THEMA: Achterbahn der Gefühle in der Masai Mara
12 Sep 2018 18:23 #532480
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Geduldspiel am Mara-River

Unser dritter voller Safari-Tag in der Masai Mara beginnt mit schönem Licht. Leider ein kurzes Vergnügen. Schon bald zieht es wieder zu, die Sonne setzt sich wie schon am Vortag erst mittags für ein paar Stunden durch. Ich bekenne, ein wenig hadere ich schon mit dem Wetter, kann es aber natürlich nicht ändern. Willkommen im kenianischen Winter.



An einem Hyänenbau herrscht frühmorgendlicher Hochbetrieb. Beste Unterhaltung ist uns damit sicher, das Frühstück entspricht allerdings nicht gerade meiner Idealvorstellung von einer gesunden Grundlage für den Tag.





Schon im vergangenen Jahr haben wir im Krüger-Nationalpark viel Zeit bei Hyänen verbracht. Wir mögen diese Tiere und ihr ausgeprägtes Sozialverhalten. Die Frauen sind den Männern nicht nur körperlich überlegen, sondern haben auch die Hosen an. Von der Natur lässt sich so viel lernen...









Trotz der durchwachsenen Wetterlage wollen wir unser Glück bei den Crossings versuchen. Wir fahren ziemlich weit. Immer gen Süden, in eine vom Mara-Fluss geprägte Landschaft, und bleiben dabei auf der Seite des Nationalparks. Noch immer ist uns nicht klar, dass wir auch hinüberkönnten.



Allein sind wir auch hier nicht. Aber wenigstens schaffen es die uns verhassten Minibusse samt Selfie-versessenem Partyvolk laut Ones nicht hierher. Warum, habe ich nicht gefragt, die Tatsache an sich hat mir gereicht. Es wird wohl an den teilweise trickreichen Passagen mit steilen Ab- und Auffahrten liegen.

Eine kleine Gruppe von Gnus hat sich jenseits des Flusses dicht am Ufer versammelt.



Auf unserer Seite zieht eine viel größere Herde langsam, aber stetig gen Wasser. Ones verpasst erstaunlicherweise den Moment, als das Crossing auf der anderen Seite beginnt. Das Handy hat ihn voll im Griff - wie leider so viele andere Guides und sogar die Gäste in den anderen Jeeps auch. Wir beobachten das immer wieder, verstehen werden wir es wohl nie.

Kaum haben wir unseren Guide unsanft aus der virtuellen Welt zurück in die Realität beordert, düst er den anderen Autos hinterher, die sich schon längst in Position gebracht haben. Erst sind wir relativ weit weg vom Geschehen ...,









... wechseln aber dann noch einmal den Standort und erwischen trotz der Verzögerung einen ganz guten Platz.









Das Wasser ist an dieser Stelle nicht tief und der Einstieg für die Gnus relativ problemlos zu meistern. Das ganz große Spektakel gibt es also nicht. Doch anders als bislang beobachtet, wechseln die Tiere diesmal auf unsere Seite und wir sehen sie somit von vorn. Zudem klettern sie direkt bei unserem Jeep die steile Uferböschung hinauf. Das gefällt uns schon ziemlich gut.





Als dieses relativ kleine Crossing vorüber ist, fühlen wir uns bereit für das zweite. Gierig, ich weiß. Doch die Gnus auf unserer Uferseite lassen sich Zeit. Mal stehen sie schon fast an der Kante, dann kehren sie wieder um. Der Strom der Nachrücker ist abgerissen, kein gutes Zeichen.

Wir vertreiben uns die Wartezeit mit anderen Beobachtungen ...,












... und geben schließlich auf. Die Gnus haben sich weit auf der Ebene verteilt, Ende der Vorstellung.

Auf dem Rückweg zum Camp wird es endlich wieder heller ...,





... beim Mittagessen herrscht die gewohnte Idylle und wir machen die Bekanntschaft von zwei deutschen Frauen, mit denen wir uns auf Anhieb bestens verstehen. Wir verabreden uns zu einem gemeinsamen Essen am selben Abend, sie sind ebenfalls zum ersten Mal in Kenia und haben in Botswana ihre Afrika-Liebe entdeckt. Meine wird am Nachmittag neue Nahrung erhalten - und gleichzeitig auf eine harte Probe gestellt werden.

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13 Sep 2018 19:03 #532577
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Aus der Balance

Für den Nachmittag hat unser Guide einen Plan. Wir lassen uns überraschen, unterwegs gibt es nur wenige Stopps.





