Wie Kenia seinen Tourismus kaputt macht

50 Antworten · 10,3k Aufrufe · gestartet 01. Sept. 2023 von THBiker
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Themenstarter1'366 Beiträge · seit 201101. Sept. 2023 · #1
Mir wurde gerade ein Link zu einem Bericht zugeschickt:

Starke Preiserhöhungen bei Safaris, Visachaos und Co.Wie Kenia seinen Tourismus kaputt macht
Noch zeigt sich die Sonne nicht am Himmel, doch sie sorgt schon für die ersten rötlichen Töne am Horizont. Der Wind lässt die Haare im offenen Jeep flattern, als der Guide ein Signal gibt. Rechts bewegen sich die Grashalme, heraus stolpert ein Löwenjunges. Es schaut das Auto an, ehe das Geschwister aus dem Gras gesprungen kommt und eine Rauferei beginnt. Einige Dutzend Meter entfernt liegt der Vater auf dem Boden, ermüdet von der Nacht, in Vorbereitung auf den Tag, der von Schlaf geprägt ist.

Es sind Szenen wie diese, die Reisende nach Kenia ziehen. 1,5 Millionen Touristinnen und Touristen reisten im vergangenen Jahr in dem ostafrikanischen Land ein. Sie suchen wilde Tiere, majestätische Elefanten, feine, weiße Sandstrände und Einblicke in Kulturen, die der heimischen so fremd sind. Mehr als 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts macht Tourismus aus, knapp zwei Millionen Jobs hängen daran. Kein Wunder also, dass Kenia offiziell das Ziel ausgibt, bis 2026 2,5 Millionen Touristinnen und Touristen empfangen zu wollen.

Kenia: Der Tourismus fokussiert sich auf wenige Gebiete im Land

Die Ressourcen hat das Land. Es gibt mehr als 50 Nationalparks und Nationalreservate, dazu private Schutzbereiche für Wildtiere. Wer Elefanten sehen will, wird sie im Tsavo-East- oder Amboseli-Nationalpark nicht verpassen, wer Löwen und Leoparden sehen möchte, reist ins Masai Mara National Reserve. 400 Kilometer Küste am angenehm warmen Indischen Ozean hat Kenia, darunter traumhafte Strände wie Diani oder Galu Beach oder die kulturell reiche Insel Lamu.

Noch längst sind viele Gebiete touristisch wenig erschlossen, die Potenzial haben, wozu nahezu das gesamte Inland mit den privaten Schutzgebieten, den Tee- und Kaffeeplantagen gehört, auch das Unesco-Weltnaturerbe, das Seensystem im Großen Afrikanischen Grabenbruch, besuchen nur die wenigsten Reisenden.

Doch mit dem Potenzial, mit dem Geld, werden offenbar neue Begehrlichkeiten geweckt. Dazu kommen einige eher kontraproduktive Schritte der Regierung. Das bedeutet: Die Umsetzung des Plans, den Tourismus zu fördern, scheitert seit einiger Zeit an der Praxis.

Kenia will Eintritt für Nationalparks teilweise mehr als verdoppeln
Aktueller Fall: Die Preise für Safaris sollen drastisch steigen, die Eintrittspreise für die Nationalparks sollen nach Plan der Parkverwaltung Kenya Wildlife Service (KWS) teils mehr als verdoppelt werden. Die Tourismusbranche ist aufgeschreckt. Verliert das Land womöglich gegenüber seinen größten Wildlife-Konkurrenten Tansania, Südafrika, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe?

„Conservation ist nicht billig, es ist eine teure Angelegenheit und Eintrittsgebühren alleine werden nie genug sein. Andererseits können wir den Wettbewerb unter Safari-Destinationen nicht ignorieren“, schreibt der Hotellier und Tourismusexperte Mohammed Hersi auf seinem Blog.

Bisher profitierte Kenias Tourismus, weil das ostafrikanische Land eines der wenigen ist, in denen sich Badeurlaub und Safari verbinden lässt. Und weil der größte Konkurrent Tansania teurer war. Das könnte, sollten die neuen Preise tatsächlich kommen, vorbei sein. Einige Reisende könnten sich gar veräppelt vorkommen und wütend sein – viele planen Safaris mehr als vier Monate im Voraus, die Kosten für die Reise dürften signifikant steigen.

Tourismusexperte in Kenia warnt: „Das wird uns das Genick brechen“
Geht es nach KWS, soll es ab Januar 2024 in den Nationalparks und Nationalreservaten eine Hauptsaison und eine Nebensaison geben, was von vielen Tourismusanbietern unterstützt wird. Einigerorts sollen die Preise in der Nebensaison etwas sinken, in der Hauptsaison jedoch stark anziehen. Und genau hier sehen Experten ein Problem – denn der Preisanstieg wirkt überdimensioniert. „Ich bin nicht gegen die Erhöhung der Parkgebühren, aber die Verdopplung wird uns das Genick brechen“, schreibt Hersi.

Beispiele: Der aufgrund seiner Nähe zur Küste bei ausländischen Gästen beliebteste Nationalpark Tsavo East kostet bisher 52 US-Dollar pro 24 Stunden Eintritt. Der KWS-Plan sieht in der Nebensaison 35 US-Dollar vor, in der Hauptsaison jedoch 80 US-Dollar. Der Amboseli-Nationalpark am Fuße des höchsten Bergs Afrikas, dem Kilimandscharo in Tansania, soll statt derzeit 60 bald 80 US-Dollar in der Nebensaison und 100 in der Hauptsaison kosten. Am heftigsten wäre der Nairobi-Nationalpark betroffen.

