ich - nach dem Studium einiger Reiseberichte hier im Forum - nicht als Selbstfahrerreise unternommen. ich habe mit Hilfe eines Tour-Operators in Deutschland eine Reise zusammengestellt, die meinen Wünschen und Ansprüchen entsprach. Da ich gerne fotografiere, mich auch für die Vogelwelt interessiere und mit Vorliebe mal an dem einen oder anderen Ort gerne verweile, kam eine Gruppenreise nicht in Frage. Ich habe also tief in den Geldbeutel gergriffen und habe - ich gestehe, es war die teuerste Reise meines Lebens! - eine geführte Jeep-Safari für nur 2 Personen gebucht und bin dabei meinem Vorsatz mindestens 2 Tage an einem Ort zu bleiben treu, geblieben.
Ich muss vorausschicken, ich habe es nicht bereut. ich würde es wieder genauso bei der ersten Reise machen und daher auch hier der Reisebericht, damit ich den einen oder anderen Tipp weiter geben kann.
Selbst in Tansania zu fahren heißt - besonders zu dieser Zeit! - für lange Strecken immer konzentriert am Steuer zu sitzen, denn die Straßenverhältnisse hier sind nicht mit denen im südlichen Afrika zu vergleichen. Die Gravelroads sind um etliches schlechter, die Teerstraßen weisen oft riesige Schlaglöcher auf, in den Ortschaften gibt es unendlioch viele Bumps und Polizeikontrollen und all dies hätte ich als Ersttäter nicht erkannt und das wäre ein wenig entspanntes Fahren gewesen. So aber habe ich viel mehr gesehen und viel mehr erlebt und konnte durch intensive Gespräche mit dem Guide und den Menschen vor Ort Dinge erfahren, die ich sonst nicht zu hören bzw. sehen bekommen hätte. Zudem war es bereits am ersten Tag sehr entspannt, in der Dunkelheit in Arusha anzukommen und begleitet zur ersten Lodge zu fahren, anstatt noch nachts ein Auto zu übernehmen und durch den Straßendschungel einer afrikanischen unbekannten Stadt fahren zu müssen.
Ich hoffe, ich kann diesen Vorteil durch ein paar Bilder belegen, werde mich aber zurückhalten und keine ewig langen Fotostrecken derselben Tiere den Bericht in die Länge ziehen.
Sonntag, 10.1.:
Wir starten mit dem KLM-Flieger in Nürnberg am frühen Morgen, fliegen nach Amsterdam – eigentlich die falsche Richtung! – haben dort zwei Stunden Aufenthalt, können also bequem von einem Gate zum anderen laufen, und starten dann von Amsterdam im Direktflug nach Arisha, Kilimandjaro Airport. Dort landen wir gegen 21.00 Uhr bei völliger Dunkelheit.
Nun kommt das übliche Schalter abklappern an afrikanischen Flughäfen: Kauf der Visa am Visumschalter – die ersten 100 US$ bin ich schon mal los - , Registrierung der biometrischen Daten und aller Fingerabdrücke an Schalter 2 und schließlich der Stempel in den Pass an Schalter 3. Dann geht es zu den Koffern, die inzwischen unbeaufsichtigt in einer Halle herumstehen. Zum Glück ist noch alles da. Dann werden wir vor dem Flughafen gleich zweimal abgeholt: Von unserem Guide für die nächsten zwei Wochen und von der Lodge. Unser Guide Hassan übernimmt uns und bringt uns zur Mt. Meru View Lodge.