Schon aus einiger Entfernung können wir eine stattliche Ansammlung von Autos erkennen, unsere persönliche Schmerzgrenze ist aber noch nicht erreicht. Wir beobachten zunächst zwei Geparde ganz aus der Nähe und freuen uns sehr darüber.











Tatsächlich sind es aber fünf Tiere. Klar habe ich schon einmal von den "fünf Musketieren" gehört, ich hatte die Story aber vergessen und somit auch nicht geplant, sie hier zu finden. Sie jetzt so unverhofft zu sehen, ist einfach toll.



Zwei der Kater sind Brüder, zu der Koalition zählten ursprünglich noch sechs weitere Männchen, was aber nicht funktionierte. Am Ende blieb ein Quintett, das durch seinen Zusammenschluss beinahe Unmögliches möglich macht. Die Tiere können Gnus und ausgewachsene Topis erlegen und sind seit dem Ableben der berühmten Malaika die unumstrittenen Superstars der Mara.







Es kommt Bewegung in die außergewöhnliche Gruppe, der Beginn einer großen Show. Die Fünf streifen von Baum zu Baum, markieren ausgiebig ihr Revier, schärfen die Krallen und sind schlichtweg großartig anzuschauen.











Der Ruhm hat leider einen hohen Preis. Immer mehr Autos sind dazugekommen, wir zählen mehr als 60 (!). Auch scheint jede Regel außer Kraft gesetzt. Ganz nach dem Motto "dreist kommt durch" wird den Tieren offroad hinterhergerast und auf den Pelz gerückt - es ist der blanke Horror.



Eine Forumsbekannte hat uns vorab auf die Auswüchse hingewiesen, die sie wenige Wochen vor uns erlebt hat. Ich bin ihr dankbar dafür, die Realität trifft uns trotzdem hart. Wir sind im Zweispalt, ringen mit uns. Bleiben wir, sind wir Teil dieses akuten Problems. Andererseits sind wir für solche Sichtungen hergekommen. Ausblenden geht nicht, dafür ist das Dilemma zu deutlich. Ausweichen wie zwei Jahre zuvor in Tansania funktioniert in der überschaubar großen Mara auch nicht recht, das haben die bisherigen Tage gezeigt.

Ones macht in diesem Moment einen richtig guten Job. Während die meisten anderen Autos auf Augenhöhe mit den Geparden bleiben, fährt er extrem vorausschauend. Machen die Katzen an einem der Bäume halt, sind wir schon längst da. Rücken die anderen Fahrzeuge nach, sind wir schon wieder weg. Auf diese Weise hält sich der Stress für uns in Grenzen, der emotionale Konflikt jedoch bleibt.



Letztlich erfreuen wir uns etwa 20 Minuten so gut es geht an diesem einzigartigen Naturschauspiel, dann fahren wir weiter. Welche Schlüsse wir daraus ziehen, beschäftigt uns noch weit über die Reise hinaus und ist auch jetzt noch ein Thema.

Es dämmert früh, zum Abschluss eines denkwürdigen Tages gibt es die nächste großartige Katzensichtung. Ein größeres Löwenrudel hat sich weit im Gras verteilt, wir sind ganz verzaubert vom jüngsten Familienmitglied.











Beim gemeinsamen Abendessen mit unseren beiden neuen Bekannten wird viel gelacht, Hauptthema sind aber die Eindrücke des Tages. Noch haben die beiden, erst seit einem Tag in der Mara, diese extremen Erfahrungen nicht gemacht. Das Thema wird jedoch ein Dauerbrenner - wie auch unsere Tischgemeinschaft. Ab sofort bilden wir beim Essen ein Quartett, und ein lustiges dazu.

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17 Sep 2018 17:37 #532838
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Ein Fressen für die Geier

In der Nacht habe ich ein bisschen gefröstelt und war froh über die Wärmflasche, die wir Abend für Abend im Bett finden. Bisher habe ich davon immer nur gehört oder gelesen - ein toller Service, ich könnte mich glatt dran gewöhnen. :laugh:





Verwöhnprogramm für Weicheier? Da lachen ja die Hippos.



Frühes Aufstehen, kaltes Wasser, stinkige Brühe: Banalitäten, die ihnen glatt am breiten Hinterteil vorbeigehen.





Unsere erste nennenswerte Sichtung ist ein Löwenmann. Er hatte wohl eine harte Nachtschicht. Jedenfalls wirkt er ein wenig abgespannt, aber auch ziemlich imposant. Vorsorglich rühre ich mich keinen Zentimeter auf meinem Sitz. Man weiß ja nie, wie die Stimmung so ist nach wenig Schlaf.