Kenias Hauptstadt gilt als „Wildlife Capital“. Nirgendwo sonst findet sich ein Nationalpark auf dem Gebiet einer Hauptstadt. Löwen, Nashörner, Zebras leben im Süden der Hauptstadt und sind für Einheimische wie Reisende ein Highlight und oft auch ein Start in den Urlaub. Bisher ist das Erlebnis für 43 US-Dollar Eintritt zu haben, bald sollen unabhängig von der Reisezeit 100 US-Dollar anfallen.

200 statt 70 US-Dollar Eintritt: der Plan der Masai Mara gegen Overtourism
Es ist nicht die erste Aufregung in der Safariindustrie in diesen Wochen. Parallel zu den Erhöhungen in den Nationalparks und Nationalreservaten wird auch der Eintritt für die Masai Mara, die durch die regionale Regierung verwaltet wird, neu verhandelt. Eine erste Maßnahme ist bereits umgesetzt: Bisher galt der Parkeintritt, der je nach Lage der Unterkunft 70 bis 80 US-Dollar kostet, für 24 Stunden. Wer seit diesem Juli das Masai-Mara-Nationalreservat oder das privat verwaltete Mara Triangle besucht, zahlt nun pro Kalendertag Eintritt.

Das berühmteste Schutzgebiet Kenias, die Masai Mara, grenzt an die weltberühmte Serengeti in Tansania, gehört dem gleichen Ökosystem an. Vor allem zwischen Juni und Oktober tummeln sich Massen an Touristinnen und Touristen dort, wenn Millionen Gnus und Zebras auf ihrer Wanderung zwischen Ngorongorokrater, Serengeti und Masai Mara in Kenia haltmachen.

Gerade zu dieser Zeit ächzt die Parkverwaltung unter dem Overtourism, Regeln, etwa nicht offroad zu Tieren zu fahren, werden missachtet. Als Bilder davon nach außen dringen und sogar die „New York Times“ das Thema aufgriff, machten sich viele Sorgen, wie das bei der größten touristischen Gruppe, den US-Amerikanerinnen und US-Amerikanern, ankommen würde.

Statt gegen illegale Camps vorzugehen, soll es der Preis regeln
So musste Kenia reagieren – zum einen aus Angst vor sinkenden Gästezahlen, zum anderen, weil die ersten Tiere begannen, die Masai Mara zu verlassen. Eine interne Untersuchung zeigte jüngst, dass es 49 Camps und Lodges in der Masai Mara gibt, dazu 153 außerhalb des Schutzgebiets. 5800 Betten wurden gezählt – für ein Schutzgebiet, das gerade einmal 1555 Quadratkilometer groß ist.

Brian Heath, CEO des Mara Conservancy, sagte laut „Travel Weekly“, dass es vielen neu errichteten Camps an den entsprechenden Lizenzen der Regierung fehle. Zudem seien zahlreiche Menschen, die sich als Guide ausgeben würden, nicht akkreditiert.

Es gab einige Ideen, etwa, dass Reisende künftig nur noch vier bis fünf Stunden auf Safari sein dürfen, wie Susan Ongalo, Geschäftsführerin des kenianischen Fremdenverkehrsverbands, sagte, doch man scheint sich vorerst darauf geeinigt zu haben, es über den Preis zu regeln und nicht etwa ungenehmigte Lodges und Camps wieder zu schließen.

Experte warnt: Kenias Tourismus kann nicht von Luxusreisenden allein überleben
In der Nebensaison soll der Eintritt in die Masai Mara auf 100 US-Dollar steigen – ein Betrag, den viele Kenner bereits länger erwartet haben. Aufreger ist aber der Preis in der Hochsaison: 200 US-Dollar. Damit würde die Masai Mara mit Abstand zum teuersten Schutzgebiet der Welt. „Kenia ist ein Reiseziel der Mittelklasse“, warnt Hersi. „Wir sind kein Massenmarkt-Reiseziel und auch kein Nischenreiseziel. Wir ziehen zwar eine kleine Gruppe von High-End-Besuchern an, aber glauben Sie mir, diese Zahlen reichen nicht aus, um unsere Tourismusindustrie zu erhalten.“

Ähnlich wie Hersi sehen es andere Vertreter der Tourismusbranche. Die Kenya Association of Hotel Keepers and Caterers sagte, es sei ein „falscher Schritt zur falschen Zeit“. „Dieser Schritt wird die Einnahmen aus dem Tourismus auf lange Sicht schmälern. Nach Covid hätte die Regierung mehr Geld für den Erhalt des Tourismus bereitstellen sollen und erst dann eine Aktualisierung der Tarife in Betracht ziehen sollen, wenn sich der Tourismus erholt hat“, so KAHC gegenüber der kenianischen Zeitung „The Star“.

