THEMA: Unterwegs in den 1970er Jahren
04 Nov 2011 15:08 #211811
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  • Erika am 04 Nov 2011 15:08
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Hallo zusammen

Danke Werner für die Ausschnitte aus der alten Michelin-Karte und das Foto von dem Sandweglein, das weckt Erinnerungen :) ! Ja, man sieht gut, dass es in Botswana damals noch gar keine Teerstrassen gab. Mit dem Ausbau der Verbindungswege wurde erst anfangs der Neunzigerjahre begonnen. Erst wurde nach und nach geschottert und dann geteert. Bis alles fertig war, dauerte es Jahre. Manche Teilstücke waren von den Nordkoreanern so hauchdünn geteert worden, dass nach der Fertigstellung gleich die Ausbesserungstrupps nachfolgten, da sich nach kurzer Zeit Schlaglöcher gebildet hatten. Anhand dieser Karten kann man sich mal ein Bild machen, wie langsam man vorankam. In unserem Fall 1988: Ab Gobabis über Ghanzi, Maun, Moremi, Chobe, Kasane, Katima Mulilo bis Rundu war mit Ausnahme des 1 km langen Teerstücks in Maun nur Tiefsand, normaler Sand oder bestenfalls Schotter. Da lag es nicht drin, mal kurz an einen Namibiaaufenthalt eine Woche Botswana plus Besuch der VicFalls dranzuhängen.

Im Moremi gab es die Camps South Gate, 3rd Bridge mit herrlicher Bademöglichkeit, Xakanaxa und North Gate bereits, aber wie gesagt war alles noch viel spartanischer als jetzt und das Abfallproblem war überhaupt nicht gelöst. Für Moremi hatten wir eine Kopie einer Karte dabei, die auf einem Reissbrett gezeichnet worden war, ohne Angabe von Kilometern usw :S . Sie war wenig hilfreich, denn es waren nur diejenigen Spuren aufgezeichnet, die der Verfasser kannte, aber man konnte immerhin daraus lesen, in welche Himmelsrichtung die paar Spuren führten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir immer wieder ausstiegen um mit dem Kompass die Richtung zu prüften und dass einmal alle drei Kompasse in eine andere Richtung zeigten, was zur Folge hatte, dass die eine Kollegin schlagartig von einen Heulkrampf geschüttelt wurde :huh: . Die Zeit war für sie wieder reif für eine Narkosetablette plus doppeltem Brandy :blink: .

Den Tsetse-Fliegen hatte man mitte der Achtzigerjahre den Kampf angesagt und erreicht, dass sie nach und nach verschwanden. Diese Massnahme hatte zur Folge, dass die Einheimischen ihre Rinder bis weit ins Delta treiben konnten, da dort mehr Futter und Wasser vorhanden war. Die masslose Überweidung wurde dort fortgesetzt. Ich habe aber gehört, dass das irgendwann von den Behörden auf Drängen der Naturschützer gestoppt wurde, was auch gut war, denn sonst hätte das Delta bald so verwüstet und abgefressen ausgesehen wie der Panhandle in der Trockenzeit :( .

Einige von euch haben sich gefragt, wie man Langzeitreisen in früheren Zeiten mit dem Job vereinbaren konnte. Dazu kann ich nur sagen, wenn man wirklich etwas will, dann geht das immer, auch heute noch. Natürlich ist das Problem mit dem Karrierenknick vorhanden, aber es muss jeder für sich entscheiden, was ihm wichtiger ist im Leben. Wir hatten das Glück, dass in der Schweiz grosser Personalmangel herrschte, als wir Ende 1971 von unserer Reise nach Hause kamen. Unsere Sachen waren noch nicht mal ganz ausgepackt als wir bereits wieder einen Job in meiner alten Firma plus Wohnung hatten :woohoo: .

Erika
Meine Reiseberichte:
1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa
www.namibia-forum.ch...ahren.html?start=120
2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle)
www.namibia-forum.ch...g-war-die-huelle.htm
2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania
www.namibia-forum.ch...n-mal-haesslich.html
2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania
www.namibia-forum.ch...-durch-tansania.html
2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia
www.namibia-forum.ch...rd-zum-alptraum.html
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07 Nov 2011 11:31 #212177
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  • grauesnilpferd am 07 Nov 2011 11:31
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Hallo!

Bezueglich der Digitalisierung alter Dias kann ich sagen, dass ich neulich auch meine ganze Diasammmlung auch ausgepackt habe und es zunaechst selbst versucht habe, dann aber schnell den Gedanken aufgegeben habe und auf einen profesionellen Scan-Dienstleister zurueck gegriffen habe. Dabei ist mir ScanCorner (www.scancorner.ch) auf Grund seines guten Preis-/ Leistungsverhaeltnisses aufgefallen. Daher kann ich diesen Service fuer diejenige, die ebenfalls bei einer Diasammlung von ueber 50 Stueck verzweifeln, nur empfehlen.
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10 Nov 2011 13:18 #212616
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  • wernerbauer am 10 Nov 2011 13:18
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Hallo, hier noch etwas über Pkw-Fahrten in alten Zeiten,
www.overland.co.za/t...74_David_Le_Roux.pdf
Falls der link nicht funktioniert:
www.overland.co.za/ >Trip Reports and Feedback > Botswana > ganz nach unten
Grüße Werner
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23 Feb 2012 16:28 #225729
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  • wernerbauer am 10 Nov 2011 13:18
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Hallo, noch ein altes G'schichterl
www.scienceand.com/kalahari/kalahari.html