Kaum ist die Sonne aufgegangen, verschwindet sie auch schon wieder hinter den Wolken. Hätte ich drei Wünsche frei, wäre einer davon sicher Licht.



Die Nacht hat Spuren hinterlassen. Marabus, Geier und eine Hyäne zanken um die Reste eines Gnus. Ein nicht immer appetitliches, aber unterhaltsames Frühstücksprogramm.





Die Hyäne legt einen Tanz hin wie Snoopy, um sich die Vögel vom Leib zu halten...



...gibt aber schließlich entnervt auf. Einen Teil der Beute schleppt sie mühsam weg, der Rest ist ein Fressen für die Geier.









Wieder fahren wir ziemlich weit südlich an den Mara-River. Es wird nun wärmer und heller, in der Ferne ziehen Gnus über die Hügel in unsere Richtung.





Das kann dauern. Macht aber nix, um uns herum ist ziemlich was los.











Endlich haben sich die Gnus in einiger Entfernung eng am Ufer zusammengedrängt. Ones hat die Hand schon am Zündschlüssel, um im Fall der Fälle schnell reagieren zu können. Dann löst sich das Gnu-Gewirr auf. :-( Also wieder warten.









Das Verhalten dieser Tiere ist kaum vorhersehbar, das haben wir mittlerweile gelernt. Ständig geraten sie aus dem Konzept, ändern ohne ersichtlichen Grund ihre Meinung. Die Herde wabert hin und her, irgendwann ist klar: Das wird nichts.

Wir fahren in Richtung Camp und kommen dort vorbei, wo wir schon einmal zumindest ein halbes Crossing beobachten konnten. Es sind einige Gnus da, aber auch sehr viele Autos. Es wird wild rangiert, wir schlucken jede Menge Staub. Wir reden nur darüber, andere tun etwas gegen die trockene Kehle: Links von uns wird eine Flasche Sekt geköpft, rechts gibt's Dosenbier und jede Menge Klönschnack. Jeder, wie er mag. Aber ich sag's mal in der Sportsprache: Fachpublikum ist das hier nicht.



Wir bitten Ones, die Party vorzeitig zu verlassen, und sind mit dieser Entscheidung und dem Vormittag eigentlich ganz zufrieden. Es waren schöne Sichtungen dabei und ein paar Tage haben wir ja auch noch. Aber so ein richtig tolles Crossing, das brennt mir doch langsam unter den Nägeln...

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19 Sep 2018 18:39 #533032
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Regeländerung

Der Nachmittagsdrive fällt mit der Startzeit um 16 Uhr und frühzeitiger Dämmerung immer recht kurz aus. Fahrten nach Sonnenuntergang - so mein Kenntnisstand bis zu diesem Tag nach Ones' Erklärungen zum Auftakt - sind nicht erlaubt, um den Tieren in der Dunkelheit den Freiraum zu lassen, der am Tag häufig zu kurz kommt. Mir machen diese Regeln nichts aus, ohnehin waren Nightdrives nie richtig mein Ding. Eher schon vermisse ich den Klassiker Sundowner. Man kann ihn zwar im Camp (für teures Geld) separat dazubuchen, ich habe aber nie mitbekommen, dass Gäste darauf zurückgegriffen hätten. Sicher auch, weil es etwas anderes ist, nach einem Gamedrive unterwegs anzuhalten, als extra noch einmal (und auch wohl nur ein paar Meter weit) aus dem Camp herauszufahren.

An diesem Nachmittag fahnden wir nach einem Löwenrudel und fahren eine ziemliche lange Strecke, ohne überhaupt irgendwelche Tiere zu sehen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.









Dann sind wir da. Und auch wenn wir diesmal etwas suchen mussten: Katzen sind in der Mara gefühlt überall, ihre Anzahl ist erstaunlich.







Diese Löwen erwachen gerade so richtig zum Leben und wir verbringen über eine Stunde bei ihnen.







Der Jüngste erobert mein Herz im Sturm. Diese Augen - und die Haare hat er auch schön B)







Ich könnte ewig bleiben, doch es dämmert schon...





...und Ones wird nervös. Nicht nur, weil wir noch einen längere Rückweg vor uns haben. Sondern, erläutert er uns, weil vor wenigen Tagen eine neue Parkregel in Kraft getreten sei. Demnach müssen die Autos nun bereits um 18 Uhr und damit weit vor Sonnenuntergang in den Camps sein. Die Guides, berichtet Ones, könnten diese Neuerung überhaupt nicht verstehen und wollen sie deshalb alle gemeinsam so lange ignorieren, bis möglicherweise Strafen folgen. Aber zumindest in der Nähe des Camps möchte er zum Zeitpunkt X sein.