Von heute auf morgen wurden die Kassen an den Nationalparks geschlossen
Auch wenn sich die aktuelle Debatte in Kenia vor allem um die Safaripreise dreht, zeigen sich auch an anderen Stellen markante Probleme mit der touristischen Infrastruktur. Am 21. August verkündete der KWS etwa, dass ein Onlinebezahlverfahren eingeführt werde – und zwar am Tag darauf. Viele Reisende lasen es als zusätzliches Angebot, den Eintrittspreis künftig auch vorab digital bezahlen zu können, und standen dann vor geschlossenen Kassen. Über Nacht hatte KWS das Eintrittsprozedere verändert, ohne Übergangszeit. Die Folge: Chaos und Wut an den Gates, Überforderung des Personals.

Wer künftig eine Safari macht, muss also den Eintrittspreis vorher via der Plattform Ecitizen zahlen. Kenia-Reisende kennen diese bereits, es ist auch die, über die das Visum beantragt werden muss. Viele Urlauberinnen und Urlauber klagen in Onlineforen über das oft stümperhaft anmutende System, bei dem Zahlvorgänge oft nicht funktionieren. Kürzlich gab es gar einen Hackerangriff.

Das Visum on arrival wurde kurzzeitig wieder eingeführt und kurz später spontan über Nacht und ohne Ankündigung wieder abgeschafft. Reisende, die sich am nächsten Morgen oder die Tage danach auf den Weg machen wollten, wurden kalt erwischt, hatten teilweise keine Chance mehr, noch an ein Visum zu kommen.

Immer wieder Probleme mit dem E-Visum
Mit dem E-Visum-System sollten, wie nun auch bei den Parkeintritten, die langen Schlangen, die sich an den Einreiseschaltern an den Flughäfen in Mombasa und Nairobi bildeten, verkürzt und Korruption effektiver bekämpft werden. Nach sechs Jahren im Testbetrieb stellte Kenia 2021 komplett um, das Visa on arrival wurde abgeschafft.

Doch Einwanderungsbehörde und System machen es unnötig kompliziert. Für das Visum müssen zahlreiche Daten angegeben werden, etwa Name und Beruf von Mutter und Vater. Foto und Buchungsbestätigungen müssen bestimmte Größen haben. Für die Bezahlung werden nicht alle Browser akzeptiert, mit Mozilla Firefox etwa ist das Bezahlen häufig gar nicht möglich. Das Eintragen des Bundeslandes ist seit Beginn unmöglich, wer nicht in Onlineforen gelesen hat, dass dort das Land vermerkt werden muss, kann den Antrag schlicht nicht stellen. Und seit Kurzem ist das Einloggen nur über einen Code möglich, der per Mail gesendet wird. Zahlreiche Menschen meldeten, aber nie eine solche Mail erhalten zu haben.

Kenianische Regierung plädiert für Kompromiss in Sachen Eintrittsgelder
Ist das Visum erst einmal erteilt, erhalten die Antragstellenden nicht wie in den meisten Ländern eine Mail mit Visum. Manchmal gibt es eine Mail, selten eine mit Visum im Anhang, in den meisten Fällen allerdings gar keine. Reisende müssen sich aktiv noch einmal in ihrem E-Visa-Account einloggen und nachsehen, ob das Visum genehmigt wurde. Dies muss dann in Farbe ausgedruckt werden, mit einem Schwarz-Weiß-Ausdruck kann die Einreise untersagt werden.

Viele klassische Pauschalreisende sind mit diesem Prozedere überfordert. Einige Reisende gaben in Onlineforen an, aus diesem Grund nicht mehr nach Kenia zu reisen – um nicht Gefahr zu laufen, einen bezahlten Urlaub wegen eines schlechten Systems nicht antreten zu können.

Start- und Landeverbot für ausländische Airlines am Flughafen Mombasa
Spontaneität und Flexibilität wird nicht nur von Reisenden erwartet. 2020, als nach Beginn der Corona-Pandemie die Flughäfen wieder geöffnet wurden, überlegte sich die Regierung, die eigene Fluglinie Kenya Airways zu unterstützen, da diese in finanziellen Schwierigkeiten war. So beschloss man, vielen ausländischen Airlines in Mombasa die Start- und Landegenehmigung nicht mehr zu gewähren. Betroffen davon sind und waren etwa Turkish Airlines, KLM und Condor und damit Hauptverbindungen von Europa nach Ostafrika.

Immerhin: Condor darf inzwischen wieder fliegen, Ethiopian Airlines und Fly Dubai erhielten jüngst mehr Slots, was auch für die verbliebenen geblockten Airlines ein Zeichen der Hoffnung ist.

Immerhin in Sachen Preisen gibt es nun einen Lichtblick. Der Protest, den die Tourismusbranche auch in die Öffentlichkeit trug, scheint etwas Wirkung zu zeigen. Bei Diskussionsrunden vernahmen Kenya Wildlife Service und die kenianische Regierung die starke Kritik. Nun dringt die Regierung darauf, die Preise doch etwas weniger stark zu erhöhen, berichtet die Zeitung „Standard Media“.

KWS-Generaldirektor Erastus Kanga ist noch weniger einsichtig. „Unsere Überlegungen konzentrieren sich auf die Nachhaltigkeit unserer wertvollen Wildtierressourcen und unser nationales Erbe“, sagte er. „Die zusätzlichen Einnahmen sind unverzichtbar, um die ökologische Integrität zu gewährleisten, finanzielle Stabilität zu erreichen und solide kommunale Partnerschaften zu schmieden, die uns auch international ein Standing geben.“
Ich bin gespannt, wie ihr die ganze Situation einschätzt. Vor allem interessiert mich, was ihr, die ihr in Kenia vom Tourismus lebt, von diesen Plänen haltet.

