THEMA: Unterwegs in den 1970er Jahren
01 Nov 2011 08:10 #211387
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  • fordfahrer am 01 Nov 2011 08:10
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Noch einmal vielen Dank für Eure Einsichten in die wilde Zeit :)

Ja, die Welt verändert sich und damals wäre es ja für viele von uns gar nicht möglich gewesen, mal so für 3-4 Wochen nach Afrika zu reisen, insofern verdanken wir das auch der verbesserten Infrastruktur.

Genießen kann man das alles heute auch noch aber mit zunehmender Einfachheit der Reise kommen natürlich auch Leute, die das eben machen, weil es inn ist. Und da muss ich Lilly rechtgeben, in die Wildnis zu fahren und dann Angst vor der Wildnis zu haben - das erschliesst sich einem nicht richtig - zumal am KAA Gate ja auch die Ranger in der Nähe sind ... .
Aber die Welt rückt durch ihre Entwicklung auch zusammen und der Horizont erweitert sich beträchtlich - das sind Möglichkeiten, die heute weitaus mehr Leuten zur Verfügung stehen, als damals.

Und es geht auch andersrum (man beachte seine Krawatte ;) )
Van Zyl neuer Rektor der TU Chemnitz
Gruss
Christian
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01 Nov 2011 08:44 #211389
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  • carl am 01 Nov 2011 08:44
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lilytrotter schrieb:
Wir einigen uns darauf: Es ist immer noch sehr schön.

Eine wunderbare Zusammenfassung! :)

Eine Frage habe ich aber noch an die 70er und 80er. Musste man in dieser Zeit nicht so viel arbeiten oder wie kommt es, dass Ihr offensichtlich so viel Zeit hattet? Oder auch anders gefragt, was mache ich falsch? ;)

Ich meine ich will mich nicht beklagen, konnte ich doch vor zwei Jahren dank Sabatical Regelung insgesamt drei Monate am Stück durch Afrika reisen, aber das nächste Mal dauert nun wieder ein bisschen.
Okay die sechs Wochen Urlaub im Jahr sind ja im Weltmaßstab gesehen auch nicht zu bemängeln, aber verglichen mit drei oder sechs Monaten doch eher kurz.

Danke und die besten Grüße aus Berlin
Carl
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Letzte Änderung: 01 Nov 2011 08:45 von carl.
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01 Nov 2011 12:48 #211421
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carl schrieb:
lilytrotter schrieb:
Wir einigen uns darauf: Es ist immer noch sehr schön.

Eine wunderbare Zusammenfassung! :)

Eine Frage habe ich aber noch an die 70er und 80er. Musste man in dieser Zeit nicht so viel arbeiten oder wie kommt es, dass Ihr offensichtlich so viel Zeit hattet? Oder auch anders gefragt, was mache ich falsch? ;)

Carl

Tja, Carl, das ist wohl eine Frage der Prioritaetensetzung. Mit der (Lebens-)Zeit ist es nicht viel anders als mit dem Beton, fuer den in den Achtzigern in der Werbung mit dem Slogan "Es kommt darauf an, was man daraus macht" geworben wurde.
Damals gab es auch nicht mehr Zeit an sich. Aber es gab mehr Menschen, die sich getraut haben, abseits des Mainstreams biographische Eckpunkte zu setzen.
Und das manchmal auch zu dem Preis, dass die Karrierekurve eine kleine Delle kriegte.

Thinkaboutit.

Camelthorn
"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
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01 Nov 2011 13:44 #211429
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  • baboon am 01 Nov 2011 13:44
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Hallo Werner,
Hallo Lillytrotter,

da bleibt mir nichts als Euch Beiden 100%ig zuzustimmen...

Grüße baboon

Aber auch Camelthorn hat Recht - gleichwohl, nur mit einer Delle ist es heute vielleicht nicht mehr getan. Ich fühle mich in meinem Job bereits nach 4 Wochen wie der Azubi :evil:
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01 Nov 2011 20:10 #211483
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Damals wie heute war es eine Frage der Prioritäten, camelthorn sagte es schon.
Die einen kauften sich einen neuen Golf und flogen auf die Balearen, wir lagen derweil nach der Arbeit unterm Auto und schweißten und schraubten.

Ich vermute mal, man musste damals genauso viel arbeiten. Wir haben immer viel gearbeitet und wir waren sparsam. Wir denken aber auch, es war damals einfacher seine Arbeit zu verlassen und nach der Rückkehr schnell wieder etwas zu finden.