Für mich liegt auf der Hand, was Sinn und Zweck dieser Regel ist - mehr Schonzeit für die Tiere. Die Guides allerdings sehen ihre Felle davonschwimmen, wenn sie ihren Gästen keinen Sonnenuntergang und keine Tiere in ihrer aktivsten Zeit mehr zeigen dürfen. Mein eigener Standpunkt liegt irgendwo dazwischen: insgesamt weniger Gäste bei akzeptablen Regeln.

Am Abend regnet es und unter großem Gelächter tragen alle gemeinsam Mobiliar, Töpfe und Besteck ins große Zelt. Die familiäre Atmosphäre im Camp begeistert mich immer wieder. Ich hoffe inständig, dass es sich in der Nacht abregnet und am nächsten Tag endlich wieder die Sonne scheint. Noch zweieinhalb Tage - ganz langsam rückt das Ende näher. Noch gelingt es mir, den Gedanken daran zu vertreiben...

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24 Sep 2018 18:59 #533546
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Die Jagd

Es ist wie immer noch dunkel, als wir morgens an unserem Zelt abgeholt und zum Wagen begleitet werden. Aber mild, und so können wir uns ziemlich schnell aus unseren Jacken schälen. Für mich als bekennende Frostbeule fängt der Tag damit schon mal gut an.



Ein einsamer Löwenmann steuert erst in unsere Richtung und läuft dann direkt am Auto vorbei. Im Gesicht ist er ganz schön vermackelt, das Leben in der Mara ist kein Ponyhof ...









Nach dem überfüllten Crossing am Vortag hatten wir beschlossen, unsere Strategie zu ändern und antizyklisch an die Sache heranzugehen. Die beste Zeit für die Flussüberquerungen, so heißt es, liegt zwischen 10 und 12 Uhr. Aber diese merkwürdigen Gnus sind wirr, da weiß man nie, und so gehen diese Spektakel zuweilen sogar nachts über die Bühne. Wir wollen also unser Glück am Nachmittag versuchen, um so möglicherweise dem Rummel zu entgehen.



Wir geraten allerdings in einen anderen. Wir haben keine Ahnung, was Ones an diesem Vormittag vorhat und fragen auch nicht, aber sein Ziel sind die fünf Geparde. Als wir fündig werden, streifen sie entspannt durch die Gegend und sind wieder ein faszinierender Anblick.







Dass wir ihn mit vielen anderen Menschen teilen, versteht sich fast von selbst. Aber diesmal ist so manches anders, denn der weiße Jeep der Ranger verbreitet schon durch seine bloße Anwesenheit Angst und Schrecken.







Die Methode ist relativ schlicht, aber effektiv: Die Ordnungshüter machen Fotos von den Autos, die abseits des Weges stehen und fangen diese dann entweder direkt am Ort ab oder schicken ihnen unangenehme Post. Ob es dabei immer mit rechten Dingen zugeht, möchte ich leise bezweifeln. So berichteten unsere beiden deutschen Camp-Freundinnen von einer Situation, als ihr Fahrer die Wahl hatte, entweder den Weg zum Office einzuschlagen oder direkt bei den Rangern bar zu bezahlen - die deutlich preisgünstigere Variante ...







Alle halten sich brav an die Regeln, was gleich viel weniger Stress bedeutet. Zumal Ones wie schon bei der ersten Begegnung den anderen Autos immer ein Stück vorauseilt. Seine Stärken, das haben wir längst erkannt, liegen deutlich im fahrerischen Bereich, beim "Spotten" dagegen ahnen wir leichte Defizite.









Die Tiere halten sich ziemlich lange parallel zum Weg, einen rechten Plan haben sie scheinbar nicht.









Und immer wieder Pinkelpäuschen. Sind so richtige Obermacker, diese Kater.







Der bewusste Baum wird übrigens einen Tag später Schauplatz unseres morgendlichen Picknicks. :sick:







Eine ganze Weile beobachten wir die Fünf und sind von ihrer Show begeistert! An einer Weggabelung biegen wir schließlich ab. Uns reicht es eigentlich, es ist ja auch ziemlich voll, Ones zögert. Wir lassen das Schicksal entscheiden. Laufen die Cheetahs geradeaus oder nach rechts, fahren wir weiter. Folgen sie uns, bleiben wir noch.

Ones hat uns strategisch günstig in der Nähe von Gnus platziert. Die haben gerade keinen Blick für uns und alle Hände voll zu tun ...