Ich bin der Meinung, dass in Kenia etwas passieren muss, besonders in den HotSpots wie der Masai Mara. Jedoch denke ich, dass dies der falsche Weg ist. Ich für meinen Teil würde, so sehr es mir auch das Herz brechen würde, wohl nicht mehr nach Kenia reisen, zumindest nicht in die teuren Parks.
Vielmehr würde ich mir wünschen, dass Parkregeln auch überwacht werden und ein Fehlverhalten auch geahndet wird. Aber man erlebt ja immer wieder, dass die Korruption immer noch an der Tagesordnung steht.
Ich frage mich, warum funktioniert es in den Conservacnies?

Ich bi n auf eure Meinung gespannt und freue mich über eine angeregte Diskussion.
Gruß Thorsten :) Thorsten Hanewald Photography Auf den Spuren der Gnus - Tansanias Norden Zu Besuch im Angama Mara Camp (Mara Triangle) Masai Mara intensiv " Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
zuletzt bearbeitet 14. Sept. 2023
1'523 Beiträge · seit 201101. Sept. 2023 · #2
Guten Tag Thorsten,

wir beobachten die Entwicklung seit den 80igern. Wer neu nach Kenya kommt...wird den Status Quo

als gegeben akzeptieren und wohl auch begeistert sein.....klar.......weil er nicht weiss wie unberührter es

einmal war........

Wer es weiss....wird IMMER vergleichen und dann überlegen, ob er sich das noch antun will.....

LG............................BMW
Themenstarter1'366 Beiträge · seit 201101. Sept. 2023 · #3
Aber wer wird sich dies noch leisten können/ wollen? Nur noch die oberen 10000?
Gruß Thorsten :) Thorsten Hanewald Photography Auf den Spuren der Gnus - Tansanias Norden Zu Besuch im Angama Mara Camp (Mara Triangle) Masai Mara intensiv " Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
6'369 Beiträge · seit 201101. Sept. 2023 · #4
Hoi zämä

Viele Einheimische denken dass Europäer und Amis einfach so viel Geld haben, ohne viel dafür tun zu müssen.
So offenbar auch die 'Schlaumeier', die sich das alles ausgedacht haben!
'Wir haben nicht genug Geld, also verlangen wir einfach mehr' wird aber dazu führen dass nur noch wenige Parks besucht werden und die, welche bereit sind das zu bezahlen, werden sich nicht wirklich um Dinge wie Umweltschutz oder Tierwohl kümmern, denn man hat ja viel Geld bezahlt und erwartet dann auch die entsprechende Vorzugsbehandlung inklusive Offroad zum Löwenbaby fahren usw.
Sorry, liebe Kenyaner, so wirds nur kurzfristig funktionieren.
Wenn dann aber solche Kurzschlüsse, wie von einem Tag auf den Anderen die Visabedingungen oder die Bezahlung der Parks zu ändern, weiterhin vorkommen wirds nicht mehr lange funktionieren mit dem Tourismus.
Da sind offenbar einige recht unfähige Leute an den Hebeln der Macht...
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
925 Beiträge · seit 201601. Sept. 2023 · #5
Wenn man ein Problem mit Overtourism hat (und das hat wohl zumindest die Masai Mara je nach Jahreszeit), muss man entweder an der Preisschraube drehen oder anderweitige Kontigentierungen bei Eintritten u. Unterkünften einführen und auch kontrollieren. Den Ansatz, die Besucher übers Jahr besser zu verteilen, indem man je nach Saison Preise differenziert, ist sicher zu begrüßen. Ob ansonsten allein Preissteigerungen zum gewünschten Effekt führen, wage ich zu bezweifeln. So wie die kenianische Tourismus-Industrie bisher aufgebaut ist, wird es sicher nicht einfach, nur noch zahlungskräftiges Klientel anzuziehen und gleichzeitig diesselben Einnahmen zu erzielen. Kenia lebt (gefühlt) schon sehr vom Badetourismus (als Massentourismus), wo dann eben ein paar Tage Safari drangehängt werden. Man darf auch nicht vergesssen, dass Kenia in den letzten Jahrzenten schon mehrfach große Probleme bzw. Auf-und-Abs im Tourismus hatte. Etwas mehr nachhaltige Entwicklung wäre hier wünschenswert. Dass sich Kenia zu einem Ort von fast ausschließlich Luxus-Tourismus wie Botswana o. Sambia entwickeln kann, wage ich zu bezweifeln.

Das zahlungskräftige Klientel wird verstärkt aus dem fernen und nahen Osten kommen und zeigt, zumindest bisher, in der Mehrheit ein oftmals anderes Verständnis von Erwartungen an Naturerlebnis, Naturschutz etc. als die westliche Mittelschicht (ich weiß, ich pauschaliere hier sehr stark). Picco hat schon recht: wenn ich extra viel zahle, erwarte ich auch extra viel. Zudem geht viel Geld ausgeben oftmals auch mit viel Mehrverbrauch von Ressourcen einher.

Vielleicht würde eine stärkere Bewerbung anderer Safari-Ziele im Land bzw. deren Aufwertung, ggf. mit einer deutlichen Preisdifferenzierung zwischen Mara und dem Rest des Landes, einen gewünschten Steuerungseffekt haben. Außerhalb der erfahrenen Afrikareisenden wird Kenia heutzutage eben rein auf Masai Mara (+ ggf. Strand + Tsavo) reduziert.