Eine Bemerkung zu richtig oder falsch machen: Keiner macht da was falsch, man muss sich nur entscheiden, was einem wichtig ist im Leben. Und dann ist es gut. Man stelle sich nur vor, es würden alle gleich machen, wer könnte sich dann die Fingerfertigkeit z.B. als Herz-Operateur erarbeiten und wer die Wissenschaften vorantreiben??

Das, was wir für uns entschieden haben, ist nicht übertragbar und auch wir haben dafür auf einiges Andere verzichtet.
Stichwort Karriereknick: Ja.
Man muss in der Lage sein, immer von unten wieder anzufangen.

Auch das was Erika schrieb, können wir bestätigen: Jeder der heute so was macht, heute geht an die Presse, schreibt ein Büchlein und macht seine HP und Blog (haben damals auch schon einige versucht, sich ihre Reise übers Schreiben zu finanzieren oder sich Sponsoren fürs Fahrzeug zu suchen).

Eines aber, ist heute wirklich anders. Es ist ein Statussymbol geworden, sich so etwas „leisten“ zu können: Exotik und Abenteuer werden gekauft. Davon lebt eine ganze Branche. – Ich meine NICHT die vielen, ebenso Afrika-Infizierten, die sich tapfer ihre nächste 3 wöchige Afrikareise erarbeiten, und auch nicht die, die sie sich entscheiden von Lodge zu Lodge zu reisen, dies aber mit Liebe zur Sache machen! - sondern solche Großmäuler, die man ab und an trifft (auch in ganz anderen Zusammenhängen), die über ihre elitären „Safaris“ und „Abenteuerreisen“ schwadronieren, - da geht es nur um Punkte sammeln auf der Status-Skala, abhaken der „100 Places you have to see...“ mitreden zu können und zu toppen, was der geliebte Kollege gemacht hat. Alles muss man gemacht haben, spezialisierte Reiseangebote wachsen wie Pilze aus dem Boden, das Reiseziel ziert das Prestige und nährt das Ego, ebenso wie Automarken, Möbel und Fine Food. Das kurbelt die Wirtschaft an.
Das mit dem Prestige war damals allerdings das genaue Gegenteil: Wir waren suspekt! Keiner konnte es verstehen.


Aber im Moment habe ich den Eindruck, dass wir uns von den schönen alten Reisegeschichten entfernen und zum Langzeitreisen wechseln, das war nicht meine Absicht, ich hatte es nur zwischendurch für nötig gehalten die Umstände zu erwähnen, damit die Erlebnisse in den Reisegeschichten im entsprechenden Kontext stehen und besser verständlich werden.


Gruß lilytrotter
Always look on the bright side of life... :-)
Walvisbay boomt
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03 Nov 2011 15:44 #211679
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  • wernerbauer am 03 Nov 2011 15:44
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Hallo, ich füge hier jetzt auch noch eine alte Karte ein und zwar diese Michelinkarte Nr. 155, „Africa, Central and South“, 1 : 4.000.000 aus 1969, Kostenpunkt 1,25 Rand.







Man beachte die freien Flächen in Teilen von Zim, Moz und Bots. Das ca. Mitte/Ende der 60er proklamierte Moremi ist noch nicht eingezeichnet.
Für die Touren entlang der Hauptstraßen war die Orientierung natürlich einfach und man ist mit den üblichen Straßenkarten gut zurechtgekommen. Diese waren in bzw. für SA sehr gut. Es gab auch vom Touringclub (AA) einen hervorragenden Autoatlas, mit Illustrationen und Text, praktisch schon ein Reiseführer. Reiseführer für Mozambique oder Botswana gab es nicht. Wahrscheinlich gab es da in Europa ein besseres Bücherangebot, wo man auch Verhaltenstipps für solche Fahrten finden konnte.
Für Botswana und Mozambique gab es nur die Karten vom AA, die ich leider nicht mehr habe. Aber es war im Prinzip nicht viel mehr drauf als auf obiger Michelinkarte, nur das Papierformat war größer und auf der Rückseite standen ein paar elementare Länderinformationen. Die Pisten abseits der Fernverbindungen waren entweder nicht erfasst und wenn, höchstens als allgemeine Richtungsangabe zu werten. Für solche Routen waren die Karten auch ungenau in Bezug auf Ortsnamen und Entfernungen zwischen Abzweigungen und Beschilderungen an den Wegekreuzungen gab es praktisch keine, man (ich) konnte sich schon leicht verfahren. Natürlich hat man das irgendwann bemerkt und solange man sich rechtzeitig seiner Grenzen bewusst wurde, konnte man auch nicht „verloren gehen“. Die eigentliche Unsicherheit bzw. Verunsicherung war immer der Spritverlust wegen "leerer Kilometer". Denn der Spritvorrat war immer (zu) knapp, weil es am Land keine verlässliche Versorgung gab und der Verbrauch der damaligen Benziner mit Vergasermotoren und 4-Ganggetrieb bei diesen Fahrverhältnissen und querfeldein sehr hoch war, mindestens 50% höher als bei modernen Autos.