Diese Lodge haben wir für die nächsten drei Nächte. Wir bekommen ein nettes, kleines Häu-schen, das einfach eingerichtet ist, aber alles enthält, was man braucht. Es ist kein Luxuschalet. Wir haben hier mit Frühstück gebucht, weil ich hoffte, mal am Abend in Arusha in ein Lokal gehen zu können, aber das mussten wir uns aus dem Kopf schlagen. Das ist von hier aus absolut unmöglich. Das Essen in der Lodge ist einfach, aber ordentlich und ausreichend. Mittags bekamen wir immer ein Lunchpaket mit. Ein Schweizer Hotelfachschulenpraktikant hat hier deutliche positive Spuren hinterlassen.
Bereits am nächsten Morgen, nach nur wenigen Stunden Schlaf ging es auf die erste Safari.
Einstweilen:
Liebe Grüße:
Burschi
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Letzte Änderung: 04 Feb 2016 04:56 von Burschi.
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03 Feb 2016 21:09 #417854
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Ich mache gleich mal mit dem ersten Tag weiter:
Montag 11.1.:
Heute steht der Ausflug in den Mt. Meru Nationalpark an. Er wird zum „Affentag“. Wir sehen sowohl Paviane und Grüne Meerkatzen, als auch die erhofften Blue Colobos und selbst die schönen White Colobo Stummelaffen lassen sich sehen.







Ein Tierwunsch ging somit am ersten Tag schon in Erfüllung. Daneben beherbergt der relativ kleine Park aber auch viele andere Tierarten (Büffel, Zebras, Wasserbock, Buschbock, War-zenschweine usw.), denen man bei langsamen Fahrten durch den sehr abwechslungsreichen Park immer wieder begegnen kann. Ein schöner Aufenthaltsort ist an den Momella-Seen. Dort kann man auch den einen oder anderen Vogel gut beobachten.


Giant Jingfisher


Eastern Double-Collared Sunbird


Baglafecht Weaver


Augurbussard
Keine Angst, der bericht wird jetzt nicht vogellastig! :(
Natürlich statteten wir auch der Hatari Lodge, die eins Hardy Krüger gehörte, einen Besuch ab und haben dort eine Tasse Kaffee getrunken. In der John Wayne Bar wurde dann das obligatorische Foto geschossen. Insgesamt ist die Dekoration im Hinblick auf den „Hatari“-Film aber her spärlich. So erscheint mir der Besuch dieser Lodge nicht als unbedingtes Muss, aber wenn man genügend Zeit hat, ist es ganz nett. Der Nationalpark aber hat sich durchaus gelohnt.
So, das war´s für heute, demnächst geht es weiter, wenn ihr wollt.
Viele Grüße:
Burschi
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03 Feb 2016 21:20 #417857
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  • Holger_W am 03 Feb 2016 21:20
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Freue mich auf einen interessanten Reisebericht mit tollen Fotos.

Holger
2019 Südafrika Klaserie - Timbavati - Sabi Sands
2018 Brasilien Rio de Janeiro - Foz do Iguacu - Pantanal - südliches Amazonasgebiet
2017 Kanada BC
2016 Sambia & Malawi
2015 Süden Tansanias
Reisebericht: Mit der Cessna durch den wilden Süden Tansanias
2014 Kenia & Norden Tansanias
2013 Uganda/Ruanda
2012 Botswana
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03 Feb 2016 22:31 #417864
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  • maulöwe am 03 Feb 2016 22:31
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Hallo Burschi.

bin gespannt auf Deinen Bericht. Wir waren 2013 in Tansania mit einer größeren Gruppe unterwegs.
Nach mehreren Urlauben im südlichen Afrika wirklich eine ganz andere Welt.
Auch wenn wir im nächsten Jahr wieder für Namibia/ Botswana planen steht Ostafrika auch wieder auf unserem Reiseplan.
Aber das kann ich heute schon sagen, ganz bestimmt mit guide, selber fahren möchte ich da wirklich nicht!

Ich freue mich auf Deinen Bericht

Lala salama

Maulöwe
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04 Feb 2016 04:32 #417871
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@ Maulöwe:
Dann gönnt euch einen eigenen Guide, warum gleich im Anschluss:
Dienstag, 12.1.:
Heute war mal weniger Natur angesagt. Wir starteten mit unserem Führer am frühen Morgen und fuhren nun erstmals durch einige Dörfer und auch größere Orte in der Nähe von Arusha. Schon hier stellten wir fest, dass wir in einem ganz anderen Afrika als bisher gelandet waren. Das gesamte leben spielt sich entlang oder auf der Straße ab. Supermärkte wie im südlichen Afrika fanden wir nirgends, dafür aber „Geschäfte“, die ganz anders gestaltet waren. Oft reichte ein einfaches Holzgestell, um die Waren am Straßenrand anzubieten. Auch die Mobilität ist eine andere. Auffallend war eine ungeheure Zahl von Motorradfahrern: alles Motorrad-Taxis! Zu Hunderten warten sie am Straßenrand auf Kundschaft.