Wenn ich entscheiden dürfte: Starke Differenzierung zwischen den Jahreszeiten, starke Differenzierungen zwischen den Parks, Aufwertung der anderen Parks (auch in der Werbung) und Kontigentierung in der Mara + klare Regeln, die auch durchgesetzt werden.
Reiseberichte: SA-KTP-NAM 2017 - Uganda 2018 - Elternzeit 2 M. Südafrika 2022 - Elternzeit 3 M. SA/NAM 2024 Teil I, Teil II, Teil III - SA KNP + KZN 2025
1'712 Beiträge · seit 201601. Sept. 2023 · #6
Hallo zusammen,

die Probleme vor allem in der Mara sind ja nicht neu. Nun wird möglicherweise der Preis so massiv angezogen, dass unsere Buchung für nächstes Jahr September dann mutmaßlich die letzte sein dürfte. Weil wir uns das dann nicht mehr leisten wollen. Und weil es an dem eigentlichen Problem nichts ändern wird. Solange es illegale Camps gibt und nicht ausgebildete Guides, die sich Auto oder Minibus besorgen, einfach drauflosfahren und jede Regel in den Wind schlagen, ist und bleibt es beim Overtourism.

Ich sehe das auch so: Höhere Preise wecken (noch) höhere Erwartungen, der Druck steigt weiter, die Regeln werden weiter verletzt und die Kombi ist hochexplosiv. Es bleibt mir ein Rätsel, wie die Verantwortlichen das Offensichtliche weiterhin so ignorieren können. So wird das nichts, und leider leider sind wir dann ggf. nach einer letzten fetten Zahlung nächstes Jahr wohl raus. Vielleicht geht dann noch was in der Nebensaison, aber ich hatte auch weniger an uns gedacht als vielmehr darauf gehofft, dass jetzt mal aufgeräumt wird. Falsch gedacht - sollte es wirklich so kommen.

Liebe Grüße,
Betti
Alle Reiseberichte von Betti und Thomas im Überblick
zuletzt bearbeitet 01. Sept. 2023
1'580 Beiträge · seit 201401. Sept. 2023 · #7
Hallo Foris

gute Punkte.

KWS ist nicht schuld, dass die Parkgebuehren ueber E-Citizen laufen werden. Das kam vom obersten, dem Praesidenten. Alles Geld soll damit transparent werden, Korruption bekaempft und in die gleiche Kasse bei der Zentralbank fliessen. Fuer Privatpersonen ist es kein grosses Problem, doch sie vergassen, dass es Veranstalter gibt, die nun fuer jeden Park fuer jede Gruppe beantragen muessen. Wohlbehalten je in KSH und US$. Dann via Bank jede Rechnung bearbeiten. Zum Glueck gibt es hier schon sehr laute Stimmen, denn diese Verarbeitungsmethode kostet enorm viel. Das Meeting wurde recht hitzig, mit Recht und diejenigen die Praesentierten, merkten, dass sie sehr grobe Fehler machten. Ein Kommittee kuemmert sich nun drum, wir konnten unsere Meinungen senden.

Ich hatte im Meeting auch eingebracht, dass Stimmen im Ausland laut werden, Kenia nicht mehr zu besuchen. Es gab etwas grosse Augen!

Zur Masai Mara - das leidige Thema und leider steckt sehr viel Korruption dahinter. Komischerweise seht Ihr neue Camps nur in der Greater Mara, aber keine innerhalb des Triangle. Maasai verpachten das Land, bekommen Geld, kaufen einen Landcruiser und sind nun "Guides". Einige wollen aber Maasai als Guide - sieht es gut aus mit der roten Decke oder ist es der Name des beruehmtesten Stammes? Versteht mich nicht falsch, es gibt ein paar gute Maasai Guides und es gibt von anderen Staemmen auch schwarze Schafe. Schlimm ist halt der Tourismus, die durch Parks rasen und in 5 Minuten alles gesehen haben wollen. Trinkgeld ist dann der Anreiz, der Funk das Mittel.

Wenn Lodgen auf Maasai Land stehen, muessen sie auch Maasai zu 70% des Personalbestandes anstellen.....

Dass nur lizenzierte, qualifizierte Guides Besucher fahren duerfen, ist im Keim erstickt worden. Es wird nicht ueberprueft, angeblich aus Mangel an Personal oder weil man einigen nicht auf die Huehneraugen treten will. Es gibt ja schliesslich eine Politik 😐 und vieles hat mit Einfluss und Stimmen zur Wiederwahl zu tun.

Ich bin auch gespannt, wie sich das ganze entwickeln wird...... zumal es mich auch sehr direkt betrifft.

Viele Gruesse
Elvira
Safaris in Ostafrika Bush Trucker Tours www.bushtrucker.ch Elvira Wolfer Zubucher- und individuelle Safaris
6'369 Beiträge · seit 201102. Sept. 2023 · #8
Hoi Elvira und danke für die Infos!
Bushtruckers schrieb:Ich hatte im Meeting auch eingebracht, dass Stimmen im Ausland laut werden, Kenia nicht mehr zu besuchen. Es gab etwas grosse Augen!
Das waren wohl genau die welche so denken:
picco schrieb:Viele Einheimische denken dass Europäer und Amis einfach so viel Geld haben, ohne viel dafür tun zu müssen.
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
1'580 Beiträge · seit 201402. Sept. 2023 · #9
Das grosse Problem ist, dass sie die Ablaeufe der Safariveranstalter nicht verstehen. Z.B. wir konnten keine US$ durch die Bank ueberweisen und deren Umrechnungskurs in KSH ist im Himmel oben. Als jemand das sagte, hiess es ohhhh - ihr moechtet in US$ bezahlen? wir werden das ermoeglichen.....