@ Erika und Botswana 1988
Danke Erika, deine Schilderung der Straße aus/nach Namibia ist noch genauso wie wir das 1977 erlebt haben, die gute Straße wurde demnach erst relativ spät gebaut.



In Moremi gab es nach meiner Erinnerung bis 1977 nur einen (erlaubten) Campingplatz bei 3rd Bridge, weil es dort den Fluss für Baden und Trinken gibt und sonst keine Infrastruktur war. Beim South Gate war nichts, nicht ein Mal ein richtiges gate (nur ein Platz mit den guides, wo man auch bezahlt hat), obwohl man sich natürlich draußen überall in und durch die Büsche schlagen konnte, wenn man die Ortskenntnis hatte. Die direkten Straßen nach North Gate und Xakanaxa gab es glaube ich nicht. Ein North Gate bzw. eine Durchfahrtsmöglichkeit muss es aber schon gegeben haben, weil ein Mal Overlander (London > Kapstadt, organisiert) aus dieser Richtung durchkamen. Die waren schon so fertig, dass sie nur auf der Brücke und im Wasser gelegen sind und an Ausfahrten und Tieren kein Interesse mehr hatten.
Wir sind ein paar Mal bis ca. Hippo Pools (glaube ich) gefahren, ich kann mich aber nicht an einen Campingplatz bei Xakanaxa erinnern, der muss erst später entstanden sein.
Gab es bei deinem Besuch 1988 auch noch so viele Tsetsefliegen? Bei unseren Besuchen musste man sich im Wald und Buschland noch einwickeln wie eine Mumie, sonst wäre man ausgesaugt worden.

@ Müll im Moremi und überall.
Wenn man Papier und Plastik (damals fast nicht vorhanden) verbrennt, organisches „unterwegs kompostiert“, Konservendosen (damals kein Aluminium) ordentlich im Feuer ausbrennt, flach klopft und tief vergräbt und Glas wieder mit nimmt, bleibt überhaupt kein Müll zurück. Leider haben das viele nicht gemacht.

@ Zeit und Geld fürs Reisen, damals und jetzt
Ich möchte in Erinnerung bringen, dass es damals noch die 48 Stundenwoche mit Arbeit am Samstag gab. In SA hatte ich auch damals schon ein „all-inclusive“ Arbeitsverhältnis und sicherlich mehr gearbeitet (auch samstags) als in einem gleichartigen Job in Österreich, allerdings auch besser verdient. Es gab aber vergleichsweise mehr Urlaubstage, auch alle 5 Jahre einen zusätzlichen Monat “longservice leave“ und manchmal ein paar Wochen zusätzlich asl Kompensation für lange Perioden mit 60/70 Stundenwochen. Unsere längste Tour von ca. 10 Wochen ging aber auch erst nach Beendigung meines Arbeitsverhältnisses. Schwierige Fernreisen und Expeditionen (wie von Erika und Lilytrotter) waren für eine junge Familie mit Kleinkindern sowieso nicht möglich. Bezüglich Reisen in der Region waren wir natürlich privilegiert, weil wir vor Ort waren. Wir haben praktisch jeden freien Tag genützt um irgendwo hinzu fahren, was aber nur leistbar war, weil wir meistens gezeltet haben, und wenn mal nicht, haben wir in den NP meistens die billigste Bungalowkategorie genommen. Diese war damals sehr spartanisch und wenn heute eine Kaserne so ausgestattet wäre, würde jemand die Menschenrechtsliga anrufen. Hat aber damals niemanden gestört, war Luxus pur nicht schon wieder Zelt rauf und runter machen zu müssen. Nach unserer Rückkehr nach Österreich war für viele Jahre an solche Fernreisen nicht zu denken, bloß zu träumen. Es gut uns heute echt gut.
Grüße Werner
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