Die Geparde laufen tatsächlich in unsere Richtung, registrieren die Gnus, verteilen sich - und dann geht plötzlich alles ganz schnell.





Ein Gepard stürmt auf die Gnus zu und guckt ein Jungtier aus, ...





... hat allerdings die Rechnung ohne die Mutter gemacht, die energisch einschreitet.





Nun übernimmt ein Trio, wir sind völlig elektrisiert, denn das Geschehen spielt sich nun in unmittelbarer Nähe unseres Autos ab.



Ich bin komplett gebannt von den Ereignissen vor meiner Nase, da rauscht etwas durchs Bild. Ein Jeep, er rast mit Vollspeed direkt neben den Tieren her. Rücksichtslos, gegen jede Regel, unverschämt. Wir sind erst völlig verdattert, dann außer uns vor Wut. Zumal wir zunächst denken, dass dieser Wild-West-Stunt den Tieren die Jagd vermasselt hat - was nicht der Fall ist, wie später die Fotos zeigen, sie hätten das Gnu ohnehin knapp verpasst. Viel besser macht es diese Ungehörigkeit allerdings nicht. Wo sind die Ranger, wenn man sie braucht?



Der Jeep braust quer durch die Savanne davon, wir sind absolut fassungslos - und fragen uns vergeblich, was Zweck dieser dreisten Aktion war. Jeder Fotoversuch geht bei hohem Tempo auf diesem holprigem Boden grandios in die Hose, ohnehin hatten die Touris erkennbar lange Brennweiten an Bord.

Es dauert lange, bis meine akuteste Wut verraucht ist. Gleichzeitig bin ich glücklich über diese einmalige Szene, die uns bis heute begeistert. Vorwärts, rückwärts und einmal um die eigene Achse - willkommen in der Achterbahn!

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Letzte Änderung: 24 Sep 2018 19:31 von Beatnick.
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27 Sep 2018 21:42 #533922
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Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss

Nach diesem in jeder Hinsicht aufregenden Morgen brauchen wir Ruhe, Beschaulichkeit, Frieden. Denkt sich auch Ones und fährt mit uns am Talek-River entlang. Hier gefällt es uns ausgesprochen gut, und weil zudem die Sonne scheint, kommt mein seelisches Gleichgewicht langsam wieder ins Lot.







Mit dem Frieden ist es allerdings so eine Sache. Zwei stattliche Löwen haben sich ein schattiges Plätzchen gesucht, beide wirken völlig erledigt, doch die Konkurrenz auf der anderen Seite des Flusses schläft nicht und sendet von Zeit zu Zeit Signale, die nichts Gutes verheißen.



Unsere royalen Kater sind schwer gestresst, vor allem aber hundemüde. Erst gähnt der eine, dann der andere, immer wieder sacken die scheinbar tonnenschweren Köpfe wie in Zeitlupe auf die Pranken. Ich weiß nicht, wer Professor Hastig aus der Sesamstraße noch kennt. Ein Klassiker aus den Siebzigern, an den ich mich sehr erinnert fühle ...





Weil jedoch die Provokationen der lästigen Belagerer kein Ende nehmen, ist an Schlaf nicht zu denken. Mir tun die Jungs fast schon leid, aber es ist ein herrliches Schauspiel. Und der Soundtrack ist natürlich auch nicht schlecht ...







Weiter den Fluss entlang sehen wir viele Tiere ...



... und dann eine riesige Staubwolke. Wir sind baff erstaunt. Ein Crossing? Hier? Tatsächlich wollen die Tiere aber den Fluss nicht queren, sondern stillen lediglich ihren Durst.







Die Szenerie ist für uns Afrika-Idylle pur. Wir bleiben lange stehen und sind endlich auch einmal über weite Strecken erst ganz und dann fast allein.









Die Zabras sind gewohnt schreckhaft, immer wieder fliehen sie scheinbar grundlos in wilder Hatz den Hang hinauf ...,





... um sich dann nach und nach wieder heranzutasten. Wahrscheinlich habe ich schon mehrfach erwähnt, dass ich ein großer Zebrafan bin?! Sie sind auch so herrlich fotogen.





Auch unser weiterer Weg bleibt wunderbar tierreich.









Die Mittagspause ist wie immer der reinste Genuss. Eine große italienische Fotografengruppe ist den ganzen Tag auf Achse, es ist deshalb einsamer und somit noch entspannter als ohnehin schon im Camp, in dem wir uns einfach sauwohl fühlen. Noch ahne ich allerdings nicht, dass es meine letzte mittägliche Auszeit hier sein wird, obwohl wir noch einen weiteren vollen Tag vor uns haben ...

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