Wir hoffen, dass diejenigen im Team etwas erreichen werden.

Da alle Dienstleistungen auf E-Citizen konzentriert werden, koennen wir ploetzlich nicht mehr wie gewohnt bezahlen. Es kommt dann nur die Nachricht "account frozen". Anrufen - ach wie zur Steinzeit Bargeld zur Bank bringen....

Und so laeuft es im Moment mit vielen Dingen. Ist ja ok, dass die Ablaeufe konzentriert werden, aber das wie spielt halt eine grosse Rolle.

Mit online wird schon etwas an Geld, das sonst private Wege gehen wuerde, da landet wo es soll. Kenia hat einen riesigen Druck Zinsen zu begleichen und Kredite zurueckzubezahlen. Die Konsequenzen, wenn sie scheitern, sind nicht lustig. Sie rollen nun auch immer mehr Faelle auf, wo Geld einfach verschwand. Mit wieviel Erfolg wird sich zeigen.

Viele jammern ueber E-Citizen. Doch es hat auch Vorteile. Bequem im Buero sitzend, habe ich neue Nummernschilder fuer die Autos bestellt und dann konnte sie Joseph nur noch abholen und anschrauben. Fast alle Lizenzen bekommen wir online. Daten eingeben, MPESA und ausdrucken. Toll oder?

Aber genau das gleiche System passt nicht fuer Parkeintritte, so wie sie es unwissenderweise (oder zu stolz uns zu fragen) aufgegleist haben. Lizenzen sind 1x pro Jahr, Parkeintritte fuer grosse Firmen eine riesige Anzahl pro Tag - Arbeitsaufwand ist enorm! Zahlungskosten summieren sich.

Abwarten....

Viele Gruesse
Elvira
Safaris in Ostafrika Bush Trucker Tours www.bushtrucker.ch Elvira Wolfer Zubucher- und individuelle Safaris
Themenstarter1'366 Beiträge · seit 201114. Sept. 2023 · #10
Im aktuellen "Travel Africa Magazin" ist ein Bericht zum Thema "Conserving the Mara" drin. Mehr dazu findet ihr auf meiner Homepage. Leider darf ich hier nicht den ganzen Artikel veröffentlichen.

Zu dem Artikel durfte ich aber das nachfolgende Foto beitragen, das ihr aus meinem Reisebericht "Masai Mara intensiv" kennt
Gruß Thorsten :) Thorsten Hanewald Photography Auf den Spuren der Gnus - Tansanias Norden Zu Besuch im Angama Mara Camp (Mara Triangle) Masai Mara intensiv " Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
zuletzt bearbeitet 14. Sept. 2023
Gast15. Sept. 2023 · #11
Natürlich finde ich das auch schlecht und es ist hierzulande nicht jeder kinderlos und/oder reich und kann das alles bezahlen.

Die andere Seite der Medaille ist: Die NationalPark-Campsites in Botswana stiegen von umgerechnet ca. 4 USD/Nacht/Person sprunghaft auf 30-50 USD/Nacht/Person. Große Empörung. Linyanti, Savuti, Third Bridge sind trotzdem immer ausgebucht. In Zimbabwe kosten private Campsites ohne Klo, ohne Dusche, ohne alles gern 180-200 USD/Nacht und sind trotzdem häufig ausgebucht. Gorilla-Permits kosten 700 USD/Person. Kein Mangel an Nachfrage. Mit 3 Personen in den Ngorongoro Crater kostet gut 500 USD. Krater voll mit Touris.

So überteuert und ärgerlich ich das aus subjektiver Sicht alles finde, muss man objektiv konstatieren, dass die afrikanischen Länder da alles richtig machen. Den Punkt, an dem es "too much" ist, haben sie anscheinend noch nicht erreicht. Es gibt (leider) immer noch genug, die das zahlen. Viele juckt das nicht - warum auch immer. Also wird die Preisspirale immer weiter gedreht. Das wird jetzt nicht die letzte Erhöhung sein, die deutlich über Inflationsniveau liegt.

Noch gibt es in den meisten Ländern ein paar Nischen, mit denen man sich eine hübsche Reise zusammen bauen kann, ohne das halbe Jahresgehalt eines Durchschnittsverdieners zu investieren. Aber es wird von Jahr zu Jahr schwieriger und bald wird es wohl gar nicht mehr gehen.

Ein anderer Punkt sind dann Bürokratie und Zahlungssysteme für Nationalparkeintritte, die insbesondere für Selbstfahrer, die flexibel reisen wollen, kaum überwindbare Hürden darstellen können. Ich möchte schon gern spontan entscheiden können, wie lange ich in einem Nationalpark bleibe und nicht durch nötige Vorabbuchungen der Nationalparkeintritte in ein starres Reisekorsett gezwängt werden.