Werner
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06 Jun 2012 15:12 #238197
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  • hrtoke am 06 Jun 2012 15:12
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Wirklich toller Bericht, ich hoffe, es folgt noch mehr...
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01 Mai 2013 17:46 #287428
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  • wernerbauer am 10 Nov 2011 13:18
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Die Bilder sind wieder drin.
Da die Wiederherstellung der Schreibrechte zum Einfügen der Bilder im Startbeitrag aus 2011 doch nicht so einfach ist, habe ich diesen hier (mit ein paar kleinen Änderungen) nochmals angehängt und die Bilder im Text eingefügt.

Unterwegs in den 1970er Jahren:
Wir haben von 1968 bis 1977 in Südafrika gelebt und die Region 1997, 2002 und 2008 nochmals besucht. Forumsmitglied Carl hat vorgeschlagen: „….wäre es natürlich äußerst spannend ein paar Informationen aus der Zeit Deines Südafrikaaufenthaltes zu bekommen……“ Ich habe nun also versucht zu beschreiben, wie sich Reisen in der Region in 1970er Jahren dargestellt hat und das so strukturiert: Getting around, Nationalparks und Moremi, abschließend noch etwas zu Klima und Wasser…und alles ist viel zu lange geworden.

Was war also anders vor 40 Jahren? Alles natürlich (so wie überall), aber in vielen Belangen war es für den „Selbstfahrer“ eigentlich einfacher als heute, denn, nur wer die Wahl hat, hat auch die Qual.

Getting around: Fahrzeuge, Straßen, Orientierung, Camping, Versorgung

Allradfahrzeuge waren LR (Defender, Rangerover) und Toyota-LC (nur Pick-up). Puch und Jeep waren seltene Exoten. Fast nur Benziner, Diesel waren leistungsschwach und unzuverlässig (LR, Perkins). 4x4’s wurden eigentlich nur angeschafft, wenn/wo sie unbedingt gebraucht wurden (Farmer, Behörden etc.). Die eigentlichen Autos „für’s Grobe“ waren die diversen „bakkies“, die aber nicht mit Allrad ausgestattet und daher billiger waren. Nur wenige Privatpersonen haben sich einen 4x4 geleistet, für den Mittelstand war das eigentlich Luxus. Die durchschnittlichen Südafrikaner sind im Allgemeinen nirgendwo hingefahren, wo sie ihre geheiligte Familienkarosse hätten beschädigen können. Der Krugerpark repräsentierte „Afrika“, dafür braucht man keinen Allrad, der Rest interessierte nicht, weil zu beschwerlich und „gefährlich“. Der internationale Tourismus beschränkte sich auf Jhbg., Krugerpark und die Kapprovinz. Dementsprechend paradiesisch einsam waren die vielen schönen Plätze, die man auch mit einem PKW erreichen konnte und so gab es für viele Jahre PKW-taugliche Reiseziele. Niemand würde heute derartige Touren mit einem PKW machen (ich auch nicht mehr), aber die PKWs waren damals auch robuster. Mit Vorsicht und Umsicht (und Mangels eines 4x4) ging Einiges.
Wir selbst hatten (nach einer kurzen und schlechten Erfahrung mit VW) zunächst einen Peugeot 404, der sich (Dank Schmiernippeln an allen neuralgischen Punkten) gut geschlagen hat.
Der legendäre 404



Trotz aller Vorsicht waren Bodenberührungen aber unvermeidbar und über die Jahre habe ich auf diese Weise einige Liter Tankkapazität herausgeklopft.
Unterbodenkontrolle am Weg von Nova Sofala zur EN1



Die nasse Jahreszeit war meistens schwierig, so z.B. auf der Rückfahrt von Malongane,



anfänglich noch flott unterwegs,



aber schließlich abgesoffen



Nach einigen Erlebnissen dieser Art wollten wir dann doch ein Auto mit mehr Watttiefe und haben uns dann einen gebrauchten Landcruiser Pick-up geleistet und vom Karosseriespengler eine Kabine aufsetzen lassen.
Der brave LC


Damit hatten wir dann keine Probleme mehr oder zumindest andere…..
Der böse LC




Das Straßennetz in SA und Namibia war schon damals sehr gut, die wichtigen Fernverbindungen geteert, die Schotterstraßen des zweitrangigen Straßennetzes waren gut gepflegt; Zimbabwe war ähnlich gut. In Zimbabwe gab es auch „strip roads“, eine Art low-budget Teerstraße mit breitem Schotterbanket. Bei Gegenverkehr mussten beide runter von einer Teerspur; unübersichtliche Stellen waren potenziell gefährlich, weil der Gegenverkehr das nicht immer machte.
Strip roads in Zimbabwe in den 70ern
Anhang:
Letzte Änderung: 02 Mai 2013 16:56 von .
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