Modeshop und Obstgeschäft
Nach ca. 1 ½ Stunden Fahrt hatten wir dann unser heutiges Tagesziel erreicht. Das Massai-Dorf Olpopongi.


Begrüßung vor dem Dorf mit Tanz und gesang von Frauen und Kriegern
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04 Feb 2016 04:42 #417872
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Ich habe ja schon etliche „Historical Living Villages“ im südlichen Afrika besucht und fand es auch hier angenehm, nicht in einer größeren Gruppe diese zu besuchen. Auch hier hatten wir diesen Vorteil. Wir waren zum einem früher dran als andere Gruppen, bekamen mit „Fredy“ einen eigenen Führer und Dolmetscher, konnten im Löcher in den bauch fragen und hatten nicht ständig einen anderen Touri vor der Fotolinse. Am meisten aber freute mich der Besuch in der Hütte der ältesten Frau (97 Jahre), mit der wir in der Hütte eine Stunde lang zusammen saßen, Tee tranken und viele Fragen beantwortet bekamen. Auch so intime Fragen wie: Was macht ein Massai, wenn er sich in ein Mädchen verliebt, dem er nicht von den Eltern versprochen ist? Wie kann eine als Frau versprochene Massai Lehrerin in einer Schule werden? Sind uneheliche Kinder ein Problem?
Andererseits zeigte die Frau auch Interesse an unserem Leben. Es war eine tolle und schöne Erfahrung, mit ihr mittels unseres Dolmetschers zu plaudern.




Natürlich bekamen wir auch die traditionellen Springtänze vorgeführt.


Die Kinder müssen bereits das Jungvieh auf den Weiden hüten.


Nach einem ausführlichen Vortrag unseres Führers über die Massai-Kultur und einem Mittagessen, das wir dort in einer offenen Hütte einnahmen, war der Besuch aber noch nicht zu En-de. Unter Begleitung zweier junger Krieger unternahmen wir einen Bush-Walk. Hier wurden uns die Pflanzten der Massai-Savanne näher gebracht, das eine oder andere Zaubermittelchen erklärt, aber auch wieder Einblicke in das Leben der Massai geboten. Ich hatte z.B. nicht ge-wusst, dass es tatsächlich noch staatenloses Volk gibt. Die Massai haben keinen Pass, können von einem Land in das andere wandern, sind von der Schulpflicht befreit, dürfen aber an den verschiedensten Universitäten in Tansania oder auch Kenia studieren. Begleitet wurden wir auf diesem Walk von zwei Kriegern (Moran), von denen einer die traditionelle Haartracht der Jungkrieger trug, der andere ohne Haarschmuck war. Darauf angesprochen erklärte er, dass er als Student an der Uni in Nairobi diese Haartracht nicht tragen dürfe. In den Semesterferien arbeitet er in seinem Dorf als Guide.
Traditioneller Jung-Moran:


Natürlich könnte ich hier noch viele Portraits von interessanten Massai einfügen, das würde aber den bericht zu sehr in die Länge ziehen.
Erst am Nachmittag – erschöpft von den vielen neuen Informationen – kamen wir wieder in unserer Unterkunft in Arusha an. Normalerweise wird bei einer fest organisierten Gruppenreise der Besuch des Arusha Nationalparks und des Massaidorfes an einem Tag durchgeführt. Da bleibt dann natürlich viel Interessantes auf der Strecke. Eine solche Gruppe, bestehend aus ca. 20 Personen befand sich auch während unseres Dorfbesuches da, verließ das Dorf aber lange vor uns wieder.
Wieder ein Argument, keine fertige Gruppenreise zu buchen. Natürlioch kostet das ein paar Dollar mehr, aber dafür haben wir bei den Unterkünften etwas gespart. Man muss halt Prioritäten setzen.
Bis demnächst:
Burschi
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