Höhere Preise wie auch erzwungene Unflexibilität verschlechtern für mich das Preis-/Leistungsverhältnis. Afrika ist immer wieder fantastisch, aber ich bin kein Junkie, der nun um jeden Preis immer wieder den nächsten Schuss Afrika braucht. Vieles ist mir den aufgerufenen Preis einfach nicht mehr wert. Vorder- und Zentralasien sind ganz anders, aber auch sehr spannend. Was das touristische Entwicklungslevel anbetrifft, ist man da heute vielerorts wie in Afrika vor 20-30 Jahren unterwegs: Noch vor der großen Tourismuswelle.

Grüße, Thorsten
zuletzt bearbeitet 15. Sept. 2023
607 Beiträge · seit 201016. Sept. 2023 · #12
Hallo in die Runde,
ob es der erfolgreiche Weg ist, kann ich nicht beurteilen. Aber es war schon immer teuer, und ich bin der Meinung es sollte auch so sein. Wir waren 1994 das 1. Mal in der Massai Mara, und wir waren für 2 Wochen in Kenia dabei 5 Tage in der Mara. Wir hatten uns damals einen 2. Urlaub im Jahr verkneifen müssen. (die Flugpreise waren da gefühlt doppelt so teuer wie heute, gemessen an der Kaufkraft).
Ich denke man sollte demütiger sein und akzeptieren, was für ein großes Privileg es ist, dass wir nach Afrika reisen können und dass es dort noch Natur und Nationalparks gibt. Noch kann man ausweichen und die Tiere die in der Mara zu beobachten sind, sieht man wo anders auch. Muss es die unbedingt die Migration sein?
Aus meiner Sicht sollte die Natur geschützt werden, das wird erreicht wenn weniger Touristen kommen. Wir reisen jedes Jahr ins südl. Afrika und wir sind uns des Privilegs sehr bewusst.
Im südl. Afrika fällt uns seit 2018 auf, dass immer mehr Inder dorthin kommen, und da ist enorm viel Kaufkraft von einigen Millionen Menschen vorhanden. Wenn da von Europa welche fehlen, wird das für Kenia keine Rolle spielen.
Für den Normalverdiener bleibt ev. nur einmal im Leben nach Kenia zu reisen. Aber er wird sich dann auch ein Leben lang daran erinnern. Vielleicht tun es manche nicht, wenn sie jedes Jahr dort sind.
Wünsche ein schönes Wochenende
ein privilegierter Wolfgang 😉
4'984 Beiträge · seit 201610. Dez. 2023 · #13
der ORF dazu...

GNUS AUF DER FLUCHT
Kenia bremst Safaritourismus aus

https://orf.at/stories/3341544/

Gruß Gina
1'674 Beiträge · seit 200710. Dez. 2023 · #14
Wenn in dem ORF-Artikel die Zahl von 1,5 Mio Touristen (bei 48 Mio Einwohnern) pro Jahr stimmt, ist das praktisch nichts. Costa Rica mit der Größe von Niedersachsen hat 3 Mio pro Jahr bei 5 Mio Einwohnern (und ist auch ziemlich teuer).
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
1'094 Beiträge · seit 200910. Dez. 2023 · #15
Zurücklehnen, ein Bier trinken, Popcorn essen und beobachten. Das wird spannend...
1'125 Beiträge · seit 202210. Dez. 2023 · #16
Ich konsumiere Kenia nur „medial“, weil an „Afrika“ i. A. interessiert und hätte auch schon früher nie derart viel Geld dafür ausgegeben, auch wenn ich es gehabt hätte.

Nachdem was Bushtruckers weiter oben geschrieben hat und in Medien berichtet wird, schaut das alles schon eher nach einer Verzweiflungsaktion zur Dollarbeschaffung aus. Aber mit dem Risiko von “pricing yourself out the market”.

In den Medien liest man, dass Kenya sich nicht unbedingt über- aber volkswirtschaftlich schlecht verschuldet hat (weil kein adäquater Nutzen anfällt) und dass dem Staat beim Schuldendienst das Wasser bis zu den Nasenlöchern steht; daher auch diverse Einsparungen mit großem Unruhepotenzial.

Im letzten Jahr betrug der Auslandsschuldendienst 2,7 Milliarden $, und das bei verfallender Währung. Im Juni 2024 werden 2 Milliarden an Anleihen fällig, die (zu gestiegenen Zinsen) refinanziert werden müssen. Heuer werden für den Schuldendienst an China für die SGR 800 Millionen $ Schuldendienst kolportiert, wofür bei Ausfall, der Hafen von Mombasa als Sicherheit verpfändet worden sein soll… und das für ein Investment, das nicht ein Mal die Betriebskosten verdient…. Finanzprobleme ohne Ende……, wenn’s so ist, wie berichtet.
Grüße
I. A. manifestiert sich hier und in unzähligen anderen Threads das ewige Dilemma und Paradoxon der "Abenteuer und Einsamkeit" suchenden Touristen:
Alle wollen sie HIN aber DORT wollen sie allein sein 😎 .
zuletzt bearbeitet 10. Dez. 2023
Gast18. Dez. 2023 · #17
tacitus schrieb:In den Medien liest man, dass Kenya sich nicht unbedingt über- aber volkswirtschaftlich schlecht verschuldet hat
Kenia hat eine Verschuldung von 68-69% zum BIP. Das erscheint für europäische Verhältnisse moderat, aber für ein Entwicklungsland ist das sehr viel. Es ist exakt dasselbe Level wie in Südafrika, aber Südafrika hat eine deutlich diversifiziertere Wirtschaft, hat eine breite industrielle Basis. Deshalb wiegen die 68-69% Schulden Kenias schwerer. Beide Länder haben bei den 3 großen Ratingagenturen ein Junkrating, aber das von Kenia ist noch mal schlechter. Zurecht.

Wenn Straßen, Schienen oder größere Gebäude in Kenia zu bauen sind, dann könnte vieles davon von Baufirmen aus Kenia gebaut werden. Straßen- oder Schienenbau ist keine Raketenwissenschaft. Aber Kenia hat kein Geld und kommt wegen des schlechten Ratings nicht mehr an günstige Kredite. Kenia kann diese Projekte also nicht finanzieren. Unternehmen aus Kenia bekommen auch keine großen Kredite. Und dann gehen die Aufträge immer an die Chinesen, denn die bieten mit einer chinesischen Staatsbank im Rücken Bau und Finanzierung aus einer Hand. Und damit haben sie dann so ziemlich alle Aufträge. Gleiches gilt für Uganda und andere Länder.

China hat die Stärke, den Willen und die Skrupellosigkeit seine Ansprüche später durchzusetzen. Kreditaufschub u.a. gibt es für politische Gefälligkeiten, z.B. dass die gegenüber China verschuldeten Staaten in internationalen Gremien und Organisationen so abstimmen, wie es China will. Der Westen hat darauf keine Antwort, kein Gegenmodell.

Neben den offensichtlichen Effekten gibt es weitere Auswirkungen. Wenn China etwas baut, dann sind alle höheren Aufgaben bei dem Projekt von Chinesen besetzt und für Locals bleiben nur Hilfsjobs. Das behindert dann die Entstehung einer Mittelschicht in afrikanischen Ländern.

Es ist aber auch nicht zwingend immer alles schlecht an China in Afrika. Die afrikanischen Länder brauchen eine bessere Infrastruktur, um sich entwickeln zu können. Manchmal kann es besser sein, eine neue Straße oder Schiene mit dem problematischen Partner China zu errichten, als sie sonst eben gar nicht errichten zu können. Auf der anderen Seite stehen zum Teil Schulden und Abhängigkeiten für sinnlose Dinge. Man muss sich z.B. nur mal die überdimensionierten und überkandidelten Bahnhöfe in Mtito Andei oder Voi angucken - effektiv an einer eingleisigen Bahnstrecke für 4 Züge am Tag.

Grüße

Noch als Nachtrag: Das ist der Bahnhof von Mtito Andei - ein Ort mit ca. 5.000 Einwohnern.
SGR-Inter-County-Train-Mtito-Andei.jpg


Andere Bahnhöfe sehen so aus. Nichts davon passt architektonisch ins Land. Nichts ist passend dimensioniert. Das sind einfach nur teure Bauweisen für Missverständnisse moderne Architektur.

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zuletzt bearbeitet 18. Dez. 2023
1'125 Beiträge · seit 202218. Dez. 2023 · #18
Danke für Informationen und Bilder von den Bahnhöfen
@China
Das Buch von French: China’s Second Continent, ist nun 10 Jahre alt und beschreibt die Jahrzehnte davor. Das alles scheint wenig ins Bewusstsein unserer politischen Entscheidungsträger eingesickert zu sein. Wenn man sich nämlich aktuell deren verdutzte Verblüffung und beleidigte Wehleidigkeit über afrikanische Standpunkte anlässlich Ukraine, Gaza, Israel, BRICS udgl. anschaut, fühlt man sich in eine Zeitreise versetzt. Sie tun immer noch so, als hätten sie noch politisches Gewicht. Sollten die Veränderungen wahrgenommen worden sein, wurden sie jedenfalls nicht in gelebte Außenpolitik umgesetzt. Äußerten manche afrikanische Staaten früher diplomatische Distanzierung bei Reizthemen, ist es heute offene Aversion bis verbale Aggression.

Es ist auch nicht hilfreich, weder zum Verständnis noch strategisch, Chinas Erfolge in Afrika nur günstigem Geld, Geschenken, politischer und wirtschaftlicher Korruption usw. zuzuschreiben. Es ist bei uns zwar beliebt aber tw. auch Selbstbetrug. Geld ist nur eine Sache, denn ohne chinesische(s) Arbeitsethos und Leistungsbereitschaft (und damit verbundenen niedrigeren Kosten) hätten Chinas Staat und Unternehmen nicht diese Erfolge eingefahren. In Afrika und anderswo.

Eigentlich ist das alles schon gelaufen. Und was noch nicht, wird das Lieferkettengesetzt erledigen………
zuletzt bearbeitet 18. Dez. 2023
373 Beiträge · seit 201223. Dez. 2023 · #19
Guten Morgen,

nun sind auch die neuen Park Fees der KWS-Parks veröffentlicht. Hight Season jetzt von Juli bis März, Low Season nur noch 3 Monate während der "Regenzeit".

Viele Grüße und schöne Weihnachten
Klaudi
KENYAWILDLIFESERVICECONSERVATIONFEES2024_231223_074253.jpg
1'580 Beiträge · seit 201423. Dez. 2023 · #20
Hallos

es kann sein, dass dies nochmals aendert...

Nicht grade toll, wenn man nie weiss, was die Kosten sein werden.

Viele Gruesse
Elvira
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